Krokodile als Grenzwächter (Impulswerkstatt, Bild No 4)

Als ich heute die Internetzeitung lifo öffnete, kam mir ein Krokodil entgegengeschwommen. Und natürlich dachte ich sofort an dein obiges Krokodil-Foto, liebe Myriade.

Krokodil ist natürlich nicht Krokodil, aber eine Ähnlichkeit zwischen den beiden ist doch unverkennbar. Und so will ich seine Geschichte erzählen, wie ich sie dem lifo-Artikel  entnahm:

Die indischen Behörden wollen die 4000 km lange Grenze zu Bangladesh dort, wo Sümpfe und Flüsse den Bau von Grenzzäunen unmöglich machen, durch Krokodile und Schlangen sichern.

Indische Grenzschutzpatrouille. Getty images

Die Experten der Menschenrechts- und Umweltschutzorganisationen sehen das kritisch: Werden die Krokodile in der Lage sein, Inder von Bangladeschi, Anwohner von illegalen Migranten und Schmugglern zu unterscheiden?

Tatsache ist, dass die indische Regierung mit verstärkten Grenzkontrollen verhindern möchte, dass die Bevölkerungszusammmensetzung der Region zugunsten des islamischen Elements verschoben wird. Diese politische Stoßrichtung ist manchen Menschenrechtsorganisationen ein Dorn im Auge. Sie richte sich gegen die bengalischen Moslems, die auf beiden Seiten der Grenze leben und durch die Grenzziehung 1947 auseinandergerissen wurden. Außerdem bestehe die Gefahr, dass ausgesetzte Giftschlangen bei den häufigen Überschwemmungen in bewohnte Gebiete gerieten und das Leben der Menschen, die in den Sümpfen arbeiten, gefährden.

Auch Experten von Umweltorganisationen äußern sich kritisch: Krokodile seien in den meisten Flüssen der Region nicht heimisch. Ihre Umsiedlung  würde ihr Überleben gefährden. Die Nahrungskette würde verändert. Das ganze Ökosystem würde ins Ungleichgewicht geraten.

Ich habe keine eigene Meinung dazu. Grenzen sind eh doof, aber sie scheinen ja weiterhin notwendig zu sein, damit sich die Menschen nicht die Köpfe einschlagen. Warum sollten Krokodile nicht auch mal eine notwendige Aufgabe übernehmen, anstatt nur zu fressen, rumzuschwimmen und sich zu langweilen?

 

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Kurioses und Bukolisches von unterwegs

Heute fuhren wir ins Zentraldorf, denn ich wollte endlich unsere Wasserrechnung begleichen. Der Hauptsitz der Selbstverwaltung ist nach einer Gemeindereform ins entferntere K umgezogen, doch unsere ehemals selbständige Gemeinde A hat ein paar Restbefugnisse behalten – darunter die Abrechnung für den Wasserverbrauch. Das Gebäude ist noch recht neu, weiträumig und mit Klimaanlage und Computern gut ausgestattet. Als ich ankam, saß nur eine einsame Dame, ein Eis schleckend, an einem Schreibtisch in einem der hinteren Räume. Der fürs Wasser Zuständige war zu einem Gerichtstermin in Kalamata gerufen worden.

Nun gut, vielleicht würde er später noch kommen.

Ich beschloss, einen Bummel durchs Dorf zu machen, um dann die Meinigen auf dem Hauptplatz zu treffen. Ich mag das Dorf: sehr schlicht, mit ein paar eindrucksvollen, renovierten und etlichen verfallenden alten Häusern sowie Einfachbauten mit Bauerngärten drumrum. Ich kenne es recht gut, denn groß ist es nicht, entdecke trotzdem immer noch etwas Neues. Zum Beispiel diese urigen Olivenbäume, die in eine lange den Weg begleitende Mauer eingemauert wurden.

Es sind nicht zwei oder drei, sondern alle Olivenbäume, die dort standen, als jemand beschloss, dass ein Weg und eine Mauer nötig seien, wie ein Blick rückwärts zeigt.

Immer freue ich mich, wenn ich eine der Eisentüren mit den traditionellen Mustern entdecke. Diese hier zeigt Reste eines Anstrichs – und natürlich auch hübsch dazu passende Rostflecken.

Mit den vielen Kirchen des Dorfes bin ich, glaube ich, durch. Diese hier ist einer Scheune ähnlicher als einer Kirche, aber für das einmal jährlich stattfindende Panigiri (Kirchenfest) des Heiligen reicht eine einfache Hütte mit „Glockenturm“.

Die Meinigen traf ich auf dem Hauptplatz, wo wir uns zum Essen niederließen. Es gab selbst gesammelte gekochte wilde Kräuter (vor allem Löwenzahn), dicke Bohnen in roter Soße, selbstgemachten Schafskäse, Pommes, Brot, alles aus eigener Produktion. Denn die Gastwirte sind eigentlich Bauern.

Auf der Rückfahrt beehrte uns noch eine Schafherde. Vom Rücksitz des Autos aus fotografierend, erwischte ich nur die Nachzügler.

Zu Hause überreichte mir mein Sohn eine Tüte mit frischen Eiern – ein Geschenk der Wirtsleute an mich (weil ich die Taverne vorgeschlagen hatte). Solche Gesten – wo sonst gibt es sie noch?

Übrigens konnte ich unsere Wasserrechnung der vergangenen beiden Jahre beim zweiten Anlauf doch noch bezahlen. (Einmal im Jahr wird abgerechnet, aber eine Rechnung erhalten wir nicht, da wir keine Postadresse haben. Und elektronisch, etwa per mail – so erklärte mir der Angestellte – sei die Zustellung nicht möglich, das müsse erst eingerichtet werden, und dafür fehle der Gemeinde das Geld. Der Computer und Drucker, mit dem er mir die detaillierte Rechnung ausdruckte, waren freilich durchaus up-to-date.)

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Kalenderblätter 1.-6. Mai 2026: Bühendes

Ich bin weiterhin dabei auszuprobieren, wie ich das Thema „Blühendes“ umsetzen kann. Weder möchte ich völlig abstrakt noch sehr nah an dem, was ich in der Natur sehe, zeichnen. Mir schwebt etwas dazwischen vor: ich möchte die Atmosphäre und auch die Formen undFarben einfangen, aber nicht wiedergeben.

Bisher sind insgesamt sechs Kalenderblätter entstanden.

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„Du verstehst, das Harte unterliegt“ (B. Brecht)

Als ich diese feinen Blumen vor der schweren Steinmauer aus dem Pflaster hervorblühen sah, fiel mir die Lehre des Laotse ein, wie sie Bertold Brecht in seiner „Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Laotse in die Emigration“ (1938) formulierte:

„Dass das weiche Wasser in Bewegung mit der Zeit den mächtigen Stein besiegt. Du verstehst, das Harte unterliegt.“

Hier ist es nicht das Wasser allein, sondern die zarte und doch so mächtige Kraft der Lebendigen in der Pflanze, die das Material des Steins in blaublühende Glöckchenblumen umwandelt. Das Lebendige bemächtigt sich des toten Minerals und transformiert es.

Das Prinzip hat einst Joseph Beuys wunderbar anschaulich gemacht, als er für sein Kunstprojekt „7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ anlässlich der documenta 1982 neben 7000 Basaltsäulen 7000 junge Eichen pflanzen lassen wollte. Groß waren die Basaltsäulen und klein und schwach die Bäumchen.

Nun, die angestrebte Zahl erreichte sein Projekt nicht, einige Bürger beschwerten sich, dass die Basaltsäulen am Straßenrand Autounfälle begünstigen würden ….., aber wer heute Kassel besucht, kann so manche herangewachsene Eiche neben einer kaum noch wahrnehmbaren Basaltsäule entdecken. Das Größenverhältnis zwischen beiden hat sich umgekehrt.

 

Als Platanen haben sich die „7000 Eichen“ sogar noch prächtiger entwickelt.

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Von Baummapper – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=81586863

Quelle Wikipedia.

Die blauen Blümchen werden niemals die Größe einer Eiche oder Platane erreichen, und die Mauer wird auch in hundert Jahren nicht klein neben ihnen wirken – aber das Prinzip ist doch dasselbe….

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Kunstbuch No. 38: in memoriam Alekos Panagoulis (und ein bisschen griechische Geschichte)

Un uomo“ nannte ihn die bekannte italienische Journalistin Oriana Fallaci, „ein Mann“. So lautet auch der Titel ihres autobiografischen Romans „Un uomo“, 1979 (in deutscher Übersetzung „Ein Mann“, bei suhrkamp erschienen), über ihre Liebe zu Alekos Panagoulis.

Gestern, als ich die Tageszeitung Καθημερινή durchblätterte, stieß ich auf einen Artikel mit ein paar Fotos dieses ungewöhnlichen Freiheitskämpfers, der schwerste Misshandlungen und eine jahrelange Einzelhaft in einer extra für ihn gebauten sargähnlichen Zelle überlebte, um dann, zwei Jahre nach dem Sturz der Militärdiktatur, am 1. Mai 1976 bei einem vermutlich arrangierten Autounfall ums Leben zu kommen. Alexandros Panagoulis war ein griechischer Dichter, Widerstandskämpfer und Politiker des Zentrums.

Nicht rechts, nicht links, sondern Zentrum, Mitte. Ein Mensch ohne ideologische Festlegungen. Nur eins war ihm wichtig zu verteidigen: die Freiheit.

Seine Freiheitsliebe machte ihn während der Militärdiktatur in Griechenland (1967-1974) 1968 zum (erfolglosen) „Tyrannenmörder“. Seine Lebensgeschichte kannst du hier nachlesen.

Ich beschloss, die Fotos der Zeitung für mein nächstes Kunstbuch zu verwenden, um so der Widerstandskraft und Entschlossenheit dieses Menschen auf meine Weise zu gedenken – eines freundlichen Menschen, der von sich meinte, er könne keinen Menschen töten – und so sei seine Tat auch nicht gegen einen Menschen, sondern gegen einen Tyrannen gerichtet gewesen.

Die Tat missglückte – die Bombe unter der Brücke explodierte zwei Sekunden nachdem die Autokolonne des Diktators sie überquert hatte. Und so wurde Alekos nicht zum Mörder, tötete niemanden, bezahlte aber den höchsten Preis. Dass er nicht hingerichtet, sondern von 1968 bis 1973 in qualvoller Einzelhaft mit täglichen Mißhandlungen gehalten wurde, verdankte er den internationalen Protesten. Mit seinem Blut schrieb er Gedichte, wenn ihm alle anderen Hilfsmittel genommen waren. Vi scrivo da un carcere in Grecia (Ich schreibe euch aus einem Gefängnis in Griechenland) wurde mit einem Vorwort von Pier Paolo Pasolini veröffentlicht.

„Ein Streichholz als Stift, Blut auf dem Boden als Tinte, der vergessene Gaze-Verband als Papier. Doch was soll ich schreiben? Vielleicht schaffe ich es gerade noch, meine Adresse zu schreiben. Diese Tinte ist seltsam; sie klumpt. Ich schreibe euch aus einem Gefängnis in Griechenland.“

Mikis Theodorakis schrieb für ihn das Lied „Jener war allein“, interpretiert von Giorgos Dalaras (hier). Es wird oft (auch in dieser Aufnahme) zusammen mit dem Lied „Rote Nelke“ gesungen, das dem kommunistischen Wiederstandskämpfer Nikos Belogiannis gewidmet ist (Belogiannis, „der Mann mit der Nelke“, wurde trotz mächtiger Fürsprecher, zB de Gaulles, am 30. April 1952 hingerichtet). Die rote Nelke steht für den Ersten Mai, an dem Alekos Panagoulis starb.

Einem anderen Video ist das Gedicht „Gefängnisse“ von Alekos Panagoulis unterlegt. Musik: Mikis Theodorakis.

Der Text;

Seele, gefangen im Körper,

Körper, gefangen im Leben.

Leben, gefangen in der Zeit.

Geist, aus welchem Gefängnis auch entwichen, wird wieder in ein Gefängnis fallen, 

und es ist nur der Körper, der sein Gefängnis liebte. 

Wie?

Wie also geschieht es, dass der Tod nicht kommt?

Allen Menschen, die für die Freiheit der vielen ihre eigene Freiheit geopfert haben und immer noch opfern, sei dieses winzige Kunstbuch gewidmet.

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Lieber Besuch

Sehr lieber Besuch ist gestern hier eingetroffen. Heute machten wir gleich einen großen Spaziergang hinauf zum Bergdorf. Eine der drei dortigen Tavernen war offen, und wir konnten uns bei einem Getränk ausruhen. Der Blick von dort ist tatsächlich sehr schön.

Jetzt brennt der Kamin, und ich mache für heute den Computer zu. Guten Abend allseits.

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25 Wochen – ein Objekt

Wortman machte zu Jahresbeginn den Vorschlag, ein und dasselbe Objekt an jedem Sonntag des Jahres in verschiedenem Surrounding zu fotografieren. Ich wählte eine kleine-Prinz-Skulptur.

Heute stand der Kleine Prinz vor dem Atelierspiegel und bestaunte sein Spiegelbild. Wer war das da hinter dem Glas?

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Sonntags ins Archiv, 3.5.2020: Frieden oder Krieg

Was beschäftigte mich an einem Tag wie diesem in einem anderen Jahr? Diese Frage stelle ich mir jeden Sonntag und steige hinunter ins Blogarchiv.

Heute landete ich im Jahr 2020. Dort gibt es am 3. Mai einen Eintrag mit dem sehr aktuellen Titel: „Der Frieden soll siegen“. Frieden heißt auf griechisch „Ειρήνη“ – Eirene – Irene und ist ein weiblicher Vorname. Eine Nachbarin mit diesem Namen trafen wir nachts im Pinienwäldchen, wo sie ihren Hund ausführte, gefolgt von ihren zwei Katzen. Ein herzerwärmender Anblick.

„Nun habe ich das nächtliche Foto in eine Zeichnung umgesetzt. Dabei fiel mir auf, dass die nach oben gerichtete Hand das Siegeszeichen formt. Wäre es nur ein Finger, könnte man denken, es wäre eine Pistole. So gering ist manchmal der Unterschied zwischen Krieg und Frieden.“

So gering ist manchmal der Unterschied zwischen Krieg und Frieden. 

Übrigens heißt die Nachbarin, wie ich später erfuhr, in Wirklichkeit nicht Irene, sondern Elpida. Und Elpida bedeutet „Hoffnung“.

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Blühendes im Garten und am Wegrand (Fotos)

Ein kleiner Rundgang durch meinen Garten gefällig?

(1) Die roten Geranien sind ein Dauerbrenner, die blauen Schwertlilien öffnen sich jetzt alle gleichzeitig. (2) Von der Aloe Vera habe ich mehrere, sie sind dabei, ihren schönen Blütenstand zu öffnen. (3) Der Flieder auf Titos Grab hat erste Blüten. (4) Am Fuße des Olivenbaums vor meinem Atelier blühen Judasbaum und Schwarzauge (?). (5) Der Bergtee (Salbei) wuchert mächtig. (6) Orangen sind zwar keine Blüten – aber sehr dekorativ sind sie auch. Sie bleiben immer hängen, da sie bitter sind.

(1) Die Olivenbäume haben den Boden mit winzigen weißen Blüten bestreut, (2) aber an den Zweigen sitzen noch immer reichlich Blüten. (3) Ein vergessener Gartenstuhl ist zugewachsen.

Ein paar Blumentöpfe sind dazugekommen, darunter auch eine weiße und eine rosarote Rose, die ich anstelle der abgestorbenen einpflanzen will.

Unterwegs am Feldrand sah ich den ersten Mohn, freute mich an den Zistrosen, die mit dem nun blühenden Ginster ein schönes Ensemble bilden, und an diversen Wildkräutern, die von der Manie der Bauern mit dem Roundup verschont geblieben sind.

Wir haben hier sanftes Maienwetter, gestern und in der Nacht regnete es, heute morgen hellte es auf. Mir gefällt es sehr.

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Blühendes: Kalenderblätter 1.-2. Mai

„Blühendes“ ist mein Thema für die Mai-Kalenderblätter. Zum gestrigen ist ein zweites dazugekommen. Ich versuche, meinen Stil für diese Reihe zu finden, und stelle deshalb den ersten und zweiten Mai vergleichsweise nebeneinander.

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