Dienstags-Drabble: ¡No pasarán! (kata-strophisch)

Der Dienstag ist dank Roland (Wortman) Drabbletag. Diesmal gab er die Wörter Mühle – raten – pusten vor. Daraus war eine Geschichte von genau 100 Wörtern zu basteln. Das Wort „Mühle“ führte mich zur berühmten Schlacht von Don Quichote gegen die Windmühlenflügel: der edle Ritter hält die Mühlen für riesenhafte Räuber und stürzt sich ins Gefecht. Er will gern sein Leben opfern, damit die Bösewichter nicht die friedlichen Dörfer ringsum verwüsten. Diese tragische Geschichte, die ich sehr liebe – denn Heldenmut ist immer gut! –  brachte ich in kata-strophische Form.

 

¡No pasarán!

Don Quichote war ein Ritter

Von edler trauriger Gestalt

Sein Ritterleben war echt bitter

Denn Hohn erlitt er und Gewalt.

 

Einst ritt er mit dem Freund-Genossen

Sancho Panza stolz daher

War zum Kampfe wild entschlossen

In der Hand den Ritterspeer.

 

Auf den Hügeln drehten Mühlen

Ihre Räder wild im Wind

Räuber! schreit er, ihr sollt fühlen

Dass wir edle Ritter sind!

 

Stoß und Hieb und Don Quichot

Liegt am Boden, schwer getroffen

Ist er eventuell schon tot?

Nein, er atmet, das lässt hoffen.

 

Sanzo pustet ihn ins Leben

Knapp zurück und fleht ihn an,

Ritterlich sich zu ergeben…

¡No pasarán!

 

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Anmerkung zu ¡No pasarán!:  „Sie werden nicht durchkommen!“ ist ein Schlachtruf, der in größter Bedrängnis des Kriegs Mut machen soll. Am bekanntesten wurde er durch den spanischen Bürgerkrieg. Geprägt aber hat ihn General Petain 1916 kurz vor der Schlacht von Verdun, die er verlor: „Ils ne passeront pas !“  „Pe aici nu se trece!“ übernahmen die Rumänen im Dezember 1916  und erlitten ihr „rumänisches Verdun“. ¡No pasarán! riefen die spanischen Kommunisten 1936, doch sie konnten Madrid nicht gegen die Truppen Francos verteidigen. „Ils ne passeront pas !“ riefen erneut die Franzosen im 2. Weltkrieg, als es galt, die Maginotlinie gegen den deutschen Vormarsch zu verteidigen. Vergebens. Und so wurde ¡No pasarán! zum Synonym für heldenhaften Kampfesmut selbst in aussichtsloser Lage.

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„Bilder-ABC im September“ und Kalenderblatt: A wie Apfel (Allegorisches zuAdam und Eva)

Heide (Puzzleblume) hat ein neues Monatsprojekt eingeläutet. Es geht darum, täglich ein selbst gestaltetes Bild zu posten, geordnet nach dem Alphabet. Bei ihr kannst du mehr darüber lesen und ihr erstes Bild „Anfang“ betrachten (hier).

Ich möchte daran teilnehmen, doch auch meinen Kalender täglich mit einer Zeichnung bestücken. Warum nicht beides kombinieren? Genau! Im September werde ich jeden Tag eine Zeichnung zu Heides Challenge in meinem Kalenderbuch machen!

Gedacht, getan.

A ist der Anfang. Und am Anfang stehen Adam und Eva … und der Apfel. Ich hole zwei Äpfel aus dem Kühlschrank, schäle den einen ab und drapiere die schlangenförmige Schale mit den beiden Äpfeln – dem roten und dem bleichen seiner Haut beraubten – auf meinem kürzlich erlangten Olivenholzbrett. Alle Ingredienzien der Paradiesszene sind da: Apfel, Schlange, in natürlicher Harmonie und in Erkenntnis der Nacktheit und des Getrenntseins.

Bevor der Zahn der Zeit diesem Stillleben den Rest gibt, habe ich meine eigenen Restzähne genutzt, um den nackten Apfel aufzuessen. Die Schlange habe ich im Komposteimer entsorgt.

 

 

 

 

 

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Kalenderblätter, der Kontext (Experimente mit Überblendung)

Beim Zeichnen beschränke ich mich auf einen Ausschnitt aus einem Gesamtbild, das ich als Natur vor Augen habe. Dabei geht der Kontext verloren. Um den visuellen Kontext wieder herzustellen, machte ich von einigen Szenen Fotos und setzte die Zeichnung dort hinein.

Ein Beispiel: Ich sitze im Eisenbahnpark auf einem Stuhl. Durch die Bäume hindurch sehe ich einen Teil der Lok, ein bisschen von einem blauen Wagen und eine rotweiße Bank. Die zeichne ich. In einem nächsten Schritt montiere ich die transparent gemachte Zeichung in das Foto, das einen größeren Ausschnitt der Wirklichkeit zeigt.

Mir gefällt das Ergebnis: die gezeichnete Lok wirkt in diesem Kontext wie eine Erinnerung an eine Zeit, als hier noch Eisenbahnbetrieb war.

Ich habe noch einige Überblendungen von Fotos mit den heutigen Kalenderblättern gemacht.

 

 

 

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Kalenderblätter 27.-31. August und Monatsübersicht.

Heute zeichnete ich, auf einem Stuhl im Garten sitzend und mich umschauend, die letzten Kalenderblätter des Monats August: Autoabstellplatz, Palmenblatt, halber Pinienstamm, Mandelbäumchen, abgestorbener Aprikosenbaum.

Eine recht bunte Mischung wurde es in diesem Monat. Ich schaffte es nicht, täglich ein Blatt zu zeichnen, holte dann an einem Tag das Versäumte auf. So entstanden recht unterschiedliche Gruppen von Zeichnungen. Was ich mir für den September vornehme? Das werde ich morgen entscheiden.

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25 (52) Wochen – ein Objekt: Farbanpassung

Kurz nur, aber kräftig und mit Hagelkörnern vermischt, fiel heute um vier Uhr nachmittags der Regen auf die heiße Erde. Die Hagelkörner machten Kling und Klang auf dem Vordach, unter dem ich stand und tief durchatmete. Endlich! Es war arg schwül gewesen an den letzten Tagen, und der Himmel war trüb von Sand und anderen Minipartikeln. Nun ist alles schon wieder trocken, und ich habe die Betten, die ich vor dem Regen einsammelte, wieder hinausgetragen in die Nacht.

Die kleine Metallfigur des Kleinen Prinzen trug ich zur fälligen Fotosession zu den noch verbliebenen Pfützen auf der Straße, auf dass er sich darin spiegele.

 

Bläulich schien er in diesem Licht, und messingfarben sein Haar. Sein goldenes Kleid nahm die Farbe der vertrockneten nassen Vegetation am Straßenrand an.  War der Kleine Prinz ein Chamäleon?

In der Spiegelung waren alle unterscheidenden Farben verschwunden, mattbraun war der Prinz, genauso wie das spiegelnde Laub des Olivenbaums.

Dann trug ich ihn zurück zum Haus. Unterwegs fiel mir auf, dass die verwelkten Blätter genau die Farbe des Haars hatten, von der der Fuchs so angerührt war: weizenblond!

Dein Schritt wird mich aus dem Bau locken wie Musik. Und schau! Siehst du die Weizenfelder dort? Ich esse kein Brot. Weizen ist für mich unnütz. Weizenfelder erinnern mich an rein gar nichts. Und das ist traurig! Aber du hast goldene Haare. Wundervoll wird das sein, wenn du mich erst gezähmt hast! Der goldene Weizen wird mich an dich erinnern. Und ich werde es lieben, das Rauschen des Windes im Getreide …“

Dann blickte ich nach oben und sah eine rotgoldene Wolke, die vogelgleich über dem regennassen Land schwebte. Als ich den kleinen Prinzen unter dieser Wolke fotografierte, nahm sein Gewand genau denselben Goldton an. Und sein kleiner Planet schimmerte grau und goldocker. Wunderbare Farbanpassung!

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Kunstbuch 58: Rund ums Essen

Bei uns ist es noch immer heiß, dazu auch schwül, und die Atmosphäre ist undurchsichtig-dunstig. Auch das Meer ist nicht blau, sondern grau und leicht bewegt. Ich stürzte mich vor dem Mittagessen hinein, um Erfrischung zu finden. Und ja, das weiche, tragende und kühlende Element des Wassers war wie immer eine große Erleichterung und Freude.

Danach stiegen wir den kurzen Pfad zu „unserer“ Taverne hoch. Ein junger Kellner bedeckte den Holztisch mit einem Papiertuch und brachte den Brotkorb und den Serviettenständer mit Salz und Pfeffer, die gekühlte Wasserflasche,  Gläser und eine zerschnittene Zitrone für mein Wasser.

Ich hatte vorsichtshalber ein gefaltetes Minizine und meine Stifte mitgenommen, die ich nun aus dem Rucksack hervorzog. Ich würde diese mich immer bezaubernden Nebensächlichkeiten hineinzeichnen!

Vier Seiten schaffte ich, bis das Essen kam. Mein Mann las derweil in einem Buch und trank ein Bier.

Nach dem Essen ließ ich mir einen köstlichen griechischen Kaffee bringen. Dazu spendierte das Lokal uns beiden ein Nuss-Süßgebäck. Dies lieferte mir dann auch die Motive für die übrigen Seiten.

Blatt 1:  rechts das Deckblatt:  ein volles und ein leeres Wasserglas sowie am unteren Rand meine Hand, die das Heft hält. Links das Schlussblatt mit der Kaffeetasse und dem schwarzen Zeichenstift.

Blatt 2: Der Blick nach rechts: Wasser- und Bierflasche, Bierglas, Brille, Hand und Buch meines Mannes. Die Seiten des Buches hat er verklammert, damit der Wind sie nicht umblättert.

Blatt 3: links ein Metallschälchen mit Zitronenstücken, die ich mir immer fürs Wasser ausbitte. Rechts Kaffeetasse, Teller und Wasserglas.

Blatt 4: links Brotkorb, Wasserflasche und Schälchen mit Zitrone. Rechts zwei leere Kuchenteller mit Gabeln und ein Wasserglas.

Ihr wundert euch vielleicht, dass wir so oft essen gehen. Tatsächlich ist es nicht teurer als zu Haus, wenn man all die Nebenkosten mit einrechnet und an das stets zu viel Eingekaufte und am Ende Weggeworfene denkt – ganz abgesehen von der gesparten Arbeitszeit und dem Zugewinn an Lebensqualität.

 

 

 

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Impulswerkstatt Bild 4 : Borkenbilder

Es fällt mir schwer zu entscheiden, liebe Myriade, ob es sich beim vierten Impuls um fotografierte Borke oder um Malerei handelt, umso mehr, als du im April 2021 schon einmal ein „naturschönes“ Borkenstück als Impuls gesetzt hast.

Damals (im April 2021) nahm ich deinen Impuls zum Anlass, Pinien-Borken zu zeichnen.

Dieses Mal gehe ich einen anderen Weg: Ich suche nach hybriden Bildern, in denen sich die Natur mit der „Kunst“ (dh mit menschlichen Farbsetzungen) verschränkt.

Was ich damit meine? Nun, etwa diesen Olivenbaumstamm, der mit roter Farbe markiert wurde.

Die rote Farbe ist in die Borke eingedrungen und verbreitete sich in unerschiedlicher Intensität über Knoten und Risse, wodurch eine eindrucksvolle Natur-Kunst-Komposition entstand.

Ein ähnliches Phänomen beobachtete ich an einem Eukalyptusstamm.

photo 15 a Quadrat (2)

Dieser Stamm ist ein richtiges Bilderbuch, denn außer dem Rot gibt es noch weitere „künstlerische“ Einträge. Ich habe dieses Gesamtkunstwerk mit vielen Fotos 2015 gepostet,  hier deshalb nur ein weiteres Beispiel.

Borke-Assoziationen sind auch  in einigen meiner Gemälde zu finden, und ich ergreife gern die Gelegenheit, sie hervorzukramen. Der Effekt entsteht u.a. durch aufgeklebte Papiere, so wie hier (Japanpapier)

oder hier (Wellpappe)

Und noch ein Beispiel, bei dem ich ein Gemälde durch Drehen und großflächige digitale Übermalung der Randzonen in ein Stück farbige Borke verwandelte.

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Im Yachtclub von Kalamata: Fotos, Kalenderblatt 17.-18.8, Erinnerungen

Heute vormittag begab ich mich in den Yachtclub von Kalamata. Ich war mit einer Freundin verabredet, kam aber eine Stunde früher, setzte mich auf eines der bequemen Sesselchen im schattigen Gang zwischen Außen- und Innenbereich und schaute mich um. Man blickt von dort auf den Segelhafen und die umgebenden Anlagen, in Hintergrund die Ausläufer des Taygetos.

Nach Innen ist der Gang mit Glasfenstern abgeschottet. Aufmerksam wurde ich darauf durch die Spiegelungen, in denen sich der Yachthafen noch einmal abbildet (im Vorderdgrund meine Wasserflasche).

 

Die Fenster sind sehr geschickt gesetzt, so dass sich die Spiegelungen, wenn man nicht im rechten Winkel draufschaut. in eine Vielzahl farbiger Mosaiksteine aufzulösen scheinen.

Ich hatte mein Kalenderbuch und Farbstifte mitgenommen, um mir die Wartezeit zu verkürzen. Und so kann ich nun auch die gestern noch fehlenden Seiten vom 17-18/8 präsentieren. Gezeichnet habe ich zwei mir am nächsten liegende aufgebockte Boote.

Solche Schiffsleiber sind sehr beeindruckend, aber auf die Entfernung war natürlich nicht mehr als eine skizzenhafte Darstellung möglich, die im übrigen auch zum Kalenderbuch-Format passt. Genauere Zeichnungen machte ich im Januar 2020 nach eigenen Fotos:

oder auch diese:

Ein anderes, ebenfalls mit Kugelschreiber gezeichnetes (hier) und per Fotoshop-Filter bearbeitetes aufgebocktes Boot kam mir  in den Sinn, als ich im letzten Eintrag von Ulfurgrai folgende Worte las: „Der Boden eines Schiffes ist nicht von dieser Welt. Er verhandelt mit dem Meer, und bei diesen Verhandlungen greifen die sonderbarsten Algen, Wassergeister und unbekannten Lebensformen nach ihm“.

 

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Kalenderblätter 7.-8., 11.-13., 14.-16., 19.-21., 22.-26. August

Eine ganze Menge schneller Zeichnungen sind im Kalenderbuch entstanden, seit ich die letzten zeigte. Bisher postete ich 1.-6./8 (hier) und als Hommage an Jürgen Linsenfutter 9.-10./8 (hier). Heute möchte ich die anderen gruppenweise nachtragen, so wie sie entstanden sind.

7.-8. August: Abends auf der Turmterrasse (gezeichnet am 16.8.)

11.-13. August: Abends im Wohnzimmer (gezeichnet am 21.8.)

14.-16. August. Mittags im Hof unserer Taverne (gezeichnet am 23.8.)

19.-21. August: Mittags im Tavernengarten am Segelhafen (gezeichnet am 25.8.)

22.-26. August: Vormittags im Bahnhofsmuseumspark (gezeichnet am 25.8.)

 

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Dienstags-Drabble: Passt die Chemie?

Dienstag ist Drabbletag. Wortman spendete dafür diesmal die Wörter

Jod – aufhängen – Ernte. 

Das Wort Jod ist abgeleitet vom griechischen Wort für Veilchen, ἰοειδής (veilchenfarben). Denn wenn man festes Jod erhitzt, steigt violetter Dampf auf (siehe Video unten). Dasselbe Wort ἰον ist seit altersher in der Liebeslyrik verbreitet. Die Dichterin Sappho sang von Veilchenkränzen, die ihre Geliebte sich ins Haar wand. *πό[λλοις γὰρ στεφάν]οις ἴων καὶ βρ[όδων σφα]κ̣ίων τ᾽ ὔμοι) und von violetten Pfeilen der Augenlider. Veilchenfarben ist auch der Kranz  im „Freischütz“ (Carl Maria von Weber): „Wir winden dir den Jungfernkranz aus veilchenblauer Seide“.

Und so kam mir die Idee, Chemie und Liebesdichtung in einem kata-strophischen Drabble zu vereinen.

 

Passt die Chemie?

„Wir winden dir den Jungfernkranz“

So sang die Freundesschar

Als die Isolde und der Franz

Wurden ein Ehepaar.

*

Das Kränzlein wurde aufgehängt

Wo es alsbald verdorrte

Die Liebe wurde auch verdrängt

Mitsamt der Liebesworte.

*

Und doch, wenn Franz in dem Labor

Das Jod erhitzt und veilchenblau

Die Dämpfe steigen, kommts ihm vor

Als säh ihm Dampfe er die Frau

*

Wie damals, als sie mit dem Kranze

Im Haar ihn lachend-sanft umschlang

Und er hinführte sie zum Tanze…

Wie war ihm damals wohl und bang!

*

Wars richtig, diese Frau zu frein?

Passt‘ die Chemie?

Wie würde ihre Ernte sein?

Ja, wie?

 

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