Etliche neue Blätter sind entstanden. Das Papier des Kalenders ist leider nicht besonders gut für Blühendes geeignet, und so bleibt es oft bei zeichnerischen Notizen, die auf bessere Ausführung warten.
Etliche neue Blätter sind entstanden. Das Papier des Kalenders ist leider nicht besonders gut für Blühendes geeignet, und so bleibt es oft bei zeichnerischen Notizen, die auf bessere Ausführung warten.
Es waren mal vier. Dann waren wir zwei Wochen lang weg. Inzwischen haben sich zwei gezeigt: ein einfarbig goldenes und ein sehr putziges dreifarbiges Mini-Kätzchen. Sie leben zwischen der verfallenden Gartenbank und der Rosmarinwand. Näher ran konnte ich nicht.
Herangezoomt. Da sieht man auch das Loch, das sich vor Jahren Holzbienen als Demozil erschufen, und das seit langem iunbewohnt ist.
Wortmans Wörter für die heutige Drabble-Runde lauten Pilot – cool – Qualle. Wie lässt sich mit genau hundert Wörtern ein Text zusammenreimen, in dem die drei Wörter vorkommen? Das ist die Frage. Meine Antwort: Seemannsgarn.

Zum „Käpten Qualle“ hieß die Schenke
An die ich manchmal gerne denke.
Der Kapitän hieß richtig Hein
Und trank nicht gern als Mensch allein
*
Er hockte fett auf seinem Hocker
Leert’ an zehn Gläser Schnaps ganz locker
Und fiel er runter von dem Stuhl
Dann fanden das die Leute cool
*
Sie halfen ihm, auf der bequemen
Und weichen Eckbank Platz zu nehmen
und baten ihn, sein Garn zu spinnen
als er Pilot war bei den Finnen
*
Am Ende hörtest du ihn lallen
Von Seegespenstern glatt wie Quallen
Dann wusste jeder, gleich ist Schluss.
Wer doch noch blieb, der hätt’ Verdruss.
Eingepasst in die Stein-Holz-Aufschichtung, die in unserem Garten die Rolle einer Skulptur spielt, sah ich eine der Jungkatzen sitzen und den gerade abgemähten Vorgarten überblicken. Mir schien es, als sei sie sich der besonderen Form ihres Sockels, der ihr eine hohe und zugleich geschützte Position erlaubte, sehr wohl bewusst. Zuerst hatte sie anscheinend das „Ohr“ des Holzes, auf dem sie sitzt, als Tarnung benutzt…
Dann aber korrigierte sie ihre Haltung und machte sich fast unsichthar, indem sie sich der hohen senkrechten Kante des Sockels anglich. Nun wirkt sie wie ein kleiner Auswuchs der kompakten Masse.
O ihr Götter! Herrlich seid ihr, und die Menschen wussten euch darzustellen. Am schönsten gelang es wohl Praxiteles mit dem Hermes (ca 320 v. Chr), der mit der einen Gesichtshälfte lächelt, mit der anderen so traurig aussieht, dass man das Schlimmste für die Entwicklung der Welt erwarten darf. Auf dem Arm hält er den neu geborenen Dionysos (den „zweimal Geborenen“).
So schrieb ich an einem Tag wie diesem, im Jahr 2017 und präsentierte dazu als Beleg den von Praxiteles aus dem Marmor herausgeschmeichelten Gott als Foto, aufgenommen im Museum von Olympia. An einem Tag wie diesem. Am 24. Mai 2017.

Neun Jahre sind seither schon vergangen? O weh! Wieviele schwere Lasten haben die Menschen seither auf den Schultern geschleppt, um sich und uns am Leben zu erhalten!

Wieviele Siege wurden verkündet – und waren dann keine! Waren nicht mehr als eine zerbrochene Frauenfigur in zerrissenem Kleid.

Und dennoch: Haben wir nicht alle Siege überstanden und überlebt? Möge es auch in Zukunft so sein!

Nicht an jedem Sonntag schaffe ich es, ein auserwähltes Objekt (hier: eine kleine Metallfigur des Kleinen Prinzen) in einem neuen surrounding zu präsentieren (wie Wortman angeregt hat). Nun aber wieder!
Der Kleine Prinz ist in einer Stadt mit spitzgiebligen Häusern unterwegs. Es ist ein verhangener Tag, und womöglich nieselt es, so wie gerade auch hier.
Plötzlich beginnt sein berühmtes goldenes Haar aufzuleuchten. Was ist passiert?
Man versteht es, wenn man den Blick etwas weitet: Die Sonne ist zum Vorschein gekommen und beleuchtet sein Haar!
Du willst vielleicht wissen, wo sich das alles abspielt? Nun, am Meer, natürlich! am blauen blauen Mittelmeer.
„Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles“, so erkennt Gretchen, als sie dem von Mephisto überreichten Schmuck und somit auch dem Bewerber Faust ihr Herz und ihre Türe öffnet.
Dass Gold selbst dem Einfallslosen noch eine Chance bietet, bemerkte ich heute. Ich ging ins Atelier, um, vielleicht, etwas zu malen. Aber mir wollte nichts einfallen. Also schüttete ich Gold-Pigment auf die zuvor maltraitierte Leinwand und arbeitete damit weiter.
Auch einer großen Zeichenpappe ließ ich Gold zukommen. Sie dankte es mir und glänzte zurück.
Schließlich griff ich zur bewährten Kohle und zeichnete eine herrschaftliche Gestalt auf Papier.
Inzwischen reifte auch die Idee: ich würde die goldenen Bilder und die Kohlezeichnung ganz oder teilweise miteinander überblenden.
Gestern stand ich noch auf unserer Terrasse in Maroussi (Athener Vorort) und freute mich, dass der starke Wind die Atmosphäre klar gefegt hatte. Ich wollte nämlich den Sichelmond mit dem Jupiter und der Venus betrachten. Sie standen hell leuchtend am Abendhimmel. 
Panoramafoto. Leider sind die Planeten auf den Fotos kaum zu sehen.
Am Tag hatte ich noch einen Abschiedsspaziergang im verwilderten Gelände zwischen unserer Wohnsiedlung und dem Stadtwald gemacht. Es ist ein Stück klassischer attischer Landschaft. Für die Olivenbaumliebhaberinnen habe ich einen Ölbaum fotografiert, der kaum beschnitten wurde. Da kann man erkennen, wie er bei unbehindertem Wachstum aussieht.
In diesem Gelände gibt es noch andere Ölbäume, Zypressen, Kiefern, Feigenbäume und jede Menge wilde Gräser, Wildblumen, Schmetterlinge und Vogelgezwitscher.
Außerdem gibt es ein paar Schrebergärten. Viele sind es nicht mehr, es gibt ständig Probleme mit der Bewässerung. Die blau angestrichenen Regentonnen und ein großes Reservoir scheinen nicht auszureichen, um die ganze Kolonie zu versorgen. Die Artischockenpflanzung wird von einer freundlichen Vogelscheuche bewacht.
Heute gings zurück in den Mani. Ein bisschen grauste es mir davor, denn ich wusste, dass ich ein Tohuvabohu vorfinden würde. Einbrecher hatten uns gleich nach unserer Abreise die Ehre erwiesen und wirklich jeden Winkel unserer Wohnung nach Geld durchstöbert.
Wie sich mancher vielleicht noch erinnert, fand ich bei der vorigen Heimkehr ein überschwemmtes Atelier vor. Diesmal also ein Schlafzimmer, in das die Inhalte der Schränke entleert wurde, und auch der Wohnraum, die Küche, das Gastzimmer und das Atelier hatten die eifrigen Diebe besucht. Inzwischen haben wir Ordnung geschaffen, und ich hoffe, keine weiteren Schäden zu entdecken.
Ansonsten: Es regnete leicht, als wir heimkamen. Die goldene Katzenfamilie war vollzählig, aber die Mama mit den Neugeborenen hat sich verzogen. Meine liebe Fritzi präsentierte sich kurz, war aber nicht an uns interessiert. Der blauäugige Kater Lin ist mal wieder verschwunden.
Die Katzen wurden von einer Freundin gefüttert, die uns auch über den Einbruch informierte. Die Blumen hat sie auch gegossen, und so ist alles soweit in Ordnung. Gute Nacht.
Wie soll ich es nur anstellen, von der magischen Begegnung zu erzählen, die mir gestern zuteil wurde, ohne sie zu entzaubern? Schon als ich, mich aus der Verzauberung herausreißend, Fotos davon machte, fühlte es sich an wie Frevel. Und am Abend mochte ich nicht darüber schreiben.
Nun aber will ich es doch versuchen. Vorweg will ich beschreiben, wie es dazu kam.
Ich ging gestern durch „meinen“ Stadtwald und hörte dabei ein Podcast über Parzival und den mittelalterlichen Topos vom umherirrenden Ritter. Dabei wird unterschieden zwischen Aventiure und Queste – Bestehen von äußeren Abenteuern und innere Suche. In der Praxis sind beide miteinander verknüpft.
Ich hörte also zu und befragte mich selbst nach den Aventiuren meines Lebens und dem Stand meiner Queste, soweit sie sich auf diesen Stadtwald bezogen, den ich grad durchwanderte. Hier war ich so oft gegangen, habe vieles gesehen, erlebt, gezeichnet, gedacht, gefühlt und gewollt. Jetzt ließ ich mich einfach treiben, wohin meine Füße mich trugen. Würde sich in all dem ein Muster erkennen lassen?
Meine Füße trugen mich zu dem Ausgang, den ich all die Jahre benutzte, als ich gleich hinter der Ummauerung (der Wald ist ummauert) mein Atelier unterhielt. Es ist ein einfacher Laden mit hoher Decke und großer Fensterfront, die nach Norden schaut. Heute ist es renoviert und beherbergt ein Büro für Klimaanlagen und Sonnenkollektoren. Die Tür stand offen und ich bat, mich umsehen zu dürfen, fand aber nichts, was mich an die alte Zeit erinnerte. Der Vorplatz aber sprach zu mir: Ich sah sie alle, die mich hier besuchten, als ich meinen 60. Geburtstag feierte, es war eine Art Abschiedsparty von meinem Athener Leben. Sie standen in Gruppen zusammen, unterhielten sich lebhaft … Jeder suchte sich ein kleines Bild aus, das ich für diesen Zweck gemalt und hinter Passepartout gebracht hatte. Nicht alle, die mir in der Erinnerung aufstiegen, leben noch, drei der Bildchen kamen zu mir zurück.
Ich ließ mich dann weiter treiben, fand einen schönen Rosenstrauss wert, fotografiert zu werden…
Einbiegend in eine gepflasterte Straße, zog der grüne Dschungel am Grund eines Trockenbaches meine Aufmerksamkeit auf sich. Vorsichtig näherte ich mich der ungesicherten Kante. Dort unten blühte massenhaft der Akanthos, von dem ich kürzlich mal wieder berichtete (hier). Ich liebe solche Orte, die wie aus der Zeit gefallen ein Loch ins Gewebe der modernen Großstadt mit ihrer dichten Bebauung, ihrem Asphalt und ihrem dröhnenden Verkehr zu reißen scheinen.
Ich suchte einen besseren Platz zum Fotografieren. Da sah ich ihn. Ihn? Ich sah einen groß gewachsenen Hund mit glänzend weißem Fell sich einen Pfad durch das Dickicht bahnen. Einen Hundeführer sah ich nicht. Merkwürdig. So ein schönes Tier und unbeaufsichtigt? Ich stutzte. War das überhaupt ein Hund? Ja, wenn kein Hund, was dann? Das Tier sah forschend zu mir herüber. Es hatte einen sehr schönen langen buschigen Schwanz, schneeweiß auch dieser, und spitze Ohren. Etwas Katzenartiges hatte es trotz seines aufrechten Gangs. Ich war fasziniert, gebannt. Durfte ich es fotografieren? Ich zögerte. Und doch tat ich es schließlich, als es schon fast wieder verschwunden war, um ein „Beweismittel“ zu sichern.
Ich zoome es mal heran, so gut es geht:
Und nun sag selbst: Ist dieses Tier nicht ein mythisches Wesen?
Ich spähte durch eine Öffnung im Laub, umging vorsichtig das Gelände, suchte nach einem Zugang, fand auch einen. Wartete. Vielleicht könnte ich es noch einmal sehen? Aber es blieb verschwunden.
Den Heimweg machte ich auf mir von meinen Tito-Spaziergängen her bestens bekannten Schleichwegen.
Und nun? In mir fühle ich weiter die Magie und Rätselhaftigkeit dieser Begegnung und ein Bedauern, dass ich nicht entschlüsseln kann, was mir dieses Wesen mitzuteilen hatte.
Oder doch?
Ich hatte mich bei meinem Spaziergang konzentrieren wollen auf den mit „Natur“ zusammenhängenden Teil meiner Queste. Was ist Natur für mich? Wie spricht sie zu mir? Inwieweit kann ich ihre Sprache verstehen? Und da begegnet mir nun dieses Wesen und sagt: Natur zeigt sich dir, aber sie bleibt dir ein Rätsel.
Ein kleiner imaginärer innerer Dialog zu deinem Mosaikstück „Durststrecke“, liebe Myriade. Mit Original-Einlagen von Saint-Exupery, „Der Kleine Prinz“ in der Übersetzung von R. Strassenburg (kursiv) und Collagen mit Philippe. Denn der kleine Prinz verstand etwas vom Durst, und wie er zu löschen sei.
***
Halte durch, es ist nicht mehr weit, danach winkt der Lohn! Es warten die erfrischende Quelle, die lachenden Freunde, das warme Bad, das weiche Bett und ein Schlaf, in dem du die durchlittenen Stunden vergessen wirst! –
Ja, wenn es so ist, dann will ich den Durst gern ertragen. Dann ist er eine Prüfung, deren Happy End schon geschrieben steht. –
Wenn es aber nicht so ist? Wenn alle nur ihrem unseligen Ende zutaumeln, jeder verdurstend auf dem Weg in sein Eldorado, wo ihn das Echo begrüßt, das ihm die eigene Stimme zurückwirft? –
Der kleine Prinz bestieg einen hohen Berg. – „Von einem so hohen Berg“, sagte er sich, “ werde ich den ganzen Planeten und alle Menschen auf einmal sehen …“ Aber er sah nur die Spitzen von scharfen Felsen.
– „Guten Tag“, sagte er auf gut Glück.
– „Guten Tag … Guten Tag … Guten Tag …“, antwortete das Echo.
– „Wer seid ihr?“, sagte der kleine Prinz.
– „Wer seid ihr … Wer seid ihr … Wer seid ihr …“, antwortete das Echo.
– „Werdet meine Freunde, ich bin allein“, sagte er.
„Ich bin allein … Ich bin allein … Ich bin allein …“ antwortete das Echo.
(Saint-Exupery, Der kleine Prinz)
Was ist das Ziel der Durststrecke? Wohin führt sie? –
– „Sie kommen schon zurück?“, fragte der kleine Prinz …
– „Das sind nicht dieselben“, sagte der Weichensteller. „Sie wurden ausgetauscht.“
– „Waren sie nicht zufrieden, dort, wo sie waren?“
– „Man ist niemals dort zufrieden, wo man ist“, sagte der Weichensteller.
Warum nehme ich die Durststrecke auf mich? Gezwungenermaßen? Oder aus eigener Wahl? –
Ich sehe Menschen, die das Äußerste von sich verlangen, um ein vorgesetztes Ziel zu erreichen. Sie wandern durch die Kontinente, überqueren die Meere, trainieren mit schmerzenden Gliedern, springen und fallen und stehen wieder auf, um erneut zu springen, zu fallen …. Es muss doch gelingen! Es muss! Die Medaille winkt! Es winkt auch der Ruhm, vielleicht auch das Geld.
Und es gelingt. Manchen gelingt es.
Und dann? Es gibt Lorbeeren, um sich drauf auszuruhen. Vielleicht. Doch nicht allzu lange. Ein neuer Vorsatz muss her, noch schwerer zu verwirklichen muss er sein als der erste. Mit einer längeren Durststrecke, unbedingt. Ja, das muss sein. Sonst entsteht eine Leere, in der die Frage des Abgrunds auftaucht: Wozu, weshalb?
– „Die Menschen bei dir“, sagte der kleine Prinz, züchten fünftausend Rosen im gleichen Garten … und sie finden nicht, wonach sie suchen …“
– „Sie finden es nicht“, antwortete ich …
Durststrecke.
Wunderbar möge der Lohn sein. Und wenn nicht im Diesseits, dann dort, wo die Rosen dir zulächeln, wo schöne Jungfrauen dir den Trank des ewigen Lebens reichen und Gottes Engel zu allen Dürstenden sagen: Du bist willkommen. Trink, bis du satt bist.
– „Mich dürstet es nach diesem Wasser“, sagte der kleine Prinz, „gib mir zu trinken …“