Arte povera im elektronischen Zeitater

Dass ich eine Vorliebe für die arte povera – die arme, armselige Kunst aus Säcken, Lumpen und groben Materialien habe, habe ich gelegentlich geschrieben.

Griechische Kunst am Sonntag: Jannis Kounellis im Kykladenmuseum

 

Grund ist meine Freude am Taktilen, das sich sogar ohne Berührung über die Augen vermittelt.

Gestern hat ein Handwerker die Vergitterungen an meinen Atelierfenstern und Türen neu gestrichen und die Pappen und Klebebänder, die er zum Schutz des Glases angebracht hatte, nicht überall entfernt. Eine Pappe hoch oben vor dem spiegelnden Glas gefiel mir besonders, und ich fotografierte sie, bevor ich sie entfernte.

Drinnen warteten die eingefärbten zerkratzten Glsschrben auf mich, mit denen ich zuletzt Bilder legte. Es entstand eine Form, die ich fotografierte, ausschnitt und auf das obige Foto montierte.

Es fand sich auch ein appen, der das Wasserreservoir schützte und mit einem feinen Draht gehalten wurde. Der Lappen war nun mit Rost üerzogen und entsorgt worden. Mit diesen Matierialien spielte ich ein wenig herum. Und so entstanden „Arte-povera-Bilder im digitalen Zeitalter“.

Wunderbares zur See

Tipi im Park und Symbol-auf-Rostgrund, aufsteigend.

Noch vieles machte ic h, aber ich muss jetzt weg….. Übermorgen bin ich zurück.

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Mützen-Malheur mit Zusatz „Kunst am Sonntag“

Mein Eintrag über die Phrygische Mütze ist futsch – und ich bin selbst schuld. In einem Anfall von Experimentierfreude dachte ich, ich überschreibe den gespeicherten Entwurf mal mit einem neuen Text und spare mir damit das Hin und Her im Auffinden des classic editors. Es könne ja nix passieren, dachte ich, der Text ist ja veröffentlicht. Pustekuchen. Er ist zwar veröffentlicht gewesen – nun aber mit meinem Gottesanbeterin-Text überschrieben.

Noch einmal schreibe ich den Text über die verwickelte Geschichte der ursprünglich aus Stierhoden hergestellten phrygischen Mütze und deren Weg von Homer (Paris) und Orpheus (Eingeweihter, Christus-Vorprägung) über die „Weisen aus dem Morgenland“ (Mosaik in Ravenna), die dem neugeborenen Jesus ihre Aufwartung machen, den römischen aus Persien importierten Mitraskult, die Tiara der römischen Bischöfe, die Jakobinermütze der französischen Revolution, die dann auch zum südamerikanischen Freiheitssymbol wurde,  bis hin zum Weihnachtsmann und zur deutschen Gartenzwergkultur …. nicht.

Wer wollte, hat den ursprünglichen Eintrag längst gelesen. Wenn nicht: Es gibt ja das internet.

Kunst am Sonntag

Dennoch tut mir das Verschwinden des Eintrags leid, zumal auch die Kommentare weg sind. Meine eigenen Fotos dazu möchte ich deshalb noch mal zeigen. Besonders gelungen finde ich den Amazonen-Kopf mit der phrygischen Mütze, aufgenommen in der Galerie des Palazzo Doria Pamphilj in Rom.

Die ganze Skulptur, ebenda.

und ein „Weiser“ oder vielleicht auch „Eingeweihter des Mitraskultes“ an der Piazza del Popolo, ebenfalls in Rom.

Es gab dort noch einen zweiten ihm gegenüber stehenden Mützenträger – beide am Treppenaufgang zu den ausgedehnten Parkanlagen des Palazzo Borghese. Den zeige ich nun zum ersten Mal. Der Rand der Mütze könnte auch Tierfell sein, das man bei der Fertigung stehen ließ. Vermutlich aber wurde in Rom schon anderes Material verwendet – wenn der Kopfschmuck in Rom überhaupt getragen wurde und nicht rein symbolische Bedeutung besaß. Die Römer ließen sich normalerweise barhäuptig abbilden.  – Zur Zeit, als diese Skulptur entstand –   während der Renaissance oder im Barock – war sie mit Sicherheit nur noch Erinnerung, genauso wie die schlichte Toga, die ihren Weg irgendwann aus Athen nach Rom gefunden haben dürfte.

 

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Durchblick zum Hafengebäude (alltägliches Zeichnen mit Fotoüberblendung)

Einen kleinen Park gibt es in Kalamata, dahinter die Hafenzeile mit Zollgebäude, Post und anderen schönen alten Gemäuern. Ich sitze auf der einzigen einigermaßen schattigen Bank, um ein wenig zu zeichnen. Der Durchblick ist durch Bäume und Büsche verstellt,   aber einen besseren Platz gibt es nicht. Also los. Ich nehme mein hellgrünes Moleskine-Zeichenbuch mit den vielen leeren Seiten und einen feinen Tintenstift, der auf halbem Weg den Geist aufgibt, und mache mit einem gröberen schwarzen Kuli weiter.

Fotografiert sieht die Szene freundlicher und übersichtlicher aus, wozu sicher beiträgt, dass die großen Farbfelder das Sehen erleichtern.

Ich mache mir das zunutze, indem ich Zeichnung und Foto übereinanderblende. Die so entstehende Bildwirkung unterscheidet sich deutlich von den beiden vorigen. Die Zeichnung wirkt nun flächig, dicht. Ihre ursprüngliche nervöse Energie ist verschwunden, ohne dass sie die Heiterkeit des Fotos gewonnen hätte. Dennoch hat auch sie ihren Wert, finde ich. Vor allem zeigt sie mir die Wirkung von Farbflächen, die das Vereinzelte zusammenfassen und es ihrer Flächen-Logik unterwerfen. Bei Zeichnungen, die mit Tusche übergangen werden, gibt es einen ähnlichen Effekt.

 

 

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Impulswerkstatt Bild No 4 und abc-etüde: Gottesanbeterin Mantis

Die eindrucksvolle Skulptur der „Gottesanbeterin“ (Mantis, Wahrsagerin), liebe Myriade, hat bei mir gefunkt. Und da Christianes abc-etüden heute Nacht in den verdienten Sommerschlaf fallen, habe ich mir zugleich ein paar Kata-Strophen einfallen lassen. Danke Myriade, danke Christiane. (Für die abc.etüden, Wochen 25/26.2022: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Wortspende stammt dieses Mal von Donka mit ihrem Blog OnlyBatsCanHang. Sie lautet: Wiedergeburt, blümerant, antanzen.)

abc.etüden 2022 25+26 | 365tageasatzaday

Leben und Tod der Gottesanbeterin Mantis

Eine kata-strophische Moritat

Mantis (Gottesanbeterin) kämpft mit ihrem Schatten

Der Tag war windstill und trocken

Und Dämmerung zieht nun ins Land

Der Mantis Duft wird verlocken

Wer sich im Duftkreis befand.

*

Da tanzt er schon an, der Bewerber

Der das Weib voll Entzücken gerochen

Sie wird für ihn zum Verderber

Sobald er auf sie ist gekrochen.

*

Ihr Gesichtchen funkelt verwegen

„Sei du mein geliebter Gemahl

Du kommst mir gerade gelegen

Ich hatte kein Mittagsmahl.“

*

Sie fasst ihn mit dornigen Klauen

Blümerant wird dem Armen zumut

Ach, ahnte er nicht, dass die Frauen

Nur selten sind zärtlich und gut?

*

Die Mantis lässt sich fein schmecken

Den sie in den Fängen fest hält

Um sich dann die Lippen zu lecken

Und zu lauern, wer noch ihr verfällt.

*

Die Mantis frisst noch einen andern

Der allzu verliebt sich ihr naht

Zu Ende ist damit sein Wandern

Vergebens um Gnade er bat.

*

Der Schmaus hat gestärkt unsre Mantis

Der nächste Gemahl kommt zum Zug

Du fragst mich vielleicht, „wie-und-wann-dies?“

Und ob dies nicht Lug und Betrug?

*

Doch wahr ist, was ich dir sage.

Die Mantis empfängt und zur Feier

Des Endes der Sommertage

Legt sie an die vierhundert Eier.

*

Die hüllt sie in schaumige Hülle

Und birgt sie an sicherem Ort

Auf dass sich ihr Schicksal erfülle

Und die Mantis-Art zeuge sich fort.

*

Sie selbst wird ins kaltweiße Auge

Des Todes dann freundschaftlich blicken

Gewiss dass der Nachwuchs was tauge

Und folge denselben Geschicken.

*

Das ist was die Mantis uns lehre:

Den Gott anzubeten auf dass

Er Wiedergeburten beschere

Und niemand sich etwa beschwere

Wenn er anderen dienet zum Fraß.

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Bei meiner Lektüre handelt es sich um einen Roman von Peter Henning, „Die Ängstlichen“, Aufbau Verlag, 2009. Zu Ende gelesen habe ich es nicht.

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Espresso II (tägliches Zeichnen)

… mit Strohhut und Orangensaft.

In meinem bevorzugten Gartencafe in Kalamata – man sitzt zwischen Blumen im Schatten von Bäumen und Sonnenschirmen, und ein leichter kaum merklicher Sprühregen kühlt und befeuchtet die Atmosphäre – trinke ich heute einen kleinen Espresso und einen frisch gepressten Orangensaft. Er wird in hohen Gläsern serviert, die ein bisschen aussehen wie Weckgläser. Unbestellt aber höchst willkommen bringt der Kellner frisches Wasser im Glas und zwei winzige Croissants auf einem blau gemusterten Extrateller. Meinen Strohhut lege ich ab. Ich zeichne mit einem feinen Tintenstift in ein hellgrünes Moleskine „Plain Notebook, classic collection“, dem ich auf dem Flughafen von Rom nicht widerstehen mochte – denn ja, ich liebe diese leeren Bücherchen mit den abgerundeten Ecken und dem praktischen Gummi, das die Blätter ordentlich zusammenhält, auch wenn man es achtlos in Umhängetaschen stopft.

Als ich mich später entschließe, das Stillleben zu fotografieren, haben die Dinge längst ihren Patz gewechselt. Na, und wenn schon. Ich überblende das Foto stückchenweise mit meiner Zeichnung, deren Linien ich zuvor mit einem Filter verstärkt habe.

 

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Dora zum DreißigstenSechsten: Geldwechlerstube

„Hast du Lust auf eine Runde Bröckchenspiel, Dora?“ – Sie hat. Und so scrolle ich die Fotos im Album runter und sie schreit HALT!

„Noch ein Spiel?“ fragt Dora aufgeregt, als sie das Foto sieht. „Hm, ja, wenn du so willst.“ – „Und wie geht es?“ – „Wie es geht? Ehrlich gesagt bin ich kein Experte. Du gibst mir, sagen wir mal, eine Münze in Gold mit dem Kopf vom Kaiser Franz Joseph und ich gebe dir im Gegenzug Schuldscheine im Wert von 233 Millionen Lira, oder, wenn du meinen Schuldscheinen nicht traust, nimmst du 25 Münzen in Silber und soundsoviele in Kupfer. Wie du verstehst, ist es ein ziemlich verwickeltes Spiel, du brauchst einen Haufen verschiedener Münzen und musst die Metalle gut kennen, damit man dich nicht reinlegt und dir Versilbertes für echt verkauft, du brauchst Waagen und vor allem brauchst du einen guten Ruf, damit man dir vertraut…. Aber was rede ich. Das alles ist heute gar nicht mehr notwendig.“

Dora schaut verwirrt auf mich und auf das Kästchen auf dem Bild. Ich entschuldige mich auch gleich: „Siehst du, Dora, so geht es, wenn man über Dinge redet, von denen man nichts versteht. Es geht um Geldwechsel. Das Kästchen steht im Collegio del Cambio in Perugia, dort war seit Mitte des 15. Jahrhunderts die Geldwechslergilde ansässig. Und noch früher stand es auf einer Bank zusammen mit einem Haufen verschiedener Münzen. Darum nennt man die Geldhäuser später auch Bank. Mit diesen Gewichten konnte man den Feingehalt der Münzen auswiegen.  “ – „Und du warst da drinnen, um dein Geld auszuwiegen?“ – Ich lache. „Nee, nee, Dora. Die Zeiten sind vorbei. Hier läuft jetzt alles über SWIFT (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication). Aber frag mich nicht nach deren Spielregeln. In das Wechslerbüro von Perugia  bin ich nur wegen der Kunst reingegangen. Die Räume sind nämlich von oben bis unten mit den tollsten Bildern ausgemalt. Schau mal hier!“

„Da siehst du alles, was Rang und Namen hatte – die Verklärung Christi, die antiken Götter Saturn, Venus und Mars, Engel, Grazien, Bürger, das Jesuskind….  Wie sagte doch Gretchen in Goethes Faust, bevor sie ihn nach seinem Glauben befragte? Na? Weißt du natürlich nicht. Woher auch. 

Nach Golde drängt,
Am Golde hängt
Doch alles!

Das sagte Gretchen und ließ sich verführen, und das zeigt auch dies prächtige Wechselbüro von Perugia, genauso wie es heute die Großbanken zeigen, die sich auch gern mit frommen Sprüchen und kostbaren Bildern schmücken. Jesus vertrieb die Geldwechsler aus dem Tempel seines Vaters, aber die Geldwechsler holten Jesus in ihren Tempel herein und hängten ihn sich an die Wand, um seinen guten Ruf für sich zu verbuchen.  Es hängt eben alles mit allem zusammen, wie auf diesem Bilde gezeigt wird.“

Dora versucht meinen etwas dunklen Reden zu folgen, das muss ich ihr zugutehalten. Gretchen, Faust, Religion, Gold, Saturn, Venus und Mars, Verklärung und Anbetung, Tempel…  Das Heilige und das Profane. Bäumchen Bäumchen wechsel dich.

„Die spiegeln sich ja!“ kräht sie vergnügt. „Aber den komischen Vogel seh ich nur einmal, den hast du abgeschnitten.“

Womit sie auch Recht hat.

 

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Ruhe ihrer Asche – Eine politische Karriere geht zu Ende (abc-etüde)

abc.etüden 2022 25+26 | 365tageasatzaday

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/06/19/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-25-26-22-wortspende-von-onlybatscanhang/

 

Ruhe ihrer Asche

„Wie willst du die Wiedergeburt unserer Partei mit solchen Kandidaten zustande bringen? Wozu hast du die überhaupt antanzen lassen?“ grummelt die Alte und wirft einen finsteren Blick auf die Notizen ihrer „rechten Hand“ und dann auf diesen selbst. Ihren Nachfolger. Dem wird angesichts der verhaltenen Wut in den Augen der Alten blümerant zumute. „Die Kandidaten der Konkurrenz,“ stammelt er, „sind sogar noch schlimmer. Wir mussten in der Qualitätsminderung nachziehen, um die Kriterien zu erfüllen: Alter, Rasse, Hautfarbe, sexuelle Orientierung, fragwürdige akademische Titel, Haarfrisur, WEF Young Leader Programm, Schuhgröße, nachgewiesene Korrumpierbarkeit, Atlantikbrücke …. Sie wissen ja selbst, was heute, außer Chupze, die natürlich unabdingbar ist, als Qualifikation zählt, um einen politischen Posten…“

Angewidert zerknüllt die Alte die Notizen und feuert sie in den Papierkorb. „Hören Sie nicht auf mich. Machen Sie ruhig voran. Richten Sie das Land nach Herzenslust zugrunde. Ich mische mich nicht mehr ein.“ Ächzend erhebt sie sich, stürzt … und da liegt sie nun. Ein Leben in der Politik und ein trauriges Ende.

Ruhe ihrer Asche.

Hier siehst du sie in ihrer aktiven Phase beim Verspeisen und Verheizen der Thronanwärter.

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Quo vadis?

Ein Selfie a la Myriade.  Aufgenommen in der Santa Maria im Capitol, Rom.

„Die Grenzen der Seele wirst du nicht finden, auch wenn du alle Wege durchwanderst. So tiefen Grund hat sie.“

Heraklit, griechischer Philosoph (520 v.Chr.-460 v.Chr.)

 

 

 

 

 

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Dora zum NeunundzwanzigstenSechsten: Pinocchio

„Noch mal Bröckchen spielen?“ locke ich Dora, die in der Stube herumhampelt und den Pinocchio zum Schaukeln bringt.

„Ach nö!“ kräht sie „Jetzt nicht! Morgen!“ und gibt dem Pinocchio einen kräftigen Schubs, indem sie auf seine ausgestreckte Hand springt.

Na schön, morgen also. Mal sehen, welches Thema der Italienreise dann erscheint.

 

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Espresso (tägliches Zeichnen)

Der rote Coca-Cola-Sonnenschirm im kleinen Gartenlokal tauchte meine Espressotasse – real und gezeichnet – in rötliches Licht.

Die Zeichnung farbbereinigt:

Witzig finde ich, wie sich der Holztisch hinten aufbäumt. Die perspektivisch falsche Linie zwischen den Tischbrettern hat einen erstaunlichen Effekt. Korrigiert, mit einem Foto überblendet und angepasst :

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