Bei den Trollen zu Haus

In letzter Zeit habe ich so viel von Trollen gehört, die man nicht füttern soll, dass ich echt neugierig wurde. Wie es bei denen zu Haus wohl zuging?  Vielleicht war mir das Glück hold und ich konnte eine Fütterung beobachten?

Und tatsächlich! Da war ja schon ihre Kinderstube. Ein paar kleinere Trolle, dem Holz noch nicht ganz entwachsen, aus dem sie geschnitzt waren,aber schon recht lebhaft, verlangten dringend nach Fütterung. Ihr Geschrei war so kläglich, dass ich fast Reißaus genommen hätte.

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Zum Glück waren die Eltern gleich zur Stelle, und los gings. Mit ihnen kam

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ein halbstarker Troll hereingeschwebt, dem auch ein Brocken zugeworfen wurde. Zum Glück! denn sonst hätte er vielleicht die Sonne verschlungen?

Ganz heimelig wurde mir bei dem Schauspiel nicht, denn ich bemerkte, dass die Bude von zwei wenig Vertrauen erweckenden Trollen gehalten wurde. Der eine begann zu gestikulieren, der andere zu tanzen, und das Gebälk des Dachstuhls knirschte und wackelte bedenklich. Ich machte mich aus dem Staube, um nicht mit dem ganzen Gesindel verschüttet zu werden.

Von fern hörte ich ein Gepolter wie von fallendem Gebälk. Ich schaute mich um und gratulierte mir, dass ich so schnell gerannt war. Armer kleiner Toll! Wer wird dich nun füttern?

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Montags ist Fototermin: Schattenalphabet

Eine Spielerei

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Skizzieren – Erinnern

Das kennen wir, glaube ich alle: Du sitzt in einem Seminar, hörst zu, machst Notizen, und plötzlich verselbständigt sich die Hand. Der Kugelschreiber produziert allerlei Linien, Figuren, Symbole, bald ist die ganze Seite statt mit ordentlich geschriebenen Sätzen mit

automatischen Zeichnungen bedeckt. IMG_5644 So ging es mir gestern. Ein Paar war zu einer therapeutische Sitzung gekommen, die Studierenden durften zuschauen. Ich kritzelte vor mich hin, während ich der Familiengeschichte lauschte. Irgendwann aber merkte ich, dass es einen Zusammenhang gab zwischen dem, was ich hörte und sah, und der Bewegung meiner Hand. Das war für mich eine wichtige Entdeckung, denn schon lange hatte ich nicht mehr gezeichnet. Ich freute mich, dass es „noch ging“ oder „wieder ging“ – dass meine Hand die Schwingungen aufnehmen konnte, die vom Gefühl meines Gegenübers zu mir herüberströmten. Hier zwei Beispiele: Zarte Einfühlung, die sie so sehr brauchte, sei nicht von ihrer Mutter gekommen – darüber spricht die Frau. Und ihr Verlangen ist, sie beim Partner zu finden.

IMG_5643Aber dies ist wohl nicht möglich. Stattdessen entwickelt sich ein Muster großer Abhängigkeit bei gleichzeitiger Abwehr, Abgrenzung und Konflikthaftigkeit.

IMG_5642Allmählich ging ich dazu über, bewusst zu zeichnen. Dadurch verließ ich leider die Ebene der Schwingungen und geriet auf die der Beobachtung des äußerlich Wahrnehmbaren.

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Als später eine andere Klientin kam, setzte ich die Versuche mit Portraits fort,

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wurde aber zunehmend von der Körperhaltung in den Bann gezogen.

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Und schließlich war sie wieder da, die halbbewusste Arbeit der Hand, und nahm Bewegung auf, ohne nach den Einzelheiten des Äußeren zu fragen.

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So gelangte ich an eine lange verschüttete Erinnerung. Vor Jahren hatte ich eine Frauenfigur gemalt – ganz in sich zusammengezogen, dunkel und depressiv.  Die muss sich aufrichten, dachte ich, und malte eine zweite Figur, die, immer noch am Boden sitzend, den Oberkörper hebt, doch ein Arm biegt sich wie eine schützende Samenhülle über ihren Kopf. Die dritte Figur – volle Aufrichtung – wollte ich malen, konnte es damals aber nicht, und so blieb es beim Vorsatz, den ich schließlich vergaß.

In den beiden letztenn Skizze sehe ich nun endlich die sich entwickelnde Form: die Aufrichtekräfte heben den Oberkörper und aus der kreisenden Bewegung steigt die aufrechte Gestalt empor.

 

 

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Creative Arts Therapy – III

Aller guten Dinge sind drei. Heute ging die dreitägige Fortbildungseinheit zu Ende. Einen winzig kleinen Einblick in die Möglichkeiten dieser Arbeit möchte ich heute noch geben. Die Theorie lasse ich aus, denn „Grau, lieber Freund, ist alle Theorie …“ (Goethe, Faust) selbst dann, wenn sie sich farbenfroh und witzig am Whiteboard darbietet.

Erst die Anwendung der Theorien im lebendigen zwischenmenschlichen Prozess lässt erkennen, was sie taugen bzw was man mit ihnen erreichen kann. Das erste Beispiel zeigt eine Zusammenarbeit der Fortbildungsgruppe (PsychologInnen, SozialpädagonInnen, TherapeutInnen): Waggons einer Eisenbahn aus Schuhkartons, mit verschiedenen Szenen individuell bemalt. Zusammen ergeben sie eine Geschichte, die im Gruppenprozess entwickelt und erzählt wird – mit viel Gelächter und ein paar Tränen.

Ich hatte dann die schöne Möglichkeit, mit SchülerInnen eines Abendgymnasiums (7.-9. Klasse, in Griechenland Pflichtschulzeit für alle) ein paar Sachen auszuprobieren. Die jungen Leute  leben unter schwierigsten Verhältnissen, arbeiten tagsüber in schlechten Jobs, kommen oft aus zerrütteten Familien, manche aus anderen Ländern, und waren bisher ohne jede künstlerische Anleitung. Eine Freundin, die dort Altgriechisch unterrichtet, und der verständnisvolle Direktor ermöglichten mir, diese Erfahrung einen Winter lang zu machen.

Fasziniert schaute ich zu, wie sie mit dem Material, das ich im Rucksack anschleppte – allerlei Farben, Knete, Fähnchen, Malpappen, Korken, Kerzen, Plastikbecher – fantastische Szenen zusammenbauten.

 

Mit dem Malen und Zeichnen wenig vertraut, gingen die meisten doch recht frei ans Werk, manche sogar mit starken künstlerischem Ausdruckswillen, wie dieser 17jährige Griechisch-Russe …

…oder mit einer SOS-Message, dass in seinem Lebensfeld etwas sehr Schwieriges passiert (von einem 15jährigen Griechen), wo ein Mensch „AAA, Hilfe“ schreit, während alles ringsum brennt. G, 2. Phase

Aber auch die eher konservativen Bildmotive sind es wert, genauer betrachtet zu werden – und das taten wir dann auch im Kreis. Für viele, zum Beispiel einen sehr zurückhaltenden 45jährigen Mann, geschah es zum ersten Mal, das etwas, was sie geschaffen hatten, ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt und ernst genommen wurde. Allein so etwas ist heilsam.

Ja selbst wenn ein Schüler eine – nach herkömmlicher Meinung – riesige Schmiererei produziert, ist es wichtig, sie als Kunstwerk zu betrachten, ernst zu nehmen und mit der gesamten Gruppe zu betrachten und zu besprechen.

A, Endstadium

Persönlich war ich am meisten beeindruckt von drei jungen Männern – einem Armenier, flankiert von zwei Albanern, die sehr stolz auf ihren Freund und sein Werk waren. Ja schaut selbst: So große kräftige Burschen, und welch eine feine, feine ausdrucksstarke Figurengruppe aus Tonmasse!

 

C, 3

 

 

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Creative Arts Therapy with Avi – II

Der Tag war lang und wieder sehr anregend, aber auch anstrengend. Daher heute nur ein paar Bilder vom Seminar, das ich grad besuche (Dr. Avi Goren-Bar)  – aus einer sehr viel früheren Phase (Seminar 2012) (momentan fotografiere ich nicht).

In der Therapie geht es grundsätzlich nicht um die Qualität der produzierten Kunst,  dennoch wird alles, wie und was der Klient (in diesem Fall Kolleginnen und ich selbst) hervorbringt, mit größter Aufmerksamkeit registriert. Denn das Kunstwerk ist die Basis dafür, Prozesse in Gang zu setzen, die zur verbesserten Selbstwahrnehmung und Therapie führen. Im ersten Beispiel wurden die Wattebällchen, die den Weihnachtsbaum schmückten, ausgeschnitten, auf einen neuen Grund gesetzt und zum Sprechen gebracht (gestalttherapeutischer Ansatz). Der „Weihnachtsbaum“ wurde zum „Nest“ – Sehnsucht nach Heimat und Sicherheit.

Im folgenden Beispiel ging es darum, den seelischen Hintergrund des Bildes herauszuarbeiten und, wenn möglich, zu verwandeln (zweites Bild). Aus einem vom Sturm entlaubten Baum wurde ein Blütenbaum. (Umwandlung des Gefühls, am Ende des Lebens zu sein, in eine optimistischere Selbstwahrnehmung). (Arbeit mit dem Selbstobjekt)

Die folgenden drei Bilder habe ich während eines längeren Prozesses aufgenommen. Das gemalte Bild wurde in einem Prozess der Selbstwahrnehmung verändert (beschnitten) und, unterstützt durch eine Kollegin, in die Leibesbefindlichkeit der Klientin integriert.

Hier zwei Arbeiten, die übereinander geklebt wurden; unten spitze, kalte Formen, darüber, nach einem angeleiteten Prozess der inneren Wahrnehmung und Verarbeitung, eine weichere sonnigere Komposition.

Oder auch dieses: ein Familienbild mit „Doppelköpfen“, denn ach! anderes spielt sich in der „oberen“ Ebene der Kommunikation – der Sprache und des Verstandes – ab, anderes auf der Herzebene.

Die Arbeit mit vorgegebenen archetyptischen Figuren, für die ein Umfeld geschaffen wird, öffnet den Blick in die Unterwelten des Bewusstseins.

 

Und  schließlich ein Beispiel für eine Arbeit (von mir), in der im Garten gefundene Zweige und Blätter mit Malerei kombiniert und interpretiert wurden.

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Unten und oben (c) Gerda Kazakou

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Creative Arts Therapy – mit Avi

Heute und das Wochenende nehme ich an einem Seminar teil. Meine Rolle ist ungewiss, am ehesten könnte man sie als Tutorin beschreiben. Vor fünf Jahren begann ich eine Fortbildung  mit dem Psychotherapeuten Dr. Avi Goren-Bar aus Israel, der einen besonderen Zugang zu Kunsttherapien entwickelt hat. Drei Jahre lang lernte und lernte ich, begeistert. Danach bat er mich und drei andere Absolventinnen seiner Kurse um Mithilfe bei der nächsten Gruppe von Studierenden. Und nun bin ich seit zwei Jahren dabei, als Helferin und erneut als Lernende.

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Heute zeige ich ein paar Bilder aus dem Seminar – nicht dem heutigen, sondern dem vor vier Jahren. Ich werde keine Gesichter zeigen, nur Fotos von Händen. Beziehungsweise von Gipshänden. Der Vorgang: eine Teilnehmerin umkleidet die Hand der anderen sehr behutsam mit gipsigen Windeln. Ein feuchtes Erlebnis, positiv gewendet. Ein wenig, wie wenn die Mama dir als Säugling die Windeln anlegt. Das Abziehen der Gipshand von der lebendigen Hand ist ein Prozess, den du mit angehaltenem Atem verfolgst. Es ist wie eine Geburt. Wird die Form halten?

Es ist ein sehr eigenes Gefühl, seine eigene Hand als Abguss in Händen zu halten. Doch bevor die „Geburt“ stattfinden kann, muss der Gips trocknen.

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Dann also die Geburt der Hand. 046 041 040 014 012

Nun ist die Hand geboren. Recht hilflos und weiß liegt sie am Boden.068 067 066 062

Alle machen sich daran, ihre Hand zu bemalen, dazu auch ein Umfeld zu schaffen, in das zwei Begriffe eingetragen werden. Eines für den negativen, eines für den positiven Pol.

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Meine Hand zerbrach. Ich war bestürzt. So sehr hatte ich mir gewünscht, ein schönes heiles Objekt in Händen zu halten. Aber nein, es zerbrach. Was tun? Ich beschloss, der Hand ein großes Begräbnis zukommen zu lassen. Hier sehr ihr das Ergebnis.076 074

Die Begriffe, die ich hinzu setzte, waren „Touch of Life“ (Berührung durch das Leben) und, in Spiegelschrift und insofern ins Gegenteil verkehrt, „Hate“ – Hass. Ich muss sagen: Ich war sehr zufrieden mit meinem Produkt:  meine zerbrochene, reich geschmückte Hand schien mir genau das zu sein, was ich brauchte.

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In eigener Sache: Verleumdung

Liebe Blogger-Freunde und Freundinnen! Einige von euch werden mitbekommen haben, dass mein Blog, nachdem ich Ingrids „Gastbeitrag zu Gastfreundschaft“ veröffentlicht hatte, mit Unflat der schlimmsten Art geflutet wurde. Insbesondere wünschte man den Flüchtlingen („Abschaum“ etc) ein schnelles Ende durch Ertrinken, Erschießen oder ähnliches. Als Autorin zeichnete „Nomadenseele“.

Obgleich ich gegen Zensur bin, habe ich mich schließlich gezwungen gesehen, diese Kommentare zu löschen und die Seite zu sperren. Ich habe aber versäumt, mich selbst als follower auszutragen. Daher erhielt ich heute folgende Mail, erneut von „Nomadenseele“.

 

Meine Stalkerin.

Gerda Kazakou nennt sie sich. Wohnhaft in Athen.

Ob sie verblödet, altersdement oder altersstarrsinnig ist, kann ich nicht beurteilen. Ist aber im Ergebnis auch egal, denn die gute Gerda begreift nicht so ganz, dass ich mit ihr nichts zu tun haben möchte. Nicht mehr, nachdem sie es für notwenig hielt, einen harmlosen Blogbeitrag über Hunde zu zensieren.

Jedenfalls blieben mehrere Aufforderungem, sich zu entfollowern oder wenigstens das Liken zu unterlassen, ohne Wirkung.

Weiß zufällig ein anderer WP-Nutzer, wie man Follower entfollwern kann?

Selbstverständlich habe ich niemals einen „Blogbeitrag über Hunde“ von ihr zensiert und auch niemals eine Aufforderung erhalten, mich als follower auszutragen. Das habe ich eben nachgeholt. Ich hoffe, sie gibt nun endlich Ruhe. Wenn nicht, werde ich wohl bei WordPress nachfragen müssen, wie man mit solchen Phänomenen umgehen kann.

Gerda Kazakou (ich „nenne“ mich nicht so, sondern es ist mein offizieller Name).

 

Nachtrag (Update). Eben habe ich bei „Kommentare Spam“ nachgesehen. Ich muss mich korrigieren. „Nomadenseele“ hat mich tatsächlich mehrfach aufgefordert, mich aus ihrer follower-Liste auszutragen. Diese Aufforderungen sind, da ich sie auf die „black list“ gesetzt hatte, nicht bei mir angezeigt worden. Es tut mir leid, dies nicht sofort getan zu haben.

 

 

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Kristallbildungsprozess – eine Fantasie

Wie bilden sich Kristalle im Erdinneren? Wie ist es möglich, dass im finsteren Schoß der Erde diese wundersamen Gebilde gedeihen? Nach dem Lichte drängen sie ja, Lichtwesen sind sie! Das Licht wird durch sie erst vollständig sichtbar in all seinen Wunderwerken.

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Wer weiß, vielleicht hat sich die Erde dem Licht entgegengehoben und ihren schweren Leib geöffnet, auf dass der Samen des Lichts in sie eintrete. Und sie hat diesen Samen in Millionen Jahren geduldig ausgetragen und in sich zur Reife gebracht. Nun drängen sie an die Oberfläche der Erde, damit sie werden können, was sie sind: die wundersamen Lichtgestalten, die Kristalle.

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Bilder des Abschieds

Im Kerameikos – dem antiken Friedhof von Athen – tritt einem die Frage: was ist der Mensch in Bildern entgegen. Es sind Bilder des Abschieds. Und zuletzt noch einmal die Sphinx, die das Rätsel bewahrt.

 

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Was ist der Mensch

Was ist der Mensch? Das Thema grassiert, ich sah es in diversen Blogs und, ja, auch in meinem eigenen, gestern, streunte ich um dieses Thema herum („Unterwegs zur menschlichen Gestalt“). Und so machte ich mich auf nach Theben, der Sphinx einen Besuch abzustatten.

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Ödipus antwortet der Sphinx (c) gerda kazakou

Vor mir war schon Ödipus dort gewesen. Er löste das Rätsel der Sphinx, heißt es, und sie stürzte sich, darob verzweifelt, in den Abgrund. Aber siehe da: Als ich vor einem der sieben Tore von Theben um mich schaute, saß sie wie seit Alters her auf ihrem Felsen, bereit, jeden Wanderer zu erwürgen*, der auf ihre Rätselfrage keine Antwort wüsste.

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Sphinx, Museum, Kerameikos Athen (c) gerda kazakou

Und wie lautete diese Frage? τί ἐστιν ὃ μίαν ἔχον φωνὴν τετράπουν καὶ δίπουν καὶ τρίπουν γίνεται. Auf deutsch: „Wer ist das, der eine Stimme hat und vierbeinig, zweibeinig und dreibeinig wird?“ Dem Ödipus ging die Antwort im Traum auf, wir aber kennen sie aus dem Schulunterricht oder sonstiger Bildungsanstalt. Es ist der Mensch. So einfach beantwortet sich die Frage: Was ist der Mensch? Erst kriecht er auf allen Vieren, dann steht er wacker auf zwei Beinen und schließlich braucht er einen Krückstock, um sich fortzubewegen. (Ihr seht die drei Stadien auf dem Bild oben). Und ist doch immer derselbe: er hat „eine Stimme“, brabbelt, redet, schreit, brüllt, flüstert. Eine Stimme kommt aus seinem Inneren, mit dieser Stimme versucht er sich auszudrücken,  Mitleid zu erregen, Befehle zu geben, Wünsche zu äußern, Gefühle zu benennen. Durch die Stimme ist er mit Logos – dem Wort, dem Denken, dem göttlichen Prinzip verbunden.

Wissen wir nun aber, was der Mensch ist, nachdem wir ihn definiert haben? Oder hat sich die Frage nur verschoben?

Ödipus wurde, weil er die Antwort wusste, zum König gekürt. Wie das? Eben hatte er einen älteren Mann erschlagen, in einem Hohlweg. Sie hatten sich gestritten: Wer muss dem anderen Platz machen? Ödipus war ortsfremd, aber jünger und stärker. Er zog sein Schwert und löste das Thema zu seinen Gunsten.

In Theben traf er auf eine Königin, Iokaste, die grad ihren Mann verloren hatte. Ein Fremdling hatte ihn in einem Hohlweg erschlagen. Ihr Bruder Kreon herrschte als Regent. Er gab Iokaste dem Helden zur Frau, der die Stadt von der Sphinx befreit hatte. Und so wurde er König. Die beiden hatten vier Kinder: Antigone und Ismene und die Zwillingsbrüder Eteokles und Polyneikes, die später gegeneinander Krieg führten und sich gegenseitig erschlugen.

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Als Jahre später Theben von der Pest heimgesucht wurde, kam das alte Verbrechen an die Oberfläche. Ödipus selbst hatte die Aufklärung in Gang gesetzt, nicht ahnend, dass er der Übeltäter war. Als er die Wahrheit erfuhr, stach er sich die Augen aus. Denn diese hatten das Offensichtliche nicht gesehen: dass er seinen Vater ermordet und seine Mutter geheiratet hatte.

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Ein blinder Alter war er nun, auf der Flucht vor sich selbst. Eine Tochter führte ihn. In Kolonos fand er schließlich Ruhe.

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