Wäre ich heute aus der Mani kommend auf den Balkon getreten, hätte sich mir dieses Bild geboten:
„Sch…,“, hätte ich gejammert. „Wieder habe ich sie nicht erwischt!. IMMER blühen sie, wenn ich nicht da bin!“ Bedrückt hätte ich die schlauchartig zusammengezogenen Blüten betrachtet und mich gefragt, warum mir NIE ein bisschen Extraglück geschenkt werde. 
Ich weiß zwar schon lange: „immer“ und „nie“ sind Begriffe, die man mit höchster Vorsicht handhaben sollte. Denn sie sind in der Regel falsch. Aber wir Menschen neigen nun mal zu Verallgemeinerungen. Und schließen aus einem Vorfall oder auch aus zwei oder drei Vorfällen auf ein zugrundeliegendes Muster, eine Regel oder gar ein Gesetz.
Selbstverständlich herrschen in der Natur Muster, Regelmäßigkeiten und Gesetze. Die schönen Kaktusblüten werden die Nacht nicht überstehen – so ist ihr Lebensgesetz. Nicht aber gibt es Gesetze darüber, wie mein ICH und die Erscheinungen der Außenwelt aufeinander bezogen sind. Dass ich gestern ankam und nicht heute, unterliegt keinem Gesetz. Dass der Kaktus in den vorangegangenen Jahren in meiner Abwesenheit blühte, bedeutet nicht, dass es da ein „Muster“ gibt , vielleicht gar eine Art Verschwörung des Kaktus gegen mich, sondern einzig, dass es angesichts meiner langen Abwesenheiten und der kurzen Blüte des Kaktus höchst unwahrscheinlich ist, dass ich sie sehen werde.
Und nun ist es doch passiert. Ein glücklicher Zufall, ja, ein Werk des Gottes KAIROS. Es hat etwas mit mir gemacht, hat mein Herz beglückt.
Glückliche Zufälle lassen sich hinsichtlich ihrer Wahrscheinlichkeit einkreisen – aber niemals voraussagen. Dasselbe gilt für den Unglücksfall. Prinzipiell kann jeder jederzeit von einer herabfallenden Schildkröte erschlagen werden – wie der Dichter Aischilos, als ein Adler über ihn hinwegflog und die Schildkröte in seinen Krallen losließ …
Auch von einem herabfallenden Ziegelstein kann man ganz prosaisch erschlagen werden wie Publius Papirius Proculus aus Dalmatien, dessen Besuch in der Hauptstadt Rom tödlich endete. Den französischen Dichter Jean-Baptiste Rousseau (nicht Jean-Jaques) traf ebenfalls ein Ziegelstein am Kopf, als er sich im Exil in Brüssel befand. Aber es wäre verfehlt, daraus eine Warnung abzuleiten, derart: Meide Rom, meide Brüssel, und wenn du schon dahin reisen musst, meide jedenfalls die engen Straßen.
Nur eins ist sicher: Dass jeder sterben muss. Und dass du deine Todesart und -stunde nicht kennst. Ausgerechnet diese ehern feststehende Tatsache wollen die meisten Menschen nicht wahrhaben und hoffen, sie seien die große Ausnahme, und versuchen, den Tod mit allerhand Budenzauber auszutricksen.
Die Kaktusblüte verzichtet auf derlei Fisimatenten. Sie vergeht in Würde, „wie das Gesetz es befahl“.




Ich habe im Mai zum ersten Mal von der Neugründung einer Frauen-Genossenschaft erzählt, die im Kontext unserer Gruppe „Blume des Lebens“ entstanden ist (













Worum geht es hier? In der oberen Figur (meine Wiedergabe) sehen wir eine Art Wippe a-b und in der Mitte einen neutralen Achsenpunkt c. Auf dem a-Ende der Wippe ist schweres Dunkel aufgehäuft, auf dem b-Ende lichte Helligkeit.






