Mittags und abends vorm Badezimmerspiegel, Varianten in Kuli, Kohle, Bleistift und Fotoshop

Hallo Susanne (hier)! Noch ein Versuch, mich selbst schnell zu portraitieren. Dieses Mal habe mich bei Tageslicht vor den Badezimmerspiegel gestellt. Es kommt durch ein kleines hochgelegenes Fenster und ist ziemlich dürftig, doch kann man mehr erkennen als bei Kunstlicht. Daher wurde mein Portrait diesmal ziemlich detailliert und leider nicht spontan-witzig, sondern bemüht, was mir nicht so gefällt. Außerdem ist es nicht ähnlich.

Vor allem gefallen mir die harten Kugelschreiber-Striche nicht, jedenfalls nicht, wenn ich sie „beschreibend“ wie hier verwende. Also nahm ich Kohle und schwärzte das Gesicht dort, wo die Schatten am stärksten waren. Nun sah es so aus.


Zufrieden war ich nicht, also nahm ich einen relativ weichen Bleistift zu Hilfe und vertiefte den Schatten.


Schließlich nahm ich meine Zuflucht bei Fotoshop und benutzte einen Filter, der die dunklen Passagen zusammenfasst. So kommt es meiner Vorstellung von mir selbst schon näher.

Am Abend habe ich dann gleich noch mal mit Kohle nachgesetzt. Die Zeichnung ist viel besser geworden, aber ein Selbstportrait ist es wirklich nicht geworden. Also poste ich es nicht. Doch interessant ist, meine ich, die Art, wie die Augen gezeichnet sind.Da sieht man, warum ich die Kohle liebe.

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Selbst vorm Badezimmerspiegel, abends, mit Kugelschreiber

Ach, liebe Susanne, du bist schuld, du hast gemeint, ich solle es auch mal mit dem Füller probieren.

Susanne Haun schreibt:


Wollen wir beide die Bedingungen verschärfen? Ich nehme morgen früh Kohle und du einen Füller und das gleiche nochmal? 🙂
LG Susanne

Das Ergebnis? Sieh selbst. Ein Gutes hatte das Experiment: die Frau im Spiegel wurde immer jünger und guckte mich am Ende ganz entspannt, fast freundschaftlich an.  Und sprach:  „Ich bin die Sechzehnjährige in dir, nett, dass du mich aus den Schichten des Lebens ans Licht gegraben hast“.


Die Zeichnungen entstanden nicht am Morgen, sondern am Abend vor dem Badezimmerspiegel, auf halbiertem DINA4-Schreibmaschinen-Papier. Das Zeichengerät war ein weich fließender Kuli. Einen Füller habe ich nicht.

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Abstraktes (Freitags-Dialoge fortgesetzt)

Ich mag solche abstrakten Gebilde, bei denen die Thematik völlig frei gestellt ist. Auch ohne Themenvorgabe vermittelt ein Bild ja visuelle Eindrücke, die sich mit Gefühlen, Gedanken, Erinnerungen, Gerüchen, Klängen, Beziehungen, Wörtern, Situationen verbinden – ganz ähnlich wie bei der Musik. Es ist nur in sehr geringem Maße das Thema (zB „Eine kleine Nachtmusik“), durch das die Musik sich mit dem gesamten Erleben des Menschen verbindet. Vielmehr es ist die Abfolge von Klängen, die „Musik pur“, die im Menschen etwas „auslöst“. So denke ich, ist es auch bei der bildenden Kunst. Linie, Farbe, Form sind es, die zu mir sprechen, mich mitgehen heißen auf dem Weg ihrer Abenteuer.

Beide Bilder  sind in dieser Woche mit Kohle und Kreppklebeband auf Papier (50 x 70 cm) entstanden. Wer Lust hat, sich auf sie einzulassen, wird merken, dass die beiden ganz verschiedene Geschichten erzählen, als seien es Szenen auf einer Theater-Bühne  – und so sind sie eigentlich auch Vorlagen für die Freitags-Dialog-Übungen.  Wenn du magst, erzähl doch einmal, was sich zwischen den „Figuren“ auf dem Bild abspielt….

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Freitag: Dialoge erfinden

Schade, dass die Dialog-Etüden, die ich im März (hier) anregte, so schnell versandet sind. Natürlich bin ich selbst dran schuld. Ob ich sie mit dieser flüchtigen Skizze wohl wieder anregen kann? Ich würde mich freuen, wenn sie dich zu einem kleinen oder großen Scetch animieren würde.  Wo befinden sich die Personen? Gibt es einen Konflikt? Wer spricht? Dergleichen halt. Lockeren lockenden Erfindungsgeist wünsche ich dir!

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Auf nach Olympia!

Apoll beruhigt die mit Zentauren kämpfenden Lapiden. Westgiebel des Zeustempels von Olympia

Gestern hatte eine Freundin Geburtstag und wünschte sich, mit mir und einer Dritten nach Olympia zu fahren. Gute Idee! rief ich begeistert, denn ich war seit Jahr und Tag nicht mehr dort gewesen. Und so trödelten wir los, durchfuhren das herrliche messenische Fruchtland, ergingen uns ein wenig an den endlosen Sandstränden von Elis, erkundeten die Kur-Anlagen beim See Kaiaphas, wο es eine Heilquelle gegen alle möglichen menschlichen Leiden gibt, bogen auf die Straße nach Olympia ein, überquerten auf einem Staudamm den göttlichen Alpheios und landeten schließlich vor dem großen hellen Bau des Museums von Olympia.

Der Stand von Elis, bei Elaia. Westküste der Peloponnes

 

Blick vom Sanatorium auf den Kaiaphas-See

Staudamm am Fluss Alpheios, nahe bei Olympia

O ihr Götter! Herrlich seid ihr, und die Menschen wussten euch darzustellen. Am schönsten gelang es wohl  Praxiteles mit dem Hermes (ca 320 v. Chr), der mit der einen Gesichtshälfte lächelt, mit der anderen so traurig aussieht, dass man das Schlimmste für die Entwicklung der Welt erwarten darf. Auf dem Arm hält er den neu geborenen Dionysos (den „zweimal Geborenen“).

Ich habe so gut es ging fotografiert, was mir vor die Linse rückte, aber leider gelang es nicht immer. Zu hoch oben, zu hell beleuchtet … Fotografisch am befriedigendsten sind  die nahegerückten Detail-Bilder (bitte anklicken zum Vergrößern).

Die griechische Klassik fand in der Zeit der römischen Imperatoren eine Fortsetzung. Wieder waren es griechische Bildhauer, die die Werke schufen, aber sie mussten dem Geschmack der neuen Zeit folgen, und der hieß: größer, naturalistischer, persönlicher,pompöser. Ich mag diese übertrieben grandiose Kunst nicht besonders, zeige euch daher nur die marmornen Brustpanzer des großen Liebhabers griechischer Kultur, Kaiser Hadrian, 

und den Panzer von Kaiser Titus, dem  Zerstörer Jerusalems.

Schließlich gingen wir noch auf dem riesigen Ausgrabungsareal spazieren. Am eindrucksvollsten waren die alten Bäume, die hier groß und wohlgestaltet wachsen dürfen, wie es ihrer Natur entspricht – sei es nun die Eiche oder die Pinie oder der Olivenbaum.

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Selbstbildnis im Badezimmerspiegel

Susanne Haun (hier) hat uns animiert, uns an einem schnellen Selbstportrait vorm Badezimmerspiegel zu versuchen. Mut hat auch der kleinste Muck, sagte ich zu mir, schlug mir ermutigend auf die Schulter, griff mir eine angegilbte Pappe und ein Stück Kohle und zeichnete mich im trüben Licht, das von oben und von vorn mein Morgenmuffelgesicht bestrahlte. Ich fand die Bedingungen wenig geeignet, um mir in die Seele zu schauen. Aber Spaß hats doch gemacht.

 

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Gelbes Feld

Nadia Baumgart, deren beschwingte Aquarelle mir sehr gefallen, zeigte gestern ein „gelbes Feld“ (http://nadiapittura.com/2017/05/21/gelbes-feld/).  Es erinnerte mich an die heimatlichen Rapsfelder. Und da fiel mir ein eigenes Bild mit demselben Titel ein: „Gelbes Feld“. Es ist ein „Grabungsfeld“, gemalt habe ich es im Jahr 2008 mit Akryllpigment auf Leinwand. Das Format ist 70 x 100 cm.

„Gelbes Feld“, (c) Gerda Kazakou, 2008

 

 

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Kata-Strophe: Die Verwandlung des Pan! (Mitmachblog und abc-etüden)

Verwandlung ist das Wort der Woche beim Mitmachblog (hier)

Und die drei Wörter Pusteblume, Käsehobel, Versteigerung, gespendet von Andrea aus Bremen, bebildert von lz und angepriesen von Christiane suchen Schreiberlinge für die abc-etüden (abc-Geschichtenschreiber https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/05/21/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-21-17-wortspende-von-andrea-aus-bremen/)

Da dachte ich mir: Spare Zeit und Kraft und mach’s in einem Aufwasch.

Und so heißt meine Kata-Strophen-Etüde diesmal: Die Verwandlung des Pan.

Die Verwandlung des Pan.

Ein Geißbock, o weh, saß in den Wiesen

Voller Pusteblumen die machten ihn niesen.

Er nahm den Käsehobel zur Hand, o Graus

Und machte den Pusteblumen den Garaus.

Als er die Wiese so verschandelte

Der Geißbock sich verwandelte.

Er wurde ein Picasso-Bild

An dem hing dran ein kleines Schild:

Höflich werden gebeten

Bewerber anzutreten.

Die Versteigerung ist von Mitternacht

Bis morgen früh um halbe acht.

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Spiraliges (Kohlezeichnung)

Organisches zeichnete ich gestern, eingekastelt, verschachtelt. Heute wurde es spiralig. Und Verehrer fanden sich auch.

Zuerst war es nur ein Pfeifenkopf, der der Spiraligen seine Reverenz erwies.

Dann wurde der Pfeifenkopf zu einem gewichtigen Herrn. Ein weibliches Pendant wuchs gegenüber herauf: eine sich windende junge Dame. „Wer weiß, was daraus werden will, wer weiß, was daraus wird.“ (Ach lieber Schuster du…)

Es wurde was draus. Aber das ist für morgen. Gute Nacht allerseits!

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eingeschachtelt

Heute mal wieder eine Kohlezeichnung. Eingeschachtelt, eingespannt ist die organische Form. Es ist eine Idee, die mich beschäftigt.

Hier ein paar Detailaufnahmen (zum Vergrößern anklicken).

Kohle und etwas Klebeband auf Papier.

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