Dienstags-Drabble: Mensch und Katze

Jeden Dienstag ein drabble mit Wörtern von Wortman schreiben – das ist eine heitere Angelegenheit. Heute sind die Wörter Glöckchen, schnell und Wind dran. Und ich habe mir ein 100-Worte-Gedicht über die Beziehung des Menschen zu Katz und Hund zusammengereimt.  Illustriert habe ich den Text mit e-Collagen aus eigenen Zeichnungen.

 

Miez, die viel geliebte Katze

Mit dem seidenweichen Fell

Mit der windesschnellen Tatze

Trägt ein Glöckchen, das klingt hell

 

Wenn sie sich mit leichtem Schritte

Ihrer Beute nähern will …

Was ist das für eine Sitte?

Wer verhindert „Spring und kill“?

 

Ach, die Dame, die verfluchte

Hat das Glöckchen angehängt,

zu erziehen sie versuchte

Kätzlein, das gern Mäuse fängt.

 

Ein Hund, sagt sie, gehorcht aufs Wort

Sobald man ihm Befehle gibt

er rennt auch nicht von selber fort

er ist loyal, weil er dich liebt.

 

Die Katze jedoch, was du ihr

Auch gibst an Liebe

Sie bleibt ein Tier

Der Triebe.

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Etüdensommerpausenintermezzo, zweiter Anlauf: Rebellion

Die bold gesetzten Wörter habe ich aus Christianes Liste ausgewählt, um ein zweites  kata-strophisches Etüdensommerpausenintermezzo zu verfassen.

Barfußpfad
Freiheitsstatue
Futterneid
Gletscherarchäologie
Hitzeflimmern
Igel
Jubiläum

Mischbatterie
Nacktcamper

Sommergraffiti
Unsportlichkeit
Wassermangel

Rebellion

 

Nicht Freiheitsstatue, o nein!

Freiheitskämpferin wollt‘ sie sein!

Sie würd‘ sich Schwäche nicht erlauben

Nichts würde den Elan ihr rauben

*

Doch leider warn die Eltern friedlich.

Und wenn sie fluchte, fand mans niedlich.

Und wenn sie mit der Sprayerdose

Besprühte Mamas schicke Hose

*

Dann hieß es, bravo, kreativ!

Sommergraffiti, dein Motiv?

Wenn bei der Jubiläumsfeier

Sie den teuren Wasserspeier

*

Verstopfte, sprach man sie dann schuldig?

O nein, man war verdammt geduldig

Anstatt Geheule, Wut, Tumult:

Der Wassermangel, der war schuld!

*

Warf sie ihr teures Schuhzeug weg,

dann kriegt der Papa keinen Schreck

er macht ihr einen Barfußpfad

für ihre Füßlein, o wie fad!

*

Was soll sie fürn Protest erwählen?

Sollte sie etwa Tiere quälen?

Den Igel in ner Lehmschicht backen?

Die Mischbatterie im Bad zerhacken?

*

Was sie auch als Protest erfand

Die Eltern blieben tolerant.

Wie kann man Freiheitskämpfer werden,

wenn man schon alles hat auf Erden?

*

Weggehen, fliehen, ohne Sachen

Sich auf die eignen Füße machen?

Nacktcamper werden ohne Zelt

und ganz auf sich allein gestellt?

*

Vielleicht marschiert sie nackt nach Rom

Direktemang zum Petersdom

Und lacht den Wächtern ins Gesicht:

„Stellt mich doch hin vor ein Gericht!“

*

Dann kann sie ihren Mut beweisen

Dann werden sie die Freunde preisen

Die immer sagen, sie sei brav

Und artig und ein blödes Schaf.

 

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Kleine Beobachtungen am Sonntag: Kaktusblüte, Bananenblätter, Schatten und Katzen

Gestern um 1 Uhr mittags  schaute ich wieder mal nach dem Kaktus an der Hauswand gegenüber dem Meer, in der Hoffnung, dass er endlich blüht. Und ja: wo vor einer Woche noch nichts zu sehen war, ist jetzt ein Blütenmeer. Ganz geöffnete Blüten sah ich nicht. Sie waren entweder halb geschlossen, Knospen oder verblüht. Keine Ahnung, wann die beste Zeit ist, um sie geöffnet zu fotografieren.

 

Die Bananenblätter machen in der Mittagshitze absichtlich schlapp. Sie haben einen interessanten Mechanismus, um sich zu schützen: sie klappen die beiden Blatthälften gegeneinander, bis nur ein winziger Spalt zwischen ihnen bleibt. Wird es kühler, spreiten sie sich wieder, um die Fotosynthese zu stärken.

Die Fliesen des Tavernenbodens sind von Sonnentalern übersät. Es sind genug, um damit Säcke zu füllen. – Der Schattenwurf des Sonnendaches macht sein Material sichtbar.

Die Katzen bekommen die Essensreste, die wir aus der Taverne mitgebracht haben. Sie ordnen sich automatisch strahlenförmig an, damit jede etwas abbekommt. – Die Katze Fritzi beteiligt sich nicht an den kollektiven Mahlzeiten. Sie hält ihre Siesta auf einem Sessel und wünscht nicht gestört zu werden. Auch nicht vom Kleinen Prinzen, der gestern seinen Auftritt hätte haben sollen.

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Sonntags ins Archiv: 19. Juli 2015: Odysseus bei Kalypso

Heute führte mich mein Weg wie jeden Sonntag ins Archiv. Ich landete im ersten Jahr meiner Blogtätigkeit. An jenem 19. Juli vor elf Jahren präsentierte ich ein Liebesdrama, das dieser Tage in einem gigantischen Leinwandspektakel erneut aufgerollt wird: Odysseus (Matt Damon) bei Kalypso (Charlize Theron). Regie: Christopher Nolan. Gesehen hab ichs noch nicht, werde es aber tun.

Heute nehme ich mit meiner eigenen Darstellung vorlieb (siehe hier). Auch die ist  spektakulär. (kursiv = mein damaliger Text)

Sofern ihr den Film schon gesehen habt, werdet ihr die Geschichte ja parat haben: Odysseus hat,  seiner Gefährten beraubt und nun völlig allein, zum zweiten Mal zwischen Skylla und Chabisdis hindurchgefunden. Was folgt, ist seine Rettung durch Kalypso.

Wie und warum Kalypso das tut, beschrieb ich in folgenden Worten:

Kalypso, die Nymphe (griechisch für Braut, heiratsfähiges Mädchen), hat ihr Alleinsein gründlich satt. Einen schönen Haushalt hat sie sich in ihrer Höhle eingerichtet, sie kann weben und spinnen, ihre Stimme ist geschult – ach, ihre einsamen Gesänge an der Küste der Insel Orygia, wo nur sie, nur sie allein, lebt, ein quellender Leib inmitten einer quellenden Natur! Was Wunder also, dass sie entzückt ausruft: „Ein Mann!“, kaum dass sie des Schiffbrüchigen ansichtig wird. „Ein tüchtiger Mann, scheints“, stellt sie zufrieden fest, nachdem sie den Ohnmächtigen begutachtet hat.  Sie schleppt ihn in ihre Höhle, salbt ihn, streichelt ihn, belebt ihn.

Ich kann mir vorstellen, dass Hollywood etwas mit dieser Szene anzufangen weiß. Bei mir lauten der erste Wunsch und das erste Versprechen der Kalypso (beides wird sich  sieben Jahre lang wiederholen):

„Ich gebe dir alles, Gesundheit und ewige Jugend“, flüstert sie dem Erwachenden ins Ohr. „Wenn du mich nur liebst“.

Da war es nun gefallen, das magische Wort. Das Wort für den Preis der Rettung. „Liebe mich“.

Und er liebt sie. Liebt sie bei Tag, liebt sie bei Nacht. Kalypso ist selig. 

Ein Superthema für Hollywood! Und eigentlich ein Happy-End. Hier, auf dieser fruchttragenden Insel Ogygia, hat Odysseus ein bequemes Leben und eine wunderschöne gefügige Geliebte zu seiner freien Verfügung. Eine ideale Mann-Frau-Beziehung! Was will er noch mehr?

Woran mangelt es Odysseus, dass er nicht selig ist, sondern das Leben mit Kalypso zunehmend als Gefängnis empfindet? Denn das tut er. Ihre duftende Präsenz wird ihm zum Alptraum. Fort will er von der üppigen Geliebten und der üppigen Insel, fort sehnt er sich und klagt: meine arme karge Insel brauche ich, meine alternde Gattin – ach mein Ithaka, ach meine Penelope! Ach, besser wäre es, Skylla hätte mich gefressen und Charybdis verschlungen – als dass ich Opfer werde dieses alles verschlingenden Weibes! Ich, Odysseus, ein Sexsklave, ich, der zuhause ein König ist! Ein Souverän!

Mir scheint, auch dies wird dem Geist von Hollywood gerecht.  Eine „allesverschlingende Geliebte“ und ein Mann, der sich nicht allein über seine Sexualkraft definieren mag, sondern als einsamer Reiter am Horizont verschwindet, neuen Abenteuern oder seiner Pflicht entgegen  – man kennt es aus so manchem Western.  Ich bin gespannt, wie sie das im Film gemanaged haben.

Man sieht, wir haben es hier mit einem Archetyp zu tun: Der Heros erlebt das Weibliche als verschlingende Macht. An jedem der sieben mal sieben mal 56 Tage und Nächte auf ihrem Lotterbett erscheint Kalypso ihm bedrohlicher.

Ihm schwinden die Sinne, seine Persönlichkeit löst sich auf. Er wird wieder zum Niemand. Seine Taten, sein Lebensweg werden annuliert. Das Weib, das ihn gebar, saugt ihn zurück in ihren Uterus.

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Er muss sich befreien. Fliehen? Das ist kaum möglich. Die einzige Lösung: von der Geliebten selbst das befreiende Wort erlangen: „Geh! Zieh dahin, wohin es dich verlangt! Du hast meine Starthilfe und meinen Segen.“ O, Kalypso! Du hast geliebt! Und du hast dich geopfert! Prächtig bist du, göttergleich!  Du bist das perfekte Weib der männlichen Träume, sofern du auf Alleinstellungsansprüche verzichtest.

Kalypso ist zwar EIN Archetyp der Weiblichkeit – aber durchaus nicht der einzige. Ihre bösartigere Schwester ist Zirze, die die Männer in Schweine verwandelt. Ihr konnte Odysseus entrinnen. Den Gesängen der Sirenen konnte er widerstehen, weil er sich an den Mast seines Schiffes hat fesseln lassen. Zwischen Skylla und Kabybdis (auch sie weibliche Archetypen) konnte er sich hindurchwinden, freilich nur unter der Bedingung, alle seine Kameraden zu verlieren und vollkommen allein zu bleiben. Und so ist er zu Kalypso gelangt, die eine gemilderte, kultivierte Form der Weiblichkeit darstellt. Sie ist keine reine Naturkraft mehr, sondern eine „Braut“. Sie rettet ihn aus den Fluten, sie beherrscht weibliche Handwerke, sie weiß zu lieben, ohne zu vernichten, und sie weiß zu verzichten, wenn es darumgeht, dem Mann sein Wachstum und seine „Heimkehr“ zu sich selbst zu ermöglichen.

Je weiter sich der Held vom Kriegsgeschehen entfernt, dessen Auslöser ein Streit um eine göttliche Frau (Helena) war und der sich dann in wüsten Gräueltaten an Frauen entlud  – je weiter, sage ich, er sich entfernt, desto hilfreicher und zivilisierter wird der weibliche Archetyp, dem er begegnet. Und so kann er sich heilen und uns seine Geschichte erzählen.

Von Kalypso gelangt Odysseus zu …

Wenn dich die Fortsetzung interessiert: hier weiterlesen!

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ps. Die Odyssee habe ich 2015 in zwei Leporellos nacherzählt. Die Szene mit Kalypso ist eine davon. Die Nacherzählung koppelte ich mit Kommentaren zur ersten Regierungszeit des Syriza unter Alexis Tsipras, Januar-Juli 2015, die Griechenland sehr nahe an den wirtschaftlichen Zusammenbruch brachte.

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Kalenderblätter 11.-17. Juni 2026 zum „Pädagogischen Skizzenbuch“

Mein Projekt, im Juli parallel zum Juni Kalenderblätter zu Paul Klees „Pädagogisches Skizzenbuch“ zu zeichnen, ist erst ins Stocken geraten, dann ganz zum Erliegen  gekommen. Es ist zu viel Kopfarbeit dabei, es passt nicht in den sommerlichen Tageslauf, und überhaupt. Also habe ich beschlossen, die noch freien Seiten des Juni und Juli leer zu lassen ode sie nur dann zu füllen, was es mir grad Spaß macht, etwas dazu zu zeichnen. Die bereits gezeichneten und bisher nicht gezeigten Kalenderblätter des Juni lade ich heute herunter, um sie für künftige Zugriffe zur Verfügung zu haben.

Ein paar Worte und Illustrationen dazu:

 

Der Sommer mit seinem gleißenden Licht ist so manchem Erdenbewohner zu hell, sie suchen den Schatten und das Dunkel der Nacht auf.  Manchen genügt ein Sonnenschirm, um der allzu großen Helligkeit ein wenig Dunkelheit hinzuzufügen und so ein „nicht symmetrisches Gleichgewicht“ herzustellen: auf der einen Seite der Waage der Schatten – auf der anderen die Sonne und der Sonnenschirm.

Manche Charaktere sind zu rot-energisch, sie nehmen gegenüber blauen Charakteren zuviel Platz ein. Ihnen sei ein wenig gelb empfohlen, um ihre Energie zu zügeln.

 

Licht und Schatten im Gleichgewicht (Wanddekorim Herakliden-Museum Athen), eigenes Foto

 

Im Sommer wendet man sich vermehrt den Regionen zu, von denen Klee sagt, dass sie sich nicht streng nach dem Erdmittelpunkt ausrichten, sondern „gelösterer Bewegung und beweglicherer Wirklichkeit entsprechen“: Luft und Wasser. Sie bilden die „Atmosphäre“ (ατμός/atmos = Atem, Dampf, σφαίρα/sphära = Kugel, also eine Kugel aus Atem und Dampf rund um die feste Erde ).

Klee nennt sie ein „Zwischenreich“ zwischen Anziehungskräften der Erde und den anders gearteten Verhältnissen im Kosmos.

 

„Zwischenreich“ Wasser und Luft = Atmosphäre (Legebild)

 

Der Linie eines geworfenen Balls in der Luft (1. Figur, bei Klee ist es ein Stein) folgen die Menschen mit Vergnügen,  die Anstrengung aber, der Erdenschwere beim Treppensteigen (zweite Figur) Herr zu werden, vermeiden sie nach Möglichkeit und nehmen einen Ασανσέρ/Assancer = Lift, Fahrstuhl. Man sieht, wie die aufzuwendende Energie bei jeder Treffenstufe aufwärts wächst, bis es gar nicht mehr geht.

Am meisten strebe man im Sommer danach, der dritten Figur zu folgen, die die „Beinstöße eines Schwimmers – ein Rhythmus mit loser Gliederung“ abbildet.

Ballspiele: Legebild mit Ullis Schnipseln, mit Glaskugelfoto überblendet

 

 

Fröhlich und mit Klingklang springt ein Stein den Berg hinab. Immer wieder findet er kleine Unregelmäßigkeiten im Hang, auf denen er landet und weiterhüpft. Dabei steigern sich seine Hüpfer sprungweise – ein Rhythmus mit „teils fester, teils loser Gliederung“

Fröhlich anzusehen ist auch der Ballon, der von warmer Luft hinauf getrieben wird, dann in kühlere Schicht gerät, was seinen Auftrieb verringert, dann wieder eine wärmere Schicht erwischt und weitersteigt, bis ihn eine richtig heiße Luft nach oben reißt. Ein Rhythmus mit „loser Gliederung“.

 

IMG_6599

Wandmalerei bei Kalamata, eigenes Foto

 

Es ist Sommer! Möge die Erdenschwere uns nicht zu sehr herunterziehen! 

Dem hier gezeichneten Meteor gelingt es, der Anziehungskraft der Erde zu entkommen. Möge jede „glühende Sternschnuppe … der  Gefahr entgehen, an der Erde für immer haften zu müssen„!

So gehts, wenn „Atmosphärisches und Kosmisches kombiniert“ auftreten.

IMG_2720

chinesische Stern- und Kometenkarten, eigenes Foto

Kursiv gesetzte Zeilen sind Zitate aus Klees Pädagogischem Skizzenbuch

 

 

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Etüdensommerpausenintermezzo : Erster Versuch

Ihr wisst es bereits: Christiane hat zu einem nun schon traditionellen Spaß  aufgerufen, der sich Etüdensommerpausenintermezzo nennt. Dafür haben die Bloggerfreunde Wörter gespendet, und Christiane hat auf ihre unnachahmlich objektive Art eine Auswahl getroffen und eine Liste erstellt, die da lautet:

Barfußpfad
Freiheitsstatue
Futterneid
Gletscherarchäologie
Hitzeflimmern
Igel
Jubiläum
Mischbatterie
Nacktcamper
Sommergraffiti
Unsportlichkeit
Wassermangel

Sieben dieser Wörter sind in einer Erzählung oder, was ich bevorzuge, in einem Reimgedicht, sinnvoll unterzubringen. Ein Tier soll auch eine Rolle spielen. Auf gehts!

Sommerfreuden

Das Meer erglänzt, und in das Silber

Zeichnet der Sommer seine Bilder

Von Booten, Kindern, Mann und Weib

Von Schwimmern ohne Unterleib

Mit leichter Hand und viel Humor

Bringt Sommergraffitikunst hervor.

*

Lasst dem Sommer doch dies Recht!

Macht mir nicht den Sommer schlecht!

***

Unsportlichkeit ist ja verzeihlich

Man sieht es dann im Sommer freilich

Wenn all die Hüllen, die verborgen

Das weiße Fett und andere Sorgen,

entfallen und am Badestrand

die Haut erglüht im Sonnenbrand…

*

Trainierter Leib wird schokoladig

Macht mir nicht den Sommer madig!

***

Wenn du nicht reinpasst mehr ins Kleid

Vergiss einmal den Futterneid

Wenn andre an dem Eise schlecken

Und sich hernach die Lippen lecken

Als wäre Gletscherarchäologie

Ihr Hauptgebiet und ihr Genie.

*

So lass sie doch! der Sommer gibt

Dir sonst noch vieles, was beliebt!

***

Hast du kein Meer, und hast du Kinder

Was ist im Sommer denn gesünder

Als in dem Wald und auf der Wiese

Die wogt in leichter Sommerbrise

Zu campen wie Nacktcamper tun:

Bekleidungsriten dürfen ruhn!

*

Der Sommer ist den Nackten heilig

und schicke Kleidung höchst langweilig.

***

Du klagst, dass es kein Wasser gebe?

Liebst du denn nicht den Saft der Rebe?

Die reifet bestens bei der Hitze

Und die Weine werden Spitze

Wassermangel hindert nie

Den Durst zu stillen, je vouz prie!

*

Macht mir nicht den Sommer mies!

Wer macht sonst die Trauben süß?

***

Doch im Ernst, vergiss nicht ganz

liebe Liese, lieber Franz,

dass die Tierlein Wasser brauchen.

Siehst du einen Igel krauchen

Durch des Lattenzaunes Ritze

Ganz ermattet von Hitze

*

Sei kein Egoist, du Knilch!

Gib ihm Wasser oder Milch!

 

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Zeichnen nach Modell: ein Paar

Heute nahm  ich die Gelegenheit zum Modellzeichnen wahr, obgleich der Tag schon sehr dicht und erlebnisreich war. Denn heute würde ein Paar Modell sitzen. Als Einzelne hatte ich sie schon gezeichnet, heute aber würden sie gemeinsam posieren. Außerdem würde jede Pose nur 15 Minuten dauern und dann wechseln. Das finde ich spannender als die endlos sich wiederholenden Posen.

Ich zeichnete wie gewöhnlich mit Kohle auf großem Zeichenkarton (A2). Die 15 Minuten reichten jeweils gerade, die Szene grob zu skizzieren. Zu Korrekturen blieb keine Zeit.  Schade. Diesmal hätte ich gern längere Posen gehabt, denn was ich sah, gefiel mir sehr. Vielleicht beim nächsten Mal.

 

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Dienstag-Drabble, ungereimt. „Der ungelesene Zettel“

Wortman hat erneut zum Dienstagsdrabbeln aufgerufen, diesmal mit den Wörtern

Scheuneherausragend – Zettel

Zu schreiben ist ein Kurztext von genau 100 Wörtern.

***

Der ungelesene Zettel

Ein angerosteter, aus einem Scheunentor herausragender Nagel durchbohrte den Zettel, der alles in ihrem Leben verändern würde. Sie versuchte zu entziffern, was auf dem Zettel stand, ohne den Nagel herauszuziehen und ohne das Papier zu zerreißen, aber vergebens. Immerhin meinte sie zu verstehen, dass es eine Botschaft an sie selbst war. Jedenfalls nahm sie das an, denn wer sonst hier in der Gegend liefe mit diesem merkwürdigen Namen herum, mit dem ihre Eltern sie ausgestattet hatten?

Sie ruckelte ein bisschen an dem Nagel, und tatsächlich ließ er sich leicht herausziehen. Der befreite Zettel flog, von einem heftigen Windstoß erfasst, davon.

***

Zum Vergleich biete ich euch eine Erzählung von Franz Kafka an (sie wurde in dem einzigen von ihm autorisierten Erzählband „Ein Landarzt“ 1917 veröffentlicht). Und ich frage: Worin gleichen sich die Geschichten, worin unterscheiden sie sich?

***

Franz Kafka

Eine kaiserliche Botschaft.

Der Kaiser – so heißt es – hat dir, dem einzelnen, dem jämmerlichen Untertanen, dem winzig vor der kaiserlichen Sonne in die fernste Ferne geflüchteten Schatten, gerade dir hat der Kaiser von seinem Sterbebett aus eine Botschaft gesendet. Den Boten hat er beim Bett niederknien lassen und ihm die Botschaft ins Ohr zugeflüstert; so sehr war ihm an ihr gelegen, dass er sich sie noch ins Ohr wiedersagen ließ. Durch Kopfnicken hat er die Richtigkeit des Gesagten bestätigt. Und vor der ganzen Zuschauerschaft seines Todes alle hindernden Wände werden niedergebrochen, und auf den weit und hoch sich schwingenden Freitreppen stehen im Ring die Grossen des Reichs -, vor allen diesen hat er den Boten abgefertigt. Der Bote hat sich gleich auf den Weg gemacht; ein kräftiger, ein unermüdlicher Mann; einmal diesen, einmal den andern Arm vorstreckend, schafft er sich Bahn durch die Menge; findet er Widerstand, zeigt er auf die Brust, wo das Zeichen der Sonne ist; er kommt auch leicht vorwärts, wie kein anderer. Aber die Menge ist so groß; ihre Wohnstätten nehmen kein Ende. Öffnete sich freies Feld, wie würde er fliegen, und bald wohl hörtest du das herrliche Schlagen seiner Fäuste an deiner Tür. Aber statt dessen, wie nutzlos müht er sich ab; immer noch zwängt er sich durch die Gemächer des innersten Palastes; niemals wird er sie überwinden; und gelänge ihm dies, nichts wäre gewonnen; die Treppen hinab müsste er sich kämpfen; und gelänge ihm dies, nichts wäre gewonnen; die Höfe wären zu durchmessen; und nach den Höfen der zweite umschließende Palast; und wieder Treppen und Höfe; und wieder ein Palast; und so weiter durch Jahrtausende; und stürzte er endlich aus dem äußersten Tor – aber niemals, niemals kann es geschehen, liegt erst die Residenzstadt vor ihm, die Mitte der Welt, hochgeschüttet voll ihres Bodensatzes. Niemand dringt hier durch und gar mit der Botschaft eines Toten. – Du aber sitzt an deinem Fenster und erträumst sie dir, wenn der Abend kommt.

 

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Sinnestäuschung mit Segelbooten (Impulswerkstatt, Bild No 3)

Einen See oder Fluss kann ich zu deiner Sommeridylle nicht beisteuern, liebe Myriade, aber gelegentlich ähnelt unser Meer fast einem geschlossenen Gewässer. Und Segelboote – ja, die gibts hier auch. Die hohen Berge liegen freilich in meinem Rücken und kommen von dort, wo ich sitze (in meiner Lieblingstaverne) nicht mit aufs Bild.

Und das Segelboot? Halt, da muss ich ein bisschen zoomen.

Es gibt da drei parallele Linien, die mich verblüffen: gut, die eine Linie ist der Horizont und die andere eine Schaumlinie, vermutlich zuvor von einem Schnellboot erzeugt. Aber die dritte, die aussieht wie ein Draht, an dem das Boot entlanggezogen wird?

Wie ich so schaue, kommt schon das nächste Boot angeschippert und vereint sich mit dem ersten zu einem Zweimaster. Dieser Draht hat es doch nicht etwa herbeigezogen?

Merkwürdige Sinnestäuschung! Schon schieben sie sich wieder auseinander und segeln getrennt weiter.  Und der Draht gehört zu einer ganz anderen Dimension als die beiden Segler auf dem Meer.

 

 

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Reflexionen (kleine Beobachtungen)

Hitze nun auch bei uns, dazu eine geschwollene Backe vom letzten nun glücklich auch entfernten Backenzahn – da ist es mit der Kreativität nicht weit her. Ich liege rum, das Hirn bleibt stumm, das Auge schweift und bleibt an … Reflexionen anderer Art hängen:

Die erste fiel mir auf, als ich meine Brille auf meinem Hosenbein ablegte. Das Eulenfenster bildete sich in strahlendem Blau auf dem Gewebe ab, und dahinter, in größerem Format, wurde es noch einmal in hellem Grün sichtbar. Leider ist das grüne Abbild trotz aller meiner Versuche auf dem Foto nur unklar zu erkennen. Das Fenster selbst ließ ganz  unspektakulär graues Licht des heißen Tages hindurch.

Eine naheliegende Erklärung habe ich für dies Phänomen der doppelten farbigen Brechung: die Brillengläser sind beschichtet, um die Augen vor Schäden bei allzu vielem Computer- und Handygebrauch zu schützen. Warum nun gerade diese Farben und Formen – das muss ein anderer erklären.

Ganz unerklärlich blieb mir eine strahlend rot-grüne Reflexion auf der Rückenlehne des Schreibtischsessels, in dem mein Mann mit grünem T-Shirt saß und nachdachte. Das Licht kam aus dem entfernten Fenster zum Vorgarten, aber da gabs nichts Besonderes zu sehen. Wie kommen diese Reflexionen zustande? Keine Ahnung.

 

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