Dienstagsdrabble: Moritat über Katzen und ihre Opfer

Die für das heutige Drabble von Wortman vorgegebenen Wörter lauten: Waffe, ungezogen, Katze. Daraus ist ein Text aus 100 Wörtern zu stricken. Hier mein kleiner ,kata-strophischer Text eingeleitet durch die Moritat von Mackie Messer (Bert Brecht):

 

Moritat 

„Und der Haifisch, der hat Zähne

Und die trägt er im Gesicht

Und Macheath-der-hat-ein-Messer 

Doch das Messer sieht man nicht.“

Manche Waffe ungezogen

Steckt noch in der Tasche drin

Manche Lüge ungelogen

Gibt der Wahrheitssuche Sinn.

Mancher täuscht wie eine Katze

Mit dem weichen Streichelfell

Doch versteckt in seiner Tatze

Lauert Tod, und blitzesschnell

Packt er, was er auserkoren

Sei’s ‘ne Grille oder Maus

Die gibt sich sogleich verloren

Und erkennt: mit mir ist’s aus.

So mancher hockt in seinem Loch

Und zittert um sein armes Leben

Doch wie tief er sich verkroch:

Es trifft ihn …oder den daneben.

 

 

 

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Kunstbuch No 18: Zeichen an der Wand (Menetekel)

Das Dumme der „Zeichen an der Wand“ ist, dass man sie nicht versteht. Ruft man dann Propheten und Schriftgelehrte, Journalisten und Influencer, um sie einem zu deuten, ertrinkt man fast im Stimmengewirr der Allesversteher.

Bescheidener waren die Teilnehmer am Gastmahl von Belzazar, die immerhin die Ehrlichkeit besaßen zu sagen: tut uns leid, wir verstehen nicht, was die körperlose Hand dort an die Wand schreibt.

Eine Situation, wo eigentlich niemand etwas versteht, ist hervorragend dafür geeignet, EINE der vielen möglichen Lesarten zum Dogma zu erheben. Denn alle Welt sehnt sich nach klaren Aussagen. Im Falle des Belsazar war der, dessen Lesart ins Buch der Bücher einging, ein Mann namens Daniel. Er sprach mənēʾ mənēʾ təqēl ûp̄arsîn, bekannt geworden als Menetekel – oder auch als : „schlechte Nachrichten für dich, du Herrscher über Babylon. Du wirst sterben und ein anderer wird dein Reich erben.“ Im historischen Fall waren es die Perser, die den babylonischen Herrscher beerbten. …

Gestern abend zeichnete ich ein Mini-Zine mit Zeichen, feuchtete die Farben an und stellte das halb-transparent gewordene Büchlein gegen das Licht, um die Zeichen zu lesen.

Ich bin mir aber durchaus nicht sicher, ob das, was ich da gelesen habe, wahr oder falsch ist. So gehts mir grad mit allen Meldungen, die aus dem allgemeinen Stimmengewirr an mein Ohr drängen. Was ist wahr, was ist Lüge? was ist Projektion eigener Ängste, was ist bedeutungslos, was wichtig, was sogar existentiell bedeutungsvoll? Ist es, oder ist es nicht?

Vielleicht bist du ja gescheiter als ich und weißt, die Schrift an der Wand zu lesen.

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Aus zwei mach eins: „In der Kriegspresse“

Ich bin weiterhin damit beschäftigt, die durchs Wasser beschädigten Bilder zu entsorgen. Heute hatte ich zwei ausrangiert und in den großen Plastiksack befördert – als ich dachte: so sang- und klanglos, ohne Requiem? Ich holte sie wieder hervor, zerschnitt das eine (eine Collage) und legte das andere (ein Aquarell) auf eine weiße Unterlage.

Dann begann ich, die Mosaiksteine der Schnipsel auf der bemalten Fläche auszulegen.

Herausgekommen ist dieses:

Wegen der vielen Zeitungsschnipsel und weil wir in Kriegszeiten leben und weil in Kriegszeiten zugleich ein gewaltiger Propagandakrieg tobt und allerlei Flaggen hervorgheholt werden, nenne ich das Bild: „In der Kriegspresse“. Natürlich ist das nicht verpflichtend, du kannst es auch anders nennen. ZB Frühlingsblüten oder blühender Blödsinn. Es käme eh auf dasselbe heraus.

So, nun kann ich die Bilder entsorgen. Es bleibt die elektronische Form.

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Frühling und Frühlings-Killer (und Katzen): das ewige ZWAR-ABER

Als ich eben den gewohnten Spaziergang auf unserer Straße in Richtung des Bergdorfes machte, freute sich mein Herz an den Wiesen, die von roten Anemonen, weißen Sternen und blauem Ehrenpreis übersät sind. Das Gras steht hoch, saftig grün und üppig – ganz anders, als ich es bei unserer Durchfahrt durch Arkadien erlebte, wo die Böden ausgetrocknet wirkten und ich mir Gedanken machte, ob womöglich die an allen Horizonten aufragenden Windgeneratoren Schuld daran sein könnten. In früheren Jahren regnete es in Arkadien weit mehr als hier unten, und der Frühling war sehr stark zu spüren.

Hier aber üppigstes Grün.

Üppiges Grün und Blüten und Insekten, dass das Herz vor Freude hüpft.

Doch die Nase fühlt sich nicht wohl. Die Schleimhäute schwellen an, die Bronchien protestieren. Da schaue ich nach links.

Aha, verdammt! Die Bauern waren wieder mit Roundup unterwegs! Da wird sich Bayer freuen! Das Zeug ist ja in den USA grad wieder legalisiert und vom Verdacht, Krebs zu erzeugen, freigesprochen worden.

Vor allem die straßennahen Flächen werden damit „behandelt“, denn die Eigentümer der Grundstücke sind verpflichtet, das „Unkraut“ zu beseitigen, weil es die Brandstifter herausfordern könnte.

Die Bauern könnten natürlich auch weniger bösartige Methoden verwenden, aber das Gift ist der bequemste und wohl auch billigste Weg. Insekten? Gesundheit der Menschen und Tiere? Na, wird schon nichts schaden. Sonst wäre es ja verboten und nicht frei verkäuflich. Dummes Geschwätz von grünen Spinnern…

Ich bin mit einem großen ZWAR-ABER in die Welt gekommen. Und die Welt zeigt sich mir immer wieder in diesem Licht des ZWAR-ABER. Wie gern würde ich mich einfach in eine der blühenden Wiesen legen und nichts mehr fühlen als die freundliche Erde mit ihren Gewächsen und die reine Luft eines Frühlingsmorgens! Nichts denken müssen! Das ABER in Pension schicken! Stattdessen sitze ich hier, und meine Augen füllen sich mit Tränen und meine Nase kribbelt.

Zum Glück gibt es die Katzen! Fritzi zeigt mir, wie man sehr gut ohne ABER leben kann.

Draußen im Hundehaus hat sich Urmutter Prinkipessa (u.a. Fritzis Mutter) eingefunden und ruht sich aus. Sie ist so ein ZWAR-ABER-Geschöpf wie ich. Nach langer Abwesenheit ist sie wieder erschienen, mager, struppig und scheu wie immer, sitzt lange still vor der Glastür und schaut uns unverwandt an. Sie studiert uns. Vertrauen hat sie nicht. Wenn ich ihr Futter rausstelle, zieht sie sich schnurstracks zurück. Dann nähert sie sich zögernd, schnuppert lange und sorgfältig und beginnt vorsichtig, immer in Alarmbereitschaft,  zu fressen. Viel schafft sie nicht, bevor die Meute angerannt kommt und über das Fressen herfällt.

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Kunstbuch No 17: Zwischen Wachen und Schlafen

Zwischen Wachen und Schlafen hatte ich Lust, noch ein Mini-Zine zu zeichnen. Ich zog ein paar beliebige weich fließende Linien über ein DIN A4-Papier und faltete es dann zum Büchlein. Auf jeder Seite verstärkte ich die Linien, umrahmte das Blatt und malte die Flächen mit Farben und Mustern aus. Wo ich Gesichter oder Figuren sah, unterstützte ich den Eindruck mit Augen.

Auseinandergefaltet sieht das Blatt nun so aus.

oder aufgeblättert mit dem Deckblatt, den drei Doppelseiten und dem rückseitigen Blatt.

Um daraus ein Leporello zu machen, müsste man das Blatte in der Längsrichtung auseinander schneiden und die beiden Teile zusammenkleben.

 

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Sonntags im Archiv: 15/3/2017 : Futterneid.

Diesmal bin ich ins Jahr 2017 hinabgestiegen, um zu sehen, was ich damals an einem Tag wie diesem getrieben und was mich bewegt hat. Gefunden habe ich eine Legearbeit auf gemaltem Grund. Diese Technik habe ich selten angewendet. Vielleicht mache ich jetzt eine neue Serie mit zerrissenen Legebildern auf alten Gemälden.

Das damalige Bild nannte ich „Futterneid“, und ich finde es ganz aktuell, wenngleich die menschlichen Vertreter des Futterneids natürlich weit gemeiner vorgehen als die von mir abgebildeten Vögel.

 

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Kalenderblätter 6.-16. März

In Maroussi (Athen) entstanden noch zwei Kalenderblätter. Das eine zeigt eine Ansicht unseres Nachbarhauses, wie es von unserem Balkon aus erscheint, das andere ein Stück Pinienwald, der durch Trockenheit und Insektenbefall in einem sehr schlechten Zustand ist. Den zwichnete ich am späten Abend bei starkem Wind.

Dann entstand eine Pause, die ich heute füllte. Ich zeichnete mit einem dicken schwarzen Filzstift (leider einer von der billigen Art ohne Abschrägung) zuerst die riesige Skulptur des Feigenkaktus, wobei ich auf Schwärzung verzichtete, um die vorangehende Seite nicht zu verderben.

Die restlichen Seiten füllte ich mit Olivenbäumen unseres Grundstücks. Wir haben insgesamt 48 Olivenbäume, die ich alle schon in verschiedenen Stilen und Medien gezeichnet habe. Falls dich frühere Zeichnungen oder auch Fotos dieser imposanten Bäume interessieren, findest du sie unter dem Stichwort „Olivenbaum“ oder „Olivenbäume“.

 

 

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#Frühlingszeichnen mit @Annenilges

Die Künstlerin Anna Nilges hatte zu einem Frühlingszeichnender besonderen Art aufgerufen. Ich habe, behindert durch Hin und Her zwischen Athen und der Mani sowie dem nun schon berichteten Maleur im Atelier nur halbwegs teilnehmen können. Doch habe ich die von Anne angeleitete und demonstrierte Methode des Zeichnens auf einem Leporello sehr anregend gefunden und möchte meine Gedanken und Ergebnisse hier mitteilen (keine bezahlte Werbung!).  Die Informationen der Ideengeberin selbst findest du hier.

Zunächst ein Beispiel zum Anschauen:

Es ging darum, die Umgebung in drei Durchgängen mit drei verschiedenen Stiften und drei Aufmerksamkeitsrichtungen zeichenhaft aufs Leporello zu übertragen. Ich befand mich in einem belebten Park neben einer Metrostation, war heiter und zeichnete zuerst mit Orange meine eigene Bewegung durch den Park, dann mit schwarzem Kuli allgemeine Impressionen von der Umgebung, schließlich mit rotem Aquarellstift Einzelheiten wie Menschen, Tiere, Baumgipfel – und zwar alles, während ich dabei ging.

Detail mit Verwaschung des roten Aquarellstiftes

 

Das ist auch das Besondere an dieser Methode, deren Ergebnisse sich wie Impressionen (Eindrücke, Spuren) auf einer laufenden Rolle lesen lassen. Beim Zeichnen fällt einem dies und das in der Umgebung oder auch im Inneren auf, man notiert es und schreitet weiter. Alles bleibt im Fluss. Im Nachhinein kann man natürlich noch ein echtes „Kunstwerk“ draus erschaffen. Anne bietet dafür einen kurzen online-Kurs an (hier).

Meinen ersten noch unangeleiteten Durchgang machte ich an einem der letzten Februartage im Garten hinter dem Atelier. Ich schritt vorsichtig durch die schmalen überwachsenen Pfade und Treppen, blickte in grünes Gebüsch, auf leere Stämme, in Gezweig, auf Mauern….

Die dabei entstehende Kritzelei gefiel mir, und um besser zu verstehen, fotografierte ich alle acht Stationen – jede verteilt auf zwei Seiten des Leporello. Hier die beiden ersten.

Das nächste Leporello zeichnete ich in einem unbebauten grünen Gelände zwischen unserer Athener Wohnung und dem Stadtwald. Es gibt dort verwilderte Pfade, alleinstehende Bäume, Gerümpel, Blühendes. Diesmal sollten im zweiten Durchgang Abreibungen von Steinen oder Stämmen hinzukommen. Im dritten Durchgang ging es um Überkreuzungen und Verästelungen.

Detail mit Ölkreide, Frottage (Graphit) und Aquarellstift

Das folgende Leporello zeichnete ich, nachdem ich den Zustand im Atelier bemerkt hatte und um meine Nerven zu beruhigen, im Vorgarten des Hauses. Zu achten war im ersten Durchgang (dicker gelber Stift) auf den Boden, im zweiten Durchgang (feiner schwarzer Strich) auf das, was oben ist, und im dritten Durchgang (roter Aquarellstift) auf Einzelheiten wie Blüten, Blattwerk, Rinden.

Heute zeichnete ich ein Leporello in freier mixed-media-Gestaltung. Ich zeichnete zuerst mit einem Pelikankleber, warf dann zwei Handvoll gesammelter Erde drüber, notierte anschließend mit Kugelschreiber das Panorama, das sich vor meinem Atelier entfaltet. Dann markierte ich mit Blau und Grün die vorherrschenden Farben mit Aquarellstiften und wusch sie an.

Ausschnitt aus dem Leporello

Ich finde die Methode sehr anregend, sie hilft, sich der Bewegung anzuvertrauen, anstatt die Objekte anatomisch als erstarrte Welt wiederzugeben. Besonders die Überlagerung von drei Bewegungen mit drei verschiedenen Medien entspricht meiner Wahrnehmung im Alltag mehr als die übliche Entscheidung, mich auf ein Medium und einen Aspekt/Standort zu konzentrieren. Alles wird flüssig, bewegt, gestaltet und entstaltet sich gerade so, wie ich es empfinde, wenn ich in der Natur spazieren gehe.

Ich denke, ich werde noch einige Versuche in dieser Richtung machen. Im ergebnis erinnert mich manches an den amerikanischen Künstler Cy Twombly, den ich sehr schätze. (hier)

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Pause am Meer

Der Müllplatz mit den großen Recyclingtonnen befindet sich im benachbarten Ort am Meer. Nachdem ich mein Auto geleert hatte, schaute ich mich nach einer Sitzgelegenheit um. Nicht weit entfernt sah ich ein offenbar geschlossenes Strandcafe. Offen wäre mir lieber gewesen, denn mir stand der Sinn nach einer Kaffeepause. Doch auch so war es sehr schön, dem schnell wechselnden Licht- und Wolkenspiel über dem Meer zuzuschauen.


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Das Chaos bändigen. Kunstbuch No 17

Chaos in der Welt, Chaos im Atelier, Chaos auch hier bei WP. Dies ist mein dritter Anlauf, einen Beitrag zu schreiben.

Mein Tag war schwierig. Es haperte an allen Ecken und Enden. Im Atelier schuftete ich, um des Chaos Herrin zu werden, erlitt zwischendurch Heulattacken und tat mir herzlich leid, denn es ist das dritte Mal, dass das Atelier durch Überschwemmung oder Verrußung verwüstet wurde. Nach der Heulattacke folgte der Wutanfall, und ich war drauf und dran, rein Schiff zu machen und alles, aber auch alles auf den Haufen der zu entsorgenden Papiere zu werfen. Wäre es nicht wundervoll, wenn alle Wände weiß und alle Wände leer wären?

Plötzlich fielen ein paar verwaiste Schnipsel auf den Boden. Ich sammelte sie auf, besah sie mir und beschloss, diesen Unnötigsten des Unnötigen ein Kunstbuch zu widmen.

Am Abend faltete ich mir dann ein Mini-Zine und verklebte einige Schnipsel, übermalte sich mit schwarzem Filzstift und roten Buntstift. Voila! Das Chaos ließ sich bändigen.

Die Außenseiten:

aufgeblätterte Doppelseiten:

Einige Schnipsel blieben über, vielleicht mache ich noch was draus.

Eine große Fuhre mit durchnässten Papieren brachte ich zum Müllplatz. Im Atelier riecht es trotzdem noch muffig. Egal. Morgen sehe ich weiter.

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