Vor sechs Jahren, an einem Tag wie diesem, legte ich die Tarotkarte „der Herrscher“. Zugleich machte ich mir Gedanken darüber, welche Eigenschaften ein guter Herrscher haben und wie er aussehen sollte. Diese Überlegungen sind auch heute durchaus aktuell.
Für die Gestalt des Herrschers machte viele Entwürfe. Ich fand die Aufgabenstellung sehr schwierig. Schließlich entschied ich mich für ein recht mickrig wirkendes Männchen. Besonders im Vergleich zur Herrscherin macht er nicht viel her.
„Der Herrscher in einem demokratischen Gemeinwesen„, so befand ich damals, „regiert mithilfe von Gesetzen, Verordnungen, Institutionen. Er ist ein Funktionsträger und wird ausgetauscht, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. …
Ein Gesicht braucht er nicht. Ob Mann oder Frau – egal. Die Kleidung – unerheblich. Wichtig ist seine Position, also der Stuhl, auf dem er sitzt. …
Ich gebe zu, angesichts der strahlenden Herrscherin wirkt der Herrscher ein wenig blässlich. Dieser Gegensatz ist gewollt. „Herrscherin“ ist, wer im vollen Einklang mit der Natur und mit sich selbst lebt, „Herrscher“, wer die Funktionen der Staatsführung ausübt.
Als Mensch sollte der „Herrscher“ ein Beherrschter sein: jemand, der seine Triebe, Gefühle, Impulse, Leidenschaften beherrscht. In dieser Beherrschtheit besteht seine Tugend, seine Weisheit. Er opfert, was ihn persönlich ausmacht, zugunsten eines Handelns nach vorgegebenen überprüfbaren Prinzipien und Normen. Am Ergebnis und nicht an seiner persönlichen Ausstrahlung entscheidet sich, ob jemand ein guter oder schlechter Herrscher ist.“
Ich weiß ja nicht, ob dir mein bürokratischer Herrscher gefällt, oder ob du doch lieber einen gewaltigen Herrn auf einem Thron sitzen sehen wolltest. So einen habe ich dann einen Monat später, im April 2020, in verschiedenen Fassungen gelegt. Hier sieht man ihn mit der goldenen Maske des Agamemnon breitbeinig und in Purpur gehüllt auf dem Thron des Autokrators (Kaiser, wörtlich: Selbstherrscher) sitzend. Sein Gesicht ist schwer zu erkennen, denn auch dieser Herrscher wirkt nicht aus sich selbst heraus, sondern aus dem Nimbus, der seiner Stellung verliehen wurde.



































