Ein Vormittag zwischen Glasauge und Holzauge

Heute morgen fand ich, als ich aufstehen wollte, den Boden mit Glasscherben übersät. Wars der Nachtwind, waren es die Katzen gewesen? Jedenfalls bewegte ich mich gebückt und vorsichtig große und kleine Scherben aufsammelnd barfuß bis zur Treppe, um Besen und Fegeblech zu organisieren.

Aus dem Grund eines der zerschmetterten Gläser sah mich ein großes rundes Auge an.

Scherben bringen Glück, denn die ins Glas verzauberten Elementargeister freuen sich über ihre Befreiung – so hatte ich tags zuvor in einem Gespräch vernommen. Das ist auch der Grund für Polterabende und das Zerschmeißen von Tellern, wie es die Griechen gerne auf der Tanzfläche veranstalten (Bei Todesfällen wird ein Krug zerschmettert.)

Ich will es gerne glauben, denn der restliche Tag ist durchaus glücklich verlaufen. Das erste war, dass ich, als ich die Blumen wässerte, auf dem Boden das erste gelbe Feigenblatt bemerkte, und im Baum entdeckte ich dann auch die erste reife Frucht. Gibt es ein besseres Frühstück als eine sonnenwarme Feige?

Wir fuhren dann nach Kardamili, um den neuen Personalausweis meines Mannes abzuholen. Und siehe: er war fertig und konnte mitgenommen werden. Ich ging inzwischen schwimmen. Und anschließend trank ich einen Espresso unter dem aus Maulbeerbaum und Wein geflochtenen grünen Dach der Strandtaverne.

Schön? Es wurde aber noch schöner, denn wir gingen bei unserem Freund  J vorbei, den wir beim Reinigen großer Mengen gerade geernteter Kräuter antrafen. Wenn sie von ihrem Spreu gründlich gereinigt sind, werden sie eingetütet und verkauft.

J war früher Professor in Australien, hatte auch für Parlamentswahlen kandidiert, aber als seine Mutter bettlägerig wurde, kehrte er in seine Heimatstadt zurück und pflegte sie sieben schwere Jahre lang bis zu ihrem Tod. Und sein Leben wurde ein anderes. Unter anderem kümmert er sich um Fahrräder, die er verleiht und repariert.

 

Ich stöberte ein bisschen in seinem Abstellraum

und kam mit einer frisch gesägten Platte aus Olivenholz wieder heraus. Sie hatte eine faszinierende Maserung, in der ein Fisch schwamm. Und der betrachtete mich unverwandt mit seinem Holzauge. Ob ich die Platte erwerben könne? Sie wurde mir geschenkt.

O ja, es war ein schöner Ausflug! Und von der umwerfenden Landschaft, durch die man fährt, habe ich noch gar nicht gesprochen….

Holzplatte und ein Stück abgefallene Borke

 

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Der Mond, das Zauberding (Χάρτινο το φεγγαράκι)

Wir alle wissen, dass uns am 12. August kurz vor der gewöhnlichen Abenddämmerung eine ungewöhnliche zweite Dämmerung erwartet: In Spanien eine vollständige Sonnenfinsternis, weiter östlich nicht vollständig, aber immer noch sehr eindrucksvoll. Wir alle wissen natürlich auch, dass die Sonnenfinsternis dadurch zustande kommt, dass sich die Mondscheibe vor die Sonnenscheibe schiebt und sie vollständig abdeckt.

All das weiß ein jeder, auch ich. Doch als ich gestern nach dem Mond schaute und ihn federleicht und weiß am Tageshimmel entdeckte, wunderte ich mich. Dieses in zwei Tagen ganz unsichtbare Federchen soll uns die Sonne verdecken? Ja, wie ist das denn möglich?

Nun, auch wenn es unwahrscheinlich klingt: genau das wird geschehen. Denn wenn sich Mond- und Erdbahn kreuzen (Mondknoten) und der Mond sich in gerader Linie genau zwischen Erde und Sonne befindet, dann wird für ein paar Minuten nicht das Sonnenlicht, sondern der Mondschatten auf die Erde fallen.

Verstanden? Das „Federchen“ dort oben am Himmel ist ja durchaus der ganze kompakte Himmelskörper, den wir „Mond“ nennen, doch wird momentan nur ein sehr kleiner Teil der uns zugewandten Seite von der Sonne beleuchtet. Dies ist das „Federchen“, das wir derzeit sehen. Bei Neumond wird auch dies Fitzelchen verschwinden und nur noch die Rückseite des Mondes von der Sonne beschienen sein. Die uns zugewandte Vorderseite bleibt für unsere Augen unsichtbar. Dieser für uns unsichtbare „schwarze“ Mond“ schiebt sich zwischen Erde und Sonne, trifft auf den „Mondknoten“, wo sich die Bahnen von Erde und Mond kreuzen, steht nun haargenau zwischen Erde und Sonne … und da sehen wir ihn als schwarze Scheibe vor der Sonne und meinen, eine schwarze Sonne zu sehen.

Diese und andere Mondgedanken gingen mir durch den Sinn, als ich aus einem Papier mit Frottagegekritzel eine Mondsichel und allerlei andere Formen auszuschneiden begann.  Ich legte zuerst einen zunehmenden und einen abnehmenden Mond auf dem Deckel des alten Computers aus:

Wie immer freute ich mich über die expressiven Eigenschaften solcher Schnipsel und probierte weitere Figuren aus.

Ich suchte nun einen Untergrund für weitere Spielchen und fand das Foto eines Mondaufgangs über den Bergen passend.

Und so entstanden weitere Szenen, in denen sich das Mondwesen, sich verwandelnd und vervielfältigend, tummelt.

Χάρτινο το φεγγαράκι (aus Papier der kleine Mond) von Manos Hatzidakis (1925-1994), gesungen von Nana Mouskouri (*1934), ist eines der beliebtesten Lieder der neueren griechischen Musik.

meine Übersetzung:

Es wird das Meer Vögel bringen
Und goldene Sterne der leichte Wind
Um dein Haar zu liebkosen
Um deine Hand zu küssen
Aus Papier der kleine Mond
Künstlich die Küste
Wenn du mir nur ein wenig glauben würdest
Wäre alles wahr.
Ohne deine Liebe
Vergeht die Zeit schnell
Ohne deine Liebe
ist die Welt kleiner
Aus Papier der kleine Mond
Künstlich die Küste
Wenn du mir nur ein wenig glauben würdest
Wäre alles wahr.

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25 Wochen – ein Objekt: Der Kleine Prinz und Kater Lin

Wortmans Projekt 25 Wochen – ein Objekt ist längst zu Ende, ich aber kümmere mich nicht darum und poste weiterhin (fast) jeden Sonntag ein Foto von meinem im Januar ausgewählten Objekt: einer kleinen Metallfigur des Kleinen Prinzen. Das tröstet mich ein wenig darüber hinweg, dass der Kleine Prinz, der dieses Jahr begleitet, an Kriegsschauplätzen (was für ein Wort!) verschollen ist.

Das letzte Mal, als er sich meldete, am 21. März, war er im Zagros-Gebirge unterwegs, das schon zu altgriechischen Zeiten als „Kriegsschauplatz“ herhalten musste (in der „Anabasis“ von Xenophon ausführlich beschrieben) und das durch den Irankrieg erneut ins Weltbewusstsein rückte.

Aber genug davon! Ich betrachte die kleine Figur, stelle sie neben den auf dem Schreibtisch ruhenden Kater Lin und freue mich an dem Bild.

Und der wirkliche Kleine Prinz? Ist er noch hier auf unserer Erde, um deren Ressourcen  die Völker erbittert kämpfen und dabei den Rest der verbleibenden Ressourcen in Feuer und Rauch aufgehen lassen?  Oder hat ihn sein Schutzengel aufgehoben und davongetragen? Wohin? Werde ich ihn noch einmal sehen und mit ihm über die Liebe plaudern können?

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Sonntags ins Archiv: Augustwetter vor zehn Jahren (mit Kommentaren und Bildern)

Ich stieg heute, wie jeden Sonntag, ins Archiv, und blieb im Jahr 2016 hängen. Was war denn los vor genau zehn Jahren?

Ich postete drei Bilder mit Booten, um mich ein wenig abzukühlen (Hitze), und schrieb: An Tagen wie diesem, wenn die Hitze jeden frischen Gedanken verdunstet, bevor er sich herauskristallisieren kann, sehne ich mich manchmal nach dem grauen Meer meiner Kindheit.  Die Wolken hängen tief und vermischen sich mit dem Wasser, und in der weichen nebligen Atmosphäre torkeln die dunklen Masten der Boote.

Traum von der offenen See, b

Doch solche nostalgischen Anwandlungen vergehen mir rasch, sobald ein frischerer Abendwind die drückende Schwüle auflöst und mit sich davonträgt. Dann kann ich mich wieder an den klaren Konturen und den fröhlichen Farben des Südens erfreuen.

 

– und was schallte mir aus Deutschland zurück? Es fällt mir schwer, es zu glauben, wenn ich bedenke, wieviele Klagen über extreme Hitze ich in diesem Jahr gelesen habe! Denn vor zehn Jahren war es im deutschen August unangenehm kalt und nass!

Ulli: Hitze … phttt, wir frieren heute, sei bloss froh, dort in deinem wunderbaren Südland! herzliche Abendgrüsse Ulli
deine Bilder gefallen mir, sind mir aber heute zu kühl – 🙂

Ich: Ja ja ja, ich bin ja schon still! Komme eben vom abendlichen Schwimmen zurück, ruhte ein Weilchen selig mit dem Rücken am sonnenwarmen Felsen, die Füße im Geröll und dachte: hier würde es Ulli gefallen. Zumal ein kleiner Silbermond am Himmel stand und das Meer, nun schon dunkelgrau, lebhafter gegen die Küste rollte.

(Fortsetzung hier)


Ich schickte dann gleich noch einen Eintrag hinterher (für Ulli) und schrieb: Für Ulli und  für alle, denen meine heutigen Bilder zu kühl waren und die sich über ein bisschen mehr Sonne und Wärme freuen würden …einen herzlichen Abendgruß mit Sonnenuntergang über meiner Bucht. 

IMG_7764

9. August 2016

Auch dazu eine Auswahl eurer Kommentare:

Karfunkelfee: Ich entgegne mit einem Himmel in verwaschenem und eher unterkühlt herbstlich angewandeltem Schiefersteingraublauviolettwolkig gegen Dein himmlisch buchtiges Abendglutrotrosablausa…✨

Ich könnte auch Wischiwaschihimmel zu diesem undefinierbar untröstlichen Regengeballe da draußen formulieren, doch das andere klang einfach schöner…🤔☺️

Bine unter den Linden: Welch eine schöne Abendstimmung. Beim Betrachten dieses und auch der anderen Fotos beschleicht mich leiser Neid aber auch Freude. Denn Du hast es wenigstens warm und kannst Dich im Meer abkühlen. Hier in den nördlichen Gefilden Deutschlands ist es für August sehr kühl und regnerisch. Im übrigen hat karfunkelfee die Wetterlage sehr treffend und poetisch beschrieben.

Christiane: Hamburg meldet ebenfalls Kühle. Ich nehme mir ein bisschen von deiner Wärme mit … schöööön *seufz*

Ich: Nimm, soviel du brauchst, liebe Christiane. Wir haben genug und übergenug davon. Ein bisschen Abfluss gen Norden könnte nicht schaden.
Ob die Natur uns vormachen will, wohin es führt, wenn wir nicht richtig zu teilen wissen? Die einen haben zu viel vom einen, die anderen vom anderen, aber jeder hütet seinen Schatz. Und so müssen wir uns durch die Welt bewegen, um für uns selbst den Ausgleich zu schaffen.

Christiane: Schöner Gedanke … Prinzipiell glaube ich, dass es mit der Natur ist wie mit allen Körpern: Sie verzeiht/verzeihen viel Unbalanciertes, aber wenn es einen bestimmten Punkt überschritten hat, dann ist der Schaden groß und nicht mehr so leicht aufzuhalten …
Wir jedenfalls haben gerade 15 Grad und Regen, und das ist NICHT das, was ich mir unter Sommertemperaturen vorstelle …😦

Ulli: Liebe Gerda, ich danke dir! Das ist wieder so ein Moment an dem ich am liebsten meine Koffer packen möchte. Ich sitze hier mit Heizung an, Jaha, Heizung Mitte August. Als ich gestern mit einer Freundin eine grosse Runde drehte, hatte jede von uns drei Lagen an, trotz Sonnenschein. Es ist wie Herbst hier und es gibt so vieles gerade in der Pflanzenwelt was seltsam anzusehen ist. Mich stimmt das alles sehr nachdenklich und traurig.
Nun aber freue ich mich an deinem Bild und danke dir noch einmal von Herzen
Ulli

(Fortsetzung hier)

Im übrigen hat uns der Sommer in diesem Jahr recht gnädig behandelt, große Hitzewellen sind ausgeblieben. Aber natürlich ist es heiß, wie es sich für den August gehört.

Boote im Hafen

 

 

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Kunstbuch No 55. Frottage- und Kratztechnik gemischt

Die Kunstbücher 20 und 21 zeigen Steinabreibungen in Schiefergrau (hier) und in Grau und Rot (hier.)

Ich hatte heute Lust, ein buntes Minizine in Frottagetechnik mit Ölkreiden zu machen. Was dabei herauskam, fand ich aber wenig ansprechend. Da fiel mir die früher öfter praktizierte Kratztechnik ein. Kennengelernt habe ich sie als Schülerin im Kunstunterricht – ich hatte es ganz vergessen, bis ich ein solches Bild von meiner Nichte zugeschickt bekam.

Schülerarbeit

 

Sehr viel später machte ich noch den einen und anderen Anlauf, zeigte die Technik auch Kindern, die wegen des Überraschungseffekts gern damit arbeiten.

Ich beschloss, das begonnene Minizine mit Kratztechnik zu überarbeiten, doch hatte ich nicht die richtigen Ölkreiden, um über den hellen Untergrund deckende dunkle Schichten zu legen. So entstand eine neue Mischtechnik (Frottage und Kratztechnik, Ölkreide und schwarzer Filzstift), von der ich noch sehen werde, ob sie irgendwohin führt.

 

Die Außenseiten zeichnete ich zuerst

Die drei inneren Doppelseiten. Anklicken = größer sehen

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Kunstbuch 55, ein Gespräch über die Friedensaussichten in der Ukraine anhörend

Auch den Rest des Tages verbrachte ich mehr oder minder träge im Atelier, denn draußen ist es mir zu heiß. Zum Malen fehlt mir die Energie. Ich hörte ein Gespräch über die Friedensaussichten für die Ukraine an (keine) und zeichnete dabei mehr oder minder unbewusst ein weiteres Kunstbuch. Dafür benutzte ich diesmal farbige Marker.

Unbewusst war auch die Auswahl der farbigen Unterlagen, auf denen ich das fertige Minizine platzierte, um es zu fotografieren. Erst hinterher fiel mir auf, dass es die Farben der Ukraine sind, doch in einem viel tieferen Ton als die Fahne.

Rückseite und Vorderseite

die sechs Innenseiten

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Träger Tag im August

„Nimm dir ein Vorbild an den Katzen“ – sagt mein Mann, wenn ich jammere, dass ich  keine Energie habe, um etwas Vernünftiges zu tun oder zu unternehmen.

Aber bin ich eine Katze? Kann ich so entspannt liegen? Nein, nach einiger Zeit tun mir  Hals oder Rücken weh, mein Fuß fängt an zu kribbeln, meine Hände wollen etwas tun. Also beginnen sie, noch einmal den Marmorbruch auf dem schwarzen Eisentisch zu befingern und eine neue Szene mit Segelbooten zu legen. Dabei gibt es schwierige Entscheidungen zu treffen, zB  Dreieckssegel oder Rahsegel?

Darf der vom Meer weich und glatt geschliffene Marmorstein mitspielen? Und wenn ja, welche Rolle soll er haben?

Und das Boot mit den gläsernen Segeln – wie ist es am sinnvollsten mit den Marmorstücken zu kombinieren?

Doch so wichtig solche Fragen sind – irgendwann sind sie erschöpft. Und so mache ich mich auf den Weg ans Meer. Nach dem genüsslichen Schwimmen lege ich mich in den schmalen Schatten eines Ruderboots und folge mit dem Blick dem Ruder: Es zeigt direkt in den blauen Himmel.

Senke ich den Blick, bleibt er auf den riesigen Steinen liegen, die vom Fluss hierher geschafft wurden, um eine schützende Mole zu bauen.

Der eine Fuß in der Sonne, der andere im Schatten, und in dem Bildausschnitt darüber das regungslose Meer und  ab und zu ein Boot.

Zu Hause begebe ich mich ins Atelier, wo es am kühlsten ist, und stelle ein paar neue und ältere Seestücke vor mir auf, um weiter zu träumen.

So oder so ähnlich verbringe ich den August. Nebenher höre ich mir noch ein paar Vorträge per Ohrknopf an, heute einen über die Entdeckungen von Voyeger II, erkundigte mich, was Heliopause und interstellares Plasma ist, verstand den Zorn eines russischen Juden über Israels Politik, erfuhr, wie heiß es in Europa vermutlich noch werden wird und wie heiß nicht, wenn die andern alle so weitermachen wie bisher. Und noch dies und das. Denn Bildung muss sein.

 

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Kalenderblätter 1.-6. August. Panorama und Pflanzen

Am 1. August machte ich über zwei Seiten eine Zeichnung des Panoramas, wie es sich bei Sonnenuntergang von der Turmterrasse aus darbietet.

Heute beschränkte ich mich auf einfache Filzstift-Zeichnungen, alle von einem Platz unter dem Feigenbaum aus gesehen:

(a) die Blätter des Feigenbaumes hängen, ermattet von der Tageshitze, schlaff herunter

(b) eine Aloe Vera

c) die Straßenlatüchte auf Titos Grab

d) eine traurig verblühte Gladiole auf dem Hügelbeet.

 

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Ich baue mir einen Hafen

Vorige Woche sammelte ich ein paar Marmorbruchstücke vom Rasen, auf dem ein Bildhauerworkshop stattfand, und trug sie heim (hier). Seither nehme ich die Stücke gelegentlich in die Hand, betrachte die durch die Werkzeuge ins feinkörnige Weiß gehauenen und gesägten Risse und die glatten Flächen.

Gestern baute ich mir auf dem runden Eisentisch einen Hafen und träumte mich hinein.

Ich probierte dann noch verschiedene Aufnahmewinkel unter stärkerer Beleuchtung aus.

 

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Feuriger Abschied

Zwischen dem ersten und dem zweiten Foto liegen vier Minuten.

Zwischen dem zweiten und dritten Foto liegen nur noch drei Minuten.

 

Eben, um 20.22 Uhr Sommerzeit, sah ich das Holzschiff an der Wand im glühende Rot der untergehenden Sonne davonsegeln, und ich sah, wie das Licht wanderte und erlosch.

Ein Gedicht von Gottfried Benn fiel mir ein. „Astern“ heißt es und ist dem Spätsommer gewidmet. Noch sind wir ja mitten in der Sommersonnenglut. Und doch werden die Tage schon deutlich kürzer – ich sehe es am Gestänge über meinem luftigen Bett, das meine morgendliche Uhr ist. Darauf wandert das erste Licht, das die Sonne über die Berge schickt. Das Metall leuchtet auf – Zeit, wach zu werden.

Gottfried Benn

Astern

Astern – schwälende Tage,
alte Beschwörung, Bann,
die Götter halten die Waage
eine zögernde Stunde an.

Noch einmal die goldenen Herden,
der Himmel, das Licht, der Flor,
was brütet das alte Werden
unter den sterbenden Flügeln vor?

Noch einmal das Ersehnte,
den Rausch, der Rosen Du –
der Sommer stand und lehnte
und sah den Schwalben zu,

noch einmal ein Vermuten,
wo längst Gewißheit wacht:
Die Schwalben streifen die Fluten
Und trinken Fahrt und Nacht.

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