Kunstbuch 55, ein Gespräch über die Friedensaussichten in der Ukraine anhörend

Auch den Rest des Tages verbrachte ich mehr oder minder träge im Atelier, denn draußen ist es mir zu heiß. Zum Malen fehlt mir die Energie. Ich hörte ein Gespräch über die Friedensaussichten für die Ukraine an (keine) und zeichnete dabei mehr oder minder unbewusst ein weiteres Kunstbuch. Dafür benutzte ich diesmal farbige Marker.

Unbewusst war auch die Auswahl der farbigen Unterlagen, auf denen ich das fertige Minizine platzierte, um es zu fotografieren. Erst hinterher fiel mir auf, dass es die Farben der Ukraine sind, doch in einem viel tieferen Ton als die Fahne.

Rückseite und Vorderseite

die sechs Innenseiten

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Träger Tag im August

„Nimm dir ein Vorbild an den Katzen“ – sagt mein Mann, wenn ich jammere, dass ich  keine Energie habe, um etwas Vernünftiges zu tun oder zu unternehmen.

Aber bin ich eine Katze? Kann ich so entspannt liegen? Nein, nach einiger Zeit tun mir  Hals oder Rücken weh, mein Fuß fängt an zu kribbeln, meine Hände wollen etwas tun. Also beginnen sie, noch einmal den Marmorbruch auf dem schwarzen Eisentisch zu befingern und eine neue Szene mit Segelbooten zu legen. Dabei gibt es schwierige Entscheidungen zu treffen, zB  Dreieckssegel oder Rahsegel?

Darf der vom Meer weich und glatt geschliffene Marmorstein mitspielen? Und wenn ja, welche Rolle soll er haben?

Und das Boot mit den gläsernen Segeln – wie ist es am sinnvollsten mit den Marmorstücken zu kombinieren?

Doch so wichtig solche Fragen sind – irgendwann sind sie erschöpft. Und so mache ich mich auf den Weg ans Meer. Nach dem genüsslichen Schwimmen lege ich mich in den schmalen Schatten eines Ruderboots und folge mit dem Blick dem Ruder: Es zeigt direkt in den blauen Himmel.

Senke ich den Blick, bleibt er auf den riesigen Steinen liegen, die vom Fluss hierher geschafft wurden, um eine schützende Mole zu bauen.

Der eine Fuß in der Sonne, der andere im Schatten, und in dem Bildausschnitt darüber das regungslose Meer und  ab und zu ein Boot.

Zu Hause begebe ich mich ins Atelier, wo es am kühlsten ist, und stelle ein paar neue und ältere Seestücke vor mir auf, um weiter zu träumen.

So oder so ähnlich verbringe ich den August. Nebenher höre ich mir noch ein paar Vorträge per Ohrknopf an, heute einen über die Entdeckungen von Voyeger II, erkundigte mich, was Heliopause und interstellares Plasma ist, verstand den Zorn eines russischen Juden über Israels Politik, erfuhr, wie heiß es in Europa vermutlich noch werden wird und wie heiß nicht, wenn die andern alle so weitermachen wie bisher. Und noch dies und das. Denn Bildung muss sein.

 

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Kalenderblätter 1.-6. August. Panorama und Pflanzen

Am 1. August machte ich über zwei Seiten eine Zeichnung des Panoramas, wie es sich bei Sonnenuntergang von der Turmterrasse aus darbietet.

Heute beschränkte ich mich auf einfache Filzstift-Zeichnungen, alle von einem Platz unter dem Feigenbaum aus gesehen:

(a) die Blätter des Feigenbaumes hängen, ermattet von der Tageshitze, schlaff herunter

(b) eine Aloe Vera

c) die Straßenlatüchte auf Titos Grab

d) eine traurig verblühte Gladiole auf dem Hügelbeet.

 

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Ich baue mir einen Hafen

Vorige Woche sammelte ich ein paar Marmorbruchstücke vom Rasen, auf dem ein Bildhauerworkshop stattfand, und trug sie heim (hier). Seither nehme ich die Stücke gelegentlich in die Hand, betrachte die durch die Werkzeuge ins feinkörnige Weiß gehauenen und gesägten Risse und die glatten Flächen.

Gestern baute ich mir auf dem runden Eisentisch einen Hafen und träumte mich hinein.

Ich probierte dann noch verschiedene Aufnahmewinkel unter stärkerer Beleuchtung aus.

 

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Feuriger Abschied

Zwischen dem ersten und dem zweiten Foto liegen vier Minuten.

Zwischen dem zweiten und dritten Foto liegen nur noch drei Minuten.

 

Eben, um 20.22 Uhr Sommerzeit, sah ich das Holzschiff an der Wand im glühende Rot der untergehenden Sonne davonsegeln, und ich sah, wie das Licht wanderte und erlosch.

Ein Gedicht von Gottfried Benn fiel mir ein. „Astern“ heißt es und ist dem Spätsommer gewidmet. Noch sind wir ja mitten in der Sommersonnenglut. Und doch werden die Tage schon deutlich kürzer – ich sehe es am Gestänge über meinem luftigen Bett, das meine morgendliche Uhr ist. Darauf wandert das erste Licht, das die Sonne über die Berge schickt. Das Metall leuchtet auf – Zeit, wach zu werden.

Gottfried Benn

Astern

Astern – schwälende Tage,
alte Beschwörung, Bann,
die Götter halten die Waage
eine zögernde Stunde an.

Noch einmal die goldenen Herden,
der Himmel, das Licht, der Flor,
was brütet das alte Werden
unter den sterbenden Flügeln vor?

Noch einmal das Ersehnte,
den Rausch, der Rosen Du –
der Sommer stand und lehnte
und sah den Schwalben zu,

noch einmal ein Vermuten,
wo längst Gewißheit wacht:
Die Schwalben streifen die Fluten
Und trinken Fahrt und Nacht.

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Dienstag-Gedrabble: Ideal und Wirklichkeit – eine Strandidylle (kata-strophisch)

Dienstag ist Drabbletag! Wortman hat freundlicherweise wieder drei Wörter vorgegeben, damit wir damit einen sinnvollen 10-Wörter-Text produzieren. Die heutigen Wörter sind:

Schokolade – ölen – verraten

Ich habe damit eine Strandidylle auf meine kata-strophische Art zusammengereimt.

 

Ideal und Wirklichkeit – eine Strandidylle

 

Ist da wer, mir zu verraten

Was das blonde Frollein treibt?

Liegt sie dort, um durchzubraten

Bis kein Fetzen Haut heil bleibt?

*

Eingeölt liegt sie am Strande

Still und ruhig wie ein Stein

Ist sie vielleicht nicht imstande

Noch zu rühren Arm und Bein?

*

Doch, jetzt wird sie plötzlich munter

Dreht das Köpfchen, dreht den Hals

Schüttelt Sand vom Beine runter

Reibt vom Arme Sand und Salz

*

Schaut ob sie dem Ideale

Schokoladenbraun zu sein

Näher kam und ihre fahle

Haut sich bräunte, aber nein!

*

Rötlich wurde sie, o Graus

Sonnenbrand bring sie nach Haus.

Mein Gedichtchen ist auch aus.

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Kunstbuch 53: Hand, Minizine haltend

Gestern Nacht machte ich noch ein zweites Minizine. Meine Idee war: zeichne deine Hand, die ein leeres Minizine hält. Ich fand das witzig.

Rückseite und Deckblatt:

die drei inneren Doppelseiten:

 

Als ich es heute meinem Mann zeigte, meinte er: „Es überzeugt mich nicht“. Hm. Soll man auf seinen Mann hören? Manchmal schadet es nicht. Also malte ich ihm bunte Schiffe und Boote ins Minizine im Minizine. Nun gibt es mehr zum Gucken. Und ich finde es auch lustiger.

Rückseite und Deckblatt:

die drei inneren Doppelseiten:

Καλή εβδομάδα! Gute Woche!

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Kunstbuch 52 : στην υγεία! Gesundheitstipps für alte Menschen

Normalerweise werfe ich solche farbenfrohen Zeitungsbeilagen mit lächelnden Menschen und freundlichen Ratschlägen ja weg. Gestern abend, auf der Turmterrasse sitzend, betrachtete ich die Beilage mit anderen Augen: Ließe sich daraus nicht ein Minizine-Ratgeber machen? Gesagt getan.

Ich falte ein Büchlein aus einem Blatt Schreibmaschinenpapier und schneide Teile der Fotos aus (Quelle: Kathimerini, die ihrerseits von einer britischen Veröffentlichung abgeschrieben hat). Verkleben, umranden, beschriften, einfärben – und fertig ist der klitzekleine  Ratgeber „Gesundheit im Alter“.

Was braucht man im Alter? Hier die Liste, beginnend mit der Titelseite:

  • Ein Enkelkind und eine Schubkarre, dazu auch einen Garten
  • Kondition stärken durch Dauerlauf,
  • den Computer für Arzttermine per Zoom einrichten und entsprechend versichert sein,
  • lustige jugendliche Gesellschaft zum Feiern einladen,
  • Lachen und Lieben, egal in welchem Alter man sich grad befindet,
  • Pausen beim Arbeiten am Computer einlegen,
  • einen guten Wein am Abend in Gesellschaft genießen und, natürlich,
  • einen Entsafter sein eigen nennen, um dann und wann einen grünen Gesundheitstrank frisch zuzubereiten.

Letzte und erste Seite:

Die Innenseiten aufgeblättert:

Hast du alles? Tust du alles? Na, dann kann ja nichts schiefgehen, und du wirst gesund und fit sein bis ins hohe Alter.

Στην υγεία! Auf unsere Gesundheit!

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Sonntags ins Archiv: 2. August 2020 „Auf den Spuren von Myriades Figuren“

Es ist mir zur lieben Gewohnheit geworden, am Sonntag in die Kirche ins Archiv zu gehen und zu schauen, was ich an einem Tag wie diesem in einem anderen Jahr getrieben habe. Am 2. August vor 6 Jahren belauschte ich zwei Figuren, die aus Myriades Schnipseln entstanden waren und nun durchs Atelier geisterten. Hier zB kann man sie gleich doppelt sehen: sie spiegeln sich riesengroß und verzerrt im Kolben einer Petroleumlampe.

Wie man sich doch irren kann! In Wirklichkeit war es ganz anders: „… die Myriade-Figuren ließen sich nicht blicken …. bis ich sie in der Petroleum-Lampe entdeckte. Mir gelang ein Schnappschuss, als sie gerade dabei waren, sich zu materialisieren.“  So schrieb ich vor 6 Jahren, und so wird es wohl auch gewesen sein.

Die beiden rannten suchend umher, um einen Ausweg aus dem verspiegelten Raum zu finden.

Es gelang ihnen, durchs Fenster zu entkommen, und ich verlor sie vorübergehend aus den Augen.

 

Später fand ich sie auf einem Feigenblatt wieder. Vorsichtig schob ich ein Zeichenblatt drunter und sammelte sie ein.

Wie die Geschichte weiterging, kannst du hier nachlesen.

 

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Fisch-Frottage

Nach dem gestrigen Dialog mit Sonja (S: „alles betrachtet, dabei gedacht, dass man mit Frottagefitzelchen interessante Collagen machen könnte“ – ich: „Ja, unbedingt! Hat uns Max Ernst ja vorgemacht. Brauchen wir nur nachzuahmen. 🙂 Ich denke, ich werde ein bisschen damit experimentieren) habe ich mir ein paar kleine Lehr-Videos mit Anleitungen für Frottagen angeschaut. So richtig inspiriert haben sie mich nicht. Aber bevor ich ernsthaft damit arbeite (wenn überhaupt), muss ich die Technik peu a peu ausprobieren und verstehen, wie man welche Effekte erzielen kann.

Als ich meinte, fürs erste genug informiert zu sein, riss ich ein Stück von der billigen Papierrolle ab und machte mich ans Werk. Ich fand ein paar Ölkreiden, kroch am Boden herum und „frottierte“ die Teppiche, den den Atelierboden bedecken. Dadurch entstand ein mehrfarbiger Grund.

Was nun? Ich fand eine Rolle Gipsverband und schnitt einen „Fisch“ aus, den ich frittierte … ähm, frottierte.

 

Dann probierte ich noch dies und das aus: farbiges Papier, die Fische ausschneiden und auf „frottierte“ und andere Gründe legen, Schwarz-Weiß-Variante anfertigen, Pflanze aus dem Fischschwarm legen.

Am eindrucksvollsten ist die Nahansicht. Mal sehen, was daraus noch wird.

Die Schwarz-Weiß-Variante mit den ausgeschnittenen Gips-Fischen finde ich auch ganz interessant.

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