Sommernacht mit Musik (Tagebuch der Lustbarkeiten)

Es wird Zeit, auch diese Rubrik wieder zu bedienen. An Lustbarkeiten gab es einiges in diesem Sommer. Besonders genossen habe ich einen Abend auf einem nicht weit von uns entfernten Grundstück. Dort betreibt Pola, die Witwe des Mannes, der unser Haus baute, zusammen mit ihren nun erwachsenen Kindern ein auch für Einheimische interessantes touristisches Projekt. Außer einer kleinen Ansiedlung von steinernen Bungalow gibt es das Hauptgebäude mit einem Mehrzweckraum (Kino, Yoga)  und eine große Terrasse mit weitem Blick auf das Meer.  Vor einer Woche wurde dort zu einem musikalischen Abend eingeladen. Freundin Magda und ich zogen hin. Eine lockere sommerliche Atmosphäre, eine reiche Auswahl an Getränken zu erschwinglichen Preisen, Geplauder, bis um zehn das übrigens ausgezeichnete Trio mit Jazz-Improvisationen begann.

Ich nutzte die Wartezeit auch dafür, mich im Gelände umzusehen, das ich von früher her kenne (damals war es gerade fertig geworden). Es gibt viele erfreuliche sinnvolle Veränderungen und Ergänzungen, darunter ein etwas tiefer liegender Ruheplatz mit Gemüse- und Kräutergarten.

Ein erfüllter Abend mit mitreißender Musik und angenehmer Wiederbegegnung mit Menschen und Orten.

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Skitsofrenis am Hafen: die große Welle

Heiß und schwül war es heute, und ich war ziemlich erschöpft. Dennoch wollte ich endlich die lange Reihe von Bildern fotografieren, die der von mir sehr geschätzte Spraykünstler Costas Louzis aka Skitsofrenis (auch: Skitzofrenis, der Skizzenverrückte) auf die Einfassungsmauer des Hafens gemalt hat. Wer hier länger folgt, kennt den Künstler, ich habe schon vieles von ihm gezeigt.

Das Gemälde beginnt mit einer großen weit ausholenden Gebärde. Die Hand hält einen Olivenzweig und deutet – deutet wohin? Das blaue Gewand wird zur Welle.

Und so wanderte ich die Straße hinauf und hinunter, der großen Welle folgend, auf der sich die Szenen entfalten. Ich konnte immer nur den zentralen Ausschnitt fotografieren, denn der Fußweg ist schmal und die Straße stark befahren, daher müsst ihr die Welle, die Fische, die Möwen und was sonst noch im Wasser und im Himmel geschieht, dazudenken.

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 8.9.: H wie Hauswand (casa nostra)

Heute setzte ich mich vor mein Atelier, um für Heides Monats-Challenge die aus Naturstein gemauerte Hauswand in den Kalender zu zeichnen. Eigentlich hatte mir mein Lieblingsthema Hafen vorgeschwebt, aber woher nehmen? Es gibt zwar zahllose Hafenbilder in diesem Blog, doch nicht auf der richtigen Seite des Kalenders. Der zweite Gedanke war Hund, aber auch da fehlte mir dss lebende Modell. Also Haus.  Oder, weil ich von keinem Punkt aus das ganze Haus erfassen kann, Hauswand.  Und so zeichnete ich brav ein Stück Hauswand samt Atelierfenster und -Tür, Gartenschlauch, Fegeblech und Terpentinflasche. Auch ein bisschen Grün vom Granatapfelbaum durfte mit aufs Bild.

Während ich so vor mich hinzeichnete, dachte ich über die Geschichte des Hausbaus nach. Wann hatte man eigentlich damit angefangen, gerade senkrechte Wände und rechte Winkel für den Bau der menschlichen Behausungen zu benutzen? In uralten Zeiten wird es doch wohl eher der zeltartige Rundbau gewesen sein, gefertigt aus Holz und Lianen oder anderen geeigneten Pflanzen? Oder man schichtete Steine übereinander, wie man sie fand, und schaffte sich so eine höhlenartige Unterkunft?

Ich schaute im WWW nach und erfuhr, dass es in den alten Hochkulturen des „fruchtbaren Halbmonds“, also in Westasien, bereits ab 10 000 v.Chr. üblich wurde, Häuser wie die unsrigen aus luftgetrockneten Lehmziegeln zu bauen. Die rechtwinkligen Hohlräume waren praktisch, denn man konnte sie bei Bedarf leicht erweitern. Und so sehen denn auch bis heute viele unserer griechischen Inseldörfer wie ineinander gestapelte Kuben aus, wenngleich inzwischen der Stein und später der Stahlbeton die Lehmziegel ersetzte.

Es waren die Römer, die das Bauen mit Stein revolutionierten, wobei der von ihnen entwickelte Beton (Opus Caementitium) aus Vulkanasche und Kalk ein entscheidende Rolle spielte. Nicht nur die offiziellen Prachtbauten, sondern auch Bürgerhäuser wurden zunehmend aus behauenem Naturstein gebaut.

Und worin unterscheidet sich unser Haus von diesen früheren? Nun, bei uns sind ein Stahlskelett und Betonpfeiler und -Decken eingezogen – und zwar wegen der Erdbebengefahr sogar verpflichtend. Der Stein hat also keine tragende Funktion mehr. Die Wände sind aber immer noch massiv aus Stein und nicht, wie heute oft üblich, nur mit einer dünnen Schicht aus Naturstein garniert. Die nur grob behauenen Steine sind durch Zementmörtel zusammengefügt. Viele der Innenwände wurden zusätzlich mit einer Schicht Backstein verkleidet und weiß verputzt.

Ich liebe unser Haus, das ich casa nostra nenne. Nie hätte ich zu träumen gewagt, einmal in einem solchen Haus zu leben.  Aber dann ging es plötzlich ganz schnell: im Jahre 2000 beschlossen wir, uns hier in der Mani anzusiedeln, und ein Jahr später war das Haus wie von Zauberhand entstanden und bezugsfertig. Mein Herz ist voller Dank für den inzwischen verstorbenen begeisterten Wiederbeleber der traditionellen Steinhaus-Bauweise Nikos Koulis, der alles organisierte, für den griechischen Vorarbeiter Spilios und für die albanischen Maurer und Steinmetzen – sie haben es realisiert.

 

 

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Bilder-ABC und Kalenderblatt: G wie Gabel und Gurke

Eine olle Gabel auf einem Pappteller, dazu ein Stück Gurke – das ist meine heutige Zeichnung für Heides Monats-Challenge.

Aber wie herrum gehört das Bild? So herum wirkt die Forke konkav, anders herum wirkt sie konvex.

 

Aber darum geht es heute gar nicht. Es geht um die Geschichte der Gabel. Wie kam sie eigentlich in unseren Gebrauch?

Das erste Jahrtausend nach Christus ist grad zuende gegangen, und man hat das zweite Jahrtausend betreten. Es ist 1004 n. Chr., und der Doge von Venedig heiratet die griechische Prinzessin Maria Argyropoula. Die feine Dame bringt eine Gabel zu ihrem eigenen Gebrauch mit, denn in ihrer Heimat isst man so. Die Speisen  mit ihren feinen Fingerchen berühren? Das geht gar nicht. Dafür gibt es diese zweizackigen goldenen Gabeln. So belehrt sie die nichts ahnenden Venezier.

Skandal!

Der Papst ist empört: Gott hat den Menschen die Finger zum Essen gegeben, die Gabel sei ein Symbol des Teufels. Als die Prinzessin, vermutlich infolge dieser Sünde, kurz darauf verstirbt, ist bewiesen: sie ist des Teufels.

Dennoch überlebt die Gabel irgendwie,und in der Renaissance wird sie wiedergeboren. In den nächsten Jahrhunderten verbreitet sie sich in den gehobenen Schichten Europas, aber Luthers Gefallen findet sie nicht: «Gott behüte mich vor Gäbelchen», spricht er. Auch er sieht darin wohl ein Symbol des Teufels:

Im späten 17. und im 18. Jahrhundert wird es dann aber doch auch bei den deutschen  Damen schick, Konfekt mit der Gabel zum Munde zu führen, während das Volk weiterhin nur den Löffel für die Suppe und das Messer fürs Brot kennt

Im 19. Jahrhundert macht die industrielle Revolution die massenhafte billige Herstellung auch von Gabeln möglich, und so erzählt man dem Volk, dass es unzivilisiert sei, mit den Fingern essen. Wer auf sich hält, benutzt eine Gabel. Jedenfalls in Europa, Amerika und Australien. Andere Länder, andere Sitten.

 

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Zur Wahl in Sachsen-Anhalt – Echo aus Griechenland

Die Wahlmaschine

Auch hier in Griechenland werden die Wahlen von Sachsen-Anhalt kommentiert. Meine Freunde fragen mich besorgt: Was ist los? kommt ein neuer Hitler? Denn hier hat man vor allem das als Grundlage für Einschätzungen, was von den deutschen Medien und staatlichen Stellen herüberschallt. Und da hören sie: die AfD sei „gesichert rechtsextrem“, sie wolle die Demokratie und die EU abschaffen … und dann ist es nicht mehr weit zur Schlussfolgerung: die Deutschen wollen wieder Faschismus, ein Viertes Reich.

Wie dumm ist das eigentlich?

Hat eine rechtsextreme Partei gesiegt? Gibt es überhaupt eine zugelassene rechtsextreme Partei? NEIN! Und wenn es sie gäbe: Sie hätte gar keine Chance bei den deutschen Wählern. Denn die übergroße Mehrheit der Bevölkerung lehnt Rechtsextremismus ab. Das entnehme ich einer Untersuchung der FES (Friedrich-Ebert-Stiftung) von 2025. Nur 3.3 % der Bevölkerung haben ein „geschlossen rechtsextremes Weltbild“. Und das hat sich im Laufe der Jahre überhaupt nicht verändert. Diesen rechtsextremen Kern gab es immer schon und wird es immer geben. Es gibt ihn in allen Nationen, soweit ich sehe. Dieser Kern kann die Mehrheit der Bevölkerung auch in extremen wirtschaftlichen und politischen Notsituationen nicht hinter sich vereinen. Selbst Hitler bekam bei den letzten freien Wahlen im März 1933 nicht die Mehrheit der Stimmen: 17,3 Millionen Menschen bzw 43,9 Prozent wählten die NSdAP, 56,1 % lehnten sie ab. Die extreme Rechte kann sich eigentlich nur mithilfe von putschendem Militär oder mithilfe von bewaffneten Paramilitärs an die Macht bringen. So geschehen in Griechenland 1967, in Spanien 1936, in Portugal 1926 oder auch in Italien 1922 durch die Fasci di Combattimento Mussolinis.

Natürlich gibt es um den harten rechtsextremen Kern immer auch einen größeren Sympatisantenkreis, der national-chauvinistische Einstellungen äußert, aber die Demokratie nicht in Frage stellt. Die FES-Studie kommt für Deutschland auf 19.8 % der erwachsenen Bevölkerung.

Woher kommen dann aber die 45 % oder in absoluten Zahlen: die 576 037 Sachsen-Anhalter, die ihr Kreuz bei der AfD machten? (*Anm.)

Nun, sie kommen mehrheitlich aus der normalen „werktätigen Bevölkerung“, insbesondere der Arbeiterschaft (59 %!), aber auch der selbständig Beschäftigten (52!), die sich in Alarmbereitschaft befinden. Sie fühlen sich in ihrem Sicherheitsbedürfnis von allen Seiten bedroht. Wird man morgen noch Arbeit haben? Muss man den Betrieb schließen? Wird die Schule den Kindern noch ausreichende Bildung vermitteln?  Was ist mit der Sicherheit der Töchter? Werden die Söhne für Kriegsdienste eingezogen? Brechen die Sozialsysteme zusammen? Wird man überhaupt noch eine Rente bekommen?

Die Grundstimmung: Die Regierenden haben uns – um es mit einer griechischen Redensart auszudrücken – „auf ihre alten Schuhe geschrieben“.

Diejenigen, die der AfD am wenigsten zustimmen, sind die Alten, die Hochgebildeten und die Wohlhabenden. Die alten wohlhabenden gebildeten Frauen – wenn ich die Gruppenkriterien mal addieren darf – sind der eigentliche Bremsklotz für die AfD. Unsereins hat der AfD den vollen Sieg vermasselt. 😉

Was aber kann ich meinen griechischen Freunden sagen, die mich besorgt fragen, wohin Deutschland steuert?

Ich sage ihnen: Mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Bundesrepublik steht es nicht zum besten, viele Menschen haben Angst vor Betriebsschließungen, Armut und auch vor einem Krieg mit Russland. Sie geben den regierenden Parteien die Schuld an diesem Niedergang und wünschen einen Wechsel, der ihnen und ihren Kindern mehr Sicherheit und eine friedlichere Zukunft verspricht.  Das ist alles. Ein ganz gewöhnlicher demokratischer Prozess.

Wie siehst du das? Sage ich die ganze Wahrheit? Oder verschweige ich Wichtiges, das meine griechischen Freunde wissen müssten?

nach der Wahl 2015 in Griechenland

 

 


 

*Vorläufige Ergebnisse der Zweitstimmen, absolute Zahlen (Quelle: ARD)

576 037  stimmten für die AfD

226 622 stimmten für die CDU

122 303 stimmten für die SPD

117 498 stimmten für die Grünen

112 541 stimmten für die Linke

69 291 stimmten für das BSW

 

 

 

 

 

 

 

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 6.9.: F wie Feige/Feigenblatt

Der heutige Buchstabe für Heides Monats-Challenge ist F wie Feige.

Seit die erste Feige an unserem Baum reifte (hier), ist fast ein Monat vergangen. Jeden Morgen schaue ich als erstes nach, ob mir der Baum ein Feigenfrühstück spenden mag. Er lässt sich Zeit. Die meisten sind noch unreif, aber ein-zwei Früchte finde ich immer, wenn ich ordentlich suche. Sie zu entdecken, ist gar nicht so leicht, denn die Blätter sind mächtig groß und verbergen die reifen Früchte. Auch das Ernten ist nicht immer leicht, denn die Früchte reifen, wo es ihnen passt, und nicht dort, wo ich sie erreichen kann. Daher bleiben einige am Baum und werden von den Vögeln angepickt und von den Insekten vernascht.

Heute aß ich zwei Feigen, bevor ich mich erinnerte, dass ich sie zeichnen wollte. Zum Glück fand sich noch eine dritte, bereits angepickte, die ich zusammen mit einem Feigenblatt ins Atelier trug.

Das Feigenblatt ist sehr groß im Verhältnis zur Feige, und so habe ich es nur halb gezeichnet. Leider wirkt es nun leicht verkrüppelt, was es nicht verdient hat.

Nicht umsonst ist das Feigenblatt seit paradisischen Zeiten, als es der Bedeckung der plötzlich anstößigen Blöße diente, in sprachlichem Gebrauch geblieben. Es ist groß, weit größer als meine Hand, robust, die Oberfläche ist rauh, und die Ränder sind leicht gezackt, es ist gleichmäßig mittelgrün und von kräftigen gelblichen Adern durchzogen.

In der Malerei war es für Adam-Eva-Darstellungen unverzichtbar (Real Biblioteca de San Lorenzo)

Adam und Eva (unbekannter Künstler)

Moment mal! Das sind doch gar keine Feigenblätter, und der Baum sieht eher nach einer Palme aus! Auch Adam und Eva von Albrecht Dürer (1507, Galería online del Museo del Prado de Madrid: Adán y Eva) haben offenbar nicht zu Feigen-, sondern zu ganz anderen Blättern Zuflucht genommen. Vermutlich sind Apfelblätter dargestellt, da ein Apfelbaum bekanntlich die Frucht der Erkenntnis trug….

Hier stutze ich: Stimmt das denn? Hat ein Apfelbaum das Verhängnis über die Menschheit gebracht? O nein! Nicht der Apfelbaum, sondern der Feigenbaum wurde von Gott höchstpersönlich in den Garten gepflanzt und ist überhaupt der einzige, der in der Genesis namentlich genannt wird.  In der jüdischen und der islamischen Tradition ist der Feigenbaum verantwortlich für den Sündenfall – was ich sogleich verstehe. Denn wer unter dem wohlriechenden Dach eines Feigenbaums steht und die reifenden Früchte betrachtet. kann der Versuchung sehr schwer widerstehen, davon zu kosten. –

Erst im Mittelalter, durch die lateinische Bibelübersetzung, kam „malus“ – der Apfel/das Übel – in Gebrauch. Im Paradies, das wohl zwischen Euphrat und Tigris lag, gab es vermutlich keine Apfelbäume, von denen unsere Vorfahren hätten kosten können.

Noch etwas fällt auf: Der Apfel evoziert durch seine Form die Vorstellung der weiblichen Brust (vergl. Dürers Eva), die Feige des männlichen Hoden. Wenn man das weiterdenkt, ergeben sich einige Folgen für die Verführungsszene und die Rolle des Feigenblatts.

Erst spät, nämlich auf dem Konzil von Trient 1545–1563, erließ die Kirche das Genitalverbot, auch Feigenblatt-Erlass genannt. Es wurde befohlen, alle in der Kirchenmalerei vorfindlichen Blößen mit einem Feigenblatt zu übermalen. Das war eine Reaktion auf die nackte Aufklärung der Renaissance einerseits, die protestantische Prüderie andererseits. Die Genitalien zu übermalen, war sozusagen der katholische Kompromiss mit dem Zeitgeist.

Ein bekanntes Beispiel ist die „Vertreibung aus dem Paradies“ von Masaccio (1425) – ein Fresco der Brancacci-Kapelle in Mailand und eine der ersten nach-mittelalterlichen naturgetreuen Darstellungen von Menschen. 250 Jahre lang nahm niemand an der Nacktheit Adams Anstoß. Sein prächtiges Genital wurde erst 1680 übermalt. So blieb es, bis sich dreihundert Jahre später, im Jahre 1988, die Restauratoren entschlossen, es mühsam wieder freizulegen.

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 5.9.: E wie Eier (Sind braune Eier gesünder? Eine Web-Recherche)

Der heutige Buchstabe für Heides Monats-Challenge ist E. E wie Eier ergab sich fast zwangsläufig, denn die Linien der gestrigen Dattel-Zeichnung sind auf die Rückseite des Kalenderblattes durchgeschlagen. Und so musste ich drei Ovale in die heutige Zeichnung integrieren. Was lag da näher als Eier? Ich holte drei frische braune Eier aus dem Kühlschrank und drappierte sie auf einer weißen Bluse mit leicht hingepinselten farbigen Mustern – Geschenk einer Freundin.

Sind braune Eier schmackhafter als weiße? Google-KI sagt: nein, es gebe gar keinen geschmacklichen Unterschied. Auch die Farbe des Gefieders sei irrelevant. Auch weiße Hühner können braune Eier legen. Ursache seien Farbpigmente im Legedarm.

Und welche Hühner legen nun braune Eier? Google-KI behauptet: Die „Ohrscheibe“ – ein Hautfleck hinter dem Ohr – verrate es: ist sie rot, werden die Eier braun, ist sie weiß, werden auch die Eier weiß.

Da KI auch Fehler machen kann, schaue ich auch noch nach anderen von KI empfohlenen Web-Einträgen. Und siehe da: Die Tagesschau vom 1.04.2024  zitiert den Vorsitzenden des deutschen Eiererzeugerverbands mit folgenden Aussagen:

Heute sieht man braune Eier schon immer weniger, bald dürfte es gar keine mehr geben.“ Und warum?

„Weiße Hühner haben ein größeres genetisches Potenzial als braune. Sie leben und legen länger“, so Schönecke. „Weiße Hühner sind einfacher zu halten und mobiler als braune.“ Sie fänden ihr Futter und Wasser besser, außerdem seien sie leichter und kleiner, ihre Eier ebenso. Das Legen sei dadurch weniger anstrengend. Braune Eier gebe es inzwischen nur noch bei wenigen regionalen Haltern. 

Und weiter: Weiße Hennen legen weiße Eier, braun gefiederte hingegen braune. Das ist nach Angaben von Schönecke zumindest bei Hühnerrassen in Deutschland die Regel. In Supermärkten liegt der Anteil brauner Eier dem Verband zufolge noch bei etwa 30 Prozent, bei Discountern gebe es häufig schon keine mehr. Noch vor zehn Jahren seien hierzulande mehr braune als weiße Eier verkauft worden. 

Eine Kundenbefragung des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft zeigt: Bei älteren Menschen sind braune Eier nach wie vor oft beliebter. Jüngeren ist die Farbe meist egal, ihnen sind eher Aspekte wichtig wie Tierhaltung und Regionalität.

Dir ist es ja vielleicht auch egal, welche Farbe die Eierschalen haben, Hauptsache, die Eier sind frisch und die Hühner sind gut gehalten worden.

Der Eierkonsum wächst übrigens in Deutschland, und der Verein Deutsche Gesellschaft für Ernährung findet das auch in Ordnung. Galt zuvor ein Frühstücksei pro Woche als Limit, um die Umweltbelastung zu verringern, so darf man heute schon auch ein paar mehr Eier (verarbeitet in Nudeln oder Kuchen) verzehren, ohne den Zorn der Gesellschaft auf sich zu ziehen. Die Tierrechtsorganisation Peta findet das allerdings besonders übel, denn in Nudeln und Kuchen werden die Eier aus der Massentierhaltung verarbeitet, die die Konsumenten ja an sich mehrheitlich ablehnen.

All das erfuhr ich aus dem ARD-Beitrag „Bald keine braunen Eier mehr?“

Nun ist es aber eine gute Mahnung der Bibel, nie weniger als drei Zeugen zu befragen. Zeuge 1 Google-KI sagt: auch weiße Hühner legen braune Eier. Zeuge 2 Der Verband sagt: Nein, weiße Hühner legen weiße Eier, braune Hühner legen braune Eier (jedenfalls in Deutschland). Und was sagt Geo.de?

Endlich verstehen: Darum gibt es weiße und braune Hühnereier

Auch weiße Hühner legen braune Eier und braune Hühner legen weiße Eier“ – Aha! Da hat Google-KI einen Punkt.

Mit der Farbe der Eierschale hat die Ernährungsweise nichts zu tun“ (wohl aber mit der Farbe des Dotters).

die Eierschalenfärbung (ist) genetisch bedingt und (ist) von der einzelnen Hühnerrasse abhängig„.

Zum „Abbauweg des Hämoglobins im Legedarm des Huhns“ erfahre ich: „Die roten Pigmente lagern sich gemeinsam mit gelben Pigmenten des Gallenfarbstoffs während des Abbauprozesses auf der Kalkschale des Hühnereis ab. Vermischen sich nun die roten und gelben Farbpigmente, entsteht die braune Färbung der Schale. “

Aha!

Bestätigt wird auch die KI-Aussage, dass man an einer Stelle hinter dem Ohr erkennen kann, welche Farbe das Ei der Henne haben wird (wobei es Ausnahmen gibt).

Und, was wohl das Wichtigste sein dürfte: einen Unterschied im Nährgehalt von weißen und braunen Eiern gibt es nicht!

 

Nun schlägt mir Google-KI aber noch eine weitere Quelle vor, um mein Wissen zu erweitern: Hühnerhaltung. Und da lese ich nun endlich, warum es überhaupt weiße Eier gibt! Weiß ist in der Natur ja keine besonders gute Tarnfarbe, und so waren die Eier der Hühner-Vorfahren auch nicht weiß, sondern bräunlich-gelb. Aber der Kunde ist schließlich König, und als in den 70er Jahren die Nachfrage nach weißen Eiern stieg, züchtete man die Hühner um: den Leghorns …wurde gezielt das für die Farbbildung verantwortliche Gen weggezüchtet. Ihnen fehlen somit die Zellen, die für die Farbgebung zuständig sind, sodass sie Eier mit weißer Schale legen…..Die weiße Schale macht nicht nur jede Tarnung zunichte, sie zerbricht auch schneller, da die bruchsichernden Eigenschaften der Farbeinlagerung fehlen.

Aha! Weiße Schalen zerbrechen schneller – der Verbandschef der Eierproduzenten war da anderer Ansicht.

Weiter lese ich: „Welche Intensität der Braunton des Eis hat, ist zum einen genetisch festgelegt, kann aber auch, obschon nicht übermäßig, durch äußere Faktoren (Fütterung, Legezeitpunkt) beeinfluss werden.“ Sieh mal an, also doch?! Geo war da anderer Meinung.

Nun gibt es aber neben den normal-braunen auch schokoladenbraune Eier, die sich neuerdings großer Beliebtheit erfreuen. Gelegt würden sie von den „Maran-Hühnern“. Die Einfärbung sei am stärksten zu Beginn der Legeperiode und nehme dann langsam ab. Die Eier hätten dickere Schalen, seien weniger bruchanfällig und ließen sich auch nach Monaten noch bebrüten.

Uff! Das reicht fürs erste. Unter dem Link „Hühnerhaltung“ findest du Antworten auch auf andere Fragen, die dich womöglich beunruhigen. Jedenfalls, sofern sie mit Hühnern und ihren Eiern zu tun haben.

 


 

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 4.9.: D wie Datteln

Der heutige Buchstabe für Heides Monats-Challenge ist D. D wie die süßen saftigen Datteln, die ich so gerne esse. Nicht nur ich esse sie gerne, natürlich, denn Datteln gehören zu den ältesten Nahrungsmitteln der Menschheit und sicherten immer schon das Überleben in Wüstengebieten. Der Fruchtzucker gibt mir einen Energie-Kick und die anderen Inhaltsstoffe geben meinem Organismus, was ich sonst noch brauche und ohne sie vermissen würde: vor allem Kalium, aber auch Magnesium, Calcium, Phosphor und Eisen. Hinzu kommen die Spurenelemente Kupfer, Selen, Mangan und Fluor, die Vitamine B1, B2, B6 und Vitamin A. Zu allem Überfluss enthalten sie Antioxidantien und die Aminosäure Tryptophan (eine Vorstufe des Glückshormons Serotonin).

Nur den hohen Kalium-Anteil kannte ich, den Rest ergoogelte ich und genieße die letzte noch verbliebene Dattel doppelt. Doch vorher habe ich sie auf der grünen Scherbe gezeichnet.

Wie immer interessiere ich mich für die Herkunft dessen, was ich esse. Und so erfahre ich, nachdem ich die Verpackung in alle Richtungen gedreht und gewendet habe, dass ich Medjool-Datteln aus Israel gekauft habe. Medjool-Datteln gelten als die Stars unter den Datteln, und Israel ist weltweit der bei weitem größte Vermarkter.  Die meisten Dattelpalm-Pflanzungen befinden sich aber nicht in Israels international anerkannten Grenzen, sondern im besetzten Westjordanland.

Ich lasse Google-KI für mich arbeiten, um herauszufinden, wie denn nun die offiziellen Zahlen sind. Und erfahre:

Direktvergleich der Medjool-Produktion

Bereich Jährliche Erntemenge (Medjool) Haupt-Vermarktungswege
Israel (Kernland) ca. 8.800 Tonnen Globaler Export & israelischer Inlandsmarkt
Israelische Siedlungen (Westjordanland) ca. 40.000 – 50.000 Tonnen Export weltweit (wird oft als „Produkt aus dem Jordantal“ deklariert)
Palästinensische Erzeuger (Westjordanland) ca. 15.000 – 22.000 Tonnen 60 % palästinensischer Binnenmarkt, 40 % zertifizierter Export (z. B. Europa/Arabischer Raum)

Die Wahrscheinlichkeit, dass meine Datteln aus den Plantagen stammen, die auf geraubtem Boden und unter Missachtung der Rechte der lokalen Bevölkerung angebaut und geerntet wurden, ist angesichts dieser Zahlen groß.

Ich googele noch ein wenig weiter, um zu sehen, wie es mit der Kennzeichnungspflicht steht, und erfahre (Google-KI);

Die Thematik rund um die Exportbeschränkungen, Herkunftskennzeichnungen und das sogenannte „Date Laundering“ (Dattel-Waschung) bei Medjool-Datteln ist rechtlich und politisch hochgradig brisant. In Europa überschneiden sich hierbei strenge Verbraucherschutzrichtlinien mit geopolitischen Konflikten.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat bereits geurteilt, dass die alleinige Kennzeichnung von Waren aus israelischen Siedlungen als „Produkt aus Israel“ unzulässig ist. [1]

  • Verpflichtende Transparenz: Produkte, die aus den seit 1967 von Israel besetzten Gebieten (darunter das Westjordanland/Jordantal) stammen, müssen zwingend den Zusatz „israelische Siedlung“ oder eine geografisch unmissverständliche Bezeichnung (z. B. „Produkt aus dem Westjordanland (israelische Siedlung)“) tragen. Damit soll verhindert werden, dass Verbraucher über den völkerrechtlichen Status des Herkunftsortes getäuscht werden. [1, 2]
  • Zoll- und Handelsvorteile: Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Israel gilt ausschließlich für Waren, die innerhalb der international anerkannten Grenzen Israels produziert wurden. Datteln aus den Siedlungen sind von den Zollpräferenzen ausgeschlossen und müssen mit regulären Drittlandszöllen belegt werden.

2. Das Phänomen des „Date Laundering“

Obwohl die gesetzlichen Vorgaben der EU eindeutig sind, gestaltet sich die Durchsetzung in der Praxis als extrem schwierig. Kritiker, NGOs und Branchenexperten weisen auf massive Umgehungsstrategien hin: [1]

  • Verschleierung der Lieferketten: Da rund drei Viertel der israelischen Medjool-Exporte im besetzten Jordantal angebaut werden, aber nur ein kleiner Bruchteil im israelischen Kernland (z. B. in der Arava-Senke), übersteigt das gemeldete Exportvolumen die tatsächliche Inlands-Kapazität bei weitem. [1]
  • Falsche Deklaration & Umverpackung: Um den Herkunftshinweis „Siedlung“ zu vermeiden oder Boykottaufrufen zu entgehen, werden Datteln aus dem Westjordanland häufig in Logistikzentren innerhalb Israels oder über europäische Zwischenhändler (z. B. über Verteilzentren in den Niederlanden oder Frankreich) neu verpackt. Auf den Verpackungen im Supermarkt tauchen dann fälschlicherweise Herkunftsländer wie Israel (Kernland), Palästina, Marokko, Südafrika oder gar Niederlande auf. [1, 2]

Auf meiner Packung steht „Israel“.  Und die importierende Firma hat ihren Sitz bei Athen. Darf ich mich auf das Labeling verlassen?

Manchmal ist es besser, nicht genau zu wissen, woher das stammt, was mir so gut schmeckt. Beim A wie Apfel konnte ich mir sicher sein, es sind arkadische Früchte; bei B wie Banane sieht es schon finster aus: Chiquita-Bananen sind diese jedenfalls nicht; bei C wie Chili gibt es gute Chancen, dass es ein heimisches Produkt ist; bei D wie Medjool-Datteln fühle ich, wie sich in die Süße Bitterkeit mischt und schwere Schatten auf meine grüne Scherbe fallen.

Wie hältst du es bei deinen Einkäufen? Machst du deine Wahl abhängig vom Herkunftsland und den Produktionsbedingungen? Immer? Manchmal?

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 3.9.: C wie Capsicum (Chili-Schoten)

Der heutige Buchstabe für Heides Monats-Challenge ist C. Bei C kommen eigentlich nur „fremdländische“ Wörter in Betracht. Ich schwankte zwischen Chinakohl und Chilischoten, je nachdem, was ich in unserem kleinen Laden am Meer finden würde. Ein Chameläon heute zu sichten und zu zeichnen – das hoffte ich nicht.

Ich fand schöne längliche rote Capsicum, wie der lateinische Sammelname für die von der Ur-Chilipflanze abgeleiteten Gemüsesorten lautet. Gemüse ist freilich ebenso falsch wie Schote, denn es handelt sich um Früchte, wie ich, begierig  nach Wissen, im Internet erfuhr. Welche der -zig Sorten ich heimgetragen habe, fand ich nicht heraus.

Die Chili-Früchte also legte ich auf den großen Scherben meiner wundervollen grünen Obstschale, die gestern zu Bruch ging. Kater Lin schmiss sie auf den Boden, um sich gemütlich auf dem Couchtisch auszustrecken. O weh! Ούτε γάτα, ούτε ζημιά (hast du keine Katze, hast du auch keinen Schaden) lautet ein griechisches Sprichwort. Die Schale hielt ich hoch in Ehren, denn eine befreundete Keramikerin tauschte sie vor Jahren gegen eines meiner Bilder. Das Grün und die Form der Scherbe passten ausgezeichnet zu den Chilis.

Wie die Chili-Samen sich rund um die Welt verbreiteten, ist eine spannende Geschichte, die ich nun in Stichworten erzählen will.

Ursprünglich stammen sie aus Süd- und Mittelamerika. 

Seit tausenden von Jahren war die Chilifrucht (das Wort kommt aus dem Aztekischen) in Mexiko und dem Amazonasbecken ein beliebtes Nahrungs- und Heilmittel, das zuerst gesammelt, dann auch angebaut wurde.  Ab 1492, mit Kolumbus, begann ihre Verbreitung rund um den Globus.

Kolumbus, der sie für eine Abart des Pfeffers hielt (er glaubte ja, sich in Indien zu befinden), brachte sie nach Spanien.

Die Portugiesen brachten sie zu ihren Niederlassungen in Afrika und wenig später, als die Seeroute nach Indien entdeckt wurde (1498) auch nach Indien, wo sie von der einheimischen Bevölkerung sofort akzeptiert wurde.

Ab 1510 wurden schwarzafrikanische Sklaven aus den portugisischen Kolonien nach Virginia verschleppt. Sie brachten Chilis mit, die so auch den nördlichen Teil des Kontinents eroberten.

1516 landeten Portugiesen erstmals an der chinesischen Küste und gründeten Macau. Auch die Chinesen fanden großen Gefallen an der scharfen Frucht und züchteten eigene Sorten, darunter das sog. Capsicum chinense.

Über die Seidenstraße erreichte die würzige Frucht dann Thailand, Pakistan, das Osmanische Reich und Ungarn. Über den Balkan kam sie Deutschland. Das Wort Paprika leitet sich ab aus dem Serbokroatischen pàpar/Pfeffer.

 

 

 

 

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 2.9.: B wie Banane

Wer A sagt, muss auch B sagen. Gestern fand ich für Heides neues Challenge das Wort  Apfel, heute ist es Banane. Ich fand zwei schwarz gefleckte Bananen im Kühlschrank, pellte die eine halbwegs ab und zeichnete die beiden überkreuz auf einem Set, das mit dem Gemälde einer Freundin bedruckt ist.

Bananen sind ein berühmtes und berüchtigtes Kunstthema. Andy Warhols gelbe Banane auf dem Cover seines Debütalbums von 1966 wurde zur Ikone der Pop-Art. Eine Bananen-Kunstwelle wurde losgetreten, mit dem Höhepunkt von Maurizio Cattelans Echt-Banane von 2019, die er mit einem Klebeband auf einer Leinwand befestigte – ein Werk, das 2024 für 6,2 Millionen US-Dollar versteigert wurde.

Aber auch in der Musikszene – da war doch was?

Ach ja: „Ausgerechnet Bananen!“ Das war ein „Gassenhauer mit schlüpfigem Inhalt“,  1923 vom österreichische Librettisten Fritz Löhner-Beda erdacht. Es wurde ein Millionengeschäft, alle tanzten den Foxtrott und brüllten den Refrain im Chor:

„Ausgerechnet Bananen,
Bananen verlangt sie von mir!
Nicht Erbsen, nicht Bohnen,
auch keine Melonen,
das ist ein’ Schikan’ von ihr!
Ich hab Salat, Pflaumen und Spargel,
auch Olmützer Quargel,
doch ausgerechnet Bananen,
Bananen verlangt sie von mir!“

Die Original war zuvor mit anderem Text in den USA entstanden. Titel: „Yes! We Have No Bananas“.  Frank Silver schrieb den Text, sein Freund Irving Cohn den rasanten Foxtrott.  Frank Silver erklärte gegenüber dem Time Magazine: „… About a year ago my little orchestra was playing at a Long Island hotel. To and from the hotel I would stop at a fruit stand owned by a Greek, who began every sentence with ‚Yes‘. The jingle of his idiom haunted me and my friend Cohn. Finally I wrote this verse and Cohn fitted it with a tune.“[3

Ich lass das mal im Original stehen, denn wie soll ich „the jingle of his idiom“ übersetzen?

Es war also ein griechischer Obsthändler in Long Island, der durch seine Gewohnheit, alle Kundenanfragen zunächst mit einem Yes zu beantworten, auch wenn er leider das gefragte Gut nicht liefern konnte, den Impuls zu einen Weltschlager setzte, der seither nicht aufgehört hat, immer neue Varianten hervorzubringen.

Eine solche Variante:

„Ausgerechnet Bananen: ein deutsch-deutsches Wirtschaftswunder“ heißt ein Dokumentarfilm von Wolfgang Ettlich, gedreht von 1989-1991 mit einem sächsischen Obst- und Gemüsehändler. Es wird gezeigt, mit welchen Schwierigkeiten jemand zu ringen hatte, der sich in der Übergangszeit von der Maueröffnung bis zur Wiedervereinigung (offiziell: Beitritt der DDR zur BRD) mit einem Geschäft selbständig machen wollte. Es wird auch gezeigt, dass es schließlich gelingt, wenn man sich voll ins Zeug legt, keine Mühe scheut und sein eigenes Haus verpfändet. Der Film endet 1991.

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Ich habe den Film mit Herzklopfen angesehen. Denn hier wird ein „Wirtschaftswunder“ vorgelebt, das von seiner ganzen Struktur her den Keim des Scheiterns und tiefer Ent-Täuschung der Menschen in sich trägt.

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