Feuerzauber (Der Nachtzirkus*)

Der Nachtzirkus. Kapitel „Eröffnungsnacht I“,  S. 113-14 *

Als die Uhr am Tor zu schlagen beginnt, schießt der erste Bogenschütze seinen Pfeil ab. Mit einem Funkenregen fliegt er hoch über die Menge hinweg und trifft sein Ziel. Gelb lodernd entflammt das Feuer. Dann folgt der zweite Schlag, der Schütze schickt seinen Pfeil in die gelben Flammen, und sie sind licht himmelblau. Ein dritter Schlag und ein dritter Pfeil und sie leuchten warm rosa. (…….) Der vorletzte Schlag verwandelt das Blau der tanzenden Flammen in Schwarz, und in diesem Augenblick sind sie nur schwer vom Kessel zu unterscheiden. dann ertönt der letzte Schlag, und ein gleißendes Weiß ersetzt die schwarzen Flammen (….)

Die Szene spielt in London im Jahre 1886, und damals war dies sicher ein unübertreffliches Wunder der Magie. Heute sind wir alle kleine Magier, wenn wir ein bisschen mit Fotoshop rumspielen. Hier 12 Flammen-Verwandlungen, nicht strikt nach der Vorlage.

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*Ich zitiere aus dem Buch „Der Nachtzirkus“ von Erin Morgenstern, in der deutschen Übersetzung von Brigitte Jakobeit erschienen 2012 bei Ullstein.

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Kunst am Sonntag: Mit Natalia unterwegs, Daniel Silver exhibition

War eines Tages unterwegs in Athen, mit Natalia, meiner schönen russischen Freundin. Ist zwei-drei Jahre her. Nun sah ich die Fotos und erinnerte ich mich. Wir hatten mal zusammen bei UNESCO in Piräus ausgestellt und uns angefreundet. An jenem Sonntag sahen wir eine Ausstellung von Daniel Silver, lachten viel, konterfeiten uns gegenseitig und streiften durch die Athener Altstadt. Eben rief ich sie an. Ja, sie ist in Athen.

 

 

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abc-ählreim: Eine dialektische Kata-Strophe

Noch ne üble Kata-Strophe zu den dies-wöchentlichen Wörtern gefällig? als da sind: angekohlt, piddeln und Ohnmachtsanfall. Eingebrockt hat uns diese Wörter Bernd von redskiesoverparadise.name. Christiane hat unsere Übungen  mal wieder großherzig betreut, und lz hat unsere Schreibwut mit einer feurigen Abendstimmung angeheizt.

Da bei uns bis Montag noch der Karneval wütet, sind meine Verse entsprechend. Am Montag lassen wir dann die Drachen steigen und werden wieder fromm

A b c ä h l r e i m

Herr Heinrich der will piddeln geen

Doch wüss  er nich wo dat mut seen.

Die Lies krieg en Ohnmachtsanfall

Als sie ihm sieht in Schweinestall.

Die Hosen hat er wohl verlorn

Auch  hängt  ihm raus en Wurm da vorn.

 Drei Lütt häv die dicke Liese gehoven

un rausgezogn ausn Schweinekoven

Ätschibätschi  angekohlt!

Da hat der Mann das Kind versohlt.

Eene meene Mu

und raus bist du.

 

 

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Wahrheit und Pflicht (Der Nachtzirkus*)

Der Nachtzirkus, Kapitel „Wahrheit und Pflicht“, S. 65-66*

Sie steht mitten auf dem Weg zwischen den Zelten, einfach so, als würde sie auf ihn warten. Sie ist ungefähr so alt wie er und trägt eine Art Kostüm, jedenfall keine normalen Sachen: weiße Stiefel mit ganz vielen Knöpfen, weiße Strümpfe und ein weißes Kleid aus allen nur denkbaren Stoffen – Spitze und Seide und Baumwolle, darüber eine weiße Uniformjacke und weiße Handschuhe. Vom Hals abwärts ist sie ganz in Weiß gekleidet, wodurch das Rot ihrer Haare ungewöhnlich leuchtet. – „Du darfst hier nicht sein“, sagt das rothaarige Mädchen ruhig.

(…..) Bailey nimmt den weißen Handschuh und steckt ihn in seine Hosentasche. 

Anm.: Bailey ist ein etwas ängstliches Kind, hat sich aber dennoch getraut, in den Nachtzirkus einzusteigen. Als Beweis für seinen Mut erbittet er sich ein Zeichen und erhält den weißen Handschuh des Mädchens.

Diesmal habe ich zwei Varianten gelegt. In der zweiten Variante habe ich den schwarz-Weiß-Effekt verstärkt, indem ich einige Schnipsel umgedreht habe.  In beiden Bildern habe ich als Grund wieder die alte Kohlezeichnung auf grauer Pappe, 70 x 100 cm, verwendet.

*Ich zitiere aus dem Buch „Der Nachtzirkus“ von Erin Morgenstern, in der deutschen Übersetzung von Brigitte Jakobeit erschienen 2012 bei Ullstein.

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Baumstämme

Baumstämme sind für mich Zeitmesser, Rhythmusgeber. Mein Schritttempo –  mal schneller, mal langsamer – , die Baumstämme und ich bilden zusammen einen stummen Klangkörper, dem ich verzückt lausche. Sanft verschieben sich ihre senkrechten Formen gegeneinander, wenn ich an ihnen vorbeigehe. Wenn ich meinen Schritt beschleunige, gleiten sie schneller aneinander vorbei. Wenn ich hüpfe oder tanze, geraten sie auch in eine hüpfende, tanzende Bewegung.

Hätte ich eine Stirnkamera mit Video – dann würde ich diese Musik aufnehmen können. Als Photo bleibt sie still und stumm. Ich bleibe stehen und schaue mir diese Rhythmusgeber an wie Trommeln, die auf ihren Einsatz warten.

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Kondolenzpost (Der Nachtzirkus*)

Bevor ich zum nächsten Bild übergehe, hier noch mal das Bisherige im Überblick:

Im folgenden werde ich mich auf recht kurze Zitate beschränken und alles weitere Erklären unterlassen. Denn ich möchte nicht spoilern. Möchtest du wissen, wer was warum sagt und treibt, musst du dir das Buch* besorgen.

Der Nachtzirkus, Kapitel „Kondolenzpost“ S 78*

Sie tritt in den von der hellen Nachmittagssonne durchfluteten Raum. „Was hat das zu bedeuten?“, fragt sie mit der Karte in der ausgestreckten Hand.  

Die Gestalt am Fenster dreht sich um. Dort, wo das Licht auf sie fällt, ist sie fast unsichtbar. Ein Teil der Schulter scheint zu fehlen, der Oberkopf verschwindet in einem Geflimmer von Staubkörnern. Der Rest des Körpers ist transparent, wie das Spiegelbild in einer Glasscheibe.

Ich hab dann noch ein wenig mit Filtern rumprobiert. Die besten Ergebnisse scheinen mir diese zu sein:

Warum habe ich gerade diese Szene versucht ins Bild zu setzen? Es reizte mich, die Schnipsel einmal in ihrer negativen Form – also in dem, was NICHT mehr ist, da Jürgen es für seine Scherenschnitte herausschnitt – zur Wirkung zu bringen. Ich fand, das sei die rechte Art, das stückchenweise Transparentwerden und Verschwinden des Zauberers zu illustrieren. (Im Gegensatz zu den Schnipseln, mit denen ich gewöhnlich arbeite, handelt es sich bei Jürgens Material ja um Verschnitt, also um Übriggebliebenes, „Negatives“, nachdem das „Positive“ herausgenommen wurde).

Auch wollte ich dem Begriff der „Durchlässigkeit“, mit dem Ulli sich grad beschäftigt, eine Facette hinzufügen.


*Ich zitiere aus dem Buch „Der Nachtzirkus“ von Erin Morgenstern, in der deutschen Übersetzung von Brigitte Jakobeit erschienen 2012 bei Ullstein.

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abc etüde: Kata-Strophen

Für diese abc-etüde habe ich ein paar Kata-Strophen gereimt, die an leider sehr reale Ereignisse erinnern. Schau mal hier: Überschwemmung

Herzlichen Dank dem diesmaligen Wort-Spender Bernd  (redskiesoverparadise.name), der abc-Etüden-Betreuerin Christiane und dem Einladungs-Gestalter lz.

 

Überschwemmungs-Kata-Strophen

Piddel-Paddel-Puddel-Kram
Mit dem ersten Regen kam
Angekohltes, Plastikflaschen
Einzelschuhe, alte Taschen
All son Zeug brachten die Flüsse
Spülten es uns vor die Füße
Mit Schilf und Modder und mit Kies
In die Gullis stopften sies
Bis alle Straßen unter Wasser
Die Keller wurden nass und nasser
Schreie und Hilferufe gellten
Ohnmachtsanfälle warn nicht selten
Doch half es was? Die Welt ersoff
Und durch die Dächer Regen troff.

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Grautöne (Der Nachtzirkus*)

Der Nachtzirkus, Kapitel „Grautöne. London 1874“. S. 27-29*

Das Gebäude ist so grau wie der Gehweg davor und der Himmel darüber, und es wirkt so unbeständig wie die Wolken, als könnte es sich jederzeit in Luft auflösen. Durch den unscheinbaren grauen Stein ist es von den umliegenden Häusern kaum zu unterscheiden, nur ein mattes Schild über der Tür hebt es ein wenig hervor. Selbst die Schulleiterin im Inneren ist in dunkles Anthrazit gekleidet.
Trotzdem wirkt der Mann im grauen Anzug fehl am Platze.
Sein Anzug ist streng geschnitten. Der Griff seines Gehstocks unter den makellosen Handschuhen zu blank poliert. (….)

Der Mann im grauen Anzug unterschreibt Papiere und beantwortet Fragen der Schulleiterin. Und obwohl sie die Antworten nicht alle versteht, setzt sie der Abwicklung des Geschäfts nichts entgegen. – Als der Junge fertig ist, verlässt er mit dem Mann im grauen Anzug das graue Steingebäude und kehrt nie wieder dahin zurück.

Diesmal habe ich die Rückseite meiner Legefläche benutzt;  es handelt sich um graue, mit einer Kohlezeichnung übergangene Pappe. Die Kohlezeichnung, 70 x 100 cm groß, habe ich früher mal veröffentlicht . Sie ist inzwischen ein wenig ausgeblichen. Als Legematerial habe ich die nun schon bekannten Schnipsel von Jürgen benutzt.

Ein Bildausschnitt mit dem Mann und dem Jungen, zur Abrundung:

*Ich zitiere aus dem Buch „Der Nachtzirkus“ von Erin Morgenstern, in der deutschen Übersetzung von Brigitte Jakobeit erschienen 2012 bei Ulstein.

 

 

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Konstantinos Volanakis, Meeresmaler 19. Jahrhundert

Meinen heutigen Zahnarztbesuch krönte ich durch einen Besuch der Ausstellung des „Pateras tis Thalassographia“ (Vaters der Meeresmalerei)  Konstantinos Volanakis im Gebäude der „Theoharakis-Stiftung für Kunst und Musik“, im Athener Zentrum.  Nicht, dass ich ein besonderer Fan dieser Malerei wäre. Aber Ehre, wem Ehre gebührt. Er verstand sein Handwerk! Außerdem sind die Bilder historisch interessant.

Volanakis lebte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und studierte an der Münchner Akademie der Künste Malerei. Er spezialisierte sich auf Meeresbilder mit malerischen Segelschiffen, Häfen und Seeschlachten. So konnte er sich, nach Athen zurückgekehrt, einigermaßen durchschlagen und seine Frau und die vielen Kinder ernähren.

Von den insgesamt 70 ausgestellten Bildern möchte ich euch ein paar zeigen. (1-2) Eine idyllische Bucht mit ankernden Schiffen und aufgetakeltem Großschiff und ein Ausschnitt davon mit sich spiegelnden Häusern, wie man sie auch heute noch sieht. (3-4-5) Der Hafen der mittelgriechischen Stadt Volos (gegen Ende des 19. Jahrhunderts) mit zwei Bildausschnitten. Es gibt – man staune – bereits eine von Pferden auf Gleisen gezogene Straßenbahn. (6-7) Ein Großsegler und ein Fischerboot mit Netzeflickern, letzteres auch als Ausschnitt fotografiert, um die Spiegelung in der Pfütze zu zeigen.

Und noch ein paar Idyllen, bis – auf  dem letzten Foto – ein moderner Raddampfer das Ende der unter Segeln reisenden Handelsschiffe ankündigt.

 

Mit solchen Bildern konnte der Maler nur wenig Geld verdienen. Im staatlichen Auftrag gemalte oder zu Wettbewerben eingereichte Seeschlachten waren da schon einträglicher. Besonders beliebt waren natürlich Schlachten, bei denen die türkische Flotte vernichtet wurde. Auf dem letzten Bild: die Schlacht von Navarino (1827 bei Pylos, ich habe bisweilen davon erzählt), die Griechenland nach 400 Jahren osmanischer Herrschaft seine Unabhängigkeit zurückgab und zur Gründung des neugriechischen Staates führte. Angesichts des erneuten Säbelrasselns des türkischen Nachbarn (da ist die Rede von „osmanischer Ohrfeige“ und von der „griechischen Mücke“, die man zerquetschen werde), verliert diese Thematik ihren idyllischen Charakter und gewinnt beklemmende Aktualität.

 

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Die Garderobe des Zauberers. (Der Nachtzirkus*)

Der Nachtzirkus, Kapitel: „Eine Wette unter Ehrenmännern“, S. 17*

Am Ende des Flurs klopft er (Anm.: der Besucher, Prosperos Rivale) mit dem Silberknauf seines Gehstocks an eine Tür. Die Tür fliegt auf wie von Geisterhand und gibt den Blick frei auf eine unaufgeräumte Garderobe, gesäumt von Spiegeln, die Zauberer Prospero aus unterschiedlichen Blickwinkeln zeigen. – Sein Frack liegt unordentlich auf einem Samtsessel, die Weste über seinem spitzenbesetzten Hemd steht offen. Der Zylinder, während der Vorstellung ein wichtiges Requisit, befindet sich auf einem Hutständer. – (…) Das Gesicht in den Spiegeln ist faltig, sein Haar schon sehr grau (…)

Die Garderobe des Zauberers (c) Gerda Kazakou, 2018

Ich habe das Original mehrfach überarbeitet, um größere Kontraste und mehr Zauber-Atmosphäre hinzukriegen. Hier vier Detail-Fotos und fünf Überarbeitungen. Wenn du anklickst, öffnet sich die Galerie.

*Ich zitiere aus dem Buch „Der Nachtzirkus“ von Erin Morgenstern, in der deutschen Übersetzung von Brigitte Jakobeit erschienen 2012 bei Ulstein.

 

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