„Tierisch gut!“ fandest du, liebe Sabine (Lyrifant), die Kreationen des 37. Kunstbüchleins, weil noch kein Mensch erschaffen war! Doch es kam unweigerlich der sechste Tag, an dem es heißt: Lasset uns einen Menschen machen. Ein paar vom Tierreich übrig gebliebene farbige und weiße Schnipsel fanden sich ein …
und ich beschloss, wie einst mein Erschaffer, nun meinerseits einen „Menschen als Frau und als Mann“ … nein, nicht aus Lehm, sondern aus Papier zu erschaffen. Kaum hatte ich ihn erschaffen, begann sie herumzustolzieren und sich der Erschaffung der Welt zu rühmen. „Es ist gut geworden!“ verkündete sie urbi et orbi.
Als sie aber sah, was der Kater der Maus antat, wurde sie stutzig. Durfte der Kater die Maus fressen? Gab es da ein Gesetz, das in Kurzfassung lautet: „Fressen oder gefressen werden“? Wie war das ethisch zu rechtfertigen?
Um sich Klarheit zu verschaffen, brauchte sie unbedingt einen Gesprächspartner. Sie rief eine männliche Version Ihrerselbst herbei, die sie aus sich selbst heraus erschaffen hatte (Projektion nennt man das in der Psychologie), und stellte ihm die Frage der Fragen:
Was ist gut, was ist böse?
Die männliche Version beschied ihr, den Kater nicht weiter zu beachten und sich an den Vöglein auf dem Felde ein Beispiel zu nehmen. „Sie säen nicht, sie ernten nicht„, dozierte er, „sie sind immer fröhlich und guter Dinge und rühmen ihren Erschaffer. So sollst du es auch halten!“
„Aber der Kater?“ wandte sie ein. „Wird er die Vöglein fressen?“ – „Vergiss den Kater!“ beschied der Gesprächspartner.
Die Menschin fand es aber schwierig, den Kater und die Maus zu vergessen, und so rief sie weitere Versionen ihrerselbst herbei, um deren Ansichten zu vernehmen.
Version B wandte der Schöpfung angewidert den Rücken zu. Was sich dort abspielte, war nicht nach ihrem Geschmack.

Version C rief: Wir sind wie die Tiere! Unser Wesen ist krokodilhaft. Ein für alle Mal! Und das ist auch gut so!
.
Version D schrie Hurra! und ergriff begeistert einen Stein, um ihn auf den Erstbesten zu schleudern.

Version E machte sich den Hund zum Freund, gab ihm Knochen zum Knabbern und zum Spielen. Alles schien gut. Doch als sie am Horizont den Hai entdeckte, taumelte sie erschrocken zurück. Diese Knochen waren doch nicht etwa …

Version F befand, dass das Problem für den Menschen zu groß sei. Sie zog sich zurück, entzündete eine Kerze und betet seither um Erlösung der Schöpfung von dem Bösen.
Und so verging auch diese Nacht mit Grübeleien und Gebeten, Fragen und Antwortversuchen und neun Schnipseln, die die Welt bedeuten.