Dienstags-Drabble: Ein Rendezvous – kata-strophisch.

Genau 100 Wörter soll der Text haben, und drin vorkommen sollen drei Wörter, die Wortman vorgegeben hat. An diesem Dienstag sind es die Wörter:

Arbeit – betäubend – Fluss

Das Legebild habe ich aus den Schnipseln gelegt, die ich auch für die vorigen Legebilder verwendete.

 

„Am schönsten ist’s doch, nach getaner Arbeit

Im Schatten einer Palme auszuruhn“,

So spricht Gerlinde, und sie ist bereit

Zum Träumen und zum Garnichtstun.

*

„Sich ganz dem Lebensflusse hinzugeben,“

So seufzt sie still und dreht zum Karl sich um.

„Und nicht an Nebensachen festzukleben,   

Fühlst du es auch?“ Doch Karl bleibt stumm.

*

Die Sonne sticht, betäubend ist der Blüten Duft,

auch Gerlinds Bein ist schon betäubt vom Sitzen.

Ihr scheint, vom Wüstenstaub ist allzu schwer die Luft.

Auch fängt Gerlinde leider an zu schwitzen.

*

Ich geh! So ruft sie laut.

Du hast den Tag versaut!

Such dir ne andre Braut!

***

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Kein Strom und kein Handy? Wunderbar!

Das traf sich gut, denn grad gestern versuchte ich mich zu erinnern, wie ich lebte, als es weder Computer noch Handy gab.

Ich bemerkte den Stromausfall, als ich noch schlaftrunken zur Kaffeemaschine schlich und sie mit Kaffee und Wasser befüllte. Doch sie tat nicht, was ich von ihr erwartete, ich probierte den Lichtschalter – auch nichts. Da ging mir ein Licht auf: der Strom war weg. Also auch kein Computer, um Nachrichten und Mails zu lesen. Aber ich hatte ja noch das Handy. Dachte ich. Doch merkwürdig: ich hatte vergessen, es aufzuladen.

Kein Computer und auch kein Handy.

Als erstes machte ich mir einen griechischen Kaffee im μπρίκι auf dem Campinggas, der mir sowieso viel besser schmeckt. Dann machte ich meinen Rundgang durch den Garten, goß die Pflanzen, zupfte dies und das aus. Doch ich blieb unruhig: was ging in der Welt vor? Musste ich das nicht wissen?

Also fuhr ich ins Nachbardorf zum Zeitungskiosk. Und kaufte Blumenerde und Samen. Und stieg in unserer Taverne aus, um das Handy aufzuladen, und während es auflud, würde ich schwimmen gehen. Ich würde mich in die Sonne legen und mich in aller Ruhe trocknen lassen. Und eine Portion Pastitio fürs Mittagessen bestellen und mit nach Hause nehmen. Und die Erde ausladen und auf meinem vorgestern erschaffenen Hügelbeet verteilen, die Samen und Knollen in die Erde versenken, gießen, das rundum allzu hoch stehende Grünzeug ausrupfen, mich ins Atelier begeben, um dort nach dem Rechten zu schauen, bemalte Leinwände aussuchen, die ich übermalen würde. Und dann auch gleich eine der Leinwände mit Kleister bestreichen und Fetzen von Wellpappe drauf kleben, schwarze Pigmente und einen dicken Pinsel in Betrieb setzen und ein Bild produzieren, das ich „Nachtschattengewächse“ betitelte…

Dann würde ich ins Haus gehen, mich säubern und das Päckchen auspacken, das man mir in der Taverne überreicht hatte …

Wunderbar! Fein gestapelt kamen 16 Exemplare meines Tui-Tiu-Kinderbuchs, mehrere der hinreißenden Eichhörnchenkarten von Susanne Haun und etliche Kataloge des Eichhörnchenverlags von Nina Schuchardt zum Vorschein! Das Kinderbuch ist mit  Legebildern aus Papierschnipseln illustriert – länger hier Mitlesende haben seine Entstehung miterlebt. Diese Exemplare bekam ich als Geschenk für meine Kunst-hilft-Aktion. Um sie auch für Griechen verständlich zu machen, werde ich ein Blatt mit Übersetzung hinzufügen.

Um 16 Uhr war der Strom wieder da. Der Zauber der Stromlosigkeit verlosch und machte der gewohnten Bequemlichkeit Platz. Auch das ist gut, denn ein paar Stunden ohne Elektrizität sind in Ordnung, aber bei längeren Ausfällen wäre ja doch eine ziemliche Umstellung nötig.

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Schnipseleien: Zur Abstammungsgeschichte von Hund und Katze und anderen Lebewesen.

Im Januar 2014 rauschte eine Nachricht durch den Medienwald, der alle Naturforscher entzückte: ein gemeinsamer Vorfahr von Hund und Katze hatte sich zu erkennen gegeben!  Gefunden hatte man im belgischen Dormaal ein paar Knochensplitter, aus denen Tierreich-Paläontologen ein fleischfressendes und auf Bäumen lebendes schlankes Tierchen rekonstruierten, das sie nach dem Fundort Dormaalocyon (Hund von Dormaal) tauften.

Foto: Charlène Letenneur & Pascale Go

Quelle

Dormaalocyon lebte, so erzählen diese Knöchelchen, vor 55 Millionen Jahren, als Europa noch von dichten Regenwäldern bedeckt war, in denen sich riesige fluguntaugliche Vögel rumtrieben und den anderen in die Erscheinung drängenden Wesen den Auftritt vermasselten. Nun, es gelang ihnen zum Glück nicht vollständig: Unser kleiner wendiger Schelm Dormaalocyon nutzte eine „ökologische Nische“, überlebte – und öffnete so den Weg der Entwicklung für Löwen und Tiger,  Robben und Wölfe, Bären und Wiesel und eben auch für Hunde und Katzen. Man stelle sich vor, Dormaalocyon hätte es nicht geschafft! Wir müssten auf unsere lieben Hausgenossen verzichten ….

Eines der ersten fleischfressenden Säugetiere: Der Dormaalocyon latouri.

(Quelle)

Die genetische Verwandschaft aller Lebewesen nachzuweisen, ist für mich weit einfacher als für die höheren naturwissenschaftlichen Zünfte. Ich brauche nur eine „Frühlingslandschaft“ zu zerschnippeln, um aus so gewonnenen Gen-Schnipseln Tieren und Menschen jeder Art und Gestalt in die Existenz zu verhelfen.

Systematische Übersicht der zur Verfügung stehenden Knöchelchen bzw Gen-Schnipsel:

Bei sorgfältiger Beobachtung wirst du sie in allen Lebewesen wiederfinden, und so kann niemand ihre Verwandtschaft in Frage stellen.

Urform Hund und Katze

Manchmal fehlen (wie bei dem obigen Hund) ein paar Knöchelchen, andere (wie das grüne Schulterblatt) sind nicht sicher zuzuordnen, aber verglichen mit den Knochenfunden der Tier-Paläontologen bin ich doch in einer sehr vorteilhaften Position.

Die folgenden Abbildungen zeigen Hund und Katze, die sich bereits ungefähr in ihre heutige Form hineingemendelt* haben.

(*Anm.: Das Verb mendeln leitet sich ab von Gregor Mendel (1822–1884), einem österreichischen Augustiner-Mönch, der als Begründer der modernen Genetik gilt).

Mit meinem genetischen Material kann ich die Entstehung der Arten sogar noch weiter zurückverfolgen, nämlich bis zu den Wesen, die sich vor 300 Millionen Jahren von Dormaalocyon und seinesgleichen trennten – den Vögeln. Auch sie haben sich in allerlei merkwürdige Gestalten hineingemendelt, wie wir wissen. Ihre Verwandten sind die bösartigen flugunfähigen Riesenvögel, die unserem Dormaalocyon das Leben schwer machten und ihn zwangen, auf die Bäume auszuweichen. Zum Glück, wie wir dankbar anerkennen, denn ohne sie müssten wir ohne Hund und Katzer weiterleben.

vor ca 380 Miollionen Jahren: vom Fisch über den Fleischflosser zum Vogel

Irgendwann – so vor 2,5 oder 2.8 Millionen Jahren – war es dann auch Zeit für den Menschen, in Erscheinung zu treten. Hier sieht man einen Urmenschen, der mit einem Urvogel darüber debattiert, wem der Urfisch als Vorfahr zukommt.

Vielleicht einigen sie sich ja, und der Vogel nimmt den Kopf, der Mensch den Schwanz. Oder umgekehrt.

Dass die Entwicklungsreihen manchmal durcheinander geraten, habe ich schon vorgestern demonstriert, als sich Seemann und Nixe ein Stelldichein gaben. Solchen Mensch-Tier-Hybriden oder Mischwesen wird vielleicht ja die Zukunft gehören. 

Weitere Wesen derselben Entwicklungsreihe hier.

 

 

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25 Wochen – ein Objekt

Wortman initiierte dieses Projekt: Wähle ein Objekt, das du jeden Sonntag des Jahres in einem anderen Surrounding präsentierst. Ich wählte die kleine Skulptur des Kleinen Prinzen. Heute fand sie ihren Platz auf einem „Hügelbeet“, das ich auf der Freifläche vor meinem Atelier aushub, mit Holzscheiten und Gras befüllte und darüber eine Schicht Erde schaufelte. Ein metallenes Netz fand sich, um das Ganze zu bedecken. Das Kupfer der Skulptur soll dem Hügel einen das Wachstum fördernden Impuls geben, bevor ich es, hoffentlich erfolgreich, bepflanze.

Es ist mein erster Versuch mit dieser Anbaumethode. Ich bin gespannt.

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Paneurhythmietanzen für den Frieden

Heute um elf Uhr traf sich unsere kleine Frauengruppe zum Paneurhythmie-Tanzen am Meer zu einer Zeit, zu der auch alle anderen Gruppen in Griechenland (und in anderen Ländern?) diesen schönen Tanz der Verbindung mit dem Kosmos und den Menschen tanzen wollten. So war es verabredet. Wir legten wie immer einen Steinkreis, den wir mit Blumen und Grün ausschmückten. An die eine Seite schrieben wir mit den langen nadelförmigen Blättern der Tamariske das Wort „Kalamata“, an die andere mit kleinen Holzstücken das Wort ΕΙΡΗΝΗ – Frieden.

Und dann luden wir alle ein, die unter den Kriegen leiden, mit uns zu tanzen: Frauen aus Palästina, aus Israel und dem Libanon, Frauen aus dem Iran waren die ersten, die unserem inneren Ruf folgten, doch schnell erweiterte sich der Kreis und wurde größer und größer, Frauen und Männer aus Afrika, aus den lateinamerikanischen Ländern, aus Russland und der Ukraine, ja, auch aus all den Ländern, die nicht direkt von Kriegen betroffen sind – alle zusammen tanzten wir den großen paneurhythmischen Tanz, der seit uralten Zeiten die Menschen mit allem, was lebt, in Freude und Frieden verbindet.

Wir haben ein Zeichen gesetzt.

Möge der Geist des Friedens und der geschwisterlichen Zusammenarbeit stärker werden, dann wird die Erde uns alle – Menschen, Tiere und Pflanzen – ernähren. Sonst aber werden wir alle zugrundgehen. und die Erde wird zu einem unbewohnbaren Ort.


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Sonntags hinab ins Archiv: 26.4.2021, Marc Aurels Geburtstag

Wie jeden Sonntag trieb ich mich auch heute ein wenig in meinem Blog-Archiv herum, um zu sehen, was mich an einem Tag wie diesem in einem früheren Jahr beschäftigte und was vielleicht auch heute noch bedeutsam ist.

Vor fünf Jahren, am 26. April 2021, gedachte ich des römischen Kaisers Marc Aurel. Heute hätte er seinen 1905. Geburtstag gefeiert, denn er kam am 26. April 121 in Rom zur Welt.

Marc Aurel, Adoptivsohn des Kaisers Antoninus Pius, herrschte ab 161 als bis zu seinem Tode im Jahr 180 als Kaiser über das Römische Reich. Er war der letzte der sogenannten Adoptivkaiser, die nicht durch Geburtsrecht, sondern durch Adoption ins Amt kamen. Dies aus der Not der Kinderlosigkeit der Kaiser geborene Prinzip hatte wohltuende Folgen fürs Reich, und so gilt auch Marc Aurel als „guter Kaiser“.

Seinen Nachruhm aber hat er weniger durch politische und militärische Großtaten als vielmehr durch seine „Selbstbetrachtungen“ erlangt, die er in seinen letzten, vorwiegend in Feldlagern verbrachten Jahren verfasste.

Marc Aurel war ein Anhänger und Verbreiter der Gedanken der Stoa. Diese im Jahr 300 v.Chr. gegründete Athener Philosophenschule hat ihren Namen von der „ΣΤΟΑ“, einer Wandelhalle neben der Athener Agora. Unser deutsches Wort „stoisch“ leitet sich davon ab: Gelassen die Unbill des Lebens ertragen, mäßig und vernünftig leben und nicht ändern wollen, was sich nicht ändern lässt – das ist die ethische Quintessenz des Stoismus, und Marc Aurel war es vor allem, der diesen Grundsätzen bis in die Neuzeit hinein Gültigkeit verleihen wollte. Es gibt wohl kaum ein heutiges  Lebensberatungsbuch, das nicht jedenfalls einen seiner Aphorismen zitierte.

Zum Beispiel diesen Satz:

Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern dass man nie zu leben beginnt.

Auch der nächste ist wie vor fast 2000 Jahren wahr und beherzigenswert.

Wenn du am Morgen erwachst, denke daran, wie köstlich es ist zu leben, zu atmen und sich freuen zu können.

Hat Marc Aurel immer nach diesen Grundsätzen leben können? Ich betrachte sein Altersgesicht und vergleiche es mit dem seiner Jugend, und ich verstehe, dass auch ihm nicht leicht wurde zu tun, was er als das aus seiner Stellung sich ergebende Notwendige erachtete.

Marc Aurel empfiehlt, das je gegenwärtige Leben vom Lebensende her zu definieren.

Wie du am Ende deines Lebens wünschest gelebt zu haben, so kannst du jetzt schon leben.

 

Im 20. Jahrhundert wurde die Essenz dieser Philosophie von Albert Camus so ausgedrückt:

La vraie générosité envers l’avenir consiste à tout donner au présent

(Die wahre Großzügigkeit gegenüber der Zukunft besteht darin, alles der Gegenwart zu geben)

Und das ist auch tatsächlich das Beste, was man tun kann.

 

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Frühlingslandschaft zerschnippelt

Die gestrige Frühlingslandschaft – also das Reststück einer zerrissenen neurografischen Zeichnung, über das meine Friedensbotin fliegt –  habe ich zerschnippelt, um zu sehen, welche Gestalten sich darin womöglich verbergen. Ich benutzte diesmal eine Schere, und so fehlen die lebendigen weißen Ränder der gerissenen Papiere. Ich benutzte für die folgenden Bilder immer dieselben Schnipsel und hoffe, du hast deinen Spaß an diesem Wechsel-Spiel. Ob du wohl einzelne Schnipsel auf ihrem Verwandlungsweg wiedererkennst?

Das erste Bild zeigt einen Seemann, der ein Techtelmechtel mit einer Nixe hat.

Im zweiten Bild geben sich Gnomen, Elfen, Wichtel und Wichtigtuer ein Stelldichein

Im dritten Bild heißt es: Hörst du den Gesang der Grillen? Komm, tanz mir mir!

Auf dem vierten Bild haben zwei luftige Gesellen ihren Auftritt. Die wirken nicht sehr vertrauenseinflößend, aber keine Sorge, sie sind ganz harmlos!

 

 

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Die Botschaft (Ein Traumbild in Schnipseln)

Als ich eben die acht Schnipsel entsorgen wollte, aus denen der Mensch in diversen Varianten entstand (hier), bemerkte ich, dass es noch ein größeres Stück der zerrissenen neurografischen Zeichnung gab. Das hatte ich bisher übersehen. Und schon entstand aus den Schnipseln eine Botin, die mit einer Schriftrolle in der Hand über das blühende Frühlingsland tänzelt. Sie scheint eine gute Nachricht zu bringen!

Ein Fetzen Papiertaschentuch wird zu Tauben, und schon setzt sich eine Taube auf die Schriftrolle und eine zweite folgt dem freudigen Flug der Botin.

Glücksbringerin, Frühlingsbotin du! Lass deine Botschaft Frieden sein!

 

 

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Der Mensch und die Frage nach Gut und Böse

„Tierisch gut!“ fandest du, liebe Sabine (Lyrifant), die Kreationen des 37. Kunstbüchleins, weil noch kein Mensch erschaffen war! Doch es kam unweigerlich der sechste Tag, an dem es heißt: Lasset uns einen Menschen machen. Ein paar vom Tierreich übrig gebliebene farbige und weiße Schnipsel fanden sich ein …

und ich beschloss, wie einst mein Erschaffer, nun meinerseits einen „Menschen als Frau und als Mann“ … nein, nicht aus Lehm, sondern aus Papier zu erschaffen. Kaum hatte ich ihn erschaffen, begann sie herumzustolzieren und sich der Erschaffung der Welt zu rühmen. „Es ist gut geworden!“ verkündete sie urbi et orbi.

Als sie aber sah, was der Kater der Maus antat, wurde sie stutzig. Durfte der Kater die Maus fressen? Gab es da ein Gesetz, das in Kurzfassung lautet: „Fressen oder gefressen werden“? Wie war das ethisch zu rechtfertigen?

Um sich Klarheit zu verschaffen, brauchte sie unbedingt einen Gesprächspartner. Sie rief eine männliche Version Ihrerselbst herbei, die sie aus sich selbst heraus erschaffen hatte (Projektion nennt man das in der Psychologie), und stellte ihm die Frage der Fragen:

Was ist gut, was ist böse?

Die männliche Version beschied ihr, den Kater nicht weiter zu beachten und sich an den Vöglein auf dem Felde ein Beispiel zu nehmen. „Sie säen nicht, sie ernten nicht„, dozierte er, „sie sind immer fröhlich und guter Dinge und rühmen ihren Erschaffer. So sollst du es auch halten!

Aber der Kater?“ wandte sie ein. „Wird er die Vöglein fressen?“ – „Vergiss den Kater!“ beschied der Gesprächspartner.

Die Menschin fand es aber schwierig, den Kater und die Maus zu vergessen, und so rief sie weitere Versionen ihrerselbst herbei, um deren Ansichten zu vernehmen.

Version B wandte der Schöpfung angewidert den Rücken zu. Was sich dort abspielte, war nicht nach ihrem Geschmack.

Version C rief: Wir sind wie die Tiere! Unser Wesen ist krokodilhaft. Ein für alle Mal! Und das ist auch gut so!

.

Version D schrie Hurra! und ergriff begeistert einen Stein, um ihn auf den Erstbesten zu schleudern.

Version E machte sich den Hund zum Freund, gab ihm Knochen zum Knabbern und zum Spielen. Alles schien gut. Doch als sie am Horizont den Hai entdeckte, taumelte sie erschrocken zurück. Diese Knochen waren doch nicht etwa …

 Version F befand, dass das Problem für den Menschen zu groß sei. Sie zog sich zurück, entzündete eine Kerze und betet seither um Erlösung der Schöpfung von dem Bösen.

 Und so verging auch diese Nacht mit Grübeleien und Gebeten, Fragen und Antwortversuchen und neun Schnipseln, die die Welt bedeuten.

 

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Kunstbuch No 37: Genesis (Gott spielen)

Ich hatte noch ein paar Schnipsel von der Frühjahrsmode über und dachte bei mir: Warum nicht ein bisschen Gott spielen? Schließlich ist das ja grad sehr in Mode. Also faltete ich mir ein Mini-Zine aus einem Schreibmaschinenblatt und erschuf Tiere: Geflügelte und Kriechende und Schwimmende, „jedes nach seiner Art“.

Das Vogelähnliche singt das Heft mit einem Jubelgekräh ein und das Katzenähnliche beendet es mit einem Griff nach der Maus.

Dazwischen entfaltet sich das Leben in seiner Vielgestaltigkeit mit Hund und Haifisch, Insekt und Vogelwelt:

Nun sind auch die Schnipsel aufgebraucht. Habt einen schönen Tag!

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