Waldstück und Durchblick durch die Küche (zwei Zeichnungen. Bemerkungen zu Motivwahl und Bildaufbau)

Ich wollte heute zeichnen, was sich meinen Augen von dem Platz aus, den ich zufällig eingenommen hatte, darbot. Ich verzichtete also auf jede Art von Arrangement und Selektion. Doch bestimmte ich den Wirklichkeits-Ausschnitt und damit auch die kompositorischen Elemente meiner Zeichnung.

Im Syngrou-Wald setzte ich mich, erschöpft vom Tag und der Juni-Hitze, auf einen Stein, und zeichnete einen sehr schräg wachsenden dicken Pinienstamm sowie das, was um diese Diagonale herum und dahinter sichtbar wurde.

Zu Hause setzte ich mich auf den Balkon und blickte von dort durch die Küche bis ins Wohnzimmer am anderen Ende des Ganges, das seinerseits durch ein Fenster erhellt wurde. Das Licht änderte sich während des Zeichnens, am längsten hielt sich das helle Viereck auf dem Küchenboden, das ich gerne aufgriff, da es ein Gegengewicht zu den  senkrechten und waagrechten Linien bildete.

 

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Epikourios Apollon und EM, Fotos und Skizze mit Bearbeitungen

Meine Freundin Eleftheria („Freiheit“), die das Ausbildungsprogramm für ökologische Gärtnerei „Garten der Lysos“ leitet, hat mit einigen Gleichgesinnten – darunter auch mir – einen neuen Träger gebildet, um weitere Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten für Behinderte zu schaffen. „Epikourios Apollon“ – nach dem dem Heilgott Apoll gewidmeten berühmten Tempel von Bassae in Arkadien – ist der Name dieses neuen Trägers, der juristisch gesprochen eine KOINSEP Entaxis (genossenschaftliches Unternehmen zur Integration von Behinderten). Eine Website „under construction“ ist auch schon unterwegs.

Die gestrige Vorstellung des Produkts EM war ein erster Schritt in die Öffentlichkeit. Auf der obigen Fotocollage seht ihr: Ein Foto des Produkts (Foto K Zafiropoulou), eine schön entwickelte Freiluft-Tomatenstaude, ein Plakat, auf der „Epikurios Apollon“ die Aktion „Lebendiger Planet mit der Technologie EM“ vorstellt (angefertigt für eine Ausschreibung des British Counsel in Athen), Mitarbeiter und Auszubildende (in der Mitte in weißem Pulli Eleftheria), Vorstellung des Produkts durch Katerina (Generalvertreterin des in Japan entwickelten Patents in Griechenland). Bei FB habe ich einen Beitrag über unsere Aktion geteilt, wer möchte, kann dort Fotos schauen. Ziel ist, dass die jungen Leute aus dem Konzentrat flüssige Anwendungsformen machen und vermarkten.

Als sich die Versammlung aufzulösen begann, schnappte ich mir meinen Skizzenblock und machte eine schnelle Zeichnung. Die Leute veränderten allerdings ständig ihre Position, um sich zu unterhalten, zu verabreden oder zu verabschieden, also war das Skizzieren ein wenig schwierig. Dennoch kann man die angedachte Komposition wohl erkennen.

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In Lysos Garten. Dokumentierende und Miksang-Fotos

Gestern war ich in Lysos Garten, denn es wurde ein vielversprechendes Produkt für die ökologische Landwirtschaft vorgestellt, das junge Leute mit mentaler Retardierung, die dort ausgebildet werden, leicht herstellen können. Ich werde noch darüber schreiben. Doch zunächst zu meinem Gartenspaziergang:
Ich betrat den Ausbildungs-Garten und war sogleich bezaubert durch die schön gehaltenen Gemüsebeete, die bunt leuchtenden Flecken von Wildblumen, den riesigen Olivenbaum mit seinen sogar noch größeren Pinien-Geschwistern, unter denen sich Auszubildende und Besucher locker gruppierten. Ich besuchte auch die neue Hütte und besah mir den Traktor – finanziert vor allem durch Spendengelder aus Deutschland. Von all dem nahm ich auch Fotos, um die Neuigkeiten des Gartens zu dokumentieren.

Inzwischen fühlte ich mich immer wohler und entspannter, das Dokumentieren war nicht mehr wichtig. Diese und jene Einzelheit fiel mir ins Auge, wollte mit mir ins Gespräch kommen: eine Kürbisblüte, ein Mohn an einer Planke, eine reifende Erdbeere, Fensterspiegelungen in der Hütte, ein noch grüne Freilichttomate. Zwischen Licht und Schatten halb verborgen trat eine leuchtend gelbe Blüte hervor.

Beim Traktor dann sprangen mir Bilder ins Auge, drängten sich auf. Sie möchte ich in die Reihe der völlig absichtslosen Miksang-Fotos stellen.

Am witzigsten finde ich dieses (hab ich beschnitten, aber sonst, wie auch alle anderen, nicht bearbeitet).

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Abend im Garten: Ölbäume und Feigenkaktus (Zeichnung)

Nach einem inhaltsreichen Tag saß ich gestern abend mit einer Freundin vor dem Atelier, und während wir plauderten, zeichnete ich das Gartenstück, das ich von meinem Platz aus sah. Anfangs war es noch sonnig, doch plötzlich verschwand die Sonne und es wurde kühl.

 

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Miksang (Fotografie)

Heute las ich bei Myriade, welche Freude sie an Miksang-Fotografie hat. Ich fühlte mich sogleich sehr angesprochen von dem dahinter stehenden Konzept. Es kommt auf das Wahrnehmen an. Nicht du findest dann die Motive – die Motive finden dich. Ob ich nun alles genau richtig verstanden habe, weiß ich nicht. Jedenfalls hat es mir großen Spaß gemacht, es zu versuchen. Doch bevor ich so weit war, verschanzte ich mich in meinem schon recht dunklen Atelier, um ungestört zu sein, und machte für mich eine Satz-Aufstellung, deren letztes Wort „wahrnehmen“ war.

Ich möchte hier nicht ins Einzelne gehen, sondern nur erzählen, dass ich bei diesem Wort sogleich in einen Zustand geriet, in dem ich „wahrnahm“. Was? Seht selbst.

Noch ganz in diesem Zustand des Wahrnehmens ging ich nach oben in unseren Wohnraum, in den grad die letzten Abendsonnenstrahlen fielen. Und sah:

Sicher, ich habe auch früher schon solche Fotos gemacht, aber die Wucht, mit der mich jetzt die Bilder trafen, und die Unausweichlichkeit, dass ich sie sofort festhalten musste, waren doch anders als sonst. Danke, Myriade, für deine köstliche Anregung!

(Die Fotos, mit iphone aufgenommen, habe ich nicht nachbearbeitet)

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In der Taverne: Wasserkaraffe etc (Bleistift-Kuli-Zeichnung)

bei Pouleas: Wasserkaraffe etc. (Bleistift-Kuli-Zeichnung) 2019-05-22

In „unserer“ Taverne „Pouleas“ gibt es sehr schmackhafte hausgemachte Kost (für mich heute Mussakas). Die Wirtsleute kochen für sich und für ihre meist wenigen Gäste. Es kommen nicht viele, weil die Taverne nicht direkt am Meer liegt. Durch eine Lücke zwischen den Häusern kann man es allerdings erspähen. Ich habe es schon ein paarmal von hier aus gezeichnet (zum Beispiel hier).
Vor dem Essen begann ich die Wasserkaraffe zu zeichnen, die samt Wasser- und Weingläsern, Brotkorb mit Besteck und Servietten sowie Salz-Pfeffer-Zahnstocher-Ständer immer als erstes auf dem Tisch landet. Nach dem Essen vervollständigte ich die Zeichnung.

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Gegossener Fels, ruhiges Meer (Fotos, Skizze mit Bearbeitungen)

Felsplatte am Meer, Kuli-Bleistift-Zeichnung 2019-05-20 gerda kazakou

Die Elemente hatten sich beruhigt, als ich gestern nachmittag wieder auf meine Felsplattform stieg, um zu zeichnen. Daher konzentrierte ich mich diesmal auf die Felsplatte selbst, die aussieht, als wäre sie im heißen Magma-Fluss erstarrt. Das Meer war wenig bewegt, nur am Fuß des Felsens schäumte es etwas,. Die ferne Küste verschwamm im Dunst. Bei der Bearbeitung sind die Farben des Felsens gut getroffen, das Meer aber war von einem hellen Grau, in dem das Sonnenlicht als helle Funken sprühte oder sich in den kleinen unruhigen Wellen brach.

Felsplatte am Meer, Zeichnung, bearbeitete Fassung

 

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Montags ist Fototermin (3) : Wo die Neda ins Meer fließt

Am Rande von Kalamata liegt das Mündungsgebiet der Neda. Einmal habe ich euch das dortige Froschkonzert zu Gehör gebracht. Jetzt schweigen die Frösche, aber das Schmelzwasser von den Bergen strömt immer noch dem Meere zu und bildet zwischen dem Flusssand kleine Lagunen. Ein feines Spielfeld für den Hund.

 

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Montags ist Fototermin (2): Experiment Blume ansehen – Blume fotografieren, vergleichen.

Wieder und wieder beschäftige ich mich mit der Frage, was die technische Reproduktion eines Kunstwerks (W. Benjamin) eigentlich mit unseren Sehgewohnheiten und unserer Weltwahrnehmung macht. Um das Problem zu verdeutlichen, habe ich, wie ihr wisst,  Zeichnungen unter verschiedenen Lichtbedingungen aufgenommen und die Fehlfarben der Fotos verstärkt und verschoben. Ich versuchte damit, den Finger auf die oft übersehene Tatsache zu legen, dass im Blog keine Zeichnung, sondern nur ein FOTO einer Zeichnung zu sehen ist.

Das Problem gibt es freilich nicht nur bei der Reproduktion von Kunstwerken, sondern ebenso, ja sogar in gesteigerter Form beim Fotografieren von Natur.  Ein fotografiertes Meer ist kein Meer, sondern ein Foto von einem Meer. Es fehlt fast alles: Geräusche, Wind, Bewegung, wechselne Farbspiele….. Gut, das wissen wir. Aber  der optische Eindruck vom Meer, das ich sehe, und dem Foto des Meeres stimmt doch wohl prinzipiell überein?  Oder etwa nicht?

Ich wollte es genauer wissen und machte ein Experimen mit einem sehr einfachen Motiv: eine hellblaue Blüte.

Bevor ich sie klipste, betrachtete ich sie eingehend, wanderte mit dem Blick in ihr liebliches Körbchen, streifte zwischen den Blättchen herum, versuchte, mir die Farbe zu vergegenwärtigen und einzuprägen.

Dann fotografierte ich sie und hielt das Foto neben die reale Blüte. Wo waren denn all  die lebendigen Eindrücke hin? Weg waren sie. Nicht nur war die Blüte auf 2 Dimensionen geschrumpft, sondern auch die Farbe hatte ihren Glanz verloren.  Kein Körbchen mehr, um den Blick ausruhen zu lassen, nur ein blässliches flaches Blau war auf dem Foto zu sehen.

Immer wieder ließ ich meinen Blick zwischen dem  Foto und der Blüte hin und herwandern und verglich. Es war wirklich sehr aufschlussreich. Fast physisch nahm ich die Verarmung der Sinnesfülle wahr. Das lebendige Blumenwesen erschien mir auf dem Foto tot. Und ich fragte mich: Was geschieht eigentlich mit uns, wenn wir uns daran gewöhnen, statt der Welt nur mehr Bilder von der Welt zu betrachten und diese für die Welt zu halten?

Ich wiederholte dies Experiment mit anderen Blütenfotos, und es war immer dasselbe. Besonders schockierend fand ich, dass auch die Farben überhaupt nicht mit dem übereinstimmten, was ich mit meinen Augen in der Natur sehen konnte. Traurig und banal, dieses Rotviolett des Geranien-Fotos, verglichen mit der Geranie, die da vor meinen Augen blühte.

Ich kann dieses Experiment jedem/r empfehlen, der/die mehr über die Wirklichkeit erfahren will. Denn der Vergleich schult den Blick, und seit ich damit begonnen habe, nehme ich weit besser wahr, was WIRKLICH in der Welt ist, als ich mir anhand von Fotos träumen lasse. Wir müssen uns, scheints, bewusst umerziehen, um von der reproduzierten Welt in die wirkliche zurückzukehren. Vielleicht probiert ihr es auch mal mit Kindern aus, deren Blick „vom Vorübergehn (der elektronischen Bilder) ganz trüb geworden, dass er nichts mehr hält“?

 

 

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Montags ist Fototermin (1) Was vermag das Foto? Überlegungen anhand von „Felsvorsprung mit schäumendem Meer“ (Foto)

Gestern versuchte ich, den Anprall der Wellen an meinen Felsenvorsprung zu zeichnen – das Ergebnis zeigte wenig von meinem Erleben.
Würde ein Foto stärkere Aussagekraft haben? Christiane, Ulli und Ule hatten (sofern ich richtig verstehe) kommentiert, dass es ihnen auch im Foto kaum gelingt. Und es stimmt: Auch das Foto derselben Szene, die ich gestern zeichnete, gibt wenig bis nichts von der Kraft des Geschehens wieder.

In gewissem Sinne ist das Foto der Zeichnung sogar unterlegen. Der Schaum wirkt kompakter und mehr wie mit dem Schneebesen geschlagenes Eiweiß, von Bewegung ist weniger zu spüren als auf der Zeichnung, was deutlich wird, wenn man in die Vergrößerung geht. 

Bildausschnitt, farbverstärkte Zeichnung mit Kuli und Bleistift, 2019-05-20

Mein Weg kann also nicht sein, beim Zeichnen (oder Malen) mich ans Foto anzulehnen, sondern ich muss andere Lösungen finden, um den Elementargewalten bildnerischen Ausdruck zu geben. Eine Möglichkeit liegt in den digitalen Instrumenten, eine andere in der „quasi-bewegten“ abstrakten Maltechnik (vergl. Petra von https://pawlo.wordpress.com/2019/04/26/quasi-mobile-3/), eine dritte im Video. Doch ich habe mir in den Kopf gesetzt, zeichnerische Lösungen zu finden. „Gestisches Zeichnen“ könnte mein Weg sein.

 

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