Bilder-ABC und Kalenderblatt 12/9: L wie Linie

Der heutige Buchstabe für Heides Monats-Challenge ist das L. Welch lieblicher Buchstabe: ob lispeln oder lallen, lauschen oder liebkosen, lachen, lächeln, lieben, lutschen, na ja, auch lernen und lasten …. die deutsche Sprache liebt das Ell.

Ich aber habe ganz banal (?) der Linie den Vorzug gegeben. Die Linie ist das A und das Ω aller Zeichenkunst. In der Wirklichkeit existiert sie allerdings nur als Idee und Abstraktion, genauso wie der Punkt. Als solche ist sie aber sehr mächtig, nicht nur, um die Dinge von einander zu trennen (Umrisslinie), sondern auch, um sie zu verbinden (Entwicklungslinie). Die Linie schafft Räume und Felder, Bewegung und Struktur. Überaus beweglich, lässt sie sich nicht auf eine Richtung festlegen, auch wenn die Parteien das manchmal versuchen (auf Linie bringen). Na ja, undsoweiter.

Meine heutige Linie steigt in schleifender Bewegung von der Erde in den Himmel hinauf, um schließlich wieder den Boden zu suchen und zu verschwinden. So ungefähr steigt auch das Wasser auf, wenn die Sonne es verdunsten lässt. Punkt um Punkt, Tropfen um Tropfen geht es hinauf. Am Himmel bildet es eine lächelnde Wolke, die mit der Sonne Fangen spielen möchte. Doch zu große Sonnennähe ist ihr verderblich, sie löst sich auf und sinkt hinab, zurück in den Boden.

So gehts auf hier: der Regen lässt auf sich warten. Nur ab und zu braut sich ein Gewölk zusammen, es tropft auch ein wenig – und Schluss.

 

 

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 11/9 : K wie Kaktus-Kindel

Der heutige Buchstabe für Heides Monats-Challenge ist K. Da traf es sich gut, dass ich gerade ein abgefallenes Kaktus-Kindel in eine Tasse mit Erde versenkt hatte, hoffend, dass es Würzelchen treibt. Ich stellte die Tasse vor mich auf die karierte Küchentischdecke und zeichnete sie mitsamt dem kleinen Kaktus.

Der Kaktus, der mich bei meinem letzten Besuch in Maroussi (hier) so mit seinen Blüten erfreute, sieht nun etwas mitgenommen aus.

Immerhin hat er den Geist nicht aufgegeben – wie leider fast alle anderen Pflanzen auf dem Balkon. Sie sind vertrocknet. Die Gießanlage war ausgestellt. Wer ist schuld? Waren es die unter uns Wohnenden, die sich ärgerten, weil ein kleiner Schlauch sich lockerte und das Wasser in die Gegend spritzte? Zutrauen würde ich es ihnen. Andererseits, vielleicht bin ich auch selbst schuld, wer weiß. Vielleicht habe ich in der Hektik der Abreise versäumt, noch einmal den Schalter für die Gießanlage umzulegen, nachdem mein Mann die defekten Schläuche ersetzt hatte?

Jedenfalls war es ein trauriger Anblick. Den heutigen Vormittag verbrachte ich damit, alle vertrockneten Pflanzenteile abzuschneiden und zu entsorgen. Übrig geblieben sind der Kaktus und ein paar Sukkulenten sowie ein großer Oleander, dessen Hauptzweige zwar vertrocknet sind, der aber neue Blätter getrieben hat. Ob die anderen Pflanzen auch wieder kommen, wenn sie Wasser bekommen?

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Bilder-ABC und Kalenderblatt: J wie Janosch

Der heutige Buchstabe für Heides Monats-Challenge ist J. Eigentlich wollte ich unseren Jasmin zeichnen, doch dafür fehlte mir die Zeit, denn ich musste nach Athen fahren. Dort angekommen, suchte ich nach einer Alternative. Mein Blick fiel auf das große gerahmte Plakat, das über dem ollen Fernseher hängt. Es ist ein Bild des von mir heiß geliebten Kinderbuchautors und Malers Janosch. Auf den Rahmen ist ein kleiner gedruckter Zettel geklebt, der lautet: „Auge um Auge macht die ganze Welt blind„. Den hat mir vor vielen Jahren meine Würzburger Freundin Hermine geschenkt, und seither klebt er dort, damit er ab und zu gelesen und vielleicht auch beherzigt wird.

Ich möchte hier nicht die abenteuerliche Biografie von Janosch wiedergeben, bei Interesse findest du alles im Internet. Nur dass er bürgerlich Horst Eckert hieß und am 11. März 1931 in Oberschlesien geboren wurde, will ich verraten. Vielleicht auch noch, dass mein Lieblingsbuch „Oh, wie schön ist Panama“ ist. Aber ich kenne nicht alle seiner Bücher, vielleicht ist da noch ein lieberes Lieblingsbuch dabei, wer weiß? Vielleicht soll ich auch noch erwähnen, dass Janosch 2013 seine langjährige Lebensgefährtin Ines heiratete und dass die beiden zusammen aus Sorge um die Natur der Kanarischen Inseln die Stiftung für Natur und Umwelt „Canarina“ gründeten. Das war 2021, und Janosch war 90 Jahre alt. Να εκατοστίσει!  (Na hekatostisi): Möge er hundert Jahre alt werden!

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 9/9: I wie Interieur

Für Heides Monats-Challenge brauchte ich heute ein Wort, das mit I beginnt und das ich hier in meiner Umwelt finden und zeichnen könnte. Igel, Iltis und Indianer schieden somit aus. Zum Glück fiel mir dann das Gegenwort zur gestrigen „Hauswand“ ein: Innenraum bzw Interieur. Zu sehen ist:

  • der alte Rattan-Sessel, den die Katze Fritzi zu ihrem Stamm- und Ruheplatz erkoren hat,
  • dahinter ein Fenster, das wir mit einer langen geblümten Battistbluse zugehängt haben, um die Sonne abzuhalten,
  • ein gerahmtes Plakat von Bruno Martinazzi mit dem Titel Contra le guerre, das wir vor langer Zeit aus Venedig mitbrachten,
  • schließlich ein bayrischer Teewagen, den wir in einer Altmöbelsammlung fanden
  • und natürlich die auf dem Sessel zusammengerollte Fritzi

Als malerisches Genre existiert das „Interieur“ seit dem 17. Jahrhundert. Zuerst galt es, Räume mit ihren Bewohnern darzustellen, insbesondere die aufkommenden reichen Kaufmannsfamilien wollten gern inmitten ihres kostbaren Mobiliars verewigt werden. Im Laufe der Zeit aber erweiterte sich das Spektrum um Arbeitermilieus, Dichterhöhlen und Bauernzimmer. Seinen Höhepunkt erreichte diese Malerei in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, während des Biedermeier, als sogenannte „Zimmerbilder“ sehr in Mode kamen: Sujet, normalerweise als Auftragsarbeit, war die bürgerliche Wohnstube mit all ihrem gepflegten edlen Mobiliar und ihren erlesenen Kunstgegenständen. Man ließ das Innenleben der Räume möglichst klar und wirklichkeitsgetreu malen, um es sich dann als eine Art Doublette der Wirklichkeit an die Wand zu hängen.

Seine Attraktivität verlor das Interieur auch danach nicht, nur dass es freier interpretiert wurde und schließlich jede Art von Innenraum, mit oder ohne Bewohner, ein „Interieur“ genannt wurde. Es gehört neben Landschaft, Seestück, Stillleben und Portrait zu den häufigsten Sujets der Malerei.

Zur Illustration ein „Rotes Interieur“ (1947) von Henri Matisse, Kunstsammlung NRW.

Kunstsammlung NRW: Startseite

 

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Sommernacht mit Musik (Tagebuch der Lustbarkeiten)

Es wird Zeit, auch diese Rubrik wieder zu bedienen. An Lustbarkeiten gab es einiges in diesem Sommer. Besonders genossen habe ich einen Abend auf einem nicht weit von uns entfernten Grundstück. Dort betreibt Pola, die Witwe des Mannes, der unser Haus baute, zusammen mit ihren nun erwachsenen Kindern ein auch für Einheimische interessantes touristisches Projekt. Außer einer kleinen Ansiedlung von steinernen Bungalow gibt es das Hauptgebäude mit einem Mehrzweckraum (Kino, Yoga)  und eine große Terrasse mit weitem Blick auf das Meer.  Vor einer Woche wurde dort zu einem musikalischen Abend eingeladen. Freundin Magda und ich zogen hin. Eine lockere sommerliche Atmosphäre, eine reiche Auswahl an Getränken zu erschwinglichen Preisen, Geplauder, bis um zehn das übrigens ausgezeichnete Trio mit Jazz-Improvisationen begann.

Ich nutzte die Wartezeit auch dafür, mich im Gelände umzusehen, das ich von früher her kenne (damals war es gerade fertig geworden). Es gibt viele erfreuliche sinnvolle Veränderungen und Ergänzungen, darunter ein etwas tiefer liegender Ruheplatz mit Gemüse- und Kräutergarten.

Ein erfüllter Abend mit mitreißender Musik und angenehmer Wiederbegegnung mit Menschen und Orten.

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Skitsofrenis am Hafen: die große Welle

Heiß und schwül war es heute, und ich war ziemlich erschöpft. Dennoch wollte ich endlich die lange Reihe von Bildern fotografieren, die der von mir sehr geschätzte Spraykünstler Costas Louzis aka Skitsofrenis (auch: Skitzofrenis, der Skizzenverrückte) auf die Einfassungsmauer des Hafens gemalt hat. Wer hier länger folgt, kennt den Künstler, ich habe schon vieles von ihm gezeigt.

Das Gemälde beginnt mit einer großen weit ausholenden Gebärde. Die Hand hält einen Olivenzweig und deutet – deutet wohin? Das blaue Gewand wird zur Welle.

Und so wanderte ich die Straße hinauf und hinunter, der großen Welle folgend, auf der sich die Szenen entfalten. Ich konnte immer nur den zentralen Ausschnitt fotografieren, denn der Fußweg ist schmal und die Straße stark befahren, daher müsst ihr die Welle, die Fische, die Möwen und was sonst noch im Wasser und im Himmel geschieht, dazudenken.

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 8.9.: H wie Hauswand (casa nostra)

Heute setzte ich mich vor mein Atelier, um für Heides Monats-Challenge die aus Naturstein gemauerte Hauswand in den Kalender zu zeichnen. Eigentlich hatte mir mein Lieblingsthema Hafen vorgeschwebt, aber woher nehmen? Es gibt zwar zahllose Hafenbilder in diesem Blog, doch nicht auf der richtigen Seite des Kalenders. Der zweite Gedanke war Hund, aber auch da fehlte mir dss lebende Modell. Also Haus.  Oder, weil ich von keinem Punkt aus das ganze Haus erfassen kann, Hauswand.  Und so zeichnete ich brav ein Stück Hauswand samt Atelierfenster und -Tür, Gartenschlauch, Fegeblech und Terpentinflasche. Auch ein bisschen Grün vom Granatapfelbaum durfte mit aufs Bild.

Während ich so vor mich hinzeichnete, dachte ich über die Geschichte des Hausbaus nach. Wann hatte man eigentlich damit angefangen, gerade senkrechte Wände und rechte Winkel für den Bau der menschlichen Behausungen zu benutzen? In uralten Zeiten wird es doch wohl eher der zeltartige Rundbau gewesen sein, gefertigt aus Holz und Lianen oder anderen geeigneten Pflanzen? Oder man schichtete Steine übereinander, wie man sie fand, und schaffte sich so eine höhlenartige Unterkunft?

Ich schaute im WWW nach und erfuhr, dass es in den alten Hochkulturen des „fruchtbaren Halbmonds“, also in Westasien, bereits ab 10 000 v.Chr. üblich wurde, Häuser wie die unsrigen aus luftgetrockneten Lehmziegeln zu bauen. Die rechtwinkligen Hohlräume waren praktisch, denn man konnte sie bei Bedarf leicht erweitern. Und so sehen denn auch bis heute viele unserer griechischen Inseldörfer wie ineinander gestapelte Kuben aus, wenngleich inzwischen der Stein und später der Stahlbeton die Lehmziegel ersetzte.

Es waren die Römer, die das Bauen mit Stein revolutionierten, wobei der von ihnen entwickelte Beton (Opus Caementitium) aus Vulkanasche und Kalk ein entscheidende Rolle spielte. Nicht nur die offiziellen Prachtbauten, sondern auch Bürgerhäuser wurden zunehmend aus behauenem Naturstein gebaut.

Und worin unterscheidet sich unser Haus von diesen früheren? Nun, bei uns sind ein Stahlskelett und Betonpfeiler und -Decken eingezogen – und zwar wegen der Erdbebengefahr sogar verpflichtend. Der Stein hat also keine tragende Funktion mehr. Die Wände sind aber immer noch massiv aus Stein und nicht, wie heute oft üblich, nur mit einer dünnen Schicht aus Naturstein garniert. Die nur grob behauenen Steine sind durch Zementmörtel zusammengefügt. Viele der Innenwände wurden zusätzlich mit einer Schicht Backstein verkleidet und weiß verputzt.

Ich liebe unser Haus, das ich casa nostra nenne. Nie hätte ich zu träumen gewagt, einmal in einem solchen Haus zu leben.  Aber dann ging es plötzlich ganz schnell: im Jahre 2000 beschlossen wir, uns hier in der Mani anzusiedeln, und ein Jahr später war das Haus wie von Zauberhand entstanden und bezugsfertig. Mein Herz ist voller Dank für den inzwischen verstorbenen begeisterten Wiederbeleber der traditionellen Steinhaus-Bauweise Nikos Koulis, der alles organisierte, für den griechischen Vorarbeiter Spilios und für die albanischen Maurer und Steinmetzen – sie haben es realisiert.

 

 

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Bilder-ABC und Kalenderblatt: G wie Gabel und Gurke

Eine olle Gabel auf einem Pappteller, dazu ein Stück Gurke – das ist meine heutige Zeichnung für Heides Monats-Challenge.

Aber wie herrum gehört das Bild? So herum wirkt die Forke konkav, anders herum wirkt sie konvex.

 

Aber darum geht es heute gar nicht. Es geht um die Geschichte der Gabel. Wie kam sie eigentlich in unseren Gebrauch?

Das erste Jahrtausend nach Christus ist grad zuende gegangen, und man hat das zweite Jahrtausend betreten. Es ist 1004 n. Chr., und der Doge von Venedig heiratet die griechische Prinzessin Maria Argyropoula. Die feine Dame bringt eine Gabel zu ihrem eigenen Gebrauch mit, denn in ihrer Heimat isst man so. Die Speisen  mit ihren feinen Fingerchen berühren? Das geht gar nicht. Dafür gibt es diese zweizackigen goldenen Gabeln. So belehrt sie die nichts ahnenden Venezier.

Skandal!

Der Papst ist empört: Gott hat den Menschen die Finger zum Essen gegeben, die Gabel sei ein Symbol des Teufels. Als die Prinzessin, vermutlich infolge dieser Sünde, kurz darauf verstirbt, ist bewiesen: sie ist des Teufels.

Dennoch überlebt die Gabel irgendwie,und in der Renaissance wird sie wiedergeboren. In den nächsten Jahrhunderten verbreitet sie sich in den gehobenen Schichten Europas, aber Luthers Gefallen findet sie nicht: «Gott behüte mich vor Gäbelchen», spricht er. Auch er sieht darin wohl ein Symbol des Teufels:

Im späten 17. und im 18. Jahrhundert wird es dann aber doch auch bei den deutschen  Damen schick, Konfekt mit der Gabel zum Munde zu führen, während das Volk weiterhin nur den Löffel für die Suppe und das Messer fürs Brot kennt

Im 19. Jahrhundert macht die industrielle Revolution die massenhafte billige Herstellung auch von Gabeln möglich, und so erzählt man dem Volk, dass es unzivilisiert sei, mit den Fingern essen. Wer auf sich hält, benutzt eine Gabel. Jedenfalls in Europa, Amerika und Australien. Andere Länder, andere Sitten.

 

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Zur Wahl in Sachsen-Anhalt – Echo aus Griechenland

Die Wahlmaschine

Auch hier in Griechenland werden die Wahlen von Sachsen-Anhalt kommentiert. Meine Freunde fragen mich besorgt: Was ist los? kommt ein neuer Hitler? Denn hier hat man vor allem das als Grundlage für Einschätzungen, was von den deutschen Medien und staatlichen Stellen herüberschallt. Und da hören sie: die AfD sei „gesichert rechtsextrem“, sie wolle die Demokratie und die EU abschaffen … und dann ist es nicht mehr weit zur Schlussfolgerung: die Deutschen wollen wieder Faschismus, ein Viertes Reich.

Wie dumm ist das eigentlich?

Hat eine rechtsextreme Partei gesiegt? Gibt es überhaupt eine zugelassene rechtsextreme Partei? NEIN! Und wenn es sie gäbe: Sie hätte gar keine Chance bei den deutschen Wählern. Denn die übergroße Mehrheit der Bevölkerung lehnt Rechtsextremismus ab. Das entnehme ich einer Untersuchung der FES (Friedrich-Ebert-Stiftung) von 2025. Nur 3.3 % der Bevölkerung haben ein „geschlossen rechtsextremes Weltbild“. Und das hat sich im Laufe der Jahre überhaupt nicht verändert. Diesen rechtsextremen Kern gab es immer schon und wird es immer geben. Es gibt ihn in allen Nationen, soweit ich sehe. Dieser Kern kann die Mehrheit der Bevölkerung auch in extremen wirtschaftlichen und politischen Notsituationen nicht hinter sich vereinen. Selbst Hitler bekam bei den letzten freien Wahlen im März 1933 nicht die Mehrheit der Stimmen: 17,3 Millionen Menschen bzw 43,9 Prozent wählten die NSdAP, 56,1 % lehnten sie ab. Die extreme Rechte kann sich eigentlich nur mithilfe von putschendem Militär oder mithilfe von bewaffneten Paramilitärs an die Macht bringen. So geschehen in Griechenland 1967, in Spanien 1936, in Portugal 1926 oder auch in Italien 1922 durch die Fasci di Combattimento Mussolinis.

Natürlich gibt es um den harten rechtsextremen Kern immer auch einen größeren Sympatisantenkreis, der national-chauvinistische Einstellungen äußert, aber die Demokratie nicht in Frage stellt. Die FES-Studie kommt für Deutschland auf 19.8 % der erwachsenen Bevölkerung.

Woher kommen dann aber die 45 % oder in absoluten Zahlen: die 576 037 Sachsen-Anhalter, die ihr Kreuz bei der AfD machten? (*Anm.)

Nun, sie kommen mehrheitlich aus der normalen „werktätigen Bevölkerung“, insbesondere der Arbeiterschaft (59 %!), aber auch der selbständig Beschäftigten (52!), die sich in Alarmbereitschaft befinden. Sie fühlen sich in ihrem Sicherheitsbedürfnis von allen Seiten bedroht. Wird man morgen noch Arbeit haben? Muss man den Betrieb schließen? Wird die Schule den Kindern noch ausreichende Bildung vermitteln?  Was ist mit der Sicherheit der Töchter? Werden die Söhne für Kriegsdienste eingezogen? Brechen die Sozialsysteme zusammen? Wird man überhaupt noch eine Rente bekommen?

Die Grundstimmung: Die Regierenden haben uns – um es mit einer griechischen Redensart auszudrücken – „auf ihre alten Schuhe geschrieben“.

Diejenigen, die der AfD am wenigsten zustimmen, sind die Alten, die Hochgebildeten und die Wohlhabenden. Die alten wohlhabenden gebildeten Frauen – wenn ich die Gruppenkriterien mal addieren darf – sind der eigentliche Bremsklotz für die AfD. Unsereins hat der AfD den vollen Sieg vermasselt. 😉

Was aber kann ich meinen griechischen Freunden sagen, die mich besorgt fragen, wohin Deutschland steuert?

Ich sage ihnen: Mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Bundesrepublik steht es nicht zum besten, viele Menschen haben Angst vor Betriebsschließungen, Armut und auch vor einem Krieg mit Russland. Sie geben den regierenden Parteien die Schuld an diesem Niedergang und wünschen einen Wechsel, der ihnen und ihren Kindern mehr Sicherheit und eine friedlichere Zukunft verspricht.  Das ist alles. Ein ganz gewöhnlicher demokratischer Prozess.

Wie siehst du das? Sage ich die ganze Wahrheit? Oder verschweige ich Wichtiges, das meine griechischen Freunde wissen müssten?

nach der Wahl 2015 in Griechenland

 

 


 

*Vorläufige Ergebnisse der Zweitstimmen, absolute Zahlen (Quelle: ARD)

576 037  stimmten für die AfD

226 622 stimmten für die CDU

122 303 stimmten für die SPD

117 498 stimmten für die Grünen

112 541 stimmten für die Linke

69 291 stimmten für das BSW

 

 

 

 

 

 

 

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 6.9.: F wie Feige/Feigenblatt

Der heutige Buchstabe für Heides Monats-Challenge ist F wie Feige.

Seit die erste Feige an unserem Baum reifte (hier), ist fast ein Monat vergangen. Jeden Morgen schaue ich als erstes nach, ob mir der Baum ein Feigenfrühstück spenden mag. Er lässt sich Zeit. Die meisten sind noch unreif, aber ein-zwei Früchte finde ich immer, wenn ich ordentlich suche. Sie zu entdecken, ist gar nicht so leicht, denn die Blätter sind mächtig groß und verbergen die reifen Früchte. Auch das Ernten ist nicht immer leicht, denn die Früchte reifen, wo es ihnen passt, und nicht dort, wo ich sie erreichen kann. Daher bleiben einige am Baum und werden von den Vögeln angepickt und von den Insekten vernascht.

Heute aß ich zwei Feigen, bevor ich mich erinnerte, dass ich sie zeichnen wollte. Zum Glück fand sich noch eine dritte, bereits angepickte, die ich zusammen mit einem Feigenblatt ins Atelier trug.

Das Feigenblatt ist sehr groß im Verhältnis zur Feige, und so habe ich es nur halb gezeichnet. Leider wirkt es nun leicht verkrüppelt, was es nicht verdient hat.

Nicht umsonst ist das Feigenblatt seit paradisischen Zeiten, als es der Bedeckung der plötzlich anstößigen Blöße diente, in sprachlichem Gebrauch geblieben. Es ist groß, weit größer als meine Hand, robust, die Oberfläche ist rauh, und die Ränder sind leicht gezackt, es ist gleichmäßig mittelgrün und von kräftigen gelblichen Adern durchzogen.

In der Malerei war es für Adam-Eva-Darstellungen unverzichtbar (Real Biblioteca de San Lorenzo)

Adam und Eva (unbekannter Künstler)

Moment mal! Das sind doch gar keine Feigenblätter, und der Baum sieht eher nach einer Palme aus! Auch Adam und Eva von Albrecht Dürer (1507, Galería online del Museo del Prado de Madrid: Adán y Eva) haben offenbar nicht zu Feigen-, sondern zu ganz anderen Blättern Zuflucht genommen. Vermutlich sind Apfelblätter dargestellt, da ein Apfelbaum bekanntlich die Frucht der Erkenntnis trug….

Hier stutze ich: Stimmt das denn? Hat ein Apfelbaum das Verhängnis über die Menschheit gebracht? O nein! Nicht der Apfelbaum, sondern der Feigenbaum wurde von Gott höchstpersönlich in den Garten gepflanzt und ist überhaupt der einzige, der in der Genesis namentlich genannt wird.  In der jüdischen und der islamischen Tradition ist der Feigenbaum verantwortlich für den Sündenfall – was ich sogleich verstehe. Denn wer unter dem wohlriechenden Dach eines Feigenbaums steht und die reifenden Früchte betrachtet. kann der Versuchung sehr schwer widerstehen, davon zu kosten. –

Erst im Mittelalter, durch die lateinische Bibelübersetzung, kam „malus“ – der Apfel/das Übel – in Gebrauch. Im Paradies, das wohl zwischen Euphrat und Tigris lag, gab es vermutlich keine Apfelbäume, von denen unsere Vorfahren hätten kosten können.

Noch etwas fällt auf: Der Apfel evoziert durch seine Form die Vorstellung der weiblichen Brust (vergl. Dürers Eva), die Feige des männlichen Hoden. Wenn man das weiterdenkt, ergeben sich einige Folgen für die Verführungsszene und die Rolle des Feigenblatts.

Erst spät, nämlich auf dem Konzil von Trient 1545–1563, erließ die Kirche das Genitalverbot, auch Feigenblatt-Erlass genannt. Es wurde befohlen, alle in der Kirchenmalerei vorfindlichen Blößen mit einem Feigenblatt zu übermalen. Das war eine Reaktion auf die nackte Aufklärung der Renaissance einerseits, die protestantische Prüderie andererseits. Die Genitalien zu übermalen, war sozusagen der katholische Kompromiss mit dem Zeitgeist.

Ein bekanntes Beispiel ist die „Vertreibung aus dem Paradies“ von Masaccio (1425) – ein Fresco der Brancacci-Kapelle in Mailand und eine der ersten nach-mittelalterlichen naturgetreuen Darstellungen von Menschen. 250 Jahre lang nahm niemand an der Nacktheit Adams Anstoß. Sein prächtiges Genital wurde erst 1680 übermalt. So blieb es, bis sich dreihundert Jahre später, im Jahre 1988, die Restauratoren entschlossen, es mühsam wieder freizulegen.

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