Bilder-ABC und Kalenderblatt 28.9.: Ö wie Ölfläschchen (und Datumsverschiebung)

Der heutige Buchstabe in Heides Monats-Challenge ist das Ö, und da muss es natürlich etwas mit Öl geben. Ölbäume kamen ebenso in Frage wie Ölpresse, aber schließlich zog ich einen kleinen Gegenstand vor, den ich vor mich auf den Küchentisch stellen konnte: das Ölfläschchen, das ursprünglich mal Ouzo enthielt, aber seit langem als tischgerechter Behälter für unser Olivenöl dient.

Das Öl ist jetzt braungold und ziemlich dunkel. Seine frische grüne Farbe hat es seit langem verloren. Um die Farbe besser sichtbar zu machen, strahlte ich das Fläschchen von hinten mit einer kleinen Taschenlampe an. Da erst sah ich auch die Beschriftung: Ouzo 13 (keine Werbung). Das Fläschchen steht auf einem Brett aus Olivenholz.

Übrigens stellte ich heute fest, dass das Kalenderblatt das Datum 27-9 zeigt, ich also einen Tag hinterherhinke. Wie ist das möglich? fragte ich mich bestürzt. Ich habe doch täglich einen Eintrag ins Kalenderbuch gemacht und sehr aufgepasst, keinen Buchstaben zu verpassen. Also blätterte ich zurück und fand den Grund: horror vacui! Leere (Vakuum) wird in der Welt nicht geduldet, sondern immer von irgendetwas gefüllt. Ich hatte eine Seite, N = Nichts, leer gelassen, und sie füllte sich mit O = Orangen. Das kommt davon! Nichts ist eben nicht nichts, sondern ein Vakuum, das nach Füllung schreit.

NB: Geradeso ist es auch in der Politik: Wenn ein Nichts regiert, drängen sofort andere in das Vakuum.

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Lilienblüte und Feigenlaub (mit jahreszeitlichen Vergleichen und Zeichnungen)

Vor zwei Tagen hat es nächtens tüchtig geregnet. Gleich sind nicht nur Pölsterchen mit Zyklamen aus der inzwischen wieder knülltrockenen Erde hervorgeblüht, sondern auch die Lilie in meinem Vorgarten ist vorzeitig erwacht. Vier dunkelviolette hohle Stiele mit insgesamt zehn herrlichen Blüten sind aus der Knolle hervorgewachsen, alle auf einmal. Als ich sie am Mittag fotografierte, sahen sie schon ein wenig müde drein.*

Dass sie müde sind, wundert mich nicht, denn es ist immer noch sehr warm. Nur manchmal wird die warme Luft von einem kühlen Faden durchzogen, dann atme ich auf und sage: es wird Herbst.

Einen Spaziergang machte ich am Mittag, den Schatten suchend, hinüber auf die andere Seite der Schlucht. Ich wollte nach den Bäumen auf einem abgelegenen Feld sehen, das ich sehr liebe: dort stehen Orangen-, Mandarinen- und Zitronenbäume zwischen großen Olivenbäumen, auch ein doppelstämmiger Feigenbaum zieht mich immer wieder an. Unter ihm stand ich also heute mittag, schaute hinauf in sein noch recht volles Blattwerk*

und in den milden Schatten des benachbarten Walnussbaumes.

Eine einsame Zypresse in der Ferne. Dahinter liegt das von hier nicht sichtbare glitzernde Meer.

Die Ölbäume tragen hier, wo sie genügend Platz haben, riesige Kronen mit reichem Laub und unzähligen Früchten. Da wird der Stamm, der mich beim Zeichnen immer so fasziniert, fast zur Nebensache.

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*Die Lilie blühte in anderen Jahren später, so 2025 am 10. Oktober:

Ich zeichnete sie immer wieder. Hier kann man eine Zusammenschau von Fotos und Zeichnungen der Blüten in verschiedenen Jahren sehen. Alle zeigen die Lilienblüte im Oktober (8.-15.10). In diesem Jahr ist sie also zu früh erschienen.

Noch eine Lilienblüte, fotografiert am 8. Oktober 2022

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**Der Feigenbaum am 8. September 2021: Da fotografierte und zeichnete ich einen seiner starken Zweige. Das Laub war entschieden dunkler als jetzt, aber es war ja auch früher im Jahr.

Zeichnung und Foto überblendet und entfärbt:

Am 21. Dezember 2021 hatte der Feigenbaum inner boch nicht alle Blätter verloren:

Feigenbaum

Zum Abschluss noch eine alte Feigenbaum-Arabeske, gezeichnet im August 1983:

IMG_7743

 

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25 (52) Wochen – ein Objekt: Der kleine Prinz

Jeden Sonntag soll ein Objekt – in meinem Fall die kleine Metallfigur des Kleinen Prinzen – in einem anderen Surrounding erscheinen. Heute habe ich ihn vor eine merkwürdige Kohlezeichnung platziert, die ich in einer der vergangenen Nächte auf Leinwand zeichnete.

Es ist eine ziemlich düstere Szenerie, die Menschen und der Hund, sogar auch die Möwe weit oben, dort, wo eigentlich der Himmel sein sollte, sind nur als Schatten wahrnehmbar. Den kleinen Prinzen friert ein wenig, er weiß nicht, was er davon halten soll. Ich weiß es auch nicht.

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Sonntags ins Archiv: 27.9.2020, Ausflug nach Arkadien (Dimitsana und Karitaina)

Jeden Sonntag steige ich hinab ins Blog-Archiv, um zu sehen, was mich an einem Tag wie diesem in früherem Jahr beschäftigt hat. Diesmal ging ich sechs Jahre zurück, ins Jahr 2020. Da waren wir im Heimatdorf meines Schwiegervaters (den ich nicht kennenlernte): Dimitsana in Arkadien. Ein beeindruckendes Dorf inmitten der Berge, mit hoch sich türmenden steinernen Bauten, großen Kirchen und einer bedeutenden Geschichte. Dass es schon in Zeiten bewohnt war, als man ohne moderne Maschinen zyklopische Mauern aufschichten konnte, beweisen einige erhaltene Reste der antiken Stadt Tephthis. Pausanias berichtet, dass Tephthis sich am Trojanischen Krieg beteiligte und in der klassischen und hellenistischen Zeit sehr wohlhabend,  doch im 2. nachchristlichen Jahrhundert, als er es besuchte, nur noch eine unbedeutende Ortschaft war.

 

Betrachtet man die unwirtlichen Berge, das raue Klima und die steilen Abgründe, an deren Grund der Fluss Loussios schäumt (in ihm wurde der neugeborene Zeus gebadet), ist es schwer vorstellbar, wie sich hier einmal eine blühende Stadt entwickeln konnte. Und doch!

Tal des Loussios

Ich werde jetzt nicht die ganze Geschichte erzählen, sondern nur ein paar Zeichnungen zeigen von damals, als ich Dimitsana und den Nachbarort Karitaina besuchte.

Ansicht von Dimitsana

 

Ansicht von Dimitsana

Karitaina, Klosterkirche

 

Wer mehr lesen und sehen will: hier und hier und hier und hier und hier

 

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 27.9.: Ä wie Ähren (von Volk und Obrigkeit)

Der heutige Buchstabe in Heides Monats-Challenge ist das Ä. Äpfel fiel mir als erstes ein, doch habe ich in diesem Monat schon eine Apfelzeichnung gepostet. Es muss doch auch Wörter mit Ä geben, die nicht vom A abgeleitet sind? So dachte ich und fand die Ähren, die ihr Ä vermutlich der Unterscheidung von den Ehren verdanken.

Doch woher sollte ich Ähren nehmen? Hier gibt es weit und breit weder Weizen- noch Geste- oder Roggenfelder, dafür aber reichlich wilden Hafer und alle möglichen Gräser. Die meisten bilden keine „echten“ Ähren aus, wie ich von Google-KI erfuhr. Ich nahm, was ich fand und zeichnete es.

 

Echte Ähren sind dicht gepackt, jede einzelne Blüte oder die Teilblütenstände (Ährchen) sitzen ohne Stiel direkt an der Hauptachse. Bei den von mir gezeichneten Gräsern erfüllt die mittlere wohl diese Bedingung. Der wilde Hafer (links im Bild) lässt einseitig lange dünne Stiele aus der Hauptachse herauswachsen, an deren Ende die jetzt vertrockneten leeren Hüllblätter der Samen sitzen. Das Gras rechts in der Zeichnung lässt seine vielen dünnen Verzweigungen strahlenförmig aus zentralen Punkten am Stiel herauswachsen, und an den Enden gibt es tatsächlich dürftige Ähren. Die Hauptstiele wachsen ebenfalls  aus einem zentralen Punkt in der Erde. Dieses Gras ist hier allgegenwärtig, sehr hoch und licht. Ich mag es sehr, wenn es sich im Wind wiegt.

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Eine literarisch-politische Assoziation kommt mir immer beim Wort „Ähren„: das Gedicht von Wilhelm Busch „Ein dicker Sack„, mit der Endstrophe: „Sanft rauschen die Ähren: du wärst ein leerer Schlauch, wenn wir nicht wären“.

Ein dicker Sack – den Bauer Bolte,
Der ihn zur Mühle tragen wollte,
Um auszuruhn, mal hingestellt
Dicht bei ein reifes Ährenfeld –
Legt sich in würdevolle Falten
Und fängt ’ne Rede an zu halten.
»Ich«, sprach er, »bin der volle Sack.
Ihr Ähren seid nur dünnes Pack.
Ich bin’s, der euch auf dieser Welt
In Einigkeit zusammenhält.
Ich bin’s, der hoch vonnöten ist,
Dass euch das Federvieh nicht frisst;
Ich, dessen hohe Fassungskraft
Euch schließlich in die Mühle schafft.
Verneigt euch tief, denn ich bin der!
Was wäret ihr, wenn ich nicht wär‘?«
Sanft rauschen die Ähren:
»Du wärst ein leerer Schlauch,
Wenn wir nicht wären.«

Zuerst erschienen ist das Gedicht 1874 in Buschs erster reiner Gedichtsammlung Kritik des Herzens. Damals (1871) hatte das 2. Deutsche Reich gerade seinen Auftritt in Versailles gehabt, und ein preußischer König (Wilhelm I) wurde zum Kaiser und Repräsentanten der deutschen Bevölkerung jeder Couleur, mit Ausnahme der weiterhin von Habsburg Regierten. Ein einheitlicher Obrigkeitsstaat mit Armee, Polizei, Geheimdiensten und Zensur machte sich breit,  und die Industriellen arbeiteten Hand in Hand mit dieser Obrigkeit. Das führte zu einem enormen Wirtschaftswachstum und zu einer Euphorie in den bürgerlichen Kreisen, die auch durch das Malheur des 1. Weltkriegs nicht gebrochen wurde („Wir wollen unsern alten Kaiser Willem wiederham“*).

Wilhelm Busch erlebte die Gründung des Kaiserreichs, nicht aber dessen Ende (1832-1908). Mit dem Sack charakterisiert er offensichtlich die Herrschenden (Obrigkeit-Polizei-Bürokratie) und mit dem Ährenfeld die arbeitende Bevölkerung. Die Obrigkeit hält sich selbst für das Wesentliche und das Volk für sekundär. Und mehr noch: es rechnet sich zur Ehre an, das „dünne Pack“ in die Mühle zu schaffen und so einen Mehrwert aus ihm herauszupressen.

Anderthalb Jahrhunderte sind seither vergangen, so mancher Sack (Kaiserreich) wurde gegen einen neuen (Weimarer Republik) und dieser gegen einem weiteren (3. Reich) und weiteren (Besatzungsstatus, zwei deutsche Staaten, BRD) ausgetauscht. Zu allen Zeiten rühmt sich der gerade aktuelle Sack, das Eigentliche und Wesentliche zu sein, weil er die dünnen Ähren zur Mühle schafft, auf dass Mehrwert entstehe. Das Ährenfeld aber rauscht wie eh und je: „Du wärst ein leerer Schlauch, wenn wir nicht wären“.

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Ganz ernst gemeint ist die Sehnsucht nach dem „alten Kaiser Wilhelm“ wohl nicht, es handelte sich eher um einen sentimentalen Ulk, der nach dem Ende des Kaiserreichs 1918 aufkam und als „Gassenhauer“ die Runde machte.  Gesungen wurde nach der Melodie des Fehrbelliner Reitermarschs (auch Kaiser-Wilhelm-Marsch genannt). Nicht den Kriegsverlierer Kaiser Wilhelm II, sondern „den mit dem Bart“, also den Gründer des Deutschen Reichs Wilhelm I  (1797–1888)  und mit ihm „die gute alte Zeit“ wollte man zurückhaben.

 

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 25.9.: Z wie Zwiebel

Der heutige Buchstabe in Heides Monats-Challenge ist das Z. Und da kommt eigentlich nur die last-but-not-least-Zwiebel in Frage. Sie scheint mir sehr unterbewertet zu sein, ein wenig wie das Salz: Jeder braucht sie, beim Schneiden weint man, und wenn man keine im Haus hat, ist das Menü nicht genießbar. Sehr schön sind ihre Blüten (hier).

Heute, aus Athen in die Mani zurückgekehrt, legte ich drei feste Zwiebeln mit rötlich glänzender, trockener, dünner Haut auf eine zusammengefaltete Küchentischdecke und zeichnete sie  in den Kalender.

Zur Zwiebel fällt mir immer eine Anekdote ein, ich glaube, ich habe sie bei Dostojewski gelesen. Da geht es um eine Frau, die schrecklich geizig war, und als sie starb, wollten die Teufelchen sie schnurstracks in die Hölle befördern. Doch ihr Engel gebot Halt und sagte: Du hast einmal in deinem Leben etwas Gutes getan. Diese Zwiebel hier hast du einer Bettlerin geschenkt. Halte sich an ihr fest, und ich werde dich damit in den Himmel hinaufziehen. – Die Frau fasste die Zwiebel, und schon gings aufwärts. Doch die anderen verdammten Seelen, die in der Nähe waren, klammerten sich an ihre Füße und wollten mit ins Paradies. Die Frau fürchtete, die Zwiebel könne reißen, und schimpfte und strampelte, um die Mitreisenden loszuwerden. Tja, das war dann auch das Ende ihrer Himmelfahrt.

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Bilder-ABC und Kalenderblatt: Y wie Yukka

Der heutige Buchstabe in Heides Monats-Challenge ist das Y.

Von meiner Yukka auf dem Balkon ist nicht viel übriggeblieben. Die hohen Stämme habe ich abgesägt. Vorher stießen sie an die Decke des Balkons, und bei starkem Wind fiel der schwere Topf um, weshalb ich sie mit einem von einem gemusterten Laken abgerissenen Stoffstreifen an das Balkongitter gebunden hatte. Ein frischer Spross hat sich am Stumpf gebildet und wird nun übernehmen. Totzukriegen ist die Yukka bekanntlich nicht, egal, wie sehr sie misshandelt wird, sie wird immer eine Möglichkeit finden, erneut auszutreiben.

 

Das Y ist übrigens ein durch und durch griechischer Buchstabe, weshalb ihn die Römer I-graecum nannten (und die Franzosen immer noch i-grec). Über die römische Sprachbrücke gelangte y in alle Welt und wurde zum Ursprung für u, v und w, die es im Griechischen so nicht gibt.  In England bürgerte man es als why ein und spricht es je nach Kontext unterschiedlich aus, im Deutschen blieb es ein Fremdling und heißt wie eh und je Ypsilon (wörtlich: „hohes i“).

Es ist eine Besonderheit des Deutschen, diesen Fremdling „griechisch“  (nach Erasmus von Rotterdam) auszusprechen, während y für die Griechen selbst längst zum i und in Vokalzusammensetzungen zum weichen v geworden ist.

  • deutsch> Hydra    / griechisch > ΥΔΡΑ/Ύδρα (Ιdra)
  • deutsch > Europa / griechisch > ΕΥΡΩΠΗ/Eυρώπη (Evropi).

Deutsche Wörter mit Y im Anlaut sind nicht aus dem Griechischen, sondern auf langen Umwegen über die englische Sprachbrücke zu uns gekommen sind. Dieses Y englischen Ursprungs wird bekanntlich nicht als i, sondern als j (wie in yes) ausgesprochen. Viele Wörter  sind es nicht: Yacht, Yoga, Yin und Yang, Yak und Yukka, Yen und Yeki.  Mit dem i-grec, dem Ypsilon, haben diese Wörter nichts mehr zu tun.

Es gibt eine Theorie, nach der Pythagoras (7.-6. Jh. v. Chr.) das Y in das griechische Alphabet eingefügt hat. Ob das stimmt, wird heute bezweifelt. Zugeschrieben wird ihm aber eine Parabel, die Gabel des Pythagoras oder Furca Pythagorica genannt, in der das Ypsilon zum ethischen Symbol wird: Der relativ kurze senkrechte Strich des Y bedeutet die Kindheit. In der Jugend kommt der Mensch an einen Punkt, wo er sich entscheiden muss: gehe ich den breiten bequemen Weg nach links zu Wohlstand und Ansehen? oder nehme ich die  schmale Abzweigung nach rechts, um den mühevollen Weg der Tugend, Weisheit und Gottgefälligkeit zu beschreiten? Die christliche Theologie hat diese Parabel dann noch tüchtig mit Himmel und Hölle ausgeschmückt.

Pythagoras ist aber vor allem als Mathematiker auf uns gekommen. Nach ihm wurde das x zur Bezeichnung der wagrechten, und das y der senkrechten Achse jeder geometrischen Darstellung.

 

 

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Bilder-ABC uund Kalenderblatt 24.9.: X wie Xerophyten (Sukkulenten)

Nach dem wässrig-wonnigen W kommt nun das trockene X (ξερό / xero heißt auf griechisch trocken) in Heides Monats-Challenge

X gibt es im Deutschen nicht als Anfangsbuchstabe, im Griechischen aber wohl, und da viele Wörter, insbesondere als wissenschaftliche Bezeichnungen, ins Deutsche übernommen wurden, findet man eben doch ein paar X-Wörter. Am geläufigsten ist wohl das Xylophon – wörtlich: Holzstimme. Gerhard zeigte eine Schwebfliege mit Namen Xanthogramma – wörtlich: Blondbuchstabe. Und bei mir sind heute die Xerophyten angesagt – wörtlich Trockenpflanzen. Das ist eine Gruppe von Pflanzen, die auch bei extremer Trockenheit eine Chance haben zu überleben.  Und so haben sie auch den Balkonsommer ohne Wasser hier überstanden.

Ich pflückte zwei Stängel ab, stellte sie in eine Marmordose, die sich auf meinem Schreibtisch herumtreibt, stellte den Deckel und den verwandten Marmorkerzenständer dazu, nahm auch eine metallene Dose mit Emaille-Mosaik ins Blickfeld und zeichnete alles in den Kalender.

Die Xerophyten sind erstaunliche Wesen, und es ist sicher gut, sich näher mit ihnen bekannt zu machen. Denn wer weiß, wie sich das Klima noch verändern wird. Bei uns wars die abgestellte Bewässerungsanlage, die den Unterschied zwischen Xerophyten und ihrem Gegenteil leider sehr deutlich machte. Auf der Gegenseite gibt es die Hygrophyten wie die Sumpfdotterblumen, Farne und Buschwindröschen  (υγρός / hygros bedeutet feucht) und die Hydrophyten wie die Seerosen (ύδωρ / hydor ist das altgriechische Wort für Wasser) und eben auch die Xerophyten oder Trockenpflanzen, die fast ohne Wasser auskommen.

Beispiele? Kakteen und kleine Sukkulenten, die Teppiche bilden, aber auch ein Oleander haben die drei Monate ohne Wasser auf meinem Balkon überlebt. Ein Oleander ist ganz abgestorben, beim anderen sind nur die höheren Zweige und Blätter verdorrt, die der Wurzel näheren Blätter sind grün geblieben. Aloe Vera, Oleander und Kiefer (Pinie) habe ich im Mani-Garten. Wolfmilchgewächse wachsen überall in der Mani-Landschaft. Sie überleben problemlos ohne Bewässerung. Auch der Mandelbaum braucht kein Wasser. Darüberhinaus gibt es natürlich noch viele andere Pflanzen, die die heimische Macchia bilden, darunter viele mit starken ätherischen Ölen.

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 23.9.: Wählen, aber was? Walnuss, Weintraube, Weißkohlsalat oder Wassermelone?

Der heutige Buchstabe für Heides Monats-Challenge ist das W. Das W ist im Deutschen ein sehr reicher Buchstabe, man kann leicht in seinem Wohllaut ertrinken: Ob Wald, Wasser und Welle, Wein, Wunder, Wandern und Witz, Werden, Wollen und Wünschen … das W: stimmhafter labiodentaler Reibelaut, den der Atem weich zwischen Lippen und Zähnen hervortreibt, will Wind und Woge werden.

Oder es wird zur Frage: wo, wann, wer, wie, was, wohin, weshalb, warum? Wählen, aber wen? Zum Glück standen für mich heute nur verschiedene Nahrungsmittel zur Wahl – und anstatt zu wählen, nahm ich sie alle:

  • Weißkohlsalat – oder genauer: bunter mazedonischer Salat aus vergorenem Weißkohl und winzigen Stücken Karotte, rote und grüne Paprika, Kapern. Den aßen wir heute im Imbiss, es blieb etwas übrig, und der Wirt füllte den Rest in eine Einweg-Schale für zu Hause.
  • Wassermelone. Die holte ich im Supermarkt. Es ist eine recht kleine, denn wir sind nun wieder nur zu zweit. Mein Mann wollte eigentlich lieber eine Honigmelone, ich aber dachte an das W und wählte diese.
  • Walnüsse: sie lagen samt einer Füllschaufel in einem Kasten und forderten mich auf: wähle uns! Wir sind gut fürs Hirn, und überhaupt … Also füllte ich ein paar in eine Tüte und nahm auch sie mit.
  • Weintrauben: Sie wurden als „biologisch“ angepriesen und waren die letzten im Obstregal. Ein wenig bleich sahen sie aus, aber ansonsten gesund. Konnte ich widerstehen?

Alle diese wunderschönen Waren wurden mein. Zu Hause arrangierte ich sie auf dem Balkontisch und zeichnete sie.

 

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Dienstags-Drabble: Der Prinz schreibt an Wortman

Dienstag ist Drabbletime. Torsten aka Wortman  hat dafür diesmal die Wörter Prinz – Objekt – regulieren vorgegeben. Als ich das las, dachte ich: na so was! Denn Torsten hat ja Anfang Januar noch ein anderes Projekt gestartet: 25 Wochen – ein Objekt, an dem ich mit meinem „kleinen Prinzen“ teilnahm. Seither versuche ich, an jedem Sonntag ein Foto mit dem Kleinen Prinzen zu posten. Nun bin ich aber ohne ihn nach Athen gereist. Was tun? Ich berichtete dem Kleinen Prinzen von dem Malheur, und er schickte mir folgenden Brief, den ich, bitte, dem Torsten weitersenden solle.

 

 

Der Brief des Kleinen Prinzen an Torsten Wortman

 

In diesem Jahr, so regtest du mal an,

Soll ein Objekt die Sonntage begleiten.

Ich sagte zu, beteiligte mich dran,

Und füllte brav schon viele Sonntagsseiten

*

Ich stellte mich in etliche Surroundings

sei es am Meer, mit Katzen und in Gärten,

mit allem, was für Prinzen und für Kings

geeignet ist und wir zu Recht verehrten.

*

Soweit, so gut. Doch bin ich jetzt nicht hier

Und diesen Sonntag konnt’ ich mich nicht zeigen.

Drum schreibe ich nun diesen Brandbrief dir

Anstatt wie sich’s gehört, zu schweigen.

*

Kannst du die Woche anders regulieren?

Ich möchte meinen Status nicht verlieren!

                                                                                   Philippe, Prinz

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