25 Wochen – ein Motiv: Der kleine Prinz und die Perspektive

Jeden Sonntag gilt es, dasselbe Objekt in anderem Surrounding zu präsentieren. So will es der von Wortman angeregte Fotochallenge. Ich wählte die kleine Metallskulptur des Kleinen Prinzen als Objekt.

Heute versuchte ich, ihm das perspektivische Zeichnen (Kalenderblätter!) näher zu bringen. Ich stellte ihn vor die perspektivisch „korrekt“ gezeichnete Kirche unseres Bergdorfes.

Er drehte sich um, beschaute die Zeichnung gründlich und wunderte sich. „Das ist ja alles schief und krumm!“

„Natürlich“, antwortete ich ihm. „Es ist eben eine perspektivische Zeichnung!“

 

Um die „schiefen Wände“ in der perspektivischen Zeichnung geht es in meinem heutigen Kalenderblatt (7.6.). Doch hänge ich mit dem Posten hinterher und muss erst den 6.6. abhaken, wo es um die „Augenlinie“ geht.

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Sonntags ins Archiv. 7.6.2017: Gedanken über „die kleinen Leute“

Jeden Sonntag tauche ich hinab ins Blogarchiv, um zu schauen, was mich an einem Tag wie diesem in einem früheren Jahr beschäftigte. Wie ich lese, bietet jetzt auch WP eine entsprechende Funktion an, doch ziehe ich es vor, mich selbst auf den Weg zu machen. Heute landete ich im Jahr 2017.

Ein Satz, den Jeannette Paterakis zitierte, hatte mich damals animiert:  “Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern!“ (afrikanisches Sprichwort).

Klingt hübsch und verständlich, dachte ich, aber meine Gewohnheit, alles und jedes zu hinterfragen, meldete sich zu Wort.  Und ich kam zu folgendem Schluss: „Die kleinen Leute“ – also wir alle -, die ständig kleine Dinge tun, verändern die Welt nicht, sondern reproduzieren sie, wie sie halt ist. Wir reproduzieren sie mit unseren kleinen Gedanken und Eifersüchteleien, mit unserer Engstirnigkeit, mit Dominanzgebaren, Neid, Wut, Lieblosigkeit, Selbstbezogenheit, Verzagtheit, Gehorsam… und so bleibt sie immer gleich fehlerhaft und wird kein bisschen besser.

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Wir kleinen Leute leben in unseren kleinen Welten und hoffen, von den großen Wesen mit den großen Schnäbeln übersehen zu werden. Man beachtet uns selten, und das ist uns auch ganz recht so. Untereinander nehmen wir uns allerdings hoch wichtig.

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Manchmal geraten wir für kurze Zeit auf eine Bühne oder in den Lichtkreis einer Fernseh-Kamera.

Dann sagen wir das, was man von uns erwartet: dass wir hoffen, nicht hoffen, Angst haben, empört sind, einverstanden sind, verurteilen  – je nachdem.

Während ich diesen früheren Eintrag jetzt lese, frage ich mich: Ist das so? Sind die großen Vögel nicht genauso klein gewesen, haben sie nicht wie wir in den Windeln gelegen und als ABC-Schützen das Einmaleins lernen müssen? Sind sie nicht nur deshalb groß, weil wir ihnen – aus Dummheit, Faulheit oder Feigheit – Aufgaben übertragen haben, die wir eigentlich selbst erledigen müssten?

Worin liegt Größe? In der Macht, andere zu befehligen und zu schikanieren? Oder vielleicht doch eher darin, eine bessere Ordnung der Dinge zu imaginieren und sich dann zu trauen, in kleinen und großen Schritten voranzugehen?

Ich gebe zu, das sind Spruchweisheiten. Wenn ich mich dennoch äußere, ungefragt, ohne Kamera und berühmten Namen, so denkt nicht schlecht über mich. Ich bin zwar klein, aber doch auch ein Mensch wie du.

 

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Kalenderblätter 5. Juni, Paul Klees „Pädagogisches Skizzenbuch“, Dreidimensionalität

Auf dem Kalenderblatt zum 5. Juni schlage ich mich noch ein wenig mit dem zuvor angeschnittenen Thema herum: der Illusion der 3-Dimensionalität. Ich stellte ja fest, dass ich gegen eine Verengung von zwei Parallelen – zB bei einem Weg, der „in die Tiefe führt“ – gar nichts einzuwenden habe. Und doch! Ist es nicht merkwürdig, dass diese Illusion zwar auf der Senkrechten funktioniert, nicht aber in der Waagrechte?

Gleise mit Schwellen – senkrechte Anordnung. Kein Problem.

Gleise mit Schwellen – horizontale Anordnung. Kann ich nicht nachzuvollziehen.


Bei der senkrechten Abbildung  habe ich kein Problem, mich zu verorten: ich stehe VOR dem Bild bzw auf den Gleisen und schaue in die „Tiefe“, wo sich die Linien verjüngen. Aber bei der waagrechten frage ich mich verwirrt: Wo befinde ich mich? Muss ich mich links neben das Bild in die Mitte der Gleise stellen  oder rechts neben das Bild auf das „untere“ Gleis legen? Die Antwort ist: ich muss mich nirgends hinstellen oder hinlegen, sofern ich das Bild als zweidimensionales BILD gelten lasse und nicht verlange, dass es meine Welterfahrung als Mensch im Raum wiedergibt. Es werden keine wirklichen Gleise, sondern es wird ein Prinzip dargestellt, das Klee „perspektivische Progression“ nennt.

Nun aber verlässt Klee die Zweidimensionalität und beginnt mit der „Operation in drei Dimensionen“. Die erste dazugehörige Figur habe ich mit den dann folgenden Gedanken farbig überzeichnet. Das Original sieht so aus (oder fast so, denn auf dem Foto erscheint das reine Quadrat perspektivisch verzerrt):

 

Ich schreibe dazu und zeichne farbig ein: „Eisenbahnschienen frontal gesehen„.

Da ist den frontal gesehenen „Eisenbahnschienen“ ein „frontales Lot“ (blauviolett) eingezeichnet. Es ist die Achse, auf der der Betrachter steht. Verschiebt er seinen Standpunkt, verschiebt sich auch diese Achse – sie bleibt immer senkrecht! -, und die Winkel der anderen Linien verzerren sich.

„Lot“ nennt Klee die senkrechte Linie, die im rechten Winkel auf die Waggrechte fällt, auf der der Betrachter steht. Doch ein Lot ist es nur im zeichnerischen Sinn. „Die Senkrechte bedeutet den rechten Weg auf der Fläche“ schreibt Klee. Aha! Vor mir befindet sich kein senkrechtes Zeichenblatt, sondern es dehnt sich eine ebene Fläche, und das Lot (die Senkrechte) führt „in Wahrheit“ waagrecht in die Ferne, wie ein Zug, der auf Gleisen auf einen Tunnel zufährt und in ihm verschwindet.

Dieses Bild ergibt sich mir freilich NICHT, wenn ich auf der Grundlinie stehe. Ich muss mich aus dem Bild herausbegeben und es aus einem gewissen Abstand betrachten, so dass die schrägen Seitenlinien gleichzeitig in mein Blickfeld geraten.

Wieder werde ich konfrontiert mit dem Illusorischen der gezeichneten Perspektive. Die Gleise sind ja auf ein 2-dimensionales Blatt gezeichnet und dehnen sich nicht tatsächlich bis zum „Tunnel“ aus. Der Tunnel selbst ist nicht mehr als ein dunkles zweidimensionales Rechteck und durchaus kein Loch. Bei Pinterest kann man unter „train tunnel painting“ massenhaft Abbildungen finden.

oder eben auch mit verschobenem Standpunkt (Getty images): Hier ist der Betrachter auf einer scharf am rechten Rand verlaufenden Senkrechten aus dem Bild herausgerückt.  Ich finde es sehr schwierig, mich von dem Illusorischen der Perspektive freizumachen und zu realisieren, dass ich nichts als eine zweidimensionale Abbildung vor mir habe: Linien auf einem Blatt Papier, und keine Wirklichkeit.

u-bahn-station - train tunnel sketch stock-grafiken, -clipart, -cartoons und -symbole

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Kalenderblätter 4. Juni: Klees „Pädagogisches Skizzenbuch“, Kap.II: Perspektivisches Wahrnehmen (Raumillusion)

Ich eile durch die nächsten Seiten des Kalenders, um das Lesen des „Pädagogischen Skizzenbuchs“ mit den Kalenderdaten zu synchronisieren.

Im zweiten Kapitel geht es, wie angekündigt, ums perspektivische Wahrnehmen.

Perspektivisches Wahrnehmen betrifft nicht die zweidimensionale Fläche, sondern den Raum, und der hat drei Dimensionen: links-rechts, oben-unten und vorn-hinten.

Doch merkwürdig: Klee beginnt (II,15) mit einer zweidimensionalen Übung, die mich einigermaßen verwirrt zurücklässt. Er zeigt nämlich, wie sich parallele Linien verhalten, wenn ich im rechten Winkel drauf schaue und wie, wenn ich mich ans Ende der einen Linie stelle, so dass die andere perspektivisch abweicht. Dasselbe macht er mit einem Eisenbahngleis, dessen Schwellen sich  perspektivisch verschieben.

„Perspektivische Progression“, nennt Klee diese Verschiebung. Doch wie ist das möglich, wo doch gar kein Raum da ist? Wo bin ich? Bin ich ein Gespenst in einem zweidimensionalen Raum?

Andererseits: Die letzte Figur – Eisenbahnlinie frontal betrachtet – „verstehe ich. Es ist die bekannte perspektivische Verengung, wie man sie auf allen gerade verlaufenden Straßen, Kanälen, Gleisen erlebt“, notiere ich. Niemand wird einen Einwand gegen ein Bild haben, auf dem sich ein Weg bis zum Horizont immer mehr verengt. So muss es sein, sagen wir – wenngleich diese Art zu malen sich erst in der Renaissance endgültig durchsetzte. Ein Beispiel des holländischen Malers Meindert Hobbema aus dem Jahre 1689, heute in der Britischen Nationalgalerie, möge das veranschaulichen.

Und wo befinde ich mich hier? Nun: vor einem zweidimensionalen Bild, das in mir die Illusion erzeugt, in einen Raum hineinwandern zu können.

Die dritte Dimension wird ins zweidimensionale Bild hineingezaubert, und der Betrachter ist verzaubert.

„Das Bild hat Tiefe“, sagen die Leute vor einem solchen Bild. Und wer die perspektivische Malerei nicht recht beherrscht – die Kinder, die Naiven und das gesamte Mittelalter – seien keine ernstzunehmenden Maler.

Ganz anders die Maler selbst. Sie schlagen sich seit Cezanne mit der Frage herum, wie sie die dritte Dimension wieder aus dem Bild herauszaubern könnten. „Dies ist eine Fläche!“ rufen sie, „kein Fenster in die Welt! Kapiert das endlich!“

Zur Illustration eine der sechzig Darstellungen des Mont Sainte Victoire von Cezanne. Sie ist perspektivisch falsch: der Berg überragt die Ebene allzu sehr, und die Landschaft davor ist wie ein Riegel, der die Tiefenwirkung aufhebt.

Von Cezanne lernten die Kubisten, die die drei Dimensionen auf die zwei Dimensionen der Malfläche zurückbannen wollten, indem sie die Dinge gleichzeitig von verschiedenen Seiten abbildeten.

Zur Illustration: George Braque: Häuser in Estaque (Wikiart.com)

Houses at Estaque - Georges BraqueDie Malerei sollte nicht mehr ein „Fenster zur Welt“, sondern ein zweidimensionales Ereignis sein.  Der amerikanische Kunsttheoretiker C. Greenberg erklärte das „Flattening the picture plane“ – also die Zurückbannung des Bildes auf die Fläche – zum wichtigsten Merkmal der Moderne.

Ich sehe schon, es wird schwierig sein, schnell mit den Kalenderblättern voranzukommen.  Jede von Klees Lektionen hat es eben in sich.

 

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Hibiskus-Sonnenritter und Schattenblüte

Der Hibiskus-Strauch, den mir eine Freundin vor etwa zwanzig Jahren einpflanzte und der ununterbrochen Blüten trägt, hat nicht mehr viel Kraft. Ich hätte ihn wohl zurückschneiden müssen, doch brachte ich es nicht übers Herz, da stets Knospen an den Zweigen saßen. Und so breitete sich der Busch in alle Richtungen aus und begann auseinanderzubrechen. Ich band die Äste zusammen, das hielt eine Weile, ich brachte Humuserde und Dünger heran, aber schließlich musste doch gesägt und geschnitten werden, was unser albanischer Helfer ritsch-ratsch bewerkstelligte. Seither hat der Busch an Kraft wieder etwas zugenommen, und außer den Blüten bildet sich neues Laub.

Als ich am späten Vormittag aus dem Fenster sah, bemerkte ic am längsten verbliebenen Ast zwei Blüten, die sich mit offenem Kelch direkt in die Sonnenrichtung stellten. Die anderen Blüten schauten in alle möglichen Richtungen, nur diese beiden … Sonnenritter nannte ich sie und spürte, wie sie die volle Kraft der Sonne in sich aufnehmen wollten – auch wenn das ihren vorzeitigen Tod bedeuten würde.

Jetzt, am späten Nachmittag, haben sie sich zu schlaffen Schläuchen zusammengezogen, während die anderen Blüten sich noch Zeit lassen und gemächlich vom scheidenden Tag Abschied nehmen.

Wer hat besser gelebt? Die, die hoch oben der Sonne in ihre Bust aufnahmen und früh verbrannten, oder die, die im Halbdunkel des Pinienschattens immer noch stillvergnügt vor sich hinblühen. Ich wüsste es nicht zu sagen.

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Kalenderblatt 3. Juni (zu Klee, Pädagogisches Skizzenbuch Kap. I, 2,3,4

Im  Anschluss an die am 2. Juni dargestellte Lektion I,2-4 schrieb ich ein paar Gedanken dazu auf.

Mir war aufgefallen, dass Klee dem zeichnenden Subjekt keinen Platz anweist. Der Punkt ist ein „Agens“, die Linie kann aktiv, medial oder passiv sein, und die Fläche wird gelegentlich als „Aktivum“ bezeichnet. Wo und wie aber befinde ich, die Zeichnerin, mich selbst in diesem Prozess?

Und so beschloss ich, mich an die Stelle des Gezeichneten zu versetzen: Ich bin der wandernde Punkt, ich bin die aktive frei herumspazierende Linie, die mediale Linie, die Schritt um Schritt gedachte Flächen umwandert und dadurch erzeugt. Schließlich bin ich auch einer der Punkte, der im rhythmischen Marsch der Linien eine Fläche erschafft.

Mir kommen bei dem schwarzen Viereck Aufmärsche der SS in den Sinn, die in großen  abgezirkelten Blöcken aufmarschierten (Gettys Images, Hitlers Geburtstag, 1939)

German troops parade through the state stadium in Prague, during the German occupation of Czechoslovakia, on the occasion of Adolf Hitler's 50th...

Selbstverständlich sind es nicht notwendigerweise so finstere Flächen, die sich in gemeinsamer Bewegung erzeugen.  Es können helle, lebensvolle, lebendige Flächen sein. Jede gemeinsame rhythmische Bewegung kann dafür als Vorstellungshilfe herangezogen werden. Bei den Linien, die um einen zentralen Punkt kreisen, fühle ich mich an den paneurhythmischen Rundtanz erinnert, in dem sich die Tänzer paarweise wie Achsen eines Rades oder auch wie Radien in konzentrischen Kreisen um ein imaginiertes Sonnenzentrum drehen.

(offizielle Website der UWB, Bulgarien)

Auch der Blick des Auges ist beweglich, läuft an gedachten Linien entlang, erzeugt imaginäre Flächen und Raumgebilde.

„Ich sitze an meinem Schreiblisch, ein Punkt mit Ausdehnung. Ich schaue mich um. Mein Sichtfeld ist begrenzt durch Wände. Mein Blick formt einen unvollendeten Kreis. Er verläuft nicht gleichförmig, verirrt sich, bleibt hängen, registriert, läuft weiter, beginnt erneut sich zu bewegen. Ich nehme den Raum wahrnehmend in Besitz.“

Die Blüte der Kalendula tut dasselbe, allerdings nicht wahrnehmend, sondern wirklich, wenn sie sich vom „dicken Punkt“ des Samens zur Blüte entwickelt.

Die nun folgenden Seiten des „Pädagogischen Skizzenbuches“ überschlage ich und wende mich dem 2. Kapitel zu, in dem es um die perspektivische Wahrnehmung geht.

 

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Kalenderblätter 1.-5. Juni: Paul Klees „Pädagogisches Skizzenbuch“ I,1

Für den Juni habe ich mir vorgenommen, ein Büchlein durchzuarbeiten, das ich seit langem besitze und immer mal wieder in die Hand nehme: Paul Klees „Pädagogisches Skizzenbuch“, erstmals 1925 in der Bauhausreihe veröffentlicht. Hundert Jahre ist es alt, und vielleicht, wer weiß? längst überholt. Außerdem sollte ich ja alles über die Grundlagen des Zeichnens wissen, oder?

Nun, man wird ja sehen. Ich bin selbst gespannt, was daraus wird. Heute beginne ich mit den ersten Seiten des „Skizzenbuchs“,

In dieser ersten Lektion geht es um aktive Linien, die frei spazierengehen, im Gegensatz zu ebenfalls aktiven Linien, die sich „befristet“ zwischen Punkten bewegen (ich nannte sie „gefesselte Linien“) und schließlich zu passiven Linien, die „aus einem Flächenaktivum (fortschreitende Linie) resultieren“.

Die Seite zum 1. Juni

Als brave Studentin des Jahres 1923, die dem großen  Meister lauscht, notiere ich unter I,1: Die aktive Linie ergeht sich frei, ohne Ziel, einzig zu ihrem Vergnügen. Der Agens ist ein Punkt, der sich verschiebt. 

Manchmal liebt sie die Begleitung, etwa durch einen verspielten Hund

oder sie beachtet, was sich rechts und links von ihr in der Landschaft ausbreitet.

Sie kann auch tänzeln, sich um sich selbst drehen

oder ganz zurücktreten und den Eindrücken/den bewegten Objekten um sich den Vortritt lassen (yB beim Autofahren).

Zu jeder dieser Vorstellungen gehört eine kleine Zeichnung, Figur genannt, die das gemeinte veranschaulicht.

Beim Spazierengehen probiere ich jetzt all diese „freien aktiven Linien“ mit den Füßen aus: ich, „beweglicher Punkt, Agens“, laufe Schleifen über den Asphalt, stelle mir mangels Hund einen imaginären Begleiter vor, betrachte bei jeder Wendung meiner Spazierlinie die Landschaft mal rechts, mal links, drehe mich im Vorwärtsschreiten auch um mich selbst, bis mir schwindlig ist und vergesse mich selbst, während ich den Autos, Menschen und Tieren meine Aufmerksamkeit schenke, zwischen denen mein Weg verläuft.

Probier es selbst mal aus! Es sind fünf Übungen, die das Wahrnehmen von Bewegung und Selbstbewegung schärfen! Man kann das Ganze natürlich auch mit Musik untermalen.

Fortsetzung folgt.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Kartoffelblüten und wilde Möhren

Ich hatte ganz vergessen, wie hübsch Kartoffeln blühen, und freue mich daher sehr, dass die paar Knollen, die ich in meinen Pflanzkasten versenkte, nicht nur dichtes grünes Blattwerk, sondern auch Blüten hervorbringen.

Falls auch du keine Kartoffelblüten mehr kennst: ich hab sie ein bisschen für dich herangezoomt, damit du ihr gelbes Mieder und ihren schicken hellvioletten Rüschenrock bewundern kannst.

Eine andere Überraschung in meinem Garten sind die wilden Möhren, die riesig geworden sind. Zweieinhalb Meter Höhe erreichen sie dicke, und die Blüten haben pfannkuchengroße Ausmaße. Na ja, fast.

Ob nun voll erblüt, als Knospe oder schon wieder dabei, sich zusammenzuziehen, sie ist auf jeden Fall eine Schönheit. Bewundernswert die spiralige Anordnung der Blütchen. Glänzend das Käferchen im Zentrum, an dem ich die wilde Möhre erkenne (ich weiß, es gibt viele Sorten, aber ich bin froh, wenn ich sie überhaupt von, sagen wir mal, der Schafsgarbe unterscheiden kann).

 

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Männliches Modell zeichnen

Heute fuhr ich endlich mal wieder zum Modellzeichnen. Da ich dieses Modell schon öfter gezeichnet habe, versuchte ich, mein Interesse daran durch Einbeziehung von Gegenständen im Raum zu beleben. Das Gerät auf dem Bild ist ein alter Apparat, mit dem man Filmstreifen ausdrucken kann. Es funktioniert noch immer. Faszinierend.

 

Erstmals zeichnete ich dieses Modell im Dezember 2025.

Dann wieder im Januar 2016

und im Februar 2026 ohne Bart

und erneut im März, als ich Kompositionen von Modell, Zeichner und Zeichnungen machte, da mich das immer gleich dasitzende Modell zu langweilen begann.

 

 

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Dienstags-Drabble: Miesepeters Klagelied

Nadel – trist – prägnant

Das sind die drei Wörter, die Wortman für das heutige Drabble vorgegeben hat. Zu schreiben ist ein Text von genau 100 Wörtern, die Überschrift zählt diesmal mit. Die Wörter haben mich heute zu einem miesepetrigen Poem der kata-strophischen Art inspiriert.

 

Miesepeters Klagelied

Hier sitz ich nun, mein lieber Freund,

Und tauche in das Tintenfass

Die Feder, denn der letzte joint

Ist schon geraucht, und Zeit ist, dass

*

Ich dir was schreib an diesem tristen

Und ewiglangen Junitag.

Ich will mich selbst nicht überlisten

Und sage nicht, dass ich ihn mag.

*

Zum Glück häng ich nicht an der Nadel

Wie Freund Joel, der geht bald drauf

Ich sage nicht, dass ich ihn tadel,

Er folgt nur seines Schicksals Lauf.

*

Das Leben ist, prägnant gesprochen,

ein riesengroßer Haufen Mist

Kaum ist man aus dem Ei gekrochen

Hätt man am liebsten sich verpisst.

 

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