25 Wochen – ein Objekt: Eine Sonnenuntergangs- und Mondaufgangs-App

Jeden Sonntag gilt es, ein und dasselbe Objekt in einem neuen Surrounding zu zeigen. So will es das von Wortman angeregte Fotoprojekt. Ich habe die kleine Skulptur des Kleinen Prinzen erkoren, dieses Objekt zu sein.

Der blaue Maimond und die Sehnsucht des Kleinen Prinzen haben mich zu meinem heutigen Bild angeregt.  Ihr wisst es ja wohl: Der kleine Prinz liebt Sonnenuntergänge. Saint-Exupery erzählt uns das so:

Dieses Detail erfuhr ich am Morgen des vierten Tages, als du mir sagtest:

  • „Ich mag Sonnenuntergänge. Lass uns einen Sonnenuntergang anschauen…“
  •  „Aber man muss warten …“
  • „Worauf denn warten?“
  • „Darauf, dass die Sonne untergeht.“

Warten? Das ist natürlich eine dumme Sache, wenn man ein sehnsuchtsvolles Kind ist. Aber vielleicht gibt es ja eine Lösung? Da ist doch noch die Geschichte mit dem universellen Herrscher auf dem kleinen Asteroiden. Der kleine Prinz fragt ihn

  • „Hoheit … worüber herrscht Ihr?“
  • „Über alles“, antwortete schlichtweg der König.
  • „Über alles?“

Mit einer taktvollen Geste zeigte der König auf seinen Planeten, auf die anderen Planeten und die Sterne.

(…)

  • „Und auch die Sterne gehorchen Euch?“
  • „Natürlich“, sagte der König. „Sie gehorchen aufs Wort. Ich toleriere keinen Ungehorsam.“

Der kleine Prinz bewunderte solch eine große Macht. Wenn er sie selbst besäße, könnte er nicht nur vierundvierzig, sondern zweiundsiebzig oder gar hundert oder zweihundert Sonnenuntergänge an einem Tag sehen, ohne nur ein einziges Mal seinen Stuhl zu verrücken! Und weil er ein wenig traurig war, beim Gedanken an seinen verlassenen Planeten, fasste er Mut und bat den König um einen Gefallen:

  • „Ich würde so gerne einen Sonnenuntergang sehen … Macht mir die Freude … Befehlt der Sonne, unterzugehen …“

Der universelle Herrscher erklärt dem Kleinen Prinzen sehr anschaulich, dass er nur vernünftige Befehle erteile. (…)

  •  „Wie steht es also um meinen Sonnenuntergang?“, fragte nochmals der kleine Prinz, der niemals von einer Frage abließ, wenn er sie einmal gestellt hatte.
  • „Du bekommst deinen Sonnenuntergang. Ich werde ihn anordnen. Aber da ich zu regieren verstehe, werde ich abwarten, bis die Umstände günstig sind.“
  • „Wann wird das sein?“, wollte der kleine Prinz wissen.
  • „Hm. hm!“, antworte der König und schaute zunächst in einen dicken Kalender. „Hm! Hm! das wird um … um … es wird heute Abend um sieben Uhr vierzig sein! Und du wirst sehen, wie man mir gehorcht.“

So also speiste man den Kleinen Prinzen ab. Warten, bis die Umstände günstig sind! Nein, das ist eine sehr altmodische Erziehungs-Auffassung, die kann ein moderner Mensch so nicht gelten lassen. Heute wollen wir (und können es glücklicherweise auch) alles mit einem Knopfdruck bzw Befehl erledigen. Und ich beschloss, dem Kleinen Prinzen eine Sonnenuntergangsapparatur (App) zu malen, die ihm jederzeit soviele Sonnenuntergänge erzeugen würde, wie sein Herz begehrt.

Kaum hatte ich mit dem Malen begonnen, stieg der blaue Maienmond über die Gartenmauer und rief mir zu: Und ich? Ja warum sollte die App nicht auch Vollmondaufgänge ermöglichen? Sonnenuntergang plus Vollmondaufgang zu jeder beliebigen Tages- und Nachtzeit und dazwischen unsere liebe Erde… Das würde dem Kleinen Prinzen bestimmt gefallen.

Oder etwa nicht? Was meinst du?

 


Die kursiv gesetzten Passagen sind wörtliche Zitate aus Antoine de Saint-Exupéry, „Der kleine Prinz“, nach der Übersetzung von K. Strassenburg.

 

 

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Die Mai-Kalenderblätter im Überblick (Blühendes)

Hier habe ich alles im Mai in den Kalender gezeichnete Blühende zusammengestellt – vom letzten zum ersten Mai rücklaufend. Es war ein freude- und blütenreicher Monat, weder zu heiß noch zu kalt, weder zu trocken noch zu nass. Also alles bestens.

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Sonntags im Archiv: Das Leben kann leicht sein

Jeden Sonntag steige ich hinunter in den Brunnen der Zeit, um herauszufischen, was mich an einem Tag wie diesem in einem früheren Jahr beschäftigte. Dieses Mal stieg ich bis ins Jahr 2015 hinab – der Mai 2015 war der erste Monat meiner Bloggerei. Und was schrieb ich an jenem Tag vor 11 Jahren? „Life can be easy“.

Damals glaubte ich das wohl tatsächlich, auch wenn ich ein gefürchteter Miesepeter und Schwarzseher bin. Ich legte eine Kleinstadtszene …

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und kommentierte:

Ja, das Leben kann auch leicht sein. Die Sonne gleicht dann einem Spiegelei, und die Hunde machen Bekanntschaft. Die junge Frau fühlt sich jung und sympathisch, weil sie mit der komischen Alten ein Wörtchen wechselt und das Söhnchen ihr noch, wenngleich widerstrebend, folgt. Die Alte ist froh, dass ihr der Ausgang auf ihren mürben Beinen noch möglich ist, und der Alte schiebt sich und seine Gedankenwelt im Gefühl der Überlegenheit durch die Kleinstadtstraße. Die Dächer sitzen schützend auf den Häusern, und wenn man genau hinsieht, entdeckt man auch die Schwarze Katze – oder sind es gar zwei? – auf dem First neben dem Schornstein. 

Ja, so kann man es sehen. Man kann es natürlich auch anders sehen: Die Sonne ist zu heiß, die Hunde wollen machen Ärger, die junge Frau wäre froh, wenn die Alte sie nicht mit ihrem Geschwätz aufhielte, und dem Söhnchen ist es höchst peinlich, dass er sich vor seinen Freunden lächerlich macht….

Ich aber wollte dem Leben in einer deutschen Kleinstadt (das ich sehr gut kenne) an jenem 31. Mai nur Gutes abgewinnen, um dann eine Mahnung anzuhängen.

O schöne friedliche Welt! Lasst sie uns ehren! Denn so mancher ist aus ihr vertrieben und irrt heimatlos durch fremde Länder, fremde Städte.

Flüchtlinge

Auf dem Legebild sieht man ganz unten (leider abgeschnitten) einen jungen Mann träumen von einer Welt, in der die Mühseligen und Beladenen mit einem herzlichen Welcome begrüßt werden.

Es war einmal…

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Kalenderblätter 28.-31.Mai: Blühendes

Der Mai, der Mai, der lustige Mai – dies Wocheende darf er noch bleiben, aber ich höre schon am Rauschen seiner Flügel, dass er sich zum Abflug bereitet. Und so habe ich die letzten Mai-Kalenderblätter fertiggestellt.

 

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„The Tube“, (Gefesselte Linien, Kohlezeichnung)

Gestern habe ich unter dem Eindruck meines Kunstbuchs über „gefesselte“ Linien noch weitergezeichnet, und zwar mit Kohle auf Billigpapier von der laufenden Rolle. Es hängt als lange Bahn über der Staffelei, und immer, wenn mir etwas einfällt, hinterlasse ich darauf Notizen. Gestern wurde aus den Notizen eine komplette Zeichnung,  die ich „The Tube“* (die Röhre) betitelte. Ein düsterer Ort.

Die winzigen Menschen sind, im Gegensatz zum Bauwerk, Linien in freier Bewegung.

*Die Londoner nannten (und nennen) den unterirdischen Verkehrsweg, der sich mit sehr engen röhrenförmigen Tunneln wie ein Maulwurf durch den Untergrund der Stadt buddelte,  „The Tube“ – die Röhre. Sie ist die älteste Untergrundbahn der Welt.  Der erste Streckenabschnitt wurde am 10. Januar 1863 als unterirdische, mit Dampflokomotiven befahrene Eisenbahn eröffnet.

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Kunstbuch 76: gefesselte Linien

Nach dem freien Spiel der Linien (siehe Kunstbuch 75) machte ich einen Versuch mit „gefesselten Linien“. Die dürfen nicht tun, was sie wollen, sondern müssen sich einem Prinzip unterordnen. Ich habe Gerade und gebogene Linien kombiniert und seriell über das Blatt verteilt, so dass sich regelmäßige Muster bilden.

Aufgeblättert:

 

Den gefesselten Charakter der Linien, der sich eine Art mechanisch-eiserner Welt schafft,  habe ich durch die Farbwahl unterstreichen wollen.

Ich finde, dass der Gegensatz zwischen den Kunstbüchern 75 und 76 deutlich macht, wie unterschiedlich freie und gefesselte Linien funktionieren.

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Kunstbuch 75: freie Linien (Paul Klee)

Ich lese mal wieder in Paul Klees „Pädagogischem Skizzenbuch“, das ich in einer schönen kleinen Edition von Florian Kupferberg, 1965 besitze. Die Erstausgabe erschien 1924 im Rahmen der Bauhaus-Veröffentlichungen. Mein Exemplar ist zwar etwas durchweicht, aber zum Glück ist der Wasserschaden auf den Umschlag beschränkt.

Im Juni will ich die Lektionen des Büchleins in meinem Kalenderbuch durchnehmen, um gründlicher zu verstehen und auf meine Art umzusetzen, was Klee über Linien, Flächen, Strukturen, Perspektiven usw seinen Studenten zu sagen hatte.

Um mich schon mal anzuwärmen, habe ich mich heute durch Kapitel I,1, Figur 1 zu einem Mini-Kunstbuch anregen lassen. Sie zeigt eine frei schwingende Linie. Die Legende sagt: „Eine aktive Linie, die sich frei ergeht, ein Spaziergang um seiner selbst willen, ohne Ziel. Das agens ist ein Punkt, der sich verschiebt.“

Eine frei spazierende Linie – was gäbe es Passenderes für diese schönen letzten Maientage! Ich ließ den dicken Filzstift über die winzigen Blätter des Mini-Zines laufen, wie sie wollten. Danach nahm ich meine Buntstifte.

 

Der Reihe nach (die Farben sind in Wirklichkeit viel wärmer und lebhafter)

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Kalenderblätter: Blühendes, 17.-27.5.

Etliche neue Blätter sind entstanden. Das Papier des Kalenders ist leider nicht besonders gut für Blühendes geeignet, und so bleibt es oft bei zeichnerischen Notizen, die auf bessere Ausführung warten.

 

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Darf ich vorstellen? Die Überlebenden

Es waren mal vier. Dann waren wir zwei Wochen lang weg. Inzwischen haben sich zwei gezeigt: ein einfarbig goldenes und ein sehr putziges dreifarbiges Mini-Kätzchen. Sie leben zwischen der verfallenden Gartenbank und der Rosmarinwand. Näher ran konnte ich nicht.

Herangezoomt. Da sieht man auch das Loch, das sich vor Jahren Holzbienen als Demozil erschufen, und das seit langem iunbewohnt ist.

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Seemanns Garn (Drabble, kata-strophisch)

Wortmans Wörter für die heutige Drabble-Runde lauten Pilot – cool – Qualle. Wie lässt sich mit genau hundert Wörtern ein Text zusammenreimen, in dem die drei Wörter vorkommen? Das ist die Frage. Meine Antwort: Seemannsgarn.

 

Seemanns Garn

Zum „Käpten Qualle“ hieß die Schenke

An die ich manchmal gerne denke.

Der Kapitän hieß richtig Hein

Und trank nicht gern als Mensch allein

*

Er hockte fett auf seinem Hocker

Leert’ an zehn Gläser Schnaps ganz locker

Und fiel er runter von dem Stuhl

Dann fanden das die Leute cool

*

Sie halfen ihm, auf der bequemen

Und weichen Eckbank Platz zu nehmen

und baten ihn, sein Garn zu spinnen

als er Pilot war bei den Finnen

*

Am Ende hörtest du ihn lallen

Von Seegespenstern glatt wie Quallen

Dann wusste jeder, gleich ist Schluss.

Wer doch noch blieb, der hätt’ Verdruss.

 

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