XV Der Teufel (Tarot-Legebild-Collagen)

Hols der Teufel! Grad habe ich mich nach dem Gehängtem und dem Tod im Herrschaftsbereich der Mäßigung ein wenig erholt, tritt dieser Herr der Fliegen auf! Er, der nach Tarot-Lesart der Inbegriff von Laster, Versuchung, Täuschung, Besessenheit und Begierden ist, was hat er für eine Gestalt?

Ich habe überhaupt keine Lust, ihn als Ziegenbock-Mensch-Zwitter darzustellen, wie es die Tarot-Spiele gewöhnlich tun. Das ist nichts anderes als eine Verhöhnung des großen Gottes Pan, der in Arkadien zu Hause war. Er, der die Natur selbst verkörpert, Pan=Alles (vergl. Pandemie = im gesamten Staatswesen, vergl auch Panik, in die verfiel, wer des Gottes plötzlich gewahr wurde). NEIN! Diesen Kirchentrick mache ich nicht mit. Es gibt nur einen Pan, aber viele viele Teufel und Teufelchen.

Teufel ist eine Verballhornung des griechischen Worts διαβολος diavolos (im Deutschen erhalten als Deubel und diabolisch). Diabolos bedeutet wörtlich der „Auseinanderwerfer“, und meint den Verleumder, der die Menschen durch Lügen gegeneinander aufbringt und entzweit. Er ist ein träger Typ, der nicht selbst handelt, sondern durch seine Hinterhältigkeit Freunde zu Feinden macht und zu allem Widerwärtigen und Bösartigen anstiftet. Ein Verleumder, Anstifter, Spalter. Einer, der den Biedermann spielt, aber ein Brandstifter ist.

Da gibt es nun viele Anwärter. Ich habe eine Figur gewählt, die durch ihren Hut mit Doppelspitze an die übliche Teufelsfigur mit ihren zwei Hörnern auf Zwist,  Zwiespalt, Zweifel, zwielichtig, zwicken und zwacken anspielt. Bei mir ist er in Rot und in Blau zu haben.

Am Strand begegnet er der Gerechtigkeit und dem Hierophanten und spielt den Nichtsahnenden, der keinen Anteil am Bösen in der Welt hat.

Der Teufel konfrontiert gleichgültig Ritter und Tod, und auch der Herr Kollege mit dem gewaltigen Bockshorn beeindruckt ihn nicht. Mein Teufel, Meister der bösartigen Einflüsterungen,  setzt sich zum Ritter aufs Pferd und träufelt ihm Träume von Ruhm, Gold und Frauen ins Ohr. Oder er erzählt ihm, dass seine Dame zu Hause mit einem Jüngeren ins Bett steigt.

Die bisherigen 15 Karten im Überblick:

 

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, alte Kulturen, Collage, Krieg, Leben, Legearbeiten, Meine Kunst, Mythologie, Natur, Politik, Psyche, Tarotkarten-Legebilder | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 24 Kommentare

ΧΙV Mäßigkeit (Legebild-Collagen)

Nach der Gehängten- und der Todeskarte endlich: Seelenruhe und Harmonie. Mäßigkeit, Templanza – das heißt Ausgleich der Gegensätze, friedliches Beisammensein. Da schreit nicht der eine Hü und der andere Hott, sondern man einigt sich und sagt: Ich habe ein bisschen recht, du hast ein bisschen recht, und so findet man sich in der Mitte.
Die Tugend des Masshaltens zeigt uns den Ausweg aus der ewigen Wahl zwischen zwei Übeln. Die Lösung ist: Das Mass finden, das Mass halten. Es ist der Weg der Mitte“, lese ich bei einem Kartendeuter im Netz. Läuchtet ja irgendwie ein.

Natürlich wussten das bereits die „Alten“. Μέτρον Άριστον befand Kleovoulos von Lindos im 6. Jahrhundert v.Chr., metron ariston. „Maß(halten ist) das beste“. Drum zählte man ihn auch als einen der sieben Weisen.

Doch wie kann man diesen Zustand in ein Bild fassen? Die meisten Tarot-Kartensets zeigen ihn als ein Engelwesen mit großen Flügeln, das Wasser aus einem großen Gefäß in ein kleineres füllt. Das Engelwesen  wurde mir zum Schmetterling, und die zwei Krüge zu zwei Flammen.

XIV Die Mäßigkeit, digital bearbeitetes Legebild, 2020-31-3.

Und wenn auch ihr Revier eigentlich die Natur ist – und hier besonders die Bäche –  sicher hast du sie schon gesehen, als Libelle über dem Wasser schwebend ….

…ist sie auch bei den Menschen unterwegs. Denn wir brauchen sie, die Mäßigkeit, das rechte Maß, die Harmonisierung der Gegensätze, wir brauchen die Mitte, wo unser Herz schlägt.

Auch der Ritter braucht sie, die schmetterlingsleichte Mäßigkeit, und Wohl uns, wenn auch der Tod und der Teufel etwas davon annehmen, anstatt wüst zu hausen.

Am liebsten aber schwebt sie über dem Wasser, dort wo sich der Himmel und das Meer in der Horizontlinie treffen, und lässt ihr Lichtlein mit der Sonne verschmelzen.

Hier nun noch mal alle bisherigen Karten im Überblick:

Und damit verabschiede ich mich aus diesem März, der schwierig war, und begrüße den April, der auch nicht leicht zu werden verspricht. Aber wer weiß!  Abwarten und Tee trinken. Liebe Grüße in alle Himmelsrichtungen! Gerda

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Collage, Leben, Legearbeiten, Meine Kunst, Mythologie, Natur, Tarotkarten-Legebilder, Tiere, Umwelt | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 30 Kommentare

XIII Der Tod (Tarot-Legebild-Collagen)

Au weiha, eben dachte ich noch, der „Gehängte“ sei der Tiefpunkt der Entwicklungsreihe. Und nun sehe ich – ich bin ja keine Tarot-Expertin und muss immer erst in meinem Tarotspiel nachschauen: die nächste Karte, die XIII, ist „Der Tod“. Puh. Aber danach geht es doch weiter, oder? Ja, klar. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Aber es hilft nichts, nun müssen wir ihm das Wort erteilen.

Doch wie sieht er eigentlich aus? Normalerweise wird er als Gerippe dargestellt, eingehüllt ins Leichentuch. Aber ist das logisch? So sieht ein Toter vielleicht aus, aber doch nicht der Tod! Also durchforschte ich mein Archiv, vielleicht fand ich ja dort einen brauchbaren Hinweis. Und was fand ich?

IMG_2471cddrr

eine alte Dame mit Feder am Hut – einen Gangster – einen Chirurgen – einen Torero – ein übermütiges Kind. Die Dame war des Vogels Tod, der Gangster erschoss einen anderen Gangster, der Chirurg war geistesabwesend und vergaß den Patienten, der Torero erstach den Stier, und das übermütige Kind? Vielleicht bringt es mir grad diesen Virus ins Haus.

„Herr, gib jedem seinen eignen Tod“, betete Rilke, und mir scheint, dass es tatsächlich DEN Tod nicht gibt. Aber ich brauche eine Karte für ihn. Oder für sie. Denn bei den Spaniern ist der Tod eine Frau. La Muerte.

Ah, da ist sie ja! Sonne und Mond hält sie in ihrer Hand. Gewaltig schlägt sie ihre Lichttrommel. Die Trommel des Durchgangs und der Verwandlung schlägt sie.

Die Sonne trägt er (sie) hinunter, den Mond hinauf.

Sie (Er) verwandelt die Blumen und schwebt über dem funkelnden Wasser …

Was fürchtest du dich? Der Tod ist Verwandlung.

 

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Collage, Kunst, Leben, Legearbeiten, Meine Kunst, Mythologie, Natur, Tarotkarten-Legebilder | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | 38 Kommentare

XII Der Gehängte (Legebild-Collagen)

„O du Falada, da du hangest“, möchte ich bei dieser Karte ausrufen (Brüder Grimm, „Die Gänsemagd“).  Die Welt steht Kopf. Und du kannst nichts tun, denn du bist kopfüber aufgehängt. Gefesselt. Hilflos. „Der Gehängte“: das ist Stagnation, ausgeliefert sein einer Macht, gegen die du nichts ausrichten kannst.

Die menschenfreundlichen Ausleger dieser Tarot-Karte versprechen dir: Wenn du dein Schicksal hinnimmst, anstatt zu zappeln – was sowieso nichts bringt -,  kannst du zu tiefen Einsichten kommen. 

Heute sind wir alle mehr oder weniger Gehängte. Und von allen Seiten tönt es: Geduld, Geduld! „Und so verzichtet Der Gehängte auf eine aktive Beeinflussung des Geschehens und vertraut darauf, dass am Ende alles gut werden wird“, lese ich.  Wenn ich mich in das Verhängte ergebe und ausharre, werde ich erleuchtet werden, weswegen der Gehängte einen Heiligenschein trägt.

Ich liebe diese Karte nicht. Ich mag keine Verhängnisse, mag keine lang dauernde Stagnation und mag auch nicht aufgehängt sein. Aber ich gebe zu, dass sie die Weltsituation momentan großartig beschreibt: Weil wir, als Menschheit, nicht zur Besinnung kamen, steht unsere Welt Kopf.  Und wurden gezwungen einzuhalten und die Dinge aus einer anderen Perspektive als der gewohnten zu betrachten. Vermutlich werden wir so lange hängen bleiben müssen („Geduld, Geduld!“), bis wir aufhören, davon zu träumen, dass wir es danach erst recht doll treiben werden! („Vier Eiskugeln statt nur zwei, bitte sehr!“). Nee, ist nicht drin, meine Lieben. Die Ressourcen der Erde sind fast erschöpft. Einsicht ist gefragt. So spricht der Herrscher, so spricht auch der Hohepriester. Der Narr trottet unbeeindruckt seines Wegs.

Aufhängen kannst du dich übrigens an jedem sich bietenden Ast, an Haken und Mauervorsprüngen. Auch an einem Sonnenkollektor. Endlos sind die Möglichkeiten. 

Hauptsache, du bleibst ruhig hängen und denkst über deine Sünden nach. Dann wirst du, vielleicht, irgendwann erleuchtet.

Eine kleine Ergänzung (für Petra Pavlovski)

IMG_2444ww

der Gehängte – umgedreht: Balletteuse

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Collage, Kunst, Leben, Legearbeiten, Meine Kunst, Natur, Psyche, Tarotkarten-Legebilder | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 18 Kommentare

XI Die Kraft oder Stärke (Zeichnungen- und Legebild-Collagen)

Eine Karte, die womöglich grad besonders wichtig ist, ist XI Die Stärke. (Sie wird bei Rider-Waite als VIII geführt). Gewöhnlich wird sie illustriert mit einer jungen zarten Frau, die einen Löwen zähmt. „Stärke“ gewinne, wer die löwenhaften ungezähmten Instinktkräfte unter seine Kontrolle bringe. Beide – die starken Lebenskräfte der Instinkte und die domestizierenden Kräfte des selbstbewussten Ich –  müssen zusammenwirken, damit der Mensch in seine volle Kraft kommt. Für die gegenwärtige Situation bedeutet das: Kräftige dich, schütze dich, fühle deine Lebendigkeit, kämpfe, aber sei auch sensibel für die Bedürfnisse der anderen, zügele dich  und nutze deine Stärke, um dich selbst und andere am Leben zu erhalten. 

Ich machte mehrere Anläufe, um die Karte zu illustrieren. Es machte mir viel Spaß.

Als erstes brachte ich in einer Collage den Dürer-Löwen des Hieronymus  (meine Tintenstift-Kopie) mit einem früheren Frauenportrait (Kohlezeichnung) zusammen. Auch eine colorierte Fassung machte ich davon. Sehr kräftig wirken die beiden vielleicht nicht, aber zärtlich und zugewandt. Der Löwe wird unter dem Einfluss der Frau zur zufrieden schnurrenden Katze. Aus dieser Zugewandtheit erwächst ihre Kraft.

Als Zweites machte ich eine Collage von einem Löwen (digital bearbeitetes Legebild) und dem Portrait einer Jugendlichen (Kohle). Diese beiden drücken Kraft und Stärke aus: Stolz ist der Löwen-Beschützer, mitfühlend und zum hilfreichen Handeln entschlossen die junge Frau. Gemeinsam können sie Berge versetzen.

Sicher versteht ihr jetzt, wie diese Karte gemeint ist: die zarte weibliche Kraft ist der wilden männlichen überlegen. Zusammenwirkend sind sie unbesiegbar. Beide Karten gefallen mir, aber sie passen nicht in mein Spiel, Und so machte ich eine dritte Version.

Hier ist die weibliche Kraft noch lieblich-kindlicher dargestellt, aber man spürt, dass dieses Kind-Weib durchaus in der Lage ist, dem wilden Löwen pari zu bieten. Seine noch ungeordneten Antriebskräfte zeigen sich im Leib, der Kopf ist bereits schön ausgeformt. 

Und dann machte ich noch  eine vierte Version. Hier verlasse ich die traditionelle Vorlage. Die weibliche Kraft wird durch eine elegante Füchsin, die männliche durch einen starken ungeschlachten Jüngling in Kampfmontur repräsentiert. Wie werden sie zusammenwirken?

Ich probierte ihre Kraft aus: Ha, wenn sich die Füchsin auf die Schultern des kräftigen Burschen stellt, kann sie es durchaus mit Ritter-Tod-und-Teufel aufnehmen!

 

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Collage, Leben, Legearbeiten, Meine Kunst, Mythologie, Natur, Psyche, Tarotkarten-Legebilder, Tiere, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 22 Kommentare

X Der Rad – Schicksals- oder Glücksrad?

Die No X im Tarot nennt sich „das Rad“ und wird oft als „Schicksalsrad“ ausgelegt. Wie beim Rad, das sich ständig drehe, befinde man sich eben mal oben mal unten.  Und wenn man unten sei, gehe es auch wieder bergauf. Also sei das Beste, es annehmen und die gegebenen Spielräume zu nutzen, lese ich.

Doch ist das Schicksal ein Rad? Ich meine: nein. Es ist tief mit unserem Sein, unserem „Karma“ verwoben und folgt dem Gesetz des Ausgleichs von Nehmen und Geben, dem Gesetz der Nemesis. Selbst die Götter sind ihm unterworfen. Dagegen ist freilich keine Rebellion möglich. Da bleibt nur: es anzunehmen und zu verstehen. Und für den gebotenen Ausgleich zu sorgen. Die gegenwärtige globale Krise ist in diesem Sinne „Schicksal“ für die Menschheit. Geschieht der Ausgleich, dann, und nur dann  dreht sich das Rad und hebt die Menschheit eine Stufe höher.

Dargestellt wird das „Rad“ meist wie die Drehscheibe im Roulett. Das verweist auf eine andere unser Leben beeinflussende Göttin: das Glück. Das Glücksrad ist unberechenbar, es dreht sich, wie es will. Fortuna ist seine Gottheit, Zufall sein Gesetz. Ich mag dies Glücksprinzip nicht besonders, eben weil es sich jedem Kalkül entzieht. Aber es ist unbestreitbar eine gewaltige Macht.

Fortunas Rad und die Nemesis

In Zentrum von „Fortunas Rad“  sitzt bei mir eine spinnenartige Königin. Dümmlich wirkt sie, irrational und amoralisch ist ihr Charakter. Sie lässt die Luft um sich flirren. Ihre Strahlen treffen oder treffen nicht – reiner Zufall. Sie verspricht den Armen Wohlstand, Gesundheit, Liebesglück. Wie verschieden doch die beiden Gottheiten Fortuna und Nemesis sind!

Wo Fortuna lockt, predigt der Hohepriester tauben Ohren. Unser Narr hört das Schwirren ihres Rades mit Vergnügen.

Und die Armen, die wie Zwerge in den Bergwerken schuften, frönen ihr und bringen ihr Opfergaben dar. Können sie die Göttin gnädig stimmen, dass sie sie teilhaben lässt am Reichtum der Welt?

Herr Ritter, was nützen dir deine Tapferkeit und Gelassenheit? Was nützt dir deine Rüstung? Fortunas Rad dreht sich, ihr Strahl trifft dich oder trifft dich nicht. Ein verirrter Pfeil, der Stich einer Wespe kann dein Ende bedeuten. Pech gehabt, Herr Rittersmann.

Und hier die bisherigen Karten im Überblick (zum Vergrößern anklicken):

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, alte Kulturen, Collage, die schöne Welt des Scheins, Leben, Legearbeiten, Meine Kunst, Mythologie, Philosophie, Psyche, Tarotkarten-Legebilder, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 31 Kommentare

IX Der Eremit (Legebild-Collagen)

Sehr aktuell diese Karte, ohne Frage. Wir alle sind ja nolens volens zu Eremiten geworden. Ein paar Zitate von Tarot-AuslegerInnen, aus dem Netz gefischt: „innere Emigration“, „Weg zum inneren Selbst“, „Abschotten nach außen hin“, „Abstand gewinnen, um etwas als Ganzes zu sehen und so neu beurteilen zu können“, „man gewinnt die Erkenntnis, dass die größte Kraftquelle in uns selber ruht“. „Diese Karte verspricht eine Zeit voll neuer Erkenntnisse über sich und die Welt“ und schließlich, als Mahnung fast für die heutige Zeit: „dass Der Eremit zurückblickt in einer Art Reflektion, um alte Ziele und Erkenntnisse einer Prüfung zu unterziehen. Dies ist absolut nötig für eine Neuorientierung.“

Ganz ähnliche Ratschläge lese ich in vielen Beiträgen und Kommentaren. Nutze die Zeit zur Selbstprüfung!  Die gesamte Menschheit möge das tun, damit die notwendige Neuorientierung auch im Außen gelinge.  Dann könnte das verordnete Eremitentum tatsächlich dem Wohle des Ganzen dienen.

Da wir nun alle, ob jung oder graubärtig, wie Eremiten leben sollen, habe ich ihn nicht wie üblich als alten Mann dargestellt, der, gestützt auf seinen Stock, hoch oben in den Bergen seiner kleinen Lampe folgt. Meine Eremitin – es kann auch ein Eremit sein – ist nicht in einen grauen Mantel gehüllt, sondern ihr Mantel ist von farbigen Zeichen übersät. Sie wendet uns den Rücken zu, so dass wir nur einen schmalen Streifen ihres Gesichts erspähen können. Sie trägt eine flammengleiche Krone im nachtschwarzen Haar. Versunken in den Anblick dessen, was geschehen ist und weiter geschieht, bedenkt sie sich und hält Ausschau nach himmlischen Zeichen, die sie mit ihrem spiralförmigen Licht-Organ auffangen und deuten möchte. 

Sie geht und schaut und versucht zu begreifen, zu deuten, eine Einstellung zu gewinnen zu sich selbst, zu ihrer Biografie, zur Geschichte ihres Geburtsvolkes und was denen angetan wurde, die nun ihr Lebens-Volk sind, zur Abhängigkeit von technischer Infrastruktur, zu den Lebensräumen und Lebensformen der anderen, zu der gigantischen Stadt, zu Kampf, Teufel und Tod und zu vielem mehr. (Bitte die Einzel-Bilder anklicken)

Sie fühlt sich beim Schauen nicht allein. Eine kleine Putte hält eine Leiter bereit, wer weiß, wozu nütze. Genauso der Bauklotz. Vielleicht der Grundstein für ein neues Weltgebäude?

Und während sie denkt und schaut und zu begreifen sucht, wird sie selbst von einer höheren Warte aus betrachtet. Wird sie dem melancholischen Engel ein Lächeln entlocken können?

Veröffentlicht unter Allgemein, Collage, Leben, Legearbeiten, Malerei, Meine Kunst, Mythologie, Natur, Philosophie, Psyche, Raum-Zeit-Collagen, Tarotkarten-Legebilder, Technik, Tiere, Umwelt, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 15 Kommentare

Mein Lebensgefühl (1)  Mitternacht 27-28. März 2020

Legearbeit, digital bearbeitet

 

Veröffentlicht unter Allgemein, elektronische Spielereien, Leben, Legearbeiten, Meine Kunst, Psyche | Verschlagwortet mit , , , | 31 Kommentare

VIII Gerechtigkeit: Nemesis und Thetis (Legebild-Collagen)

Die Tarot-Karte VIII Gerechtigkeit (Justitia) ziert gewöhnlich eine strenge fürstlich gekleidete Dame, deren Attribute die Waage und das Schwert sind. Sie wägt ab, kommt zu einem Urteil und setzt es mit der Schärfe des Schwerts durch. Sie hat obrigkeitlichen Charakter.

Ich lasse mich bei der Bildfindung von den beiden griechischen Göttinnen der Gerechtigkeit leiten, die in Ramnous verehrt wurden: Nemesis ist die Göttin des Naturrechts. Sie greift ein, wenn die ehernen Gesetze des Ausgleichs zwischen Nehmen und Geben, auf denen das Wechselspiel der Natur beruht, durch den Übermut der Menschen gestört werden. Ihre Schwester Thetis (von θέτω theto=setzen, daher „Gesetz“)  ist zuständig für die Menschen-Gesetze und achtet darauf, dass sie dem göttlichen Ideal der Gerechtigkeit entsprechen.

Die beiden sind Schwestern, wohlgemerkt. Beide verkörpern das hohe Ideal der Gerechtigkeit. Was wir heute erleben, lenkt meine Aufmerksamkeit aber stärker auf den Herrschaftsbereich der Nemesis.

Nemesis hat mit der gesamtmenschlichen Karma-Bilanz und nicht mit dem Einzelmenschen zu tun.  Da geht es nicht darum, ob ich ein Gesetz übertreten habe, sondern ob das Gleichgewicht von Geben und Nehmen durch das Kollektiv der Menschen  gestört wurde. Ist das der Fall, tritt  Nemesis auf den Plan, um das Gleichgewicht wieder herzustellen.

VIII. Gerechtigkeit. Nemesis

Auf meinem Bild hält Nemesis, gekleidet in Blattgrün, eine Waage, auf deren einer Seite der „Ring der Herrschaft“ der Menschen liegt. Die Flamme im Zentrum zeigt die Senkrechte an, an der sich die Abweichung der einen oder anderen Seite ermisst.

Die Göttin wägt auch diese Szene ab: Rüstung, Waffen, Häuser gegen das Recht der Pferde, das Stück blauen Himmels und das Gras am Boden. Dazwischen ein kampfbereiter Mensch. Man sieht, der „Ring der Herrschaft“ ist schwerer, also wird sie korrigierend eingreifen.

Am Beispiel Wuhan etc kann man ihr Wirken grob illustrieren:

Ausbeutung der Bodenschätze/Extreme Luft- und Bodenverschmutzung/Missachtung der Tierrechte  ——   Atemwegerkrankungen durch Virus, der von einem Tiermarkt auf den Menschen kommt ——- Tod vieler Menschen/ Zwang zu Produktionsbeschränkung – Reine Luft/Wiedererstarken der Natur.

Hier sieht man sie mit ihrer Schwester Thetis, die Flügel trägt, um an die göttliche Herkunft des Gerechtigkeitssinns zu erinnern. Auch sie hält Messwerkzeug in der Hand, mit dem sie die Abweichung des menschlichen Handelns von der gerechten Norm ausmisst. Ihre Stimmung ist düster, da die Menschen hartnäckig gegen die Gebote der Gerechtigkeit verstoßen. Im Hintergrund sieht man eine Stadt, die unter Mißachtung der Natur errichtet wurde, und als wäre das nicht genug, anschließend  durch Krieg zerstört wurde. Sowohl der Bau als auch die Zerstörung der Stadt sind Akte der menschlichen Anmaßung. Die Menschen haben das Maß verloren.

Als Einzelkarte steht die VIII Gerechtigkeit für Abwägen, Fairness, Ausgleich. Im sehr verbreiteten Rider-Waite Tarot hat diese Karte ihre Stellung mit „XI Kraft“ getauscht. Ich halte mich an die traditionelle Reihenfolge.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, alte Kulturen, Collage, Leben, Legearbeiten, Malerei, Meine Kunst, Mythologie, Natur, Serie "Mensch und Umwelt", Tarotkarten-Legebilder, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , | 11 Kommentare

VII Der Wagen (Legebild-Collagen)

Eine zwiespältige Tarot-Karte ist dieser „Wagen“, scheint mir: Alles deutet hin auf Aufbruch und neue Ufer, der Wagen steht bereit – aber er ist den an ihn gestellten Ansprüchen nicht gewachsen. Keine Pferde, sondern steinerne Sphinxen oder winzige Dackel ziehen ihn, er hat keine Räder, er ist aus Stein. So wird er gewöhnlich dargestellt. Und der kräftige aufbruchsfreudige Jüngling, der die Zügel hält, wird wohl einige Enttäuschungen erleben.



Die Zeiten ändern sich, Sphinxen wurden selten, und ein anderer Wagen trat an die Stelle des alten Kampfgefährts. Auch er hat seine Macken und Tücken und einen stolzen Wagenlenker. Hier seht ihr  ihn mit Sonnenbrille, Mundschutz und rotem Helm, wie er an den Strand rollt, wo der Narr wandert und die liebenden Kinder ihren Baum ins Meer gepflanzt haben, fern jeder Störung.

Zusammen mit Hermes, dem Medizinmann-Magier, tuckert er  in Richtung  Zukunft. Lass  die graue Kavalkade vorbeiziehen! Was kümmert sie uns? Wir repräsentieren den Fortschritt und die Neue Zeit!

Mit uns zieht die neue Zeit“ ist die Leerformel (BBrecht), die von der der SPD-Arbeiterjugend zu Beginn des ersten Weltkriegs über BDM und  Hitler-Jugend, die FDJ des SED-Staates his zu heutigen Jugendbewegten und Gutmeinenden wie hier die SPD-Minister mit Inbrunst gesungen und geschmettert wird. Ja, sie zieht, die Jugend – Seit an Seit ziehen wir …. in die Zukunft. Zwangsläufig. Doch in welche? Und wer ist es, der die Marschroute vorgibt? Das sind so Fragen, die sich bei der „Wagen“-Karte des Tarot stellen. Drum die weiße und schwarze Sphynx auf den traditionellen Karten. Stattdessen hier im Hintergrund immer noch die anonyme Wand-Inschrift „Βασανίζομαι“ –  ich werde gefoltert, gequält.

Mit den „Liebenden“ habe ich eine neue Übersichtsreihe begonnen, damit die Bilder nicht zu klein werden.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Collage, Commedia dell'Arte, Geschichte, Leben, Legearbeiten, Meine Kunst, Musik, Politik, Psyche, Tarotkarten-Legebilder | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , | 24 Kommentare