Kalenderblätter 9.6., Klees „Pädagogisches Skizzenbuch“: Waagrechte-Senkrechte

Weiter gehts mit dem, was die Waagrechte und die Senkrechte für Klee bedeuten.
Die Senkrechte bedeutet den geraden Weg und die aufrechte Haltung der den Stand des Animals, so resümiert Paul Klee das zuvor Gesagte. Um das zu illustieren, braucht er nur eine senkrechte Linie (Lot). Sonst nichts. Ich habe diese Senkrechte einmal zu einem Menschlein (aufrechte Haltung), das andere mal zu einer perspektivischen Allee (gerader Weg) gemacht, auch habe ich eine Ebene zum Draufstehen und Farben hinzugefügt, denn ich brauche mehr Veranschaulichung, um einen Gedanken zu begreifen. Außerdem habe ich eine waagrechte Bodenlinie hinzugefügt.

Obgleich der Gedanke einfach zu sein scheint, ist er er in Wahrheit ziemlich komplex, wenn man beginnt, darüber nachzudenken. Jeder versteht, dass der Mensch in aufrechter Haltung sich als senkrechtes Strichmännchen oder auch nur als Strich darstellen lässt.  Aber dass dasselbe auch für den geraden Weg gelten soll, versteht niemand sofort. Die Erfahrung spricht nicht dafür. Gerade Wege führen nicht senkrecht in den Himmel. Und doch! Perspektivisch korrekt gezeichneteWege tun gerade das. Verstehst du? Die Allee, die sich vor dir dehnt, erscheint auf der Zeichnung als senkrechte Form, die sich auch zum Lot verkürzen lässt. Aufrechter Mensch, gerader Weg: beide sehen, abstrakt gesprochen, gleich aus.

Darunter habe ich die zwei Figuren gequetscht, mit denen Klee seinen Gedanken über Senkrechte und Waagrechte erläutert. Bei Klee sieht das so aus:

Die erste Figur – ein einfaches T – ist „der Seiltänzer mit seiner Balancierstange: der Horizont als Erscheinung“.   Der Horizont erscheint als gerade Linie. Daneben zeichnet Klee eine Art Sonnenschirm.  „Waagrecht: der Horizont als Vorstellung„. Ja, das stimmt: die gesehene gerade Horizontlinie in Wirklichkeit ein Ausschnitt aus einem Kreis, dessen Zentrum meine Augen bilden. Wir können uns das vorstellen, auch wenn wir das nicht wirklich wahrnehmen können.

Etwas anderes irritiert mich:

Ich sehe mich gewöhnlich senkrecht auf einer waagrechten Bodenlinie stehen, gehen, tanzen. So zeichnete ich auch das Menschlein weiter oben. Für Klee aber bildet nicht der Boden, sondern die gedachte Waagrechte dort, wo wir Menschen in der Luft enden, die entscheidende Waagrechte: entweder als Erscheinung  (Balancierstange) oder als Vorstellung (Horizont). „Die Waagrechte ist die Höhe (des Animals), sein Horizont“. In der Perspektivzeichnung ist es die sogenannte „Augenlinie“, die alle Punkte in Augenhöhe miteinander verbindet.

Ich nehme mal als Information mit: für mich ist der Boden, dort, wo meine Füße stehen, die Bezugslinie, für Klee ist es der Kopf – ein luftiger Ort, von wo aus er sieht, wahrnimmt, die Welt konstruiert und sie immer wieder ausbalanciert.

Alternativ zum Boden sehe ich auch die ausgestreckten Hände (der Balken im kleinen t) als konstituive Waagrechte: sie verbindet Mensch mit Mensch, Herz mit Herz. Aber der Kopf? Da wird mir doch ein wenig schwindlig zumute.

Der letzte Satz unter den Figuren 45/46 ist dann der eigentliche Grübelsatz:

Beide (Waagrechte und Senkrechte) sind eine ganz diesseitige, statische Angelegenheit. 

Ganz diesseitig – jawohl! Obgleich, nach meinem Gefühl, Klee die Horizontale schon ein wenig ins Geistige entrückt hat, indem er sie, statt als Boden, als gedachte Horizontlinie begreift. Aber statisch? Es gibt, wenn ich mir das T so betrachte, ein Aufgerichtetes und ein Ausbalancieren. Der geringste Windhauch kann die Balancierstange aus dem Gleichgewicht bringen! Und was wird erst geschehen, wenn der Seiltänzer den nächsten Schritt verfehlt?

Um dies Drama geht es dann auch in der nächsten Lektion II,20. „die Wage“ (sic! Klee schreibt wagrecht, Wage)

 

 

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Weiteres zur Segelyacht (Auftragsarbeit Malerei)

Inzwischen hat sich weiteres zur Segelyacht, die ich für eine alte Dame malen soll, getan. Erstens habe ich mein Skizzenbuch mit weiteren Skizzen gefüllt.

Gedreht und farbig (Buntstift).

Ob „klassisch“ oder „modern“, muss die beauftragende Dame entscheiden. Wenn ich eine Antwort habe, mache ich weiter.

Zweitens hat Antje (manche kennen sie noch als Babsi, Kunstschaffende) die künstliche Intelligenz bemüht und meine schlechten Fotovorlagen bearbeiten lassen. Das Ergebnis ist verblüffend. Ganz herzlichen Dank, liebe Antje!

abfotografiertes Originalfoto                                   KI-bearbeitetes Foto

Auch den Skipper, der am Ruder sitzt, hat KI entdeckt und ihm deutliche Gesichtszüge verliehen. Ob dieses Foto nun dem Personenschutz unterliegt, weiß ich nicht.  Es handelt sich ja nicht eigentlich um ein Foto.

Entsprechen diese KI-Fotos nun mehr der Realität als die schlechten Originalfotos? Das kann ich nicht wissen. Ich werde meine Auftraggeberin befragen müssen. Merkwürdig ist nämlich auch, dass die beiden Yachten nicht identisch sind, wie sich auf der KI-Bearbeitung deutlich zeigt.

 

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Malerei: Auftragsarbeit Segelyacht

Vorgestern wurde mir eine alte Dame vorgestellt, die einen Maler sucht, der ihr ein Bild ihrer längst nicht mehr in ihrem Besitz befindlichen Segelyacht malt. Ihr Mann, inzwischen verstorben, hatte sie auf ihren Namen getauft, und sie verbindet wundervolle Erinnerungen damit. Doch das einzige, was ihr von der Yacht geblieben ist, sind zwei schlechte, ausgeblichene Fotos. Segel und Takelage sind nur andeutungsweise zu erkennen, die wirklichen Farben gar nicht. Aber es ist eine wunderschöne Yacht, und die Dame ist sehr nett, also entschloss ich mich, mich der Herausforderung zu stellen.

Also besuchte ich sie gestern und fotografierte die Fotos ab.

Natürlich möchte sie ein realistisches Gemälde, passend zu denen, die ich mir gestern in ihrer Wohnung ansah: Ölbilder von Boten und Inseldörfern, ein Druck von einem Waterhouse-Idyll mit Nymphen, zwei einfache Aquarelle ihres inzwischen abgerissenen Vaterhauses.

Wie kann ich vorgehen? Als erstes suchte ich Bilder im Internet, die Zweimaster mit Pinnaker-Segel zeigen, aber ich fand nichts. Dann versuchte ich, die Fotos zu verbessern, doch da war nicht viel möglich. Jetzt habe ich mich daran gemacht, die Fotos peu a peu in mein Skizzenbuch zu übertragen. Ich zeige mal, was ich heute, im ersten Anlauf, zustande brachte.

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Dienstags-Drabble: Freundesrat (kata-strophisch)

Für das Dienstags-Drabble hat Wortman diesmal die Wörter

Monolith – verwöhnen – Brett  

vorgegeben. Daraus ist ein Text von genau 100 Wörtern zu schmieden. Ich habe mich wieder für gereimte Kata-Strophen entschieden. Im Text gehts um das, was stets geschieht: die lieben Freunde wissen weit besser als man selbst, woran es in der eigenen Beziehung hapert. Sie erklären einem, was an dem Partner falsch ist und dass es sich nicht lohnt, sich etwas vorzumachen: er wird sich eh nicht bessern.

 

Εin langer Ratschlag und eine kurze Widerrede

 

„Dein Kai der ist, sei mir nicht böse,

der ist ein Monolith, ma chere!

Was du sagst, ist für ihn Getöse

Ich glaub, er hört es gar nicht mehr.

*

Du kannst ihn noch so sehr verwöhnen

Nimmt er dich deshalb etwa wahr?

Er hört dich jammern, hört dich stöhnen

Und meint, dass es ein Auto war.

*

Du möchtest ihn gern aktivieren

Und appellierst an seinen Stolz,

Du könntst es ja auch mal probieren

Mit einem Brett aus Eichenholz.

 

Dein Kai, ma chere, der kennt nur eins:

Für dich ist nichts, ist alles seins.“

*

Gib endlich Ruh!

Was weißt denn du?!

***

Die Legebilder sind aus Schnipseln, die Susanne Haun mir schenkte.

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Kalenderblätter 7.6.: Klees „Pädagogisches Skizzenbuch“, das schräge Haus

In Klees Lektion II,20 ist ein „logisch korrektes„, aber „psychologisch falsches“ Haus abgebildet (das obere mit den schrägen Wänden). Ich habe darunter ein „logisch falsches“, aber „psychologisch korrektes“ Haus gezeichnet, wie es jedes Kind zeichnen würde.


Du erinnerst dich vielleicht an das Foto des kleinen Prinzen vom vergangenen Sonntag, wo er vor meiner Zeichnung einer Dorfkirche steht und sich wundert, dass ich sie so schief und krumm wiedergegeben habe? Der schiefe Turm von Pisa, könnte man meinen. Und  das linke Gebäude gar! Wird es nicht zusammenstürzen?

Er ist halt ein Kind. Wir Erwachsenen fürchten nichts dergleichen, wir haben uns dran gewöhnt, dass hohe Gebäude mit mehr oder minder abenteuerlicher Schräge in den Himmel ragen.

„Wir haben uns dran gewöhnt“ bedeutet, wir haben den Anblick für uns normalisiert. Dazu Paul Klee: Das Animal will im Interesse seines Gleichgewichts sämtliche SENKRECHTEN der Wirklichkeit auch projiziert als Senkrechte sehen. 

Klee meint, diese Zeichnung werde nicht als korrekt gezeichnetes Haus akzeptiert, obgleich  sie „logisch  richtig“ sei.  Als auf den Boden projizierte Zeichnung ginge sie freilich durch.

„Pschologisch richtig“ ist die „logisch falsche“ Zeichnung mit senkrechten Wänden.

Ich weiß nicht, ob das inzwischen noch so stimmt. Denn wir haben unsere Sehgewohnheiten durch die Fotografie sehr verändert. Auf dem Foto irritieren uns die schrägen Wände nicht.

Auch in der Malerei ist inzwischen alles möglich. Das war zu Klees Zeiten aber noch nicht der Fall. So kann man bei seinem amerikanischen Bauhaus-Kollegen Lionel Feiniger nachvollziehen, wie er mit dem Problem ringt, die logische und psychologische Konstruktion miteinander zu versöhnen.  Seine Erfahrung mit den himmelstürmenden Skyscrapern New Yorks machten es ihm offenbar nicht möglich, die Hauswände naiv als Senkrechte aufs Blatt zu projizieren. Doch so, wie sie sich in einer perspektivisch „korrekten“ Zeichnung darbieten, konnte er sie auch nicht darstellen, ohne die Betrachter vollkommen zu verwirren.

Feinigers „Hohe Häuser“ (1912, 1945 verbrannt) und (1913) sind gute Beispiele für seinen Versuch, die Senkrechte nicht aufzugeben und zugleich die Schräge der Perspektive visuell zu integrieren.

Bei diesen Holzschnitten Feiningers folgen die Gebäude des Vordergrunds dem „psychologisch richtigen“ Prinzip der Senkrechten, die linearen Gebäude im Hintergrund aber lösen sich in Schrägen auf.

Die Lösung, die Feiniger fand, war, die Welt samt Häusern, Himmel, Licht und Schatten in ein Muster von schräg ins Bild gesetzten Geraden zu verwandeln. So türmen sich seine Gebäude zwar in der Senkrechten auf, doch durchlaufen sie dabei eine große Zahl von Brechungen. Auch der Himmel scheint die Schrägen zu inkorporieren, auf dass die Gebäudewände senkrecht bleiben dürfen, ohne zu kollabieren.

Zur vollen Entfaltung kommt das spitz zulaufende Dreieck im Segel. Und da wird auch niemand psychologisch herausgefordert. (Die Feininger-Abbildungen habe ich, sofern nichts anderes angegeben ist, aus dem in meinem Besitz befindlichen Buch von Ulrich Luckhardt, erschienen im Pestel-Verlag, abfotografiert.)

Klee bleibt seiner Auffassung treu:  Häuserwände sind senkrecht zu zeichnen, Dächer dreieckig, Sonnen und Monde rund….damit sie psychologisch stimmen.  Die normale Perspektive hat in dieser Welt keinen Platz.

 

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Kalenderblätter, 6. Juni: Klees „Pädagogisches Skizzenbuch“, die Augenlinie

Im nächsten Schritt führt Klee die „Augenlinie“ ein, die alle auf einer Waagrechten befindlichen Punkte verbindet, die sich auf Augenhöhe des Betrachters befinden. Hockst du dich hin, erschließt sich der Raum anders, als wenn du, zB, auf einer Leiter stehst. Aber immer gibt es diese Horizontale auf der Höhe deiner Augen, die das „Höhenmaß des Subjekts“ anzeigt.

Wie unterschiedlich sich Räume je nach Augenlinie erschließen, illustrieren die beiden unteren Figuren.  Klee hat den Raum wie eine Puppenbühne in den perspektivischen Raum eingezeichnet. Links sieht du die Bühne  von oben („Obersicht„), denn die Augenlinie (rötlich) befindet sich oberhalb der Puppenbühne, rechts siehst du sie von unten (Untersicht), denn deine Augenlinie befindet sich unterhalb der Decke der Puppenbühne. Einmal blickst du von oben hinunter, das andere Mal blickst du hinein.

Oft sehen wir auf einem Bild manche Dinge in Obersicht (die Kaimauer mit dem Plattenbelag), andere in Untersicht  (das hoch ragende Gebäude, dessen Dach ich nicht erblicken kann). Letzteres könnte ich, wäre ich ein Riese.

Gebäude und auch die Decken der Innenräume sehen wir eigentlich stets in Untersicht, da sie uns überragen. Koffer, Kisten und Kasten hingegen sehen wir in Obersicht, sofern sie vor uns stehen. Tische, Bänke und Kinder auch.

Kinder hingegen sehen fast alles in Untersicht, Hunde auch… Katzen jedoch suchen erhöhte Plätze, um die Obersicht zu behalten…

Ich suche weitere Fotos.  Zum Beispiel diese Häuser am Hafen von Kalamata. Ich sehe dort den Kubus der Gebäude in Untersicht, doch die Wände behindern meinen Bick auf die inneren Decken. Die kann ich gedanklich hinzufügen.

Und wie ist es mit den Autos auf dem Foto?  Ich kann weder von oben noch von unten auf ihre Decke schauen, denn die Autos schließen nach oben ungefähr auf meiner Augenlinie ab.

Komisch. Wieso kann ich ihr Dach nicht sehen? Wieso liegt meine Augenlinie auf der Höhe ihres Daches und nicht darüber? Die Autos sind doch niedriger als ich, die ich in einiger Entfernung auf dem gleichen Pflaster stehe und sie fotografiere!

Ich grüble. Wird das, was ich sehe, vor meinen Augen wie an einem Lot, dessen Länge von der Entfernung bestimmt wird, nach oben verzogen, so dass ich – obgleich „tatsächlich“ auf gleicher Höhe mit den Autos, diese „weiter oben“ sehe? Sobald ich zu den Autos hingehe und also die Entfernung verkürze, sinken die Autos nach unten und landen schließlich auf derselben Ebene, auf der auch ich stehe.

Ich mache, um mich beim Nachdenken zu unterstützen, auf dem heutigen Kalenderblatt ein paar hilflose Kritzeleien.

 

 

 

 

Standpunkt des Autos (Straße, Räder)

 

 

Augenlinie (oder Fotoapparat)

 

Mein Standpunkt (Straße, meine Füße)

Senkrechte (Lot): Entfernungsmaß: unten=nah, oben=fern

Ich dachte, ich wüsste, wie perspektivisches Wahrnehmen geht. Aber anscheinend habe ich noch viel zu lernen.

 

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Kunstbuch 78: Sommernachtstraum

Wie soll ich dieses Kunstbüchlein betiteln? Das Thema hat sich im Laufe der vergangenen Juninacht, als ich es zeichnete, verändert. Es beginnt mit der Spiegelung von Licht in einer Plastik-Wasserflasche, geht weiter mit Schattenspielen und endet mit Fantasien.

Wie immer  faltete ich das „Kunstbuch“ aus einem Blatt Schreibmaschinenen-Papier so, dass acht kleine Seiten entstanden, die ich mit Kugelschreiber und Buntstiften bemalte.

Der Reihe nach auf- und umgeblättert: Vorne-hinten und die sechs Innenseiten (zum Vergößern anklicken)

 

 

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25 Wochen – ein Motiv: Der kleine Prinz und die Perspektive

Jeden Sonntag gilt es, dasselbe Objekt in anderem Surrounding zu präsentieren. So will es der von Wortman angeregte Fotochallenge. Ich wählte die kleine Metallskulptur des Kleinen Prinzen als Objekt.

Heute versuchte ich, ihm das perspektivische Zeichnen (Kalenderblätter!) näher zu bringen. Ich stellte ihn vor die perspektivisch „korrekt“ gezeichnete Kirche unseres Bergdorfes.

Er drehte sich um, beschaute die Zeichnung gründlich und wunderte sich. „Das ist ja alles schief und krumm!“

„Natürlich“, antwortete ich ihm. „Es ist eben eine perspektivische Zeichnung!“

 

Um die „schiefen Wände“ in der perspektivischen Zeichnung geht es in meinem heutigen Kalenderblatt (7.6.). Doch hänge ich mit dem Posten hinterher und muss erst den 6.6. abhaken, wo es um die „Augenlinie“ geht.

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Sonntags ins Archiv. 7.6.2017: Gedanken über „die kleinen Leute“

Jeden Sonntag tauche ich hinab ins Blogarchiv, um zu schauen, was mich an einem Tag wie diesem in einem früheren Jahr beschäftigte. Wie ich lese, bietet jetzt auch WP eine entsprechende Funktion an, doch ziehe ich es vor, mich selbst auf den Weg zu machen. Heute landete ich im Jahr 2017.

Ein Satz, den Jeannette Paterakis zitierte, hatte mich damals animiert:  “Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern!“ (afrikanisches Sprichwort).

Klingt hübsch und verständlich, dachte ich, aber meine Gewohnheit, alles und jedes zu hinterfragen, meldete sich zu Wort.  Und ich kam zu folgendem Schluss: „Die kleinen Leute“ – also wir alle -, die ständig kleine Dinge tun, verändern die Welt nicht, sondern reproduzieren sie, wie sie halt ist. Wir reproduzieren sie mit unseren kleinen Gedanken und Eifersüchteleien, mit unserer Engstirnigkeit, mit Dominanzgebaren, Neid, Wut, Lieblosigkeit, Selbstbezogenheit, Verzagtheit, Gehorsam… und so bleibt sie immer gleich fehlerhaft und wird kein bisschen besser.

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Wir kleinen Leute leben in unseren kleinen Welten und hoffen, von den großen Wesen mit den großen Schnäbeln übersehen zu werden. Man beachtet uns selten, und das ist uns auch ganz recht so. Untereinander nehmen wir uns allerdings hoch wichtig.

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Manchmal geraten wir für kurze Zeit auf eine Bühne oder in den Lichtkreis einer Fernseh-Kamera.

Dann sagen wir das, was man von uns erwartet: dass wir hoffen, nicht hoffen, Angst haben, empört sind, einverstanden sind, verurteilen  – je nachdem.

Während ich diesen früheren Eintrag jetzt lese, frage ich mich: Ist das so? Sind die großen Vögel nicht genauso klein gewesen, haben sie nicht wie wir in den Windeln gelegen und als ABC-Schützen das Einmaleins lernen müssen? Sind sie nicht nur deshalb groß, weil wir ihnen – aus Dummheit, Faulheit oder Feigheit – Aufgaben übertragen haben, die wir eigentlich selbst erledigen müssten?

Worin liegt Größe? In der Macht, andere zu befehligen und zu schikanieren? Oder vielleicht doch eher darin, eine bessere Ordnung der Dinge zu imaginieren und sich dann zu trauen, in kleinen und großen Schritten voranzugehen?

Ich gebe zu, das sind Spruchweisheiten. Wenn ich mich dennoch äußere, ungefragt, ohne Kamera und berühmten Namen, so denkt nicht schlecht über mich. Ich bin zwar klein, aber doch auch ein Mensch wie du.

 

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Kalenderblätter 5. Juni, Paul Klees „Pädagogisches Skizzenbuch“, Dreidimensionalität

Auf dem Kalenderblatt zum 5. Juni schlage ich mich noch ein wenig mit dem zuvor angeschnittenen Thema herum: der Illusion der 3-Dimensionalität. Ich stellte ja fest, dass ich gegen eine Verengung von zwei Parallelen – zB bei einem Weg, der „in die Tiefe führt“ – gar nichts einzuwenden habe. Und doch! Ist es nicht merkwürdig, dass diese Illusion zwar auf der Senkrechten funktioniert, nicht aber in der Waagrechte?

Gleise mit Schwellen – senkrechte Anordnung. Kein Problem.

Gleise mit Schwellen – horizontale Anordnung. Kann ich nicht nachzuvollziehen.


Bei der senkrechten Abbildung  habe ich kein Problem, mich zu verorten: ich stehe VOR dem Bild bzw auf den Gleisen und schaue in die „Tiefe“, wo sich die Linien verjüngen. Aber bei der waagrechten frage ich mich verwirrt: Wo befinde ich mich? Muss ich mich links neben das Bild in die Mitte der Gleise stellen  oder rechts neben das Bild auf das „untere“ Gleis legen? Die Antwort ist: ich muss mich nirgends hinstellen oder hinlegen, sofern ich das Bild als zweidimensionales BILD gelten lasse und nicht verlange, dass es meine Welterfahrung als Mensch im Raum wiedergibt. Es werden keine wirklichen Gleise, sondern es wird ein Prinzip dargestellt, das Klee „perspektivische Progression“ nennt.

Nun aber verlässt Klee die Zweidimensionalität und beginnt mit der „Operation in drei Dimensionen“. Die erste dazugehörige Figur habe ich mit den dann folgenden Gedanken farbig überzeichnet. Das Original sieht so aus (oder fast so, denn auf dem Foto erscheint das reine Quadrat perspektivisch verzerrt):

 

Ich schreibe dazu und zeichne farbig ein: „Eisenbahnschienen frontal gesehen„.

Da ist den frontal gesehenen „Eisenbahnschienen“ ein „frontales Lot“ (blauviolett) eingezeichnet. Es ist die Achse, auf der der Betrachter steht. Verschiebt er seinen Standpunkt, verschiebt sich auch diese Achse – sie bleibt immer senkrecht! -, und die Winkel der anderen Linien verzerren sich.

„Lot“ nennt Klee die senkrechte Linie, die im rechten Winkel auf die Waggrechte fällt, auf der der Betrachter steht. Doch ein Lot ist es nur im zeichnerischen Sinn. „Die Senkrechte bedeutet den rechten Weg auf der Fläche“ schreibt Klee. Aha! Vor mir befindet sich kein senkrechtes Zeichenblatt, sondern es dehnt sich eine ebene Fläche, und das Lot (die Senkrechte) führt „in Wahrheit“ waagrecht in die Ferne, wie ein Zug, der auf Gleisen auf einen Tunnel zufährt und in ihm verschwindet.

Dieses Bild ergibt sich mir freilich NICHT, wenn ich auf der Grundlinie stehe. Ich muss mich aus dem Bild herausbegeben und es aus einem gewissen Abstand betrachten, so dass die schrägen Seitenlinien gleichzeitig in mein Blickfeld geraten.

Wieder werde ich konfrontiert mit dem Illusorischen der gezeichneten Perspektive. Die Gleise sind ja auf ein 2-dimensionales Blatt gezeichnet und dehnen sich nicht tatsächlich bis zum „Tunnel“ aus. Der Tunnel selbst ist nicht mehr als ein dunkles zweidimensionales Rechteck und durchaus kein Loch. Bei Pinterest kann man unter „train tunnel painting“ massenhaft Abbildungen finden.

oder eben auch mit verschobenem Standpunkt (Getty images): Hier ist der Betrachter auf einer scharf am rechten Rand verlaufenden Senkrechten aus dem Bild herausgerückt.  Ich finde es sehr schwierig, mich von dem Illusorischen der Perspektive freizumachen und zu realisieren, dass ich nichts als eine zweidimensionale Abbildung vor mir habe: Linien auf einem Blatt Papier, und keine Wirklichkeit.

u-bahn-station - train tunnel sketch stock-grafiken, -clipart, -cartoons und -symbole

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