Im Reich der Felsen und Oliven (tägliches Zeichnen und Fotografie)

Heute wanderte ich auf dem Felsenvorsprung oberhalb des kleinen Fischereihafens von Kitries. Gezeichnet habe ich dieses Gebiet schon manchmal, aber noch nie besucht.

IMG_7829

Das Akrotiri von Kitries

An der obersten Kante,  weit entfernt von traditionellen Ortschaften, haben sich Villen angesiedelt, vermutlich wurden sie an Ausländer verkauft, die sich von dem weiten Meeresblick bezaubern ließen.

Außer drei Villen, die durch breite Einfahrten und bellende Hunde den Eindruck der Unbewohntheit nicht übertünchen konnten, sah ich da oben nichts als Felsen und Oliven. na ja, auch noch andere Pflanzen natürlich – blühende Wolfsmilch, Ginster, Diesteln, Arnika, Gänseblümchen, dann und wann auch einen Feigenbaum, der erste Blätter trieb. Ein Kirchlein und daneben ein altes Haus fanden sich auch. Und so setzte ich mich auf einen Felsen und zeichnete beide: das alte Bauernhaus umgeben von den Oliven, und die kleine Kirche, die einen zwingt, sich sehr tief zu verbeugen, wenn man durch die niedrige Tür eintreten will. Die Wände werden unter dem Licht- und Schattenspiel der Ölbäume lebendig.

Dann aber wanderte ich weiter, links und rechts des Wegs nichts als Felsen, und zwischen ihnen wohlbeschnittene Olivenbäume, viele mit geweißten Stämmen gegen Parasitenbefall.

Seit Jahrhunderten werden diese Felder bestellt, und die Steine wachsen nach, egal wieviele du auf die Mäuerchen häufst, die die winzigen Felder rund um die Bäume begrenzen.

Mich zog es weiter und weiter durch das Olivenland, ich wollte die Küste von oben sehen. Schließlich öffnete sich der Blick.

Und die weite Bucht lag vor mir. Irgendwo da unten, wo der weiße Strand von Sandova endet, bin ich nun zu Hause.

 

 

Veröffentlicht unter alte Kulturen, Architektur, Fotografie, Leben, Meine Kunst, Natur, Zeichnung, Zwischen Himmel und Meer | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 9 Kommentare

Montag ist Fototermin: Rosetten

„Die Bildung einer Grundrosette ermöglicht es den Pflanzen, ihre Stoffproduktion in der bodennahen, wärmeren Luftschicht durchzuführen. Diese Wuchsform ist häufig bei Pflanzen im Hochgebirge und im mediterranen Klima.“

Auch ohne diese mir eben bei Wiki angelesene Kenntnis ist mir der Reichtum an Blattrosetten in unserem „mediterranen Klima“ längst aufgefallen.  Ich stehe oft genug verzaubert vor diesen so wenig beachteten Formen, die für mich zu den Wundergebilden gehören. Aus einem Punkt sprosst es hervor, breitet sich aus, steigt als Reigen von Stielen und feinen Blüten empor.

Diese hier ist eine Pflanze in meinem Garten. erdbesprenkelt ist sie nicht nur durch ihre Bodennähe, sondern auch vom Regen, der Saharastaub brachte.

Im Garten sprießt jetzt Grün jeder Art in wildem Durcheinander, und so sind die flach am Boden sich ausbreitenden Rosetten kaum zu sehen – außer denen, die sich zwischen den Fliesen hervorgearbeitet haben und sich wie auf dem Präsentierteller zeigen.

Jede ist anders, versteht sich. Nicht alle sind wohl im strengen Sinne Rosetten. Aber alle sind davon überzeugt, dass sie wichtiger sind als die Fliesen, und arbeiten entschlossen daran, sie anzuheben und sich Luft zu verschaffen.  Ich schaue ihnen wohlwollend zu.

Ist es aus diesen bescheidenen Formen, dass sich die in der Gothik zur höchsten Vollkommenheit gebrachte Fensterrosette entwickelt hat? Oder war doch eher die erblühte Rose Vorbild? Wie auch immer….

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Fotografie, Leben, Natur, Umwelt | Verschlagwortet mit , , , , , | 4 Kommentare

Montag ist Fototermin: Blauregen

Hier gab es kürzlich Rotregen, als die Wolken die Menge an rötlichem Wüstenstaub nicht mehr halten konnten. Nun aber ist der Himmel wieder blitzeblau, und blau ist auch der Regen.

Liebliche lichtgetränkte Tropfen hängen in Trauben tief hinab. Ich hebe sie mit der Hand an, um ihre feine Zeichnung zu betrachten.

 

Veröffentlicht unter Fotografie, Leben, Natur | Verschlagwortet mit , | 9 Kommentare

Theater, Mykenische Gräber, Römische Bäder (Ausflug nach Alt-Thouria)

Ein Ausflug mit jungen Menschen – bei Bestwetter und mit Besichtigung mir bisher unbekannter antiker Stätten – gibt es etwas Schöneres? Nur wenige Stunden war ich unterwegs, kam aber voll von schönen Eindrücken und neuen Informationen zurück.

Wir fuhren in zwei Autos – eine „parea“.  So nennt man Freundesgruppen. Es handelt sich dabei nicht um feste geschlossene Gruppen, sondern um offene Strukturen. Man kennt sich, man mag sich, man trifft sich hier und da, unternimmt auch etwas zusammen, ist für den anderen da, wenn es ihm schlecht geht oder er praktische Hilfe braucht, man wendet sich an sie, wenn man Kontakte oder Informationen sucht. Es ist ein sehr persönliches multipolares Netzwerk, das die Familie ergänzt und den Menschen über viele Lebensschwierigkeiten hinweghilft. Vor allem aber ist es  für eine angenehme Freizeitgestaltung unerlässlich.

Wir waren heute zu siebt: Vier Frauen aller drei Lebensalter, eine Jugendliche und zwei Kinder.

N kennt sich aus, und führte uns zuerst zur Akropolis des antikes Thouria, wo seit 2009 Ausgrabungen stattfinden. Man fand die alte Stadt, die einst die bedeutendste der Region war, durch Zufall: ein uraltes Kirchlein gibt es dort, jährlich wird einmal ein Panijiri (Volksfest) zu Ehren des Heiligen gefeiert. Zu diesem Zweck wird das Gras rundum zurückgeschnitten. Einer der Besucher wunderte sich, dass unter einem Steintisch das Kapitel einer Säule hervorschaute, und erzählte einem befreundeten Archäologen davon. Seither wird gebuddelt…

(Alle Fotos werden durch Anklicken größer)

Die nächste Etappe war das antike Theater, das seit 2016 ausgegraben wird. Unterwegs machten wir bei einer antiken Bewässerungsanlage halt, deren tiefe Schächte von einer zentralen Dexameni (Wasserspeicher) in drei Richtungen führen. Beim Theater wurde gearbeitet: zwei Männer, deren einer sich als Archäologe vorstellte, waren dabei, riesige Ölbäume abzusägen. Ja, leider, darunter seien die alten Sitzreihen… Mir gefiel das nicht, die Sitzreihen waren mir egal, die Baumstümpfe taten mir weh. Immerhin erklärte uns der Archäologe bereitwillig den Ort und die Geschichte der Ausgrabungen. Er selbst arbeite als Freiwilliger. Geld für Ausgrabungen gebe es momentan nicht.

Und weiter ging es, zu den mykenischen Gräbern. Unterwegs musste ich unbedingt einen gewaltige Olivenbaum begrüßen und immer wieder Fotos von der reizvolllen Landschaft machen.

Die mykenischen Gräber befinden sich auf einem weiten Olivenfeld. Es gibt an die 25, Manche sind riesighoch, andere bescheidener, es gibt Doppel- und Dreiergräber (man sieht die leeren Ausschachtungen am Boden), manche hatten Nebenräume für die Schätze des Verstorbenen. Die Gräber wurden von oben nach unten in den weichen Muschelkalk hineingegraben, oben eng, unten erweitert. Lange Gräben wie Stollen, die nun mit Wellblech überdacht sind, führen in die Grabräume.

Diese erstaunliche Grabanlage ist den Anwohnern seit alten Zeiten bekannt, sonst aber kennt sie kaum jemand. Während der Türkenzeit und dann wieder während der deutschen Besatzung diente sie als Versteck. In die weichen mit einer Art Mörtel geglätteten Wände sind allerlei Schriftzeichen eingeritzt.

Eine weitere Überraschung waren dann die Römischen Bäder, die als eindrucksvolle Ruinen auf einer Schafweide zu finden sind. Bis hierher hatte sich das alte Thouria in römischer Zeit ausgedehnt und teilweise auch verlagert, denn ein starkes Erdbeben zerstörte den oberen Teil mit der Akropolis und dem Theater.

An diesem idyllischen Ort, der so manchen romantischen Maler inspirieren könnte, schlugen wir unseren Tisch auf, verspeisten die mitgebrachten Leckerbissen und prosteten uns zu mit Tripouro, dem klaren Schnaps aus den Rückständen weißer Trauben (Tresterbrand).

Veröffentlicht unter alte Kulturen, Architektur, Erziehung, Fotografie, Geschichte, Leben, Spuren | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 17 Kommentare

Der Geist von Weimar. Goethe, die Jugend und ein Amtsrichter.

Er ist aus dem Tiefschlaf erwacht, schüttelt sich, reibt sich den Schlaf aus den Augen und schaut sich verwundert um: der Geist von Weimar.

Durch die Flure eilen Amtsträger, Maskenträger, Robenträger, Aktenträger. Aha, ein Gericht. Keins von den hohen und mächtigen Gerichten, sondern nur ein Amtsgericht. Aber auch damals: was war Weimar schon? Ein feudal regiertes Städtchen. Ein Herr Geheimrat wars, der Weimar ins Gedächtnis nicht nur der Deutschen einbrannte. Und jetzt? Jetzt ist es ein Amtsrichter, der mich und Abertausende hoffen lässt, dass der Nebel, der sich immer tiefer in den Hirnen der Menschen einnistete, von hier aus lichten wird. „Mehr Licht“ – so waren die letzten Worte des großen Dichters. Ja, mehr Licht!

Wie schrieb J W Goethe, als er alt war – so alt wie ich heute?

Als neulich Schnee lag und meine Nachbarskinder ihre kleinen Schlitten auf der Straße ausprobieren wollten, sogleich war ein Polizeidiener nahe, und ich sah die armen Dingerchen fliehen, so schnell sie konnten. Jetzt, wo die Frühlingssonne sie aus den Häusern lockt und sie mit ihresgleichen vor ihren Türen gerne ein Spielchen machten, sehe ich sie immer geniert, als wären sie nicht sicher und als fürchteten sie das Herannahen irgendeines polizeilichen Machthabers. Es darf kein Bube mit der Peitsche knallen oder singen oder rufen, sogleich ist die Polizei da, es ihm zu verbieten. Es geht bei uns alles dahin, die liebe Jugend frühzeitig zahm zu machen und alle Natur, alle Originalität und alle Wildheit auszutreiben, so daß am Ende nichts übrigbleibt als der Philister.

zu Eckermann, 12. 3. 1828

Und nun ist da in Weimar also ein verständiger Richter aufgestanden, um dem Unsinn Einhalt zu gebieten.

Für die, die es noch nicht wissen: in einem Gerichtsurteil wird auf 146 Seiten ausbreitet, was Vernunft, Sachverstand und Menschlichkeit zu den sog. „Maßnahmen“ zu sagen haben, mit denen seit einem Jahr den Kindern und Jugendlichen die Luft zum Atmen abgeschnürt wird.

Zu viele Seiten? Nun, es lohnt sich. Aber wenn du nicht alles lesen magst, lies jedenfalls die erste Seite, die ich hier reinkopiere. (Amtsgericht_Weimar_9_F_148_21_EAO_Beschluss_anonym_2021_04_081.pdf)

Erste Seite:

Amtsgericht Weimar, Beschluss vom 08.04.2021, Az.: 9 F 148/21
hat das Amtsgericht Weimar durch … im Wege der einstweiligen Anordnung beschlossen:

I. Den Leitungen und Lehrern der Schulen der Kinder A, geb. am …, und B,
geboren am …, nämlich der Staatlichen Regelschule X, Weimar, und der
Staatlichen Grundschule Y, Weimar, sowie den Vorgesetzten der
Schulleitungen wird untersagt, für diese und alle weiteren an diesen
Schulen unterrichteten Kinder und Schüler folgendes anzuordnen oder
vorzuschreiben:

1. im Unterricht und auf dem Schulgelände Gesichtsmasken aller Art,
insbesondere Mund-Nasen-Bedeckungen, sog. qualifizierte Masken (OPMaske oder FFP2-Maske) oder andere, zu tragen,
2. Mindestabstände untereinander oder zu anderen Personen einzuhalten,
die über das vor dem Jahr 2020 Gekannte hinausgehen,
3. an Schnelltests zur Feststellung des Virus SARS-CoV-2 teilzunehmen.

II. Den Leitungen und Lehrern der Schulen der Kinder A, geb. am …, und B,
geboren am …, nämlich der Staatlichen Regelschule X, Weimar, und der
Staatlichen Grundschule Y, Weimar, sowie den Vorgesetzten der
Schulleitungen wird geboten, für diese und alle weiteren an diesen Schulen
unterrichteten Kinder und Schüler den Präsenzunterricht an der Schule
aufrechtzuerhalten.

III. Von der Erhebung von Gerichtskosten wird abgesehen. Die beteiligten
Kinder tragen keine Kosten. Ihre außergerichtlichen Kosten tragen die
Beteiligten selbst.

IV. Die sofortige Wirksamkeit der Entscheidung wird angeordnet.

Der Schlangentöter

 

 

 

 

Veröffentlicht unter Erziehung, events, Feiern, Leben, Legearbeiten, Meine Kunst, Politik, Psyche, schreiben | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | 31 Kommentare

abc-etüde. Sonnenhut-Kata-Strophen

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2021/04/04/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-14-15-21-wortspende-von-ludwig-zeidler-und-irgendwas-ist-immer/

Sonnenhut (ist übrigens auch eine (Heil-)pflanze, Echinacea)
haltlos
massieren.

Echinacea, bekannt auch als Sonnenhut.

In Apotheken gepriesen als Superfood

Sei gut gegen Schnupfen und Husten

Wie die alten Griechen schon wussten.

Sollte sies kaufen? War ja nicht billig

Aber wenns half, so war sie schon willig

Es zu erwerben und täglich zu schlucken

Um sorgenfreier den Tag zu begucken.

 

Oder war das auch nur Reklame?

Wie war das doch, was sagte die Dame

Bei der sie, was immer die zeigte

Ihr Sternchen setzte und likte.

Die schwor, die Sonne heile am besten

Wenn sie noch nicht zu tief sei im Westen

Sondern bei Mittagsglut

ganz ohne Sonnenhut.

 

Denn haltlos seien die Pharma-Versprechen

Die wollten ja, dass wir auch für das noch blechen

Was ganz umsonst wir doch haben konnten

Wenn wir uns einfach nur ausgiebig sonnten.

Du liegst in der Sonne, du fühlst dich durchwärmt.

Vielleicht, weil fast nackt, auch freundlich umschwärmt

Nein nein, durchaus nicht von lästigen Mücken –

Vielmehr von begierigen männlichen Blicken

Die dich massieren, während du räkelst

Oder nen kleinen Sonnenhut häkelst

In gold und in blau

Da fühlst du genau:

Ja guckt nur, ja schau!

Ich bin eine Frau!

Veröffentlicht unter abc etüden, Allgemein, Ökonomie, Fotocollage, Katastrophe, Leben, Legearbeiten, Meine Kunst, Therapie | Verschlagwortet mit , , , , , , | 12 Kommentare

Projekt ABC bei Wortman: G wie Genien und Geflügelte, in Genua und Griechenland

https://wortman.wordpress.com/2021/04/04/projekt-abc-g-wie-gefahr/

Genien sind Schutzgeister, die man an vielen Orten auf Wandgemälden oder als Skulpturen bewundern kann. Diese hier sind, um des G-Buchstabens willen, aus Genua. In welchem der vielen Palazzi der Stadt ich sie sah und fotografierte, weiß ich nicht mehr.

Ob auch diese Gestalt eine Genie darstellt? Auch sie sah ich in Genua.

Meistens sind Genien geflügelt. Hier acht alt-griechische Genien auf Vasen oder auch Urnen – gesehen im Archäologischen Museum von Athen. Anklicken = Vergrößern.

Veröffentlicht unter ABC in Fotos, alte Kulturen, ausstellungen, Fotografie, Kunst, Mythologie, Psyche, Skulptur | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 8 Kommentare

Dreimal Aloe (Tägliches Zeichnen)

Die Aloe treibt ihre hohen Blütenstände hervor, fast scheint mir, ich könnte beim Wachsen zuschauen. Heute ist heiter-sonniges und angenehm kühles Wetter, da setze ich mich raus und betrachte sie: die beiden Aloe-Gewächse im Holzkasten vor der Mauer, ihre elegant geschwungenen spitz zulaufenden fleischigen Blätter mit dornigem Rand, die Blütenstände, die in einem runden Stiel emporwachsen und sich dann in drei gabeln. Noch sind die Blüten geschlossen, aber schon lösen sich aus der kompakten Form einzelne Knospen ab.

Natürlich habe ich auch versucht, sie zu zeichnen. Zunächst konzentrierte ich mich auf die mächtigen Blätter,  die ein lebendiges Muster aus besonnten und schattigen Formen bilden.

Dann versuchte ich, eine ganze Pflanze aufs Blatt zu bringen, verkürzte dabei aber allzu sehr den Stiel der Blüte.

In einem dritten Anlauf wandte ich mich dem Blütenstand zu. Im Hintergrund deute ich die Blumentöpfe mit Sukkkulenten und  den Olivenhain an.

 

Veröffentlicht unter Meine Kunst, Natur, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , | 3 Kommentare

Auf Schmetterlingsjagd (2 Fotos)

Wo ist er denn, wo ist er denn, der kleine weiße Seelenvogel? Schwebt hierhin, flattert dorthin, und der schwerfällige Mensch kommt nicht hinterher, verwechselt ihn mit keinen weißen Blüten. Auch die sind freilich hübsch. Das Gesprengsel auf den Gräsern ist Saharasand.

Dann aber erwische ich ihn doch noch, halb verborgen hinter einem Halm. Ihr Insektenfotografen mögt jetzt lachen! Aber so ist das Leben: Schnell gehen die Augenblicke vorbei, und es scheint mir schon ein Erfolg zu sein, wenn ich ein winziges Stück der bewegten Welt festhalten kann.

Veröffentlicht unter Fotografie, kleine Beobachtungen, Leben, Natur, Psyche, Tiere | Verschlagwortet mit , , , | 8 Kommentare

Krieg und Coronoia (reblogged von G. Mersmann, plus Heym-Gedicht)

Was sich hinter der Nebelwand der Corona-Diskussion noch verbirgt und langsam hervortritt: der Krieg. Danke, Gerhard Mersmann, für deine eindringlichen Worte.

Georg Heym schrieb sein Gedicht „Der Krieg I“ im September 1911.

Der Krieg I

Aufgestanden ist er, welcher lange schlief,
Aufgestanden unten aus Gewölben tief.
In der Dämmrung steht er, groß und unerkannt,
Und den Mond zerdrückt er in der schwarzen Hand.

In den Abendlärm der Städte fällt es weit,
Frost und Schatten einer fremden Dunkelheit,
Und der Märkte runder Wirbel stockt zu Eis.
Es wird still. Sie sehn sich um. Und keiner weiß.

In den Gassen faßt es ihre Schulter leicht.
Eine Frage. Keine Antwort. Ein Gesicht erbleicht.
In der Ferne wimmert ein Geläute dünn
Und die Bärte zittern um ihr spitzes Kinn.

Auf den Bergen hebt er schon zu tanzen an
Und er schreit: Ihr Krieger alle, auf und an.
Und es schallet, wenn das schwarze Haupt er schwenkt,
Drum von tausend Schädeln laute Kette hängt.

Einem Turm gleich tritt er aus die letzte Glut,
Wo der Tag flieht, sind die Ströme schon voll Blut.
Zahllos sind die Leichen schon im Schilf gestreckt,
Von des Todes starken Vögeln weiß bedeckt.

Über runder Mauern blauem Flammenschwall
Steht er, über schwarzer Gassen Waffenschall.
Über Toren, wo die Wächter liegen quer,
Über Brücken, die von Bergen Toter schwer.

In die Nacht er jagt das Feuer querfeldein
Einen roten Hund mit wilder Mäuler Schrein.
Aus dem Dunkel springt der Nächte schwarze Welt,
Von Vulkanen furchtbar ist ihr Rand erhellt.

Und mit tausend roten Zipfelmützen weit
Sind die finstren Ebnen flackend überstreut,
Und was unten auf den Straßen wimmelt hin und her,
Fegt er in die Feuerhaufen, daß die Flamme brenne mehr.

Und die Flammen fressen brennend Wald um Wald,
Gelbe Fledermäuse zackig in das Laub gekrallt.
Seine Stange haut er wie ein Köhlerknecht
In die Bäume, daß das Feuer brause recht.

Eine große Stadt versank in gelbem Rauch,
Warf sich lautlos in des Abgrunds Bauch.
Aber riesig über glühnden Trümmern steht
Der in wilde Himmel dreimal seine Fackel dreht,

Über sturmzerfetzter Wolken Widerschein,
In des toten Dunkels kalten Wüstenein,
Daß er mit dem Brande weit die Nacht verdorr,
Pech und Feuer träufet unten auf Gomorrh.

form7

Was für ein Debakel! Nun formuliert der Präsident der Ukraine, Selenski, den Wunsch seines Landes nach NATO-Mitgliedschaft. Es mutet an wie ein grausiges Déjà-vu. So als hätte es den vergeblichen Versuch 2014 nicht gegeben, mit der Ukraine das letzte Glied in die Kette mit aufzunehmen, die die Einkreisung Russlands schließt. Ein Blick in die jüngere Geschichte genügt, um die ganze Perfidie und Verlogenheit ins Gedächtnis zu rufen, mit der das Entgegenkommen Russlands bei der Beendigung des Kalten Krieges und der Wiedervereinigung Deutschlands seitens der USA und ihrer sich als Mündel benehmenden Staaten beantwortet wurde. Keine Osterweiterung der NATO, hieß es da. Man sehe sich die Landkarte heute an. Vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer stehen die Truppen der NATO bereit, jeweils an der russischen Grenze.

Man stelle sich ein ähnliches Szenario einmal jenseits des Atlantiks vor. Russische Truppen in Kanada, in Mexiko, in der Karibik. Es ist kaum zu glauben…

Ursprünglichen Post anzeigen 363 weitere Wörter

Veröffentlicht unter Allgemein | 12 Kommentare