Kalenderblätter 1.-5. Juni: Paul Klees „Pädagogisches Skizzenbuch“ I,1

Für den Juni habe ich mir vorgenommen, ein Büchlein durchzuarbeiten, das ich seit langem besitze und immer mal wieder in die Hand nehme: Paul Klees „Pädagogisches Skizzenbuch“, erstmals 1925 in der Bauhausreihe veröffentlicht. Hundert Jahre ist es alt, und vielleicht, wer weiß? längst überholt. Außerdem sollte ich ja alles über die Grundlagen des Zeichnens wissen, oder?

Nun, man wird ja sehen. Ich bin selbst gespannt, was daraus wird. Heute beginne ich mit den ersten Seiten des „Skizzenbuchs“,

In dieser ersten Lektion geht es um aktive Linien, die frei spazierengehen, im Gegensatz zu ebenfalls aktiven Linien, die sich „befristet“ zwischen Punkten bewegen (ich nannte sie „gefesselte Linien“) und schließlich zu passiven Linien, die „aus einem Flächenaktivum (fortschreitende Linie) resultieren“.

Die Seite zum 1. Juni

Als brave Studentin des Jahres 1923, die dem großen  Meister lauscht, notiere ich unter I,1: Die aktive Linie ergeht sich frei, ohne Ziel, einzig zu ihrem Vergnügen. Der Agens ist ein Punkt, der sich verschiebt. 

Manchmal liebt sie die Begleitung, etwa durch einen verspielten Hund

oder sie beachtet, was sich rechts und links von ihr in der Landschaft ausbreitet.

Sie kann auch tänzeln, sich um sich selbst drehen

oder ganz zurücktreten und den Eindrücken/den bewegten Objekten um sich den Vortritt lassen (yB beim Autofahren).

Zu jeder dieser Vorstellungen gehört eine kleine Zeichnung, Figur genannt, die das gemeinte veranschaulicht.

Beim Spazierengehen probiere ich jetzt all diese „freien aktiven Linien“ mit den Füßen aus: ich, „beweglicher Punkt, Agens“, laufe Schleifen über den Asphalt, stelle mir mangels Hund einen imaginären Begleiter vor, betrachte bei jeder Wendung meiner Spazierlinie die Landschaft mal rechts, mal links, drehe mich im Vorwärtsschreiten auch um mich selbst, bis mir schwindlig ist und vergesse mich selbst, während ich den Autos, Menschen und Tieren meine Aufmerksamkeit schenke, zwischen denen mein Weg verläuft.

Probier es selbst mal aus! Es sind fünf Übungen, die das Wahrnehmen von Bewegung und Selbstbewegung schärfen! Man kann das Ganze natürlich auch mit Musik untermalen.

Fortsetzung folgt.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Kartoffelblüten und wilde Möhren

Ich hatte ganz vergessen, wie hübsch Kartoffeln blühen, und freue mich daher sehr, dass die paar Knollen, die ich in meinen Pflanzkasten versenkte, nicht nur dichtes grünes Blattwerk, sondern auch Blüten hervorbringen.

Falls auch du keine Kartoffelblüten mehr kennst: ich hab sie ein bisschen für dich herangezoomt, damit du ihr gelbes Mieder und ihren schicken hellvioletten Rüschenrock bewundern kannst.

Eine andere Überraschung in meinem Garten sind die wilden Möhren, die riesig geworden sind. Zweieinhalb Meter Höhe erreichen sie dicke, und die Blüten haben pfannkuchengroße Ausmaße. Na ja, fast.

Ob nun voll erblüt, als Knospe oder schon wieder dabei, sich zusammenzuziehen, sie ist auf jeden Fall eine Schönheit. Bewundernswert die spiralige Anordnung der Blütchen. Glänzend das Käferchen im Zentrum, an dem ich die wilde Möhre erkenne (ich weiß, es gibt viele Sorten, aber ich bin froh, wenn ich sie überhaupt von, sagen wir mal, der Schafsgarbe unterscheiden kann).

 

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Männliches Modell zeichnen

Heute fuhr ich endlich mal wieder zum Modellzeichnen. Da ich dieses Modell schon öfter gezeichnet habe, versuchte ich, mein Interesse daran durch Einbeziehung von Gegenständen im Raum zu beleben. Das Gerät auf dem Bild ist ein alter Apparat, mit dem man Filmstreifen ausdrucken kann. Es funktioniert noch immer. Faszinierend.

 

Erstmals zeichnete ich dieses Modell im Dezember 2025.

Dann wieder im Januar 2016

und im Februar 2026 ohne Bart

und erneut im März, als ich Kompositionen von Modell, Zeichner und Zeichnungen machte, da mich das immer gleich dasitzende Modell zu langweilen begann.

 

 

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Dienstags-Drabble: Miesepeters Klagelied

Nadel – trist – prägnant

Das sind die drei Wörter, die Wortman für das heutige Drabble vorgegeben hat. Zu schreiben ist ein Text von genau 100 Wörtern, die Überschrift zählt diesmal mit. Die Wörter haben mich heute zu einem miesepetrigen Poem der kata-strophischen Art inspiriert.

 

Miesepeters Klagelied

Hier sitz ich nun, mein lieber Freund,

Und tauche in das Tintenfass

Die Feder, denn der letzte joint

Ist schon geraucht, und Zeit ist, dass

*

Ich dir was schreib an diesem tristen

Und ewiglangen Junitag.

Ich will mich selbst nicht überlisten

Und sage nicht, dass ich ihn mag.

*

Zum Glück häng ich nicht an der Nadel

Wie Freund Joel, der geht bald drauf

Ich sage nicht, dass ich ihn tadel,

Er folgt nur seines Schicksals Lauf.

*

Das Leben ist, prägnant gesprochen,

ein riesengroßer Haufen Mist

Kaum ist man aus dem Ei gekrochen

Hätt man am liebsten sich verpisst.

 

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Kunstbuch 77: Spiel mit Zahlen und deren grafischer Darstellung

Heute ist der 2.6.2026 und ich machte mein 77. Minizine. Merkwürdige Zahlen, dachte ich. Warum nicht ein Zahlenspiel-Kunstbuch produzieren? Ich nahm die Zahlen 1 bis 8 für die acht Seiten des Kunstbuches. Die Eins stellte ich als Punkt, die Zwei als Linie, die Drei als Dreieck, die Vier als Viereck….die Acht als Achteck dar und füllte damit die Seiten.

 Drei und Vier

Aufgeblättert: Rückseite Acht + Deckblatt Sieben

Die drei inneren Doppelseiten: Drei – Sechs – Fünf – Vier – Zwei – Eins

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25 Wochen – ein Objekt: Eine Sonnenuntergangs- und Mondaufgangs-App

Jeden Sonntag gilt es, ein und dasselbe Objekt in einem neuen Surrounding zu zeigen. So will es das von Wortman angeregte Fotoprojekt. Ich habe die kleine Skulptur des Kleinen Prinzen erkoren, dieses Objekt zu sein.

Der blaue Maimond und die Sehnsucht des Kleinen Prinzen haben mich zu meinem heutigen Bild angeregt.  Ihr wisst es ja wohl: Der kleine Prinz liebt Sonnenuntergänge. Saint-Exupery erzählt uns das so:

Dieses Detail erfuhr ich am Morgen des vierten Tages, als du mir sagtest:

  • „Ich mag Sonnenuntergänge. Lass uns einen Sonnenuntergang anschauen…“
  •  „Aber man muss warten …“
  • „Worauf denn warten?“
  • „Darauf, dass die Sonne untergeht.“

Warten? Das ist natürlich eine dumme Sache, wenn man ein sehnsuchtsvolles Kind ist. Aber vielleicht gibt es ja eine Lösung? Da ist doch noch die Geschichte mit dem universellen Herrscher auf dem kleinen Asteroiden. Der kleine Prinz fragt ihn

  • „Hoheit … worüber herrscht Ihr?“
  • „Über alles“, antwortete schlichtweg der König.
  • „Über alles?“

Mit einer taktvollen Geste zeigte der König auf seinen Planeten, auf die anderen Planeten und die Sterne.

(…)

  • „Und auch die Sterne gehorchen Euch?“
  • „Natürlich“, sagte der König. „Sie gehorchen aufs Wort. Ich toleriere keinen Ungehorsam.“

Der kleine Prinz bewunderte solch eine große Macht. Wenn er sie selbst besäße, könnte er nicht nur vierundvierzig, sondern zweiundsiebzig oder gar hundert oder zweihundert Sonnenuntergänge an einem Tag sehen, ohne nur ein einziges Mal seinen Stuhl zu verrücken! Und weil er ein wenig traurig war, beim Gedanken an seinen verlassenen Planeten, fasste er Mut und bat den König um einen Gefallen:

  • „Ich würde so gerne einen Sonnenuntergang sehen … Macht mir die Freude … Befehlt der Sonne, unterzugehen …“

Der universelle Herrscher erklärt dem Kleinen Prinzen sehr anschaulich, dass er nur vernünftige Befehle erteile. (…)

  •  „Wie steht es also um meinen Sonnenuntergang?“, fragte nochmals der kleine Prinz, der niemals von einer Frage abließ, wenn er sie einmal gestellt hatte.
  • „Du bekommst deinen Sonnenuntergang. Ich werde ihn anordnen. Aber da ich zu regieren verstehe, werde ich abwarten, bis die Umstände günstig sind.“
  • „Wann wird das sein?“, wollte der kleine Prinz wissen.
  • „Hm. hm!“, antworte der König und schaute zunächst in einen dicken Kalender. „Hm! Hm! das wird um … um … es wird heute Abend um sieben Uhr vierzig sein! Und du wirst sehen, wie man mir gehorcht.“

So also speiste man den Kleinen Prinzen ab. Warten, bis die Umstände günstig sind! Nein, das ist eine sehr altmodische Erziehungs-Auffassung, die kann ein moderner Mensch so nicht gelten lassen. Heute wollen wir (und können es glücklicherweise auch) alles mit einem Knopfdruck bzw Befehl erledigen. Und ich beschloss, dem Kleinen Prinzen eine Sonnenuntergangsapparatur (App) zu malen, die ihm jederzeit soviele Sonnenuntergänge erzeugen würde, wie sein Herz begehrt.

Kaum hatte ich mit dem Malen begonnen, stieg der blaue Maienmond über die Gartenmauer und rief mir zu: Und ich? Ja warum sollte die App nicht auch Vollmondaufgänge ermöglichen? Sonnenuntergang plus Vollmondaufgang zu jeder beliebigen Tages- und Nachtzeit und dazwischen unsere liebe Erde… Das würde dem Kleinen Prinzen bestimmt gefallen.

Oder etwa nicht? Was meinst du?

 


Die kursiv gesetzten Passagen sind wörtliche Zitate aus Antoine de Saint-Exupéry, „Der kleine Prinz“, nach der Übersetzung von K. Strassenburg.

 

 

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Die Mai-Kalenderblätter im Überblick (Blühendes)

Hier habe ich alles im Mai in den Kalender gezeichnete Blühende zusammengestellt – vom letzten zum ersten Mai rücklaufend. Es war ein freude- und blütenreicher Monat, weder zu heiß noch zu kalt, weder zu trocken noch zu nass. Also alles bestens.

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Sonntags im Archiv: Das Leben kann leicht sein

Jeden Sonntag steige ich hinunter in den Brunnen der Zeit, um herauszufischen, was mich an einem Tag wie diesem in einem früheren Jahr beschäftigte. Dieses Mal stieg ich bis ins Jahr 2015 hinab – der Mai 2015 war der erste Monat meiner Bloggerei. Und was schrieb ich an jenem Tag vor 11 Jahren? „Life can be easy“.

Damals glaubte ich das wohl tatsächlich, auch wenn ich ein gefürchteter Miesepeter und Schwarzseher bin. Ich legte eine Kleinstadtszene …

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und kommentierte:

Ja, das Leben kann auch leicht sein. Die Sonne gleicht dann einem Spiegelei, und die Hunde machen Bekanntschaft. Die junge Frau fühlt sich jung und sympathisch, weil sie mit der komischen Alten ein Wörtchen wechselt und das Söhnchen ihr noch, wenngleich widerstrebend, folgt. Die Alte ist froh, dass ihr der Ausgang auf ihren mürben Beinen noch möglich ist, und der Alte schiebt sich und seine Gedankenwelt im Gefühl der Überlegenheit durch die Kleinstadtstraße. Die Dächer sitzen schützend auf den Häusern, und wenn man genau hinsieht, entdeckt man auch die Schwarze Katze – oder sind es gar zwei? – auf dem First neben dem Schornstein. 

Ja, so kann man es sehen. Man kann es natürlich auch anders sehen: Die Sonne ist zu heiß, die Hunde wollen machen Ärger, die junge Frau wäre froh, wenn die Alte sie nicht mit ihrem Geschwätz aufhielte, und dem Söhnchen ist es höchst peinlich, dass er sich vor seinen Freunden lächerlich macht….

Ich aber wollte dem Leben in einer deutschen Kleinstadt (das ich sehr gut kenne) an jenem 31. Mai nur Gutes abgewinnen, um dann eine Mahnung anzuhängen.

O schöne friedliche Welt! Lasst sie uns ehren! Denn so mancher ist aus ihr vertrieben und irrt heimatlos durch fremde Länder, fremde Städte.

Flüchtlinge

Auf dem Legebild sieht man ganz unten (leider abgeschnitten) einen jungen Mann träumen von einer Welt, in der die Mühseligen und Beladenen mit einem herzlichen Welcome begrüßt werden.

Es war einmal…

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Kalenderblätter 28.-31.Mai: Blühendes

Der Mai, der Mai, der lustige Mai – dies Wocheende darf er noch bleiben, aber ich höre schon am Rauschen seiner Flügel, dass er sich zum Abflug bereitet. Und so habe ich die letzten Mai-Kalenderblätter fertiggestellt.

 

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„The Tube“, (Gefesselte Linien, Kohlezeichnung)

Gestern habe ich unter dem Eindruck meines Kunstbuchs über „gefesselte“ Linien noch weitergezeichnet, und zwar mit Kohle auf Billigpapier von der laufenden Rolle. Es hängt als lange Bahn über der Staffelei, und immer, wenn mir etwas einfällt, hinterlasse ich darauf Notizen. Gestern wurde aus den Notizen eine komplette Zeichnung,  die ich „The Tube“* (die Röhre) betitelte. Ein düsterer Ort.

Die winzigen Menschen sind, im Gegensatz zum Bauwerk, Linien in freier Bewegung.

*Die Londoner nannten (und nennen) den unterirdischen Verkehrsweg, der sich mit sehr engen röhrenförmigen Tunneln wie ein Maulwurf durch den Untergrund der Stadt buddelte,  „The Tube“ – die Röhre. Sie ist die älteste Untergrundbahn der Welt.  Der erste Streckenabschnitt wurde am 10. Januar 1863 als unterirdische, mit Dampflokomotiven befahrene Eisenbahn eröffnet.

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