#Juniverse: Sandkorn und Stern (Lob der Erde)

 

Lob der Erde

Die Erde ist kein Stern

Der kalt und fern

Am Himmel nächtens durch sein Licht

Zu unsrer Seele spricht.

Und sagt: „Du bist nur Staub

Mit Verlaub.

Ein Sandkorn ist die Erde

Und du, du Wicht,

Mit deinem ‚Stirb und Werde‘

mit deiner Stolzgebärde

fällst gar nicht ins Gewicht.“

Die Erde ist kein Stern

Sie ist nicht fern

Nicht kalt und ungeheuer

Im Herzen trägt sie Feuer

Mit Blumen schmückt sie sich

Mit Luft beglückt sie mich

Den Tieren ist sie Mutter

Die Vögel sind ihr teuer

Sie sorget für ihr Futter

Uns Menschen gibt sie Butter

Und füllt mit Korn die Scheuer.

Die Erde ist kein Stern

In ihrem innern Kern

Da ist sie lieb und warm

Und voller Gotterbarm.

Sie will dich reich beschenken

Will dir ganz ohn Bedenken

Von ihren Früchten geben

Will lindern deinen Harm!

Trink Saft aus ihren Reben

Das gibt dir Freud am Leben

Und Witz und  Charme.

UNSERE ERDE: Legebild mit Schnipselspenden von Susanne Haun (Sonne), Ulli Gau (feurige Pflanzen), Jürgen Küster (dunkle Wolke und Erde), Ule Rolff (Luftelement), Gerda Kazakou ((Wasser, Segelboot).


 

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Montag ist Fototermin. Eine Rose als Stütze

Aber ich liege in Vogelfedern, hoch ins Leere gewiegt.
Mir schwindelt. Ich schlafe nicht ein.
Meine Hand
greift nach einem Halt und findet
nur eine Rose als Stütze.

(Hilde Domin)

Nur? Ist es denn wenig, eine Rose zur Stütze zu haben? Mir gibt ihr Anblick immer und überall Kraft. So auch auf dieser Reise von Athen in die Mani, der Sohn erstmals nach dem Tod seiner Frau wieder bei uns, und wir fahren die altbekannte Strecke, machen unterwegs Halt dort, wo zuvor auch die beiden immer Halt machten, um in der urigen Taverne im Nirgendwo etwas Stärkendes zu sich zu nehmen.  Nun ist sie nicht mehr dabei, und es tut weh. Aber da sind die Rosen, und da ist er, da ist auch mein Mann, wir sind zu Dritt, und die Heilung darf langsam beginnen.

Es ist Pfingstmontag, zudem auch Sommersonnenwende. Zwei Abende zuvor saß ich maskiert am Athener Flughafen, den Sohn abzuholen. Durch diese Glastür wird er kommen, ich will ihn fotografieren, so wie vor anderthalb Jahren, Anfang Januar 2020, fröhlich, unmaskiert und ahnungslos, auf diesem Flughafen. Wie damals,  als ich sein Ankommen mit einer Reihe von Bildern feierte (auch hier)

Als er kommt, erkenne ich ihn nicht gleich hinter seiner weißen PTT-Maske. Aber er ist es. Kein Foto.

Ich werde etwas weniger in Bloghausen sein, solange er hier ist. Mit den besten Wünschen an euch alle, dass der Sommer euch Angenehmes und Aufbauendes bringt.

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Zimmerreise: M wie Marmor

Marmor und Holz ist es, auf denen meine nackten Füße gehen. Holz, weicher und wärmer als Marmor, bedeckt die Böden im Wohnbereich und in den Schlafzimmern, Marmor hingegen, dessen Kühle bei sommerlichen Temperaturen höchst willkommen ist, bedeckt die Böden von Gängen, Küche, Bädern und Treppen.

„Seid ihr denn so reich, dass ihr euch Marmorböden leisten könnt?“, fragt hier vielleicht einer. Nein, sind wir nicht, und es ist auch keine Kostenfrage, denn Marmor gehört hier zu den alltäglichen Baustoffen. Gewonnen wird er, wie schon im Altertum, gleich vor der Haustür: im Pentelikon. Dort findet man heute noch die alten Marmorbrüche, die das Gestein für die Akropolis lieferten, aber auch neuzeitliche, inzwischen stillgelegte Mamorfabriken, die für das Baumaterial  der schier endlos wachsenden Stadt Athen sorgten (hier ein Post dazu). Wenn du durch Athen schlenderst, wanderst du auf und zwischen den Gebeinen der Pendeli.

„Die Penteli – ja, sie ist eine Frau! – kennt man in Deutschland vor allem wegen ihres Marmors.“ schrieb ich in dem Post von 2015.  „Pentelischer Marmor: die großartigsten Tempel, die wunderbarsten Plastiken wurden aus dem Gestein dieses Bergmassivs geschaffen. Der Parthenon, die Propyläen, der Theseion-Tempel des Hephaistos, das Erechtheion mit den unvergleichlichen Kariatiden – aus den Flanken des Berges wurde der Marmor gebrochen, in Höhen bis zu tausend Metern. Der Berg ist übersät mit Narben, die weiß oder im Abendlicht rosa aufleuchten. Die verbrannten Pinien wurzeln in pentelischem Marmor.“

Dynamit-Loch im Mamorbruch

Pendeli: Marmor und verbrannter Wald

Der banale Mamor im Haushalt hat natürlich nicht dieselbe Qualität wie der Marmor, der für die antiken Tempel und Skulpturen verwendet wurde. Und so lohnt es sich durchaus, dem Mamor auch in den Museen nachzuspüren. Dann wirst du vielleicht feststellen, dass er schon seit Urzeiten für Geräte des täglichen Gebrauchs und natürlich auch für Kultgegenstände genutzt wurde (hier). Dieses Gefäß, das aus der kykladischen Kultur stammt, dürfte ca 4000 Jahre alt sein.

Marmor-Behälter, die Griffe fehlen

Und wenn ich nun meine Fußböden mit der Kunst vergleiche, die vor tausenden Jahren entstand: kann ich da etwa von Fortschritt sprechen? Nun. meinen Füßen ist es egal.

Kykladisches Museum, Marmorstatuette.

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Juniverse 19.6.: Die Wasserrutsche im Wald

Weithin hallt

Durch den Wald

Juchzen und Schrein

Komm spring schon rein!

Die Wasserrutsche ist natürlich

Und was man sieht ist höchst possierlich

Da geben sich ein Stelldichein

Im Sonnenschein

Jung und alt

Jeder halt.

Für das Bild habe ich Legefigürchen in ein-älteres Gemälde kopiert.

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Juniverse 18.6.: Postkarten-Nostalgie

Mit der Post kamen sie

Die bunt bedruckten, liebevoll ausgesuchten

Mit Briefmarken aus fernen Ländern beklebten

Lebenszeichen

Von lieben Menschen

Ihre Grüße, kurz nur und flüchtig hingeschrieben

Auf einem Kaffeehaustisch oder

Vielleicht beim Warten auf einen Bus, irgendwo,

Ich las sie gerne

Lese sie immer noch gern

Halte sie in meinen Händen,

Und betrachte die Lebensspuren von Menschen

Die längst sich verloren in den Weiten

Der Erde und der himmlischen Räume.

 

Bunt bedruckt, mit Marken beklebt,

der Postbote hat sie einst gebracht.

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Juniverse17.6.: Fashionable mit Strohhut

 

Selbstportrait in rundem Spiegel, Kugelschreiber-Zeichnung

Was schaust du so mit finstrem Blick

Und kritisierst der Menschheit Lauf?

Setz dir nen lila Strohhut auf

Ist er nicht totenschick?

Dir vors Gesicht, sie macht was her,

Die  Orchideen-Maske nimm

Denn sie verbirgt auch deinen Grimm.

Mit Maske bist du Wer.

digital bearbeitete Zeichnung mit collagiertem Foto einer Orchidee.

 

 

 

 

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Juniverse 16.6.: Kleckerburg

„Schau mal den Kleinen, den Fritz,

Wie er das kann, ei der Blitz!

Ist er nicht tüchtig?

Ich freu mich richtig

Er baut mit Wasser und Sand

Ohne Schaufel, mit bloßer Hand

Ne Burg mit Brücken und Zinnen

wird den Wettbewerb sicher gewinnen.“

Die Oma lächelt entzückt

Nicht einmal blickt sie zurück

Zum Alten,  ihr Anvertrauten.

Ihm gelingen viel bessere Bauten.

Doch ein Alter, der Kleckerburgen baut,

wird eher komisch angeschaut.

Er braucht als Alibi ein Kind

Obgleich wir alle Kinder sind.

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Juniverse 15.6. : Biergarten

„Emma! Wo warst du und lässt mich warten!“

Sprach stark verstimmt der rotköpfige Gatte

„Reg dich ab, Klaus, und bleib auf der Matte

Ich war nur Luft holn im Biergarten.

Der is nu wieder offen

Und alle haben gesoffen

Ich nich, ich hatte nur zwei Bier

Un nu bin ich ja wieder hier.“

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Drei Kompositionen mit Vase, Steinen u.a. bei Nacht (tägliches Zeichnen)

Dreimal habe ich heute bei schwächlicher Kunstbelechtung, dafür aber unter der Sichel des Mondes, gezeichnet, was sich vor mir auf der Tischdecke befand.

a) Hier liegen auf einem Haufen ein großer schwarzer und ein etwas kleinerer weißer Stein, daneben ein Väschen mit einer Sukkulenten, die unsere Abwesenheiten überlebte. Dahinter zwei Säulem mit je einem Blumentopf, das Balkongitter und die Vegetation, die dahinter im Halbdunkel aufscheint.

b) Im zweiten Anlauf nahm ich einen größeren Ausschnitt des Tisches in Augenschein. Die Dinge sind nicht zu einem „Stillleben“ arrangiert, sondern ich ließ sie genau da, wo sie lagen bzw standen. Ich liebe es, solchen zufälligen Anordnungen eine innere Ordnung abzugewinnen bzw sie miteinander ins Gespäch zu bringen.

c) Im dritten Anlauf leerte ich die Fläche des Wachstischtuchs, rückte die runde Vase näher zu mir hin und ließ  den metallenen Trinknapf und den gestreiften Blumentopf fürs prekäre Gleichgewicht sorgen.

In allen drei Kompositionen geht es um Fragen von Leere und Verteilung von Objekten auf der Fläche.

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Impulswerkstatt: Die Bosporusbrücke

https://laparoleaetedonneealhomme.files.wordpress.com/2021/05/img_8300.jpgAls mich dieses Bild unter deinen Juni-Impulsfotos anlachte, liebe Myriade, dachte ich zunächst nicht an den Bosporus, sondern an meine alte Heimat und die Brücke, die den Fehmarnsund überspannt. Meine Kindheit hat sie nicht geprägt, denn sie wurde erst gebaut, als ich längst auf und davon war. Für mich gehen die großen Fähren immer noch von Großenbrode nach Gedser, so wie damals, als ich auf der „Theodor Heuß“  und der „Deutschland“ jobbte. So als ob es die Brücke nicht gäbe.

Auch die Farben erinnerten mich eher an die Ostsee als an den Bosporus. Und so war es vor allem das für mich magische Wort: Bosporus! das meine Erinnerung ansprach. Oft war ich dort, das erste mal 1967 mit einem VW von Berlin aus, das letzte Mal 2005 bei einem Freundesbesuch. Natürlich gab es 1967 noch keine Brücke über den Bosporus (die erste wurde 1973 eröffnet). In den achziger Jahren entstand eine zweite Brücke , und seit meinem letzten Besuch ist eine dritte Brücke hinzugekommen, so dass ich gar nicht mit Sicherheit sagen kann, ob es die auf dem Foto abgebildete ist, die ich 2005 staunend, aber auch ein wenig widerwillig betrachtete und immer wieder ablichtete. Denn ich liebe Brücken, bewundere die kühnen Konstruktionen, bedaure aber auch, wenn dem unendlichen Verkehrsfluss neue Möglichkeiten eröffnet werden, über die stille See hinwegzudonnern, anstatt dass die Menschen wie zuvor gemächlich per Fähre über das Wasser tuckern. (Zur Geschichte der Brücke gehts hierlang).

Die Brücke überquert zunächst das Häusermeer. In der Ferne sieht man eines der damals entstehenden großen Neubaugebiete, die den Siedlungswildwuchs beenden und den Menschenzustrom aus Anatolien aufnehmen sollten. Was trotz aller Anstrengungen und rigorosen Maßnahmen nicht völlig gelang.

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Wie es sich im Schatten der riesigen Brücke leben lässt? Nun, wer fragt danach, wenn es um Tempo und Fortschritt geht.

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Weithin zeigt sie ihre Präsenz.

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Nun erreicht sie das Ufer. Unendlich der Verkehrsstrom, der darübergeht. Übrigens nicht unbedingt schnell, wie ich mich erinnere. Einmal nur überquerte ich sie, und da wir offizielle Gäste waren, wurde unsere Limousine von Polizei eskortiert, die mit Blaulicht und Sirene eine Bresche in den dahinkriechenden Autostrom sprengte.

Überall zeichnet sie sich in den Himmel,

doch verliert sie allmählich ihre aufdringliche Präsenz ….

bis man sie schließlich ganz vergisst. Denn hier ist die Ausfahrt zum Schwarzen Meer.

Ich selbst fuhr natürlich mit dem Dampfer, der damals die Siedlungen entlang des Bosporus noch mit regulären Fahrplänen verband.  Ob es heute noch so ist? Ich hoffe es.

Woher der Name Bosposus kommt? Nun, natürlich aus dem Griechischen. Es war die in eine Kuh verwandelte Io, die vor undenklichen Zeiten die Furt durchschwamm. βοῦς (boũs)  – das Rind. Bosporos – die Rinderfurt (vergll Schweinsfurt, Frankfurt…).  Übrigens hat sich Zeus wohl ein Beispiel an Io genommen, als er, mit der phönizischen Prinzessin Europa beladen, irgendwo hier von Asien zu uns herüberschwamm.

Vom Mythos der Io habe ich in meinem Romanfragment „Schwanenwege“ erzählt und eine Reihe von Legebildern gemacht, zB hier.

 

 

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