Mein Projekt, im Juli parallel zum Juni Kalenderblätter zu Paul Klees „Pädagogisches Skizzenbuch“ zu zeichnen, ist erst ins Stocken geraten, dann ganz zum Erliegen gekommen. Es ist zu viel Kopfarbeit dabei, es passt nicht in den sommerlichen Tageslauf, und überhaupt. Also habe ich beschlossen, die noch freien Seiten des Juni und Juli leer zu lassen ode sie nur dann zu füllen, was es mir grad Spaß macht, etwas dazu zu zeichnen. Die bereits gezeichneten und bisher nicht gezeigten Kalenderblätter des Juni lade ich heute herunter, um sie für künftige Zugriffe zur Verfügung zu haben.
Ein paar Worte und Illustrationen dazu:
Der Sommer mit seinem gleißenden Licht ist so manchem Erdenbewohner zu hell, sie suchen den Schatten und das Dunkel der Nacht auf. Manchen genügt ein Sonnenschirm, um der allzu großen Helligkeit ein wenig Dunkelheit hinzuzufügen und so ein „nicht symmetrisches Gleichgewicht“ herzustellen: auf der einen Seite der Waage der Schatten – auf der anderen die Sonne und der Sonnenschirm.
Manche Charaktere sind zu rot-energisch, sie nehmen gegenüber blauen Charakteren zuviel Platz ein. Ihnen sei ein wenig gelb empfohlen, um ihre Energie zu zügeln.

Licht und Schatten im Gleichgewicht (Wanddekorim Herakliden-Museum Athen), eigenes Foto
Im Sommer wendet man sich vermehrt den Regionen zu, von denen Klee sagt, dass sie sich nicht streng nach dem Erdmittelpunkt ausrichten, sondern „gelösterer Bewegung und beweglicherer Wirklichkeit entsprechen“: Luft und Wasser. Sie bilden die „Atmosphäre“ (ατμός/atmos = Atem, Dampf, σφαίρα/sphära = Kugel, also eine Kugel aus Atem und Dampf rund um die feste Erde ).
Klee nennt sie ein „Zwischenreich“ zwischen Anziehungskräften der Erde und den anders gearteten Verhältnissen im Kosmos.

„Zwischenreich“ Wasser und Luft = Atmosphäre (Legebild)
Der Linie eines geworfenen Balls in der Luft (1. Figur, bei Klee ist es ein Stein) folgen die Menschen mit Vergnügen, die Anstrengung aber, der Erdenschwere beim Treppensteigen (zweite Figur) Herr zu werden, vermeiden sie nach Möglichkeit und nehmen einen Ασανσέρ/Assancer = Lift, Fahrstuhl. Man sieht, wie die aufzuwendende Energie bei jeder Treffenstufe aufwärts wächst, bis es gar nicht mehr geht.
Am meisten strebe man im Sommer danach, der dritten Figur zu folgen, die die „Beinstöße eines Schwimmers – ein Rhythmus mit loser Gliederung“ abbildet.

Ballspiele: Legebild mit Ullis Schnipseln, mit Glaskugelfoto überblendet
Fröhlich und mit Klingklang springt ein Stein den Berg hinab. Immer wieder findet er kleine Unregelmäßigkeiten im Hang, auf denen er landet und weiterhüpft. Dabei steigern sich seine Hüpfer sprungweise – ein Rhythmus mit „teils fester, teils loser Gliederung“
Fröhlich anzusehen ist auch der Ballon, der von warmer Luft hinauf getrieben wird, dann in kühlere Schicht gerät, was seinen Auftrieb verringert, dann wieder eine wärmere Schicht erwischt und weitersteigt, bis ihn eine richtig heiße Luft nach oben reißt. Ein Rhythmus mit „loser Gliederung“.

Wandmalerei bei Kalamata, eigenes Foto
Es ist Sommer! Möge die Erdenschwere uns nicht zu sehr herunterziehen!
Dem hier gezeichneten Meteor gelingt es, der Anziehungskraft der Erde zu entkommen. Möge jede „glühende Sternschnuppe … der Gefahr entgehen, an der Erde für immer haften zu müssen„!
So gehts, wenn „Atmosphärisches und Kosmisches kombiniert“ auftreten.

chinesische Stern- und Kometenkarten, eigenes Foto
Kursiv gesetzte Zeilen sind Zitate aus Klees Pädagogischem Skizzenbuch




























