Kunstbuch No 59: „Narrenhände beschmieren Tisch und Wände“

Meine Tarotkarte für den Monat Oktober ist der Narr. Also machte ich heute ein Kunstbuch mit der Devise „Narrenhände beschmieren Tisch und Wände“. Ich faltete es aus einem DinA4-Schreibmaschinenpapierblatt, das ich dann nach Herzenslust bekleckste und bemalte, während draußen weiterhin der Oktobersturm zeigt, was er kann.

Ich zeige zuerst die Rückseite und die Vorderseite …

und nun blättere ich die drei inneren Doppelseiten auf:

Der Spruch hat es übrigens bis in die hohe Literatur gebracht, Dichterfürst Goethe hat sich an ihm abgearbeitet, aber den Vogel schießt nach meiner bescheidenen Meinung  Friedrich Nietzsches „Narr in Verzweiflung“ ab, veröffentlicht  in „Lieder des Prinzen Vogelfrei“, Anhang zur „Fröhlichen Wissenschaft“ (1882) .

Narr in Verzweiflung
Ach! Was ich schrieb auf Tisch und Wand
mit Narrenherz und Narrenhand,
das sollte Tisch und Wand mir zieren? …

Doch   i h r   sagt: „Narrenhände schmieren –
und Tisch und Wand soll man purgieren,
bis auch die letzte Spur verschwand!“

Erlaubt! Ich lege Hand mit an -,
ich lernte Schwamm und Besen führen,
als Kritiker, als Wassermann.

Doch, wenn die Arbeit abgetan,
säh‘ gern ich euch, ihr Überweisen,
mit Weisheit Tisch und Wand besch…“

 

 

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Impulswerkstatt Bild 2: „Der Hut“. Eigene Zeichnungen und Hutkunst von anderen

Über Hüte, liebe Myriade, könnte ich endlos erzählen – und das ist wohl auch der Grund, warum ich mich bisher nicht an diesen Impuls herangewagt habe. Meine Legebild-Figuren sind ohne Hut überhaupt nicht denkbar. Und auch im Leben, bei Zeichnen und Dichten und Denken sind sie omnipräsent. Wo also beginnen?

Nun, es muss ja nicht alles auf einmal geschehen. Ich grase mal mein Blogarchiv ab auf der Suche nach von mir gezeichneten und von mir bei anderen Künstlern bemerkten Hüten. Da gibt es sicher schon was zu sehen und zu erzählen.

Zum Anwärmen ein paar Blindzeichnungen „Mann mit Buch und Hut“ vom November 2022. Man sieht, es ist kalt, zum Glück gibt es den Hut und auch eine Tasse wärmenden Kaffee.

Den ebenfalls lesenden „Mann mit Journal und Hut“ sah ich im Februar 2023  in einer Ausstellung des Goulandri-Museums für moderne Kunst in Athen.  Niki de Saint-Phalle hat ihn gestaltet. Die auf der Tafel hinter ihm abgebildeten Zeilen des griechischen „Dichterfürsten“  Odysseas Elytis  sind womöglich von der Kuratorin der Ausstellung zugeordnet worden (vergl. hier).

Von mir ist dann wieder die genau ausgeführte Kohlezeichnung „antike Maske mit Strohhut“. Sie entstand im August 2024 im einigermaßen kühlen Atelier. Der Hut hat trotzdem nicht nur dekorative Funktion. Er half mir, das Stereotype der Antikenzeichnerei zu lockern und die Rundungen von Mme Kolokytha (rechts im Bild) wieder aufzunehmen.

Die „Junge Frau mit Hut und Sonnenbrille“ sind frühe Federzeichnungen, die ich von meiner Freundin H aus Würzburg machte. Ich lernte sie in meinem ersten Athener Jahr als Nachbarin kennen. In den 80er Jahren sind diese Zeichnungen entstanden. Als sie Jahre später nach Deutschland zurückging, besuchte ich sie gelegentlich. Oft denke ich an sie.

Die schnelle Skizze von einem „Mann mit Hut“ am Nachbartisch der Taverne am Meer (August 2020)

Im selben Monat und Jahr ist auch dieser „Mann mit Hut“ entstanden.

Im Juni 2018 setzte ich mir einen Hut auf, um für meine zeichnenden Freundinnen Modell zu sitzen. Diese „Frau mit Zopf und Hut“ wurde von Magda gezeichnet.

Wieder von mir ist der „Lesende mit Hut“ vom Mai 21.

Nicht nur wegen des Hutes erinnerte mich diese Zeichnung an Cezannes „Kartenspieler“, über die ich im August 2018 einen Beitrag schrieb (hier)

Am 1. Mai 2019 entstand Asterias Meisterwerk. Die vierjährige Tochter der Tavernenbetreiber erwies sich als Hutmacherin der besonderen Art.

Genug? Nun, auch ohne Kopf kann sich ein klassischer Sonnenhut sehen lassen (Zeichnung vom Oktober 2023).

 

                                         wird fortgesetzt

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Pinselei (Kalenderblätter 3.-5.10.)

Ich hab schon mal vorausgepinselt, habe viel Spaß mit diesen spontanen Pinseleien des Monats Oktober. Wahrscheinlich taugen die Bilder gar nichts, aber ich habe trotzdem Lust, sie zu zeigen. Der Oktober fragt ja auch nicht danach, ob mir die heruntergefallenen vergammelnden Granatäpfel gefallen … gefallen – gefallen. Nein, sie gefallen mir nicht, um ehrlich zu sein, lieber hätte ich sie am Baum reifen sehen. Doch kümmert es den Oktober? Keineswegs. Also sei auch mir gestattet, das nicht voll Ausgereifte, das mir vor die Füße fiel, hier mal zu präsentieren. Die Bildchen vom 1.-2. habe ich ja schon gezeigt, hier die folgenden.

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Oktobersturm mit Amaryllen, Pinienkatharsis (und Kalenderblatt)

Finster blickt die Fenstereule – nachdenklich-grimmig der goldene Oktober meines Kalenders.

Der Oktobersturm wütete heute Nacht, schüttelte meine riesige Pinie durch und reinigte sie von den restlichen trockenen Nadeln. Die harkte ich zu mehreren Haufen zusammen, um sie in Säcke zu füllen und zum Müllplatz zu schaffen.

Die Lilien, die, wie ich inzwischen erfuhr, in Wirklichkeit Amaryllen sind, hat der Sturm zwar recht zerzaust, doch blieben sie standhaft und treiben unverzagt immer neue Blüten hervor. Zehn zählte ich am ersten Tag – heute?

Es werden immer mehr, während die zuerst erblüten langsam vergehen.

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Monatskarte „Der Narr“ und Kalenderblätter im Oktober

Was soll in diesem Monat im Kalenderbuch entstehen? Das fragte ich mich gestern. Ich sann hin und her, ob ich erneut eine festgelegte Reihe zeichnen möchte. Nein! entschied ich. Diesmal soll es spontan und ungebunden zugehen!

Passenderweise zog ich aus dem Tarotkartenhaufen die leitende Monatskarte „Der Narr„. Wie gut! Es ist die Null-Karte. Der Narr steht am Anfang und oft auch am Ende des Lebensweges: naiv, unwissend, mutig, weltoffen wandert er an Abgründen entlang, ohne abzustürzen. Ein wenig gleicht er dem Schlafwandler. Also aufgepasst, schreit nicht zu laut: Vorsicht! Pass auf! Er ist ja ein Kind und trägt in sich einen Kompass, der ihn durch alle Gefahren bugsiert.

Wer hier schon länger mitliest, kennt die Tarotkarten, die ich im Jahr 2020 aus Schnipseln legte. Hier seht ihr den Narren, der das Baby Elpis (Hoffnung) der Morgenröte entgegenträgt. Elpis ist der Zwilling von Apelpis (Hoffnungslosigkeit) – beide sind die von Willi(e), der Repräsentantin des Koronajahrs 2020, zurückgelassenen Kinder.

Ich liebe den Narren in allen seinen Ausgestaltungen, habe ihm viele Bilder gewidmet, habe ihn als „Blumennarr“ gezeigt,

der an Meeresstränden entlangzieht …

eine moderne Bildergalerie durchwandert…

und sich nicht vor Ritter, Tod und Teufel fürchtet.

In der Afrikashow ist er aber doch sehr schockiert und hält den Grauensbildern seine Elpis entgegen.

Das also war mir der Narr. In diesem Monat soll er nicht erneut Gestalt annehmen, sondern ich selbst werde in seine Rolle schlüpfen und die Welt aus der Narrenperspektive betrachten, soweit mir das möglich ist.

Die beiden ersten Kalenderblätter sind heute Nacht entstanden. Ich habe sie auf dickeren Karton gemalt, weil das Papier des Kalenderbuchs zu dünn für Wasserfarben ist, und die Bilder eingeklebt.

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Hab Dank, September, sei mir willkommen, Oktober!

Heute bin ich auf die Dachterrasse des Hauses gestiegen, um dem September Adieu zu sagen.

Es hilft ja nichts zu jammern, dass der schöne September nun geht. So richtig septemberlich war mir in diesem Monat eh nicht ums Herz, dafür gab es zu viel Unruhe, zu viel Hin und Her zwischen hier (Mani) und dort (Athen), zu viel Willkommen und Abschied, es gab auch zu viele Handwerker, Arztbesuche, Verhandlungen sowohl hier als auch dort. Von den Weltereignissen und den Entwicklungen in Deutschland, die auch in meiner Idylle Wellen schlagen, will ich gar nicht reden. Doch die wenigen wirklich ruhigen Tage habe ich aus vollem Herzen genossen. So mag ich den September: die Tag- und-Nacht-Waage steht im Gleichgewicht, die Tage sind blau und hell, die Nächte sternklar. Die Früchte reifen und die ersten Blätter verfärben sich und segeln sanft zur Erde.  Das Meer liegt still und glänzend unter dem leuchtenden Himmel. Nichts rührt sich. Der Sommer stand und lehnte und sah den Schwalben zu.

So sagt es Gottfried Benn in seinem wunderbaen Gedicht „Astern“:

Astern – schwälende Tage,
alte Beschwörung, Bann,
die Götter halten die Waage
eine zögernde Stunde an.

Noch einmal die goldenen Herden,
der Himmel, das Licht, der Flor,
was brütet das alte Werden
unter den sterbenden Flügeln vor?

Noch einmal das Ersehnte,
den Rausch, der Rosen Du –
der Sommer stand und lehnte
und sah den Schwalben zu,

noch einmal ein Vermuten,
wo längst Gewißheit wacht:
Die Schwalben streifen die Fluten
und trinken Fahrt und Nacht.

Der Oktober hat ganz andere Reize für mich als der September. Er darf wild sein, darf die Dinge durcheinanderwerfen, das Laub aufwirbeln und schwere Regenwolken bringen.  Er hat etwas Auflösendes, Abräumendes, Befreiendes. Er macht reinen Tisch mit dem, was sich überlebt hat, schafft Leere, auf dass sich Neues bilden kann. Wenn mir der Sturm ins Gesicht bläst, wenn die Meeresgischt mich nass spritzt, fühle ich meine Lebenskraft wachsen. Ich werde mich ins Meer stürzen, jetzt gerade. Ich werde größere Wege gehen, nicht mehr behindert durch die Sommerhitze. Und ich werde wilder, spontaner, chaotischer malen, soweit es meine Kräfte zulassen. Sei mir willkommen, Oktober! Ich freue mich auf dich!

 

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 30.9.: Au wie Aubergine und aus

Für das letzte Kalenderblatt des September und die letzte Zeichnung für  Heides Monats-Challenge habe ich das AU gewählt: AU wie Aubergine und Aus-der-Traum. Ja, leider. Es war ein anregendes Projekt, danke, Heide! So wurde es mir leicht, die Seiten des Kalenders sinnvoll zu füllen. Was ich im Oktober zeichnen werde? Keine Ahnung.

Ein paar Worte zur Aubergine (Sorte Solanum melongena, österreichisch Melanzani). Der Name Aubergine ist nach vielen Umwandlungen aus dem Sanskrit über das persische bādingān, das arabische al-bāḏinjān und das spanische alberenjena, das katalanische alberginia zum französischen aubergine geworden. Die österreichische Bezeichnung Melanzani ist durch eine Vermischung mit dem griechischen μελανός (dunkel, schwarz) entstanden. Bei uns heißt das Gemüse μελιτζάνα (melitzana), die Dunkle.

Beheimatet ist die Aubergine in den tropischen Gebieten Asiens und Ostafrikas. Sie ist ein Nachtschattengewächs, und, zumindest die in Europa verbreitete Art, ist nicht roh verzehrbar, da leicht giftig. Gezüchtet wurde sie seit 2000 v. Chr. in Indien und China, die bis heute die Hauptanbaugebiete sind. Im 13. Jahrhundert kam sie durch die Sarazenen nach Andalusien, und in den folgenden Jahrhunderten verbreitete sie sich auch in Italien. Da die weiße Aubergine damals bekannter war, nannten die Briten sie Eggplants.  Um zu gedeihen, braucht sie mindestens 20 Grad Celsius – also ist es wohl nichts mit dem Anbau in Deutschland.  Die in Deutschland verkauften Auberginen sind Importe aus Spanien, Italien, Brasilien…, oder auch aus Kreta. Auch hier bei uns in der Mani gedeiht sie vortrefflich, wenn man ihr ausreichend Wasser gibt. Sehr schön sind ihre violetten Blüten mit den goldgelben Staubgefäßen.

Die im Kalender gezeichnete Aubergine wird gerade von meinem Mann zerschnippelt und zusammen mit Zucchini, Kartoffeln, Tomaten, Zwiebeln und was sich sonst noch an Restgemüsen findet, zu einem τουρλού / Tourlou verarbeitet. Mit Olivenöl im Backofen gegart, ist es ein köstliches Gericht, das am Folgetag sogar noch besser schmeckt.

Auberginen esse ich auch sehr gerne als Hauptgericht: die Scheiben werden in kleiner Backform mit Tomate und Schafskäse überbacken und mit Brot serviert. Um die Bitterstoffe zu verringern, ist es gut, die Scheiben zuvor mit Salz zu bestreuen, etwas liegen zu lassen, abzuwaschen und abzutrocknen, bevor man sie weiterverwendet. Lecker! Und natürlich braucht man Auberginen auch für viele andere Gerichte, so für das allseits beliebte μουσακά/Moussaka.

***

Und damit ist der Kalenderblatt-Monat September zu Ende. Aus und vorbei. Der Oktober steht schon vor der Tür. Was wird er uns bringen?

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 29.9.: EU wie Eule

Der heutige Buchstabe in Heides Monats-Challenge ist wieder ein Diphthong eigener Wahl. Ich nehme das EU wie Eule. Wie könnte es auch anders sein?

Unter den sehr vielen Eulen unseres Haushalts sticht eine durch Gelehrsamkeit hervor. Die wählte ich und zeichnete sie heute Nacht neben einem kleinen Bücherstapel in den Kalender.

Und so habe ich die fehlenden Daten nachgetragen und wende mich dem letzten Buchstaben dieses Monats zu….

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Bilder-ABC und Kalenderblatt 28.9.: Ei wie Eimer

Der heutige Buchstabe in Heides Monats-Challenge ist ein Diphthong eigener Wahl. Ich nehme das EI wie Eimer.

Besonders ansehnlich ist der Eimer nicht, aber er hat eine bedeutende Funktion: in ihm sammeln wir Brauchwasser, um es dann hinaus auf die Straße zu tragen. Ohne diese Wasserschlepperei würde die Abwassergrube zu schnell voll laufen. Ich zeichnete ihn in der Nacht bei Lampenlicht.

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Dienstags-Drabble: „Wenn!“ Festlich gestimmt – altmodisch gereimt.

Dienstags ist Drabbletag. Wortman hat uns dafür freundlicherweise wieder drei Wörter vorgegeben. Es sind Gesang – oben – Rose. Die brachten mir altmodisch-melodische Assoziationen, die ein wenig von dem gerade aufziehenden Unwetter durcheinander gebracht wurden.

 

 

Wenn!

Was zieht sich bedrohlich zusammen da oben?

Sinds Wolken mit Regen? Was sonst könnt es sein?

Wird Hagel uns plagen? Wird Sturm um uns toben?

Platzt uns in das Fest ein Unwetter rein?

*

Schön wurde geschmückt mit Gestecken von Rosen

Und Grün von der Myrte die Tafel im Garten

Die Knaben geschniegelt in Schlips, Hemd und Hosen

Sie können den Auftritt jetzt kaum noch erwarten.

*

Schon lange geübt, wird vielstimmig erklingen

Gesang aus den Kehlen der Sängerknaben

Sie werden sicher ihr Bestes vollbringen

Und fürstlich beschenkt mit erfreulichen Gaben.

*

Das Fest sei von oben gesegnet!

Doch wenn es nun regnet?

 

 

 

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