25 (52) Wochen – ein Objekt: Der Kleine Prinz auf dem Granatapfelplaneten

Jeden Sonntag dasselbe Objekt in unterschiedlichem Surrounding zu fotografieren, war Wortmans Neujahres-Idee. Das Projekt ist nach einem halben Jahr zu Ende gegangen, aber ich mache weiter und lasse die Metall-Figur des Kleinen Prinzen weiterhin durch die Welt wandern.

Heute stand er still auf dem Granatapfelplaneten und beschaute traurig die herabgefallenen Früchte. Warum fielen sie ab und verfaulten sinnlos am Boden? „Die Früchte“, so belehrte ich ihn, „können nicht ausreifen, weil sie keine Sonne bekommen. Der Baum hat sich einen ungünstigen Platz gewählt. Aber nun ist er hoch gewachsen, und die Früchte ganz oben bekommen Sonne und können reifen. Komm, ich zeig sie dir!“

Und so stiegen wir die Treppe hoch und schauten von oben auf den Baum.

Sehen kann man diese Früchte, nicht aber pflücken, und so werden auch diese „sinnlos“ zu Boden fallen, fürchte ich. Zum Glück gibt es einen anderen Baum, der gut zugänglich ist. Und so konnte ich dem Kleinen Prinzen eine nähere Bekanntschaft mit der mythischen Frucht verschaffen. Was sie sprachen? Ich hörte es nicht, so viel ich auch lauschte.

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Sonntags ins Archiv: 25.10.: Zauber

Am 25.Oktober im ersten Jahr meines Bloggerdaseins – das war 2015 – . womit habe ich mich damals wohl befasst? Wie jeden Sonntag gehe ich ins Archiv und finde: treibende Blätter waren mein herbstliches Thema (hier).

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Es war ein zauberhafter Oktobertag, so lese ich. Ein Sonntag wie heute, doch nicht trübe, sondern blau und golden. Einige Menschen holten ihre Flügel aus dem Schrank und ließen sich über Land und Meer treiben. Ein leichter Wind blies von rechts, trieb sie in Richtung Vergangenheit.

Ich sah sie so treiben, und eine süße Nostalgie überkam mich nach den Sommertagen, die nun dahinschwinden.

Manche sagen, es seien Blätter gewesen, die der Wind dahintrieb.  Sie irren sich. Ich konnte sie deutlich erkennen. Schaut selbst. Es sind Leute wie du und ich, nur haben sie ihre Arme mit Flügeln vertauscht.

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Dieser Eintrag ist meine träumerische Antwort auf Brunis gestrige Frage nach dem: in welcher Form und wohin? wenn wir sterben.

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Abschied von „unserer“ Taverne, Erinnerungen

Sie war ein Viertel Jahrhundert lang unser zweites Zuhause und unsere Postadresse. Nun macht sie dicht. Die Betreiber fühlen sich zu alt, und die Nachkommen konnten sich nicht einigen. Die Kosten sind zu hoch, die Arbeit ist zu viel, es rechnet sich nicht. Heute nahmen wir dort unsere Henkersmahlzeit mit Artischocken und Erbsen, kleinen Fischen, grünem Salat.

Es wird schwer sein, diesen Verlust zu kompensieren. Ein wichtiger Aspekt meiner Lebenswelt verschwindet. Natürlich gibt es andere Tavernen, und zu Hause kann man auch gut speisen. Auch werden wir auf die ausgezeichnete traditionelle Küche der Wirtin nicht verzichten müssen, auf Bestellung wird man sich Gerichte abholen können.

Aber es ist natürlich nicht dasselbe. Die menschliche Umwelt wird verschwinden, und auch die Atmosphäre der Taverne mit ihren vielen wohlbekannten Besonderheiten wird mir fehlen. Und so betrachtete ich heute mit Wehmut den Tanz der Bananenblätter im leichten Wind, das Sonnendach aus vertrockneten Palmblättern, die abblätternde Wand mit dem Rohr, an dem eine Katze von der Terrasse vorsichtig herunterstieg, die roten Dächer vor dem Panorama des Meeres, die Sonnentaler auf dem Tisch, und ich lauschte auf die Stimmen in meinem Rücken: alte, junge und ganz junge.

Und mir war, als löste sich diese Gegenwart schon von mir ab, verschwand wie ein Zauber, der nun erlosch.

Ich habe ein paar Bilder zusammengesucht, die in dieser Taverne entstanden sind.

November 2024: Postadresse. Gerhards Keramikblätter kamen an. Viele andere Postsachen wurden hier zuverlässig abgeliefert und verwahrt. (Wir werden uns eine andere Postadresse suchen müssen.)

Mai 2019: Zeichnung von Gläsern und Wasserkaraffe

Wasserkaraffe und Glas

Immer wieder Dächer und Rosen vor dem Meer

unsere Mani, fortgesetzt b 025

Dächer und Rosen

Lesestunde

Zeichnung: Bananenblätter und verwelkte Rodsen (September 2018)

 

Mai 2022; Blumenschmuck mit Dora

Juli 2026: plötzlicher Sommerregen

 

Mai 2022. Bananenblätter luftbewegt

Zeichnung, Juni 2023: Rote Dächer vorm Meer

April 2020: im Blumenkasten gesehen

August 2026: Minizine rund ums Essen

Dezember 2025: Lichtspiele durchs Wasserglas

November 2024: Gastwirt und Rosenstrauß

Juli 2020: Sonnentaler ausgestreut

August 2020: Kaleidoskop, durchs Wasserglas gesehen

Ein Amaryllenstrauß, arragiert vom Wirt.

 

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Unser täglich Boot: Segel und Kutter

Eine knappe Doppelseite des Boots-Zeichenbuchs nimmt eine Zeichnung ein, in der das Boot ganz an die linke Seite gerutscht ist. Der Rest wird von einer geheimnisvollen Nachtszene eingenommen, in deren Zentrum ein Baumskelett steht. Das Opfer des Baumes, aus dem Boote gezimmert werden, ist eines meiner wiederkehrendes Themen. Träumte der Baum, in der Tiefe verwurzelt, von Himmeln, Vögeln und Insekten, so träumt er als Boot nun, unverwurzelt, von Wellen, Fischen und Meerestiefen. Als Vorlage benutzte ich ein eigenes Gemälde.

 

Ein Fantasie-Doppelsegel habe ich gleich zweimal gezeichnet:  einmal im Hochformat des Zeichenbuchs, ein zweites Mal im Querformat auf einem Extrablatt. Im ersten geht wenig Wind, das Boot gleitet ruhig dahin, die Segel sind kaum gebläht. Im zweiten hat es aufgefrischt, das Boot nimmt Fahrt auf und sucht die Weite. Mit Bleistift habe ich die Elemente Luft und Wasser hinzugefügt.

Die letzte Zeichnung entstand gestern vor Ort am Hafen von Kitries: der Bug eines Kutters schwankt zwischen Lichtwellen und Schatten. Das Haus ist hell von der Sonne beleuchtet, die Schatten wachsen, während ich zeichne,  von rechts und verdunkeln die Küste und ihre Spiegelung.

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Tagebuch der Lustbarkeiten. Mal wieder Kitries: Boote und Schwimmen.

Weit ist es nicht von mir bis zu dem kleinen Fischerhafen von Kitries „am Ende der Welt“. Die Straße endet hier, und alles scheint zum Stillstand zu kommen – außer den Booten im Hafen, die immer ein wenig schwanken, unruhig harrend, dass sie von der Leine gelassen werden.

Ich parke oberhalb des Dorfes und betrete einen uralten steinernen „Monopati“ (schmaler Weg), der hinab zum Hafen führt. Bei einer Kirche mache ich Halt, setze mich auf eine Holzbank und betrachte die grüne Tür in der grauen abweisenden Fassade, auf der die Glocke des primitiven Glockenturms ihren scharfen Schatten wirft. Dann beginne ich den Abstieg hinunter zum Hafen.

Unterwegs öffnet sich ein schöner Ausblick auf die Bucht und dann auch auf den Vorplatz einer Fischtaverne mit ausrangierten Fischerbooten als Schmuck.

Vorbei an den fast leeren Restaurants steuere ich den Hafen an, um mal wieder Boote anzusschauen, zu fotografieren und vielleicht auch zu zeichnen. Ich liebe all die unterschiedlichen Steven und Aufbauten, die Farben und Seile, das leise Plätschern und Schaukeln, das Glitzern des Wassers, die dunklen Schatten der bewaldeten Hänge, die diese Bucht abschließen.

Den ständig sich neu gestaltenden Spiegelungen zuzuschauen, finde ich außerordentlich entspannend.

 

Auf dem Rückweg springe ich noch schnell ins Meer und schwimme eine Runde, halte dann noch einmal beim Minimarket des Nachbardorfes, kaufe Joghurt, Karotten und Zitronen und bin erfrischt und glücklich.

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Zeichnen nach Modell und Straßenansichten

Gestern war wieder Modellzeichnen. Ich war etwas früher dran, und so zeichnete ich einige Köpfe der dort anwesenden Mitzeichner. Das erste Blatt verschenkte ich an die abgebildete junge Frau, das zweite Blatt behielt ich für mich.

Das Modell war neu: eine blasse junge Frau in dunkler Kleidung auf schwarzem weit ausladendem Ledersessel vor einem farbig angereicherten gleichgültigen Hintergrund. Das ist eine typische Situation ohne besonderes zeichnerisches Interesse.

Also machte ich als erstes eine Bleistiftzeichnung des Kopfes. In meinem Rucksack fand ich zwei Kreiden, die ich zum Kolorieren einsetzte, um das Gesicht ein wenig zu beleben.

Ich machte dann noch wenig motiviert eine Ganzkörperzeichnung, auch diese koloriert, brach dann ab….

und fuhr ins historische Zentrum von Kalamata. Dort traf ich meinen Mann, der eine Buchbesprechung besucht hatte, und wir setzten uns zwischen Springbrunnen und Laden, um Kebab und Gyro mit Pitta essen, ein Bier zu trinken und die Vorbeigehenden zu beobachten. Natürlich waren darunter auch Bekannte…

Zwei Ansichten des historischen Zentrums hatte ich am Mittag gezeichnet:

Die Inschriften der Geschäfte:

ΑΜΕΡΙΚΗ ΑΓΟΡΑ

  ΥΠΟΔΗΜΑΤΩΝ

„Αmerikanischer Markt für Schuhe“ (υποδήματα / ipodimata ist der gehobene Ausdruck für Schuhe, gewöhnlich heißen Schuhe παπούτσια / paputsia). Hier kann man für wenig Geld unter anderem die bei Touristen beliebten Riemchensandalen aus Rindleder bekommen.

ΚΡΕΟΠΟΛΕΙΟ

Metzgerei, wörtlich: „Fleischverkauf“. Ein traditioneller Laden, eng und unterkühlt, wo das Fleisch auf hölzerner Platte zerhackt und zugeschnitten wird. Größere Stücke und ganze Tiere hängen an Fleischerhaken.

Ich zeichnete gestern übrigens auf Packpapier, wie es in Fleischereien benutzt wird. Es besteht aus einseitig plastiziertem leicht gauem Papier. Ich ziehe es der allzu weißen und teuren Zeichenpappe vor.

 

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Kalenderblätter 12.-17.10.: Herbstlicher Verfall

Auf meinen Kalenderblättern geht es mit dem herbstlichen Verfall bunt und übermütig weiter.

Ein paar Details habe ich wieder herausgesucht. Hier sieht man, wie der Oktober allerlei Abgefallenes übereinander schichtet und mit seinem knallblauen Himmel übermalt.

Manches vermodert. Was eben noch fest war, wird wieder abgerissen, und frischer Abfall legt sich darüber.

Die blutrote Sonne wird von Gewölk eingefangen und muss ebenfalls sinken. Da hilft kein Ach und Weh.

Blutstropfen am Boden zeugen vom Sonnentod.

Ja, ja, der Jammer ist groß!

Natürlich übertreibe ich. Wo Verfall ist, ist auch Neubelebung. Nichts geht zu Ende, und unsere liebe Sonne geht am Morgen wieder auf, sofern wir uns lieben.

 

 

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Dienstags-Drabble: Hitlers Aufstieg kurzgefasst (kata-strophisch)

Ich sah eben im TV eine Dokumentation zu Hitlers Aufstieg, beginnend mit dem 1. Weltkrieg, endend mit dem Jahr 1933.  Dabei machte ich mir ein paar Notizen. Die habe ich dann noch gereimt, und fertig war das kata-strophische Drabble zu Wortmans Wörtern.

 

Dreck – Kunde – legal

 

It’s economy, stupid!

Sie gaben ein Gewehr ihm in die Hand

Und sagten ihm: nun kämpf fürs Vaterland.

Nun töte deinesgleichen, ohne Scham

Das Mordverbot, das ist veraltet, Kram.

*

Wie ist er an die Macht gekommen? Ganz legal.

Fritz Thyssen dacht bei sich, es ist doch scheißegal

Was dieser Kunde für ein Dreckskerl ist

Was für mich wichtig ist: er ist kein Kommunist.

*

So ähnlich dachten auch die IG Farben

Die mit dem Butterfarbstoff Arbeiter verdarben.

Die eine Hand kann eine andre waschen

Und Geld kann wandern zwischen vielen Taschen.

*

So kam er plötzlich an die Macht.

Wer hätte das von ihm gedacht?

 

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Unser täglich Boot: 6 Zeichnungen nach eigenen Gemälden

Diesmal gehe ich wieder der „Architektur“ früher gemalter Bilder in einfachen Schwarz-weiß-Zeichungen nach.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Ausflug nach Ag. Nikolaos

In Ag. Nikolaos – einem ehemaligen Fischerdorf, jetzt vor allem auch touristischer Ort – haben sich Mutter und Tochter aus weit zurückliegenden Frankfurter Kinderladentagen einquartiert, und ich fuhr heute bei Bestwetter hin, um sie zu besuchen. Die Tochter hatte ich zuletzt vor 50 Jahren gesehen, da war sie 7, also gab es eine Menge an Gesprächsstoff nachzuholen. Schwimmen waren wir natürlich auch, und es blieb noch Zeit, um in einer Strandtaverne unter dichtem Weinlaubdach zu speisen, bevor ich mich auf die Rückfahrt machen musste. War schön!

 

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