Pferd-Collagen

Das heute gezeichnete Pferd – Kopie nach Hans Baldung Grien – musste ich gleich in allerlei Surroundings einbauen.  Es gibt natürlich endlose Möglichkeiten. Als erstes probierte ich verschiedene Atmosphären, Kombinationen mit Fotos und Zeichnungen und Größenverhältnisse aus.

Mit Eule + Kerze (Bleistiftzeichnung und Eulenspiegelung, auf Computer):

Mit Tito (Foto-Zeichnung-Collage)

Mit dem Ackergaul (Foto-Zeichnung-Collage)

See-Pferd (Foto-Zeichnung-Collage)

Über Athen. Im Pendelikon mit blühendem Ginster (Foto-Zeichnung-Collage)

Mit dem Wespenhaus (Foto-Zeichnung-Collage)

Mit Zwerg, Pfeifenköpfchen und Eule (Bleistift-Tintenstiftzeichung)

Im Sandova-Tal (Foto-Zeichung-Collage)

 

 

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Tägliche Zeichnung (Kopie): Pferd

Das Original kann man derzeit in der Kunsthalle Karlsruhe bewundern. Sehr gern würde ich es tun, aber nun muss eine Kopie genügen. Ganz gelungen ist sie mir nicht, denn im Original ist das Pferd in einer extremeren Perspektive festgehalten. Ich zeig die Zeichnung trotzdem, denn bekanntlich gelingt nicht alles so, wie man möchte, und dann ist es eben dies. Außerdem lerne ich viel aus meinen Fehlern.

Wieder war die Erfahrung des Kopierens für mich sehr lehrreich und interessant. Besonders die Unterschiede zu den Schraffuren in Dürers Kupferstichen fielen mir auf. Bei diesem Pferd werden die Strichrichtungen weit häufiger gewechselt als bei Dürers Heiligem Hieronymus, der viel einheitlicher gearbeitet ist. Vielleicht liegt es am unterschiedlichen Material – Kupfer und Holz? Es kann aber auch am Temperament der Künstler liegen.

Vielleicht findest du heraus, wer der Holzschneider war? Das Pferd ist ein Ausschnitt aus einem größeren Bild.

 

 

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Mein Sonntagsbild: „Die Spinne“ (Athen-Bummel, Fotografie)

Das heutige Sonntagsbild von Ulli gibt mir das Stichwort für ein eigenes Sonntagsbild, das ich gern zeigen wollte, aber noch zögerte. Denn auch mein Herr Hund – entrüstet über mein gestriges Kater-Foto –  wollte ein Portrait von sich im Blog sehen. Doch da er heute morgen von der Bildfläche verschwand, sich auch nicht finden ließ und erst nach stundenlangem Suchen schlecht gelaunt wieder auftauchte, beschloss ich, dass er kein Portraitfoto verdient hat. Also kommt heute „die Spinne“ dran!

Der Titel „Die Spinne“ (auf deutsch!) stammt nicht von mir, sondern von der Graffiti-Künstlerin (falls es kein Künstler war), die ein altes Gemäuer unterhalb der Akropolis mit einem riesigen schwarz-weißen Netz überzogen hat. Von Ferne dachte ich, es sei ein schön ziseliertes Gitter, beim Nähertreten wurde dann klar, dass mich viele kunstvoll gespräyte Augen ansahen, die sich zu einem Netz fügten. Argus-Augen. Ihr kennt den Riesen mit den hundert Augen, nicht wahr? Wenn nicht, schaut mal hier nach. Den Kopf der Spinne fand ich schließlich auch.- Und so trifft sich meins mit Ullis nicht nur in der Vorstellung von Spinne und Netz, sondern auch in ihren Fragen zum Sehen: wie sieht ein hundertäugiger Riese? wie sieht eine Spinne mit hunderten von Augen? Was ist Wahrnehmung?

Anklicken = Vergrößern.

 

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Athen-Tour ohne Katze? Geht nicht.

Schon gut, es gibt viele. Sehr viele. Und jede ist sehenswert. Aber ich werde darum nicht zur Katzenfotografin. Wenngleich … es ist verführerisch. Aber nein. Nur eine einzige, einen ganz gewöhnlichen Kater, nein, Katze, dafür gleich dreifach. Ein Bewegungsablauf. Vorgestern aufgenommen an der Flanke der Akropolis, mit Blick auf Lykabettos und die Stadt.

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Athen, historische Bröckchen (2): Zwei geschlossene Eisentüren (Raum-Zeit-Collage)

Die erste Eisentür: Bei unserem gestrigen Streifzug durch Athen machte mich Freundin Eleni auf eine recht unscheinbare eiserne Tür aufmerksam und wies zugleich lachend auf den Namen der Straße.

Was verbarg sich hinter der eisernen Tür mit der Aufschrift  „Exarchia Panagiou Taphou“? Eleni erklärte es mir: Von hier aus wird das Feuer, das zu jedem Osternfest aus der Auferstehungskirche in Jerusalem per Flugzeug nach Athen gebracht wird, an alle Bischofssitze und von dort an alle Kirchen des Landes verteilt. In der Osternacht, sobald der Gesang „Er ist auferstanden“ erklingt,  werden die Gläubigen an der heiligen Flamme ihre Auferstehungskerze entzünden.  Diese bescheidene Tür. Hier ist also der Ort….

Odos Erechtheos – das verstand ich. Erechtheus ist mir kein Unbekannter: Halb als Mensch, halb als Schlange gestaltet, gilt er als der eigentliche Gründer Athens.  Das über seinem Grab errichtete Erechtheion, anmutig geschmückt mit den Karyatiden, gilt als die „Arche“ der Stadt*.

Der Ort. Die Zeit.

Eben verschwand die Sonne hinter dem „Heiligen Felsen“ (Iero vrachos) der Akropolis. Und meine Gedanken begannen zu schweifen. Wenn du magst, folgst du mir noch ein wenig in die Tiefen der Zeiten. Zu den Anfängen. Zur αρχή (Arche)*. (Unter dem Strich kannst du, wenn du magst, lesen, was mir zum Wort Arche eingefallen ist).

Von diesem Felsen also hatten sich die Töchter des Kekrops gestürzt, damals, in grauer Vorzeit, als sie, dem Gebot der Athene zuwiderhandelnd, den Korb öffneten, in dem der neu geborene Erechtheus lag. Geboren hatte ihn Gaia (Erde), sein Vater war Hephaistos (Vulkan) gewesen. Athene hatte den Säugling in einen geschlossenen kastenförmigen Korb (Kasten! Noahs Arche! Moses Korb!) gelegt und den drei  Töchtern des Kekrops anvertraut – mit dem Gebot, nicht hineinzuschauen. Zwei der Töchter öffneten den Korb, wurden wahnsinnig beim Anblick des schlangenförmigen oder von Schlangen umwundenen Kindes und stürzten sich vom Akropolis-Felsen. Die verbliebene Schwester zog den Säugling auf.

Vielleicht war es auch ganz anders. Mythen sind von Natur aus vielgestaltig. Erechtheus kann sehr wohl auch andere Eltern gehabt haben. Ein starker Anwärter ist Erichthonios, ein „autochtoner“ Herrscher (aus der Erde geboren), halb Mensch, halb Schlange auch er.  Oder Kekrops. Aber vielleicht sind die drei auch ein und derselbe.

 

Vielleicht war Erechtheus aber auch ein Zugewanderter, ein „Migrant“. Die sehr merkwürdige Geschichte der Empfängnis, Geburt, Adoption könnte das nahelegen. Diodor Siculus, ein Grieche aus Sizilien (80-20 v. Chr) behauptete, Erechtheus stamme ursprünglich aus Ägypten, habe die attischen Bewohner mit der Feldwirtschaft vertraut gemacht und so die grassierende Hungersnot beendet. Daraufhin sei er zum König gekrönt worden. Schon möglich – aber woher will dieser spätgeborene Grieche wissen, was tatsächlich ungefähr zur Zeit der Sintflut geschah? Ja, ja, solange ist das alles her….

Genauso gut und mit weit größerem Recht könnte Erechtheus aus Erech stammen, der uralten Stadt, die der „große Jäger“ Nimrod gründete…  Erech.Theus – der Göttliche aus Erech** (Unter dem Strich kannst du dann, wenn du magst, noch lesen, was ich dazu recherchiert und mir zusammengereimt habe).

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*„Arche“. Das griechische Wort Arche (αρχή) bedeutet „Anfang“ / du kennst es vielleicht aus dem Johannes-Evangelium. En arche ein o logos (am Anfang war das Wort). Die Arche des Noah heißt dagegen Kivotos (κιβωτός). Ein Kasten. Das davon abgeleitete κιβώτιο (kivotio) ist bis heute die Schachtel. Schachtel … eingeschachtelt….

Gleichklingend ist das Wort kivos (κύβος), der Kubus oder Würfel. Das eine wird mit i, das andere mit y geschrieben – aber es will mir nicht in den Kopf, dass die beiden Wörter nicht verwandt sind oder sogar ein– und dasselbe bedeuten. Denn war die Arche nicht eigentlich ein großer Kubus? Und ist der Kubus nicht das Symbol für alles Irdische, ja für die Erde, das Stabile selbst? Ganz abgesehen mal von Caesars κύβος ερρίφθη Kivos erifthei –  alea iacta est – der Würfel ist gefallen, als er den Rubicon überschritt und damit etwas in Fluss setzte, das faktisch die römische Republik beendete. Schweifende Gedanken.

Abb. aus ΕΛΛΗΝΙΚΟΣ ΠΟΛΙΤΙΣΜΟΣ – ΕΡΕΧΘΕΙΟ, Hier sieht man gut den Kasten-Inkubator unter dem Olivenbaum

Ein Inkubator, in dem frühgeborene Säuglinge am Leben erhalten werden, ist ja eigentlich auch ein Kubus. Der Kastenkorb, in den Athene den Säugling legte, ein vorzeitlicher Inkubator? Ist vielleicht das ganze Grab des Erechtheus mit dem darüber gebauten wunderbaren Erechtheion-Tempel ein Inkubator, in dem die noch allzu junge, noch nicht lebensfähige Athener Kultur im Schutz der „Koren“ (Töchter) heranreifte?

Ja, ja, ich weiß, all das ist ethymologisch gesehen Mist – das eine Wort, so wissen die Experten, kommt aus dem Lydischen, das andere aus dem Lateinischen, das dritte aus dem Hebräischen, Arabischen…. Aber so sind meine Gedanken eben: sie laufen an den Wortklängen hin, reimen sich etwas zusammen.

Und so geschah es mir auch mit dem Namen **Erechtheus – dem „Gott aus Erech“

Eine direkte Verbindung zwischen Noah und der vorhistorischen Stadt Erech wird im Ersten Buch Moses hergestellt: Nimrod „der Erste, der Macht gewann auf Erden“, war über die Linie Noah-Ham-Kusch ein Urenkel von Noah und herrschte über Babylon, Erech, Akkad und Kalne…..

Die biblische Stadt Erech aber ist gleichbedeutend mit der Kultur von Uruk.  Wikipedia:  „Das besondere wissenschaftliche Interesse an der Uruk-Zeit speist sich aus ihrer Bedeutung als Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit. Nach derzeitigem Kenntnisstand entstanden in ihr erstmals urbane und staatliche Gesellschaften. Deren Basis bildete eine arbeitsteilige Wirtschaft, die auf Massenproduktion ausgerichtet war. Gleichzeitig wurden viele wegweisende Technologien geschaffen; hierzu gehört auch die Erfindung der Schrift“.  

Eine Wendezeit, jawohl! Erechtheus war der Gründer … einer neuen Stadt, der ersten richtigen Stadt Europas, ATHEN! aus der die unsere, die „abendländische“ Kultur hervorwuchs. Und sein Grab-Tempel mit den wunderbaren Karyatiden war der Inkubator der neuen Kultur.


Vom zweiten Grab-Tempel – und der Auferstehung, die jedes Ostern gefeiert wird, brauche ich nichts weiter zu sagen. Das kennst du ja. Lehre, Tod und Auferstehung Christi sind die zweite Grundlage unserer abendländischen Kultur. Hier, im Schatten der Akropolis, flossen mir die beiden Ströme optisch in einen großen Strom zusammen.

Und die zweite Eisentür mit dem geschlossenen Rollo? Was ist mit der?

Vor dieser Tür stand ich zwei Tage zuvor. Sie ist, wie du siehst, mit Gaffiti übermalt. Unauffällig, halb verdeckt von einem Kiosk. Schon öfter war ich hier vorbei gekommen, aber aufgefallen war sie mir noch nie. Korai -Straße 4. „χορος ιστορικής μνήμης 1941-1944“ – „Ort historischer Erinnerung“. Aha. Hier sollte ich mich an etwas erinnern. An was bloß? Nicht an die Ursprünge der abendländischen Kultur, sicher nicht. Nein, sondern an einen der Tief- und Endpunkte dieser Kultur.

Diese Tür führt hinab zu den Kellern, in denen die deutschen Besatzer Griechen gefangensetzten und quälten. Darüber, in dem einst prächtigen Gebäude der „Ethnischen Versicherung“, hatte sich die „Deutsche Kommandatur“ einquartiert. Aus dem Gebäude sollte eine Erinnerungsstätte an den Widerstand gegen die deutsche Besatzung werden. Es gibt Fotos von Besuchen der Spitzenpolitiker, sogar des Staatspräsidenten. Doch aus Gründen, die ich nicht kenne, wurde der Plan aufgegeben. Die griechischen Internetseiten schweigen sich aus. Umso mehr freut es mich, dass ich deutschsprachige Berichte und Fotos fand. Ich zitiere aus einem Bericht über Gedenkorte Europas: „„Drei ganze Jahre lang spielt sich im ersten und zweiten Kellergeschoss, welche sich direkt neben dem Kino Asty befinden, das nackte Grauen ab. Die Gefangenen, die hierherkommen, werden in der Regel von den Kellern direkt in die Gefängnisse der Averoffstraße, in Konzentrationslager, zum Ort ihrer Hinrichtung oder vor das deutsche Militärgericht überführt. Sechs Meter unterhalb der Erdoberfläche gelegen, ermöglichen die Keller die absolute Isolation mitten im pulsierenden Herzen von Athen. Die unterirdischen Gänge füllen sich mit menschlichen Körpern, Namen und Sätzen in verschiedenen Sprachen: griechisch, deutsch, italienisch, französisch, russisch und arabisch. Niemand kann genau sagen, wie viele Menschen in den Kellern der Koraistraße gefangen gehalten wurden. Allein die in die Wände gekratzten Zeichnungen zeugen von einer regen, ununterbrochenen Betriebsamkeit, die erst das Ende der Nazizeit abwarten muss, um zum Stillstand zu kommen“ (Droumbouki, S. 2).

 

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Athen, historische Bröckchen (Fotografien und Texte): 1. Die Kirche „Ag Eleftherios“

Athen – das ist aufgeblätterte Geschichte. Manche Seiten herausgeputzt, eingerahmt, nur mit Eintrittskarte oder gar nicht zu betreten, andere unbeachtet, eingerissen, beschmutzt, oft auch neu überschrieben. Schicht um Schicht Zeugnisse so vieler Epochen unter- und übereinander, nebeneinander, gleichzeitig. Wie in einem viel zitierten aber wenig gelesenen Buch konzentriert sich die Aufmerksamkeit der vielen auf weniges, der Rest ist nur den Experten bekannt oder völlig in Vergessenheit geraten.

Ich bin keine Expertin, sondern eine Herumstreifende, deren Aufmerksamkeit von Merkwürdigkeiten gefangen genommen wird. Hier ein Wort, dort ein Halbsatz, manchmal auch ein ganzes Kapitel. Wobei mich immer wieder – wie in meinen letzten Raum-Zeit-Collagen – der geschichtliche Echoraum fasziniert. Was ich heute sehe, weckt Echos aus früheren Epochen, und mir ist manchmal, als wandelte ich, während ich durch die Räume der Gegenwart streife, durch Zeiten ganz anderer Art.

Heute möchte ich damit beginnen, ein paar der „historischen Bröckchen“, die ich bei meinen Streifzügen so nebenbei aufsammele, mit Kurzinfos und Fotos zu dokumentieren. Es sind keine tief grabenden Analysen, auch keine literarischen Schmuckstücke, sondern nur Bemerkungen über das, was mir auffiel:  frei schweifende Assoziationen, gelegentlich durch kleine Recherchen ergänzt. Raum-Zeit-Collagen der anderen Art.

No. 1

Die kleine byzantinische Kirche neben der großen Kathedrale im Zentrum von Athen.

Ihr heutiger Name ist Ag. Eleftherios, doch in den Jahren nach ihrer Erbauung (irgendwann zwischen dem 6. und 12. Jahrhundert) war sie zunächst „Maria der Schnellhelfenden“ gewidmet. Was mich nicht wundert, denn sie wurde auf einem antiken Tempel errichtet, der der göttlichen Geburtshelferin Ilithia (Ειλειθυία) geweiht war. Der heutige Name der Kirche „Hl. Eleftherios“ (Αγ Ελευθέριος) ist nichts anderes als die maskuline Form von Eleftheria (ελευθερία, Freiheit). Καλή Ελευθερία – gute Freiheit – wünscht man einer Schwangeren vor der Entbindung. Ach ja, heute ist die Kirche mit ihren männlichen Amtsinhabern, die nichts von Geburtshilfe verstehen, zuständig für die seit je gleichen Sorgen der Frauen, wenn es ans Gebähren geht. Das erinnert mich doch sehr an die Verdrängung der „weisen Frauen“ (Hexen und Zauberinnen)  durch die männlichen Ärzte (solide aufgeklärte Wissenschaftler).

Eine schöne Kirche! Viel schöner als die kalte protzige Kathedrale daneben, deren erste Pläne übrigens von demselben dänisch-österreichischen Architekten Theofil Hansen stammen, der auch die Universität entwarf (ich zeigte sie gestern). Das war zur Zeit von König Otto, dem Bayern auf dem griechischen Königsthron. Erbaut wurde die Kathedrale zwischen 1842-1864.

Doch zurück zur kleinen byzantinischen Kirche daneben. Da ich nicht in die Kirche hineingehen, sondern nur hineinschauen konnte, machte ich einen Rundgang und inspizierte die Außenwände – Ausschau haltend nach Spolien.  Die Kirchen wurden in frühen Zeiten ja nicht nur auf dem Fundament alter Tempel, sondern auch mithilfe des alten Baumaterials errichtet. Man sieht es oft als sorgfältig bearbeitete Marmorstücke (Spolien) zwischen den ansonsten eher grob behauenen Blöcken der Kirchenwände. Die „heidnischen“ Symbole wurden gewöhnlich rausgehauen und durch neue christliche Symbole ersetzt. Leicht verblüfft bemerkte ich daher den bekränzten Stierkopf an der Fassade dieser sehr zentralen Kirche. Haben die Kirchenleute nicht bemerkt, welche Spolie man da eingebaut hatte?  Es ist der geschmückte Kopf eines Opferstiers – Bucranium genannt! Zur Zeit Alexanders d. Gr. (4. Jh. v. Chr) und bis weit hinein in die römische Epoche war dieses Schmuckelement sehr üblich. Ein besonders schönes Beispiel sah ich in Samothrake am Tempel der Arsenoe (4. Jahrhundert v. Chr.) – einer ptolemäischen Kaiserin in Alexandria/Ägypten, die der kleinen nordägäischen Insel sehr verbunden war. Anmerkung für Rom-Reisende: Man fand solche Deko auch im Grabmal der Caecilia Metella an der Via Appia, und so heißt der ganze Bezirk bis heute Capo di Bove.

Unbeantwortet bleibt mir die Frage, wie dieses Bucranium in die Kirchenwand geriet. Vom Tempel der Geburtshelferin Ειλειθυία dürfte es kaum stammen. Da wäre es genauso fehl am Platze gewesen wie an dieser christlichen Kirche. Doch wie auch immer: meine Freude, durch diesen Stein zurückgeworfen zu werden nach Samothrake, wo ich zwanzig lange meist glückliche Sommer verlebte, wird dadurch kein bisschen verringert.

 

 

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Commedia dell’Arte: Neue Collagen mit Putte, Polygon und Leiter

Ich schrieb es im gestrigen Beitrag: Der Gedanke mit der „Einkastelung“ verfolgt mich seit Ule Rolffs  Kommentar zur Putte: „Schade, dass du sie im Großraumbüro in einen Rahmen gesperrt hast; es hätte mich interessiert, was sie dort so treibt, wenn sie über mehr Freiheit verfügte“.

Ja, was hätte sie getrieben, wenn ich sie nicht in einen Rahmen gesperrt hätte??? Das ist eine spannende und nicht leicht zu beantwortende Frage. Ich hatte sie eingerahmt, weil mir schien, dass sie sich sonst im Raum verlieren würde. Aber würde sie? Konnte sie sich nicht doch behaupten und sogar allerlei Schabernack anstellen?

Sie hatte natürlich  nur wenige Instrumente dabei: die Leiter war nur angedeutet, blieb der Polygon. Würde sie in dem leeren Raum hantieren oder lieber im Raum, der von ihren Leuten (Hieronymus, Löwe) oder von meinem Mann bevölkert war? Würde sie sich vervielfältigen? Oder nur den Polygon? Welche Funktion würde dieser haben? Ein Transformator, eine neuartige Beleuchtung, ein elektronisches Supergerät neuester Erfindung? Ein Baustein, aber wofür? Irdischen oder himmlischen Charakters? Versuchung oder Erleuchtung? Oder war alles nur Unsinn und Schabernack?

 

 

 

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Spaziergang in Athen: meine Ausbeute: (b) Entkasteln – geht das? Öffnungen

Zu meinem gestrigen Galeriebummel „eingekastelt“ schrieb Werner Carsten: „Ein Bild ist wie eine Seite in einem Buch. Auf der Buchseite sind die Akteure in den Zeilen gefangen, wir können „weiterblättern“, um den Rest der Geschichte zu erfahren oder wir können sie „sterben“ lassen, indem wir das Buch oder die Seite zuschlagen.
Ein Bild können wir nicht weiterblättern: alles ist gefangen und spricht nicht direkt mit uns. Auch die dort dargestellten Räume sind ja nur Erweiterungen des Gefängnisses, und selbst, wenn der „Gemalte“ aus dem Rahmen fällt, scheinbar aus dem Bild fällt, bleibt er in ihm gefangen.“

Das „Gefangensein“ der Figuren im gerahmten Bild hat eigentlich erst so richtig mit der Leinwand als Bildträger begonnen. Herrschaften jeder Art ließen sich abkonterfeien, sammelten Bilder, dekorierten damit ihre Häuser und Paläste. Und vorher, also vor der Erfindung der Ölmalerei auf Leinwand (15. Jahrhundert)?  O, da waren vor allem die Wände der Kirchen und Paläste die Bildträger. Während des Barock und Rokkoko, als das gerahmte Einzelbild längst Einzug in die Haushalte wohlhabender Bürger  gehalten hatte, bemühten sich die Künstler darum, in den Palästen und Kirchenkuppeln einen entgrenzten Raum vorzutäuschen, mit Geflügelten, sie sich in höchste Höhen gemalter Blauhimmel schwangen. Ein besonders schönes Beispiel kann man in der Bischofsresidenz von Würzburg bewundern.

Darum geht es hier aber nicht. Denn ich bin in einer gewöhnlichen Gemälde-Ausstellung, in der das Dargestellte durch Rahmen begrenzt ist. Genauer: in der Stiftung Theoharaki, Athen.

Gestern meinte ich, das Eingeschachtelte sei ein Merkmal unserer Zeit – aber genauer gesprochen ist es ein Merkmal der bürgerlichen Kultur, die seit dem 20. Jahrhundert auf verschiedene Weise in Frage gestellt wird.  Man spürt, wie an den Käfig-Gittern gerüttelt wird.

Für Simeon Savvides (1859-1927, „Caprice“) und Odysseas Fokas (1857-1946, „Portrait einer Frau“), beide tief verwurzelt im 19. Jahrhundert, stellt der Rahmen noch ein schmückendes Element und kein Problem dar: der eine zeigt eine Rückenansicht – aber ohne das Fenster (wie zB Dali), das Träume von einer Flucht in den Bildhintergrund unterstützen  würde. Der andere lässt die Frau sich halbwegs dem Beschauer zuwenden, als stehe es ihr frei, jederzeit im Blau des Bildgrunds zu verschwinden.

Bei den Späteren – Yannis Tsarouhis (1910-1989, „Matrose“) und Diamantis Diamantopoulos, (1914-1995, „Die Zeichnung“) fügen sich die kräftigen Figuren zwar den Bildgrenzen, aber die Beengung wird sichtbar und fühlbar:

Manche – wie Jannis Gaitis (1923-1984) und Achilleas Droungas (1940-) –  geben die Figur zugunsten des Kastens auf: der Kasten übernimmt die Funktion der menschlichen Figur.

Manche richten sich im vorgefundenen Kasten scheinbar bequem ein, zB Angelos Spahis (1903-1963, „das Rätsel der menschlichen Physiognomie“, 1932), der das Flachrelief eines Menschen aus Sperrholz mit dem breiten konkaven Rahmen interagieren lässt, oder Dimitris Mytaras (1934-2017, „Sitzender“, 1980), der seinen Bilderrahmen gern die Form von TV-Sets gibt, in dem das schnelle und gewaltsame Leben sich abspielt, ohne den Betrachter in Mitleidenschaft zu ziehen.

Und wo ist nun der Ausbruch? Wo die Flucht? Gibt es sie bei diesen Künstlern? Oder muss man dafür das Tafelbild verlassen und in den Naturraum oder an die Wände der Hochhäuser ausweichen?

Menschen in der weitläufigen Natur: in den Bildern vom Beginn des 20. Jahrhunderts,  von Theofrastos Triantafilides (1881-1955,  „Zwei Kinder am Strand“, 1919) und Konstantinos Maleas (1879-1928, „Drei Ägypterinnen“ 1911) wird ganz klassisch die Illusion angestrebt, dass der Rahmen den Blick in weite Landschaften öffnet – als seien die Rahmen Fenster.

Die Natur-Menschen-Bildgewebe von Konstantinos Parthenis (1878-1967, „Badende“, ca 1919) und Nikos Hatzikyriakos-Gikas (1906-1994, „Abendliche Rückbesinnung“, 1959)  breiten sich wie Wandteppiche aus und entkommen dem Druck des Rahmens durch ihre die gesamte Bildfläche harmonisch gliedernde Formensprache.

Aber ein Ausbruch aus dem Kasten ist das immer noch nicht.  da braucht es mehr Dynamik. Vielleicht hat das Bild von Christos Karas (1930-, „Exodos“ 1964) ein wenig von der benötigten Sprengkraft? (Exodos bedeutet „Auszug“ wie der der Hebräer aus Ägyypten oder auch einfach das kollektive Verlassen eines Raumes) Gelingt es diesen Menschen, den Bildraum zu verlassen, so wie sie einst ein unwirtliches Land oder eine belagerte Stadt verließen?

Doch am Ende scheint mir nur einer das Problem angemessen gelöst zu haben – und zwar, indem er die sehr viel ältere Bildgestaltung von Raffaels „Schule von Athen“ (1510-11, Fresco, also Wandgemälde) als Vorlage nahm:  Giorgos Vakirtzis (1923-1988) malte seine „Schule von Athen“ 1974, also im Jahr, als die 7-jährige Militärdiktatur in Griechenland beendet wurde. Durch die Halbbögen ist der Raum mit seinem Menschengewimmel nach hinten und vorn offen, es herrscht quasi ein Kommen und Gehen. Dadurch wird das zentrale Motiv – die Festnahme eines nackten bärtigen Mannes – zum bildnerisch überzeugenden Paradox: Der Freie (Unbekleidete) wird in einem nach allen Seiten hin offenen, öffentlichen Raum  gefangengesetzt.

G Vakirtzis, Schule von Athen, 1974

 

Nach dem Ausstellungsbesuch bummelte ich noch durch das Zentrum von Athen und kam am historischen Universitätsgebäude vorbei. Obgleich streng klassizistisch, fehlen ihm die Rundbögen, der Durchblick in den tiefen Hintergrund und … ja, auch der Nackte mit den ihn festnehmenden Amtsinhabern fehlte. Nur das Gewimmel der Studenten war fast das Gleiche….

 

 

 

 

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Spaziergang in Athen, meine Ausbeute: (a) Eingekastelt

Gestern hatte ich in Athen zu tun, besah mir auch zwei Ausstellungen, die an meinem Wege lagen. Die erste führte mich in die Galerie Skoufa: „Observatory“ von Takis Zerdevas, einem Veteran der Fotografie und Neuen Medien. Imposante Großfotografien von leeren Räumen gab es zu sehen – hervorragend gearbeitete Oberflächen – ich strich drüber hin, dann sie schienen mir fast … gemalt zu sein. Nein, nur Fotos – und in die Fotos eingearbeitet waren Videos. Zum Beispiel dieses:

Das Hotel-Schild blinkte und wechselte die Farben, wie es eben Hotelschilder oft tun, um auf sich aufmerksam zu machen. „Raffiniert gemacht“, dachte ich und besah mir auch die anderen Bilder, die auf demselben Prinzip beruhten: riesengroße Fotografie und darin ein bis zwei Monitore mit Video. Auf den Monitoren lief „das Leben“ ab – wechselndes Personal  in gleich bleibenden Räumen wie bei meinen letzten Bildern – doch technisch anders, „moderner“.

Im ersten Beispiel seilt sich eine junge Frau ab,  im zweiten zeigt der Monitor eine wildwüste Nachtszene, im dritten wechseln Figuren aus altmodischen Fotos zwischen den Monitoren hin und her, beim vierten versinkt ein weibliches Portrait langsam im Nebel.  Gut gemacht, sehr gut gemacht, ausgezeichnet gemacht.

Allerlei Gedanken gingen mir durch den Kopf, während ich zur Stiftung Theoharakis weiterwanderte, um eine Großausstellung „Das Menschenbild in der griechischen Malerei des 20. Jahrhunderts“ anzuschauen. Und während ich vom vierten Stockwerk (vor dem 1. Weltkrieg) zum dritten (Zwischenkriegsjahre) hinunterging, begriff ich, was mich die ganze Zeit beschäftigt hatte. Die Menschen waren in den leeren fotografischen Räumen „eingekastelt“und führten in ihren beleuchteten Kästen ein Scheinleben mit immer sich wiederholenden Bewegungen. Das war denn doch ganz anders als das, was ich mit meiner geistigen Erweiterung der Gegenwart um das Denken und Tun früher lebender Menschen im Sinne hatte.

Dies Gefühl des Eingeschachteltseins von Individuen in ihrer Zeit, ihrem Ort stellte sich nun in den Ausstellungsräumen mit den alten Gemälden wieder ein: Gesichter, diesmal gemalt, blickten mich aus goldenen Rahmen in einem ansonsten leeren Raum an. Jeder für sich. Jeder in seiner Zeit-Raum-Kapsel. Und ich dachte an Ule Rolfs Kommentar zur Putte: „Schade, dass du sie im Großraumbüro in einen Rahmen gesperrt hast; es hätte mich interessiert, was sie dort so treibt, wenn sie über mehr Freiheit verfügte“.

Hier drei Beispiele: das erste gehört zur Ausstellung von Takis Zerdevas: ein Video-Still von dem 4. oben abgebildeten Werk, 2020. Die zwei folgenden sind von mir entfärbte Gemälde von Spyros Papaloukas (1892-1957, Portrait eines jungen Mannes 1917) und Iannis Moralis (1916-2009, Selbstportrait 1951).

Und noch drei Beispiele, diesmal von unveränderten Frauenportraits (das mittlere auch von einer Frau gemalt): Odysseas Fokas (1857-1948, Portrait einer Frau) – Thaleia Flora Karavia (1971-1960, Deutsche in einem Innenraum) – Savvas Haratsides (1925-1994, Totenbild für ein junges Mädchen).

 

In der Etage mit Werken von Nachkriegskünstlern – würde sich da die Sichtweise geändert haben? Ja und nein. Mir schien, dass das Gefangensein im Kasten nun bewusst zum Thema gemacht wurde. Es gibt Werke, die es zu durchbrechen suchen, andere bestätigen es als den Seinszustand des modernen Individuums. Das erste Werk – ein Gemälde und davor der Abguss einer ausgestreckten Figur – ist von Chronis Botsoglou (Jg 1941, „Der Sturz“, 1992). Die nackte Figur (Selbstbild) steht vor ihrem versteinerten Abbild, das einem Grabmal ähnelt. Das zweite Werk ist von Giorgos Rorris (Jg 1963, „Mann in einem Innenraum“, 1998). Immer malt Rorris mit einer fantastischen Akribie Menschen-Modelle in solchen Kastenräumen. Das dritte Werk – eine große Holzkonstruktion mit einem zentralen schwarz-weißen Gemälde und jeweils fünf kleinen farbigen Tafeln in den Seitenleisten – ist von Xenophon Bitsikas (Jg 1963, Der Migrant, 2002). Hier ist der Kasten selbst zum Ausdrucksmittel geworden. Das zentrale Bild ist leicht verschwommen, klar und farbig sind dagegen die Seitentafeln-Erinnerungsbilder. Dazwischen die verunsicherte, aus ihren Bezügen und „Einschachtelungen“ herausgelöste Figur des Migranten, die sich aufzulösen droht, gerahmt und gehalten von ihren Erinnerungen.

 

 

 

 

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Montags ist Fototermin: Bruchsteine an meinem Weg

Eben las ich eine Buchbesprechung von Ulrike Sokul mit dem viel versprechenden Titel „Der stille Stein“ – ein fein bebildertes Kinderbuch. Und so zeige ich heute die „Bruchsteine an meinem Weg“, von denen ich einige gezeichnet, aber weit mehr fotografiert habe. Es sind sehr  bescheidene Steine, Bruchsteine eben, manche herausgehoben aus ihrer Vertiefung, andere tief in Gras und andere Grünpflanzen eingebettet.  Jeder ist anders ….Besser siehst du sie, wenn du zumVergößern anklickst.

Die gezeichneten Steine habe ich ja schon mal gezeigt. Vielleicht erkennst du den einen oder anderen wieder. Auch hier hilft Anklicken!

 

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