Dienstags-Drabble: ein Lebenslauf

Rolle – mogeln – Balkon

Das sind Wortmans Wörter, um die herum ein Text von 100 Wörtern zu stricken war. Diesmal habe ich nicht gereimt, sondern berichte ganz prosaisch und natürlich arg verkürzt von einem Lebenslauf der 68er-Generation.

Damals, als er mitmarschierte und im Chor mit Gleichgesinnten „Bürger runter vom Balkon, schließt euch an dem Vietkong“ oder „Che-Che-Che-Guevarra-Che!“  brüllte, fühlte er sich auf der Höhe des Zeitgeschehens. Die Welt war klar: Hier die Spießbürger, dort die heroisch um ihre Freiheit kämpfenden Völker.

O ja, er fühlte sich „auf der richtigen Seite der Geschichte“. Doch die Rolle, die er für sich erträumt hatte – ah, Revolution, Gerechtigkeit und die Frauen! – , sie wollte sich partout nicht finden lassen. Immerhin gelang es ihm, sich durch die akademischen Prüfungen zu mogeln. Finanziell geht es ganz gut, aber irgendwas fehlt ja doch.

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aufwärts – abwärts. Dasselbe? (Die Schirme von Giorgos Zongopoulos)

Noch einmal zu Heraklits Ausspruch: „aufwärts (oder) abwärts, (es ist) dasselbe“.

Ein hoch in den Raum sich bohrendes Treppenhaus wie das soeben Gezeigte im Goulandri-Museum für Moderne Kunst (hier) erzeugt eine merkwürdige Form des Schwindels, wenn man beharrlich den Kopf in den Nacken legt und sich dem Eindruck hingibt. Ganz ähnlich wirkte auf mich der Schacht in der Metro des Verfassungsplatzes, zu dem ich mich gestern nach vielen Jahren wieder mal verirrte.

Als ich dort die Schirme des griechischen Künstlerns Giorgos Zongolopoulos zum ersten Mal sah (hier), schwebten sie unter mir wie in einem Brunnen, in geheimnisvolles Licht getaucht, und mich kam die Lust an, auf einer der schwebenden Leitern hinunter zu steigen.

Gestern sah ich sie über mir im Raum schweben, schwarze Silhouetten gegen den helleren Hintergrund, schwerelos und sinnlos wie im Weltraum vergessene Objekte.

 

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Kunst am Dienstag: Vergleichendes, Architektonisches

Ich bin noch in Maroussi und verdaue das, was ich gestern alles runtergeschlungen habe.

Als erstes möchte ich noch ein paar Eindrücke von der gestern besuchten Ausstellung „Von Monet bis Warhol“ wiedergeben.

Die künstlerische Spannweite, die im Titel der Ausstellung angedeutet ist, wird vielleicht am deutlichsten, wenn man Monets und Lichtensteins „Seerosen“ (1992) gegeneinander stellt. Claude Monet lebte von 1840-1926 und malte 31 Jahre lang immer wieder den Seerosenteich, insgesamt entstanden so etwa 250 Gemälde. Ich habe in meinem Leben vor etlichen dieser grandiosen Gemälde staunend und tief bewegt gestanden.  Roy Lichtenstein (1923-1997) hat sich desselben Themas in vielen Darstellungen angenommen. Das Glitzern des Wassers wird durch ein Relief aus Edelstahl nachgebildet.

Bildausschnitte Claude Monet – Roy Lichtenstein: Ich finde, weniges macht so eindrucksvoll den Abstand deutlich zwischen der innig-beseelten Malerei Monets, die das Licht von Innen leuchten lässt, und der kunstvoll-kalten Bildgestaltung Lichtensteins, die mit der Reflexion des äußeren Lichtes auf der Bildoberfläche rechnet.

Ein anderer Vergleich drängte sich mir auf, als ich das Bild eines Treppenaufgangs (2002) von Sam Szafran (1934-2019) betrachtete und es innerlich mit dem eindrucksvollen Treppenaufgang im Museum selbst, das der berühmte chinesische Architekt I.M.Pei (1917-2019) gestaltete, verglich.

Der französische Künstler Sam Safran, eigentlich Samuel Berger, war von einer Treppe, die er 1960 beim Besuch eines Freundes entdeckte, ähnlich besessen wie Monet von den Seerosen. Er malte sie unzählige Male, aus vielen Perspektiven, bei Tag und in der Nacht. Sie wurde ihm zum Symbol der Lebensfragen des Menschen. Das kann ich nachvollziehen, denn Heraklits Satz „aufwärts – abwärts, dasselbe“ begleitet mich seit langem (zB hier, hier, hier oder hier).

Pei hat zur architektonischen Gestaltung des Museums für Moderne Kunst nur den Innenraum eines alten fünfstöckigen Gebäudes zur Verfügung gehabt, da der ursprüngliche Plan, ein neues Gebäude zu errichten, am Grundstück und an der Bürokratie scheiterte. Das Treppenhaus des Museums fotografierte ich von mittleren Stockwerk aus nach oben blickend.

 

Blickt man aus dem Museum nach draußen, setzt sich das Bild des nach oben sich verengenden architektonischen Raums auf andere Weise fort.

 

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Kunst am Montag

Heute war ein wunderschöner Tag, mit vielen Lustbarkeiten. Zugleich aber gab es auch wieder große Probleme mit meiner Elektronik. Ein wenig will ich aber doch zu erzählen versuchen.

Eines der heutigen Highlights war ein Besuch im Goulandri-Museum für Moderne Kunst, wo als Sonderausstellung eine Schweizer Sammlung unter dem Titel „Von Manet bis Warhol“ gezeigt wird. Eine schöne reiche Sammlung mit einigen überraschenden Namen.

Die Seerosen von Monet erkennt ja wohl jeder, auch wenn ich hier nur einen Ausschnitt zeige. Wie aber steht es mit Felix Valleton, Théo van Rysselberghe oder Louis Anquetin?

Kennst du? Na, Vielleicht. Ich jedenfalls hatte von Louis Anquetin (1861-1932) noch nie und von den anderen beiden höchst selten etwas gesehen. Und so ging es mir mit etlichen Bildern, die mir große Freude machten, deren Maler ich aber bereits wieder vergessen habe.

Ich kann sie auch nicht rekonstruieren, da die Fotos von den Namensschildern zwar recht dynamisch, aber leider unleslich sind. Vielleicht hilft mir jemand auf die Sprünge?

(Cynthia, danke für deine Hilfestellung! Das erste ist von Pisarro, das zweite von Leon Portaux und das dritte von Paul Serusier. Ein Namensschild, das Cynthia auch entziffert hat, lautet George Lacombe. Von ihm ist das große pointillistische Gemäldes eines sommerlichen Strandes.)

Bei anderen Malern wiederum ist mir der Name gut bekannt, ich meine ihre Malerei auch sehr gut zu kennen, und staune dann: Ach, sieh mal an,  das hübsche kleine Meeresbild ist von Bonnard?

Die frischen reizenden Bilder einer jungen Dame sind von Berthe Morisot (1841-1895), der einzigen Frau unter all den Berühmtheiten.

Und dies? Das ist von Wassili Kandinski, als er noch im Banne der Märchenwelt seiner russischen Heimat stand.

Vieles machte mir Freude in dieser Ausstellung, manches war ein Wiedersehen mit früher Gesehenem. Das Bild von Lionel Feiniger hatte ich noch nie gesehen, aber sogleich erkannt, denn der Giebel der Kirche ist mir aus meiner Kindheit höchst vertraut. Gemalt hat er es 1911 in der „Lübecker Bucht“, vielleicht in Neustadt/Holstein, falls es nicht sogar in meiner Heimatstadt Heiligenhafen entstand.

Für heute sei΄s genug. Gute Nacht! Morgen muss ich reisen.

Nachgetragen: Dies ist das Gemälde von George Lacombe, dessen Namensschild Cynthia entzifferte.

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Sofialenas erstes Kunstbuch

Das leere weiße „Kunstbuch“, das ich meiner kleinen Freundin Sofialena vorgestern schenkte, hat sich wunderbar gefüllt. Die Mama hat wohl geholfen. aber was tuts? Beiden hat es einen Riesenspaß gemacht, und sie wollen noch viele viele Kunstbücher produzieren.

Eine Frage aber: Könnt ihr das kleine Video sehen, das ich hier hochzuladen versuche? Ich poste es mal, versuchsweise.

 

 

 

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Sticken und sticheln: eine abc-etüde zur Frauentag

Eigentlich hatte ich nicht die geringste Lust, etwas zum Frauentag zu schreiben. Aber dann verwickelten wir uns bei unserem Morgenbummel in ein Gespräch mit Nachbarn, die uns zu einem Kaffee einluden. Eine gemütliche bildungsbürgerliche Atmosphäre mit künstlerischen Einschlägen begrüßte uns oben. Besonders auffällig waren die vielen traditionellen Stickereien auf Kissen, Decken, Gardinen. Frauenkunst!

Die Frau des Hauses namens Ζωή („Zoe“ = Leben), gebildet, politisch versiert, lässig gepflegt und selbstbewusst,  hat Erzählungen geschrieben und veröffentlicht, die in Milieus spielen, in denen solche gemeinsam ausgeübte weibliche Handwerkskunst noch gang und gäbe war. In ihren Büchern hat sie eigene Kindheitserinnerungen verarbeitet.

Während ich mir die Erlaubnis erbitte, einige Motive zu fotografieren, die mich an meine eigenen Kindheit erinnern, sehe die Frauen vor mir, wie sie die Stoffe in den Stickrahmen halten und sticheln und reden und vielleicht auch gegen diese und jene Mitstichelnde sticheln – denn das kann bei Frauenrunden nicht ausbleiben… „Mutig, mutig! Solch struppige Frisuren sollen ja im Kommen sein“ und die Angesprochene blickt mit glänzenden schwarzen Augen von ihrer Stickerei auf, grinst schief und fährt sich mit der freien Hand durch das kurzgeschnittene lockige Haar. Ja, sie hat sich getraut, ihr schönes langes Haar abzuschneiden! Bald kommt die Sommerzeit, und mit der Sommerzeit das Schwimmen im Meer. Wie befreit wird sie sich fühlen, wenn sie im seichten Wasser herumplanschen und untertauchen kann! Sie wird ihr Haar mit einem Handtuch trockenreiben, ganz wie die jungen Männer! Wie werden ihre Augen unter der strubbeligen schwarzen Haarpracht funkeln, und alle werden sie beneiden und hinter ihrem Rücken tuscheln.  Ein paar Jahre später werden all ihre stickenden  Freundinnen, die jetzt so etepetete tun, sicher auch mit dem unbequemen langen Haar Schluss machen…

Dies ist mein Beitrag zu Christianes „abc-etüden“, bei denen diesmal die Wörter

Sommerzeit
struppig
sticheln

zu bedienen waren.

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Ps. Da fällt mir ein: Meine Schwägerin Polytimi Kazakou-Botoula hat ein Buch über die Haarmoden im Laufe der Geschichte geschrieben: Πιάνοντας την Ιστορία από τα μαλλιά („Die Geschichte bei den Haaren packen“) heißt es und wurde 2017 im Verlag Papazissis veröffentlicht.  Sie fördert dort Erstaunliches und Erheiterndes aus den Annalen der Geschichte über die Art, wie Männer und Frauen das Haar zu tragen pflegen und was das über die Epoche, über den Menschen und seine politischen Überzeugungen aussagt.

ΠΙΑΝΟΝΤΑΣ ΤΗΝ ΙΣΤΟΡΙΑ ΑΠΟ… ΤΑ ΜΑΛΛΙΑ

 

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Sonntags im Archiv: 8.3.2016, Wütend? Mach was draus (zum Tag der Frau)

Jeden Sonntag steige ich ein bisschen ins Archiv dieses Blogs, um zu sehen, was mich vor Jahren an einem Tag wie diesem umgetrieben hat. Diesmal gelangte ich ins Jahr 2016. Herauf holte ich eine Erinnerung an … einen Frauentag. Das ist ja weiter nicht bemerkenswert, denn auch damals war dieser Tag den Frauen der Welt gewidmet. Die übrigen 364 Tage gehören traditioneller Weise dem Mann – mit Ausnahme vielleicht noch des Muttertags.

Wenn ich mir die Galerie der jetzt Mächtigen und Beschlussfassenden anschaue, so starren mich immer noch Männerköpfe an – egal ob nun Washington, Teheran, Moskau, Peking, Berlin, Paris, London, Kiev, Ankara, Indien usw, usf. –  während die wenigen Frauen, die sich in die Politik gewagt haben und eine Position ergatterten, mit dem nicht vorhandenen Schwanz wedeln und ganz wie die kleinen Hunde noch ein wenig lauter als die großen Hunde kläffen, um ihre Bedeutung zu unterstreichen. Na ja, es gibt Ausnahmen – wie immer und überall.

Die wenigen Ausnahmen reichen nicht aus, um mich zu überzeugen, dass Frauen in der Politik den Unterschied machen würden.

Wütend könnte einen das machen. So befand ich schon vor zehn Jahren. Aber Wut, wenn sie nicht nach außen gebracht wird, fördert nur allerlei Geschwüre in den Innereien.

Glas 2

Recht ausdrucksstark, notierte ich, und warf meinen Schatten über das Werk der Zerstörung.

Glas 14

Doch ein weniger gewaltsames Vorgehen ist mir in meinem Alter angemessener. Also malte ich ein Wutbild mit demselben Effekt:

IMG_0780

 

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Impulswerkstatt: Durchgang mit Assoziationen

Es ist mir fast unmöglich, liebe Myriade, irgendetwas um mich herum nicht im Schatten des neuen Kriegs wahrzunehmen. Die von dir gesetzten Impulse der neuen Reihe sind davon nicht ausgenommen. Und so will ich durch alles hindurchgehen und meine Assoziationen dazu in wenigen Worten aufschreiben.

Mein erster Gedanke bei dem ersten Bild: Etwa so wird die vom Krieg betroffene Region nach dem Krieg aussehen: eine radioaktiv verseuchte Wüste mit Blut- und Aschespuren. Hat nicht der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika gerade verkündet: „Ich erwäge ernsthaft, Gebiete und Bevölkerungsgruppen, die bisher nicht als Ziele in Frage kamen,  nun vollständig zu vernichten, weil der Iran sich so daneben benommen hat“? Und hat nicht der US-Kongress mit sehr großer Mehrheit dem Präsidenten freie Hand gegeben, gegen die Menschen im Iran zu tun, was ihm beliebt? Ja. Der Krieg soll, darf und wird eskalieren, bis der Iran (wer genau?) bedingungslos kapituliert. So die Direktive aus Washington und aus dem Kriegsministerium im Pentagon.

Das Bild erinnert mich aber auch an Blut und Spermien, also an die gewaltsame Seite von Sexualität. „Everything in the world is about sex — except sex. Sex is about power.“ Die Kakophonie von Sex und Macht im Sinne von Machtmissbrauch, um Sex zu erzwingen und sich am Leiden der Missbrauchten zu ergötzen (zB Epstein-Files), tönte ja monatelang durch alle Kanäle, bis sie ins Getöse des Kriegs einmündete und vom Einschlag der Raketen übertönt wurde. Die sogenannten Eliten hatten sich, scheint’s, „daneben benommen“, und man hatte sie ertappt. Wie schon zu Clintons Zeiten, als eine Sex-Affaire den Präsidenten bedrohte, musste schleunigst ein Krieg her. Schluss mit dem Rumgestochere im Sumpf!* Her mit dem großartigen Waffenarsenal. Das wird die Leute auf andere Gedanken bringen und ihnen zeigen, was wir für tolle Kerle sind.

Das zweite Foto zusammen mit dem Mosaikstück kommt mir vor wie ein bitterer Kommentar  zu dem, was gerade geschieht. Denn was bedeutet dieser Krieg, wenn er sich denn tatsächlich voll entfaltet, anderes als: Zurück an den Start der Menschheitsentwicklung und „Neubeginn“?

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Das dritte Bild, liebe Myriade, lässt mich von Frieden träumen. Hier möchte ich verweilen, auch wenn ich weiß, dass die Möwen ins Wasser starren, bereit, jedes Fischlein, das sich zeigt, zu vertilgen. Das Naturgesetz von Fressen und Gefressenwerden schreckt mich nicht. Denn immer ist dort, wo Leben ist, auch Tod.

Und so hat auch das vierte Bild einer sterbenden Tulpe – du nennst es „Tulpenleiche“ – nichts Schreckliches an sich. Nichts Natürliches ist schrecklich. Schrecklich ist nur der Mensch, der sich aus dem Naturzustand des „Ötzi“ herausentwickelt und die Chance der Freiheit hat, sich für Frieden und Vervollkommnung oder für Krieg und Vernichtung zu entscheiden.

 

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*Meine Assoziationen machten vom Wort „Sumpf“ einen Bogen hin zu dem Roman „Schwanenwege“, den ich 2005 zu schreiben versuchte. Mir fiel eine Szene ein, wo Swantje sich an einen Streit zwischen Epaphos (Sohn von Zeus und Io, empfangen durch „Berührung mit dem Göttlichen“, als Musiker verkörpert) und ihrem Zwillingsbruder Swen erinnert. Epaphos macht da eine Anspielung auf die Merkwürdigkeit, dass der Sumpf, in dem der Grundstein für das Pentagon gelegt wurde, „Devil’s Ground“ hieß, sowie auf die noch größere Merkwürdigkeit, dass diese Grundsteinlegung am 11. September 1941 – also genau 60 Jahre vor dem Anschlag vom 11. September 2001 auf das Welthandelszentrum – stattfand. Hier die entsprechende Stelle aus dem Roman „Schwanenwege“:

Was hatte Epaphos geantwortet? „Auch du kannst ein Gott sein, wenn du nur willst! Aber willst du denn? Traust du dich? Bist du nicht verblendet wie sie alle, scharf auf Erfolg, gierig nach Geld und technologischem Abfall? Interessiert es dich denn wirklich, am Großen Werk zu arbeiten und die Welt zu vervollkommnen? Bist du nicht auch nur ein Adept der gierigen Dummköpfe, die ihr Hauptquartier im Zeichen des Pentagon aufgeschlagen haben und hecken und spinnen? Auch du tanzt ja fröhlich nach ihrer Pfeife! Und glaubst, du seiest frei! (…) An einem elften September haben sie den Grundstein des Heiligen Pentagramms in den Teufelsgrund gesenkt. Vielleicht sagt euch das ja etwas? Was glaubt ihr wohl, welche Musik dort gespielt wird? (…)“

 

 

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Omafreuden: Kunstbuch und Schaukeln

Das Kunstbuch mit den Birlibims, das ich gestern produzierte, fand bei meinem Schützling S, der es zugedacht war, gnädige Aufnahme. Auch das leere Kunstbuch, das ich ihr in einem Umschlag überreichte, damit sie es ausmale, gefiel ihr. Sie hielt es beim Rumrennen im Park in der Hand und brachte es dann zurück, weil ein Vogel es bekackt hatte. Schuld war, so die Theorie, einer der grünen Papageien, die nebst dem großen Taubenschwarm den Park bevölkern.

Der Umschlag wurde gereinigt und verstaut, und dann gings ans Schaukeln. Ich durfte anstoßen, wenngleich S sich durchaus selbst hoch in die Lüfte schaukeln kann.

Bei einem Schaukelpferd, das S wild ritt, schlug sie gegen die obere Zahnreihe (o wei! Zum Glück blieben die Zähne heil) und jammerte. Die Idee, dass Schokolade gegen den Schmerz hilft, steuerte die Mama bei. Auch das Foto von uns beiden machte die Mama.

Ich bekam auch ein Geschenk: einen Kalender des Kindergartens, durch dessen Verkauf Geld für eine Freizeit gesammelt wird. Darauf posiert mein Schützling höchstpersönlich.

Leider bleibt die Teilnahme an der 4-tägigen Oster-Freizeit für arme Familien dennoch unerschwinglich. Und auch meine Hilfsmöglichkeiten reichen dafür nicht. Es sei denn, ich könnte noch ein großes Bild verkaufen….

Zu Hause ließ ich den Raum ein wenig um den Pinocchio schaukeln und freute mich an dem verdoppelten Clown. Der gefilzte Schwan schaute zu. Ich bin eben ein alt gewordener Kindskopf.

Zur Erinnerung und glatt ausgebreitet die Blätter des verschenkten „Kunstbuches“ No 15.

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Kunstbuch No 15: Birlibims auf dem Schreibtisch

„Birlibim der Kalikanzaros“ ist der Held eines griechischen Kinderbuchs. Für mich ist es der Inbegriff aller kindlichen „Helden“.

Morgen treffe ich meinen Schützling C und ihre inzwischen 4 jährige Tochter. Und da dachte ich, ich mache ihr ein Minizine zum Geschenk. Als Thema wählte ich Figürchen und sonstigen Krimskrams, die sich auf meinem Schreibtisch hier in Maroussi herumtreiben. Als Hintergründe benutzte ich Bücher, Postkarten und ein Zeichenbuch, die sich auf dem Schreibtisch türmen.

Ich bin nicht sicher, ob es was für so ein kleines Mädchen ist, aber mir hat es Spaß gemacht. Ich werde ihm auf jeden Fall mal zeigen, wie man so ein Mini-Buch herstellt.

Die Zeichnungen habe ich wegen des dunklen Blaus vor der großen Landkarte Südamerikas fotografiert, die an der Küchenwand hängt.

Das Titelbild zeigt einen aufziehbaren Clown. Zieht man ihn auf, fängt er an, sich zu einer Leierkastenmelodie zu bewegen und zu verneigen.

Die inneren Seiten zeigen zwei Schlümpfe, zwei Eulen (aus Alabaster und aus Glas), ein kaputtes Flaschenschiff und einen gefilzten Schwan.

Den rückwärtigen Deckel ziert eine weitere Eule aus Glas.

 

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