Dienstags-Drabble mit Fuchs und Trauben (eine Frage der Moral)

 

Unsere Trauben sind reif, es wird Zeit, sie zu ernten und  zu genießen. Konkurrenten gibt es genug, insbesondere Wespen und Vögel, Füchse sind nicht darunter. Doch hängt dem Fuchs eine Geschichte mit sauren Trauben nach, und um die geht es dann auch in meinem heutigen Drabble. Die Wortvorgaben von Wortman Fuchs – Intrige – essen legten es nahe.

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Der Fuchs gilt als Meister der Lüge,

der Tricks, des Betrugs, der Intrige

und wenn seine Schlauheit ihm einmal nicht reicht

und er ohne Trauben davonnen sich schleicht

*

dann klatschen die Guten und Frommen vor Freud

und schrein hinterher: „Da seht ihrs, ihr Leut!

Der Fuchs ist zwar schlau, doch kann er nicht fressen

Was wir, die Guten, jetzt selber aufessen!

*

Die Trauben sind süß, du erbärmlicher Wicht

Doch dir sind sie sauer, denn du kriegst sie nicht.“

Der trickreiche Fuchs, der hämische Esser

Wer ist in moralischer Hinsicht wohl besser?

*

Ist Schadenfreude eine Zier

Oder ein Schatten von mir?

 

Der Fuchs und sein Schatten

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Impulswerkstatt: Tempelruinen

Die Reste von Tempeln, die während der Glanzzeit griechischen Kulturlebens erbaut und dann, in vergröberter, vergrößerter Gestalt im hellenistischen und römischen Herrschaftsbereich weiterentwickelt wurden, sind bis heute ein hoch attraktives Ziel für Touristen. Und die modernen Staaten tun nicht wenig, um für Wiederherstellung, Erhalt und Zugänglichkeit Sorge zu tragen.

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Der Apollentempel von Bassae (Arkadien), zwecks Erhaltung seit langem mit einer Schutzhülle umgeben.

Was ist es eigentlich, was so viele Menschen dazu bringt, bei glühender Hitze den Akropolisberg hinanzusteigen

Akropolis, Blick auf den Parthenon, Mai 2026

den weiten Weg zum Tempel des Poseidon in Sounion auf sich zu nehmen

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oder über das Ruinenfeld von Alt-Korinth zu wandern, den Reiseführer in der Hand?

Ich weiß es nicht. Erkenntnisinteresse ist es sicher nur zum Teil. Denn wer kann sich aus den Ruinen schon einen Reim machen und verstehen, wie und warum diese Bauwerke entstanden? Wer ist in der Lage, sich in die alte Kultur so hineinzuversetzen, dass die damalige Denk- und Lebensweise verständlich wird?  Die meisten Reisenden verlassen den Ort vermutlich nicht aufgeklärter, als sie ihn betraten.

Der Reiz der alten Tempelanlagen besteht, so scheint mir, nicht darin, die Entstehungsdaten, Baustile und Zahl der Säulen zu erfahren. Eine Mischung aus nur halb bewussten Gefühlen und Gedanken wird wohl so manchen Besucher überkommen, wenn er durch solche einst heiligen Ruinen wandert, wandelt oder auch schleicht.  Ihm wird vielleicht die Vergänglichkeit der Hochkulturen bewusst, er mag über die Perfektion früherer menschlicher Werke staunen, und auf die Stille lauschen, die unter all dem touristischen Lärm zwischen den Säulen wohnt… Wer weiß das schon. Und dann ist da der Ort: jeder dieser Bauten ist ja auf einem ganz besonderen Fleck der Erde entstanden, und die Feinfühligen spüren wohl noch etwas von den alten Kraftlinien.

Apollentempel von Bassae, innerhalb der Schutzhülle

Die Art, wie die Menschen die alten Tempel betrachten, hat sich im Lauf der Geschichte stark gewandelt, genau wie die Bauten selbst.  Im Mittelalter existierten sie als ominöse von wilder Vegetation überzogene Orte, wo Geister spukten, wenn die Christen die Böden nicht versiegelten und ihre Kirchen drüber errichteten.  Auf aufgeklärte Weise wiederbelebt wurde das Interesse an ihnen im 15. Jahrhundert – in der Renaissance, die an die griechische Antike geistig anzuknüpfen versuchte und in den halb verschütteten Bauten einen handfesten Beweis für die Größe der versunkenen griechisch-römischen Kulturepoche sah. Die Gesetze der alten Baukunst zu entschlüsseln, ihre Harmonien auf modernere Materialien zu übertragen und für die Gegegenwart nützlich zu machen, war eines der Hauptinteressen damaliger Architekten, zB. Palladio. Wie erfolgreich sie damit waren, zeigt die Baukunst des Klassizismus:  Banken, Museen, Versicherungshäuser, Theater und Paläste in ganz Europa prunken mit griechischen Fassaden und Säulenhallen. Ob die harmonischen Proportionen dabei immer eingehalten wurden, steht auf einem anderen Blatt.

Ich selbst habe mich dann und wann mit dem Bedeutungswandel des Tempelbaus beschäftigt, so 2016 mit dem „Blutigen Tempel“

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und 2015 in dem Eintrag „Tempel, Schatzhaus, Grab“, in dem ich ein großes Gemälde aus dem Jahr 2008 vorstellte.

Tempel

Die heutigen Geldtempel nennt man Börsen. Das Wort „Börse“ kommt von griechisch: βύρσα ‘abgezogene Haut, Fell’. Woher denn auch der Ausdruck: jemandem das Fell über die Ohren ziehen.

 www.redensarten-index.de/: „Nun werden Staaten ja nicht von Überziehungskrediten und Kreditkarten zum gedankenlosen Ausgeben verführt, sind nicht dumme, arme Leute, denen ein reicher Abzocker die Haut über die Ohren zieht, sondern sind voller bester Wirtschaftsfachleute und Experten“; „Lasst Euch nicht das Fell über die Ohren ziehen! Wehrt Euch!“; „Demokratie ist die Kunst, dem Volk im Namen des Volkes feierlich das Fell über die Ohren zu ziehen.“

Als ich 2008 das obige Tempelbild malte, dachte ich an das Finanzsystem und dass es zusammenbrechen wird. Diese Vorahnung wurde fast zur Gewissheit, als im Jahr drauf Lehman Brothers pleite gingen und die sogenannten Märkte schwankten. Seither hat man tüchtig geflickt, gestützt und Rettungsschirme aufgespannt. Aber so richtig harmonisch wirkt das Gebilde nicht mehr. Man kann kein Vertrauen haben. Es wird zusammenstürzen. Schließlich sind viel großartigere Tempel eingestürzt.

Die Überbleibsel der alten zusammengestürzten Tempel haben für mich bis heute einen Schimmer alter Verehrung um sich und können mich weiterhin beim Malen inspirieren.

Tempelbezirk Samothrake, Aquarell

 

 

Dies ist ein Beitrag zu Myriades „Impulswerkstatt“.

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Küstenstreifen neu entdeckt

Von Kalamata bis zu uns, eine Strecke von etwa 10 km, geht es immer am Meer entlang, aber man kann nicht überall ans Meer gelangen. Oft ist die Küste sehr steil, es gibt Zäune und Privatgrundstücke, es gibt keine Parkmöglichkeiten ….,und daher konzentriert sich das Badeleben an einigen gut zugänglichen Stränden.

Gestern (Mariä Himmelfahrt, hier ein sehr hoher Feiertag) waren wir zum Mittagessen mit Freunden verabredet, die in einem großen Hotel abgestiegen sind. Im Volksmund heißt das Hotel die „chinesische Mauer“, denn zur Straße hin ist es fast fensterlos. Ich kannte bisher nur die Außenansicht.

Drinnen herrscht wohltuende kühle Leere. Man geht durch weite Vorräume, eine Treppe hinunter zum Swimmingpool, zwei weitere Treppen durch Etagen mit Tischen zum Speisen, um schließlich nach einer weiteren Treppe am Meer anzukommen. Dort gibt es einen belebten schmalen Geröllstrand, der mit Liegen und Sonnenschirmen bestückt ist.

Außerhalb dieses Strandstücks ist die Küste weit und fast leer, geschützt von einer bewaldeten Steilküste. Hier hatten sich nur wenige Menschen mit Stühlchen und Sonnenschirm eingerichtet. Ich fand einen duftenden schattigen Platz unter Wachholdersträuchern.

Eine Idylle fernab vom Blechstrom, der dieser Tage unaufhaltsam über die Küstenstraße rollt. Denn der 15. August ist der Höhepunkt der Badesaison, und wer es irgendwie schafft, verlässt die Städte und fährt ans Meer.

 

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Kunstbuch 55: gekritzelte Notatensammelung

Ich notiere gern flüchtige Einfälle in Form von Skizzen. Das Ergebnis sind Notizen …oder Notate?

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen den beiden? Nach meinem Gefühl ist ein Notat die Niederschrift eines flüchtigen Gedankens, einfach so, aus Freude daran. Es genügt sich selbst. Eine Notiz hingegen ist eine Gedächtnisstütze und verlangt Ausarbeitung oder sonstige weitere Verwendung.

So gesehen ist das Kunstbuch 55  eine Sammlung flüchtig hingekritzelter Notate.

Das Deckblatt ziert ein Specht, der interessiert ein Insekt betrachtet. Die Rückseite zeigt eine unterirdischen Knolle, die eine oberirdische Pflanze mit Blüte hervortreibt.

Auf der ersten Innenseite („Katzentraum“) gibt es eine Katze zu besichtigen, die von vielen vielen unter der Erde lebenden Mäusen träumt. Sobald sich eine an die Oberfläche wagt….

Es folgt die  „Blütenerwartung“ – eine Blüte in Erwartung vieler vieler Insekten, die sich an ihren Pollen laben werden.

Das nächste Blatt („windig“) zeigt ein Ährenfeld, das von einem aus dem Osten kommenden Wind gen Westen geneigt wird. Die Ähren geben dem Druck elastisch nach, ohne zu brechen.

Dann kommt das berühmte Wettrennen des Hasen und des Schildkröten- oder Igelpaars („Wettlauf“). Der Hase rennt, und zugegebenermaßen ist er sehr schnell, aber die Schildkröte (der Igel) ist immer schon vor ihm da, weil Männlein und Weiblein sich zum Verwechseln ähnlich sehen und großartig kooperieren.

Nicht fabel-, aber märchenhaft kommen die beiden letzten Seiten daher. Zunächst „Der Fischer un syne Fru“: da sieht man einen Mann und einen großen Fisch, und im  Hintergrund Ilsebill, die nicht so will.

Das letzte Notat ist dem mutterlosen Mädchen aus „Sterntaler“ gewidmet. Die arme Waise wird vom Himmel mit Goldtalern beschenkt.

Über jedes dieser Notate ließe sich ein Essay verfassen, der die philosophischen, psychlogischen, moralischen Tiefen auslotet. Das aber überlasse ich jetzt mal anderen.

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Ansichtssache: Das Ding-an-sich wird zum Ding-für mich (Immanuel Kant)

Neben mir auf dem grünen vom Wasserschaden leicht lädierten Umschlag von Paul  Klees „Pädagogischem Skizzenbuch“ liegt ein Stück Schwemmholz. Es ist klein, rundlich und wenig prägnant geformt, hellgrau bis beige, leicht und weich und von einer schwammähnlichen Struktur. Keine Ahnung, woher es stammt und warum ich es aufgesammelt habe.

Aber da es nun einmal daliegt, beginnt es mich zu interessieren. Ich schalte die Tischlampe an und mache zwei Fotos.

Ich nehme das „Ding-an-sich“ in die Hand und drehe und wende es. Erstaunlich viele unterschiedliche Gesichter zeigt mir dieses indifferente Stück lebendiger Materie!

Welche Seite ist die interessanteste? die prägnanteste? Nun, das ist Ansichtssache. Alle zusammen sind das Ding-für-mich.

Dann lege ich es wieder auf das Buch, und mir scheint, es sinke zurück in seinen vorigen Zustand – unerkennbar, unnahbar, geheimnisvoll: ein Ding-an-sich.

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Häuslebauen: Inspektion einer Baustelle

Viel gebaut wird hier in der Gegend, in der Regel Häuser zum Zweck der Vermietung an Urlauber. Erstmals schrieb ich davon im Juni 2025 (hier). Zum Jahresende dokumentierte ich die Baustellen in unserer Umgebung (hier).

Etwa 500 m unsere Straße hinauf ist so eine Baustelle, über die ich zuletzt am 26. März berichtet habe (hier).

Foto vom 26. März 2026

Heute abend inspizierte ich diesen Bau erneut. Wie weit war man wohl gekommen? Vorsichtig durch die staubfeine ockrige Erde watend näherte ich mich dem Haus, umkreiste es und machte ein paar Fotos.

Fotografie vom 13. August 2026

Hinterherum gibt es einen Keller und die ausgemauerte Grube fürs Abwasser, denn an die Kanalisation ist unsere Gegend noch nicht angeschlossen.

Auf der einen Seite des Hauses musste ein kleiner Hügel abgetragen werden, um eine ebene Fläche zu schaffen. Die dadurch entstandene Lehmwand ist um diese Jahreszeit vollkommen trocken und bröselt. Der Wurzelballen einer Olive wurde beim Ausschachten ausgespart, hängt nun in der Luft. Ich vermute, dass diese Wand noch ausgekleidet wird. Die Mauer wird dann die Olive halten. So jedenfalls sah ich es bei anderen Häusern.

Wir zwei Spaziergänger auf dem Rückweg von dieser kleinen Inspektionstour.

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Kleine Nachlese, Sonnenfinsternis, Glasscherben und Kaktusblüten betreffend

Was war da doch gleich gestern? Ach ja, eine Sonnenfinsternis. Freilich nicht hier zu sehen. Dafür befinden wir uns zu weit östlich, die geringfügige Verdunkelung konnte man nicht beobachten, da sie zeitlich mit dem Sonnenuntergang zusammenfiel.

Ich wusste das zwar, ging aber dennoch die Treppe hinauf zur Turmterrasse. Zum Glück blickte ich dabei nicht zur untergehenden Sonne, sondern auf meine nackten Füße, und so trat ich nicht in die Scherbe, die auf einer Stufe vor mir aufblitzte. Ich hob sie auf und wunderte mich. Denn am Tag zuvor waren zwar zwei Gläser zu Bruch gegangen (ich berichtete davon hier), aber keins hatte eine solche Musterung. Ich besaß auch meines Wissens nie ein solches Glas. Verwundert hob ich die Scherbe auf und blickte durch sie hindurch zum rötlich verfärbten Sonnenuntergangshimmel, wo das von so vielen so aufgeregt erwartete Schauspiel längst verloschen war. Ich fotografierte sie dann noch einmal über einem blauen Eisentisch. Um ein klares Bild zu erzeugen, musste ich erst den günstigsten Lichteinfallwinkel finden, denn die Scherbe ist gebogen.

Und so erlebte ich zwar keine Sonnenfinsternis, aber ein für mich durchaus auch erfreuliches Erlebnis: eine hübsche Scherbe zu finden, die mir nicht den Fuß zerschnitt – ist das etwa nichts?

Was die Kakteen anbelangt, so war ich heute gegen 5 Uhr nachmittags erneut dort, um zu sehen, was aus den gestrigen Blüten geworden war. Die Wand, an der die Kakteen stehen, lag nun voll in der Sonne, und die meisten Blüten sahen müde und verwelkt aus. Ein klares Bild über den Verlauf des Blühens habe ich trotzdem noch nicht, denn es gab auch einige Blüten, die nur wenig geschlossener als gestern waren, und ein paar neue Knospen sah ich auch.

Falls du die Fotos mit den gestrigen vergleichen möchtest: hier.

 

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Kaktusblüten und Stranderwachen (kleine Beobachtungen)

Heute war ich schon um halb zehn am Strand, in der Hoffnung, dass ich die Blüten der riesigen Kakteen endlich mal voll aufgeblüht zu sehen bekäme. Denn gestern nachmittag sah ich eine Menge neuer Knospen. Schön waren sie heute morgen, aber immer noch nicht ganz offen. Vielleicht liegt es daran, dass sie immer im Schatten des Hauses stehen?

Ich beschloss, erst einmal schwimmen zu gehen und dann weiterzusehen.

Morgens (es ist ca halb zehn) ist das Meer besonders schön und klar. Die winzigen Wellen verbiegen die Steinchen am Grund zu merkwürdigen teils irrisierenden Mustern.

Nach dem Schwimmen kehre ich zu den Kakteen und in den Schatten der Hauswand zurück. Vor mir liegt der immer noch menschenleere Strand. Es ist die Hochzeit des Sommers, aber dieser Teil der Bucht ist selbst am Mittag nicht überfüllt. Die Massen drängen sich da, wo die Liegestühle, Sonnenschirme und Getränke der Strandlokale locken.

 

Auf der leeren Bühne setzt langsam die Tagesbewegung ein: eine Frau klettert mit ihren beiden Kindern auf der Mohle herum, eine andere schleppt die Spielzeugschublade ihres Sprösslings hinunter zum Meeressaum. Ein Segelboot gleitet ins Bild und vorbei.

Ich schaue immer wieder nach den Kaktusblüten, bemerke ihr leichtes Erzittern. Aber das Bild ändert sich, seit ich sie beobachte, kaum.

Nachher werde ich noch einmal nachschauen.

 

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Drabble: Hilfe, Mord! (eine Klamotte – arg kata-strophisch!)

Jeden Dienstag ist Drabblen angesagt. Wortman liefert dankenswerter Weise die Wörter dazu, die diesmal sind: Tank – dick – Axt. Mir ist dazu folgende kata-strophische Geschichte aus 100 Wörtern eingefallen:

Hilfe, Mord!

Der dicke Tankwart wurde erschlagen

„Mit einer Axt“, so hörte ich sagen.

Ob Axt oder Beil, ist das das Problem?

Viel wichtiger ist doch, warum und von wem?

 

Es stellt‘ sich heraus: Die Kasse war voll

und etliche Kunden, die hatten nen Groll

Er füllt‘ ihren Tank mit verdünntem Benzin

Benzinverfälscher, drum hassten sie ihn

 

Und nahmen ne Axt und zerschlugen den Schädel

Ihn fand auf dem Boden sein ältestes Mädel.

Sie liebte den Vater, obgleich er sehr dick

Und bejammerte laut sein traurig Geschick.

 

Ich fühle mit ihr, denn Menschen erschlagen

Das sollte man nicht, man muss sie ertragen.


Da ich kein neues Bild legen mag, möge diese Illustration eines anderen Mordfalles genügen. (hier)

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Ein Vormittag zwischen Glasauge und Holzauge

Heute morgen fand ich, als ich aufstehen wollte, den Boden mit Glasscherben übersät. Wars der Nachtwind, waren es die Katzen gewesen? Jedenfalls bewegte ich mich gebückt und vorsichtig große und kleine Scherben aufsammelnd barfuß bis zur Treppe, um Besen und Fegeblech zu organisieren.

Aus dem Grund eines der zerschmetterten Gläser sah mich ein großes rundes Auge an.

Scherben bringen Glück, denn die ins Glas verzauberten Elementargeister freuen sich über ihre Befreiung – so hatte ich tags zuvor in einem Gespräch vernommen. Das ist auch der Grund für Polterabende und das Zerschmeißen von Tellern, wie es die Griechen gerne auf der Tanzfläche veranstalten (Bei Todesfällen wird ein Krug zerschmettert.)

Ich will es gerne glauben, denn der restliche Tag ist durchaus glücklich verlaufen. Das erste war, dass ich, als ich die Blumen wässerte, auf dem Boden das erste gelbe Feigenblatt bemerkte, und im Baum entdeckte ich dann auch die erste reife Frucht. Gibt es ein besseres Frühstück als eine sonnenwarme Feige?

Wir fuhren dann nach Kardamili, um den neuen Personalausweis meines Mannes abzuholen. Und siehe: er war fertig und konnte mitgenommen werden. Ich ging inzwischen schwimmen. Und anschließend trank ich einen Espresso unter dem aus Maulbeerbaum und Wein geflochtenen grünen Dach der Strandtaverne.

Schön? Es wurde aber noch schöner, denn wir gingen bei unserem Freund  J vorbei, den wir beim Reinigen großer Mengen gerade geernteter Kräuter antrafen. Wenn sie von ihrem Spreu gründlich gereinigt sind, werden sie eingetütet und verkauft.

J war früher Professor in Australien, hatte auch für Parlamentswahlen kandidiert, aber als seine Mutter bettlägerig wurde, kehrte er in seine Heimatstadt zurück und pflegte sie sieben schwere Jahre lang bis zu ihrem Tod. Und sein Leben wurde ein anderes. Unter anderem kümmert er sich um Fahrräder, die er verleiht und repariert.

 

Ich stöberte ein bisschen in seinem Abstellraum

und kam mit einer frisch gesägten Platte aus Olivenholz wieder heraus. Sie hatte eine faszinierende Maserung, in der ein Fisch schwamm. Und der betrachtete mich unverwandt mit seinem Holzauge. Ob ich die Platte erwerben könne? Sie wurde mir geschenkt.

O ja, es war ein schöner Ausflug! Und von der umwerfenden Landschaft, durch die man fährt, habe ich noch gar nicht gesprochen….

Holzplatte und ein Stück abgefallene Borke

 

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