Mit dem Spinett – Einstimmung auf den Zweiten Advent.

 

Auf dem Spinett

spielt sichs so nett

nichts ist da schwer

nichts liegt dir kwer

wenn das Spinett im Hause klingt

und dir die frommen Gefühle bringt

die zu Advent

jeder wohl kennt.

Du kennst sie nicht?

Wie wärs mit Kerzenlicht

das wird dir die Stimmung schon heben

und deinen Frohsinn beleben.

Horch nur, wie nett

erklingt das Spinett!

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Die Bettlerin (Impulswerkstatt)

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Die Geschichte der Bettlerin habe ich erzählt.  Doch sie ließ mich nicht los. Also fotografierte ich Myriades Foto, wie es sich auf dem Computer darstellt, schnitt die Bettlerin aus und fügte sie in einen Hintergrund ein.

Dort erzählt sie ihre Geschichte noch einmal auf eine etwas andere Weise. Mein Schattenbild hört ihr zu.

Während sie stockend erzählt von ihrem Geliebten, der herumirre in Eiswüsten, auf der Suche nach dem Tor, das ihn hinausbringe in die Freiheit, male ich, so gut ich kann, die Szenerie.

Schon lange, erzählt sie, seien ihre einzige Gesellschaft die Steine. Sie selbst sei ja auf dem besten Wege, auch einer zu werden, sagt sie, lächelt und verstummt.

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Ein Leben als Fotoroman (Impulswerkstatt)

https://laparoleaetedonneealhomme.wordpress.com/2020/12/02/impulswerkstatt-einladung-fuer-dezember/

Vier Fotos bietet uns Myriade für die Dezember-Impulswoche an. Ich habe sie hier in der gegebenen Reihenfolge kopiert und eine Legende hinzugefügt.

Ein Leben als Fotoroman.

Sie liebten sich innig. Schnee und Kälte vermochten ihrer Liebe nichts anzuhaben.

Als der Frühling kam, verschmolzen sie vollends und wurden eins. In gemeinsamem Glück flossen ihre Tage dahin.

Bis der Unfall geschah. Der Mann starb und breitete seine Flügel aus, dem Unbekannten entgegen.

Die Frau verlor ihren Lebensmut. Immer mehr wuchs sie in sich selbst hinein, unfähig, sich der Welt erneut zu öffnen. Nun sitzt sie da am Rande der Straße, eine Bettlerin der Seele, wartend auf den Groschen, das Stück Brot.

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Lesarten: elektronisch bearbeitete Seiten von John Updike, The Coup

„Gerupft und geschunden hast du mich!“ jammerte das Buch, dem ich gestern ein paar Seiten ausriss. „So geht es nicht! Tu gefälligst etwas für mich!“ Mich begann das schlechte Gewissen zu plagen.

Als erstes klebte ich ihm die gestrigen Segelboote ein. Seelen-Pflaster, sozusagen.

Das aber verstimmte das Buch eher noch mehr, denn was es wollte, war nur eins: lesbar sein und gelesen werden. Ich machte also einen zweiten Anlauf,

Ich probierte gleich noch eine andere Lesart derselben Seite aus:

Seite aus John Updike, The Coup, Fawset Crest ,NY

Ja, doch, es ist zweimal dieselbe Seite! Kannst du nachprüfen, wenn du es nicht glaubst.

Nun aber noch eine zweite Seite:

„So wird noch was aus dir!“ versicherte ich dem Buch. „Auf die Lesart kommt es an! Hat man dir noch nie gesagt, dass ein Text erst vollständig durch seine Leser wird?“

Seite 189 aus „The Coup“, mit blind gezeichnetem Selbstportrait

 

 

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Wenn du glaubst, es geht nix mehr …

Wenn du glaubst, es geht nix mehr

kommt ein Segelboot daher

Nimm eine bemalte Leinwand, die dir nicht mehr gefällt, und überpinsele sie mit weißem Kleister. Dann nimm einen alten Schmöker, reiße schön verfärbte Seiten heraus und klebe sie auf die feuchte Leinwand. Nun kannst du einen dicken Pinsel in schwarze Farbe tauchen und ein Segelboot draufzeichnen. Wunderbar! Einsteigen und Schiffchen Ahoi!

Du magst nicht allein segeln? Dem lässt sich schnell abhelfen. Schon erscheint ein zweites Boot am Horizont.

Friedlich gleiten die Boote über die glänzende Fläche des Buchstabenmeeres. Welche Abenteuer werden sie bestehen müssen? Keine Ahnung. Habe das Buch nicht gelesen.

 

 

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Shut up? Shut down?

Mir ist ein Lied eingefallen, das ich oft beim Gehen laut vor mich hinsinge. So mache ich mir Mut. Es ist ein Endloslied, und bis auf den Refrain ist es Griechisch. Denn im Griechischen kannst du endlos reimen. Das Lied geht ums Aufmachen und Zumachen. Anigo (ανοίγω) ich mache auf,  anigume (ανοίγουμαι) ich mache mich auf.

Und so singe ich mit meiner Greisinnenstimme:

Ich mache mich auf, ich öffne meine Arme, ich öffne meine Hände, ich öffne mein Herz, ich öffne meine Segel, ich öffne die Grenzen, ich öffne meine Tür, ich öffne mich –

Shut up! shut down! o nonono, not with me. –

Ich öffne mich, ich mache mein Herz auf, ich mache meinen Mund auf, ich mache meine Ohren auf, ich öffne meine Flügel, ich öffne meinen Laden, ich öffne, ich mache mich auf! 

Shut up! Shut down! o nonono, not with me!

Ich mache mich auf. Ich öffne mein Herz, ich öffne meine Arme, ich öffne meine Brust, ich öffne meine Augen, meinen Mund….

Ich hätte es gern, ein Kinderchor würde dies Lied singen, lauthals, mit den entsprechenden Bewegungen: Ich mache auf! Shut up! Ich öffne – shut down! Singen und Lachen und die Arme ausbreiten wie Flügel, wie Segel, und die Türen, die Häuser öffnen, die Grenzen auch, alle Grenzen….

Dass schießen und schließen ebenso wie shoot und shut lautlich so nah beieinander liegen, ist ja vielleicht nur ein Zufall. Aber an den Grenzen, und warum nicht auch am Haus und im Herzen können sie durchaus zusammen auftreten, dann nämlich, wenn einer öffnen will, was der andere geschlossen halten möchte. Dann gibt es ein Schießen und Stechen.

Ich selbst habe Schüsse und Stiche abbekommen, sobald ich nur ein wenig den Debattenraum öffnen wollte. Sofort rief man mir entgegen: Shut up! Hast du denn gar kein Mitgefühl mit denen, die trauern? Wir brauchen Ruhe, Stille, wir sind in Trauer, und sind wirs nicht selbst, so ist es doch der Nachbar! Siehst du nicht den, der mit dem Tode ringt? Schämst du dich nicht? Schscht! Ruhe! Halt den Mund. Halt endlich den Mund! Warum hältst du nicht endlich den Mund!!! Es ist Trauerzeit, Winterzeit, Verpuppungszeit. Shut up! shut down!

Und warte ab! Alles wird sich richten! Kommt die Zeit, kommt auch die Öffnung. Jetzt ist Shut down. Winter. Stillstand. Ruhe.  Mit deinem Geschrei störst du die Transformation.

Ich ringe mit mir. Soll auch ich die Rollläden runterlassen? Kommt vielleicht schon bald der Morgen? Was aber, wenn es kein Morgen mehr gibt? Ist es nicht ein Irrtum, gesellschaftliche Prozesse mit dem natürlichen Wechsel gleichzusetzen? Ja, der Frühling folgt dem Winter, immer, ewig ist dieser Kreislauf im Planetenwandel verankert.  Aber ist das in der Menschenwelt auch so? Was ist, wenn Shut down auf shut down folgt, „hundert Jahre Einsamkeit“? Wenn Grenzen, Läden, Häuser,  Herzen, Hände, Münder geschlossen bleiben wie im Märchen von Dornröschen, und die Menschheit ihre einzige Hoffnung auf den Prinzen mit dem merkwürdigen Namen Bill (Rechnung)  und Gates (Pforten) setzt, über den ich mir auch schon mal meine Gedanken machte?

Ich habe große Lust, mich in den Dornröschen-Turm zu begeben, wo die Nadel auf mich wartet, die mich stechen soll, damit auch ich in tiefen tiefen Schlaf verfalle. Und bunt träume von Blumen und Sonnenaufgängen, während um mich herum die Welt in Eiseskälte erstarrt. Denn wach zu sein in solchen Zeiten bedeutet: ärgerlich zu sein.

Und schließlich: was geht mich die Zukunft an?

Kurzum, es gibt in mir eine Müdigkeit, die dem Befehl SHUT UP SHUT DOWN folgen möchte. Doch ist das angemessen? Finbar schenkte uns heute ein Gedicht, das den Seelenzustand im Dämmerbereich wiedergibt bis zu dem Punkt, wo die Purpurlippe des Himmels sich öffnet und das Sonnenauge hervorspringt. Es ist ein Romantiker-Gedicht, von einem noch jungen Mann geschrieben (Eduard Möricke), der sich aus dem Traum freiringt, um ins Wachsein, in die frische Tätigkeit einzutreten.

Die Purpurlippe, die geschlossen lag,
Haucht, halbgeöffnet, süße Atemzüge:
Auf einmal blitzt das Aug, und, wie ein Gott, der Tag
Beginnt im Sprung die königlichen Flüge!

 

 

 

 

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Von gestern auf heute im Garten (Montag war Fototermin)

Gestern schaute ich nach den zwei Krokusblüten, die sich am 23. November geöffnet hatten.

Du erinnerst dich vielleicht nicht an sie, ich aber sehr wohl, denn außer ihnen habe ich keine Blüten im Garten, und diese kamen ohne jede gärtnerische Anstrengung zu mir, sozusagen als Himmelsgeschenk.

Da sie nun schon eine Woche lang ununterbrochen vor sich hinblüten und langsam erschlafften, hatte ich keine hohen Erwartungen, als ich gestern, am letzten Novembertag, zu ihnen ging. Aber siehe da! Neben den schlaffen Blütenkelchen bereiteten sich zwei neue Blüten vor, sich zu entfalten!

Und heute, am ersten Dezember?  Weder der nächtliche Regen noch der Mond- und Monatswechsel hatte sie in ihrem inneren Streben aufhalten können, sich zu entfalten.

Die verfärbten Blätter hat der Aprikosenbaum fallen lassen. Noch liegen wenige am Boden: der Baum hat noch das meiste seines herzförmigen grünen Laubs.

Und so wird jedes herabgefallene Blatt zu einem Ereignis…

… wie dieses hier, dessen innerer und äußerer Schattenwurf mein Interesse erregte. Woher kommt denn wohl der innere Schatten?

 

 

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Paul Klee zum 100. Geburtstag

Bei Ralph Butler, Blüthenstaub fand ich diese ARTE-Doku über Paul Klees Leben und Kunst. Ich habe sie eben angeschaut und fühle mich, wie immer, wenn ich Klees Kunst sehe, gehoben, belebt und hoffnungsvoll, auch in meinem künstlerischen Schaffen eine höhere Stufe erreichen zu können, indem ich mich auf das „Geistige in der Kunst“ (Kandinsky) zurückbesinne.

Paul Klee lebte in sehr schwierigen Zeiten und starb 1939 im Schweizer Exil, das zugleich seine erste Heimat war. In Deutschland verfehmt, in der Schweiz staatenlos, von einer schrecklichen Krankheit entstellt, die ihm das Malen fast unmöglich machte, hinterließ er uns seine tiefsinnig-heitere Kunst und damit einen Schatz, den auszuloten wohl noch niemandem gelungen ist.

Ich fühle eine große Dankbarkeit, dass Klee diese Kunst für uns geschaffen hat.

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Adieu November, sei mir gegrüßt, Dezember!

Fast vergangen ist der Neunte Monat – ja, so langweilig heißt er, der November. Den Römern ist nach den Caesaren-Monaten Juli und August wohl die Phantasie ausgegangen, und so zählten sie einfach weiter: der siebte, achte, neunte. Und wir zählen mit. Nur dass wir unseren November für den Elften halten. Und für einen Nebelmonat.

Langer Rede kurzer Sinn: War er denn nun langweilig, dieser mein November 2020? Nein, das kann ich wirklich nicht behaupten. Zwar fehlten Reisen, Besucher aus dem Ausland und die Freude, in einem Cafe einen kleinen Espesso zu trinken und Leute zu beobachten.  Das Schwimmen fand noch gelegentlich statt, wurde aber langsam zur Mutprobe.

Doch grau war mein November nicht, sondern er hatte viel augenerfreuendes Gold und Rot in seinem Gepäck.

Und da zum Gold, als Komplementärfarbe, das Blau gehört, fehlte es auch daran nicht.

Mein Atelier betrat ich vor allem für meine Therapiearbeit, die trotz lockdown fast normal weiterging. Aber dann und wann zeichnete ich auch dort oder legte Bilder aus Schnipseln und Naturobjekten.

Auch außerhalb des Ateliers, im Haus oder draußen, konnte ich ein wenig zeichnen bzw Bilder legen und dann als Fotocollagen gestalten.

 

Nun könnte ich noch erzählen von Gesprächen mit Menschen und Hunden, vom Kater Maximilian, von den vielen meist fruchtlosen verbalen Anläufen, „meine Sicht der Dinge“ zu kommunizieren, von den Anregungen, die ich durchs Lesen eurer Blogs erhielt, und hier besonders durch Jürgen Küsters „Transformations“-Woche, Christianes abc-etüden und Myriades Impulswerkstatt.

Nein, wirklich grau und armselig kann ich diesen Monat November nicht finden.  Er hatte seine Freuden, trotz der Schwere, die sich mir angesichts des verordneten Stillstands und der nicht nur wirtschaftlichen Depression oft aufs Gemüt legte. Ich habe ihn nutzen können und verabschiede ihn mit Dankbarkeit.

Nun möge der neue Monat kommen. Sei mir willkommen, Dezember!

 

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Der Stein im Regen – ein Poem

Was tut der Stein

so ganz allein

im Regen?

 

Er sollte sich

So finde ich

Bewegen.

 

Doch der Stein

Will so sein

Wie er ist

 

Stumm und stur.

Na warte nur

Wer du bist:

 

Wer du bist, bestimme ich

Willst du nicht, vertrümm ich dich

Der Meister, der bin ich, du Knecht

Und willst du nicht, dann geht’s dir schlecht!

Du bist geschaffene Natur

Bist willenlose Sache nur

Wenn ich dir sage: Dreh dich!

Und tanz! So untersteh dich

Den Buckel mir zu zeigen

Und trotzig gar zu schweigen!

 

Der Stein – er schweigt

Sein Rücken zeigt

Weswegen.

 

Er ist ein Stein

Und ganz allein

Im Regen.

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