Spiegelung – für MYRIADEs Fotoprojekt

Hier ist nun schon mein zweiter Beitrag für Myriades FOTOPROJEKT,

https://laparoleaetedoOOTnneealhomme.wordpress.com/2017/01/18/einladung/

damit es Fahrt auf nimmt. Eine Fotografie ist es ja nicht grad, aber Myriade hat auch meine Legearbeiten akzeptiert. Warum also nicht auch mal was Gemaltes? Hier also „Spiegelung“:

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Griechisches Alphabet des freien Denkens: R wie Rhiza, Wurzel

1024px-rho_uc_lc-svg Pω – Rho ist der 17. Buchstabe des griechischen Alphabets. Man schreibt ihn im lateinischen Alphabet als Rh, weil er früher angehaucht wurde. Sokrates behauptet  – in Platons Dialog „Kratylos“ -, dass die Seele des Menschen besonders stark durch das rollende Rh angezogen werde. Denn es verweise auf den ewigen Lebensstrom, die ροή, das Fließen ρέω,  also auf das, was Heraklit das Panta rheei  nannte.  Auch im Namen der Urmutter Ρέα – Rhea  ist dieses Fließen, Strömen zu hören.

Ich will aber heute nicht über das Fließen, sondern über ein anderes Wort sprechen: über R wie Rhiza – sprich risa, Wurzel. Es ist ja grad ziemlich verbreitet, über die Wurzeln bzw über die Wurzellosigkeit des Menschen zu raisonnieren. „Auf die Suche nach ihren Wurzeln“ haben sich zahlreiche Menschen begeben – indem sie ihren Stammbaum erkunden, indem Adoptierte oder durch künstliche Befruchtung Gezeugte nach ihren biologogischen Eltern forschen, indem sie in das Geburtsland ihrer Eltern reisen oder auch indem sie im Wald ihr Blockhaus bauen. „Ohne Wurzeln keine Flügel“ heißt es in so mancher therapeutischen Rezeptur. –  Auf der anderen Seite gibt es die „Wurzelabhacker“ und „Wurzelausreißer“, griechisch Ριζοσπάστης, deutsch die Radikalen, von lat. radix. Das Parteiblatt der griechischen Kommunisten heißt so: Ριζοσπάστης – risospastis. Seit zwei Jahren wird Griechenland vom SYRIZA regiert, das Akronym bedeutet wörtlich: „Zusammenschluss der radikalen“ sprich  wurzelabhackenden „Linken“. Freilich ist die Radikalität kein Privileg der Linken: auch die von Konstantinos Karamanlis 1965  gegründete und lange Zeit regierende Partei ERE ist eine Wurzelabhackerin; denn ERE bedeutet „Nationale Radikale Union“.

Die einen wollen Wurzeln finden, die anderen wollen sie abhacken….

Ja, hat der Mensch denn überhaupt Wurzeln?

Wurzeln haben die Pflanzen. Mit ihren Wurzeln senken sie sich in die Erde, geben sich Halt. Manche haben sogar extra Schwereelemente in ihrem Wurzelwerk, damit die Blüten und vielleicht auch die Blätter nicht das tun, was sie am liebsten täten: auf und davon fliegen.

Schaut man auf eine Pflanze, dann empfindet man, wie sie sich mit ihrem ganzen Wesen dem Licht hingibt. Sie schmiegt sich in ihrer Form dem Weltall an. Von oben, vom Gang der Sonne und der Gestirne, nimmt sie ihre Impulse, dreht sich von Osten über Süden nach Westen, und ihre Blätter folgen spiralig diesem Lauf.

Doch da sind die Wurzeln. Davonfliegen gilt nicht. Denn die Pflanze hat eine Aufgabe zu erledigen. Aus der Erde schafft sie empor und wandelt um, was die Erde an mineralischen Substanzen in den Lebenskreislauf geben will und kann. Das wird dann zur Nahrung für die Tiere und Menschen.

Der Mensch ist anders herum gepolt. Er schreitet, den Kopf erhoben, die Sohlen seiner Füße abwechselnd gegen den Boden tretend, über die Erde. Seine Bodenhaftung ist gering. Er hat sich aufgerichtet, sagt man. Aber genauer wäre es zu sagen: Er hat sich auf den Kopf  gestellt. Schaut ihn doch an, vergleicht ihn mit den Pflanzen! Seine Fortpflanzungsorgane zeigen zur Erde, und der Kopf, dies mineralische Ding, ragt in den Himmel. Ist das Gehirn vielleicht des Menschen Wurzelbereich,

und tun ihm daher die Wurzelgemüse so gut ….

… während „die Wurzelsysteme der Bäume als Gehirne des Waldes anzusehen“ sind, wie die kanadische Baumforscherin Suszanne Simard meint?

Wunderdinge werden dem Kopfstand nachgesagt. Er gilt dem Yogi als König der Asanas;  denn so ziemlich alles, was durch die Aufrichtung des Menschen in Unordnung geraten ist, korrigiert er. Vor allem das Hirn wird entlastet, darf es doch endlich mal seinem Schwerkraftbedürfnis folgen, anstatt immer dagegen anzukämpfen. 19_headstand_image_260_w siehe hier. 

Morphologisch ähnelt der Mensch tatsächlich einer entwurzelten, auf den Kopf gestellten Pflanze, und seine Wurzeln liegen, wenn überhaupt irgendwo, dann in seinem Kopf. Mit dem Kopf nimmt er seine Nahrung auf, verbindet sich mit der Umwelt, speichert seine Erinnerungen, kommuniziert.

So weit war ich mit meinen Spekulationen, als ich nachschaute, woher sich dies griechische Rho denn eigentlich ableitet. Tja, da staunst du! Es kommt vom phönizischen Res 85px-phoenician_res-svg, was „KOPF“ bedeutet.

Die Chakren des Menschen haben sich den neuen Verhältnissen angepasst. In den Scheitel ist das Kronenchakra gezogen, und am Ende des Steißbeins sitzt das Wurzelchakra, mit dem der Mensch versucht, eine Beziehung zur Erde aufzunehmen. Das ist gar nicht so leicht, es bedarf der Übung. Drum sitzen die Yogis stundenlang im Schneidersitz; doch das Steißbein will und will sich nicht verwurzeln. gossip_131 siehe hier

Warum ist das so schwierig? Ich vermute, weil wir unsere Wurzeln im Kopf aufsuchen müssen.

Oder haben wir unsere Wurzeln vielleicht doch in der Familie, im Clan, im Volk, von denen wir uns quasi als Sprösslinge abgezweigt haben? Von Stammbäumen spricht man, aber wo ist oben, wo unten?genealogical_tree_of_antigone_odipus-svg Meistens sind die Vorfahren in den Lüften angeordnet, während du nur ein Würzelchen bist, wie im Beispiel hier die große Antigone.

Wo also sind des Menschen Wurzeln? Vielleicht hat er ja gar keine, vielleicht ist er ein Vom-Winde-Verwehter, der sich müht, Würzelchen in den Boden der Erde zu senken. Wenn er lange genug an einem Ort gelebt hat, mag er wohl sagen: hier habe ich Heimat gefunden. Er umarmt einen Baum, am besten einen tief verwurzelten, und bittet ihn: Lieber Baum, bitte nimm mich mit hinab in dein Erdreich. ….baum-umarmen

hier

Ich fühle mich so wurzellos. Mein Körper ist schwer und will sich gerne hinlegen, will eins werden mit der Erde, aber da ist mein Kopf!  Da ist mein Denken! Das irrlichtert herum, denn es gehört in eine andere Sphäre, gehört zum Himmel, aber da wurde es ausgerissen, die Wurzeln wurden abgehackt, radikal, und nun sehne ich mich mit allen Fasern nach einer verlorenen Heimat.

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Leonardo da Vinci, Johannes der Täufer

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Myriade’s Einladung: Begeisterung

Myriade hat ihr Foto-Projekt, an dem alle teilnehmen dürfen, wiederbelebt! Toll, ich bin begeistert und wünsche besten Erfolg, das heißt: viele begeisterte TeilnehmerInnen.  https://laparoleaetedonneealhomme.wordpress.com/2017/01/18/einladung/

Es gibt da wahlweise eine ganze Reihe von schönen Wörtern, unter denen man sich einreihen kann mit seinen Bildern. Eines heißt: Begeisterung. Ich versuchs mal, dies durch und durch belebende beflügelnde Gefühl mit einem Legebild zu illustrieren.

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Uralte Geschichten

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Schnee, Buchladen, Rotwein

textstaub aka ludwig zeidler hat am Sonntag ein neues Projekt vorgestellt

  • Texte zur Liebe
  • maximal 10 Sätze
  • jeden Sonntag gibt er drei Wörter vor, die im Text vorkommen sollen (siehe oben)

Aus dem grauen Himmel fiel unaufhörlich der Schnee. Die Frau starrte aus dem Fenster ihres kleinen Buchladens. Niemand würde heute mehr kommen, und morgen war morgen. Wo war der Geliebte, wo das Kind, das sie sich erträumt hatten? Sie erinnerte sich, ja, sie erinnerte sich. Ein solcher Tag wars gewesen, und sie hatte an einem anderen Fenster gesessen – auf dem verschneiten Balkon hatte eine Kohlmeise am entlaubten Rosenbusch gepickt – Schau, das kohlschwarze Häubchen! hatte sie geflüstert und seine Hand ergriffen – Solch schwarzes Haar soll unser Kind haben! Wie unter Zwang war sie hinausgeeilt, wollte das Vöglein erhaschen, aber es flog auf und davon, und sie stach sich am Rosenbusch. Drei Tropfen fielen in den Schnee.

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Uralte Geschichten, seufzte sie und griff mit zittriger Hand nach dem Glas mit dem Rotwein. Es fiel um und zerbrach.

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ANDERE VARIANTEN von Schneewittchen:

https://gerdakazakou.com/2015/10/15/eine-dame-von-welt/

https://gerdakazakou.com/2015/10/06/die-schoenen-schlafenden/

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so weiß wie Schnee, so rot wie Blut, so schwarz wie Ebenholz

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Dreimal Glück

Wer macht sich heute  noch die Mühe und expediert seine Grüße in analoger Form? Es geht ja viel geschwinder mit der Elektronik. Man schickt sie – und der andere hat sie. Sofort. Umgehend. Kein Weg zum Postamt, kein Warten in der Schlange, kein Gesuche nach einem passenden Umschlag, einer Briefmarke. Ich bin so bequem geworden. Warum sollte mir jemand einen echten Brief schicken?

Doch heute brachte mir der Postbote – ja, es gibt ihn noch! – gleich zwei Briefe ins Haus. Damit die glücksbringende Zahl 3 voll würde, holte ich ein Bücher-Paket von der Poststelle ab, wo es seit einem Monat auf mich wartete, über und über mit allerlei Zettelchen beklebt; und eine dicke schwarze Schlaufe war um eine Lieferzahl gemalt. Na, seht selbst!

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Damit ihr nicht glaubt, ich rede nur so vor mich hin, habe ich auch die beiden Briefe fotografiert, die mir heute ins Haus flatterten – auf einem Hintergrund, der meiner Freude über ihr Ankommen Ausdruck verleihen soll. Danke Elke, danke Katrin!

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Und da das Jahr noch jung genug für Vorsätze ist: Ich werde ebenfalls wieder richtige Post expedieren, jedenfalls gelegentlich. Es ist doch zuuuuuu hübsch, so ein Ding in der Hand zu haben. Es macht irgendwie …. glücklich.

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Montag ist Fototermin: Abschied vom Meer.

Bin wieder in Athen. Las grad bei Finbar, dass er sich nicht mit dem Abschiednehmen anfreunden mag. Es ist ein herzzerreißend schöner alter Text, den ich über Ullis letzte Miniatur fand https://finbarsgift.wordpress.com/2013/11/13/abschiede/

Mir fällt das Abschiednehmen von Dingen leicht, und von Menschen; wenn es nur ein vorübergehendes ist, fällt es mir auch nicht sonderlich schwer. Aber vom Meer! Es fehlt mir bereits, als sei es mein Atem. Schwer ist es, auch nur wenige Tage ohne das Meer auszukommen.

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In der Fremde

Mit dieser Ballade hoffe ich gleich zwei Spatzen zu fangen. Denn einerseits hab ich nur noch bis Mitternacht Zeit, mich im Mitmachblog zu Fremdartigem zu äußern, und andererseits bläst Christiane zum letzten Aufgebot für das Balladenwochende.

Idee:
„Baladenwochenende“: Christiane von

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/01/13/aufruf-balladenwochenende-die-brueck-am-tay/

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Heines Seegespenst, das ich gestern auswählte, war ja womöglich gar keine Ballade, aber das heutige Heine-Gedicht ist garantiert eine. Ich hab es nämlich bei http://www.balladen.de/ gefunden.

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In der Fremde

Heinrich Heine

1.

Es treibt dich fort von Ort zu Ort,
Du weißt nicht mal warum;
Im Winde klingt ein sanftes Wort,
Schaust dich verwundert um.

Die Liebe, die dahinten blieb,
Sie ruft dich sanft zurück:
O komm zurück, ich hab dich lieb,
Du bist mein einz’ges Glück!

Doch weiter, weiter, sonder Rast,
Du darfst nicht stillestehn;
Was du so sehr geliebet hast,
Sollst du nicht wiedersehn.

2.

Du bist ja heut so grambefangen,
Wie ich dich lange nicht geschaut!
Es perlet still von deinen Wangen,
Und deine Seufzer werden laut.

Denkst du der Heimat, die so ferne,
So nebelferne dir verschwand?
Gestehe mir’s, du wärest gerne
Manchmal im teuren Vaterland.

Denkst du der Dame, die so niedlich
Mit kleinem Zürnen dich ergötzt?
Oft zürntest du, dann ward sie friedlich,
Und immer lachtet ihr zuletzt.

Denkst du der Freunde, die da sanken
An deine Brust, in großer Stund‘?
Im Herzen stürmten die Gedanken,
Jedoch verschwiegen blieb der Mund.

Denkst du der Mutter und der Schwester?
Mit beiden standest du ja gut.
Ich glaube gar, es schmilzt, mein Bester,
In deiner Brust der wilde Mut!

Denkst du der Vögel und der Bäume
Des schönen Gartens, wo du oft
Geträumt der Liebe junge Träume,
Wo du gezagt, wo du gehofft?

Es ist schon spät. Die Nacht ist helle,
Trübhell gefärbt vom feuchten Schnee.
Ankleiden muß ich mich nun schnelle
Und in Gesellschaft gehn. O weh!

3.

Ich hatte einst ein schönes Vaterland.
Der Eichenbaum
Wuchs dort so hoch, die Veilchen nickten sanft.
Es war ein Traum.

Das küßte mich auf deutsch, und sprach auf deutsch
(Man glaubt es kaum,
Wie gut es klang) das Wort: „Ich liebe dich!“
Es war ein Traum.

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Heinrich Heine, Das Seegespenst

Idee:
„Baladenwochenende“: Christiane von

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/01/13/aufruf-balladenwochenende-die-brueck-am-tay/

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Ich habe keine Ahnung, ob dies Gedicht von Heine als Ballade durchgeht. Immerhin benutzt er ein tatsächliches Vorkommnis, das sich für eine Ballade bestens eignet: das Versinken der Stadt Vineta bei Rügen – oder auch bei Usedom oder ….

Ich hab dazu schon mal einen Blog-Beitrag geschrieben, kannst du hier alles nachlesen.

https://gerdakazakou.com/2015/06/06/der-poet-und-die-versunkene-stadt-vineta/

und über das, was zu diesem Vineta sonst noch gemunkelt wird, informiere dich hier.

vineta, mythos und geschichte

the-poetHeinrich Heine

Seegespenst

Ich aber lag am Rande des Schiffes,
Und schaute, träumenden Auges,
Hinab in das spiegelklare Wasser,
Und schaute tiefer und tiefer –
Bis tief, im Meeresgrunde,
Anfangs wie dämmernde Nebel,
Jedoch allmählich farbenbestimmter,
Kirchenkuppel und Türme sich zeigten,
Und endlich, sonnenklar, eine ganze Stadt,
Altertümlich niederländisch,
Und menschenbelebt.
Bedächtige Männer, schwarzbemäntelt,
Mit weißen Halskrausen und Ehrenketten
Und langen Degen und langen Gesichtern,
Schreiten, über den wimmelnden Marktplatz,
Nach dem treppenhohen Rathaus,
Wo steinerne Kaiserbilder
Wacht halten mit Zepter und Schwert.
Unferne, vor langen Häuserreihn,
Wo spiegelblanke Fenster
Und pyramidisch beschnittene Linden,
Wandeln seidenrauschende Jungfern,
Schlanke Leibchen, die Blumengesichter
Sittsam umschlossen von schwarzen Mützchen
Und hervorquellendem Goldhaar.
Bunte Gesellen, in spanischer Tracht,
Stolzieren vorüber und nicken.
Bejahrte Frauen,
In braunen, verschollnen Gewändern,
Gesangbuch und Rosenkranz in der Hand,
Eilen, trippelnden Schritts,
Nach dem großen Dome,
Getrieben von Glockengeläute
Und rauschendem Orgelton.

Mich selbst ergreift des fernen Klangs
Geheimnisvoller Schauer!
Unendliches Sehnen, tiefe Wehmut
Beschleicht mein Herz,
Mein kaum geheiltes Herz; –
Mir ist, als würden seine Wunden
Von lieben Lippen aufgeküßt,
Und täten wieder bluten –
Heiße, rote Tropfen,
Die lang und langsam niederfalln
Auf ein altes Haus, dort unten
In der tiefen Meerstadt,
Auf ein altes, hochgegiebeltes Haus,
Wo melancholisch einsam
Unten am Fenster ein Mädchen sitzt,
Den Kopf auf den Arm gelehnt,
Wie ein armes, vergessenes Kind –
Und ich kenne dich armes, vergessenes Kind!

So tief, meertief also
Verstecktest du dich vor mir,
Aus kindischer Laune,
Und konntest nicht mehr herauf,
Und saßest fremd unter fremden Leuten,
Jahrhundertelang,
Derweilen ich, die Seele voll Gram,
Auf der ganzen Erde dich suchte,
Und immer dich suchte,
Du Immergeliebte,
Du Längstverlorene,
Du Endlichgefundene –
Ich hab dich gefunden und schaue wieder
Dein süßes Gesicht,
Die klugen, treuen Augen,
Das liebe Lächeln –
Und nimmer will ich dich wieder verlassen,
Und ich komme hinab zu dir,
Und mit ausgebreiteten Armen
Stürz ich hinab an dein Herz –

Aber zur rechten Zeit noch
Ergriff mich beim Fuß der Kapitän,
Und zog mich vom Schiffsrand,
Und rief, ärgerlich lachend:
Doktor, sind Sie des Teufels?

 

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Was ist die Welt für “Dich”

Schon mehrere Male in der letzten Zeit fand ich auf dem blog von ART OF ARKIS Beiträge, die den Kern des Austausches zwischen Ulli und mir in den ALPHABETEN betreffen. Dieses interview gehört unbedingt dazu. Ich selbst benutze den Systembegriff allerdings nicht mehr.

Art of Arkis

Joanna Macy – Die Welt als Geliebte

Geseko von Lüpke im Gespräch mit Joanna Macy
Wie würden Sie den Zustand der heutigen Welt beschreiben?

joanna-macy-die-welt-als-geliebte

diaphainois

Mischtechnik by Arkis

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„Mutter und Kind“

Während ich noch grübele, ob ich mich erneut dem Thema „p wie paidia“ (Erziehung) zuwenden oder erst mal den nächsten Buchstaben im Alphabet anpeilen soll – „r wie rizes“ (Wurzeln), zeige ich dir eine alte Zeichnung  von einer Skulptur. Die brachte mein Mann vor Jahren aus Afrika mit. Ich hob seinen Koffer an und fragte: „Sag mal, hast du Steine aus Afrika mitgebracht?“

Ja, hatte er. Ein afrikanischer Künstler hat diese Skulptur gemacht. Ich kenne seinen Namen nicht und weiß auch nicht, wie der Stein heißt, aus dem er herausgehauen und anschließend sehr glatt poliert wurde. Aber ich finde, sie passt ins Alphabet: Mutter und Kind zwischen Erziehung und Wurzeln.

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Gezeichnet habe ich nach dem Original, aber ich stelle hier zum Vergleich Fotos mit ein. Wie man sieht, ist mir das Kind zu groß geraten. Oder ich habe eine andere Perspektive gewählt.

Ein in Griechenland sehr bekannter und von mir hoch geschätzter Maler, Chronis Botsoglou, hat dasselbe Thema bearbeitet. Immer wieder malte er sich selbst als erwachsener Mann mit der alten Mutter. Er benutzte dafür große Bögen aus Aquarellpapier. Ich sah eines dieser Bilder (hinter Glas) im November 2016 in einer Ausstellung und fotografierte es, so gut ich konnte.

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