Der Hibiskus-Strauch, den mir eine Freundin vor etwa zwanzig Jahren einpflanzte und der ununterbrochen Blüten trägt, hat nicht mehr viel Kraft. Ich hätte ihn wohl zurückschneiden müssen, doch brachte ich es nicht übers Herz, da stets Knospen an den Zweigen saßen. Und so breitete sich der Busch in alle Richtungen aus und begann auseinanderzubrechen. Ich band die Äste zusammen, das hielt eine Weile, ich brachte Humuserde und Dünger heran, aber schließlich musste doch gesägt und geschnitten werden, was unser albanischer Helfer ritsch-ratsch bewerkstelligte. Seither hat der Busch an Kraft wieder etwas zugenommen, und außer den Blüten bildet sich neues Laub.
Als ich am späten Vormittag aus dem Fenster sah, bemerkte ic am längsten verbliebenen Ast zwei Blüten, die sich mit offenem Kelch direkt in die Sonnenrichtung stellten. Die anderen Blüten schauten in alle möglichen Richtungen, nur diese beiden … Sonnenritter nannte ich sie und spürte, wie sie die volle Kraft der Sonne in sich aufnehmen wollten – auch wenn das ihren vorzeitigen Tod bedeuten würde.
Jetzt, am späten Nachmittag, haben sie sich zu schlaffen Schläuchen zusammengezogen, während die anderen Blüten sich noch Zeit lassen und gemächlich vom scheidenden Tag Abschied nehmen.
Wer hat besser gelebt? Die, die hoch oben der Sonne in ihre Bust aufnahmen und früh verbrannten, oder die, die im Halbdunkel des Pinienschattens immer noch stillvergnügt vor sich hinblühen. Ich wüsste es nicht zu sagen.





































