Früchte von unterwegs (Fotos)

Nach dem ersten Regen, der uns in Athen festhielt, machte ich eine Runde durch „mein Gebiet“, das ich immer mit Tito durchstreifte. Unterwegs pflückte ich frisch gewaschene Feigen und aß sie mit Genuß. Ein paar vergessene Weintrauben fand ich im Feld der „Wurzelmännchen“, die ich durch ein Loch im Zaun besuchte.

Auch einen Feigenkaktus mit sehr vielen Früchten sah ich. Aber die erntete ich nicht, denn ich erinnerte mich an mein Abenteuer, als ich sie das erste Mal sah und meine Hände danach ausstreckte. Eine alte Frau hatte Erbarmen mit mir und rief mir zu: ladi, ladi! (Öl, Öl) und rieb die Hände aneinander. Ja, das Olivenöl half, mich von den hauchzarten Nadeln zu befreien, die an meinen Händen hafteten und drohten, überall hinzuwandern, wo ich mich anfasste.

Feigenkaktus

Die Früchte des Feigenkaktus sind sehr vitaminreich und schmackhaft, aber man muss sie zu ernten wissen: mit einem passenden Gerät abpflücken und die Schale vorsichtig öffnen, um den Inhalt sorgfältig mit einem Löffel herauszuheben. Jede Berührung mit den Nadeln (Stacheln?) ist gefährlich.

 

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Liebesleid. Eine kurze kata-strophische ABC-etüde

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Es regnet! Endlich! Da bleibe ich doch heute besser noch in Athen und fahre erst morgen in die Mani. Und so bleibt Zeit für eine zweite klitzekleine Etüde mit den Wörtern von Ludwig Zeidler.

Liebesleid

Katrins Herz ist schwer betrübt
Weil sie doch die Lizz so liebt!
Aber Lizz die Schöne Feine
Die so stolz auf ihre Beine
Und auf ihren bunten Rock
Hat auf Katrin keinen Bock.
Und ihr Lächeln, engelhaft
Tritt nur bei Karl-Heinz in Kraft.
Ach hätt Katrin ne Idee
Wie zu heiln ihre Herzensweh!
Hat ihren Kummer tief vergraben
Hat überhäuft die Lizz mit Gaben
Alles hat Katrin versucht
Doch Erfolg ward nicht verbucht.

Um Katrinchen ist es schad.
Wer kann hier helfen? Wer weiß Rat?

Übrigens habe ich diese jugendlichen Liebenden aus denselben Schnipseln wie die vorgestrige Doppelbühne gebastelt. Gut, dass ich sie noch nicht entsorgt hatte.

 

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Weiße und schwarze Kunst (Fotografie)

Eine Venus von Milo sah ich in der Plastiktüte. Das aus Afrika mitgebrachte elegante Paar wendet sich mit Grausen. Das soll Kunst sein? Doch der Schatten des Mannes wirft einen Blick zurück.

Nun aber, am Himmel zwischen Wolken dahinschwebend und fein gerahmt – vielleicht gefällt es den Herrschaften so? Nein?

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Aufräumen um wegzuwerfen 2: Kleine Bühne – große Bühne (Legebilder)

Das „Aufräumen um wegzuwerfen“ macht Fortschritte. Heute verschwand der Inhalt von zwei großen Plastiksäcken im Recycling-Müll. Bücher und Papiere, darunter auch das ausgedruckte 700-Seiten-Manuskript meines Romanentwurfs „Schwanenwege“ sowie die Schreiben an und Absagen von Verlagen.

Beim Aufräumen fiel mir auch eine Tüte mit bunten Schnipseln in die Hände. Sie stammen von einer Collage. Auch sie wollten entsorgt werden. Aber bevor sie den Weg alles Vergänglichen nahmen, habe ich sie noch einmal auf die Bühne  geholt. Als Bühne dienten mir die schwarzen Passepartouts der Linolschnitte, die ich vorgestern zeigte.

Die großen Gesellen wollten sich nicht auf die kleine Bühne bequemen, und so baute ich für sie eine größere Bühne, was ihnen sehr gefiel. Ha, ja, hier konnten sie sich entfalten!

Zugleich marschierten die kleinen Leute auf der kleinen Bühne auf. Wie im Leben halt. Die kleine Bühne verzierte ich mit einem reizenden kleinbürgerlichen Vorhang aus Toilettenpapier.

Hier sieht man die großen Herren als Schattenfiguren, von unsichtbarer Hand an Stäben und Fäden bewegt, während die kleinen Leute auf ihrer kleinen Bühne ihre kleinen alltäglichen Dramen aufführen. 

Nun ist auch dieses Stückchen aus: Applaus, Applaus!

 

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Schwarzmond – Aufgang

Der Schwarzmond erreicht jetzt (13 Uhr MEZ) seinen Höhepunkt.

 

Schwarzmond Aufstieg 3, 17.9.2020

 

Schwarzmond Aufstieg, teilweise invertiert

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Schwarzmond – Pause

„Heute herrscht die schwarze Selanna, der Schwarzmond. Keine gute Zeit um aufzubrechen. Ich warte, bis die junge Mondsichel wieder erscheint. Wer doch unterwegs ist, möge sich vorsehen“. So schrieb ich im September 2016.

Heute beginnt wieder die 3-Nächte-Phase des Schwarzmonds. Ich bin noch in Athen, da werde ich die mondlose Dunkelheit, in der die Sterne intensiver leuchten, nicht wirklich sehen können, aber ich fühle sie schon. Tiefe Verlorenheit kann dich ergreifen, Hoffnungslosigkeit, Todesahnung, wenn die schwarze Göttin herrscht. Besser ist es, in diesem Zustand nichts Neues anzufangen, sondern alle Pläne loszulassen und  in die Tiefen des Unbewussten hinabzutauchen. Und auszuruhen.

Wenn dann die neue Sichel erscheint,  will ich sie über dem Meer begrüßen.

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Aufräumen, um wegzuwerfen. Erste Erfahrungen

Heute habe ich mich ans Werk gemacht. Unbrauchbares soll aus der Wohnung verschwinden. Ich will diese alten Energien nicht mehr um mich haben. Ich brauche Leere – sagte ich mir.

Lass nur das übrig, was du im täglichen Gebrauch hast, und wirf weg, was sich bei dir angesammelt hat und was deine Erben sowieso nicht haben wollen.  Dieser fremde Blick half mir. Im Bad und Schlafzimmer ging es flott. Zwei Plastiktüten waren im Nu gefüllt. Bei den Schubladen mit den vielen Papieren aber geriet ich ins Stocken und konnte schließlich gar nicht weitermachen, als ich zwei Linolschnitte hervorzog. Die hatte mir ein Wohnungsnachbar in Frankfurt geschenkt. Er hatte Frau und Kind, beklagte seine beschränkten Verhältnisse und war totunglücklich, denn Künstler wollte er sein, nichts als Künstler. Was wohl aus ihm geworden war?

Dieter Bauer, „Gruppe I und II“, Linolschnitt, 1974

Das internet ist ja dafür da, solche Fragen zu beantworten. Ich fand tatsächlich eine Adresse, Bilder, Fotos.  Ein Mann gleichen Namens unterhielt ein Künstleratelier im Odenwald, auch dieser war Autodidakt, und das Gesicht schien mir zumindest ähnlich. Dieser hier malte bunte Stadtansichten und bot Kurse an. War er das? War das unser Wohnungsnachbar von damals? Hatte er den Schritt getan und sich seinen Lebenstraum erfüllt? Leider datierten die letzten Kursangebote von 2018. Hatte er aufgegeben? War er verstorben? Ich schrieb an die angegebene Adresse, fragte an.

Und anstatt aufzuräumen, war ich zurück in der Frankfurter Arbeitergegend, wo wir damals wohnten. Im Hinterhof zwischen den schweren Eisenstangen einer Schlosserei  spielten unsere Kinder – sein Sohn Andreas und unser drei Jahre jüngerer Sohn. Einmal hatte ich Andreas mitgenommen nach Griechenland. Zusammen mit zwei Kinderladenkindern und unserem Sohn waren wir runtergefahren, 60 Stunden Zugfahrt. Wohlhabende griechische Bekannten hatten Andreas eingeladen, er sollte mit ihren Kindern spielen, deutsch sprechen. Sie hatten einen Swimmingpool und waren bemüht, dass Andreas, damals etwa 8, schöne Erinnerungen an seinen ersten Griechenlandurlaub behielt.  Aber  es ging nicht gut, denn Andreas war vom Wohlstand eingeschüchtert und sein Frankfurterisch entsprach nicht den Anforderungen seiner Gastgeber. Wir erlösten ihn und so blieb er bei uns, bis wir zusammen zurückreisten nach Deutschland.

Das also war mein erster Aufräumtag. Jedenfalls eine Episode darin, denn es gab natürlich noch mehr solcher Rückführungen in die Vergangenheit. Wie jeder weiß, gehört es zum Schwierigsten, das, was unsere Erinnerung trägt, einfach wegzuwerfen, ohne sich noch einmal umzudrehen.

 

 

 

 

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Montags ist Fototermin: Kleine Beobachtungen (4) zur Begrenzung des Lichts

„Inwieweit Schatten Grenzen setzen, kommt bei mir als Frage auf“, schrieb Ulli im Kommentar zu https://gerdakazakou.wordpress.com/2020/09/13/kunst-am-sonntag-licht-und-schnipsel-als-malmittel/. Ich antwortete: „Ja, sicher, Schatten setzen Grenzen, Sie erinnern an die Barrieren, auf die das Licht in seinem Willen stößt, sich ins Unendliche auszubreiten….“

Wie aber genau wirken diese „Barrieren“, an denen das Licht seine Grenze findet? Als ich den Lichtstrahl beobachtete, der sich zwischen dem Türschatten und dem ebenfalls im Schatten liegenen Fußboden abzeichnete, fiel mir auf, dass er an der einen Seite sehr scharf geschnitten war, auf der anderen aber in einer weich konturierten Kurve verlief. In beide Schattenbereiche fiel eine Resthelligkeit – wie mir schien, in ellyptischer Form.

 

Am Sockel, der die von der tief stehenden Sonne erleuchtete Küche vom dunklen Flur trennt, endete das hellste Licht in einer scharfen leicht gebogenen Kurve.  Dort verzweigte es sich und  glitt in sanftem Strahl über die Wand.

 

Hier habe ich das Licht, dass eine scharfe Grenze am Wandsockel  und sehr weiche Grenzen an entfernteren Raumelementen findet, noch mal aus anderer Perspektive fotografiert. (Der Sockel ist ganz unten im Bild zu sehen)

 

Eine kleine Montage von drei Licht-Schatten-Bildern, seitlich gedreht (aufgenommen am 10.9. gegen 6 Uhr nachmittags):

 

Türgriff und Schloss bildeten für das Licht des späten Nachmittags nur bescheidene Barrieren. Doch das hinderte sie nicht, zwar leichte, aber eindrucksvoll lange Schatten an die Tür zu werfen.

 

 

 

 

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Montag ist Fototermin: Unbrauchbar aber fotogen

Heute las ich bei Susanne Berkenkopf als Wochendevise

„Habe nichts in deinem Haus, von dem du nicht weißt,
dass es nützlich ist oder dass du es schön findest.“

Am Ende der Woche wünscht sich Susanne eine Rückmeldung: „Was hat es ausgelöst?“  Meine spontane Antwort:  Ich kann dir jetzt schon sagen, was es bei mir ausgelöst hat, liebe Susanne: widerstreitende Gefühle. Denn ich ertrinke in Unnützem, doch sobald ich es in die Hand nehme, um es wegzuwerfen, erkenne ich sein „künstlerisches Potential“, Da wird mir jedes Schnipselchen, jeder unbrauchbare Gegenstand zu einem Ausdrucksträger …

Tatsächlich hatte ich für diesen Montagsbeitrag Fotos von völlig überflüssigen und nicht mal schönen Dingen meiner Wohnung gemacht. Damit wollte ich in gewisser Weise anschließen an eine frühere Rubrik, die ich „Alphabet der Materialien“ nannte (Februar bis Mai 2018). Ich brach es damals ab, aber das Thema hat mich nie verlassen. Es behält seine Faszination, denn jedes Material gibt das Licht in verschiedener Weise zurück: anders Plastik, anders Eisen, anders Gewebe, anders Stein – und in jeder Kategorie unzählige Varianten…  Und so reizt es mich oft,  Alltags-Dinge in zufälliger Anordnung zu fotografieren. 

Schwer auszurangieren sind auch durchaus überflüssige und unschöne Dinge, an die viele Erinnerungen geknüpft sind. Und so beendete ich meine Antwort an Susanne so: „… und ich lege es beiseite, um es gelegentlich in ein Bild zu integrieren. Gestern ging es mir so mit Röntgenaufnahmen des zerbissenen Beins meines Hundes, der vor drei Monaten starb:“.

Die hatte ich nämlich aussortiert, um sie wegzuwerfen. Doch heute heftete ich sie an die Balkontür und fotografierte sie. Wahrscheinlich werde ich sie noch mal brauchen.

 

 

 

 

 

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Kunst am Sonntag: Licht, Papier&Pappe als Malmittel

Heute griff ich mal wieder zu den Malmitteln, die jederzeit umsonst zur Verfügung stehen: Papierreste und Licht.

Beim Fotografieren spielte ich mit den Schattenbalken der Jalousie. Da heute Wolken vor die Sonne zogen, waren die Schatten mal scharf begrenzt, mal weich und verschwommen.

Im folgenden Bild schnitt ich den „Spaziergänger“ digital aus (a) und montierte ihn als überdimensionierten Schatten senkrecht ins Bild (b)

Die Negativform der großen Figur setzte ich dann als Klammer ins letzte Bild (c).

 

 

 

 

 

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