Gemeinsam Zeichnen 19 – Kirchplatz im Taygetos

Magda und ich fuhren heute hinaus und hinauf in die grüngrünen Berge. Bei „ihrem“ Dorf machten wir Halt, setzten uns auf den Vorplatz der alten, sorgfältig renovierten Kirche. Sie zeichnete mit Kohle zuerst die Fassade ihres baufälligen Hauses und in einem zweiten Anlauf einen Teil der Kirche. Ich nahm mir die Architektur von Treppenaufgang und Vorplatz vor (ganz oben sieht man das baufällige Haus), und im zweiten Anlauf die Kirchen samt Vorplatz und Landschaft, wobei ich die zeichnende Magda im Vordergrund gleich mitzeichnete (Serie Mensch und Umwelt). Ein Gewitter vertrieb uns.

Zum Vergrößern bitte anklicken.

Magdas Zeichnungen (Kohle):

 

Gerdas Zeichnungen (Bleistift/Kuli und Fineliner)

Der Treppenaufgang, digital bearbeitet:

 

 

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abc-etüde: Wenn der Topf aber nun ein Loch hat (ungereimte Kata-Strophen)

Der letzte Tag für diese Etüdewoche mit den Wörtern, die Werner Karstens spendete: Abweichung, unabwendbar verengen. Nichts gegen die Wörter, lieber Werner! Aber wer liebt schon das Unabwendbare? Und das Verengen, das Atemnot erzeugt? Ist eine Abweichung nützlich, um die Freiheit zu gewinnen? Oder eher verderblich?

Wie auch immer:  die Kata-Strophen, die mir diesmal einfielen, reimen sich nicht.

 

ETÜDE: Wenn der Topf aber nun ein Loch hat

 

Der Lebensweg ach, er verengt sich

Wenn das Alter die Knochen zernagt

Und der Fuß nicht mehr leicht und beschwingt

Den Boden berührt, und die Treppe hinauf fliegt,

sondern mühsam humpelnd, das Geländer umklammernd

 die nächste Stufe, nach Atem ringend, erklimmt.

Wird in dem dunklen Gewirre der Adern

ein Klümpchen sich fangen, das Herz erreichen

Oder das Hirn und du liegst da, ein zappelndes Etwas

Schnaufend und keuchend und alles endet im Krampfe der Todes?

Wird dein tappender Schritt die Stufe verfehlen und stürzt du

Hinab und liegst da, und du wartest vergebens

Auf die hilfreiche Hand, die dir aufhilft?

Wird der Fisch, den zu isst, der letzte sein, der die Gräte

In deinen Schlund versenkt, und du würgst und bleibst auf der Strecke?

Die geringste Abweichung vom gewohnten Gange der Dinge

Und es endet tödlich für dich – so denkst du. Denn der Tod beendet das Leben.

Unabwendbar ist, dass am Ende der Tod die letzte Türe dir öffnet

und du gehst da hindurch, ob du willst oder nicht, doch wohin?

Wohin gehst du? Ins Nichts? In die Arme des liebenden Lichts, ins All-Eine?

Oder wirst du getäuscht? Wirst du schwanken im Reiche der Schatten

Süchtig nach Lebenswallung und heftig weinend

Ob des vergangenen Lichts, der Liebe, des Glücks?

Oder wirst du im Geistesreiche wandeln, lernend und forschend,

Zu sammeln das Wissen, das dir im kommenden Leben

Dienen wird, auf dass du klüger seiest als jetzt?

Wer weiß es.  Ich habe auch immer nur Fragen, wie Liese.

Wenn der Topf aber nun ein Loch hat, lieber Heinrich, was dann?

 

 

 

 

 

 

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Einer sieht fern und lernt italienisch (Skizze)

Unsicher das Licht, flackernd. Das Gesicht dunkel, die Gesichtszüge kaum zu erkennen. Nur das weiße Haar, der weiße Bart heben den Kopf von der Umgebung ab. Ich versuche dennoch, während ich mir mit Kopfhörern Vorträge aus dem Internet anhöre und so das Getöse des TV-Films ausblende und mich politisch bilde (Daniele Ganser über die Vertrauenswürdigkeit der Leitmedien, bei Ken.FM über die Feierlichkeiten des V-Tags und dass Russland fehlte, die deutsche Kanzlerin sich aber aufführte, als habe sie etwas Wesentliches zum Sieg über den Faschismus beigetragen…) eine Skizze des Mannes, der fast bewegungslos den bewegten Bildern auf der Mattscheibe folgt. Er sieht einen italienischen Krimi – er lernt Italienisch.

 

 

 

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Jahresabschlussfeier in Lysos Garten (zwei Skizzen, Serie „Mensch und Umwelt“)

Heute Mittag, im Schatten der großen Bäume, versammelten sich die jungen Leute mit Behinderungen, die in „Lysos Garten“ zu ökologischen Gärtnern ausgebildet werden, gemeinsam mit ihren Ausbildern, Eltern, Freunden und Bekannten an langen Tischen, um den Abschluss des dritten Ausbildungsjahres zu feiern.  Zeugnisse wurden überreicht, Beifall reichlich gespendet, die Stimmung war stolz und gehoben. Leckere Salate aus eigenem Anbau, dazu Souflakia oder Bratwurst, Rot- oder Weißwein gab es auch. Und natürlich Reden – für mich eine Gelegenheit, unbeachtet zwei schnelle Skizzen zu machen. Auf der einen habe ich den Gruppencharakter betont, bei der anderen zwei Paare herangezoomt.  (anklicken = vergrößern)

Bearbeitungen habe ich natürlich auch wieder gemacht.

Diese Bearbeitung, die fast wie ein dreifarbiger Holzschnitt wirkt, gefällt mir besonders gut, zumal sich das Blumenmuster im Hemd des Mannes im bewegten Hintergrund wiederholt.

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Wartende (Skizze anlässlich der Fahrprüfung für Betagte)

Wartende, Skizze, digital bearbeitet. 2019-06-13

Manche von euch haben mir den Daumen gedrückt – danke dafür. Heute war die obligatorische Prüfung, durch die die Fahrkompetenz von über 74Jährigen erneut festgestellt werden soll. Um drei Uhr – zur besten Siesta-Zeit – fand ich mich wie bestellt vor dem Verwaltungsgebäude in Kalamata ein und wartete. Mit mir warteten viele alte und sehr alte Menschen, die meisten waren Männer,  zwei Frauen waren auch da. In der Hand die Tüten mit den Papieren: Führerschein, diverse Autopapiere, Steuerbescheinigung…. Um halb vier kamen drei Prüfer mit Listen, auf jeder sieben Namen.  Mein Name war der sechste auf der dritten Liste. Jede Prüfung würde 30 Minuten dauern, das bedeutete: Warten.

Wartende. Skizze 2019-06-13

Die Wartenden suchen einen Schattenplatz auf den Stufen neben dem Verwaltungsgebäude. Am Anfang verfolge ich das Procedere, sehe die zitternde Hand, die nach dem Papier sucht, das sich nicht finden lässt, sehe das überoptimistische Lächeln auf Gesichtern, sehe Beklommenheit und Hilflosigkeit. Langsam kommen die ersten Prüflinge zurück, durchgefallen der eine, er wird belehrt, dass er in einem Monat erneut antreten kann. Durchgefallen die eine Frau, ihr Gesicht, eben noch so selbstsicher, löst sich auf. Die andere Alte, eine füllige Bäuerin in Schwarz, steigt in ihr Uralt-Auto, muss wohl aus den 50er Jahren stammen. Sie dreht ihre Runden, besteht und will den Prüfer überschwenglich küssen, er wehrt verlegen ab.

Wartende, Skizze, digital bearbeitet. 2019-06-13

Ich ziehe mich irgendwann ein wenig zurück, um eine schnelle Skizze zu machen und dadurch zugleich meine Nerven zu beruhigen. Als ich schließlich dran komme, bin ich ganz gelassen. Der Prüfer ist höflich und selbst sehr müde, denn er muss schon seit dem frühen Morgen ohne Punkt und Komma diese Runden mit nervösen Alten fahren.

Ich mache keine Fehler und bestehe problemlos. Nun darf ich drei weitere Jahre die Freiheit des Autofahrens genießen. Jedenfalls im Prinzip …

 

 

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Die gestrige Gartenszene – digital bearbeitet

Wie es meine Gewohnheit ist, habe ich auch die  gestrige Zeichnung digital bearbeitet – und zwar sowohl insgesamt als auch in Bildausschnitten. Ein paar solcher Bearbeitungen möchte ich heute zeigen.

Zuerst die drei digitalen Varianten, die ich gestern bereits zeigte, die sich dort aber leider nicht vergrößern ließen. Die drei Varanten zeigen die Szene unter verschiedenen Lichtverhältnissen: im scharfen Hell-Dunkel-Kontrast, im weichen Licht des Nachmittags und so, wie sie sich nachts im Licht der Straßenlaterne und des Mondes in etwa darbietet.

Und nun abschnittweise. Warum? weil jeder Bildabschnitt unterschiedliche Bearbeitungen nahelegt, die seine graphischen Besonderheiten hervorheben.

a) Tischplatte mit Solarlämpchen, b) Tischplatte mit Säge und Solarlämpchen, c) eiserner weiß gestrichener Stuhl und Tischplatte, d) gemauerte Hauswand mit Ast und Schatten e) Gartenstück mit verblühten Schwertlinien und Geranien f) Gartenstück mit Aprikosenstamm und Schwertlilienbeet.

Wenn du anklickst, siehst du mehr.

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Gartenszene: Perspektivwechsel (Zeichnung, Serie Mensch und Umwelt)

Mich beschäftigt grad die Frage, wie ich im Bild das Thema der umgekehrten Perspektive darstellen kann. Was ich damit meine? Nun, sagen wir nicht gern: „Versetz dich mal in meine Lage“, oder „schau mal von meiner Position aus“. Was gar nicht so einfach ist.

Als ich vorgestern meinen Garten zeichnete, schaute ich durch das Geäst des Aprikosenbaums hindurch auf unseren alten Tisch mit Gartenbank. Du siehst sie neben dem Hauptast klitzelein im Hintergrund.  Heute, so dachte ich, drehe ich mal die Perspektive um: Ich setze mich auf die Gartenbank und schaue hinüber zu dem Stuhl, auf dem ich vorgestern saß und zeichnete. Sehr gern hätte ich auch einen Menschen gezeichnet, vorgestern auf der Gartenbank, heute auf dem Stuhl – aber das ergab sich nicht.

Was also sah ich von der Gartenbank aus, hinüberblickend zum Aprikosenbaum?

Und die beiden Gartenansichten nebeneinander:

 

Der charakteristische weit ausladende Aprikosenbaum ist eine Art Schlüssel, um die Umkehrung der Perspektive nachzuvollziehen. Übrigens ist das vorgestrige Bild bei voller Sonne, das heutige am späten Abend gezeichnet, als das Licht schon nachließ.

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Kaffeepause in Kalamata. Serie „Mensch und Umwelt“ (Skizze)

Im Zentrum der Altstadt von Kalamata steht eine alte Kirche, in der 1821 der Kampf zur Befreiung von der Osmanische Herrschaft ausgerufen wurde. Sie ist ein wenig in den Boden eingesunken, aber wohl erhalten, und wird als Gedenkstätte gepflegt. Gegenüber befindet sich das Archäologische Museum, untergebracht in einem schönen Bau, der früher als Markthalle diente. Der Platz rund um die Kirche ist ein beliebter Treffpunkt: tagsüber werden vor allem Cafes frequentiert, abends sind es die Bars und Restaurants jeder Preisklasse.

Als ich heute meinen Espresso in einem der Straßen-Cafes trank, skizzierte ich den Ausschnitt des Platzes vor mir: rechts der Eingang zum Museum, links die Kuppel und den Eingang der Kirche, ein Stück von dem hohen Kirchturm und ein bisschen von einem Touristen.  Ich möchte die Skizze der Serie „Mensch und seine Umwelt“ zuordnen.

Anstatt des Ganzen habe ich diesmal Bildausschnitte bearbeitet, um die Komplexität ein wenig zu reduzieren. Hier ein paar Beispiele. Zum bequemeren Anschauen bitte anklicken.

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Alltag 8 mit Gartenszene (Photos, Zeichnung, Bearbeitungen)

Ullis Alltags-Projekt – ich hänge ein wenig hinterher und will es nicht zum zweiten Mal versäumen: Ein Alltag in der Mani.

Seit gestern sind wir wieder hier. Am Vormittag habe ich mit dem Fahrlehrer, der mich auf die Fahrprüfung vorbereitet, geübt. (Neuerdings muss man ab 74 alle drei Jahre und ab 80 alle zwei Jahre seinen Führerschein erneuern und dafür nicht nur seine Gesundheit, sondern auch seine Fahrtüchtigkeit überprüfen lassen). Was wird geprüft? Was wird man gefragt? Worauf muss man besonders achten? Eine Stunde kurvte ich, solcherart belehrt, durch den chaotischen Verkehr von Kalamata. An einer Kreuzung raste ein jugendlicher Radfahrer von der Nebenstraße auf die Kreuzung zu, um in die Hauptstraße einzubieten, rutschte, stürzte – ich stoppte ganz ruhig drei Meter vor ihm, er sammelte seine Knochen, sein Fahrrad und  seine Brille auf und humpelte davon. Uff. Alltag.

Dann fuhr ich mein Auto auf einen Parkplatz, bezahlte meine Handy-Rechnung, zog Geld aus einem Bankautomaten, kaufte mir ausnahmsweise den „Spiegel“, erholte mich bei einem Espresso, holte das Auto ab, fuhr beim Kleinmarkt einer Freundin vorbei und kaufte frisches Obst (Aprikosen, Honigmelone, Kirschen) und Gemüse (Zucchini mit Blüte, Aubergine, Gurke, Karotten mit Grün), auch zwei Portionen Eis. Meine geliebte indische Zudecke, die ich zur Reparatur in die benachbarte Reinigung gegeben hatte, war noch nicht fertig.

Zum Mittagessen traf ich Mann und Hund in „unserer“ Taverne und speiste Zoutzoukakia mit grünen Bohnen, trank dazu auch ein kleines Bier.

Am Nachmittag wurde es dumpf und schwül, da war ein Mittagsschläfchen dringend angesagt. Später setzte ich mich in den Garten, um meine alltägliche Zeichnung zu machen: Ich zeichnete, was ich vor mir sah: den Aprikosenbaum, der wunderbar schattendes Laub, aber leider keine Früchte trägt, Stuhl und Gartenschlauch und im Hintergrund den Holztisch mit der Gartenbank.

Der Himmel wurde gelb, in der Ferne grummelte es. Drinnen fotografierte ich, was ich vom Rohrsessel aus, in den ich mich fallen ließ, sehen konnte: Den schweren Klostertisch, der uns als Schreibtisch dient, die Lehne des Rohrsessels und meinen Fuß, das Schränkchen, das aussieht wie ein Herd und in seinem Innern Kabelsalat brät, den Holzhocker mit dem WLan, den Bücherschrank – all das haben wir vor Jahren für wenig Geld bei einem Händler erstanden, der Altmöbel aus Deutschland importierte. Nur der Klostertisch ist von hier, oder genauer, von einem Altmöbellager in Tegea, Arkadien: sehr geräumig und so schwer, dass wir ihn nicht von der Stelle rücken können.

Und dann kümmerte ich mich um die Garten-Zeichnung, die ich bereits fotografiert hatte: ich würde sie ein wenig bearbeiten und dann diesen Post schreiben. Doch welche Varianten soll ich euch zeigen? Immer diese Entscheidungen! Sehr verschieden sind sie ja nicht – aber eben doch nicht gleich! Wenn du draufklickst, siehst du sie größer.

Oder vielleicht doch als schwarz-weißes Ölgemälde? Fotoshop machts möglich.

 

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Kunst am Sonntag: Das Pfingstwunder (Nolde, El Greco und der Expressionismus)

Die Apostelgeschichte erzählt: „Als der Tag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. … Es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden …“

Ein neues Pfingstwunder – wer wünschte es sich nicht! Dass sich die Menschen verschiedener Zunge und unterschiedlicher kultureller Prägung verstünden! Dass der Geist der Einigkeit, Menschlichkeit und Liebe in uns wirkte!

Ich habe zum Pfingstfest 2015 einen bitter-ironischen Kommentar geschrieben und ein dazu passendes Legebild geschaffen. Es ging damals um das „Wunder“, das man in Griechenland aus Brüssel und Berlin erhoffte. Denn wir standen kurz vor der Staatspleite.

Das Wunder traf natürlich nicht ein. Jetzt, vier Jahre später, glaubt niemand mehr an Wunder, aber vielleicht doch an eine langsame Verbesserung der Lage.

Zwei mir sehr nahestehende Maler haben sich in großen Werken vom Pfingst-Ereignis inspirieren lassen. Der eine repräsentiert wie kaum ein anderer meine Kindheit und erste Heimat Schleswig-Holstein: Emil Nolde. Er wird ja grad wegen seiner antisemitischen Äußerungen und seiner Versuche, sich dem Nazi-Regime anzubiedern, in einer Berliner Großausstellung demontiert, und so, gewissermaßen, ein zweites Mal an den Pranger der „entarteten Kunst“ gestellt.

Das Bild gehört der Seebüllstiftung. Durch Anklicken des Links wird es sichtbar (aus copyright-Gründen habe ich es aus dem Post entfernt. Danke, Christiane!). Für mich ist Nolde ein revolutionärer expressionistischer Maler des frühen 20. Jahrhunderts (dies Bild ist von 1909), dessen Kunst im scharfen Gegensatz zur entweder seichten oder heroischen Nazi-Kunst steht. Daher stand sein Werk auch im Zentrum der Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“ von 1934.

Der zweite repräsentiert wie kein anderer meine zweite Heimat Griechenland: Domenicus Theotokopoulos, genannt El Greco. er wird hier wie ein Heiliger verehrt. Die Rezeption seines Werks hat wegen seiner Nähe zur katholischen Kirche und der ekstatischen Gebärde seiner Gemälde extreme Aufs und Abs gekannt.  Nicht mal seinen Namen konnte die Welt aussprechen, er heißt – außer in Griechenland selbst – nur „El Greco“, der Grieche.  Nachdem er 300 Jahre lang fast verschollen war, wurde er um 1910 – also zu eben der Zeit, als Nolde seine Version von „Pfingsten“ malte – von den deutschen Expressionisten entdeckt. Im Archiv des Deutschlandfunks von 2012 findet sich eine Besprechung einer El Greco-Ausstellung mit dem Titel „El Greco – als moderner Künstler missverstanden“: „Düsseldorf war um 1910, 12 ein Brennpunkt. … und vor allem haben die jungen Künstler 1912 in Düsseldorf El Greco entdeckt im Rahmen der Ausstellung der Sammlung Nemes. – Acht Bilder waren damals zu sehen von einem Mann, der bis dahin in Deutschland nahezu unbekannt war. – „Wir möchten die Situation darstellen: die frühe Moderne in Deutschland, dazu kommt El Greco. Das war ja das Überraschende, dass ein alter Meister so ne wichtige Rolle spielt beim Durchbruch der Moderne.“ – Wilhelm Lehmbruck …, Gemälde von Künstlern des Blauen Reiters, von den Expressionisten wie Ludwig Meidner oder Heinrich Nauen, von Egon Schiele, Max Beckmann, Pablo Picasso. „… da wird El Greco sowas wie ne Identifikationsfigur für den modernen Künstler, El Greco, der 300 Jahre verkannt war, er war der verkannte Künstler, und da kann er Identifikationsfigur werden für moderne expressionistische Künstler, die an der Gesellschaft leiden.“

Ja, 300 Jahre war er verkannt, dieser bahnbrechende griechische Maler in spanischen Diensten – dann wurde er plötzlich entdeckt – und noch einmal „missverstanden“, immer wieder „missverstanden“, die Kunsthistoriker und Kritiker aller Zeiten wissen es halt besser. Sie haben aber nicht das letzte Wort. Das letzte Wort hat das Kunstwerk selbst.

Domenicus Theotokopoulos, genannt El Greco: „Pfingsten“, ca 1600.

 

 

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