Weiter gehts mit dem, was die Waagrechte und die Senkrechte für Klee bedeuten.
Die Senkrechte bedeutet den geraden Weg und die aufrechte Haltung der den Stand des Animals, so resümiert Paul Klee das zuvor Gesagte. Um das zu illustieren, braucht er nur eine senkrechte Linie (Lot). Sonst nichts. Ich habe diese Senkrechte einmal zu einem Menschlein (aufrechte Haltung), das andere mal zu einer perspektivischen Allee (gerader Weg) gemacht, auch habe ich eine Ebene zum Draufstehen und Farben hinzugefügt, denn ich brauche mehr Veranschaulichung, um einen Gedanken zu begreifen. Außerdem habe ich eine waagrechte Bodenlinie hinzugefügt.
Obgleich der Gedanke einfach zu sein scheint, ist er er in Wahrheit ziemlich komplex, wenn man beginnt, darüber nachzudenken. Jeder versteht, dass der Mensch in aufrechter Haltung sich als senkrechtes Strichmännchen oder auch nur als Strich darstellen lässt. Aber dass dasselbe auch für den geraden Weg gelten soll, versteht niemand sofort. Die Erfahrung spricht nicht dafür. Gerade Wege führen nicht senkrecht in den Himmel. Und doch! Perspektivisch korrekt gezeichneteWege tun gerade das. Verstehst du? Die Allee, die sich vor dir dehnt, erscheint auf der Zeichnung als senkrechte Form, die sich auch zum Lot verkürzen lässt. Aufrechter Mensch, gerader Weg: beide sehen, abstrakt gesprochen, gleich aus.
Darunter habe ich die zwei Figuren gequetscht, mit denen Klee seinen Gedanken über Senkrechte und Waagrechte erläutert. Bei Klee sieht das so aus:
Die erste Figur – ein einfaches T – ist „der Seiltänzer mit seiner Balancierstange: der Horizont als Erscheinung“. Der Horizont erscheint als gerade Linie. Daneben zeichnet Klee eine Art Sonnenschirm. „Waagrecht: der Horizont als Vorstellung„. Ja, das stimmt: die gesehene gerade Horizontlinie in Wirklichkeit ein Ausschnitt aus einem Kreis, dessen Zentrum meine Augen bilden. Wir können uns das vorstellen, auch wenn wir das nicht wirklich wahrnehmen können.
Etwas anderes irritiert mich:
Ich sehe mich gewöhnlich senkrecht auf einer waagrechten Bodenlinie stehen, gehen, tanzen. So zeichnete ich auch das Menschlein weiter oben. Für Klee aber bildet nicht der Boden, sondern die gedachte Waagrechte dort, wo wir Menschen in der Luft enden, die entscheidende Waagrechte: entweder als Erscheinung (Balancierstange) oder als Vorstellung (Horizont). „Die Waagrechte ist die Höhe (des Animals), sein Horizont“. In der Perspektivzeichnung ist es die sogenannte „Augenlinie“, die alle Punkte in Augenhöhe miteinander verbindet.
Ich nehme mal als Information mit: für mich ist der Boden, dort, wo meine Füße stehen, die Bezugslinie, für Klee ist es der Kopf – ein luftiger Ort, von wo aus er sieht, wahrnimmt, die Welt konstruiert und sie immer wieder ausbalanciert.
Alternativ zum Boden sehe ich auch die ausgestreckten Hände (der Balken im kleinen t) als konstituive Waagrechte: sie verbindet Mensch mit Mensch, Herz mit Herz. Aber der Kopf? Da wird mir doch ein wenig schwindlig zumute.

Der letzte Satz unter den Figuren 45/46 ist dann der eigentliche Grübelsatz:
Beide (Waagrechte und Senkrechte) sind eine ganz diesseitige, statische Angelegenheit.
Ganz diesseitig – jawohl! Obgleich, nach meinem Gefühl, Klee die Horizontale schon ein wenig ins Geistige entrückt hat, indem er sie, statt als Boden, als gedachte Horizontlinie begreift. Aber statisch? Es gibt, wenn ich mir das T so betrachte, ein Aufgerichtetes und ein Ausbalancieren. Der geringste Windhauch kann die Balancierstange aus dem Gleichgewicht bringen! Und was wird erst geschehen, wenn der Seiltänzer den nächsten Schritt verfehlt?
Um dies Drama geht es dann auch in der nächsten Lektion II,20. „die Wage“ (sic! Klee schreibt wagrecht, Wage)












































