Rom – der Tiber

img_8400a Noch lange nicht habe ich alle Schätze dieser Reise gesichtet. Aber ich nehme jetzt Abschied von der großen Stadt. Denn ich muss mich der Gegenwart zuwenden. Das ist nicht leicht, denn die gewaltige Menge an Eindrücken, die ich in drei Tagen aufgenommen habe, schwirrt mir im Kopf und drängt sich vor, lässt das gegenwärtig Erlebte verblassen. Das möchte ich nicht. Denn sind die drei Tage, die ich nun wieder in Griechenland bin, weniger wichtig? Brauchen sie nicht auch meine volle Aufmerksamkeit? Ich meine, ja.

Also Adieu du schöne Stadt Rom! Vergessen werde ich nichts von den Schätzen, die du mir gezeigt hast. Dann und wann werde ich etwas davon heraussuchen und einbauen in meine Gegenwart. Jetzt aber: Adieu! Oder besser: Arrividerci.

In mir behalte ich vor allem anderen deinen Fluss. Er lebt in mir weiter. Manchmal ruht er grau und glänzend wie ein zufriedenes Reptil zwischen den grünen Ufern.

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Jeden Morgen begrüße ich ihn als erstes, denn wohlweislich habe ich unser Quartier in seiner Nähe aufgeschlagen.Die Brücken spiegeln sich in dem kaum bewegten Wasser.

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Ein Flussboot liegt still am Unkraut überwucherten Kai.

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Langsam färben erste Sonnenstrahlen die mächtigen Mauern, und mit ihnen erscheinen die ersten Menschen.

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Wohnboote, Ausflugsboote liegen vertäut am Kai und spiegeln sich gemeinsam mit den mächtigen Platanen der Uferstraße im glatten Spiegel des Wassers.

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Jeden Abend ist der Fluss mit seinen Brücken das letzte, was ich mitnehme in meinen Schlaf und Traum.

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So werde ich ihn auch heute noch einmal  mitnehmen in meinen Traum. Aber morgen bin ich dann angekommen im Hier und Jetzt meiner Mani, am Meer, bei den Olivenhainen und den violetten Büscheln der Zyklamen.

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Rom – Auf der Insel

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Michelangelo, St. Bartolomeo, der seine abgezogene Haut vorweist. Drauf hat Michelangelo sein eigenes Portrait gemalt (Uffizien, Letztes Gericht).

 

 

 

 

 

Inmitten img_8266 des  Tiber img_8268 liegt das Inselchen mit der Kirche des St. Bartolomeo, mit dem Festland verbunden durch zwei altehrwürdige Brücken. Eine Legende sagt, die Insel sei entstanden, als die Bürger der Stadt Tarquinius Superbus stürzten und das von ihm zusammengeraffte Getreide – es war wohl eine ganze Menge – in den Tiber kippten. Das war so um 590 vor unserer Zeitrechnung. Obs stimmt? Ich möchte es nicht beschwören.

Richtig ist, dass mit dem Sturz von Tarquinius die Römische Republik entstand. Und glauben will ich, dass sie in Delphi besiegelt wurde. Denn die drei möglichen Erben des Königs Tarquinius eilten zum Orakel von Delphi und erfuhren dort, derjenige würde das Erbe antreten, der als erster die Mutter küsste. Einer der drei, Brutus genannt (was Dümmling heißt – wir kennen das aus den Märchen), stolperte absichtlich und küsste heimlich Mutter Erde. Er wurde der erste Konsul. Und Delphi bewies sich mal wieder als Nabel des Weltgeschehens.

Solch ein Inselchen ist für mich eine Delikatesse, die ich nicht auslassen konnte. Der sonst so träge Tiber rauscht hier über niedrige künstliche Stufen herab, und man kann, gelehnt an das steinerne Geländer der Brücke,  hinablauschen in die uralte Geschichte des Ortes. Da glaubt man dann auch, dass die Insel als Schiff geformt wurde, um an eine andere Reise nach Griechenland zu erinnern: an die nach Epidaurus. In Rom herrschte die Pest, und so reiste eine Delegation ins ferne Heiligtum des Asklepios, nach Epidaurus. Zurück kamen sie mit dem Gott in Gestalt einer riesigen Schlange, die sich hoch am Mast aufrichtete : der Äskulapstab des Heilwesens war entstanden, und die Pest verschwand aus Rom. Ovid berichtet davon in der ersten Metamorphose.

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Brunnen im Altarraum. Hier sprudelte die hl Quelle des Asklepios-Tempels

 

Schöne sinnreiche Legenden. Wie gern wäre ich dabei stehengeblieben! Gern hätte ich auch die Gebeine des Heiligen Bartholomäus (der einer der zwölf Jünger war und wegen seines Glaubens bei lebendigem Leib gehäutet wurde) und einer Menge anderer Heiligen angeschaut, die der deutsche König Otto II hierher schaffen ließ, in die von ihm gestiftete Kirche.

Solche Toten – meinetwegen. Sie haben den Tod gesucht und gefunden, um ins Paradies einzugehen.

Doch die kaum vergangene, noch gar nicht abgelagerte deutsche Geschichte holte mich ein. Anderer Toten sollte ich gedenken. Zum Beispiel dieser:

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Vor dem Morgengrauen kamen sie, am 16. Oktober 1943 war es, und trieben sie zusammen. Vor allem Alte, Frauen und Kinder, denn die Männer, die glaubten, man habe es auf sie abgesehen,  waren untergetaucht. Arme Leute, die letzten Bewohner des im 19. Jahrhundert aufgelösten Ghettos,  zweitausendeinundneunzig Seelen. Wer kam? Deutsche, die nach Musolinis Sturz zur Besatzungsmacht Italiens avanciert waren.

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Es gibt Listen zum Abhaken und Durchstreichen. Oben die qualmenden Schlote von Auschwitz-Birkenau. Acht der Eingesammelten haben überlebt.

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Jemand versuchte hier, die Geschehnisse der Razzia aufzuschreiben, hatte offensichtlich Probleme bei der Formulierung. Es gibt auch Fotos vom Ghetto, als es noch existierte.

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von Ghettokindern auf der Insel im Tiber

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und von Männern, die zu Arbeiten an der Befestigung der Insel herangezogen wurden.

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Es gab auch Fotos von den vor Ort verantwortlichen Tätern, junge und ältere deutsche Männer der Militärpolizei. Gewöhnliche Zeitgenossen. Auch ihr weiterer Lebensweg wurde beschrieben: der eine starb im folgenden Jahr, der andere brachte sich um, der dritte blieb in Italien und wurde dort alt. Ich las all diese Geschichten und ging dann hinaus aus den niedrigen Gedenkräumen, ging hinein in die Kirche des St. Bartolomeo, um mich dort hinzusetzen. Da drehte sich ein Engel zu mir um, traurig und ein wenig streng, wie mir schien, wegen unserer Taten.

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Rom – diachronisch

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Im sieben-hügeligen Rom bin ich gelandet. Der erste Tag bringt mich ins MAXXI  (Museum für die Kunst  XXI Jahrhunderts) – ich berichtete darüber. Kaum trete ich in den ersten Saal des MAXXI ein, stehe ich verblüfft vor Christian Morgensterns Stadt aus Elfenbein! Tatsächlich kenne ich dieses Gedicht sehr gut, immer wollte ich diese Stadt malen, nie gelang es mir.

 

Bau mir die Stadt aus Elfenbein, die Silberflut umschäume!
Durchs Tor der Träume zieht man ein.
Bau mir die Stadt aus Elfenbein,

    die Stadt der Träume!

Die ungebornen Geister auch
begehren ihr Gefilde.
Erschaffe Welt zu ihrem Brauch, –
die ungebornen Geister auch

begehren Weltgebilde.

Auf sieben Hügeln baue sie,
die Silberflut umsäume;
die Elfengeister-Kolonie –
auf sieben Hügeln baue sie,

die Stadt der Träume!

Hier hing sie, vor meinen erstaunten Augen, die Elfengeister-Kolonie, hing an dünnen Fäden im leeren Raum, weißlich, zart und durchscheinend. Das Weltgebilde warf einen feinen lebendigen Schatten auf den Boden, der mich unwiderstehlich anzog, als sei es der matte Widerschein der Zukunft.

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Gebaut haben dies – wie könnte es anders sein –  zart-besaitete Japaner (Sou Fujimoto Architects, Hokkaido). Sie nennen ihre hängende Stadt allerdings nicht Elfengeister-Kolonie, sondern Energy Forest, und gebaut ist sie nicht aus Elfenbein, sondern aus Polycarbonat, Akryll und Nylonfäden.

Und doch, dies ist eine Stadt für noch nicht geborene Geister! Zukünftige Bäume, Menschen, Hunde und sonstige Kreaturen bevölkern sie – hier noch im Modell, in der Realität aber soll sie in Städten wie Tokio und Rom hängen und ganz real für Frischluft und sinnige Spaziergänge sorgen. Auf den verschiedenen Ebenen dieser Stadt, die reichlich „Biomasse“ produzieren soll,  kannst du atmen, flanieren, Licht tanken, wenn unten die Verhältnisse immer dunkler und enger werden.

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Ja, wie, du willst nicht? Du sagst, du seist kein Luftikus? Willst weiterhin festen Boden unter den Füßen spüren und beim Graben nicht bereits nach einem Meter auf eine künstliche Schicht stoßen?  Tja, da sehe ich für dich ein bisschen schwarz, was die Zukunft anbetrifft.

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Denn der Boden ist in den großen Städten längst besetzt. Hoch und immer höher türmen sich die Wohnblocks, an Bäume ist kaum zu denken, bestenfalls an einen Balkonkäfig, auf den du hinaustritts, um …., ja, um das freie Himmelsstück zu beäugen – wie hier, in einem beliebigen Hinterhof an der Piazza dei Fiore.

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Nun, ich übertreibe. In der römischen Innenstadt jedenfalls ist es nicht wirklich schlimm. Hier öffnen sich zwischen den Fassaden gepflasterte Höfe mit rötlichem Anstrich und lieblicher Begrünung. Es empfangen dich die alten Mauern freundlich und geben dir Vertrauen in die Beständigkeit des Seins.

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Doch graben solltest du auch hier besser nicht. Unter dem Pflaster liegt kein Strand, sondern liegen die Bauschichten früherer Epochen. Auf der heute bewohnten Schicht mag es fröhlich zugehen, mögen die Händler wie in alten Tagen frische Blumen, Gemüse und Obst anbieten (Campo de‘ Fiori) …

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aber unterhalb dieser Ebene, gleich unterhalb der feurigen Wasserrösser des Poseidon (Piazza Navone) …

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… tut sich eine andere, eine längst verfallene und vergessene Welt auf.

Steig nur hinunter, hab keine Angst. Die kläglichen Reste des einst gewaltigen Hippodroms*  sind solide gesichert, beleuchtet, befeuchtet.

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und die Welt über dir ist noch da,  jederzeit kannst du hinaufsteigen ans Licht des Tages.

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Die vergangene Welt, auch sie kannst du hier unten sehen – nicht als Modell, nicht als Elfengeisterkolonie, aber nicht minder geisterhaft als Video in 3D-Format. Da wachsen  blitzesschnell aus den edlen Ruinen die vollkommenen Formen des vergangenen römischen Imperiums, der ewigen Stadt Rom.

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Ja, sie hielt sich für ewig – mindestens. Da wunderst du dich, was? Du bist klüger, du weißt es besser: auch sie verfiel.

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Heute ist sie nur noch „ein Wunder virtueller Archäologie“, nicht realer als die Elfengeisterkolonie, deren Modell ich im MAXXI von der Decke hängen sah.

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Wikipedia: Von Julius Cäsar wurde 46 v. Chr. hier auf dem Marsfeld ein erstes, eher provisorisches Stadion für Spiele griechischen Typs, das heißt athletische Wettkämpfe, errichtet.

Kaiser Domitian baute dieses Stadion 85 n. Chr. monumental aus. Es hatte die Ausmaße von 275 mal 106 Metern und bot über 30.000 Zuschauern Platz. Die Außenseite war im Erdgeschoss mit Arkaden aus Travertinpilastern umgeben. … Das Stadion war mit etlichen Kunstwerken, vornehmlich griechischen Stils, geschmückt.[1]
 

 

 

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Rom – Gli Amici in Trastevere

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Am letzten Abend sind wir hinaufgefahren auf den Aussichtspunkt von Gianicolo.  Wir wollten einen letzten  Blick auf die Stadt werfen, die langsam verdämmerte, bis nur noch die elektrischen Lichtmuster sichtbar waren. Dort, auf dem höchsten Hügel, steht das Reiterstandbild von Garibaldi (1807-1882), Guerillero auf zwei Kontinenten, Sozialrevolutionär und Großmeister der italienischen Loge,  gefeiert als der Befreier und Einiger Italiens. Es ist ein herausgehobener Platz, angemessen einem Mann, der im Großen wirkte. Die Einzelheiten lassen sich von dieser Höhe aus nicht erkennen.

Doch nicht von ihm und seinen Amici will ich hier erzählen. Der Platz mit dem Reiterstandbild Garibaldis ist nur der Ausgangspunkt für weitere Erkundungen. Hinab gehts ins Gewühl von Trastevere, in die Menschennähe, ins Einzelne, ins hautnahe Erlebnis.

Hungrig sind wir und müde, denn der morgendliche Spaziergang auf der Via Appia steckt noch in den Knochen. Nach etlichen vergeblichen Anläufen finden wir ein freies Tischchen in einem freundlichen Gärtchen, das auf einen belebten Platz hinausschaut. Glücklich studieren wir die Speisekarte und entdecken, dass wir an einem ganz besonderen Platz gelandet sind. Es handelt sich um eine Taverne, die mit Behinderten und Freunden arbeitet, die Wein von kleinen Produzenten aus ganz Italien bezieht, die mit ihren Gewinnen einen Haufen anderer Projekte unterstützt, unter anderem für die Bekämpfung von Aids in Afrika. All das steht auf dem hübsch gestalteten Tischtusch.

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Begeistert bestellen wir, genießen die ausgezeichnete Küche doppelt. Ich fotografiere auch einige der Bilder, die, von behinderten Jugendlichen angefertigt, die Innenräume schmücken.

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Als ich heute bei Ulli von der Geduld las, die man braucht, da sich die Verhältnisse nur schleppend verbessern, und ein Kommentar an all die vielen kleinen geduldigen Initiativen erinnerte, die das Gewebe der Gesellschaft von unten reparieren, dachte ich, euch diese wunderschöne Initiave im Herzen von Trastevere vorzustellen. Wenn ich jünger wäre, würde ich solch einen Ort schaffen…. , nein, ich weiß nicht, ob ich dazu die Geduld hätte. Aber ich freute mich sehr, diese jungen Menschen in ihrem schönen Engagement zu beobachten und ein Glas Wein mehr zu trinken aufs gute Gelingen.

Wenn die großen Veränderungen im 19. Jahrhundert von Einzel-Kämpfern wie Garibaldi verwirklicht wurden, so ist es heute eher ein langsamer, kaum wahrnehmbarer Prozess, getragen von vielen Menschen, der die gesellschaftlichen Verhältnisse freundlicher gestaltet und voranbringt. So meine ich, so hoffe ich.

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Rom – Die Kunst des XXI Jahrhunderts

Die zeitgenössische Kunst ist in Rom eine weibliche Angelegenheit. Sehr dankbar bin ich, dass ich diesen Aspekt gleich am ersten Tag entdeckte: das MAXXI – Museo nazionale delle arti del XXI secolo. Entworfen wurde es von der erstaunlichen Zaha Hadid, von deren Arbeit ich seit einer Ausstellung ihrer Entwürfe in New York tief beeindruckt war.

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„Das Wichtigste ist die Bewegung, der Fluss der Dinge, eine nicht-euklidische Geometrie, in der sich nichts wiederholt: eine Neuordnung des Raumes.“  So meinte Zaha Hadid, die 1960 in Bagdad geborene große Architektin (erst 66jährig, starb sie im März dieses Jahres). Sie habe sich von der russischen Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhundert inspirieren lassen, und sei dem Credo von Malewitsch gefolgt:  „Wir können nur dann Raum wahrnehmen, wenn wir uns von der Erde loslösen, wenn der Auflagepunkt verschwindet.“ (1928) 

Kein Wunder, dass ich gleich am ersten Tag meines Rom-Aufenthaltes den aufgerissenen Bauch des antiken Rom, der Tag und Nacht von den Ameisenströmen der Touristen durchwandert wird, hinter mir ließ und ein Taxi ins ehemalige Kasernengelände von Flaminio nahm: Den Bau von Zaha Hadid musste ich sehen! Denn eine Architektur ohne rechte Winkel, einen festen Bau im Fluss, in dem sich nie irgendetwas wiederholt – das schien mir der zeitgemäße Rahmen für das zu sein, was ich von der Kunst des XXI Jahrhunderts erwarte.

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Das MAXXI wurde nicht nur von einer Frau gebaut, es wurde 2009 mit der Performance einer anderen Frau, der Choreografin Sasha Waltz und ihrer Tanzcompagnie eröffnet. Auch die ersten Direktorinnen des MAXXI sind Frauen: Margaret Guccione und Anna Mattirolo.

Der Gang durch das MAXXI war ein Abenteuer nicht nur wegen des fantastischen Raumgefüges, sondern auch wegen der Exponate: Architekturentwürfe und -modelle in einem Teil, skulpturelle Installationen, Videos, Fotografie und ein wenig Malerei auf den übrigen Flächen.  Dazu eine Studienabteilung, ein Hörsaal, eine Bibliothek und – zum Glück! – auch eine Bar, denn die Füße, ach, die Füße!

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Hier ein Selfie in der riesigen Animation der pakistanischen Künstlerin img_8211 Shahzia Sikander, die natürlich längst nicht mehr in Lahore lebt, wo sie in der traditionellen Miniaturkunst ihrer Heimat  ausgebildet wurde. Sie arbeitet immer noch am liebsten mit paper and pencil und integriert ihre Zeichnungen in ihre gewaltige farbenfrohe Animation, die einen riesigen Raum beherrscht.

Auf den Raum bezogen sind auch viele der anderen Kunstwerke, in eindrucksvollster Weise wohl in dieser (von ??): der lange geschwungene Gang wird beherrscht von einer kalten Deckenbeleuchtung und einem Gitternetz an der Wand. Du eilst den Gang entlang, denn es gibt ja sooo viel zu sehen in diesem Museum und du hast soo wenig Zeit .

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Und dann siehst du sie plötzlich, die weißlichen Hände, die sich durch das Gitter strecken, manche resigniert herabhängend, andere ans Gitter geklammert.

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Am Ende des Ganges und nun wieder im Licht findest du aufatmend eine Videoinstallation mit Zugvögeln. So jedenfalls habe ich es verstanden: Die Vögel umrunden unsere Erde und bilden um diese herum eine bewegte flatternde Hülle. Jede Vogelart auf ihre Weise.

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Ich erzähle vielleicht später weiter von diesem fantastischen Kunstraum MAXXI. Denn jetzt muss ich erneut aufbrechen: es ruft die Mani!  Seid herzlich gegrüßt und genießt die neue Woche, die nun gerade begonnen hat.

 

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Rom – Via Appia

Rom. Wie soll ich dich fassen? Bist du diese alten Steine, auf denen Petrus und Paulus ihrem auferstandenen Heiland begegneten? Via Appia Antica heißt sie heute, war einst eine viel befahrende und durchwanderte Handelsstraße.

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Auch ich ging über diese Steine, suchte den Schatten der Zypressen und Pinien an einem heißen Septembertag des Jahres 2016. Das war gestern.

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Das Antik-Römische und das Christlich-Römische sind eine tiefe Verbindung eingegangen.

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Versuche nur recht gelehrt und fleißig, ihre Steine und Ausdrucksformen auseinander zu dividieren …

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…im Gegenlicht der Geschichte werden sie eins mit den Bäumen und dem Land, aus dem sie erwachsen sind.

Auf der nun fromm gewordenen Via Appia begleiten dich die Stationen des auferstandenen Heilands, geformt aus gebrannter Erde.

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Aber auch die vorchristlichen, nun heidnisch genannten  Kulturen kannten dieselbe Sehnsucht nach einem Leben, das den Tod überdauert, und die Herrschenden bauten sich gewaltige Grab-Monumente …

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oder füllten die Asche ihrer Verstorbenen in Vasen zwecks ewigen Andenkens.

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Ein wenig mag das geholfen haben, um den Schmerz zu ertragen, den der Tod zu allen Zeiten bedeutete. Mich aber erfreute, dass ich an eben dieser Straße einen kleinen Park mit neuzeitlichen Skulpturen fand, mit denen das Leben gepriesen wurde.

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Besonders freute mich, dass dieser Künstler aus Kolumbien

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einer Schaukelinhaberin ein Denkmal setzte. Denn geben wir es zu: das Schaukeln ist reine Lebensfreude, ja des Lebens selbst, das mal rauf, mal runter geht.

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Auf nach Rom!

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Du willst nach Osten, und segelst nach Westen? – Ja, warum nicht! Das tat auch Kolumbus mit schönem Erfolg. Er vermutete: die Erde sei rund. Und siehe da: sie war rund. Er war natürlich nicht der erste, der das glaubte. Die immer wissbegierigen Griechen waren schon lange davon überzeugt – schließlich waren sie Seefahrer und wussten Bescheid. Doch erst nach Kolumbus und den ungeahnten Schätzen, die seine Entdeckung dem alten Kontinent bescherte, ließen sich die kirchlichen Dogmatiker von der Kugelfom der Erde überzeugen.

Auch ich wende nun den Bug meines Schiffes gen Westen, um mein Ziel, Ephesos im Osten, zu erreichen. Aber ich tue es aus einem anderen Grund als Kolumbus. Ich möchte nicht länger den geographischen Illusionen folgen, sondern will mich den Zeitläuften anvertrauen.

Was ich damit meine? Der Raum ist, wie wir sahen, relativ. Fährst du lange genug nach Westen, gelangst du in den Osten – und  umgekehrt. Aber wie ist es mit der Zeit? Wenn ich mich in den Zeitläuften rückwärts bewege, stoße ich auf Rom, bevor ich nach Athen oder gar nach Ephesus gelange.

Nimm das Christentum, zum Beispiel.

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Wie klein und unscheinbar war der Samen des Christentums in Ephesus,  als Johannes dort sein Evangelium schrieb und Paulus die Händler des Artemis-Tempels verärgerte, weil er ihre Idole, mit denen sie ihren Lebensunterhalt verdienten, verdammte! Als der Same dann Richtung Westen getragen wurde, begann er zu keimen: Paulus predigte den Athenern auf dem Aeropag,  und Petrus den Handwerkern und Fischern in Korinth.  In Rom wuchs der Same zum Baum, der sich mit mächtigem Gezweig über die westliche Hemisphäre breitete. Später wurde es dann ein ganzer Wald – aber darüber will ich mich hier nicht auslassen.

Von heute aus betrachtet tritt mir zuerst Rom, die „ewige Stadt“, vor Augen. In ihr wurde all das verdaut und ins Große gewendet, was zuvor in Athen herangewachsen und an der asiatischen Küste gesät worden war. Also gehe ich jetzt nach Rom, um mich von dort vom Zeitstrom rückwärts tragen zu lassen ….

Ich bin zuversichtlich, dass ich so sicher in Ephesus lande. Denn bei allen großen Strömungen, deren Oberfläche wir beobachten, bemerken wir eine feine Unterströmung, die in die entgegengesetzte Richtung führt. Auf nach Rom! Von dort soll mich die feine Unterströmung in den Hafen von Ephesos treiben.

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Mit besten Grüßen aus Athen!

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