Kalenderblätter 1.-3. Februar 2026: Zitrone und Kiwi

Ein neuer Monat – ein neues Thema? Ich habe vor, mich diesmal auf Naturgegenstände,  – linien und -strukturen zu konzentrieren. Und so begann ich mit Früchten in meiner Hand.

Ich studierte das Innenleben der aufgeschnittenen Zitrone und Kiwi und die narbige Außenhaut der Zitrone. Auch die Hand gehört zu den „Naturgegenständen“, der ich immer wieder gern meine Aufmerksamkeit zuwende. Es gibt so viele Möglichkeiten, eine Frucht zu halten! Bei No 1 bildet die Hand mit den Fingern einen offenen Korb, bei No 2 habe ich die Frucht auf ein Zeichenheft gelegt und nur mit den Fingerspitzen berührt, um den Eindruck des Ertastens der Oberfläche zu erwecken, bei No 3 ist die Hand fester geschlossen, um beide Fruchthälften sicher zu halten und sie unterschiedlicher Beleuchtung auszusetzen.

 

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Dienstags-Drabble: Journalistenschelte (kata-strophisch)

Dienstagsdrabble: Zu schreiben ist ein Text von 100 Wörtern, in dem die von Wortman vorgegebenen Wörter Quast – jubeln – schräg vorkommen. Und gereimt soll er auch sein – so meine eigene Vorgabe.

Schreib was! (Glasscherbenbild)

 

Journalistenschelte 

Verdammt verquast scheint mir das Ganze!

Ganz ohne Ross und Reiter zu benennen,

auch ohne selbst den Hintergrund zu kennen,

bricht er für Scheinwahrheiten seine Lanze!

 

Ist es nicht schräg, wie er sich laut mockiert

Wenn jemand anders denkt als er?

Dann fragt er spöttisch: vielleicht kennt den wer?

Vielleicht hab ich hier etwas nicht kapiert?

 

Wenn etwas in den Kram ihm passt

Dann jubelt er und preist des andern Wort

Dann reißen ihn die Lobeshymnen fort

Doch weh den Fakten, die er herzlich hasst!

 

Die sind ihm eine Last.

Er holt den Kleister

Wortklebermeister!

Wozu gibt es den Quast!

 

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Neue Rubrik: Blog-Resonanzen, auch zum Weiterspinnen 1). Engel

Ich verwende recht viel Zeit auf das Lesen von Blogs. Warum tue ich das? Es gibt mir vielfältige Eindrücke davon, womit sich andere Menschen (insbesondere in Deutschland) befassen, was sie ängstigt, was sie erhoffen, wie sie Eindrücke verarbeiten, in welcher Weise sie selbst am Weltgeschehen mitwirken… Ich kann ein Stück mit anderen reisen, werde mit Geschichten, Gedichten, Künstlern, Ansichten, Absonderlichkeiten und Absurditäten bekanntgemacht und vieles mehr. Manchmal notiere ich etwas davon in mein „normales“ Tagebuch, aber das meiste geht vorbei, ohne tiefere Spuren zu hinterlassen.

Nun habe ich mir überlegt, ab und zu das, was mir besonderen Eindruck machte, hier in meinem Blog wiederzugeben – samt der Resonanz, das in es mir auslöste. Mal sehen, womit ich heute beginne….

Also, am besten beginne ich heute mit etwas Erfreulichem.

Ich freute mich heute besonders über eine Bildserie von Susanne Haun aus Cadiz (hier). Denn Susanne erzählt dort in Bildern von einer Stadt, die ich im Oktober 2023 selbst besuchte. Natürlich stiegen mir eigene Erlebnisse aus der Erinnerung herauf, und ich suchte nach eigenen Fotos von damals (hier und hier und hier)

Da fiel mir ein, dass ich damals, als ich in Cadiz herumspazierte, auch an Susanne und ihre Engel dachte. Ich schrieb: „Eine geniale Engelmalerin ist Susanne Haun. Ihr letzter Engel hält ein Stundenglas. An Susanne musste ich auf meiner Andalusienreise oft denken, wenn ich vor einem der vielen Engel stand. Wie würde sie sie mit ihrer immer geschmeidigen, manchmal ins Groteske gehenden Linie auf Papier bannen?“ (hier)

Einige der Engel, die ich in Cadiz fotografierte:

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Susanne kommentierte unter meinem Blogeintrag: „...Ja, im Moment erscheinen mir die Engel als ein Thema, an das ich mich wieder einmal abarbeiten möchte. Angesichts der Weltlage erschien mir gerade der Engel mit dem Stundenglas passend.“ 

Das nun wieder löst bei mir eine ganze Gedankenkette aus. Denn seit dem Oktober 2023 ist ja vieles geschehen und hat uns fast überrollt. Der Sand rinnt mit beschleunigtem Tempo, so scheint mir oft, in den unteren Teil des Stundenglases, und enger wird der Spielraum, der uns Menschen geblieben ist, um uns zu besinnen. Aber sollen wir uns deshalb der Verzweiflung überlassen?

Kopie und digitale Bearbeitung von Dürers Engel Melancholia

O nein!

abc-etüde (Dezember 2018)

Der Engel mit dem Bogen

Wenn finstre Wolken dir das Licht
der schönen Sonne fast verdecken
Wenn trüb dein Auge und du nicht
Mehr aufrecht gehst, willst dich verstecken
Vor all dem Unheil, das dein Haus
In letzter Zeit betroffen hat
Und wenn du schon, als wie die Maus
Den Kater um das Ende bat,
dein blutend Herz legst in die Hand
der Göttin, seufzend: „Bitte nimm mich!
Nimm fort mich, fort von diesem Land
Von dieser Stadt und dieser Erde!
Vielleicht dass ich, wenn schon nicht hier
Im Himmelsreiche glücklich werde.“

Wenn das so ist, erschein ich dir!

Ich komme mit meinem Bogen
Auf transparenten Wogen
Heiter zu dir geflogen.
Spinne den Regenbogen.

Hab ein Knäuel lichter Farben
lass ihn gleiten durch die Hand
sieben zarte Fäden zieh ich
Dass sie Mensch und Tier entzücke
spinne sie wie goldne Garben
spanne sie wie eine Brücke
die dein Himmelsstück umspannt.

Bin der Engel dieser Brücke
Der dein Herz, das schon in Stücke
Fast zerbrochen war,
heilet ganz und gar.

Meinen Bogen spann ich selig
Wo die dunklen Wolken dräuten
Angst und Bange ward den Leuten
Doch du siehst mich und wirst fröhlich
Hast vergessen alle Schmerzen
Die dich marterten im Herzen.

„O“, so rufst du, „es gibt Hoffen
Alle Wege stehn mir offen!
Überm Haus, ach, welches Glück
Steht ein Bogen wie ne Brück!
Ist ein Bogen, der das Licht
bunt in allen Farben bricht!
Welche Freude, welch Genuss
Mit der Trübsal ist jetzt Schluss“

Angesichts der Dummheit und kriegerischen Gesinnung der Menschen sind Engel, die uns beschützen, unabdingbar. Schön ist die Vorstellung, dass jeder seinen eigenen Engel habe. Diese Engel (von griechisch αγγελος, Bote) halten die schützende Hand über einen jeden. Sie unterscheiden nicht nach Freund und Feind oder nach Verdienst.  Chrinolo malte kürzlich einen solchen Engel (hier), zu dem sie schreibt: „Ob Engel oder andere schützende Wesen – sie symbolisieren den menschlichen Wunsch nach Geborgenheit und Unterstützung in einer oft unberechenbaren Welt. Gerade in turbulenten Zeiten kann dieser Glaube Kraft schenken und das Gefühl vermitteln, nie allein zu sein. So wird der Schutzengel zu einem wertvollen Begleiter auf unserem Lebensweg.“

Engel, gemalt von Chrinolo

Und wie es so geht, wenn man auf einer Fährte ist, so komme ich auch an einem Eintrag von Joachim Schlichtung vorbei (hier), in dem er vom Diestelsamen erzählt, der wie Engelshaar am Wegesrand aufleuchtete. Und so erinnerte ich mich daran, dass Engel nicht der Logik des aufgeklärten Menschen folgen, sondern die Drei auch gerade sein lassen können.

„...Wenn man sie kennENGELernt hat, wird einem klar, was so alles noch zwischen, über, unter, neben, auf, in, vor und hinter den Dingen haust und west (sein Wesen treibt). Lichtenberg hat auch dies in einer Sudelbucheintragung bedacht, wenn er notiert: „Wenn uns ein Engel einmal aus seiner Philosophie erzählte, ich glaube es müßten wohl manche Sätze so klingen als wie 2 mal 2 ist 13.“**

 

Als Glasscherbenbild habe ich einen solchen unter dem Titel „Mein Engel und ich“ gezeigt.

Wenns ganz schlimm kommt, ist ein drachentötender Engel zur Stelle. Er wird uns schon von den Übeln, die wir selbst geschaffen haben, befreien! Hier erscheint er in einem digital bearbeiteten Legebild.

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Weit und immer weiter will mich der Engelspfad führen. Aber hier breche ich erstmal ab.

Was meinst du zu den Engeln? Sprichst du manchmal mit dem deinen? Hast du vielleicht einen Beitrag zu Engeln veröffentlich, den ich hier verlinken darf?

 

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Kalender Januar 2026

Nun habe ich tatsächlich mit der Blockversion alle Kalenderblätter des Januar in einer Galerie zusammenfassen können. Es war sehr mühsam. Wie die Galerie aussehen wird, kann ich leider noch nicht sehen.

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31 Kalenderblätter. Der Monat Januar in Bildern

Es hat mir viel Spaß gemacht, der Anregung von Christoph zu folgen und in einem kalender mit 365 Seiten die ersten 31 Zeichnungen mit Szenen aus meinem Alltagsleben zu füllen. Außer dem letzten von Yachten im Segelhafen, das ich gestern machte, habe ich sie schon gezeigt.

Nun will ich alle zusammen noch einmal als Gesamtüberblick vor mir haben. Ja, das wollte ich. Aber WP spielt mir einen Streich und lässt es nicht zu. Fünfmal hab ich es versucht, die Bilder sind bei mir auch alle zu sehen, aber wenn ich auf  „Vorschau“ gehe, sind sie bis auf das letzte verschwunden. Uff! Nun bleibt es halt so.

Vielleicht liegt es daran, dass ich hartnäckig den „klassischen editor“ benutze?

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Spaziergang in Kalamata

Es regnet und stürmt mächtig da draußen. Gestern war es eine Zeitlang trocken, und wir nutzten die Regenpause, um Besorgungen zu machen. Die Folgen der vergangenen Unwetter zeigten sich unter den Bäumen. Nicht „Katzen und Hunde“ (cats and dogs), sondern Orangen hatte es geregnet.

Noch ein paar Fotos vom gestrigen Spaziergang in Kalamata möchte ich zeigen. Da ich mich nicht dauernd mit dem Hochladen von Bildern rumschlagen mag, zeige ich nur noch kleinformatige. Das tut mir leid, denn die Qualität ist natürlich schlechter, und genug Speicherraum hätte ich – seufz. Auch kann ich die Fotos nicht, wie ich möchte, ordnen, WP verweigert mir seine Dienste.

Der Spaziergang führte mich vom Segelhafen zum Hafen, weiter zum Eisenbahnmuseum und zur Innenstadt.

 

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Erklär mir Liebe. Geschichten von und mit Philippe (7): Löwenzähmung, Tarot und Kalenderblatt 30

Gestern hatte ich die Tarotkarte „Ritter der Schwerte“ in meiner Hand gezeichnet und war dann zu einem Besuch gefahren.

Heimkommend fand ich Philippe im dunklen Garten, wie er einen Löwen zähmte (hier).

Und ich versprach eine Forsetzung.  Dafür muss ich ein wenig ausholen.

Mein gestriger Besuch betraf die Mutter zweier Knaben, die sie vor drei Monaten zur Welt brachte. Sie hatte sich, obgleich schon über die 40, heiß Kinder gewünscht und sich zu einer künstlichen Befruchtung unter Verwendung fremder Eizellen entschlossen, während ihr Mann den Samen spendete.

Seit der Entbindung sind drei Monate vergangen. Jetzt bat sie mich um Hilfe. Gestern sah ich die beiden entzückenden und sehr gut gehaltenen, gesunden Jungen zum ersten Mal. Was konnte es da für ein Problem geben?

Ich erfuhr: Sie kann die Kinder nicht akzeptieren. Das begann schon am Tag der Befruchtung. Sie fühlte sich durch das Verhalten der Ärzte betrogen und witterte  Missbrauch der unbekannten Spenderin der Eizellen. Sie war sehr zornig, und das blieb auch während der schwierigen Schwangerschaft so. Das „bonding“  – also die Herstellung einer emotional positiven Beziehung zu den Neugeborenen – ist ihr nicht möglich. Und sie fürchtet, übrigens zu Recht, dass die Kinder das merken, auch wenn sie äußerlich ihre Pflichten als Mutter hundertprozentig erfüllt. Das Gefühl der Entfremdung ist so stark, dass sie Momente hat, wo sie Mann und Kinder verlassen möchte.

Hier war Hilfe dringend nötig. Aber wie?

Ich machte mehrere Anläufe, um sie von ihrer Fixierung auf das ihr zugefügte „Unrecht“ zu lösen, aber es gelang mir nicht wirklich. Zum Schluss sagte ich, sie und mich tröstend: „Es braucht oft Zeit und Geduld, bis eine Mutter ihre Neugeborenen liebt. Es sind ja Fremde, und Tag für Tag, Schritt für Schritt werden sie bekannter, bis man sie am Ende sehr liebt und sie gar nicht mehr missen kann. Es ist ein bisschen so wie beim kleinen Prinzen und der Rose und dem Fuchs. Kennst du den Kleinen Prinzen“? Da leuchteten ihre Augen auf und sie sagte: „Ja, das Buch hab ich! und ich liebe es sehr!“ Und ihr Mann sagte: „Während der Schwangerschaft (sie musste ständig liegen) habe ich ihr daraus oft vorgelesen.“ Sie zeigten mir auch den Entwurf zur Einladung zur Taufe, den sie mithilfe eines digitalen Programms gezeichnet hatten. Da sieht man zwei kleine Prinzen, den Fuchs, die Rose, das Schaf und sonst noch allerlei.

Als ich das hörte und sah, wie sich die Wangen der Mutter röteten, fühlte ich erstmals ein wenig Zuversicht. Sie wird es schaffen, die Kinder zu lieben! Und die Kinder werden eine vollwertige Mutter haben!

„Lies täglich in dem Buch und denke darüber nach“, riet ich ihr. „Und habe Geduld mit dir. Der Kleine Prinz verließ seine Rose, er floh, weil ihm dies und das an ihr nicht passte. Dann entdeckte er, dass er sie liebte. Der Fuchs erklärte ihm, warum. Jeden Tag, den du mit den Kleinen verbringst, jeden Dienst, den du ihnen erweist, wird dich ihnen ein Stück näher bringen. Am Ende wirst du sie lieben.“

Von diesem Erlebnis wollte ich Philippe gleich erzählen, als ich heimkam. Dort fand ich ihn bei der Zähmung eines Löwens.

Sofort fiel mir die Tarotkarte „Die Kraft“ ein, denn auch da geht es um die Zähnung eines Löwen.

Gestern hatte ich den „Ritter der Schwerter“ gezeichnet, der eine intellektuelle, rückwärtsgerichtete Kraft zeigt. Ich hatte sie rein zufällig aus dem Stapel gezogen und verstand nicht, was sie mir sagen wollte. Nun aber verstehe ich:

Das Problem der Mutter steckt im Kopf: sie ist wütend über etwas, was zu Beginn ihrer Schwangerschaft geschah, und seither rast sie mit wilder Entschlossenheit immer wieder zurück zu dieser Verletzung. Ihr Kopf will „Gerechtigkeit“, und darüber verliert sie die Verbindung zu ihrem Herzen. Ich kann ihr und den Kindern nicht helfen, indem ich  ihr Kopfdenken korrigiere.

Die Zähmung des Löwen heißt nichts anderes, als die rotglühende Kraft des Herzens in sich zu erwecken und zu integrieren. Grau ist der Himmel des Verstandes, der den Feind längst vergangener Gefechte immer noch analysiert und bekämpft. (Auf meiner Zeichnung erscheint der Himmel blau, aber das ist ein Fehler des Fotos: er ist grau). Der Himmel über der Herzenszähmerin aber ist golden.

Ich zeichnete die Karte ins 30. Kalenderblatt.

„Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldner Baum!“  (Goethe, Faust I).

 

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Kalenderblätter 27-29/1 plus Geschichten von und mit Philippe (6): Zähmen eines Löwen

Im gleichen Stil wie alle anderen Januarbilder – Kugelschreiber und farbige Stifte – sind  die nächsten drei Kalenderblätter entstanden.

Am 27.1. Der Plüschhund auf einem traditionell bestickten Tischtuch.

Am 28.1. Eine kleine Künstlerin in der Zeichenschule

Am 29.1. Eine Tarotkarte in meiner Hand: der Ritter der Schwerter

(das vierte Bild gehört nicht hierher, aber es lässt sich nicht löschen!)

27.1. Den Plüschhund ließ eine Freundin hier – damals als Tito starb. Er tröstet mich, und für die Katzen ist er ein beliebtes Spielzeug.

28.1. Das kleine Mädchen hatte sehr sorgfältig an einem schwarz-weißen Bild gemalt. Dann kam die Mama, das Kind sprang freudig auf sie zu, zog sie vor das Bild. Was gesprochen wurde, weiß ich nicht. Jedenfalls nahm die Kleine den Pinsel und übermalte mit entschlossener Gebärde ihr schönes Gemälde  zuerst mit Rotocker, dann mit anderen starken Farben, bis nichts mehr vom ursprünglichen Bild, stattdessen eine verschmierte Oberfläche zu sehen war. Es blieb dabei guter Laune.

29.1. Gestern, nach der Zahnziehung, hatte ich wenig Energie. Da sah ich neben dem Computer den Kasten mit den Tarotkarten liegen und dachte: Mal sehen, was ich heute zu einem Thema machen kann. Ich zog den Ritter der Schwerter. Das ist ein wild entschlossen in die Vergangenheit reitender und heftig mit dem Schwert des Verstandes die Zustände der Welt auseinanderlegender Herr. Er kann es! Sein Pferd und die Wolken harmonisieren mit seiner Bewegung. Aber das Pferd ist grau und die Welt hat wenig erfreuliche Farben, ist aufgeteilt zwischen grau, blutrot und einem kalten Grün. So ist es wohl, wenn man, nur mit den Waffen des Kopfes ausgerüstet, die Geschichte analysiert. Da tritt einem alles schrecklich und feindselig entgegen. Aber es ist ein sinnloser Kampf. Der Feind ist längst Schnee von gestern. Besser ist es wohl, sich dem Hier und Jetzt und dem, was da kommen mag, mit den Kräften des Verstandes und des Herzens zuzuwenden und weniger heftig dagegen anzugalloppieren.

Eben kam ich von einem Besuch heim und suchte Philippe, um ihm davon zu erzählen. Denn es betrifft ihn. Und wo finde ich ihn schließlich?

Im dunklen Garten! Er ist dabei, einen Löwen zu zähmen! Jedenfalls scheint es mir so – die Beleuchtung ist schlecht – , dass das große Katzentier ein Löwe ist.

Als ich näher trete, höre ich Philippes Stimme, und sie klingt wie ein lieblicher Singsang.

„Dein Leben ist eintönig. Du jagst Mäuse und Vögel, die Menschen jagen dich. Alle Mäuse und Vögel ähneln sich und alle Menschen ähneln sich. Du langweilst dich sicher ein wenig. Wenn ich dich zähme, wird dein Leben mit Heiterkeit erfüllt sein. Du wirst den Klang meines Schrittes kennen, der sich von allen anderen unterscheidet. Die anderen Schritte werden dich unter die Büsche jagen. Mein Schritt wird dich aus dem Versteck locken wie Musik. Und schau! Hast du mal Weizenfelder gesehen? Du isst kein Brot. Weizen ist für dich unnütz. Weizenfelder erinnern dich an rein gar nichts. Und das ist traurig! Aber ich habe goldene Haare. Wundervoll wird das sein, wenn ich dich erst gezähmt habe! Der goldene Weizen wird dich an mich erinnern. Und du wirst es lieben, das Rauschen des Windes im Getreide …“

(Anm: der kursiv wiedergegebene Text ist das Original von Saint-Exupery. Ich habe ein paar kleine Änderungen vorgenommen. Vor allem habe ich Ich und Du miteinander vertauscht)

Fortsetzung folgt

 

 

 

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Kritzeleien – Improvisationen (3)

Ich habe heute ein neues Skizzenbüchlein begonnen, in dem ich mit dem Filzstift experimentieren will. Das hat den Vorteil, dass ich im Stehen etwas notieren kann. Es darf ruhig kruckelig werden, und schnell geht es auch.

Gezeichnet habe ich mit einem Filzstift, der vorn abgeschrägt ist, so dass dicke und dünne Striche möglich sind. Bei der ersten Skizze habe ich mit Farbstiften nachgeholfen.

Landschaft Richtung Meer

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Tagebuch der Unlustbarkeiten: Zahnweh

Nein, meine Zahnärztin werde ich nicht küssen (wie es einst eine Freundin der Sonia Wildgans tat (hier)), aber froh bin ich doch, dass sie mir für heute Nachmittag einen Termin eingeräumt hat. Gestern abend nämlich meldete sich einer meiner noch lebendigen Zähne und rumorte dann die ganze Nacht. Schlafen konnte ich erst gegen Morgen, als ich mich davon überzeugt hatte, dass der Zahn eh keine Ruhe gibt und ich mich werde abfinden müssen (nach dem Spruch für Gelassenheit: ändere das, was du kannst, finde dich ab mit dem, was du nicht ändern kannst). Ich sprach also zum Zahn: ist gut, hab verstanden und akzeptiert, du musst raus, ich befasse mich nicht weiter mit dir, sondern schlafe ein. Denn ohne Schlaf ist Zahnweh noch unangenehmer als mit Schlaf.

Ich bekam dann einen Termin für morgen und gute Ratschläge. Wenig später rief die Zahnärztin noch einmal an, um mir mitzuteilen, dass sie nach einer Absage schon am heutigen Nachmittag eine Vakanz habe. Na also! Geht doch!

Beim Zahnarzt (a) gerda kazakou

Wilhelm Busch

Das Zahnweh

Das Zahnweh, subjektiv genommen,
ist ohne Zweifel unwillkommen;
doch hat’s die gute Eigenschaft,
dass sich dabei die Lebenskraft,
die man nach außen oft verschwendet,
auf einen Punkt nach innen wendet
und hier energisch konzentriert.

Kaum wird der erste Stich verspürt,
kaum fühlt man das bekannte Bohren,
das Zucken, Rucken und Rumoren,
und aus ist’s mit der Weltgeschichte,
vergessen sind die Kursberichte,
die Steuern und das Einmaleins,
kurz, jede Form gewohnten Seins,
die sonst real erscheint und wichtig,
wird plötzlich wesenlos und nichtig.

Ja, selbst die alte Liebe rostet,
man weiß nicht, was die Butter kostet,
denn einzig in der engen Höhle
des Backenzahnes weilt die Seele,
und unter Toben und Gesaus
reift der Entschluss: Er muss heraus!

Soweit kenne ich das Gedicht auswendig und dachte, es ende hier. Nun aber sehe ich: es gibt eine Fortsetzung, und die lautet so:

Die Backe schwillt. – Die Träne quillt.
Ein Tuch umrahmt das Jammerbild.
Verhaßt ist ihm die Ländlichkeit
Mit Rieken ihrer Schändlichkeit,
Mit Doktor Schmurzels Chirurgie,
Mit Bäumen, Kräutern, Mensch und Vieh,
Und schmerzlich dringend mahnt die Backe:
Oh, kehre heim! Doch vorher packe!
[…]

Mit dicker Backe, wehem Zahn,
Rollt er dahin per Eisenbahn
Der Heimat zu und trifft um neun
Präzise auf dem Bahnhof ein.
[…]

Sofort legt Bählamm sich zur Ruh.
Die Hand der Gattin deckt in zu.
Der Backe Schwulst verdünnert sich;
Sanft naht der Schlaf, der Schmerz entwich,
Und vor dem innern Seelenraum
Erscheint ein lockend süßer Traum.

Balduin Bählamm, der verhinderte Dichter; Neuntes Kapitel

(zitiert nach Gedichte-lyrik-poesie.de)

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