Impulswerkstatt Bild 1. Meduse

Das ist ein wunderbares Foto, liebe Myriade, und eigentlich viel zu schön, um noch irgend etwas daran zu spinnen. Unglaublich, wie aus der geschlossenen Form das Innenleben herausblüht und sich entfaltet.

Ich bevorzuge das Wort Meduse gegenüber dem geläufigeren Qualle für dieses eindrucksvolle Lebewesen. Denn Qualle ist irgendwie abscheulich:  sie erschreckt den Schwimmer, brennt womöglich, und jeder ist froh, ihr nicht zu begegnen. Als Kinder lieferten wir uns Quallenschlachten, bis der Strand mit ihren zerfetzten glibbrigen Leibern bedeckt war. Meistens handelte es sich um die unschuldigen durchsichtigen Quallen, denn Feuerquallen waren in der Ostsee zum Glück eher selten.

Das Wort Meduse, das „in der Biologie der wissenschaftliche Name für die Qualle bzw das frei schwimmende Lebensstadium von Nesseltieren“ ist (googleKI), ist freilich auch nicht ohne Schrecken. Ganz im Gegenteil. Denn im griechischen Altertum steht es für eine der drei Gorgonen, die jeden, der sie ansah, zu Stein erstarren ließ. Sie galt als Monster, Spross der Meeresgottheiten Phorkys und Keto. Der römische Dichter Ovid machte aus ihr eine wunderschöne Priesterin der Athene, die von Poseidon vergewaltigt wurde. Da Athene den Täter nicht bestrafen konnte, bestrafte sie das Opfer, verwandelte Medusas Lockenpracht in Schlangen und sie selbst in ein Scheusal. Der Held Perseus, im Töten von Ungeheuern geübt, wurde beauftragt, der Medusa den Garaus zu machen, was ihm mithilfe eines spiegelnden Schildes auch gelang. Er sah sie nur im Spiegel seines Schildes, wurde daher nicht zu Stein und erschlug sie, während sie schlief.

Medusa wurde zur Quelle unserer abendländischen Dichtung: Das Dichterpferd Pegasos entsprang ihrem blutenden Halsstumpf.

den Pegasus reiten, in grün

Ich selbst habe der Meduse keine solchen grandiosen und gruseligen Geschichten angedichtet, sondern sie mitsamt ihren Meeresgeschwistern als freundlich-transparentes Wesen abgebildet. …

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Oder, wie ich in einem früheren Eintrag schrieb: „Und so zeige ich weder den Nix mit den grünen Glubschaugen noch auch die schreckliche Medusa, die zu Stein erstarren lässt, wer sie ansieht. Ich bleibe in der harmlos-transparenten Welt der Undinen, Nixen und Najaden. Ihr Name sei Wellgunde, Woglinde und Floßhilde, wie die Rheintöchter, die durch ihren Zaubergesang so manchen Opernfreund begeistert haben. Mit ihnen schwimmt der inzwischen arg verrostete Ring der Nibelungen“.  (mehr dazu hier)

Auch in einem Legebild, das einer meiner kleinen Kunsttherapie-Besucher legte, kann man eine Medusa finden.

Ob die andere Figur, die er in derselben Stunde legte, der Perseus ist, möchte ich nicht beschwören.

 

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abc-Etüde: ein Urlaubskatastrophenbericht, kata-strophisch gereimt

Wetterumschwung

Versickern

Abwechslungsreich

Das sind die drei Wörter, die Christiane für die September-Etüden vorgegeben hat. Um diese herum habe ich einen Urlaubbericht zusammengeflunkert, der, ich weiß nicht warum, von Katastrophen wimmelt. Ich hab dann schnell aufgehört, denn wer weiß, was sonst noch alles passiert wäre!

Sommerurlaub

Wie war dein Sommer denn, mein Lieber?

Hast du die Zeit genossen, an der See?

Ach was, ich hatte gleich am ersten Tage Fieber

Und als das Fieber weg war, tat mein Zahn mir weh.

*

Bereits die Hinfahrt, stets in der Kolonne

Von Autos und wir mittendrin.

Und auf das Autodach, da knallt die Sonne

Das Klimadings war nämlich hin.

*

Kaum warn wir da, verändert sich das Wetter

Ein Wetterumschwung von der schlimmsten Art

Ein Sturm kam auf und riss vom Dach die Bretter

Und auch der Regen kam in volle Fahrt.

*

Am Morgen freilich war das Nass versickert

Denn klar, der Boden war vom Sommer heiß

Das hat der Hauswirt uns genau verklickert

Son Typ der Art, die immer alles weiß.

*

Mir wars egal, denn ich lag ja darnieder

Mit Fieber und mit nem geschwollnen Hals

Und schmerzen taten alle meine Glieder

Und schließlich meine Zähne ebenfalls.

*

Abwechslungsreich darf eine Reise sein

Doch was in diesem Jahr geschah

Das war extrem, und irgendwie gemein,

Gerechter Gott! Ich wechsle zu Allah!

***

 

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 21.9.: U wie Uhr

In unserer Küche hängt eine runde analoge Küchenuhr. Die wollte ich heute  für Heides Monats-Challenge zeichnen: U wie Uhr. Ich nahm den Stift und ließ ihn, so gut ich konnte, im Kreise laufen, wieder und wieder. Denn so laufen diese Uhren: Im Kreise. So hat sich mir der Lauf der Zeit eingeprägt: als eine immer wieder von Neuem beginnende Kreisbewegung, sei es des Tages, der Woche, des Monats, des Jahres, des Jahrzehnts – eine Bewegung, die in sich weitere qualitativ differenzierende Kreisläufe trägt: die der Jahreszeiten, des Wachens und Schlafens, des Geborenwerdens und Alterns und Sterbens und vielleicht auch der Wiedergeburt.

Als ich ihre Zeiger zeichnete, zeigten sie kurz vor Zwölf. Das gilt für manche als böses Omen. Sie sagen: gleich ist die Zeit abgelaufen, danach gibt es keine mehr. Aber das ist natürlich Unsinn. Vielleicht ist meine Zeit bald abgelaufen, oder auch deine oder unsere Kulturepoche geht zu Ende oder die Erde durchläuft eine schwere Krise …. aber danach werden neue Kreisläufe beginnen. Ob es dann noch eine Küchenuhr geben wird, sie zu versinnbildlichen, weiß ich nicht.

Ich könnte jetzt aus Nietzsches „Zarathustra“ zitieren („Nun sterbe und schwinde ich, würdest du sprechen, und im Nu bin ich ein Nichts. Die Seelen sind so sterblich wie die Leiber. Aber der Knoten von Ursachen kehrt wieder, in den ich verschlungen bin, – der wird mich wieder schaffen! Ich selber gehöre zu den Ursachen der ewigen Wiederkunft…“)

Ich könnte auch auf den Club of Rome und seine „Kurz vor Zwölf“-Warnung verweisen, die besagt, dass bei einem „Weiter-so“ der Systemkollaps bis 2100 unvermeidlich sei („Grenzen des Wachstums“, 1972) …

Diesmal aber soll es eine Geschichte sein, die mich tief berührte, als ich sie erstmals las (das war vor etwa 60 Jahren) und die seither in mir lebt.

Wolfgang Borchert

Die Küchenuhr

Sie sahen ihn schon von weitem auf sich zukommen, denn er fiel auf. Er hatte ein ganz altes Gesicht, aber wie er ging, daran sah man, dass er erst zwanzig war. Er setzte sich mit seinem alten Gesicht zu ihnen auf die Bank. Und dann zeigte er ihnen, was er in der Hand trug.
Das war unsere Küchenuhr, sagte er und sah sie alle der Reihe nach an, die auf der Bank in der Sonne saßen. Ja, ich habe sie noch gefunden. Sie ist übrig geblieben. Er hielt eine runde tellerweiße Küchenuhr vor sich hin und tupfte mit dem Finger die blau bemalten Zahlen ab.
Sie hat weiter keinen Wert, meinte er entschuldigend, das weiß ich auch. Und sie ist auch nicht besonders schön. Sie ist nur ein Teller, so mit weißem Lack. Aber die blauen Zahlen sehen doch ganz hübsch aus, finde ich. Die Zeiger sind natürlich nur aus Blech. Und nun gehen sie auch nicht mehr. Nein. Innerlich ist sie kaputt, das steht fest. Aber sie sieht noch aus wie immer. Auch wenn sie nicht mehr geht.
Er machte mit der Fingerspitze einen vorsichtigen Kreis auf dem Rand der Telleruhr entlang. Und er sagte leise: Und sie ist übrig geblieben.
Die auf der Bank in der Sonne saßen, sahen ihn nicht an. Einer sah auf seine Schuhe und die Frau sah auf ihren Kinderwagen. Dann sagte jemand:
Sie haben wohl alles verloren?
Ja, ja, sagte er freudig, denken Sie, aber auch alles! Nur sie hier, sie ist übrig. Und er hob die Uhr wieder hoch, als ob die anderen sie noch nicht kannten.
Aber sie geht doch nicht mehr, sagte die Frau.
Nein, nein, das nicht, kaputt ist sie, das weiß ich wohl. Aber sonst ist sie doch noch ganz wie immer: weiß und blau. Und wieder zeigte er ihnen seine Uhr. Und was das Schönste ist, fuhr er aufgeregt fort, das habe ich Ihnen ja überhaupt noch nicht erzählt. Das Schönste kommt nämlich noch: Denken Sie mal, sie ist um halb drei stehen geblieben. Ausgerechnet um halb drei, denken sie mal.
Dann wurde ihr Haus sicher um halb drei getroffen, sagte der Mann und schob wichtig die Unterlippe vor. Das habe ich schon oft gehört. Wenn die Bombe runtergeht, bleiben die Uhren stehen. Das kommt von dem Druck. Er sah seine Uhr an und schüttelte überlegen den Kopf. Nein, lieber Herr, nein, da irren Sie sich. Das hat mit den Bomben nichts zu tun. Sie müssen nicht immer von Bomben reden. Nein. Um halb drei war etwas ganz anderes, das wissen Sie nur nicht. Das ist nämlich der Witz, dass sie gerade um halb drei stehen geblieben ist. Und nicht um viertel nach vier oder um sieben. Um halb drei kam ich nämlich immer nach Hause. Nachts, meine ich. Fast immer um halb drei. Das ist ja gerade der Witz.
Er sah die anderen an, aber die hatten ihre Augen von ihm weggenommen. Er fand sie nicht. Da nickte er seiner Uhr zu: Dann hatte ich natürlich Hunger, nicht wahr? Und ich ging immer gleich in die Küche. Da war es dann fast immer halb drei. Und dann, dann kam nämlich meine Mutter. Ich konnte noch so leise die Tür aufmachen, sie hat mich immer gehört. Und wenn ich in der dunklen Küche etwas zu essen suchte, ging plötzlich das Licht an. Dann stand sie da in ihrer Wolljacke und mit einem roten Schal um. Und barfuß. Immer barfuß. Und dabei war unsere Küche gekachelt. Und sie machte ihre Augen ganz klein, weil ihr das Licht so hell war. Denn sie hatte ja schon geschlafen. Es war ja Nacht.
So spät wieder, sagte sie dann. Mehr sagte sie nie. Nur: So spät wieder. Und dann machte sie mir das Abendbrot warm und sah zu, wie ich aß. Dabei scheuerte sie immer die Füße aneinander, weil die Kacheln so kalt waren. Schuhe zog sie nachts nie an. Und sie saß so lange bei mir, bis ich satt war. Und dann hörte ich sie noch die Teller wegsetzen, wenn ich in meinem Zimmer schon das Licht ausgemacht hatte. Jede Nacht war es so. Und meistens immer um halb drei. Das war ganz selbstverständlich, fand ich, dass sie mir nachts um halb drei in der Küche das Essen machte. Sie tat das ja immer. Und sie hat nie mehr gesagt als: So spät wieder. Aber das sagte sie jedes Mal. Und ich dachte, das könnte nie aufhören. Es war mir so selbstverständlich. Das alles war doch immer so gewesen.
Einen Atemzug lang war es ganz still auf der Bank. Dann sagte er leise: Und jetzt? Er sah die anderen an. Aber er fand sie nicht. Da sagte er der Uhr leise ins weißblaue runde Gesicht: Jetzt, jetzt weiß ich, dass es das Paradies war. Das richtige Paradies.
Auf der Bank war es ganz still. Dann fragte die Frau: Und ihre Familie?
Er lächelte sie verlegen an: Ach, Sie meinen meine Eltern? Ja, die sind auch mit weg. Alles ist weg. Alles, stellen sie sich vor. Alles weg.
Er lächelte verlegen von einem zum anderen. Aber sie sahen ihn nicht an.
Da hob er wieder die Uhr hoch, und er lachte. Er lachte: Nur sie hier. Sie ist übrig. Und das Schönste ist ja, dass sie ausgerechnet um halb drei stehen geblieben ist. Ausgerechnet um halb drei.
Dann sagte er nichts mehr. Aber er hatte ein ganz altes Gesicht. Und der Mann, der neben ihm saß, sah auf seine Schuhe. Aber er sah seine Schuhe nicht. Er dachte immerzu an das Wort Paradies.
(aus: Wolfgang Borchert, Das Gesamtwerk, Hamburg: Rowohlt 1949, S. 201 – 204)

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Aus dem Archiv: 20. September 2018 (Herbstbeginn, Jahresvergleich))

An jedem Sonntag steige ich hinunter ins Archiv, um nachzusehen, was mich an einem Tag wie diesem in einem anderen Jahr beschäftigte. Diesmal landete ich im Jahr 2018. Von Joachim Schlichting hatte ich gelernt (hier), dass Pflanzen im Herbst das kostbare Chlorophyll einbunkern, um es im nächsten Frühjahr zur Verfügung zu haben. Daraufhin beobachtete ich die Blätter der Bäume in meinem Garten, die in dieser Hinsicht sehr unterschiedliches Verhalten zeigten.

Rückzug des Chlorophylls, 20.9.2018

Der Aprikosenbaum und die Granatapfelbäume waren am 20. September 2018 noch grün, Wein und Feige aber ließen ihre Blätter verschrumpeln und lieblos fallen, ohne sich um Farbenreichtum zu kümmern.

In diesem Jahr? Der Aprikosenbaum ist abgestorben, weil er sein Höchstlebensalter erreicht hat. Das bekümmert mich sehr, denn ich liebte ihn, und seine goldgelben Blätter erfreuten mein Herz. Alle anderen – Wein, Granatapfelbäume, Mandelbaum, Quitte und Feige – sind in diesem Jahr noch vollständig grün.

Offenbar sind wir in diesem Jahr später mit dem Herbst dran als vor acht Jahren. Das entspricht meinem inneren Gefühl: der Sommer war vergleichsweise gemäßigt, wir hatten nur wenige extreme Hitzetage und sogar ein paar Regengüsse im Juli und August. Besonders eindrucksvoll ist der Feigenbaum: Er ist dicht belaubt, und die Blätter sind kräftig dunkelgrün. Nur vereinzelte Blätter sind verschrumpelt oder glatt und gelb zu Boden gesegelt. Jeden Tag habe ich ein paar reife Feigen geerntet, andere wurden von Vögeln angepickt, und immer noch gibt es reichlich grüne Früchte, die ich zu ernten hoffe, wenn ich in die Mani zurückkehre. Beim Wein ist es nicht viel anders, nur dass wir wenige Trauben geerntet haben. Die Wespen und andere Leckermäuler sind uns zuvorgekommen. Der Mandelbaum ist noch grün, aber die Blätter hängen etwas schlaff herunter, die Granatapfelbäume sind grün und die Früchte reifen langsam. Viele sind freilich schon angefault und zu Boden gesegelt.

Ich habe nun noch nach anderen Einträgen aus dieser Jahreszeit gesucht, um einen Vergleich zu haben: Auch am 22. September 2017 fotografierte ich einen Feigenbaum in vollem grünem Blätterkleid. Offenbar war das Jahr 2017 weniger heiß und trocken als das Jahr 2018.

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Ein Feigenblatt vom 10. September 2018 dokumentiert diesen Unterschied:

zerbressenes FeigenblattEin Foto des Granatapfelbaums vom 10. September 2023 zeigt reifere Früchte und ein etwas trockeneres Laub als in diesem Jahr:

Am 20. September 2022 entstand das folgende Foto: Da war die Blätter noch voll grün.

Hier nun noch ein Foto von Weinlaub am 19. September 2020. Auch da war das Laub noch recht kräftig, begann aber bereits zu vergilben.

Die Quitten waren am 10. September 2018 viel reifer als in diesem Jahr. Das Laub rollte sich schon ein und zeigte Ermüdung, war aber noch grün, so wie auch im laufenden Jahr.

Quitten

Die Zeit der Reifung und der Verfärbung der Blätter ist offenbar von Jahr zu Jahr etwas verschieden.

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 20.9.: T wie Teller

Der heutige Buchstabe für Heides Monats-Challenge ist das T.

Außer unseren gewöhnlich weißen Tellern gibt es einige wenige mit blauem Rebenmuster, das ich für mein heutiges Kalenderblatt wählte. Tomaten habe ich grad keine, also muss der leere Teller genügen. Ich stellte ihn etwas schräg auf den hölzernen Balkon-Lattentisch und zog beherzt eine ovale Linie. Die ist, wie hier im Kalender üblich, fröhlich verbeult.

Teller gehören heute zu unserer* Standard-Ausrüstung der Küche, aber seit wann ist das eigentlich so? Die Geschichte des Tellers ist nicht so dramatisch wie die der Gabel  (hier), aber auch interessant. Die Urform des Tellers ist natürlich die Hand, aber auch ein großes Blatt, ein hohler Stein oder eine Holzscheibe (altfranzösisch taillor = Teller) konnten (und können) als Teller dienen. Arme Leute nahmen, sofern sie hatten, gern auch eine dicke Scheibe Brot als Teller, den sie mitaßen. Es gibt sogar  Namen dafür: Komtschen oder Trenchern hießen solche dicken Brotscheiben.

Ich überspringe mal die römische Epoche, die reich an prunkvollem Tafelgeschirr, aber auch an einfachen Tontellern war. Diese Zeit versank mit der Zerstörung Roms und erhielt sich nur im Osten des Reiches. In unserem Teil Europas begannen die Adligen im Mittelalter damit, von Holz-, Zinn- oder sogar Silbertellern zu speisen.  Die Kreuzzüge mit ihren Plünderungen trugen nicht wenig zu dieser Verfeinerung der Sitten bei.

Porzellan, obgleich seit Marco Polos Mitbringseln aus China bekannt (ca 620 n. Chr.), seither mit großem Gewinn von Holland importiert, und trotz vieler Versuche, es nachzuahmen, blieb lange Chinas Geheimnis. Erst 1708 gelang es dem hochgelehrten sächsischen Naturforscher Ehrenfried Walther von Tschirnhaus und dem sächsischen Chemiker und Alchemisten Johann Friedrich Böttger, in Meißen weißes Porzellan herzustellen.

Die moderne Form des Tellers mit Rand und davon abgesetzter flacher Vertiefung bürgerte sich zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert ein. Die industrielle Herstellung von Porzellan ermöglichte dann die Massenproduktion von erschwinglichem Geschirr. Daneben entwickelten sich all die lokal höchst unterschiedlich gemusterten Teller für den täglichen Gebrauch, das goldgerandete Festtagsgeschirr, der Ehrenteller und das Erinnerungsstück von einer Reise, an dem sich das Herz erfreut.

Heute? Nun, bei Partys haben sich wegwerfbare Teller aus Plastik oder Papiermasse durchgesetzt, die nur noch durch die aufgedruckten Muster an die schöpferischen Zeiten der bürgerlichen Kulturepoche erinnern.  O tempora o mores!

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*“zu unserer Standard-Ausrüstung„: also zur europäischen und europäisch beeinflussten Form, in der man Essen darreicht oder verzehrt. Selbstverständlich ist das nicht überall der Fall. Zum Beispiel: In Südindien und Südostasien isst man traditionellerweise von großen Bananenblättern, auf den Philipinen werden bei traditionellen Festen lange Tische mit Bananenblättern und Mengen von Reis, Fleisch und Fisch ausgelegt, in Äthiopien und Eritrea serviert man Eintöpfe auf Fladenbrot, von dem jeder abreißt. Im Maghreb liebt man bis heute den gemeinsamen Schmortopf, aus dem alle mit den Händen essen. In Ostasien bevorzugt man individuelle flache Schalen, aus denen man mit Stäbchen isst etc pp.

 

 

 

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 19.9.: S wie Salz

Der heutige Buchstabe für Heides Monats-Challenge ist das S.

Über das Salz könnte ich hundert Geschichten erzählen, aber leider habe ich keine Zeit. Ich muss schon wieder reisen, zurück nach Athen. Vielleicht komme ich morgen dazu, das eine und andere hinzuzufügen.

Jetzt nur eine Prise Salz auf einem dreieckigen Stück Packpapier, gehalten von meiner Hand, die ich zum Brettchen mache, dazu zwei kleine Dosen, in denen ich das kostbare lebenswichtige Mineral aufbewahre. Es ist Salzblüte, die hier in der Mani von den Felsen gesammelt wird. In der einen Dose ist reines grob-kristallines Salz, in dem anderen sind allerlei Gewürze untergemischt.

 

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 18.9.: R wie Rote Bete (Rote Rübe)

Der heutige Buchstabe für Heides Monats-Challenge ist das R. Was soll ich da zeichnen? Radieschen, Rettich oder Rotkohl? Wie wäre es mit Rollmops, Reis oder Runkelrübe?  Rosenkohl, Ruccola oder Rote Bete …

Halt! Rote Bete habe ich heute gekauft! Ich lege sie auf das ebenfalls gerade gekaufte Lokalblatt, und los gehts.

Als Kind hasste ich die Rote Bete. Heute verstehe ich das nicht mehr, denn ich mag sie sehr, besonders wenn die frisch gekochten, gepellten, in Scheiben geschnittenen Knollen noch warm sind. Dann werden sie mitsamt den Blättern in Öl, Zitrone und gehackter Knoblauchzehe angemacht und schmecken vorzüglich.

Ich weiß nicht, in welcher Form die Rote Bete in den Nachkriegsjahren zur Verfügung stand, vermutlich vergoren und in Essig eingelegt. Mit diesem Gemüse ist eine Episode verbunden, die auf mich geradezu traumatisch wirkte: Unsere Mutter kämpfte damals täglich darum, eine Mahlzeit auf den Tisch zu bringen, doch mochte ich fast nichts von dem, was ihr zu beschaffen gelang, am schlimmsten aber fand ich die Rote Bete und weigerte mich beharrlich, davon zu essen. Ich war die Jüngste, vermutlich vier Jahre alt, dünn und blass. Die Mutter machte sich deshalb Sorgen. Eines Tages verkündete sie, es gebe Rote Rüben. Sie schmeckten fürchterlich, aber ich traute mich nicht, auch diese Speise zurückzuweisen, und schluckte sie tapfer runter. Gefragt, wie sie schmecke, antwortete ich: „Ganz gut.“ Die Folge war ein Spottgelächter von allen Seiten: „Hahaha! Das ist Rote Bete und sie schmeckt dir! Da sieht man mal, was du für eine Mäklerin bist!“ – Das traf mich zutiefst, denn ich hatte mich wirklich gezwungen, das Zeug um meiner Mutter willen zu akzeptieren. Dass man mich belogen hatte, war schlimm genug, aber dass man mich regelrecht in eine Falle gelockt hatte mit dem Ziel, sich über mich lustig zu machen, das konnte ich nicht ertragen. Es nützte gar nichts, dass ich wütend und weinend protestierte – ich war nun einmal die Schuldige, die sich aus lauter Bosheit weigerte, Rote Beete zu essen, Rote Rüben aber prima fand.

Diese Episode wurde mir immer mal wieder aufgetischt, und immer fühlte ich den Stachel des Ungerechten, weil man meine wirklichen durchaus edlen Motive verkannte und mich „unter Verdrehung der Tatsachen“ verurteilte.

Nichts ist Kindern unerträglicher, als das Gefühl der Ungerechtigkeit. Warum ist das so? Ich weiß es nicht. Die Forderung, dass es gerecht auf der Welt zugehen muss, scheint angeboren zu sein.

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 17.9.: Q wie Quitte (Geschichte von Kydonia/Chania)

Der heutige Buchstabe für Heides Monats-Challenge ist das Q, und da kommt endlich auch die Quitte zu Ehren. Leicht verbeult, in grau-samtenem Outfit und schwer in eine verzehrbare Form zu bringen, macht sie nicht viel her. Auch mein Quittenbäumchen ist, nachdem es bei einem heftigen Regen den Hang runterrutschte und sich neu verwurzelte, arg struppig und verbuscht. Die großen dunklen Blätter sind von allerlei Insekten angefressen. Aber ich weiß natürlich auch, wie wohlschmeckend Quittenmarmelade und Quittengelee ist, womit mal wieder bewiesen wäre, dass man nicht vom Äußeren auf innere Qualitäten schließen darf.

Ich brach ein Zweiglein mit Blättern und Frucht vom Baum, legte es auf einen Holzhocker mit geflochtenem Sitz und zeichnete es in mein Kalenderbuch.

Mein Eindruck von der Quitte ist übrigens der KI-Beschreibung ganz entgegengesetzt. Dort wir sie als „goldgelbe Frucht“ und „wunderschön“ bezeichnet. So zu werden, hat sie bei mir noch nie geschafft. Vielleicht ist mein Quittenbaum eine verwilderte Abart?

Doch andere Eigenschaften stimmen: „mitteleuropäische Quittensorten sind im rohen Zustand steinhart, holzig und extrem bitter“, lese ich bei Google-KI. „Steinhart“ kann ich bestätigen, den Rest kann ich nicht durch eigene Erfahrung verifizieren, da ich mir nicht den letzten Zahn ausbeißen möchte. Hinzu kommt der Flaum, der sich an den Fingerspitzen weich und angenehm anfühlt, aber auf der Zunge? Der „pelzige Flaum auf der Haut enthält reichlich Bitterstoffe“, man muss ihn vor dem Verzehr abreiben.

Ich finde die Verarbeitung sehr mühsam, lasse mir aber gern Quittengelee schenken, das fleißige Freundinnen zubereiten. Der Duft ist bezaubernd und der Geschmack steht dem nicht nach. Auch die Farbe stimmt dann, wenngleich das Gelee nicht eigentlich quittegelb ist, sondern stark ins Rötliche spielt.

Der Name kommt (natürlich ;)) mal wieder aus dem Griechischen. Κυδώνι (Kydoni) nennt man die Frucht seit altersher auf griechisch, nach der alten Stadt Kydonia* auf Kreta, die heute Chania heißt. Übers altdeutsche qitina wurde sie neuhochdeutsch zur Quitte

Falls es dich interessiert: Das neudeutsche Wort quitt hat einen ganz anderen Ursprung. Es kommt aus dem Lateinischen quietus „ruhig“ (englisch quiet) und bedeutet, dass man mit niemandem offene Rechnungen hat und daher gut schlafen kann.

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*Κυδωνία/Kydonia auf Kreta wird gelegentlich als „Mutter der kretischen Städte“ bezeichnet. Sie war zwischen  1800 und 1500 v. Chr. neben Knossos und Festos das bedeutendste städtische Zentrum. Gegründet wurde sie von einem mythischen König Kydon, Sohn des Gottes Hermes. Die große Keramikwerkstatt von Kydonia war im gesamten Mittelmeerraum hochberühmt. Die dort gefundenen beschrifteten Tontafeln waren für die Entzifferung der frühesten Schriftzeichen von großem Wert.

Nach dem Zusammenbruch der Minoischen Kulturepoche wurde die Stadt erneut um 1100 v.Chr. von einwandernden Dorern besiedelt. Sie gedieh vortrefflich und war wohl eine der ersten griechischen Städte, die eigene Münzen prägte.

Neuen Ruhm erreichte die Stadt im Jahr 74 v. Chr., als es ihr gelang, eine römische Flotte unter Marcus Antonius zu vernichten. Doch fünf Jahre später musste sie den Widerstand gegen Rom aufgeben, wurde besetzt, erhielt aber einen Status als unabhängige Stadt und florierte erneut, zumal sie bei den römischen Kolonialisten sehr beliebt war, die dort ihre prächtigen Villen bauten – wovon bis heute erhaltene Mosaikböden zeugen.

828 n. Chr. wurde die Stadt von Arabern erobert.

Und seither trägt sie den Namen Chania – nach ihrem Vorort Alchanía, das zu arabisch Al Hanim („Herberge“) wurde.

Die Geschichte der Stadt mit Namen Kydonia, nach der die Frucht Quitte benannt ist, endet hier.

Doch vielleicht interessiert es dich, wie es weiterging? Vierhundert Jahre lang herrschten die Araber. Im 13. Jahrhundert übernahmen die Venetier und nannten die Stadt La Canea. Eine 400jährige Blütezeit folgte, die 1645 n.Chr. durch die osmanische Eroberung beendet wurde. Es folgten 250 Jahre türkischer Herrschaft, die nach vielen Aufständen und Intervention des  „Internationale Geschwaders“ (Großbritanien, Frankreich, Russland, Italien) 1898 n.Chr. beendet wurde. Chania wurde zur Hauptstadt der Κρητική Πολιτεία (Kretische Politia) und in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Der Westen mit Chania, der Hauptstadt, wurde von Italien übernommen, die Mitte mit Rethymnos von den Russen, die Gebiet um Herakleion von den Briten und der Osten um Lasithi von den Franzosen. Sie installierten Truppen und Verwaltungen, druckten Geld. Die Souda-Bucht von Chania wurde, da strategisch besonders wichtig, gemeinsam verwaltet (heute besteht dort eine riesige US-Militärbasis). Bei alledem blieb Kreta unter osmanischer „Oberhoheit“, während Prinz Georg von Griechenland und Dänemark als Hochkommissar eingesetzt wurde. Das ging so bis zum Aufstand von 1905, der vom bedeutenden kretischen Politiker und späteren Ministerpräsidenten Eleftherios Venizelos abgeführt wurde (der Athener Flughafen ist nach ihm benannt). Schritt für Schritt trieb er die ‚Eνωση (Vereinigung) der Insel mit Griechenland voran, die 1913 schließlich feierlich vollzogen wurde.

 

 

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 16.9.: Peponi (vom Mythos bis zur Gegenwart)

Der heutige Buchstabe für Heides Monats-Challenge ist das P, das erstaunlich reichhaltig im Obst- und Gemüsesektor vertreten ist: Sei es Peperoni oder Paprika, Pfeffer oder Pfefferminze, Pistazie oder Pinienkern, Pfirsich oder Pflaume, Pomeranze oder Pommes, wie die Kartoffel in gebratener Form … sicher habe ich das eine und andere übersehen.  Aber nichts von alledem konnte sich heute durchsetzen, es musste das πεπόνι/Peponi sein – das griechische Wort für die Honigmelone. Denn eine solche habe ich gestern gekauft, und heute wollte sie aufgeschnitten und gegessen sein. Vorher aber wollte ich sie in mein Kalenderbuch zeichnen.

Eine köstliche Frucht, saftig, süß, nährstoffreich … Oder ist es ein Gemüse? Da muss ich mich wohl erst einmal kundig machen, und erfahre:

Botanisch gesehen ist die Melone eine Frucht, da sie aus der Blüte der Pflanze entsteht und Samen enthält. Da sie jedoch zur Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae) gehört (wie auch Wassermelone, Gurke und Kürbis), die in Gärten als krautige Pflanzen angebaut werden, wird sie botanisch und landwirtschaftlich oft als Gemüse betrachtet (genauer gesagt, als Frucht einer Gemüsepflanze, ähnlich wie die Tomate). 

Eine Frucht ist sie also, aber irgendwie auch ein Gemüse.  Sie sättigt wie ein Gemüse, ist saftig und süß wie eine Frucht, mit anderen Worten: sie hat es verdient, hier im Kalender abkonterfeit zu werden.

Die schwere erdige langgestreckt-ovale Peponi mit der dicken gelben gefurchten Schale ziehe ich allen anderen Sorten vor. Es ist eine Amarillo-Rugoso-Melone vom Argos- oder Argitiko-Typ, erfahre ich im Web.

Das freut mich, denn da kann ich nun Uralt-Mythologisches erzählen, um das mein nie vollendeter Roman Schwanenwege kreist (vergl auch hier oder hier). Die Argolida rund um die Stadt Argos ist die fruchtbarste Region der Peloponnes, und zwar nicht erst jetzt, sondern von alters her. In der vorhistorischen Zeit wurde hier vor allen anderen Göttern die agrarische Große Göttin Hera verehrt.

Die Geschichte beginnt in mythischen Zeiten mit der Zwietracht zwischen Hera und ihrem Bruder-Gemahl Zeus, der für die schöne Io, Tochter des Flussgottes Inachos, entflammt ist.

Hera verwandelt die verliebte Io in eine Kuh und lässt sie vom hundertäugigen Riesen Argos bewachen (daher „Argusauge“). Hermes befreit sie. Nach langen plagereichen Irrfahrten landet sie in Ägypten, wo sie von Zeus geschwängert wird und ihren Sohn Epaphos gebiert.

Epaphos ist war der Urgroßvater von Danaos. Der hat vierzig Töchter, die mit ihren Vettern, den Söhnen des Ägyptos, zwangsverheiratet werden sollen. Sie fliehen und kommen als Schutzflehende nach Argos – also in die Stadt, aus der ihre Urururgroßmutter Io stammt. Die Verfolger erreichen Argos, aber die geplante Verheiratung endet in einer Bluthochzeit: 39 Frauen bringen die ihnen zugemuteten Männer in der Hochzeitsnacht um. (Sie werden dafür in den Tartarus verbannt, wo sie bis heute Wasser in löchrige Fässer füllen müssen, vergl. hier).

Eine Danaerin verschont den ihr zugedachten Mann und begründet so das Geschlecht der Danaer, wie Homer die Griechen oft nennt, die nach Troja aufbrachen (1194 v.Chr). … Sehr sehr viel später kehren Nachfahren von Io unter dem mazedonischen König Alexander zurück an den Nil und gründen eben dort eine Stadt mit dem Namen Alexandria. Alexander wird zum Pharao des Landes des Ägyptus erhoben (332 v. Chr) und Griechen beginnen, die Schicksale Ägyptens zu prägen – bis zu Kleopatra, der letzten des griechisch-ägyptischen Herrschergeschlechts (Selbsttötung 30 v. Chr.). Danach übernehmen die Römer.

Die Stadt Alexanders bleibt auch nach der Islamisierung des Landes ein kultureller Bezugspunkt des Griechentums, mit höchstem Ausdruck im Werk des Dichters Konstantinos Kavafis (1863-1933).

Das bleibt so, bis der größte Teil der griechischen Minderheit das Land unter dem Druck des arabischen Nationalismus von Gamal Abdel Nasser verlässt (beginnend mit der Suez-Krise 1956 und endend mit den Verstaatlichungen 1961). Doch auch heute noch existiert eine sehr solide Sonderbeziehung zwischen Ägypten, Zypern und Griechenland (trilaterale Allianz), mit energiepolitischen Großprojekten wie dem Unterseekabel GREGY Interconnector, das bis zu 3.000 Megawatt Ökostrom aus Ägypten transportieren soll, oder auch der gemeinsamen AWZ (ausschließliche Wirtschaftszone) zur Förderung von Erdgas im östlichen Mittelmeer, gemeinsame Militärübungen sowie Migrationskontrolle.  Griechenland ist für Ägypten das wichtigste Portal für seinen Zugang zur EU.

Aus Argos also stammt diese mittelfrühe, traditionelle Melonensorte, die für ihre ausgezeichnete Lagerfähigkeit nach der Ernte bekannt ist (Wintermelonentyp). Gut möglich, dass es diese Sorte bereits zu Ios Zeiten in der Argolida gab und sie davon gekostet hat. Es sei denn, sie kam erst später mit den Danaerinnen aus Ägypten, wo sie bereits vor 4000 Jahren angebaut wurde.

Ein Viertel habe ich inzwischen verzehrt und fühle mich gut gesättigt.

 

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 15.9.: O wie Orangen

Der heutige Buchstabe für Heides Monats-Challenge ist das O, und so kehre ich mit den Orangen zu meinem ersten Thema, dem Obst, zurück.

Die Orangen heißen übrigens im Griechischen πορτοκάλι (portogali) – also aus dem Land Portugal stammend. Die deutsche Bezeichnung Apfelsinen erinnert hingegen an das wirkliche Ursprungsland – Äpfel aus China, wo sie seit 4000 Jahren angebaut werden. Die Orange ist ein echtes Zuchtprodukt, aus Mandarine und Pampelmuse gekreuzt.

Und wieso heißt die Frucht bei uns in Griechenland portogali? Weil die Europäer die Orange durch den Chinahandel der Portugiesen kennenlernten. Schon im Artikel über die Chilischoten stieß ich auf diese „portugisische Connection“ (hier): 1516 landeten Portugiesen erstmals an der chinesischen Küste und gründeten Macau. In der Folge wurden die Europäer mit den Kulturleistungen der Chinesen bekannt gemacht, darunter  Chilis und Orangen.

Der Name Orange kommt übrigens vom Lateinischen Citrus aurantium, dieses vom persischen nāranğ. Die Farbe Orange ist von der Frucht selbst abgeleitet… und das, obgleich sie in ihren Ursprungsländern gar nicht orange ist. Orange wird die an sich grüne Frucht durch Kälteeinwirkung. In Europa werden naturgrüne Orangen durch Ethylengas, das das Chlorophyll zerstört, absichtlich entgrünt. Für meine Zeichnung wählte ich aus dem Sack die orangen Früchte, die anderen waren grün, grüngelb oder grünrötlich.

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