Kreuzungen, Kreise

Ulli schrieb heute von einer ihr Herz berührenden Verbindung: durch eine Cousine kam ihr aus den Weiten Amerikas das Foto von Omas Haus zu. Das schöne Projekt „Memorandum für unsere Großmütter“ hatte die beiden Cousinen via internet zusammengeführt.

Ein „Puzzlestein“ im Erinnern, im Leben.

Auch mir kam ein Bild zu, daran musste ich nun denken. Es kam zu mir zurück.

Collage, Zeichnung, Pigmente, Kerzenwachs auf Pappe, GK, 2002

Es ist eines der sehr kleinen Bilder, die ich vor 15 Jahren zu meinem 60. Geburtstag verschenkte. Ich hatte in mein Atelier (damals in Maroussi, Attika) eingeladen, und viele  kamen – Freunde, Freundinnen und Freundinnen von Freundinnen. Jeder Gast durfte sich eines der ca 80 Bildchen, die ich zu dieser Gelegenheit gemacht und hinter Papppassepartouts gebracht hatte, aussuchen und mit nach Hause nehmen. So verstreuten sie sich in alle Windrichtungen.
Eines kam nun zu mir zurück. Die Frau, die es ausgewählt hatte, ist gestorben. Bei der Wohnungsauflösung fand es ihre Freundin, die es einer anderen Freundin, die auch die meine ist, weitergab, und so kam es zu mir zurück. Ich habe es auf meinem Bücherregal platziert und sinne nach über die Wege der Dinge. Und über die Schicksalsverbindungen, die sie manchmal zwischen den Menschen stiften oder jedenfalls dokumentieren.

Das Bild ist übrigens ungewöhnlich für mich: ich habe es mit tröpfelndem Wachs über einer Mischung aus Collage, Zeichnung und Pigmenten auf weißer Pappe gemacht.

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Aus dem Archiv und Diesjähriges: Flaschen

Flaschen – ein allzeit beliebtes Motiv. Zwei Kohle-Zeichnungen habe ich aus der „kubistischen“ Phase von 1986 aufbewahrt.

Im August dieses Jahres überkam mich die Lust, noch einmal Flaschen zu zeichnen, vielleicht in Erinnerung an früheres Bemühen, vielleicht auch an Giorgio Morandi, der in seinem stillen Dasein stille Vasen, Dosen, Flaschen zu seinen fast ausschließlichen Modellen erkoren hat.

Kohle, Akryll auf Pappe, 70 x 100, (c) Gerda Kazakou, 2017

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Aus dem Archiv: Stillleben mit Schwertlinien, Äpfeln und Gipskopf

Zum Vergrößern bitte anklicken.

Hier nun ein Stillleben aus meiner „geometrischen“ Phase (hallo, Gerhard!). Lang lang ists her. Es ist eine recht große Bleistift-Zeichnung auf billigem Papier, das sich ein wenig blau verfärbt hat. Zum Glück machte ich vor einigen Monaten Fotos davon, denn jetzt ist sie Opfer der Überschwemmung geworden. Und obgleich es eine frühe Übungsarbeit ist, gefällt sie mir doch immer noch gut wegen ihres besonderen Hell-Dunkel-Rhythmus‘.

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Aus dem Archiv: Portraits

Wenn nichts Neues entsteht, ist es eine Gelegenheit, das eine und andere aus meinen Archiven zu veröffentlichen. Heute sind es drei Ausdrucks-Studien. Wann ich sie gemacht habe? Ich erinnere mich nicht. Kohle, Bleistift auf Papier.

 

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Zwergenvolk

Ich denke, ich darf euch noch mal eine alte Zwergengeschichte servieren. Überholt ist sie nicht. Da ich mich grade mal wieder mit der Marxschen Welt befasst habe – ich beendete eine dicke Biographie über Marx und sein Zeitalter von Friedenthal – kommt mir diese Geschichte sogar ziemlich aktuell vor. Habts gut!

GERDA KAZAKOU

IMG_4932Wo alle klein sind, ist man kein Zwerg. Wo alle in einer Höhle leben, spricht man nicht vom Licht. Wo alle in einem Bergwerk schuften, fühlt man sich frei.

Wo alle den Weg nach oben demutsvoll antreten, um der höheren Instanz die Ernte der Mühsal auszuhändigen, ist man glücklich.

IMG_4933aaDie höhere Instanz ist selbst eine Zwergin, nicht schöner als die anderen, aber sie strahlt. Ihr Bauch ist die Welt. Sie trägt eine Krone. Sie herrscht. Und man hat ihr zu dienen.

IMG_4933aGlückliche Zwergenwelt! Nichts kann ihren Ablauf stören, denn jeder kennt seinen Platz. Oben die Herrin der Welt und unten, in den Eingeweiden der Erde, die Bergleute, die die Schätze nach oben tragen. Das war immer so und wird auch so bleiben.

IMG_4933aaaa

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Abschied vom Atelier. Granatäpfel

Ich fahre für ein paar Tage nach Athen und freu mich drauf. Zum Abschied ein Foto mit einer vorerst letzten kleinen Studie (Kohle und Ölkreide): Granatäpfel.


In zehn Tagen bin ich wohl zurück. Natürlich melde ich mich auch aus Athen. Macht’s gut!

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Zeichnen hilft

Anscheinend brauche ich nach der Überschwemmung des Ateliers festeren Boden unter den Füßen. Die vorige Tollkühnheit hat mich erst mal verlassen. Es zieht mich zu dichteren, quasi realistischen Zeichnungen, an denen ich mich stabilisieren kann. Fast fühle ich mich wie vor Jahren, als ich mit dem Zeichnen begann.

Die „ansteigende Landschaft“ zeigte ich euch schon – hier seht ihr sie nochmal, diesmal am Tageslicht fotografiert.

Heute vormittag entstand zuerst eine Zeichuung in Ölkreiden auf weißem  Zeichenkarton, die sich langsam zu einem Saiten-Instrument auswuchs. Ich zeige sie ganz und in Details.

Schließlich wollte ich die Geborgenheit von Esskastanien im stacheligen Mutterschoß wiedergeben. Ich betrachtete den Zweig, den ich vom Berg mitgebracht hatte, und zeichnete dann aus dem Gedächtnis mit Kohle und Ölkreiden überlebensgroß auf grauem Karton.

Ansteigende Landschaft, Kohle auf grauem Karton, 70 x 100

Ansteigende Landschaft, Kohle auf grauem Karton, 70 x 100 (c) gerda kazakou

„Vibration“. Saiten-Instrument, Kohle und Ölkreiden auf weißem Zeichenkarton, 50 x 70 cm

 

„Noch-Geborgenheit“. Esskastanien in stacheliger Hülle. Kohle, Graphitstift und Ölkreiden auf hellgrauem Karton, 70 x 100 cm.

 


Von den Katanien werde ich, angeregt durch Susannes herrliche Zeichnungen, weitere Skizzen machen, nach der Natur und aus der Erinnerung. Zugleich beobachte ich ihr langsames Geborenwerden fotografisch.

Hier schon mal die neugeborenen Kastanien als Foto. Sind sie nicht herzig?

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Monatsreigen (abc-etüde)

Muss ich wirklich noch einmal erklären, worum es sich bei den abc-etüden handelt? lz hat sie erfunden, Christiane führt sie weiter, aber die Einladungen gestaltet weiterhin lz. Zehn Sätze sind erlaubt, eine Kürzestgeschichte um drei gespendete Wörter ist zu erfinden. Diesmal ist redskysoverparadise der Spender der Wörter „Monat, fragwürdig, gehen“.

Einfache Wörter? Ja. Und das macht das Erfinden schwer. Eine fragwürdige Angelegenheit, denn alles geht und nichts. Dennoch, hier mein erster Versuch:

Monatsreigen

Einer nach dem anderen gehen die Monate vorbei.

Voran stolziert der Januar, großmächtig, vom Flitter der Erwartungen überglänzt.

Hinter ihm her hüpft der kurzbeinige Februar, gefolgt vom rotwangigen März mit dem Gürtel der Tag-und-Nacht-Gleiche.

Der April mit seinem Sack voll fragwürdigen Schabernacks torkelt vorbei, und schon kommt der Mai, singend und tänzelnd und voller Liebes-Versprechen.

Schmalbrüstig der Juni dann, mit Schwalbenflug und Lerchengesang, und hinter ihm her der breitbrüstige Juli mit dem glänzenden Antlitz.

Der Monat August, so gar nicht clownesk, breitet sein warmes Licht über die träumende Welt und schläfert sie ein.

Die blinzelt und schaut, plötzlich hellwach, ins Gesicht des September: Du bist schon da, feiner blauer Gesell?

Auch er geht vorbei, gibt Raum dem wilden Oktober mit dem feuerfarbenen Federbusch auf dem Helm.

Heran schleicht der graue November: Jetzt wird es ernst, denkt der Mensch, und gedenkt seiner Toten.

Als letzter kommt der Dezember geschritten, das Seherauge weit geöffnet: er sieht das Ende und den Neubeginn.

Gelegentlich habe ich Legearbeiten zu Monaten gemacht. Nicht zu allen, und schon gar nicht als Prozession. Da gibt es beispielsweise  den doppelgesichtigen Janus, den Neujahrsvogel, die Tag-und-Nacht-Gleiche als Balance-Akt, das Weihnachtsschiff mit den vielen Geschenken. Heute soll zur Illustration ein Jahres-Reigen genügen, mal so, mal so herum.

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ansteigende Landschaft

Kohle auf grauem Karton, 70 x 100 cm

Das Foto ist wegen des Lampenlichts wieder sehr schlecht geworden, ich wollte dennoch meine kleine abendliche Ausbeute zeigen. „Ansteigend“ habe ich diese Landschaft genannt, obgleich sie genauso gut „abfallend“ genannt werden könnte. Der Weg nach oben und nach unten – derselbe (Heraklit)

(Nachtrag für Bruni, die das Bild gern in die Senkrechte drehen wollte – und also erahnte, wie ich es tatsächlich gezeichnet habe. Hier das Originalfoto. Gekippt habe ich es erst im Nachhinein.)IMG_2670

 

Ein bisschen habe ich dann noch mit Filtern herumgespielt. Morgen werde ich bei Tageslicht fotografieren.

 

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Ölbäume – ätherisch

Nach dem ersten muss ein zweiter Schritt erfolgen. Und so zeichnete ich noch ein Bild mit Kohle und Ölkreiden auf weißen Zeichenkarton.

Ich konnte es dann nicht lassen, dieses leichte Linienspiel doch ein wenig zu verfestigen.

Hier siehst du die erste und die zweite Fassung nebeneinander. Die Fotos sind leider nicht gut, meine neuen Lampen sind leicht gelbrotstichig, das Papier ist in Wirklichkeit weiß (ich muss neue Birnen besorgen). Außerdem fotografierte ich die zweite Fassung aus einem Winkel, um keinen Schatten zu werfen.

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