Im Anschluss an die am 2. Juni dargestellte Lektion I,2-4 schrieb ich ein paar Gedanken dazu auf.
Mir war aufgefallen, dass Klee dem zeichnenden Subjekt keinen Platz anweist. Der Punkt ist ein „Agens“, die Linie kann aktiv, medial oder passiv sein, und die Fläche wird gelegentlich als „Aktivum“ bezeichnet. Wo und wie aber befinde ich, die Zeichnerin, mich selbst in diesem Prozess?
Und so beschloss ich, mich an die Stelle des Gezeichneten zu versetzen: Ich bin der wandernde Punkt, ich bin die aktive frei herumspazierende Linie, die mediale Linie, die Schritt um Schritt gedachte Flächen umwandert und dadurch erzeugt. Schließlich bin ich auch einer der Punkte, der im rhythmischen Marsch der Linien eine Fläche erschafft.
Mir kommen bei dem schwarzen Viereck Aufmärsche der SS in den Sinn, die in großen abgezirkelten Blöcken aufmarschierten (Gettys Images, Hitlers Geburtstag, 1939)

Selbstverständlich sind es nicht notwendigerweise so finstere Flächen, die sich in gemeinsamer Bewegung erzeugen. Es können helle, lebensvolle, lebendige Flächen sein. Jede gemeinsame rhythmische Bewegung kann dafür als Vorstellungshilfe herangezogen werden. Bei den Linien, die um einen zentralen Punkt kreisen, fühle ich mich an den paneurhythmischen Rundtanz erinnert, in dem sich die Tänzer paarweise wie Achsen eines Rades oder auch wie Radien in konzentrischen Kreisen um ein imaginiertes Sonnenzentrum drehen.

(offizielle Website der UWB, Bulgarien)
Auch der Blick des Auges ist beweglich, läuft an gedachten Linien entlang, erzeugt imaginäre Flächen und Raumgebilde.
„Ich sitze an meinem Schreiblisch, ein Punkt mit Ausdehnung. Ich schaue mich um. Mein Sichtfeld ist begrenzt durch Wände. Mein Blick formt einen unvollendeten Kreis. Er verläuft nicht gleichförmig, verirrt sich, bleibt hängen, registriert, läuft weiter, beginnt erneut sich zu bewegen. Ich nehme den Raum wahrnehmend in Besitz.“
Die Blüte der Kalendula tut dasselbe, allerdings nicht wahrnehmend, sondern wirklich, wenn sie sich vom „dicken Punkt“ des Samens zur Blüte entwickelt.
Die nun folgenden Seiten des „Pädagogischen Skizzenbuches“ überschlage ich und wende mich dem 2. Kapitel zu, in dem es um die perspektivische Wahrnehmung geht.

































