Bilder-ABC und Kalenderblatt 16.9.: Peponi (vom Mythos bis zur Gegenwart)

Der heutige Buchstabe für Heides Monats-Challenge ist das P, das erstaunlich reichhaltig im Obst- und Gemüsesektor vertreten ist: Sei es Peperoni oder Paprika, Pfeffer oder Pfefferminze, Pistazie oder Pinienkern, Pfirsich oder Pflaume, Pomeranze oder Pommes, wie die Kartoffel in gebratener Form … sicher habe ich das eine und andere übersehen.  Aber nichts von alledem konnte sich heute durchsetzen, es musste das πεπόνι/Peponi sein – das griechische Wort für die Honigmelone. Denn eine solche habe ich gestern gekauft, und heute wollte sie aufgeschnitten und gegessen sein. Vorher aber wollte ich sie in mein Kalenderbuch zeichnen.

Eine köstliche Frucht, saftig, süß, nährstoffreich … Oder ist es ein Gemüse? Da muss ich mich wohl erst einmal kundig machen, und erfahre:

Botanisch gesehen ist die Melone eine Frucht, da sie aus der Blüte der Pflanze entsteht und Samen enthält. Da sie jedoch zur Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae) gehört (wie auch Wassermelone, Gurke und Kürbis), die in Gärten als krautige Pflanzen angebaut werden, wird sie botanisch und landwirtschaftlich oft als Gemüse betrachtet (genauer gesagt, als Frucht einer Gemüsepflanze, ähnlich wie die Tomate). 

Eine Frucht ist sie also, aber irgendwie auch ein Gemüse.  Sie sättigt wie ein Gemüse, ist saftig und süß wie eine Frucht, mit anderen Worten: sie hat es verdient, hier im Kalender abkonterfeit zu werden.

Die schwere erdige langgestreckt-ovale Peponi mit der dicken gelben gefurchten Schale ziehe ich allen anderen Sorten vor. Es ist eine Amarillo-Rugoso-Melone vom Argos- oder Argitiko-Typ, erfahre ich im Web.

Das freut mich, denn da kann ich nun Uralt-Mythologisches erzählen, um das mein nie vollendeter Roman Schwanenwege kreist (vergl auch hier oder hier). Die Argolida rund um die Stadt Argos ist die fruchtbarste Region der Peloponnes, und zwar nicht erst jetzt, sondern von alters her. In der vorhistorischen Zeit wurde hier vor allen anderen Göttern die agrarische Große Göttin Hera verehrt.

Die Geschichte beginnt in mythischen Zeiten mit der Zwietracht zwischen Hera und ihrem Bruder-Gemahl Zeus, der für die schöne Io, Tochter des Flussgottes Inachos, entflammt ist.

Hera verwandelt die verliebte Io in eine Kuh und lässt sie vom hundertäugigen Riesen Argos bewachen (daher „Argusauge“). Hermes befreit sie. Nach langen plagereichen Irrfahrten landet sie in Ägypten, wo sie von Zeus geschwängert wird und ihren Sohn Epaphos gebiert.

Epaphos ist war der Urgroßvater von Danaos. Der hat vierzig Töchter, die mit ihren Vettern, den Söhnen des Ägyptos, zwangsverheiratet werden sollen. Sie fliehen und kommen als Schutzflehende nach Argos – also in die Stadt, aus der ihre Urururgroßmutter Io stammt. Die Verfolger erreichen Argos, aber die geplante Verheiratung endet in einer Bluthochzeit: 39 Frauen bringen die ihnen zugemuteten Männer in der Hochzeitsnacht um. (Sie werden dafür in den Tartarus verbannt, wo sie bis heute Wasser in löchrige Fässer füllen müssen, vergl. hier).

Eine Danaerin verschont den ihr zugedachten Mann und begründet so das Geschlecht der Danaer, wie Homer die Griechen oft nennt, die nach Troja aufbrachen (1194 v.Chr). … Sehr sehr viel später kehren Nachfahren von Io unter dem mazedonischen König Alexander zurück an den Nil und gründen eben dort eine Stadt mit dem Namen Alexandria. Alexander wird zum Pharao des Landes des Ägyptus erhoben (332 v. Chr) und Griechen beginnen, die Schicksale Ägyptens zu prägen – bis zu Kleopatra, der letzten des griechisch-ägyptischen Herrschergeschlechts (Selbsttötung 30 v. Chr.). Danach übernehmen die Römer.

Die Stadt Alexanders bleibt auch nach der Islamisierung des Landes ein kultureller Bezugspunkt des Griechentums, mit höchstem Ausdruck im Werk des Dichters Konstantinos Kavafis (1863-1933).

Das bleibt so, bis der größte Teil der griechischen Minderheit das Land unter dem Druck des arabischen Nationalismus von Gamal Abdel Nasser verlässt (beginnend mit der Suez-Krise 1956 und endend mit den Verstaatlichungen 1961). Doch auch heute noch existiert eine sehr solide Sonderbeziehung zwischen Ägypten, Zypern und Griechenland (trilaterale Allianz), mit energiepolitischen Großprojekten wie dem Unterseekabel GREGY Interconnector, das bis zu 3.000 Megawatt Ökostrom aus Ägypten transportieren soll, oder auch der gemeinsamen AWZ (ausschließliche Wirtschaftszone) zur Förderung von Erdgas im östlichen Mittelmeer, gemeinsame Militärübungen sowie Migrationskontrolle.  Griechenland ist für Ägypten das wichtigste Portal für seinen Zugang zur EU.

Aus Argos also stammt diese mittelfrühe, traditionelle Melonensorte, die für ihre ausgezeichnete Lagerfähigkeit nach der Ernte bekannt ist (Wintermelonentyp). Gut möglich, dass es diese Sorte bereits zu Ios Zeiten in der Argolida gab und sie davon gekostet hat. Es sei denn, sie kam erst später mit den Danaerinnen aus Ägypten, wo sie bereits vor 4000 Jahren angebaut wurde.

Ein Viertel habe ich inzwischen verzehrt und fühle mich gut gesättigt.

 

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 15.9.: O wie Orangen

Der heutige Buchstabe für Heides Monats-Challenge ist das O, und so kehre ich mit den Orangen zu meinem ersten Thema, dem Obst, zurück.

Die Orangen heißen übrigens im Griechischen πορτοκάλι (portogali) – also aus dem Land Portugal stammend. Die deutsche Bezeichnung Apfelsinen erinnert hingegen an das wirkliche Ursprungsland – Äpfel aus China, wo sie seit 4000 Jahren angebaut werden. Die Orange ist ein echtes Zuchtprodukt, aus Mandarine und Pampelmuse gekreuzt.

Und wieso heißt die Frucht bei uns in Griechenland portogali? Weil die Europäer die Orange durch den Chinahandel der Portugiesen kennenlernten. Schon im Artikel über die Chilischoten stieß ich auf diese „portugisische Connection“ (hier): 1516 landeten Portugiesen erstmals an der chinesischen Küste und gründeten Macau. In der Folge wurden die Europäer mit den Kulturleistungen der Chinesen bekannt gemacht, darunter  Chilis und Orangen.

Der Name Orange kommt übrigens vom Lateinischen Citrus aurantium, dieses vom persischen nāranğ. Die Farbe Orange ist von der Frucht selbst abgeleitet… und das, obgleich sie in ihren Ursprungsländern gar nicht orange ist. Orange wird die an sich grüne Frucht durch Kälteeinwirkung. In Europa werden naturgrüne Orangen durch Ethylengas, das das Chlorophyll zerstört, absichtlich entgrünt. Für meine Zeichnung wählte ich aus dem Sack die orangen Früchte, die anderen waren grün, grüngelb oder grünrötlich.

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Bilder-ABC und Kalenderblatt: N wie Nachen und Nichts

Der heutige Buchstabe für Heides Monats-Challengeist das N.

Nacht, nichts und nirgendwo, nur und noch, niemand, näseln, negativ, Nichtsnutz, Null und Nein!… Das sind meine N-Assoziationen, die irgendwie reduziert, vermindert sind im Gegensatz zum vollmundigen M der Mutter, Mitte, Meer, Mut und Mensch, Matsch und Malen, Mythos und Märchen, tönende Muscheln statt unverständlichem Nuscheln, gut gerundetes Madel statt dünner Nadel mit Loch im Kopf.

Nachtgespenster! Es gibt doch auch das wärmende Nest, den netten Namen, die wohnschmeckende Nuss, den dicken Nachbarn und das gewichtige Nilpferd, vom Nashorn ganz zu schweigen – da kann man kaum von Minderung reden. Bei Netz und Neid, Not und nackt werde ich allerdings wieder stutzig: da fehlt doch was! Und Nachmittag, Nachtisch und Nachgeburt sind wie Nebentisch, Notausgang und Neudeutsch auch nicht das Gelbe vom Ei, sondern etwas Vermindertes, bestenfalls Nebensächliches.

Momentan fehlt mir vor allem ein Wort mit N, das ich zeichnen mag. Die Nacht war schwierig, schlaflos lag ich da und zählte durch das Moskitonetz hindurch die Sterne, und erst als diese verloschen, kam ich zur Ruhe. Nun sitze ich da mit schwerem Kopf, und die schöne stille Natur …

Natur! Die allesschaffende, kunstwirkende Intelligenz – doch wie soll ich die zeichnen?  Nahrung oder Nahrungsmittel? Das wiederum ist eher eine Kategorie als ein Ding.  Narzisse? Leider blühen sie jetzt nicht. Die Nähmaschine steht in Maroussi und nicht hier. Einen Nerzmantel besitze ich nicht, auch weder Nachthemd noch Nierentisch.

O meine Nerven! Neoliberalismus, Neurodermitis und Netzfund fallen mir ein, Nestbeschmutzer, Neuverschuldung und Negativwachstum purzeln aus meinem Kopf. Neo-Nazi punktet gleich zweimal mit dem N-Anlaut, und das N-Wort als solches ist überhaupt ganz verboten. Ich ziehe nur Nieten!

Wo finde ich einen zeichnerisch wertvollen Gegenstand mit N???

Ich träume: Es ist Nacht. In einem Naturhafen hat ein Nachen festgemacht. Es ist ein wiederkehrendes Bild. Hier wurde es zur Kohlezeichnung

oder auch so

Es erscheint auch immer wieder als Legebild

aus demselben Holz

oder ergänzt als Schnipsellegung ein Foto

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Lange zuvor schon wurde es zu einem Gedicht (Friedrich Nietzsche, Fröhliche Wissenschaft)

Gestern Nachts, als alles schlief,
Kaum der Wind mit ungewissen
Seufzern durch die Gassen lief,
Gab mir Ruhe nicht das Kissen,
Noch der Mohn, noch, was sonst tief
Schlafen macht, – ein gut Gewissen.

Endlich schlug ich mir den Schlaf
Aus dem Sinn und lief zum Strande.
Mondhell war’s und mild, – ich traf
Mann und Kahn auf warmem Sande,
Schläfrig beide, Hirt und Schaf: –
Schläfrig stiess der Kahn vom Lande.

Eine Stunde, leicht auch zwei,
Oder war’s ein Jahr? – da sanken
Plötzlich mir Sinn und Gedanken
In ein ew’ges Einerlei,
Und ein Abgrund ohne Schranken
Tat sich auf: – da war’s vorbei!

– Morgen kam: auf schwarzen Tiefen
Steht ein Kahn und ruht und ruht …
Was geschah? so rief’s, so riefen
Hundert bald: was gab es? Blut? – –
Nichts geschah! Wir schliefen, schliefen
Alle – – ach, so gut! so gut!

Und so soll auch mein heutiges Kalenderblatt leer bleiben: Nichts geschah!  NICHTS habe ich auf das Blatt gezeichnet.

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25 (52) Wochen – ein Objekt / Kalenderblatt / Bilder-ABC: M wie Muscheln

25 Wochen lang jeden Sonntag dasselbe Objekt in anderem Surrounding fotografieren – das war die urprüngliche Idee von Torsten (Wortman). Inzwischen sind die 25 Wochen längst vorbei, aber ich bin meinem Objekt, dem „Kleinen Prinzen“, treu geblieben und habe ihn auch heute wieder fotografiert, als er die Muscheln bewachte, die ich ins Kalenderbuch zeichnen wollte.

Er steht auf der Ummauerung des Olivenbaums vor meinem Atelier, ich saß davor und zeichnete in einer Gesprächspause (mein Sohn ist für ein paar Tage aus Berlin zu Besuch gekommen) die Muscheln ins Kalenderbuch, unter dem Datum des 13.9.

M wie Muscheln ist die der heutige Eintrag zu Heides Monats-Challenge. Und so schlage ich drei Fliegen mit einer Klappe: Ein Objekt – Kalenderblatt – Bilder-ABC = Muscheln

 

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 12/9: L wie Linie

Der heutige Buchstabe für Heides Monats-Challenge ist das L. Welch lieblicher Buchstabe: ob lispeln oder lallen, lauschen oder liebkosen, lachen, lächeln, lieben, lutschen, na ja, auch lernen und lasten …. die deutsche Sprache liebt das Ell.

Ich aber habe ganz banal (?) der Linie den Vorzug gegeben. Die Linie ist das A und das Ω aller Zeichenkunst. In der Wirklichkeit existiert sie allerdings nur als Idee und Abstraktion, genauso wie der Punkt. Als solche ist sie aber sehr mächtig, nicht nur, um die Dinge von einander zu trennen (Umrisslinie), sondern auch, um sie zu verbinden (Entwicklungslinie). Die Linie schafft Räume und Felder, Bewegung und Struktur. Überaus beweglich, lässt sie sich nicht auf eine Richtung festlegen, auch wenn die Parteien das manchmal versuchen (auf Linie bringen). Na ja, undsoweiter.

Meine heutige Linie steigt in schleifender Bewegung von der Erde in den Himmel hinauf, um schließlich wieder den Boden zu suchen und zu verschwinden. So ungefähr steigt auch das Wasser auf, wenn die Sonne es verdunsten lässt. Punkt um Punkt, Tropfen um Tropfen geht es hinauf. Am Himmel bildet es eine lächelnde Wolke, die mit der Sonne Fangen spielen möchte. Doch zu große Sonnennähe ist ihr verderblich, sie löst sich auf und sinkt hinab, zurück in den Boden.

So gehts auf hier: der Regen lässt auf sich warten. Nur ab und zu braut sich ein Gewölk zusammen, es tropft auch ein wenig – und Schluss.

 

 

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 11/9 : K wie Kaktus-Kindel

Der heutige Buchstabe für Heides Monats-Challenge ist K. Da traf es sich gut, dass ich gerade ein abgefallenes Kaktus-Kindel in eine Tasse mit Erde versenkt hatte, hoffend, dass es Würzelchen treibt. Ich stellte die Tasse vor mich auf die karierte Küchentischdecke und zeichnete sie mitsamt dem kleinen Kaktus.

Der Kaktus, der mich bei meinem letzten Besuch in Maroussi (hier) so mit seinen Blüten erfreute, sieht nun etwas mitgenommen aus.

Immerhin hat er den Geist nicht aufgegeben – wie leider fast alle anderen Pflanzen auf dem Balkon. Sie sind vertrocknet. Die Gießanlage war ausgestellt. Wer ist schuld? Waren es die unter uns Wohnenden, die sich ärgerten, weil ein kleiner Schlauch sich lockerte und das Wasser in die Gegend spritzte? Zutrauen würde ich es ihnen. Andererseits, vielleicht bin ich auch selbst schuld, wer weiß. Vielleicht habe ich in der Hektik der Abreise versäumt, noch einmal den Schalter für die Gießanlage umzulegen, nachdem mein Mann die defekten Schläuche ersetzt hatte?

Jedenfalls war es ein trauriger Anblick. Den heutigen Vormittag verbrachte ich damit, alle vertrockneten Pflanzenteile abzuschneiden und zu entsorgen. Übrig geblieben sind der Kaktus und ein paar Sukkulenten sowie ein großer Oleander, dessen Hauptzweige zwar vertrocknet sind, der aber neue Blätter getrieben hat. Ob die anderen Pflanzen auch wieder kommen, wenn sie Wasser bekommen?

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Bilder-ABC und Kalenderblatt: J wie Janosch

Der heutige Buchstabe für Heides Monats-Challenge ist J. Eigentlich wollte ich unseren Jasmin zeichnen, doch dafür fehlte mir die Zeit, denn ich musste nach Athen fahren. Dort angekommen, suchte ich nach einer Alternative. Mein Blick fiel auf das große gerahmte Plakat, das über dem ollen Fernseher hängt. Es ist ein Bild des von mir heiß geliebten Kinderbuchautors und Malers Janosch. Auf den Rahmen ist ein kleiner gedruckter Zettel geklebt, der lautet: „Auge um Auge macht die ganze Welt blind„. Den hat mir vor vielen Jahren meine Würzburger Freundin Hermine geschenkt, und seither klebt er dort, damit er ab und zu gelesen und vielleicht auch beherzigt wird.

Ich möchte hier nicht die abenteuerliche Biografie von Janosch wiedergeben, bei Interesse findest du alles im Internet. Nur dass er bürgerlich Horst Eckert hieß und am 11. März 1931 in Oberschlesien geboren wurde, will ich verraten. Vielleicht auch noch, dass mein Lieblingsbuch „Oh, wie schön ist Panama“ ist. Aber ich kenne nicht alle seiner Bücher, vielleicht ist da noch ein lieberes Lieblingsbuch dabei, wer weiß? Vielleicht soll ich auch noch erwähnen, dass Janosch 2013 seine langjährige Lebensgefährtin Ines heiratete und dass die beiden zusammen aus Sorge um die Natur der Kanarischen Inseln die Stiftung für Natur und Umwelt „Canarina“ gründeten. Das war 2021, und Janosch war 90 Jahre alt. Να εκατοστίσει!  (Na hekatostisi): Möge er hundert Jahre alt werden!

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 9/9: I wie Interieur

Für Heides Monats-Challenge brauchte ich heute ein Wort, das mit I beginnt und das ich hier in meiner Umwelt finden und zeichnen könnte. Igel, Iltis und Indianer schieden somit aus. Zum Glück fiel mir dann das Gegenwort zur gestrigen „Hauswand“ ein: Innenraum bzw Interieur. Zu sehen ist:

  • der alte Rattan-Sessel, den die Katze Fritzi zu ihrem Stamm- und Ruheplatz erkoren hat,
  • dahinter ein Fenster, das wir mit einer langen geblümten Battistbluse zugehängt haben, um die Sonne abzuhalten,
  • ein gerahmtes Plakat von Bruno Martinazzi mit dem Titel Contra le guerre, das wir vor langer Zeit aus Venedig mitbrachten,
  • schließlich ein bayrischer Teewagen, den wir in einer Altmöbelsammlung fanden
  • und natürlich die auf dem Sessel zusammengerollte Fritzi

Als malerisches Genre existiert das „Interieur“ seit dem 17. Jahrhundert. Zuerst galt es, Räume mit ihren Bewohnern darzustellen, insbesondere die aufkommenden reichen Kaufmannsfamilien wollten gern inmitten ihres kostbaren Mobiliars verewigt werden. Im Laufe der Zeit aber erweiterte sich das Spektrum um Arbeitermilieus, Dichterhöhlen und Bauernzimmer. Seinen Höhepunkt erreichte diese Malerei in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, während des Biedermeier, als sogenannte „Zimmerbilder“ sehr in Mode kamen: Sujet, normalerweise als Auftragsarbeit, war die bürgerliche Wohnstube mit all ihrem gepflegten edlen Mobiliar und ihren erlesenen Kunstgegenständen. Man ließ das Innenleben der Räume möglichst klar und wirklichkeitsgetreu malen, um es sich dann als eine Art Doublette der Wirklichkeit an die Wand zu hängen.

Seine Attraktivität verlor das Interieur auch danach nicht, nur dass es freier interpretiert wurde und schließlich jede Art von Innenraum, mit oder ohne Bewohner, ein „Interieur“ genannt wurde. Es gehört neben Landschaft, Seestück, Stillleben und Portrait zu den häufigsten Sujets der Malerei.

Zur Illustration ein „Rotes Interieur“ (1947) von Henri Matisse, Kunstsammlung NRW.

Kunstsammlung NRW: Startseite

 

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Sommernacht mit Musik (Tagebuch der Lustbarkeiten)

Es wird Zeit, auch diese Rubrik wieder zu bedienen. An Lustbarkeiten gab es einiges in diesem Sommer. Besonders genossen habe ich einen Abend auf einem nicht weit von uns entfernten Grundstück. Dort betreibt Pola, die Witwe des Mannes, der unser Haus baute, zusammen mit ihren nun erwachsenen Kindern ein auch für Einheimische interessantes touristisches Projekt. Außer einer kleinen Ansiedlung von steinernen Bungalow gibt es das Hauptgebäude mit einem Mehrzweckraum (Kino, Yoga)  und eine große Terrasse mit weitem Blick auf das Meer.  Vor einer Woche wurde dort zu einem musikalischen Abend eingeladen. Freundin Magda und ich zogen hin. Eine lockere sommerliche Atmosphäre, eine reiche Auswahl an Getränken zu erschwinglichen Preisen, Geplauder, bis um zehn das übrigens ausgezeichnete Trio mit Jazz-Improvisationen begann.

Ich nutzte die Wartezeit auch dafür, mich im Gelände umzusehen, das ich von früher her kenne (damals war es gerade fertig geworden). Es gibt viele erfreuliche sinnvolle Veränderungen und Ergänzungen, darunter ein etwas tiefer liegender Ruheplatz mit Gemüse- und Kräutergarten.

Ein erfüllter Abend mit mitreißender Musik und angenehmer Wiederbegegnung mit Menschen und Orten.

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Skitsofrenis am Hafen: die große Welle

Heiß und schwül war es heute, und ich war ziemlich erschöpft. Dennoch wollte ich endlich die lange Reihe von Bildern fotografieren, die der von mir sehr geschätzte Spraykünstler Costas Louzis aka Skitsofrenis (auch: Skitzofrenis, der Skizzenverrückte) auf die Einfassungsmauer des Hafens gemalt hat. Wer hier länger folgt, kennt den Künstler, ich habe schon vieles von ihm gezeigt.

Das Gemälde beginnt mit einer großen weit ausholenden Gebärde. Die Hand hält einen Olivenzweig und deutet – deutet wohin? Das blaue Gewand wird zur Welle.

Und so wanderte ich die Straße hinauf und hinunter, der großen Welle folgend, auf der sich die Szenen entfalten. Ich konnte immer nur den zentralen Ausschnitt fotografieren, denn der Fußweg ist schmal und die Straße stark befahren, daher müsst ihr die Welle, die Fische, die Möwen und was sonst noch im Wasser und im Himmel geschieht, dazudenken.

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