abc-etüde: Aus dem Leben eines Knirpses (Kata-Strophen mit glücklichem Ausgang)

Der Knirps, der Knirps! Wer kann da widerstehen? Ich nicht. Zusammen mit „notieren“ und „grotesk“ fordert er die Fantasie heraus. Schuld ist Bettina vom Wortgerinnsel. Und natürlich Christiane, die das Projekt „abc-etüden“ betreut und am Leben erhält. Danke euch beiden! Denn manchmal braucht es eines Anstoßes, um dem Leben die komischen Seiten abzugewinnen.

Die folgenden Kata-Strophen haben 298 Wörter – ich habe schnippeln müssen, um sie auf das erlaubte Maß zu bringen. Ohne die Wortbegrenzung von 300 hätte ich wohl immer weiter erzählt, was dem Knirps so zugestoßen ist. Sein ganzes Leben hätte ich vor euch ausgebreitet. Hier also nur dieser kleine Ausschnitt aus seinem abenteuerlichen Sein.

 

Aus dem Leben eines Knirpses. Eine Kata-Strophe mit glücklichem Ausgang

„Der Knirps ist ja sehr klein,
passt in die Tasche hinein.
Die Farbe, Orange und Rot
tut es zur Not.
Ich nehm ihn“, so sprach Frau Gerlinde
„Bis dass ich was Besseres finde.“

Seither reiste der Knirps in der Tasche
Der Dame, gleich neben der Flasche
Mit edlem Parfüm und der Dose
Mit Pastillen der Marke Primrose.
Kam weit herum, war in Florida und auch in Shanghai
In Malta und auf dem Felsen der Lorelei
Am Guadalquivir war er und in Paris
Und in einer Stadt, wer weiß, wie die hieß.

Denn da im Eislokal,
vergaß die Dame total
wie sonst stets sie’s machte,
was der Kellner ihr brachte
zu notieren den Betrag und den Ort …
sie vergaß es, mein Wort,
weil just daneben ein Mord
ganz nach Mafia-Manier
ein Mord, sag ich dir,
bumm bumm
da fällt ein Mann um
viel Blut rundherum

Frau Gerlinde rennt auf die Straße
Bahnt sich entsetzt eine Gasse
Durch das dichte Gedränge
Der neugierigen Menge.

Ach Frau Gerlinde, du hast was vergessen
Nicht nur hast du dein Eis nicht gegessen
Der Knirps blieb zurück, was soll der Arme nun
So ganz allein in der Fremde nur tun?
Doch schon tritt über die Schwelle
die hübsche Arabelle
vom Wanderzirkus, der in der Stadt
grad heute eine Vorstellung hat.

Und bevor sie sich Kaffee bestellt,
der Knirps sich schon zu ihr gesellt
Und spricht: „Hübsch-süßes Frauchen,
kannst mich Knirps sicher brauchen?“

Arabelle ist entzückt
Und von Herzen beglückt
Ein hübscher Schirm für die Balance
Der Knirps, das ist die große Chance!
Sie nimmt ihn fluggs
Und ohne Mucks
ist sie schon auf der Straße
verschwunden in der Masse.

Du sagst, das sei doch höchst bizarr
Skurril, grotesk und garnicht wahr?
Und doch hat sich’s grad so begeben!
Denn höchst erstaunlich spielt das Leben.

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abc-etüden: Die Strafe (Kata-Strophen)

Als ich vorhin in mein Arbeitszimmer ging, um nach den Knirpsen zu sehen – ihr erinnert euch, sie tobten grad recht vandalisch auf Herrn Kauzens Schreibtisch herum -, traf mich fast der Schlag. Herr Kauz war heimgekehrt und …. O weh, mir fehlen die Worte!

Kata-Strophe!

Die für die abc-etüden von Christiane erdichteten Kata-Strophen, die sich recht harmlos mit einer Schelte anließen und sich mit dem Kinder-Unsinn der Knirpse ein wenig steigerten, haben nun tragische Ausmaße angenommen. Frau Wortgerinnsel, ich bitte Sie, hatten Sie das etwa mit ihrer Wortspende (Knirps, grotesk, notieren), um die herum wir eine Geschichte von höchstens 300 Wörtern basteln sollten, beabsichtigt?

Die Strafe  –  Kata-Strophen

Lautlos flog er heran, die Ohren gespitzt, geschärft seine Krallen

Die Knirpse ahnten es nicht und hatten frenetischen Spaß

Sie fluchten, zerfetzten die heilige Kladde und rissen im Fallen

Die Stifte herunter, die Federn und Pinsel, das Buch und das Tintenfaß.

Sie schifften umher auf gefalteten Barken, gefüllt mit der kostbaren Tinte,

ließen die Farben tropfen über heilige Wörter und klatschten

Sich Beifall wenn einer von ihnen noch größeren Schaden ersinnte,

und rauften sich wüst und gaben sich Hiebe und Watschten…

 

Doch dann war er über ihnen, der schwarze Schatten des Vogels

Seine Augen funkelten hell im Dunkel der Nacht und des Zorns

Weh euch, ihr Halunken, so dacht er und packte sogleich sich den Einen,

den Murks, ders am tollsten getrieben, fasste ihn fest mit dem Schnabel

da wand sich der Bursche, dem Regenwurm gleich und konnt sich nicht helfen,

wurde inmitten zerschnitten und konnte sich nicht mehr ergänzen.

Den Pim den packt er sogleich mit der Klaue, der schrecklichen scharfen,

der wehrte sich nicht, denn es war eh ganz vergebens, gegen das Schicksal.

Nur Pang sprang auf und suchte sich rennend zu retten, doch weh!

Die Kerze fiel um und setzte in Brand die Fetzen der Kladde.

Da brannte auch Pang, die kleine die immer fidele närrische Heldin.

 

Ich hätte sie gern dem Verderben entrissen, doch darf ich?

Hat der erboste Hausherr, der Kauz, nicht jegliche Rechte

Ganz auf seiner, der Weisheit und Tugenden Seite, zumal er

Der Stärkere ist, und immer im Recht sind die Starken.

 

So bleibt mir nichts übrig als die groteske Szene für mich zu notieren

Und eurem geneigten Urteil getreulich zu präsentieren.

 

Zu Ende ist nun die Geschicht

Was weiter wurde, weiß ich nicht.

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abc etüde: Malaktion mit Knirpsen (Kata-Strophen)

Ihr verzeiht mir sicher: Ich konnte es nicht auf mir sitzen lassen. Was? Na, den heimlichen Tadel, den ich in euren Kommentaren zu lesen meinte. Euch gefiel nicht,wie Herr Kauz mit dem kleinen Knirps umsprang. Ich beziehe mich auf die vorigen Kata-Strophen, die ich zu Reginas Wörtern  (Wortgerinnsel) für die abc-etüden, von Christiane zusammenreimte.  Nun erdichtete ich eine Fortsetzung. Vielleicht habt ihr dann etwas mehr Verständnis für den ehrenwerten Kauz.

 

Malaktion mit Knirpsen – eine Kata-Strophe

„Wie was“, sprach Murks zu Pim dem Kleinen
„Der Kauz hat dich davongejagt?
Nu hör mal auf, du Knirps, zu greinen
Denn der gewinnt, der etwas wagt!
Wir brechen ein in die Gemächer
Wenn er mal grad woanders ist
Ich spiele allzu gern den Rächer
Auch wenn du nur ein Schwächling bist.“

Die Pang die kriegte davon Wind
Und war gleich mit von der Partie,
denn immer wo die Partys sind,
da triffst du wen? Na eben sie!
Heihi, Heiho, schon warn sie drinnen
In dem Herrn Kauz sein Heiligtum
Wo dieser sonst, in tiefem Sinnen
Notierte hoher Weisheit Ruhm.

Zwei Scheren schnippel schnappel machen
Die Kladde wird zu Schnipselkram
Draus wird ein Auto, wird ein Nachen
Ein Fluggestell ganz wundersam
Ein Kunstwerk wollen sie gestalten!
Du sagst vielleicht, das sei grotesk
Doch wenn sie gut sich unterhalten
Ist es für sie halt pittoresk.

Pang schleudert Rot auf eine Leinwand
Die Murks mit einer Harke hält
Pim leert den Topf, den er im Eck fand,
die Farb in großem Bogen fällt.
„So wird die Welt des Kauzes bunter“
Ruft triumphierend Pang, die Kleine,
„Komm, Murks, hol mal die Leinwand runter
Mach schnell, sonst mache ich dir Beine!“

Dem Murks in seinem Fahrgestell
Ist solche Rede nicht geheuer
Er denkt, der Kleinen juckt das Fell,
wird Zeit, dass ich ihr eine scheuer.
Der Pim indessen freut sich kindisch
Am Rot, das aus dem Topfe fließt
Die Farbe macht ihn ganz erfindrisch
Er färbt den Kopf sich, bis er niest.

Ich könnte stundenlang noch sprechen
Vom Unfug, den die Knirpse trieben,
doch will der Tag nun schon anbrechen
und ich beende dies, ihr Lieben.

Die für dieses Bild verwendeten dunklen und/oder beschrifteten Schnipsel und die rote Postkarte stammen von Jürgen Küster, die anderen sind von Ulli Gau, von Susanne Haum und von mir.

 

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Maroussi-Alltag im Syngrouwald: Pinien, Menschen, Hunde und Frauenmantel

Seit ich weiß, wie diese Pflanze heißt, kann ich nicht aufhören, sie zu fotografieren. War es vorher einfach nur „grün“, so ist es heute „Frauenmantel“. Und die Bäume? Ja, das sind Pinien und Mandelbäume. Gut, wenn man Namen hat für die Wesen, die einem am Weg zur Seite stehen. Aufgenommen bei meiner alltäglichen Runde durch den Syngrou-Stadtwald. Und insofern gehört es eigentlich in Ullis Blog zu #Alltag.

Frauenmantel, Pinien, Mandelbäume, Menschen und Hunde

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Montags ist Fototermin: Die Farbe der Schatten

Heute las ich in dem mich sehr anregenden Blog von Joachim Schlichting

Schatten heißt normalerweise nicht absolut dunkel. Denn dort wo das Sonnenlicht nicht hinkommt, sorgt unsere indirekte Beleuchtung desTageslichts für eine der geringeren Intensität entsprechende Aufhellung. Und da das diffuse Tageslicht leicht blau ist, kann der Schatten auf weißem Grund auch nur blau sein.
Beschattete weiß getünchte Häuser haben bei Sonnenschein und strahlendem Himmel daher auch stets blaue Schatten.

Natürlich weiß ich, dass Schatten farbig sind, schließlich beschäftige ich mich mit der Malerei. Es gibt sogar eine grobe Handreichung: die Schatten in der Landschaft sind blau (kühl), die im Innenraum rot (warm) anzulegen. Aber ist das wirklich so? Und wie kann ich es nachweisen? Ich machte mich ans Fotografieren. Erst fotografierte ich Schatten in meiner Küche, dann auf meinem Spaziergang im Park. Die Farbe der Fotos verstärkte ich dann, ohne sie zu verändern, damit sie deutlicher hervortreten. Hier zeige ich sie als Paare: das Original und das farbverstärkte Foto.

Schatten im Innenraum. Von links kommt durch die Balkontür gedämpftes Tageslicht in den Raum und zeichnet Schatten der weißlichen Stuhlbeine auf den weißlichen Marmorfliesen. Die Schatten sich rötlich, im farbverstärkten Foto zeigen sie sich Orangerot.

Abendliche Schatten auf einem Kiesweg im Park, original und farbverstärkt. Die Schatten sich bläulich bzw tiefblau.

Aha, es stimmt! Und nicht nur das! Die farbverstärkten Schatten machen deutlich, dass sich Innenraum- und Außenraum-Schatten komplementär verhalten. Orangerot und Blau sind Komplementärfarben – zusammen bilden sie das weiße Licht.

Vor lauter Begeisterung suchte ich noch ein paar Fotos heraus und verstärkte die Farben. Draußen: blauer Schatten, drinnen: rotoranger Schatten.

Hach, wäre es so einfach, wir wären alle große Koloristen! Diese schöne Deutlichkeit ergibt sich leider nur, sofern nicht mehrere Lichtverhältnisse zusammenwirken, was meistens der Fall ist. Schon beim letzten Foto mit dem Holzschiff siehst du den Einfluss des Tageslichtes, das durchs Fenster daneben fällt, im Blau der Wand.  Im folgenden Foto erscheint das braune Balkengerüst grün bis blau, denn es wird vom Tageslicht beleckt, und nur die Schatten, die vom Tageslicht kaum erreicht werden, haben eine rötliche Einfärbung.

Und was sagst du zu den Farbspielen, die sich zwischen dem weißlichen Küchenboden und dem weißlichen Stuhlbein entfalten? Dunkelrot der Schatten im Bereich der Tischplatte, blau der Boden, wo er vom seitlich einfallenden Tageslicht erreicht wird, gelb der Schatten, in dem sich beide Einflüsse vermischen … Von wegen grau!

„Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldner Baum!“ (Goethe, Faust I, Im Studierzimmer, Mephistopheles).

 

Und nun, wenn du Lust hast, schau doch mal ein paar Maler der Fauves (Beginn 20. Jh.) an: Vlaminck, Matisse, Derain, oder auch deren Vorreiter Gauguin. Die Farborgien, die du da siehst, werden dir auf einmal ganz natürlich vorkommen.

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abc etüde: Monolog eines gelehrten Kauzes (Kata-Strophen)

Neue Wörter, neues Glück! Die abc-etüden, von Christiane nicht nur wunderbar betreut, sondern auch mit graphischen Ideen bereichert, gehen ab heute in eine neue 14-tägige Runde. Die Wörter hat diesmal Bettina von Wortgerinnsel beigetragen, und ich gebe gerne zu: sie kommen mir gelegen.  Knirps und grotesk werden mich wegen ihrer zungenbrecherischen Eigenschaften noch zu mancher Kata-Strophe anregen, und das eher prosaische und glatt von der Zunge gehende notieren bildet einen feinen Kontrast dazu. Heute zum Einlaufen der Monolog eines Kauzes, der nicht nur gelehrt, sondern auch recht barsch daherkommt.

Ob wohl auch diese Kata-Strophen in einen Bauernkalender passen würden? Das Legebild habe ich jedenfalls wieder hauptsächlich aus Jürgen Küsters und hilfsweise aus Ulli Gaus und Susanne Hauns Schnipseln zusammengebastelt.

 

Monolog eines gelehrten Kauzes

„Hej du, du Knirps, was machst du da

Auf meines Schreibtischs edler Platte?

Du willst doch wohl, du Heißassa,

nicht spielen mit der heilgen Kladde

in die ich sonst die hohen Flüge

und auch die tiefen, das versteht sich,

meiner Gedankenwelt eintrüge

denn leicht passiert, und es verweht sich

wenn ich nicht gleich notier, was ich gedacht

in Geisteshöhn und tiefer Seelennacht.

 

Du willst auch deine Ansichten vertreten

In meiner Kladde, die ich heilig halte?

Das ist grotesk und völlig unerbeten

und unerlaubt, solange ich hier walte!

Nun mach dich fort, du lächerlicher Wicht

Dies ist ein Ort der Weisheit, nicht für dich!

Wenn du nicht spurst, so nehme ich den Besen

Das fehlte noch! Das Zwergenvolk will lesen!“

 

Der kleine Knirps verdrückte sich beklommen

Und ist seither nicht mehr ans Licht gekommen.

 

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abc etüde: Dialog über Himmel und Hölle (Kata-Strophen)

Auf den letzten Drücker noch ein paar Kata-Strophen von mir für Christianes abc-etüden mit einer Wortspende von

redskiesoverparadise

Pfründe, mondän und lassen. Das letzte Wort machte mir weiter keine Schwierigkeiten, das erste auch nicht, weil es sich erstaunlich gut reimt, aber mondän? Weltlich, der Welt zugeneigt und ihr hörig, heißt es ja eigentlich, und da die Pfründe klerikaler Herkunft sind, blieb als Thema eigentlich nur die ewige Zänkerei zwischen geistlichen und weltlichen Mächten übrig, wer wem (Geld, Respekt etc) zu zollen hätte. So dachte ich. Ich weiß, ihr habt es klug vermieden, euch auf diese Zänkerei einzulassen, habt andere Verwendungsmöglichkeiten für die Wörter gesucht und gefunden. Ich aber muss da nun durch.

Dialog über Himmel und Hölle

Mein Bruder Mensch, ich sage dir

du musst den Mammon hassen

du musst von jeder Lust und Gier

und von dem Hochmut lassen.

Denn in der lieben Ewigkeit

Im Paradeis der Himmel

Da zählt nur Herzensheiterkeit

Und Glockenerzgebimmel.

Was du in der mondänen Welt

Zusammenrafftest, lass es mir

Und meiner Kirche, die bestellt

Ein Himmelbettchen dann auch dir.

*

O schlauer Priester, wart, ich kenn dich

Du willst das Gold und auch die Macht

Betrügen willst du Wicht gewiss mich

Damit du selber prunkst in Pracht.

Du redest viel von unsren Sünden

Und dass wir besser besser wärn

Doch geht’s dir nur um deine Pfründen

Und dass wir dienen dir als Herrn.

Ich lasse mir den Spaß nicht rauben

Den mir dies Erdenleben macht

Du predigst, Bester, einem Tauben,

der dich und deinen Rat verlacht!

**

O weh, du Tor, wenn du verraten

Das himmelische Paradeis

so wirst du, Gottseibeiuns, braten

In einer Hölle rot und heiß.

Die Abhilfe, zu der ich riet

Die auch dein Glaube dir gebiet

Ist, dich von deinem Gut zu trennen

Sonst wirst du in der Hölle brennen!

***

Nun mach mal langsam, schwarzer Mann

Du stirbst wahrscheinlich noch vor mir

Gib deine Pfründe irgendwann

Den armen Leuten, rat ich dir

Denn ob mondän ob klerikal

Die Rechnung ist doch ganz banal:

Wer Geld rafft, der wird abgeholt

In Höllen, wo er dann verkohlt.

****

Das Bild habe ich zusammengelegt aus Schnipseln, die hauptsächlich von Jürgen Küster stammen, ergänzt durch ein paar Schnipsel von Susanne Haun.

 

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Alltag November, Maroussi bei Athen

Seit Ulli den Gedanken ins Spiel brachte, unseren Alltag zu dokumentieren, grübele ich hin und her. Was ist damit gemeint? „Das Immer Wiederkehrende“, sagt sie. Aber kehrt denn irgendetwas immer wieder? Ist nicht immer alles neu? Tagtäglich? Und was ist „alles“? Alles, was mir an diesem Tag so begegnet? Oder was ich alle Tage, alle Jahre immer wieder tue?
So grübelnd ging ich, mit dem iphone in der Hand, ein paar Minuten meines heutigen Alle-Tags ab, vielleicht, dass mir etwas einfiele.

Zunächst ist da der Blick über den Computerrand, denn am Computer sitze ich seit ein paar Jahren fast täglich, auch jetzt gerade, und lasse den Blick durch die Fenstertür nach draußen schweifen. Zwischen mir und dem Fenster schwebt Pinocchio, der mich daran erinnert, bei der Wahrheit zu bleiben.

Aber jetzt tu mal was, liebe Gerda! Alltag ist gefragt – und das heißt: Tun!  Wie wäre es mit Wäsche waschen? Das tue ich zwar nicht täglich, aber dann und wann. Wenns halt passt. Also geh durch den Flur, tritt hinaus auf den Balkon, wo die Waschmaschine steht, stopf erst mal Weißes in die Maschine, lass die Maschine machen, hole das Gewaschene raus, hänge es auf, schau nach, was noch so an Buntem gewaschen werden will, pass auf, dass es nicht ausfärbt, so dass es am Ende Alles-Lila ist…

Es macht nichts, wenn du dabei auch deinen Blick über den Balkon schweifen lässt, mit Wohlwollen die Inschrift auf den Sesselauflagen (Amor omnia vincit) und das neue Tuch auf dem Tisch betrachtest (von der Schwägerin hinterlassen). Zwischendurch darfst du auch gern die Blumen gießen, die nicht an die Gießanlage angeschlossen sind, darfst deine Nase in eine neu erblühte Rose stecken (einst bei Lidl erstanden, da war sie winzig und kostete 1.50) und dich wie so oft fragen, ob der Avokado und die Aprikose, die aus zwei Kernen im selben Topf mächtig herangewachsen sind, nicht auseinandergepflanzt gehören. Frage dich auch mit schiefem Blick auf die Besen, ob es nötig ist, dass sie alle kreuz und quer liegen. Sieht aber hübsch aus, und so lasse ich es, wie es ist.

 

Während ich hier meinen Alltag zusammensuche, hat jemand anderes seinen Computer verlassen und sich einfallen lassen, was er heute kocht.  Dann ruft er mich zum Mahl an eben dem Balkontisch, den ihr nun schon kennt. Es gibt – Spaghetti. Ich lasse mich wie immer gern bedienen.

 

Nun aber Schluss! Tito wartet auf seinen all-täglichen Spaziergang! Der MUSS sein, alles andere KANN. Schaut nur, wie brav er da auf dem Flur hockt. Gleich wird er aufspringen und freudig mit dem Schwanz wedeln. Dann gehen wir in den Stadtwald Syngrou. Die Sonne scheint – auf gehts!

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Abendstimmung im Stadtwald

Ulli, Babsi, Myriade und … so viele traumhafte Abendstimmungen! Da möchte ich mich gern mit in den Kreis der Abendlicht-Anbeter stellen. Heute um 17.30 im Stadtwald Syngrou  aufgenommen. Man schaut hinunter nach Athen und – wenn klare Sicht herrscht – zu den Inseln im Saronischen Golf und der gebirgigen Küste der Peloponnes.

Einen Kreis von Abendlichtanbetern scheinen auch die Blätter dieser Pflanze zu bilden:  Jedes einzelne Blatt stellt sich im rechten Winkel der Sonne entgegen, um soviel Licht wie möglich zu sammeln.

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Schönheit

Aphrodite

„Die vielen Aspekte der Schönheit“ heißt eine Sonderausstellung im Archäologischen Nationalmuseum von Athen. Gestern zeigte ich daraus Verschönerungs-Mittel wie Kleidung und Schmuck. Heute geht es um den Inbegriff der Schönheit, der die Griechen umtrieb. Für sie war schön und gut und wahr ein- und dasselbe. Und irgendwie stimmt das für mich. „Aufgeschlossen für alles Wahre, Gute und Schöne“ schrieb mir ein Lehrer ins Zeugnis, als ich zwölf war. Manchmal sind Lehrer weise. Denn dieses Urteil wirkte bei mir als Aufforderung, die mir sehr geholfen hat und immer noch in mir nachklingt. Das Wahre,  so war und bin ich überzeugt, ist auch gut und schön.

Was nicht wahr und gut ist,  ist auch nicht schön. Was nicht gut und schön ist, ist auch nicht wahr. Was nicht wahr und schön ist, kann es gut sein?

Jüngling, Bronze, Detail

Nachtrag: ich habe überlegt, ob meine Gleichsetzung von Schönheit, Wahrheit und Güte überhaupt verständlich ist. Da stieß ich auf ein Video, das beispielhaft zeigen kann, was ich meine: ein zeitgenössisches Kunstwerk. https://www.youtube.com/watch?list=PL9461961E1AD6BD70&v=9JKVgfHfrQo

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