Unterwegs zur menschlichen Gestalt: Mischwesen

IMG_5617a Am Anfang, das wissen wir alle, schuf Gott Himmel und Erde, ein paar Tage drauf die Tiere und schließlich den Menschen. „Nach seinem Ebenbild“ – eine einfache Formel, wüssten wir, wie Gott aussieht.

Seit Darwin ist die Vorstellung im Umlauf, dass Gott nur die Amöbe schuf, alles andere habe sich automatisch nach dem Gesetz von Versuch und Irrtum und dem Überleben des besser Angepassten entwickelt. Manchmal klappte es nicht so, es vermischten sich die Gattungen: Fischen wuchsen Flügel, Vögel wurden zu Landgängern und allerlei Bastarde entstanden, etwa der Minotaurus und der Kentaur auf dem Bild.

IMG_5620Vielleicht ist es aber gar nicht so gewesen? Vielleicht – ich frage ja nur! – schuf und schafft Gott das Leben und bildet ihm ein sein Ebenbild. Und so strebt das Lebendige seit allem Anbeginn dem Göttlichen zu, bemüht, ihm gleich zu werden.

Der Mensch hat seither viele Stufen der Entwicklung durchlaufen, hat Gestalten angenommen und wieder verworfen, und ist nun das, was wir kennen. Immer noch in Entwicklung begriffen freilich, denn: gleicht unsere Gestalt der uns eingepflanzten Idee vom Göttlichen? Nun, teils – teils, würde ich sagen. Leonardo hat in seinen Studien zu den menschlichen Proportionen ja etliche Übereinstimmungen mit den harmonischen Gesetzen gefunden, die den gesamten Weltenbau beherrschen.

Leonardo, Vitruvianischer Mensch

Es gab Zeiten, da imaginierte der Mensch seine Götter als Mischgestalten, zum Beispiel die widderköpfige Amun oder den falkenköpfigen Re der Ägypter. Die Griechen sahen ihren Gott Zeus in der Gestalt des Stiers oder Schwans sich den Menschen nähern, und als Goldregen kam Zeus zu Danae, denn seinen direkten Anblick konnte sie nicht ertragen. Die Darstellungen solcher Mischverhältnisse und Kopulierereien waren im antiken Griechenland keineswegs anrüchig. Sie hatten fast rituellen Charakter.

Zeus-greek-god-10 Erst seit der Wiederentdeckung des griechischen Altertums und seiner Mythen wurden die Weiber als wollüstige und/oder vergewaltigte Wesen ins Bild gesetzt. (Hier: Europa mit dem Stier von Beckmann und Danae von Klimt.)

Beckmann, Euro u der Stier Klimt, Danae

Nun zurück zu meinen griechischen Mischwesen. Rechts oben seht ihr den Schöpfer – fragt mich nicht, wer das sei! -,  und links den Minotaurus mit dem Symbol der Sonne über seinem Haupt – denn seine Mutter Pasiphae war eine Tochter des Helios. Der Minotaurus hat einen menschlichen Leib, aber einen stierigen Kopf. Das ist eine sehr unglückliche Kombination. Er hält zwei Tierköpfe hoch, und es scheint mir, der Schöpfer überlegt, welches der passendere sei.  – In der Mitte ein Kentaur, eigentlich ein Pferd, aber sein oberer Teil ist menschlich. Deshalb denkt er wie ein Mensch.  Das zeigt sich in seiner spitzen Lanze. Kentaur wird sprachlichlich abgeleitet von kentao (sticken) und Aura: Er sticht in die Aura, als Heiler (Akkupunktur) oder um zu töten.

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Nachdem der Schöpfer  die Gestalten umrissen hatte, setzte er sie in Bewegung.

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Denn er war neugierig. Wie würden sie sich verhalten, wenn er sich selbst raushielt? Was würde die Oberhand gewinnen: das tierische oder das menschliche Element?

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Ich fürchte, diese Frage ist immer noch nicht entschieden.

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Zugvögel

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Die Zugvögel tragen die Farben der Landschaften in ihrem Gefieder.  Grenzpfähle kümmern sie nicht.  Sie fliegen in den hellen Morgen hinein und …

IMG_5615 a… sie fliegen, wenn das Licht schwindet.

IMG_5616bbbSie fliegen über abgeerntete Felder und aufgebrochene Äcker, gen Süden fliegen sie.

IMG_5616aaaSie fliegen über das Meer, das Homer das weinfarbene nannte.

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Sie werfen ihre Schatten über die ausgedörrten baumlosen Ebenen Afrikas

IMG_5616ccccIhre Sehnsucht trägt sie den frischen hellgrünen Saaten zu

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Hier werden sie bleiben, bis sie erneut den Aufbruch suchen.

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Mit den Farben ihrer großen Reise im Gefieder kehren sie zurück in die Länder des Nordens.

 

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Montags ist Fototermin: Meer, Gebirge, Wolke

Ich bin in Athen, das Meer ist meinem Blick entschwunden, aber es ist in mir.

Abend in Akrogiali copy

Das hohe Gebirge ist von mir fortgerückt, aber ich trage es in mir.

8. Januar Taygetos, Altamira 18

Ich erinnere mich: ich schwebte als kleine weiße Wolke über der dunkelnden Erde, dem dunkelnden Meer.

Wolke SW

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Griechische Kunst am Sonntag: Dominicus Theotokopoulos alias El Greco

Den Namen El Greco kennt wohl jeder. Mit seinem Namen verbinden sich einige der größten Werke der abendländischen Malerei. Den Namen Dominicos Theotokopoulos – wer kennt ihn? Vermutlich nur die Griechen. Und doch handelt es sich um dieselbe Person. Mit diesem Namen zeichnete „El Greco“ – der Grieche – seine Werke. ElGreco_signature

Denn Grieche war er und blieb er, obgleich er wie viele seiner Landsleute die Heimat verließ.  Auf seinem Lesepult in Toledo sah ich, was er kurz vor seinem Tod gelesen hatte: Die Anabasis von Xenophon (430/425 – ca. 355 v. Chr.) lag dort aufgeschlagen, wo der Maler sie verlassen hatte.

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Leider habe ich außer diesem einen schlechten Foto, das, so weit ich mich erinnere, den Evangelisten Matthäus darstellt, keines, das ich selbst aufgenommen hätte. Denn im Geburtsland des Malers gibt es sehr wenige seiner Werke. Dabei haben die Griechen eine fast religiöse Verehrung für ihn. Als ich einmal eine Ausstellung in Heraklion auf Kreta sah, pilgerten nicht wenige schwarzgekleidete Bäuerinnen zur Ausstellung, um den „Ikonen“ (Bildern) ihres Landsmanns ihre Reverenz zu erweisen.

Die meisten Werke sah ich in Spanien – in Toledo, wo er lange Zeit lebte und starb, und in Madrid. Die Wirkung der dynamischen Figuren und Farbflächen, so ganz anders als die seiner Zeitgenossen, lässt sich kaum beschreiben.

Dominikus Theotokopoulos wurde 1541 in Candia (so hieß Heraklion während der Zeit der Venetianischen Besatzung)  geboren, und entwickelte sich dort zum anerkannten Ikonenmaler. Gefördert von humanistischen Freunden ging er nach Venedig, wo sich damals viele vor den Türken geflohene Griechen aufhielten (sie gründeten dort die ersten Druckereien, durch die antike Schriften nach Italien kamen und die Renaissance geistig unterfütterten), später nach Mailand und Rom. Unbekannt, wann und wie, siedelte er einige Jahre später nach Spanien über und ließ sich schließlich in Toledo nieder. Dort starb er am 7. 4. 1614.

Berühmt und umstritten zu Lebzeiten, wurde er nach seinem Tod fast vergessen. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts gab es eine kleine Renaissance. Doch erst um 1900  wurde er zu einem der wichtigsten Vorbilder der sich anbahnenden Moderne. Manet, Van Gogh, Cezanne und nicht zuletzt Picasso ließen sich von seinem Werk inspirieren. Das bahnbrechende Werk von Picasso – Les Mademoiselles d’Avignon – nimmt direkt auf Die Öffnung des 7. Siegels von Greco Bezug.

El_Greco,_The_Vision_of_Saint_John_(1608-1614) Les_Demoiselles_d'Avignon

Zum Thema des Einflusses von El Greco auf die Moderne gab es 2014 eine große Ausstellung in Madrid. Wer sich für Kunstgeschichte interessiert, findet dazu im internet umfängliche Darstellungen.

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Griechische Dichtung am Sonntag: Kavafis, Warten auf die Barbaren

Noch einmal Konstantinos Kavafis, dessen Werk mir immer den Atem nimmt. Das heutige Gedicht trägt den Titel: Warten auf die Barbaren. Es ist aufgebaut als Dialog. Die Strophen beginnen mit dem Wort γιατί, das sowohl warum? als auch weil  bedeutet. Die Frage Warum? wechselt ab mit der Antwort Weil.  Geschrieben hat Kavafis das Gedicht 1898, erstmals veröffentlich 1904. Bewusst altertümlich war in der Sprache schon damals, aber das täuscht. Denn die Stoßkraft dieses Gedichts hat seither eher zugenommen.

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Warten auf die Barbaren

Worauf warten wir, versammelt auf der Agora?

Es heißt, die Barbaren kommen heute.

Warum diese Untätigkeit des Senats? Was sitzen die Senatoren / herum und verabschieden keine Gesetze?

Weil die Barbaren heute kommen. / Was für Gesetze sollen die Senatoren noch machen? / Wenn die Barbaren da sind, werden sie die Gesetze machen.

Warum ist unser Kaiser heute so früh aufgestanden / Und sitzt am größten Tor unserer Stadt / Auf seinem Thron, amtlich, seine Krone tragend?

Weil die Barbaren heute kommen / Und der Kaiser wartet darauf, ihren Anführer / zu begrüßen. Ja, er hat sogar ein Dokument vorbereitet, / um es ihm zu überreichen. Darauf hat er ihm viele Titel und Namen zugeschrieben.

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Warum sind unsere beiden Konsuln und die Praetoren / mit ihren roten, bestickten Togen erschienen? / Warum haben sie Armreifen mit so vielen Amethysten angelegt / und Ringe mit hell glänzenden Smaragden? Warum halten sie kostbare Amtstäbe, geschnitzt mit Silber und Gold?

Weil die Barbaren heute kommen, / und solche Dinge blenden die Barbaren.

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Warum erscheinen heute die tüchtigen Redner nicht wie sonst, / ihre Reden zu halten und das Ihre zu sagen?

Weil die Barbaren heute kommen, und die langweilen sich / Bei Beredsamkeit und öffentlichen Debatten.

Warum auf einmal diese Unruhe und / Verwirrung? (Wie ernst die Gesichter geworden sind), / warum leeren sich plötzlich die Straßen und Plätze / und alle kehren sehr nachdenklich nach Haus zurück?

Weil es Nacht geworden ist, und die Barbaren sind nicht gekommen. / Und einige Leute sind von den Grenzen zurückgekehrt / und sagen, dass es keine Barbaren mehr gibt.

Und was soll nun aus uns werden, ohne Barbaren? / Diese Menschen waren irgendwie doch auch eine Lösung.

 

IMG_4815Die letzten beiden Zeilen sind in der griechischen politischen Debatte fast zur stehenden Rede geworden. Sie lauten im Original:

  Και τώρα τι θα γένουμε χωρίς βαρβάρους.
Οι άνθρωποι αυτοί ήσαν μια κάποια λύσις.

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Samstag ist Märchenstunde : Die Bremer Stadtmusikanten (über das Altwerden)

img_4920 zerberus-detail-6a img_46061a the-cock a  Das Märchen von den Bremer Stadtmusikanten – wer kennt es nicht? Vier altersschwache Tiere, deren Besitzer sie umbringen wollen, tun sich zusammen. Sie wollen nach Bremen ziehen. Unterwegs bricht die Nacht herein. Ein Licht führt sie zu einem einsamen Haus, in dem Räuber tafeln. Mit vereinten Kräften veranstalten sie ein Konzert, das die Räuber in die Flucht schlägt. Sie sättigen sich, legen sich schlafen. Mitternacht geht vorbei. Die Räuber frieren draußen im Wald und haben Sehnsucht nach ihrer gut geheizten Bude. Sie denken sich: Nanu, waren wir dumm, uns ins Bockshorn jagen zu lassen? Wollen doch mal nachsehen, ob das Haus jetzt ruhig ist. Der Räuberhauptmann schickt einen Mann voraus. Der geht ins  Haus, will an den Augen des Katers, die er für Kohlen hält, ein Streichholz entzünden, der Kater springt ihm ins Gesicht. Da rennt der arme Teufel zur Hintertür raus, wo der Hund sein Bein erwischt und der Esel ihm einen Tritt versetzt. Der Hahn aber schreit Kikeriki.

Die Räuber sind nun vollends davon überzeugt, dass es im Hause spukt, und suchen das Weite. Unsere vier Gesellen aber bleiben, wo sie sind, im Haus im Wald, und lassen es sich gut gehen.

Natürlich ist das Grimmsche Märchen weit schöner erzählt, ihr könnt es ja nachlesen.

Was mich interessiert, sind die dargestellten Charaktere. Mit wem würde ich gern Gesellschaft halten?

img_4920 Der Esel: fleißig und geduldig und ein guter Sänger obendrein. – Sein Herr? Brutal und undankbar.

zerberus-detail-6a Der Hund: loyal und ein guter Jäger. – Sein Herr? Brutal und undankbar.

IMG_3264a Der Kater: spielerisch, spinnt gern hinter dem Ofen und denkt über Mäuse nach, die er früher gefangen hat – Seine Herrin? Brutal und undankbar.

the-cock aa Der Hahn: ein christlich informierter Wetterprophet. Die Hausfrau? Sie will den christlichen Propheten ihren Gästen als Essen vorsetzen. Entsetzlich!

Zwei Männer, zwei Frauen – dieselbe Gesinnung. Sie wollen den verdienstvollen Tieren das Leben verkürzen und möglichst noch einen Profit draus schlagen

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Mit wem also würde ich gern Gesellschaft machen? Na, was meinst du? mit dem Esel, dem Hund, der Katze und dem Hahn natürlich. Den Menschen würde ich lieber aus dem Wege gehen. Sie tragen ein Messer in der Tasche oder halten einen Sack bereit, mich zu ersäufen.

Wer es wohl war, der diese Geschichte ersann? Ein Tierliebhaber? Oder vielleicht doch ein Menschenfreund, der meinte, man solle ausgedientes Personal nicht von Haus und Hof jagen, sondern ihm ein friedliches Lebensende gönnen, mit Musik und einem wärmenden Feuer im Kamin

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Um dieser seiner menschenfreundlichen Utopie Grund und Boden zu schaffen, musste er vier Tiere und eine Räuberbande erfinden, die den ausgedienten Alten ihre Behausung samt Essensvorräten überließen, nicht ganz freiwillig zwar – aber mir soll es recht sein, wenn es den alten Kumpels billig ist.

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Hört, hört! Der Hahn hält eine Rede!

Wovon spricht er denn?

Von einer Welt, in der man gutes Futter bekommt, ohne befürchten zu müssen, am Ende geschlachtet zu werden.  

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„mit dem Mond“

1919050_1454078593350_5600892_n  Der Mond? Verrückt. Wie kamen die Germanen nur darauf, für unseren romantisch stimmenden Nachtbeleuchter das Maskulinum zu wählen? La Lune, natürlich. Luna. Im Griechischen war es die Selene, bis sie, im heutigen Umgangsgriechisch, zum Neutrum verkam als das fengari. Fengo bedeutet nicht viel mehr als eben Leuchten wie mit einer Laterne. Selene hingegen war eine Gottheit.

Das Bild „mit dem Mond“, das ich euch heute zeigen möchte, ist irgendwo zwischen Romantik und Industrielandschaft angesiedelt, und insofern ist mir das Neutrum ganz recht. Technisch liegt es ebenfalls in between: zwischen Collage und Malerei.

1919050_1454078593350_5600892_nDoch wenn ich mich hingebe dem Licht des Mondes, das über dem Wasser webt und alle Dinge einspinnt in sein Licht aus Traumgespinst, dann ist es doch wieder Selene, die große Gottheit, die durch die Nacht wandelt und uns verbindet mit Welten, die wir sonst schon vergessen haben.

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Grübeleien

Auf den Tag genau vor vier Monaten schrieb ich: Am Herbst-Äquinoktium stehen Tag und Nacht im zarten, zögernden Gleichgewicht. Danach neigt sich die Waage entschlossen der Nacht zu. Aber nicht für immer: Schon drei Monate später, zu Weihnachten, beginnt das Licht wieder zu wachsen….

Den Beitrag beendete ich mit einem frommen Wunsch: Möge sich die feine Balance, in der sich die Erde dann befindet, wohltuend auf die Gemüter auswirken! Dass sie ihre Polaritäten ausgleichen, ihre Waffen niederlegen und zusammenwirken im schönen Gleichgewicht der Kräfte. https://gerdakazakou.com/2015/09/14/equilibrium IMG_4542„Gut gebrüllt, Löwe“, möchte ich mir mit Shakespeare (Ein Sommernachtstraum) zurufen. Ach ja, unsere Polaritäten! Wie sie ins Gleichgewicht bringen? Entweder entschweben wir hoch in die blauen Lüfte der Illusion oder versinken tief in der Materialität unserer modernen Existenz. Oder sogar beides, nacheinander. Ikarus ist der Paradefall, um das zu demonstrieren.  https://gerdakazakou.com/2015/07/20/ikaros/

IMG_4246 copy Die Story ist verflucht aktuell:  Daedalos war ein großer Mechaniker. Er erfand den automatischen Wächter Talos, der wie ein moderner Riesenroboter die Insel Kreta umkreiste – Schrecken der ankommenden Reisenden. Statt Blut hatte er Treibstoff in seinen Adern. Daedalos erdachte den Kuh-Mechanismus, in den die Helios-Tochter und Minos-Gattin Pasiphae stieg, um sich vom Stier begatten zu lassen. So wurde das Biest gezeugt, halb Mensch, halb Tier, das als Minotaurus bekannt ist.  Daedalos baute das Labyrinth, in dem diese üble Kreuzung aus technischem Verstand und sinnlicher Begierde eingesperrt wurde.

Foto 13Es war eine Welt der mechanischen Wunder, die das Genie des Daedalos erschuf.  Das selbst erbaute Labyrinth wurde ihm schließlich zum Gefängnis. Minos sperrte ihn ein. Wie entkommen? Flügel konnte er sich nicht wachsen lassen. Nur technische Flügel konnte er bauen. Damit besiegelte er das Schicksal seines Sohnes Ikaros. Denn der, jung, naiv und in Überschätzung seiner Kräfte, strebte schnurstracks nach der Sonne. Und stürzte hinab, hinab, hinab ins Meer.

Und ich selbst? Matt vom Grübeln lieg ich zu Bette, das Herz ein roter Ballon schwebt über mir („Geh aus mein Herz und suche Freud“). Darüber helle und dunkle Gedankenenergie in „schönem Gleichgewicht“.

IMG_2707Wären da nicht die lieben Tiere und ein kleines Engelsvolk, die unter mir wachen – das Bett könnte unter dem Gewicht der Gedanken glatt zusammenbrechen.

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Von Einbeinern und Zweibeinern

Beim Volk der Einbeiner herrscht Aufruhr. Ein Zweibeiner ist aufgetaucht. Ein Zweibeiner! Eine Zweibeinerin, genau gesprochen.  Schaut her! Wie diese Unverschämte geht! Wie sie ihr Haar wehen lässt! Kennt sie denn keine Scham? Man sollte sie – wer wird denn endlich – wielange sollen wir noch – am liebsten würde ich – ! Wo eine ist, kommt bald auch eine zweite! Es ist wie bei den Ratten, sie vermehren sich schneller, als man sie – !

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Fünf Einbeiner und eine Zweibeinerin (c) Gerda Kazakou

Den Einbeinern steht das Haar zu Berge. Sie sind fassungslos. Fast erstarren sie zur Salzsäule.

Ich kann es ihnen nachfühlen: Für den, der sich ein Leben lang auf einem Bein hüpfend  vorwärts bewegt hat, stellt das Erscheinen eines Zweibeiners sein gesamtes Lebenskonzept infrage.

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Der neue Mond

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Eine Mauer, eine Grenze, darüber der Himmel.

Die Tage sind mild, manchmal auch stürmisch. Gestern abend wurde mein Herz froh, wie immer, wenn ich den neu geborenen Mond sehe. Fröhlich war auch die Erde, und mit ihr die Menschen und die Tiere, die Wanderer und die Segler am Horizont.

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Schnell sank der Tag, und die Nacht zog herauf. Die Wolken fuhren noch eine Weile rotgewandet über den Himmel, Erinnerung an einst mächtige Götter.

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Dann senkte sich das Schweigen der Nacht über die beruhigte Erde.

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Ich weiß nicht, sah nur ich es, oder öffnete sich der Himmel? Mir war, als sandten unzählige Sterne ihr tröstendes Licht zu uns, den Menschen, herab.

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Was vermag gegen dieses Licht die Dunkelheit, die wir in unseren Herzen tragen? Sie leistet Widerstand, sie ballt sich zusammen, sie grenzt sich ab, aber sie hat nicht die Macht, den Sieg des Lichts zu verhindern.

So sei es.

 

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