Dienstags-Drabble (2): Abendritual

Was dem Morgen recht, ist dem Abend billig! Nach Hildchens Morgenritual reiche ich den Stab weiter an Friedhelm und sein Abendritual. Wieder verwendete ich die drei von Wortman gespendeten Wörter Ritual – friedlich – erblühen für ein unkatastrophisches Reimgedicht von 100 Wörtern.

Nach des Tages schweren Mühen,

Wenn verblüht, was früh erblühte,

Und was zu tun war, ist vollbracht,

Freut sich Friedhelm auf die Nacht.

*

Schaut mit einem letzten Blick

Auf den Tageslauf zurück.

Ob gut, ob schlecht, ist piepegal!

Rückschau ist sein Ritual.

*

Den Tag noch einmal zu beschauen

Das hilft ihm, alles zu verdauen.

Und ists verdaut, kann er gut schlafen

Wie’s Schifflein in dem sich’ren Hafen.

*

Er schließt ganz sacht die Augenlider

Und findet in sich alles wieder

Was so im Tageslauf geschah.

Und friedlich sagt er zu sich: Ja.

*

Das wars, und alle Sorgen

Ruhn nun bis morgen.

 

Die Bilder habe ich mithilfe einer Schnipselspende von Bruni gestaltet.

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Dienstagsdrabble: Morgenritual

Die fürs heutige Drabble von Wortman gespendeten Wörter (Ritual – friedlich – erblühen) verlocken mich dazu, einmal nicht mit kata-strophischen, sondern mit fein gereimten lebens-freundlichen Versen zu antworten.

Hildchen findets ideal,

Mit nem Morgenritual

Sich das Aufstehn zu versüßen

Und die Sonne zu begrüßen

*

Wenn sich noch nicht sehr viel tut

Und die Welt noch friedlich ruht

Öffnet sie schon weit das Fenster

Und vertreibt die Nachtgespenster.

*

Schaut hinaus und reckt die Glieder

Horcht gespannt auf Vogellieder

Atmet tief die frische Luft

Und den frischen Rasenduft.

*

Weht der Wind aus Nord od Süd?

Ist die Lilie schon erblüht?

Hat der Nachbarskater schon

Bezogen seinen Aussichtsthron?

*

Ist alles so, wie es sein soll

Ist ihr Herzchen freudevoll

Und sie spricht mit frohen Sinnen:

Jetzt kann auch mein Tag beginnen.

 

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Impulswerkstatt Bild 1: Mit dem Fahrrad unterwegs

Die Zeit, dass ich die Welt per Fahrrad erkundete, ist längst vorbei, aber einst war das Fahrrad für mich gleichbedeutend mit Freiheit. Und so unterwarf ich mich als Jugendliche einem sehr strengen Sparprogramm, um in den Besitz eines Fahrrads zu gelangen. In den Ferien sammelte ich die von den erntenden Frauen vergessenen Kartoffeln im Sack (5 DM konnte man am Tag verdienen) oder füllte Erbsten in Konservendosen  (0.50 DM Stundenlohn für uns, 1.50 DM für die Frauen), bis ich nur noch von Erbsen träumte. Langsam, sehr langsam kam die Summe zusammen, die ich brauchte, um ein Tripad-Fahrrad (mit drei Gängen!!) zu kaufen. Das war, wenn ich mich nicht irre, 1957, und ich war 15. Das Tor zur Welt war aufgestoßen.

Na ja, so weit, wie die heutige Jugend mit ihren Fahrrädern kommt, kam ich nie. Das äußerste waren Touren nach Kiel oder Lübeck, 70 km entfernt. Was darüber hinausging, erledigte ich per Anhalter. Doch blieb das Fahrrad mein wichtiger Begleiter, machte jeden Umzug mit, bis es mir schließlich geklaut wurde.

Mein deutscher Neffe und auch mein britischer Großneffe sind Großmeister im Durchqueren von Kontinenten per Fahrrad. Ersterer durchfuhr allein ganz Australien und überstand eine Fahrt von Kanada bis nach Feuerland. Beide haben mich schon mal per Fahrrad besucht, der eine kam „einfach mal“ in Athen vorbei, der andere kam mit Freundin vom Nordkap herunter in die Mani, um Europa einmal von Norden nach Süden abzufahren. Wir waren die letzte Station vor Kap Tainaron, von wo es dann in die Unterwelt geht (hier).

Diesen jungen Menschen ist kein Gebirge zu hoch, kein Fluss zu reißend, keine Wüste zu dursttreibend – sie müssen hindurch. Nur das Meer …Ja, das Meer setzt ihrem Fortbewegungsdrang dann doch eine Grenze.

Dies ist ein Beitrag zu Myriades „Impulswerkstatt„.

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Kalenderblätter 13.6., Klees „Pädagogisches Skizzenbuch“: Turmbau.

Ja, ich weiß, ich hänge sehr hinterher mit den Kalenderblättern, und das wird auch so bleiben. Denn ich möchte nicht mehr als ein Blatt täglich vorstellen. Also habe ich mir folgendes ausgedacht:

Ich werde im Juli „ernten“, was ich im Juni „gesät“ habe, indem ich zu jeder Juni-Lektion ein freies Bild in den Juli-Kalender zeichne. Hoffentlich geht es mir da nicht so wie mit meinem Garten, wo selten das aufgeht, was ich gesät habe. Meistens ist es nur allerlei Unkraut, das es gut mit mir meint. Aber egal, Unkraut ist besser als Öde.

Heute ist die letzte Seite der von Klee so genannten „statischen Angelegenheit“ dran. Ich erinnere an den Eintrag vom 7.6., da steht der bedeutungsvolle Satz: Die Senkrechte bedeutet gerader Weg, aufrechte Haltung oder Stand des Animals. Die Waagrechte bedeutet seine Höhe, seinen Horizont. Beide sind ganz diesseitige, statische Angelegenheit. 

Darüber habe ich ein bisschen gegrübelt. Wieso sind Lot/Stand und Waagrechte/Horizont „diesseitig„? Inzwischen ist mir aufgegangen, was Klee damit meint (hoffentlich): Sie sind für uns als Erdenbewohner gültig. Offenbar gibt es in der Kunst darüberhinaus noch anderes „Nicht-Statisches“ zu entdecken.

Der Turmbau ist ein eindringliches Beispiel für die „statische Angelegenheit“.

meine Tarotkarte „Turm“

Klee macht dazu ein paar elegante Zeichnungen, die ich in meinen Kalender vergöbert übertrage, um sie besser zu verstehen.

Das Prinzip dieses Turmbaus: auf einen Grundstein setzt man einen größeren Stein I, wobei die rechte Seite mit dem Grundstein abschließt, die linke diesen aber überragt. Natürlich droht der Stein I nach links zu kippen und zu fallen. Also setzt man fluggs einen gleichgroßen Stein II auf Stein I, der nun auf der linken Seite mit dem Grundstein abschließt, aber auf der rechten Seite herausragt. Das bedeutet: Ausgleich und neue Störung, diesmal nach rechts. So gehts immer weiter: Um das Kippen in die eine Richtung auszugleichen, setzt man einen gleichgroßen Stein drauf, doch leider ist es immer zu viel des Guten,  die Konstruktion kippt dann in die andere Richtung. Stabilität kann man so nicht erreichen. Wie denn aber? Nun, durch einen Schlusstein, der auf der Achse des Grundsteins liegt.

Verbindet man alle Drehpunkt miteinander, ergibt sich eine gleichmäßige Zickzacklinie.

Ich hätte es gern ausprobiert, aber die „Steine“, die mir zur Verfügung stehen, sind Bücher, und die sind alle verschieden groß und schwer.

Ich verstehe aber das Prinzip: das Gewicht des Schlusssteins wirkt wie ein Nagel (Lot), der (ideal gedacht) alle Steine und den Grundstein durchbohrt und bis zum Erdmittelpunkt reicht. Dadurch werden die gleichmäßig überragenden Steine in der Waagrechten gehalten und das ganze Gebilde kippt nicht.

Lot und Waage sind „Symbole des statischen Gebiets“ – so fasst Klee dieses Kapitel zusammen und leitet zum nächsten über. „Das Lot richtet sich nach dem Erdmittelpunkt, wo das irdisch-gebundene Schicksal verknüpft ist.“  Womit nun auch klar wird, was er mit „diesseitig“ meint: das irdisch-gebundene Schicksal.

„Es gibt aber auch Regionen mit anderen Gesetzen und neuen Symbolen, gelösterer Bewegung und beweglicherer Örtlichkeit entsprechend“. 

Aha! Man darf gespannt sein, wie er diese Wahrnehmung zeichnerisch umsetzt.

Tarotkarte „Turm“, zusammenbrechend

 

 

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Kleine-Prinz-Figur in der 26. Woche (einer Freundin gewidmet)

„25 Wochen – ein Objekt“ war ein von Wortman angeregtes Projekt. Es ging darum, jeden Sonntag ein Foto von immer demselben Objekt in neuem Surrounding zu posten. Nun sind wir in der 26. Woche – und ich habe Lust, noch ein wenig weiterzumachen.

Den heutigen Eintrag widme ich dir, liebe Freundin, in der Hoffnung, dass wir beiden  uns bald wieder im Cafe des Yachtclubs von Kalamata treffen werden – dort, wo diese Zeichnung entstand, während wir uns unterhielten. Wie lange ist das her? Ein Jahr vielleicht.

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Impulswerkstatt, Bild 2: Algen (Sonntags im Archiv)

Wenn mir nichts einfallen will, liebe Myriade, schaue ich in mein Archiv, ob ich da vielleicht eine Anregung finde. Und heute, am Sonntag, ist sowieso Archivtag. Ich gab also, ohne mir große Hoffnung zu machen, das Wort „Algen“ ein. Und siehe da! In jedem Jahr gibt es einen Text über/mit Algen.

Wenn ich esrecht bedenke, ist das so wunderbar nicht. Denn Algen gibt es überall, wo es Meer gibt. Algen sind  daher untrennbar mit meiner Kindheit an der Ostsee verbunden, und ich vermute, dass auch die folgenden Strophen aus dem kleinen Welttheater davon inspiriert waren.

Im Februar 2023 fragt Trud, die ewig Fragende, wie sie der blinden Dichterin Domna den Anblick beschreiben soll, der sich vor ihnen auftut:

Trud

Wie soll ich nur die rechten Worte finden?

Wie dies beschreiben einer Blinden?

Riechst du den Meereswind mit Algenduft, dem Süßen?

Fühlst du den weichen Sand wohl unter deinen Füßen?

Hörst du den Möwenschrei durch Lüfte gellen?

Vernimmst das Meer auch, das mit seinen Wellen

den Strand bespült und kleckert klickert leise

auf seine unnachahmlich wunderbare Weise?

Schmeckst du wohl auch den salzig-bittren Wind

und fühlst die Böen, wenn sie stärker sind?

Als Dora sich am 1. Januar 2022 mir für ein ganzes Jahr zugesellt, gehen wir zum üblichen Neujahrsbummel an den Strand.

Dora hatte alles wunderbar eingerichtet: die Sonne schien (…),  das Meer, das der Küste in stürmischen Nächten arg zugesetzt hatte, rollte zufrieden glänzend in seinem Bett – eine Menge Schwemmholz wartete darauf, von mir eingesammelt zu werden, um den Kamin anzuheizen (…), ein alter Mann erklärte uns geduldig, wie er die Algen, die er am Strand sammelte, als Bodendünger zubereitete … 

Auch an anderer Stelle ist im Welttheater, März 2023. von Algen die Rede: Das Kind Clara und die Jugendliche ewig hungrige Jenny treffen die blinde Dichterin Domna, und die fragt besorgt:

Da seid ihr ja, ihr lieben Kleinen,

Ich hatte euch schon fast vergessen.

Wo wart ihr denn? Fast will mir scheinen

ihr hattet heut noch nichts zu essen? 

Die pfiffige Jenny antwortet:

Genau! und so weit ich hier sehe

gibt es bei dir kein Omelett

Es bleibt zum Essen nur Kaktee

mit ein paar Algen ist΄s komplett.

Kaktus mit Algensoße – das Menu der Habenichtse. Zum Glück hat Göttin Hera ein Einsehen: Kinder brauchen eine ordentliche Mahlzeit.

Mein nächster Fund ist vom Januar 2024.  Der Text ist überschrieben: Das Meer – die menschliche Seele.

Vorgestern leuchtete das Meer blau und war klar bis zum Grund. Die Strahlen der untergehenden Sonne machten es zum vergoldeten Spiegel. (…)

Heute Nacht verstärkte sich der Sturm und wühlte das Meer auf bis zum Grund  Heute rollt es in schweren Wellen an den Geröllstrand, und mit ihm rollen Steine, Algen, Sand. Aus ist es mit der Transparenz. 

Im Januar 2018 wieder Algen, diesmal am Strand der „Kuhbauch“ genannten Bucht von Gialova, an der messenischen Westküste:

Das Rund des „Kuhbauches“ mit seinem Rand aus Sand und glänzenden dunklen Algen wandern wir ab, ersteigen auch eine der hohen Dünen. 

Im August 2018 schrieb ich Sommerpausenintermezzo-Kata-strophen über einen Unterwasserkönig, die folgendermaßen beginnen:

Nacht am Hafen,

alle schlafen

psss-schh-pssss schhh-pssi-schuu

es schläft der Pa, es schläft die Mu.

Doch den Unterwasserkönig,

den kümmert das herzlich wenig.

Schon taucht sein Algen-Haupthaarschopf,

sein silbern glänzender Schuppenkopf

aus dem schillernden Hafenbecken

lautlos, pl-pl, er will keinen wecken.

Im September 2017 besuchte ich das Burtzi von Methoni, einer venezianischen Hafenstadt an der Spitze des ersten Fingers der Peloponnes.

Die Lichtreflexe, die wie helle Tropfen an den Wänden funkelten, machten mir Spaß, erinnerten mich an die Schweißperlen, die hier früher flossen. Oder sind es Reflexe einer noch älteren Zeit, als in diesen Wölbungen, so vermute ich, das Christentum nach byzantinischem Ritus feierte? Heute ist das Gemäuer grünfleckig, vielleicht von Algen.

 

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Im Mai 2016 machte ich einen Ausflug in Attika. Ich fuhr bei stürmischem Wetter über das Pendelikongebirge und …

Endlich die Küste, das Meer. Seine Frische, seine Bewegung, sein Rauschen. Der Wind treibt trockene Algen und Sand vor sich her.

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Danke, liebe Myriade, dass dein Algenfoto mich zu dieser Rückreise inspiriert hat.

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Ein Segelboot-Bild – Tag und Nacht

Dies Segelbootbild hatte ich, als ich nach Athen fuhr, in einem halb fertigen Zustand zurückgelassen.

Heute Nacht, wieder zurück, hatte ich Lust, noch ein paar Pinselstriche zu machen. Und so wurde es dies:

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Vom Balkonleben zum nächtlichen Garten

Heute mittag machte ich noch die letzten Fotos vom Balkon hinunter zur arg verwachsenen, aber nun wieder glänzend grünen Pinie im Garten und auf den Athener Vorort Maroussi, in dem ich die letzten drei Tage verbrachte.

Ein letzter Blick auch auf den Kaktus, der mich mit seinen wunderbaren Blüten begrüßt hatte. Zum Vergleich die drei Stadien der Blüte am Dienstag – am Mittwoch – heute.

Nun bin ich wieder in der Mani, schwamm auch eine Runde unter dem Mond und saß im Garten. Ich mag das Geflimmer des Lichts von Straßenlaterne und Mond, das dem Garten ein geheimnisvolles Flair gibt.

Nicht ganz so romantisch sieht es aus, wenn ich aufstehe, denn dann geht eine Lampe an, die, mit Sonnenbatterie betrieben,  die Haustür bewacht. Daher sieht man auch meinen Schatten.


Gute Nacht allseits.

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Symptosi (Zufall). Mehr zu Kairos und was heute geschah.

Ist es Zufall*, dass  sich in meinem Leben gerade „Die-Welt-ist-klein“- Erlebnisse häufen? Oder geschieht das, weil sich Lebensfelder nach Mustern ordnen und ich nach solchen Mustern Ausschau halte?

Ich erzählte im Mai, dass eine ehemalige Schülerin von mir Kontakt zu mir aufnahm ausgerechnet an dem Tag, als ich aus der Mani nach Maroussi kam. Beim anschließenden Spazierengehen stellten wir die merkwürdigsten Übereinstimmungen im Leben fest (hier). Wir hatten, ohne voneinander zu wissen, jahrelang in geistigen und sozialen Räumen gelebt, die sich an vielen Stellen überschneiden.

Am vergangenen Montag passierte Ähnliches: Ich ging zur Präsentation der Genossenschaft, die kürzlich von vier Frauen in Kalamata gegründet wurde (hier). „Zufällig“ erfuhr ich, dass zwei der Frauen Samothrake-Fans sind und im Juli vorhaben, auf diese meine Lieblingsinsel zu fahren. Ich selbst war zwanzig Jahre lang auf Samothrake zu Gast, habe dort mit dem Malen begonnen und meine erste Einzelausstellung dieser geheimnisvollen Insel gewidmet (hier).

und besitze dort immer noch ein Stück Land. Ich berichtete ihnen von einer Initiative auf Samothrake, der ich mein dortiges Grundstück zur Verfügung stellen möchte, nachdem anderer Versuch vor vier Jahren, es zu verschenken, scheiterte (hier).

Heute traf ich drei Frauen dieser Samothrake-Initiative. Monika, Kali, Wasso

Dass sie sich „zufällig“ in dem Moment in Athen aufhalten, wo ich auch da bin, ermöglichte es, uns kennenzulernen. Natürlich fragte ich nach evtl Bekanntschaften mit den Kalamatafrauen. Und ja!  Monika aus Samothrake und Ioanna aus Kalamata kennen sich nicht nur, sondern haben im April gemeinsam auf dem Gelände von Panagiotis Manikis gearbeitet. Ein Foto beweist es. (Dritte von links: die Polin Monika aus Samothrake ,Dritte von rechts Ioanna aus Kalamata)

Panagiotis Manikis ist, so könnte man erklärend sagen, eben eine Institution, wo sich viele Gleichgesinnte treffen. Ich selbst war auch schon da oben auf dem Berg, und einmal kam er auch zu mir, als wir im März vergangenen Jahres ein Atelierfest feierten (hier).

Ich freue mich sehr über solche Synchronizitäten, die meinem Leben Sinn geben….

Und worin besteht nun die Initiative der Frauen aus Samothrake? Sie haben dafür eine Power-Point-Präsentation vorbereitet. Einfach draufklicken, und sie öffnet sich (hoffentlich).

Gaia Powerpoint Final Final

 

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*Im Griechischen heißt der Zufall συμπτωση / Symptosi, wörtlich „Zusammenfall“: Zwei Ereignisse treten gleichzeitig auf. Wie ich in Bezug auf die Kaktusblüte schrieb, hatte Gott Kairos mein Eintreffen am Ort des Geschehens wunderbar mit dem vollen Erblühen koordiniert (hier).

Im Deutschen nennt man so etwas Zufall – seit dem Mittelalter gebräuchlich als das, was dem Menschen „zufällt“ – ursprünglich als Lehnsübersetzung für accidens, das „zufällige“, nicht wesentliche Extra, dann immer mehr in der heutigen Bedeutung als etwas, für das es keine kausalen Erklärungen gibt. Zufall eben.

C.G.Jung hat das nichtkausale Zusammentreffen zweier Ereignisse als „Synchronizität“ bezeichnet, wenn das Zusammentreffen von der betroffenen Person als zutiefst bedeutungsvoll erlebt wird. In solchen Momenten scheint sich eine Welt aufzutun, in der weder der Zufall noch Kausalität, sondern Sinn und Bedeutung zu walten scheinen. Anstatt in einer Welt voller Unsinn und Zufällen fühlt man sich plötzlich sicher aufgehoben in einer sinnvollen Welt, und die eigenen Handlungen werden bedeutungsvoll.

 

 

 

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Noch einmal zu den Kaktusblüten (und zur Bedeutung von KAIROS)

Wäre ich heute aus der Mani kommend auf den Balkon getreten, hätte sich mir dieses Bild geboten:

„Sch…,“, hätte ich gejammert. „Wieder habe ich sie nicht erwischt!. IMMER blühen sie, wenn ich nicht da bin!“ Bedrückt hätte ich die schlauchartig zusammengezogenen  Blüten betrachtet und  mich  gefragt,  warum mir NIE ein bisschen Extraglück geschenkt werde.

Ich weiß zwar schon lange: „immer“ und „nie“ sind Begriffe, die man mit höchster Vorsicht handhaben sollte. Denn sie sind in der Regel falsch. Aber wir Menschen neigen nun mal zu Verallgemeinerungen.  Und schließen aus einem Vorfall oder auch aus zwei oder drei Vorfällen auf ein zugrundeliegendes Muster, eine Regel oder gar ein Gesetz.

Selbstverständlich herrschen in der Natur Muster, Regelmäßigkeiten und Gesetze.  Die schönen Kaktusblüten werden die Nacht nicht überstehen – so ist ihr Lebensgesetz. Nicht aber gibt es Gesetze darüber, wie mein ICH und die Erscheinungen der Außenwelt aufeinander bezogen sind. Dass ich gestern ankam und nicht heute, unterliegt keinem Gesetz.  Dass der Kaktus in den vorangegangenen Jahren in meiner Abwesenheit blühte, bedeutet nicht, dass es da ein „Muster“ gibt , vielleicht gar eine Art Verschwörung des Kaktus gegen mich, sondern einzig, dass es angesichts meiner langen Abwesenheiten und der kurzen Blüte des Kaktus höchst unwahrscheinlich ist, dass ich sie sehen werde.

Und nun ist es doch passiert. Ein glücklicher Zufall, ja, ein Werk des Gottes KAIROS. Es hat etwas mit mir gemacht, hat mein Herz beglückt.

Glückliche Zufälle lassen sich hinsichtlich ihrer Wahrscheinlichkeit einkreisen – aber niemals voraussagen. Dasselbe gilt für den Unglücksfall. Prinzipiell kann jeder jederzeit von einer herabfallenden Schildkröte erschlagen werden – wie der Dichter Aischilos, als ein Adler über ihn hinwegflog und die Schildkröte in seinen Krallen losließ …

Auch von einem herabfallenden Ziegelstein kann man ganz prosaisch erschlagen werden wie Publius Papirius Proculus  aus Dalmatien, dessen Besuch in der Hauptstadt Rom tödlich endete. Den französischen Dichter Jean-Baptiste Rousseau (nicht Jean-Jaques) traf ebenfalls ein Ziegelstein am Kopf, als er sich im Exil in Brüssel befand. Aber es wäre verfehlt, daraus eine Warnung abzuleiten, derart: Meide Rom, meide Brüssel, und wenn du schon dahin reisen musst, meide jedenfalls die engen Straßen.

Nur eins ist sicher: Dass jeder sterben muss. Und dass du deine Todesart und -stunde nicht kennst. Ausgerechnet diese ehern feststehende Tatsache wollen die meisten Menschen nicht wahrhaben und hoffen, sie seien die große Ausnahme, und versuchen, den Tod mit allerhand Budenzauber auszutricksen.

Die Kaktusblüte verzichtet auf derlei Fisimatenten. Sie vergeht in Würde, „wie das Gesetz es befahl“.

 

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