Ein kleiner imaginärer innerer Dialog zu deinem Mosaikstück „Durststrecke“, liebe Myriade. Mit Original-Einlagen von Saint-Exupery, „Der Kleine Prinz“ in der Übersetzung von R. Strassenburg (kursiv) und Collagen mit Philippe. Denn der kleine Prinz verstand etwas vom Durst, und wie er zu löschen sei.
***
Halte durch, es ist nicht mehr weit, danach winkt der Lohn! Es warten die erfrischende Quelle, die lachenden Freunde, das warme Bad, das weiche Bett und ein Schlaf, in dem du die durchlittenen Stunden vergessen wirst! –
Ja, wenn es so ist, dann will ich den Durst gern ertragen. Dann ist er eine Prüfung, deren Happy End schon geschrieben steht. –
Wenn es aber nicht so ist? Wenn alle nur ihrem unseligen Ende zutaumeln, jeder verdurstend auf dem Weg in sein Eldorado, wo ihn das Echo begrüßt, das ihm die eigene Stimme zurückwirft? –
Der kleine Prinz bestieg einen hohen Berg. – „Von einem so hohen Berg“, sagte er sich, “ werde ich den ganzen Planeten und alle Menschen auf einmal sehen …“ Aber er sah nur die Spitzen von scharfen Felsen.
– „Guten Tag“, sagte er auf gut Glück.
– „Guten Tag … Guten Tag … Guten Tag …“, antwortete das Echo.
– „Wer seid ihr?“, sagte der kleine Prinz.
– „Wer seid ihr … Wer seid ihr … Wer seid ihr …“, antwortete das Echo.
– „Werdet meine Freunde, ich bin allein“, sagte er.
„Ich bin allein … Ich bin allein … Ich bin allein …“ antwortete das Echo.
(Saint-Exupery, Der kleine Prinz)
Was ist das Ziel der Durststrecke? Wohin führt sie? –
– „Sie kommen schon zurück?“, fragte der kleine Prinz …
– „Das sind nicht dieselben“, sagte der Weichensteller. „Sie wurden ausgetauscht.“
– „Waren sie nicht zufrieden, dort, wo sie waren?“
– „Man ist niemals dort zufrieden, wo man ist“, sagte der Weichensteller.
Warum nehme ich die Durststrecke auf mich? Gezwungenermaßen? Oder aus eigener Wahl? –
Ich sehe Menschen, die das Äußerste von sich verlangen, um ein vorgesetztes Ziel zu erreichen. Sie wandern durch die Kontinente, überqueren die Meere, trainieren mit schmerzenden Gliedern, springen und fallen und stehen wieder auf, um erneut zu springen, zu fallen …. Es muss doch gelingen! Es muss! Die Medaille winkt! Es winkt auch der Ruhm, vielleicht auch das Geld.
Und es gelingt. Manchen gelingt es.
Und dann? Es gibt Lorbeeren, um sich drauf auszuruhen. Vielleicht. Doch nicht allzu lange. Ein neuer Vorsatz muss her, noch schwerer zu verwirklichen muss er sein als der erste. Mit einer längeren Durststrecke, unbedingt. Ja, das muss sein. Sonst entsteht eine Leere, in der die Frage des Abgrunds auftaucht: Wozu, weshalb?
– „Die Menschen bei dir“, sagte der kleine Prinz, züchten fünftausend Rosen im gleichen Garten … und sie finden nicht, wonach sie suchen …“
– „Sie finden es nicht“, antwortete ich …
Durststrecke.
Wunderbar möge der Lohn sein. Und wenn nicht im Diesseits, dann dort, wo die Rosen dir zulächeln, wo schöne Jungfrauen dir den Trank des ewigen Lebens reichen und Gottes Engel zu allen Dürstenden sagen: Du bist willkommen. Trink, bis du satt bist.
– „Mich dürstet es nach diesem Wasser“, sagte der kleine Prinz, „gib mir zu trinken …“


























































