Kannenplausch fortgesetzt

Nachdem ich allerlei Tagesgeschäften nachgegangen war, zog es mich unwiderstehlich in das Zimmer, wo ich die Kannen zurückgelassen hatte. Ich machte Licht an und staunte: die Szenerie hatte sich gründlich verändert. Emma und Erna, ihres Zeichens Hauspersonal, waren in der Küche verschwunden, und der kleine Max war schlafen gegangen. Stattdessen hatten sich zwei recht dicke dunkel gewandete Damen zum Plausch eingefunden. Die eine war eine schwere schwarze Gusseisenkanne namens Waltraud, die andere eine sehr gewöhnliche dunkelgrüne Teekanne aus Ton, die sich praktischerweise Toni nannte. Neben der eleganten Friederike hatte sich ein langweiliger  Herr in blauem Anzug und mit schwarzem Hut aufgestellt, seines Zeichens Thermoskanne. Sein antikisierender Name: Themistokles (der, der die „hölzernen Mauern“, nämlich Schiffe baute, um den Angriff der Perser abzuwehren).

Diese vier also standen recht gedrängt rechts im Bild. Ich hörte Waltraud und Toni tuscheln und zischeln, doch was war es, was sie in Unruhe versetzte? Von links schritt eine orientalische Kanne mit weit ausladendem Schnabel heran. Ein Mann, und zwar kein langweiliger, sondern einer mit schlanker Taille und glänzendem Outfit! Ein Perser etwa? Friederike begann schüchtern zu glänzen. Da bahnte sich ein amouröses Histörchen an, keine Frage! Fraternisierung mit dem Feind? Wie würde es ausgehen?

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Tagtägliche Zeichung: Kannenplausch

Ulli schrieb in ihrem Kommentar zum Gestrigen: „…dass für mich Kannen starke Charaktere sind, ich sehe sie oft als „Typen“ und frage mich nun, ob das aus der Kindheit kommt, ob es dort sprechende und schauende Kannen gegeben hat.“ – Gerhard vermutete gar „schwadronierende“ Kannen, doch Ulli verbesserte in „Plauderkannen“. Wie auch immer.

Ich beschloss, sie heute, ohne Störung durch andere Wesenheiten, unter sich zu lassen und sie zu belauschen, die Kannen und Kännchen meines Haushalts.  Gewöhnlich stehen sie ja nicht beisammen, außer des Nachts, wenn es keiner bemerkt. Heute aber rief ich sie zu einer Versammlung. Fünf meldeten sich zur Stelle: die dicke rote Kanne zum Erhitzen von Wasser namens Emma, die gläserne Kanne aus der Kaffeemaschine, die sich als Erna vorstellte, die graue Steingutkanne Kurt mit traditioneller blauer Bemalung, sowie die euch schon bekannte hohe Zinnkanne Friederike und das Zinnkännchen Maximilian, der Max gerufen wird. Ich durfte ihre Bäuche, Schnullen, Tüllen, Henkel und Deckel in meinem neuen Block zwar zeichnen, doch wollten sie nicht, dass ich ihre Unterhaltung öffentlich machte. Und natürlich respektiere ich das.

bei Lampenlicht gezeichnet, bei grauem Tageslicht fotografiert

Hier noch fünf Bearbeitungen.

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Tagtägliche Zeichnung: Annäherung mit Schiff und Zinnkännchen

Auf recht kleinem Block machte ich heute weiter, fotografierte die Zeichnung dann draußen bei bedecktem Himmel. (Das Kissen stammt übrigens aus Madaba, Jordanien, wo die berühmten Mosaiken der St. Georgs-Kirche als Stickereien nachgebildet werden).

Annäherung

Von links kommt der Wichtel in einem Zinntöpfchen angesaust, von rechts tuckert Pfeifenköpfchen heran. Eine durchsichtige Kristalleule macht sich im Zentrum Gedanken. Die beiden langen Burschen aus Afrika beschauen sich das Ganze von oben. (Wer mehr  über die beiden Zwerge namens Axel Kinkelknut und Mme Pfeifenkopp wissen möchte, kann mal hier nachschauen)

Obgleich die Zinnkanne, das Boot und der schwarze Lampenfuß größenmäßig dominieren, haben sie nicht das Sagen. Anscheinend gibt es auch in der unbelebten Welt eine Hierarchie: was Augen hat, hat Vorrang. Wir trauen ihnen ohne weiteres Gedanken, Worte und Taten zu. Denn wir projizieren auf irgendwie menschen- oder tierähnliche Dinge leichter als auf solche, die augen-, mund- und ohrlos still und in sich geschlossen vor sich hinleben. Erst wenn das Boot brummt, die Kanne dampft, der Schöpfköffel schöpft, die Mandarinen rollen – wenn sie etwas TUN – , bekommen sie für uns Lebendigkeit.

 

Ich habe dann noch etwas rumprobiert, ob ich eine Variante finde, die weniger projektiv ist und mehr dem stillen Sein der Dinge entspricht. Vielleicht diese?

Hier noch drei farbige Varianten, hergestellt durch Verstärkung und Verschiebung der Farben, die auf der obigen Bleistiftzeichnung vorhanden sind, aber normalerweise unsichtbar bleiben.

 

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Tagtägliche Zeichnung. Vorhang auf für Pfeifenköppchen

Mein Zeichenpapier ist mir ausgegangen, ich fand heute nur einen etwas gelbstichigen dünnen Bogen in der Größe 50×70. Aber meine alltägliche Zeichenübung mit alltäglichen Gegenständen wollte ich doch machen und euch zeigen, wenngleich leider auch das Foto zu wünschen übrig lässt.

Und was zeigt die Szene? Zwei lange Kerle aus Afrika in traditioneller Gewandung*, eine Spielzeugeule und eine Eule aus Kristall vor einer Schöpfkelle (ja, auch ich habe eine, liebe Chrinolo, wenn auch nicht so eine elegante wie du!), zwei Mandarinen, eine Zinnkanne, die meinem Vater gefiel und die ich in Ehren halte, und im Zentrum eine Yin-Yang-Kerze mit zwei Dochten, aus der das Pfeifenköpfchen herausspaziert kommt. Hier siehst du sie noch mal von näher.

*Diese kleine Skulptur habe ich schon mal verwendet, dort seht ihr sie auch als Foto. https://gerdakazakou.com/2018/03/19/ein-schwan-aus-filz-bleistiftzeichnung/

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Im Stadtwald, heute, gegen 17 Uhr

Man schaut über Athen und das südliche Attika  hinweg und hinüber nach Ägina und der Peloponnes. Der Saronische Golf glänzt in der Ferne (links unten). Hier ein Bildausschnitt.

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Tagesende

Der feurige Fleck unten ist die Sonne.

 

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Tagtägliche Zeichnung: Eule, Zwerge, Muschel, Zapfen und mehr

Endlich nehme ich wieder meine gute alte Gewohnheit auf, täglich zu zeichnen. Jedenfalls ist das meine Vornahme, die, so hoffe ich, nicht den Weg zur Hölle pflastern wird. Unter dem Motto „Alltag“ will ich wieder zeichnen, was mich umgibt.

Heute sind es alte Bekannte, die noch von früheren Stillleben-Zeiten beisammenstanden und sich über meine erneute Aufmerksamkeit freuten: Der Zwerg in der Muschel, die vielleicht seine Eierschale ist (wie werden Zwerge geboren?) – das Pfeifenköpfen in freudiger Erwartung, dass er sich emanzipiert – die Eule als Großvatergeist – die Pinienzapfen als Stützen, das Ganze flankiert von der Yin-Yang-Kerze rechts und einer handgewerkelten Metalllampe links. Unten ein blumenbesticktes Deckchen, oben viel freier Raum.

Hier gibt es nun noch zu sehen: einen Bildausschnitt und Bearbeitungen. Bei den farbigen Varianten handet es sich nur um eine Verstärkung und leichte Verschiebung der Farben, die beim Fotografieren von Schwarz-Weiß-Zeichnungen entstehen. Die SW-Zeichungen enthalten dieselben Farben, nur schwächer. Beim letzten Bild habe ich den Filter „film grain“ benutzt, er hebt die Unregelmäßigkeiten der Beleuchtung der weißen Fläche plastisch hervor.

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abc-etüde: Metamorphose des Knirpses (Strophen)

2. Fortsetzung des Knirps-Abenteuers. abc-etüde, betreut von Christiane, Wörterspende von Wortgerinnsel. Bisher sind erschienen:

Die Metamorphose

„Zwölf fünfzig, schwarzer Schirm“, notiert sie
Ins Tagebuch, daneben kommentiert sie:
„Der Knirps ist gar nicht mehr der Alte
Wenn ich ihn auseinanderfalte
Schaut er griesgrämig und verdattert
Er ist ganz faltig und zerflattert.
Hier spießt ein Eisen, dort knickt er ein
Er möchte wohl bei seiner Schlampe sein.
Doch das kommt gar nicht in die Tüte.
Ein Zirkusschirm, du meine Güte!
Ein Knirps in Freiheit, wie grotesk!
Das wäre wirklich kafkaesk.

Die Knirpse sind auch gar nicht mehr modern
nen Regenschirm hingegen tragen Damen gern.
Den Knirps den werde ich entsorgen
Am besten heute oder morgen.“

Der Morgen kam, der Morgen ging.
Gerlinde ganz vergaß das Ding.
Sie nahm den Schirm und reiste los.
Wie ging es unsrem Knirpse bloß?

Er träumte von der Welten Fülle
Und litt in seiner engen Hülle,
Wie eine Puppe, die sich sehnte
Nach Freiheit und sich wand und dehnte
Und dachte schon: „Jetzt werd ich Falter,
doch leider werd ich alt und alter
und nichts geschieht, nur Motten kommen
haben mich in Besitz genommen.“

Heimkehrt Gerlinde, sieht ihn an mit Graus
Und schafft ihn schleunigst aus dem Haus.

Ist das das Ende? Aber NEIN
Das Ende kann es doch nicht sein!
Den Schirm den findet die Frau Käthe
Sie mag den Stoff, sie trennt die Nähte
Und schnippelt hier und schneidet dort
Ein Lampenschirm entsteht sofort.
Und für die Susi eine Hose
In leuchtend Rot wie eine Rose.
Ihr Stand am Markt ist wirklich doll
Mit Lampen, Broschen, Krimskrams voll.
Der Knirps, als Hose und als Lampe
Träumt nun ganz friedlich von der Schlampe
Die erst ihn stahl und dann entschwebte
In Himmelshöhn.
Ach dass sie lebte!

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Farbiges Bild in Schwarz-Weiß (o.T.)

Für dieses Bild habe ich Wandfarbe auf Leinwand geschüttet. Da mir heute nicht nach Farbe ist – es ist auch duster draußen -, präsentiere ich es in Schwarz-Weiß.

Umgedreht gefällt es mir auch.

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Montags ist Fototermin: Athen von Monastiraki bis Kerameikos.

Athen ist die verrückteste Stadt der Welt, denke ich manchmal. So ein buntes Durcheinander, in einander verschlungen, versunken, zerbröckelnd, geschichtsvergessen, mit so vielen Schichten, Geschichten, Gesichtern, alten und sehr alten und jungen und grad erst entstehenden.

Ich trete aus der Metrostation Monastiraki und halte Ausschau nach der Freundin, mit der ich verabredet bin – Menschengedränge, bunt die Luftballons, das Obst, die Laune – da ist sie ja! Wir bummeln durch die Budengasse, blättern ein wenig in alten Büchern, wundern uns über Schlangen vor einer Tür: Illusionstheater! es ist Samstag, und viele Eltern sind mit ihren Kindern unterwegs. Eine durchsonnte Ecke mit Tavernentischen, sollen wir? Nein, wir lassen uns weiter treiben, vorbei am antiken Friedhof, an einer Wand mit immer wechselnden Spraybildern, an Keramikwerkstätten museal renoviert, drinnen basteln Kinder, vorbei an der Synagoge, dem modernen Hamam, dem stillgelegten Gaswerk, das nun ein Kulturzentrum der Stadt ist, landen schließlich im Museum für islamische Kunst, im Untergeschoss die meterdicken Befestigungswälle der Stadt Athen, die sie baute, um Alexanders Heer standzuhalten, oben im 5. Stock ein Imbiss mit weitem Rundblick über die Stadt, die sich unter unseren Füßen chaotisch auftürmt, gekrönt von der Akropolis, dem Grabmal des Philopappos, dem Kirchlein Ag. Giorgos auf dem Lykabettos, und dahinter die kahlen Hänge des Hymettos-Gebirges.

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