Kunstbuch 26: Schneewittchens Apfel

Mein 26. Mini-Zine habe ich einer Apfelsorte gewidmet: Die Äpfel sind klein, eiförmig, zweifarbig mit roter und gelbgrüner Seite. Unschuldig und lieblich wirken sie, wenn man sie im roten Netz nach Hause trägt.

Aber des Menschen Geist ist erfinderisch. Auch das Liebliche und Unschuldige kann er in eine böse Falle verwandeln, um Liebliche und Unschuldige zu verführen und umzubringen. So geschehen durch die böse Stiefmutter einer verwaisten Prinzessin namens Schnittwittchen.

Als „Schneewittchens Apfel“ habe ich das Schicksal eines solchen Apfels nachgezeichnet.

Zunächst die beiden Außenseiten:

Es folgen die 6 Innenseiten, in Doppelseiten

„angeboten“ und „gereicht“

„Welche Hälfte? Diese?“ oder „jene?“

„geviertelt“ und „gehäutet“ (geschältes Viertel)

Ich hoffe, du wählst stets die richtige Seite oder lässt es mit einem geschälten Viertel genug sein! Dann bleibst du gesund und munter. Isst du aber den ganzen Apfel, kann ich für nichts garantieren.

 

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Häusle bauen

In der Nachbarschaft sind, wie ich bereits berichtete, etliche Baustellen entstanden. Heute kamen wir beim Morgenspaziergang an einer vorbei, wo gerade die steinerne Wand hochgezogen wird. Ich war wieder mal beeindruckt von der Kunstfertigkeit, mit der die Steine ineinander gefügt werden. Wegen der Feuchtigkeit ist es wichtig, die Zementstreifen zwischen den Steinen möglichst schmal zu halten.

Die Steinhauerin – ja, es ist eine Frau, die diese schwere Arbeit macht – sitzt inmitten des Steinhaufens und klopft bedächtig die genaue Form aus dem Brocken.

Ihr Mann verrückt fürsorglich den Sonnenschirm, damit die Sonne sie nicht sticht.

Die Steinhauer stammen aus Zentral-Albanien, wo diese Kunst noch ausgeübt wird. In Griechenland war sie auch sehr verbreitet, war aber weitgehend eingeschlafen. Erst die albanische Einwanderung nach Griechenland brachte eine Wiederbelebung des Steinbaus. Auch unser Haus wurde von ihnen erbaut. Die Ecksteine werden jetzt bereits industriell gehauen und fertig angeliefert, sind auch aus einem anderen Steinbruch als die von Hand behauenen. Das ist bei unserem Haus noch anders.

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Schneegebirge und glänzendes Meer

Der Wind hat fast alle Wolken vertrieben und die Sicht auf das Meer und das Taygetosgebirge freigefegt. Ich stieg auf unsere Turmterrasse, um eine möglichst störungsfreie Sicht zu haben.

Das ganze Taygetosmassiv ist wieder in ene Schneedecke gehüllt. Das ist wunderbar, denn so werden auch die Quellen gespeist, während bei Regen alles den Bach runter geht. Herangezoomt:

 

Das Meer hat sich in eine helle Spiegelfläche verwandelt. Auch hier eine störungsfreie Ansicht herangezoomt:

Heute ist hier in Griechenland der wichtigste Nationalfeiertag: der offizielle Beginn der „Revolution“ am 25.3.1821 gegen die osmanische Herrschaft und für einen unabhängigen Nationalstaat wird mit Umzügen und Militärshows gefeiert. Drum herrscht eine festliche Stimmung. Aber ein Frösteln angesichts des recht nahen kriegerischen Geschehens im östlichen Mittelmeer ist nicht zu verkennen. Der Libanon ist ja quasi gleich um die Ecke, und Zypern ist Heimatland. Gleich kommen einige befreundete Frauen. Wir wollen versuchen, uns über die Lage und unsere Stellung dazu mehr Klarheit zu verschaffen.

Könnte doch ein freundlicher Wind oder meinetwegen auch ein Sturm durch den kriegsverpesteten Raum fahren und für klare Sicht sorgen!

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Kalenderblätter 23.-24. März: Landschaft

Noch zwei Kalenderblätter, und ich bin wieder auf dem Laufenden. Die Zeichnungen entstanden nach Fotografien, da es ziemlich klalt ist, immer wieder regnet und stürmt und ich nicht draußen zeichnen mag.

Für den 23. wählte ich eine Wiese mit hohem wogendem Wintergras, die ich im Februar fotografierte. Das leuchtende Weißgelb begeistert mich jedes Jahr. Nun ist die Wiese grün – nicht minder schön. In der Ferne das Meer.

Für den 24. wählte ich einen steil abfallenden ausgewaschenen Feldweg, den ich sehr oft mit Tito wanderte, jetzt eher selten. Die Erde ist hier rötlich, die Steine sind rund und weiß. Gelb leuchtender Ginster säumt den Weg. In der Ferne sieht man den Rundbau („Zentrum des neuen Menschen“, mehr dazu hier), den ein Griechisch-Amerikaner vor langer Zeit errichtete, um dem Weltfrieden zu dienen. Einst war es ein belebter, verglaster Bau, heute steht nur das Betongerüst und als solches ein unverwechselbares Merkzeichen in der Landschaft. Weit unten das Meer und die blaue Küste des ersten Fingers der Pelopones.

Foto des Rundbaus vom 25.2.2022

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Wilde Birne

Heute machte ich bei recht kaltem Wetter (in den Bergen hat es wieder geschneit, bei uns hier unten geregnet) eine kleine Wanderung zum Nachbardorf am Meer (3 km), wo es einen  Minimarket gibt. Ich kaufte Brot, Joghurt und Tomaten, packte alles in meinen Stoff-Rucksack und machte mich auf den Heimweg. Die Steigungen auf dem ausgewaschenen Feldweg, den ich gern nehme, sind ziemlich anstrengend, und um nicht aus der Puste zu kommen und den festen Tritt zu verlieren, machte ich immer wieder Halt, betrachtete das Meer in der Ferne, den bewölkten Himmel, das von Regentropfen übersprühte Gras, und atmete die frische Luft ein.

Bei einem Halt entdeckte ich ein blühendes Bäumchen, fingerte das Händy aus dem Sack und machte eine Aufnahme. Ich nehme an, es ist eine wilde Birne?

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Kalenderblätter 17.-22.3.2026

Mit dem Zeichnen der Kalenderblätter kam ich wieder nicht nach, musste nachtragen, und verwendete daher heute Fotos als Vorlage der sechs Zeichnungen.

Der 17. und 18. März zeigt Anblicke meiner Lieblingsbucht. Leider schlagen die schwarzen Filzstifte durch, wie auf No 17 zu sehen ist. Dennoch kann ich nicht davon lassen. Ich habe grad eine Phase, wo ich die starke Konturlinie brauche – vermutlich, um mich von all den Unsicherheiten im Weltgeschehen abzugrenzen.

Der 19. zeigt einen baulichen Schandfleckan einem anderen Küstenstück. Vor vielen Jahren – man sagt, in der Zeit der Junta (1967-74) wurde wild gebaut. Danach wurden diese wilden Bauten häufig gestoppt, aber nicht abgerissen. Sie dürfen weiter die Küsten verschandeln. Der 20. zeigt, quasi als Gegengewicht, einen sehr alten Durchgang im Bergdorf.

Auch die Zeichnungen des 21. und 22. März zeigen Gebäude aus dem Bergdorf: links ein properes Kirchlein, rechts die Reste eines einst imposanten Gebäudes, von dem nur noch eine Mauer steht. Es lehnt sich an ein anderes Haus, das ebenfalls unbewohnt ist. Auf dem Vorplatz liegen Planen mit Schutt oder Baumaterial darunter. Mir gefiel der Kontrast der hell leuchtenden ockrigen Fläche gegen den verschatteten Teil. Das Zeichnen solcher aus unterschiedlich gefärbten Steinen gemauerten Wände ist allerdings eine Herausforderung an die Geduld, die ich nicht habe.

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Kunstbuch 25: Eulen

Mein heutiges Mini-Zine zeichnete ich wieder, am Kamin sitzend. Das Thema „Eulen“ kam mir durch das Buch „Rettet Herrn Ku“, das dem Philippe so gut gefällt.
Für das Titelbild wählte ich eine Harems-Eule aus der Türkei. Das Schlussbild zeigt eine der drei Affen-Eulen. Diese hält sich die Ohren zu.

Die sechs Eulen der Innenseiten: Weiterlesen

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Sonntags im Archiv. 22. März 2020: Der Herrscher

Vor sechs Jahren, an einem Tag wie diesem, legte ich die Tarotkarte „der Herrscher“.  Zugleich machte ich mir Gedanken darüber, welche Eigenschaften ein guter Herrscher haben und wie er aussehen sollte. Diese Überlegungen sind auch heute durchaus aktuell.

Für die Gestalt des Herrschers machte viele Entwürfe. Ich fand die Aufgabenstellung sehr schwierig. Schließlich entschied ich mich für ein recht mickrig wirkendes Männchen. Besonders im Vergleich zur Herrscherin macht er nicht viel her.

„Der Herrscher in einem demokratischen Gemeinwesen, so befand ich damals, „regiert mithilfe von Gesetzen, Verordnungen, Institutionen. Er ist ein Funktionsträger und wird ausgetauscht, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. …

Ein Gesicht braucht er nicht. Ob Mann oder Frau – egal. Die Kleidung – unerheblich. Wichtig ist seine Position, also der Stuhl, auf dem er sitzt. …

Ich gebe zu, angesichts der strahlenden Herrscherin wirkt der Herrscher ein wenig blässlich. Dieser Gegensatz ist gewollt. „Herrscherin“ ist, wer im vollen Einklang mit der Natur und mit sich selbst lebt, „Herrscher“, wer die Funktionen der Staatsführung ausübt.

Als Mensch sollte der „Herrscher“ ein Beherrschter sein: jemand, der seine Triebe, Gefühle, Impulse, Leidenschaften beherrscht. In dieser Beherrschtheit besteht seine Tugend, seine Weisheit. Er opfert, was ihn  persönlich ausmacht, zugunsten eines Handelns nach vorgegebenen überprüfbaren Prinzipien und Normen. Am Ergebnis und nicht an seiner persönlichen Ausstrahlung entscheidet sich, ob jemand ein guter oder schlechter Herrscher ist.“

XII Der Gehängte (mit Hierophant und Herrscher)

Ich weiß ja nicht, ob dir mein bürokratischer Herrscher gefällt, oder ob du doch lieber einen gewaltigen Herrn auf einem Thron sitzen sehen wolltest. So einen habe ich dann einen Monat später, im April 2020, in verschiedenen Fassungen gelegt. Hier sieht man ihn mit der goldenen Maske des Agamemnon breitbeinig und in Purpur gehüllt auf dem Thron des Autokrators (Kaiser, wörtlich: Selbstherrscher) sitzend. Sein Gesicht ist schwer zu erkennen, denn auch dieser Herrscher wirkt nicht aus sich selbst heraus, sondern aus dem Nimbus, der seiner Stellung verliehen wurde.

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25 Wochen – ein Objekt

Philippe ist, wie ihr wisst, unterwegs. Aber die kleine Metallfigur des Kleinen Prinzen steht zum Glück auf dem Regal, und so kann ich das „Objekt“ auch an diesem Sonntag präsentieren. Ich stellte es vor eines von Philippes Lieblingsbüchern: „Rettet Herrn Ku“ von Helen Stephens heißt es.

Es handelt von dem kleinen Ben, der eine Eule in der großen alten Buche entdeckt hat. Die Erwachsenen sehen sie nicht, was Philippe nicht wunderte. Denn was sie nicht mit den Augen sehen und mit den Ohren hören, ist für sie nicht existent. … Beinahe haben sie den Baum, in dem Herr Ku seinen Wohnsitz hatte, abgesägt, aber zum Schluss…

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Kunstbuch No 24: Geschichte en passant

Heute abend durchblätterte ich die letzte Ausgabe (174) des „The books‘ journal“. Das ist eine qualitativ hochstehende, trotz des englischen Titels rein griechische Wochenschrift mit einem reichen Repertoire an literarischen und historischen Themen.

Daraus machte ich ein paar Ausrisse von künstlerischen Illustrationen, beginnend mit den „Passanten“ von George Grosz. Ausgerissen habe ich ein Detail mit einer Dame und ihrem Hündchen. 1926 malte George Grosz das Bild, es ist also genau 100 Jahre alt.

Die Rückseite des Mini-Zine zeigt einen berühmten Landstreicher: Charles Chaplin, auch er mit einem Hund. Es ist das Plakat seines ersten großen Erfolgs, 1918: A Dog’s Life, zu deutsch: ein Hundeleben.

Passanten oder Landstreicher sind wir ja alle. Und es ist gut, wenn uns ein passender Hund zur Seite steht, in guten wie in schlechten Zeiten.

Der Streifzug durch die Geschichte führt mich auf der ersten Doppelseite zu einem finsteren Kapitel: Sie zeigt Ausrisse aus einem Bild von Eufrosinia Kersnovskaja (1908–1994). Es trägt den Titel : Begrüßung im Gulag.

Zwölf Jahre ihres langen Lebens verbrachte die Kersnovskaja in sibirischen Gulags. Was sie dort erlebte, hielt sie von 1964-68 in zwölf Notizbüchern mit 680 Bildern fest. Diese umfangreichen handschriftlichen Notizbücher wurden ab 1968 abgetippt und als Samizdats in Umlauf gebracht. 2001 wurden sie in einem sechsbändigen Werk vollständig in Russland herausgegeben.

Empfang im Gulag

Die nächste Szene führt mich ins 11. Jahrhundert: eine Gruppe arabischer Kriegsgefangener wird dem oströmischen Kaiser Romanos III (968-1034) vorgeführt. 1030 versuchte er, die Araber an der Ostgrenze des Reichs (Aleppo) zu stoppen, wurde aber bei Araz geschlagen. Zu seinem Glück wurde jedenfalls die arabische Flotte in der Adria vernichtet. Diese Szene wurde im 13. Jahrhundert von einem Miniaturenmaler aufgegriffen.

Nach dem Zeitsprung zurück nun noch ein Sprung in die Zukunft: Der Silver Surfer ist den Comic-Liebhabern unter euch ja vielleicht bekannt. Ich aber lernte ihn erst heute kennen und kann euch über die kriegerischen Abenteuer der Zukunft, die dann hoffentlich weit da draußen im Weltall stattfinden, so dass wir auf der Erde zur Ruhe kommen, weiter keine Auskunft geben.

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