Kalenderblätter 22-23: Kürbis und Widderhorn (und die Hand als Maßstab)

Gestern zeichnete ich Mme Kolokytha, die ich im vorgestrigen Eintrag als „Opernsängerin“ vorstellte (hier). Sie ist eine häufige Erscheinung in diesem Blog. Ursprünglich war sie wohl ein Kürbis, der dann trocknete und in mein Atelier Einzug hielt.

Madame ist sehr leicht und schaukelt gern. Ich brauche meine Hand nicht fest um sie zu legen, um sie zu stabilisieren. Ein leichter Griff genügt.

 

Heute nahm ich ein schweres „Naturobjekt“ in die Hand, das mich ebenfalls seit langem begleitet: das Horn eines Widders. Den Kopf dazu gibt es auch – natürlich nur als knöchernen Schädel. Ich sah ihn einst bei einem Streifzug durch die Samothraker Einsamkeit als Totem auf einer Umzäunung und nahm ihn mit.

Auf der Zeichnung halte ich das Horn mit festem Griff, um es aufrecht zu halten. Dadurch verdecke ich das dicke Ende.

Warum lege ich so viel Wert auf die Hand? Es gibt viele Gründe. Einer davon ist, dass ich durch die Hand einen Maßstab für die Objekte einführe. Die Hand ist das Maß aller Dinge. Man erkennt an ihr, wie groß das Objekt ist, und man kann sogar das Gewicht einschätzen. Durch den Vergleich mit der Hand gebe ich zudem Hinweise auf die Farbe und Oberflächenstruktur des Objekts.

Wie groß ist Mme Kolokytha? Du kannst es nicht einschätzen, zumal das ins Bild ragende Horn perspektivisch vergrößert ist und du nicht wissen kannst, wie groß das Horn ist.

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Auch wenn sie zusammen mit anderen Objekten erscheint, ist eine Einschätzung schwierig, sofern du diese Objekte nicht kennst.

Und das Widderhorn? Da ist das Verhältnis zum Schädel immerhin ein Maßstab.

Übrigens ist es das rechte Horn, das ich heute zeichnete.

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Reiner Montag: Adler im Blau!

Adler (αητοί/aiti), so sagte ich, heißen hier die Drachen, die man in die Luft steigen lässt. Und man lässt sie nicht, wie in meiner ersten Heimat an der Ostsee, bei den beginnenden Herbststürmen, sondern am „Reinen Montag“ (Καθαρή Δευτέρα/kathare devtera), also zu Beginn der österlichen Fastenzeit steigen.

Das Wetter ist prächtig, als wir uns auf den Weg zur Sandova-Bucht machen, um den Drachensteigern ein wenig zuzuschauen. Unseren eigenen Drachen lassen wir im Keller.

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Du siehst nur Leute, aber keinen Drachen? Gedulde dich ein bisschen, bis der Wind auffrischt. Die Papas (und nicht nur die) geben sobald nicht auf. Na also!

Ein paar Vögel schaffen es und schweben gemeinsam mit der bleichen Mondsichel im leuchtenden Blau.

Zu Hause setzen wir uns in den Garten, um die heute eingekaufte Lagana* (λαγάνα, flaches, ohne Backpulver oder Sauerteig gebackenes Brot mit Sesam) zusammen mit Fischrogensalat (ταραμοσαλάτα), Oliven,  Weißkohl- und grünem Salat zu verzehren. Die traditionellen dicken Bohnen lassen wir aus, denn gestern bekamen wir von der Wirtin „unserer“ Taverne eine Portion Παστίτσιο (Pastitsio) geschenkt, das man „eigentlich“ heute nicht mehr essen darf.

Sämtliche Katzen versammeln sich um unseren Tisch. Nachdem sie ihren Teil bekommen haben, geben sie Ruhe, putzen sich und genießen die Sonne.

Leo und Lin auf der alten Gartenbank

Wir aber halten den wohlverdienten Mitztagsschlaf. …

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Aus dem Archiv: Gemeinsam zeichnen, Erinnerung an Tito

Ich habe es mir zur lieben Gewohnheit gemacht, jeden Sonntag ein wenig ins Archiv des Blogs hinabzusteigen, um zu sehen, was ich an einem Tag wie diesem getrieben und gedacht habe. Heute landete ich im Jahr 2019. Am 22. Februar gab es bei mir „Gemeinsames Zeichnen„: Wir posierten und zeichneten uns gegenseitig. Leider ist diese schöne Initiative nicht zur Institution geworden.

Während ich posierte, zeichnete ich Tito, meinen lieben Hund. Und darüber freue ich mich jetzt, beim Wiedersehen, ganz besonders. Es war sein letztes Lebensjahr. Er liebte meine Besucherinnen, begrüßte sie immer mit einem freudigen Huhuhu. Und wir liebten ihn.

 

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25 Wochen – ein Objekt: Der Prinz auf der Osterinsel

Ein ausgesuchtes Objekt jeden Sonntag in unterschiedlichem Surrounding zeigen – das ist die von Wortman vorgeschlagene Challenge.

Mein „Objekt“ ist der kleine Prinz. Seine Reiselust hat ihn wieder mal gepackt. Er schickte mir ein Selfie von der Osterinsel. Hinter ihm zwei der berühmten riesigen Moai-Skulpturen, nach denen die Insel benannt wurde.

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Kunstbuch No 10: Karneval

Bei uns ist der Höhepunkt des Karneval erreicht. Das ist ein eigenes Mini-Zine wert, denke ich. Die Idee dazu kam mir von den Decalcomaniebildern, die Christoph heute zeigte. Ich nahm zwei noch nicht eingetrocknete Farbtuben und drückte ein paar Flecken auf die Seiten meines gefalteten Heftchens, klatschte sie zusammen, nahm auch noch einen Pinsel, um etwas zu schmieren. Ein wenig ockerfarbene Erde streute ich auf die nasse Farbe, tupfte alles ab und zeichnete mit dem dicken schwarzen Filzstift Figuren hinein.

 

Aufgeblättert in meiner Hand, sieht man jeweils die beiden aneinander „abgeklatschten“ Seiten:

Der Drachen am Ende verweist auf die Sitte, am „reinen Montag“ Drachen steigen zu lassen. Hier heißen sie freilich nicht Drachen, sondern Adler. Die überall am Straßenrand angebotenen, vermutlich in China fabrizierten Fertigadler sind leider nicht mehr sechseckig wie die traditionellen selbstgebauten, sondern haben alle möglichen Formen und Farben. Da gibt es fliegende Katzen, Prinzessinnen, Hexen…,warum nicht auch Drachen?

HELAAF!

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Kalenderblatt 21/2. Schilfwurzel

Heute kam zur gestrigen Kriech- und Haftwurzel des Efeu die Schilfwurzel hinzu.

Dieses und andere Schilfwurzelmännchen habe ich immer wieder gezeichnet. Sie sind zu witzig.

Dieses Schilfwurzelmännchen habe ich 1985 gleich vier mal mit  Feder und Tinte gezeichnet. Es gehört zu meinen ältesten Studienobjekten.

Später dann (2018) machte ich große Zeichnungen mit Bleistift ….

und auch mit Ölkreide auf grauer Pappe.

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Räuberbanden sind es, die hier die berühmte Sopranistin Madame Kolokytha belagern.

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Man findet sie im Schilfwald am Sandovastrand. Es wird Zeit, dass ich mich nach neuen umsehe. Das heute gezeichnete Männchen ist schon arg vertrocknet und leicht angestaubt.

 

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Kalenderblätter 18-20/2: Olivenholz, Muschel, Kletterwurzel des Efeu

Drei weitere Kalenderblätter mit „Naturobjekten“ – meinem Thema für den Monat Februar.

18/2: Ein Stück Olivenholz, das ich zeichnete, bevor es dem Feuer zum Opfer fiel. Da wir sehr wechselhaftes und oft auch sehr ungemütliches Wetter haben, wandert jeden Abend eine Menge Olivenschnittholz in den Kamin.

19/2: Eine Muschel in meiner Hand. Die Muschel holte ich vom Bord im Atelier, wo ich sie vor etlicher Zeit zusammen mit anderen Fundstücken deponierte.

20/2: Von dort nahm ich auch ein gewundenes Holz mit, das von einer Kletterpflanze, vermutlich vom Efeu, stammt. Es ähnelt einem Seil und verzweigt sich an einem Ende in viele Einzelstränge, die in (nun abgestorbenen) Haftwürzelchen enden.

Beim Zeichnen ist mir immer die Handhaltung wichtig. Die Hand wirkt wie eine Rückbindung des Objekts an mich, das zeichnende Subjekt. Der Gegenstand bekommt dadurch selbst Subjekteigenschaften und beginnt, mit mir zu sprechen.

Dies ist ein Beitrag zu Christophs Zeichen-Challenge, jeden Tag eine Zeichnung im Kalender 2026 zu machen.

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Kunstbuch No 9: Fischerboote

Hier nun das Mini-Zine, das ich, auf der Mole von Kitries hockend (hier), in der hohlen Hand mit dem dicken Filzstift und ein paar Buntstiften zusammenkritzelte. Mal beeilte ich mich, weil es kalt wurde, dann wieder ließ ich mir Zeit, weil die Sonne wieder durchkam. Insgesamt brauchte ich wohl eine Dreiviertel Stunde, um die acht Seiten zu füllen.

Aufgeblättert:

 

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Bilder von unterwegs (4): Fischerboote in Kitries

Unser Wetter ist sehr wechselhaft. An einem Tag strahlt die Sonne, am anderen ist es düster, stürmt und regnet. Gestern machte ich eine Wanderung zum Bergdorf Meg. Mantinia (hier), heute fuhr ich zum Fischerhafen Kitries, um ein „Kunstbuch“ (Mini-Zine) mit Booten zu zeichnen.

Das Wasser im Hafenbecken schwappte träge unter einer Schicht von abgeschnittenem Schilf, dazwischen hell aufglänzende Flächen, die sich unter dem unruhigen Licht ständig veränderten.  Ich machte eine Reihe Fotos (16.20-16.30 Uhr) und setzte mich dann auf die Mole, um mein „Kunstbuch“ mit Boots-Kritzeleien zu füllen.

Manchmal beeilte ich mich sehr, da mir kalt wurde, dann wieder strahlte die Sonne auf mich nieder und ich nahm mir Zeit. Ich zeichnete ohne Unterlage in der hohlen Hand. Als ich fertig war, machte ich noch ein paar Fotos. (17.15 Uhr)

Auf dem Rückweg konnte ich noch einen schönen Sonnenuntergang mit fernem Regen und zwei tierische Freunde vor dem Eingang unseres Minimarktes fotografieren.

Das Kritzelbüchlein zeige ich in einem anderen Post, da ich keinen Vergleich mit den Fotos möchte.

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Bilder von unterwegs (3): Bergdorf Megali Mantinia

Wind und Sonne und die mit Hundskamille überzogenen Wiesen unter den Olivenbäumen halfen mir heute, die Steigung zum Bergdorf Megali Mantinia zu bewältigen.

Ich habe schon öfter von unserem Nachbarsdorf erzählt, aber immer wieder ist es auch für mich neu. Heute entdeckte ich sogar noch eine schön geweißte Kirche, die ich bisher nicht bemerkt hatte.

Die Restaurierungsarbeiten, die um die Jahrtausendwende begannen – dank EU-Geldern, Handwerkern, die aus Albanien kamen, und EU-Ausländern, die sich hier einkauften – haben das Dorf vor dem völligen Verfall gerettet, aber immer noch sind schöne alte Gebäude nur als Ruinen erhalten.

Das Gebäude rechts auf dem letzten Foto hat übrigens ein irisches Ehepaar nach eigenem Gusto restauriert, in eine Art Burg verwandelt und mit selbst geschaffenen Skulpturen geschmückt.

Das starke Licht arbeitete die merkwürdige Bauform der Hauptkirche des Dorfes plastisch heraus.

Vielleicht erinnerst du dich, dass ich sie im Januar  zeichnete – aus einer Perspektive, in der eine Ecke der älteren kleinen Kirche sichtbar wird.

Mein Heimweg führte mich wieder im großen Bogen auf der anderen Seite der Schlucht bergab. An meinem geliebten Johannesbrotbaum macht ich Halt. Von dort aus sieht man die Kulisse des Dorfes wie eine Fata Morgana schweben (im ersten Foto siehst du es, wenn du das Foto auseinanderziehst, im zweiten Foto habe ich es herangezoomt).

Am schattigen, feuchten Wegrand blüht allerlei.

Ein Sonnenuntergang über dem nun nicht mehr sehr fernen Meer.

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