„Nimm dir ein Vorbild an den Katzen“ – sagt mein Mann, wenn ich jammere, dass ich keine Energie habe, um etwas Vernünftiges zu tun oder zu unternehmen.

Aber bin ich eine Katze? Kann ich so entspannt liegen? Nein, nach einiger Zeit tun mir Hals oder Rücken weh, mein Fuß fängt an zu kribbeln, meine Hände wollen etwas tun. Also beginnen sie, noch einmal den Marmorbruch auf dem schwarzen Eisentisch zu befingern und eine neue Szene mit Segelbooten zu legen. Dabei gibt es schwierige Entscheidungen zu treffen, zB Dreieckssegel oder Rahsegel?
Darf der vom Meer weich und glatt geschliffene Marmorstein mitspielen? Und wenn ja, welche Rolle soll er haben?
Und das Boot mit den gläsernen Segeln – wie ist es am sinnvollsten mit den Marmorstücken zu kombinieren?
Doch so wichtig solche Fragen sind – irgendwann sind sie erschöpft. Und so mache ich mich auf den Weg ans Meer. Nach dem genüsslichen Schwimmen lege ich mich in den schmalen Schatten eines Ruderboots und folge mit dem Blick dem Ruder: Es zeigt direkt in den blauen Himmel.
Senke ich den Blick, bleibt er auf den riesigen Steinen liegen, die vom Fluss hierher geschafft wurden, um eine schützende Mole zu bauen.
Der eine Fuß in der Sonne, der andere im Schatten, und in dem Bildausschnitt darüber das regungslose Meer und ab und zu ein Boot.

Zu Hause begebe ich mich ins Atelier, wo es am kühlsten ist, und stelle ein paar neue und ältere Seestücke vor mir auf, um weiter zu träumen.
So oder so ähnlich verbringe ich den August. Nebenher höre ich mir noch ein paar Vorträge per Ohrknopf an, heute einen über die Entdeckungen von Voyeger II, erkundigte mich, was Heliopause und interstellares Plasma ist, verstand den Zorn eines russischen Juden über Israels Politik, erfuhr, wie heiß es in Europa vermutlich noch werden wird und wie heiß nicht, wenn die andern alle so weitermachen wie bisher. Und noch dies und das. Denn Bildung muss sein.