Kalenderblätter 28.-31.Mai: Blühendes

Der Mai, der Mai, der lustige Mai – dies Wocheende darf er noch bleiben, aber ich höre schon am Rauschen seiner Flügel, dass er sich zum Abflug bereitet. Und so habe ich die letzten Mai-Kalenderblätter fertiggestellt.

 

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„The Tube“, (Gefesselte Linien, Kohlezeichnung)

Gestern habe ich unter dem Eindruck meines Kunstbuchs über „gefesselte“ Linien noch weitergezeichnet, und zwar mit Kohle auf Billigpapier von der laufenden Rolle. Es hängt als lange Bahn über der Staffelei, und immer, wenn mir etwas einfällt, hinterlasse ich darauf Notizen. Gestern wurde aus den Notizen eine komplette Zeichnung,  die ich „The Tube“* (die Röhre) betitelte. Ein düsterer Ort.

Die winzigen Menschen sind, im Gegensatz zum Bauwerk, Linien in freier Bewegung.

*Die Londoner nannten (und nennen) den unterirdischen Verkehrsweg, der sich mit sehr engen röhrenförmigen Tunneln wie ein Maulwurf durch den Untergrund der Stadt buddelte,  „The Tube“ – die Röhre. Sie ist die älteste Untergrundbahn der Welt.  Der erste Streckenabschnitt wurde am 10. Januar 1863 als unterirdische, mit Dampflokomotiven befahrene Eisenbahn eröffnet.

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Kunstbuch 76: gefesselte Linien

Nach dem freien Spiel der Linien (siehe Kunstbuch 75) machte ich einen Versuch mit „gefesselten Linien“. Die dürfen nicht tun, was sie wollen, sondern müssen sich einem Prinzip unterordnen. Ich habe Gerade und gebogene Linien kombiniert und seriell über das Blatt verteilt, so dass sich regelmäßige Muster bilden.

Aufgeblättert:

 

Den gefesselten Charakter der Linien, der sich eine Art mechanisch-eiserner Welt schafft,  habe ich durch die Farbwahl unterstreichen wollen.

Ich finde, dass der Gegensatz zwischen den Kunstbüchern 75 und 76 deutlich macht, wie unterschiedlich freie und gefesselte Linien funktionieren.

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Kunstbuch 75: freie Linien (Paul Klee)

Ich lese mal wieder in Paul Klees „Pädagogischem Skizzenbuch“, das ich in einer schönen kleinen Edition von Florian Kupferberg, 1965 besitze. Die Erstausgabe erschien 1924 im Rahmen der Bauhaus-Veröffentlichungen. Mein Exemplar ist zwar etwas durchweicht, aber zum Glück ist der Wasserschaden auf den Umschlag beschränkt.

Im Juni will ich die Lektionen des Büchleins in meinem Kalenderbuch durchnehmen, um gründlicher zu verstehen und auf meine Art umzusetzen, was Klee über Linien, Flächen, Strukturen, Perspektiven usw seinen Studenten zu sagen hatte.

Um mich schon mal anzuwärmen, habe ich mich heute durch Kapitel I,1, Figur 1 zu einem Mini-Kunstbuch anregen lassen. Sie zeigt eine frei schwingende Linie. Die Legende sagt: „Eine aktive Linie, die sich frei ergeht, ein Spaziergang um seiner selbst willen, ohne Ziel. Das agens ist ein Punkt, der sich verschiebt.“

Eine frei spazierende Linie – was gäbe es Passenderes für diese schönen letzten Maientage! Ich ließ den dicken Filzstift über die winzigen Blätter des Mini-Zines laufen, wie sie wollten. Danach nahm ich meine Buntstifte.

 

Der Reihe nach (die Farben sind in Wirklichkeit viel wärmer und lebhafter)

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Kalenderblätter: Blühendes, 17.-27.5.

Etliche neue Blätter sind entstanden. Das Papier des Kalenders ist leider nicht besonders gut für Blühendes geeignet, und so bleibt es oft bei zeichnerischen Notizen, die auf bessere Ausführung warten.

 

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Darf ich vorstellen? Die Überlebenden

Es waren mal vier. Dann waren wir zwei Wochen lang weg. Inzwischen haben sich zwei gezeigt: ein einfarbig goldenes und ein sehr putziges dreifarbiges Mini-Kätzchen. Sie leben zwischen der verfallenden Gartenbank und der Rosmarinwand. Näher ran konnte ich nicht.

Herangezoomt. Da sieht man auch das Loch, das sich vor Jahren Holzbienen als Demozil erschufen, und das seit langem iunbewohnt ist.

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Seemanns Garn (Drabble, kata-strophisch)

Wortmans Wörter für die heutige Drabble-Runde lauten Pilot – cool – Qualle. Wie lässt sich mit genau hundert Wörtern ein Text zusammenreimen, in dem die drei Wörter vorkommen? Das ist die Frage. Meine Antwort: Seemannsgarn.

 

Seemanns Garn

Zum „Käpten Qualle“ hieß die Schenke

An die ich manchmal gerne denke.

Der Kapitän hieß richtig Hein

Und trank nicht gern als Mensch allein

*

Er hockte fett auf seinem Hocker

Leert’ an zehn Gläser Schnaps ganz locker

Und fiel er runter von dem Stuhl

Dann fanden das die Leute cool

*

Sie halfen ihm, auf der bequemen

Und weichen Eckbank Platz zu nehmen

und baten ihn, sein Garn zu spinnen

als er Pilot war bei den Finnen

*

Am Ende hörtest du ihn lallen

Von Seegespenstern glatt wie Quallen

Dann wusste jeder, gleich ist Schluss.

Wer doch noch blieb, der hätt’ Verdruss.

 

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Mimikri (Katze mit Sockel). Kleine Beobachtungen

Eingepasst in die Stein-Holz-Aufschichtung, die in unserem Garten die Rolle einer Skulptur spielt, sah ich eine der Jungkatzen sitzen und den gerade abgemähten Vorgarten überblicken. Mir schien es, als sei sie sich der besonderen Form ihres Sockels, der ihr eine hohe und zugleich geschützte Position erlaubte, sehr wohl bewusst. Zuerst hatte sie anscheinend das „Ohr“ des Holzes, auf dem sie sitzt, als Tarnung benutzt…

Dann aber korrigierte sie ihre Haltung und machte sich fast unsichthar, indem sie sich der hohen senkrechten Kante des Sockels anglich. Nun wirkt sie wie ein kleiner Auswuchs der kompakten Masse.

 

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Sonntags im Archiv: Olympia (24-5-2019)

O ihr Götter! Herrlich seid ihr, und die Menschen wussten euch darzustellen. Am schönsten gelang es wohl  Praxiteles mit dem Hermes (ca 320 v. Chr), der mit der einen Gesichtshälfte lächelt, mit der anderen so traurig aussieht, dass man das Schlimmste für die Entwicklung der Welt erwarten darf. Auf dem Arm hält er den neu geborenen Dionysos (den „zweimal Geborenen“).

So schrieb ich an einem Tag wie diesem, im Jahr 2017 und präsentierte dazu als Beleg den von Praxiteles aus dem Marmor herausgeschmeichelten Gott als Foto, aufgenommen im Museum von Olympia. An einem Tag wie diesem. Am 24. Mai 2017.

Neun Jahre sind seither schon vergangen? O weh! Wieviele schwere Lasten haben die Menschen seither auf den Schultern geschleppt, um sich und uns am Leben zu erhalten!

Wieviele Siege wurden verkündet – und waren dann keine! Waren nicht mehr als eine  zerbrochene Frauenfigur in zerrissenem Kleid.

 

Und dennoch: Haben wir nicht alle Siege überstanden und überlebt? Möge es auch in Zukunft so sein!

 

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25 Wochen / ein Objekt (der kleine Prinz)

Nicht an jedem Sonntag schaffe ich es, ein auserwähltes Objekt (hier: eine kleine Metallfigur des Kleinen Prinzen) in einem neuen surrounding zu präsentieren (wie Wortman angeregt hat). Nun aber wieder!

Der Kleine Prinz ist  in einer Stadt mit spitzgiebligen Häusern unterwegs. Es  ist ein verhangener Tag, und womöglich nieselt es, so wie gerade auch hier.

Plötzlich beginnt sein berühmtes goldenes Haar aufzuleuchten. Was ist passiert?

Man versteht es, wenn man den Blick etwas weitet: Die Sonne ist zum Vorschein gekommen und beleuchtet sein Haar!

Du willst vielleicht wissen, wo sich das alles abspielt? Nun, am Meer, natürlich! am blauen blauen Mittelmeer.

 

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