Montag ist Fototermin: Ein Heim für Insekten. Kleine Beobachtungen (11)

Als ich heute vom Schwimmen heimkam, fiel mein Blick auf den roten Briefkasten, den wir nach unserem Einzug neben unserer Gartenpforte anbrachten. Später erfuhren wir, dass Post uns hier nicht erreichen würde. Also vergaßen wir auch den Briefkasten.

Heute aber fiel er mir auf, und nicht nur das: ich sah etwas durch den Spalt, durch den der Postbote die Briefe stecken würde, falls er denn käme. Jemand hatte sich da häuslich eingerichtet! Ein fein gebautes Wabengebilde mit einem Stiel, mit dem es sich an ein Plastikschild angeklebt hatte. Das Schild war altersschwach auf den Grund des Briefkastens gefallen und mit ihm auch das Wabenhaus.

Als ich den Kasten vorsichtig öffnete, bemerkte ich, dass es da drinnen noch weitere Baumaßnahmen gegeben hatte, alle hoch oben an der Briefkastendecke. Auch sie waren fein säuberlich mit einem Stiel am Metall befestigt. Ob sie wohl mal bewohnt waren? Links oben ist eine Wabe weiß verstopft – hat sich da was zum Überwintern eingenistet? Ähnlich wie beim Bau in der Ziegenglocke muss es darin im Sommer glühend heiß gewesen sein. Wurde das Gebilde deshalb mit einem Stiel versehen, um es vom unmittelbaren Kontakt mit dem erhitzen Metall abzuhalten? Fragen über Fragen.

Die noch festsitzenden Gebilde ließ ich, wo sie waren, das heruntergefallene trug ich ins Haus und stellte es zu dem anderen Insektenhaus, das ich im September fand, auf den Kaminsims, Beide sind federleicht, das neue wie aus Papiermasse, das frühere wie aus Lehm gefertigt.

Und wie ich so stand und diese natürlichen Kunstwerke verglich und bewunderte, fiel mein Blick nach unten auf den Boden des Kamins, wo ich gestern erstmals Feuer gemacht hatte. Ein Stück des Eisenrosts schaute mich an, als wollte es sagen: „Ich wurde nach demselben Bauplan gegossen“ Nun, fast. Die Menschen sind doch schneller zufriedengestellt als Mutter Natur. Ihnen reicht es meist, wenn etwas nützlich ist. Die Natur aber, sie besteht auf Raffinesse und Schönheit.

 

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Wenn die Nacht kommt: von gold bis weinfarben (Fotografien)

Um fünf Uhr nachmittags breche ich zu einem Spaziergang auf. Die Sonne steht schon recht tief, vergoldet alte Gemäuer,  Abhänge und Olivenbäume, vergoldet auch die merkwürdigen Sonnenvögel mit den roten Hälsen, die Puten.

Hagebutten und die Scheinblüten der Bugainvillia prangen in Rot und Violett.

Als ich durch Schluchten und dunkelnde Zypressenhaine das Meer erreiche, sehe ich: es hat dieselben Farben aufgenommen, schimmert unter dem goldenen Himmelsstreif rötlich-violett. „Weinfarben“ nannte es Homer.

Nun kommt die Nacht. Ein feiner silberner Schimmer legt sich auf die Wasserfläche und der Himmel wird weinfarben. Sechs Uhr abends.

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Bewegung im Stillstand (Gemälde)

Als ich gestern nacht ins Atelier trat, begrüßte es mich still und erwartungsvoll. Nichts schien sich zu regen, und doch sprach alles zu mir. Mein Auge fiel auf ein Plakat, das ich irgendwann an eine Wand geheftet habe. Es zeigt ein Gemälde, das ich einst in Berlin ausstellte. „Bewegung im Stillstand“ oder so ähnlich hatte ich es betitelt. Darin wollte ich zeigen, dass die Bewegung sich auch im ruhenden Körper finden und darstellen lässt.  Ruhe muss nicht gleich Erstarrung sein. Nur was tot ist, erstarrt. (Drum gefällt mir auch der deutsche Ausdruck „Stillleben“ weit besser als der französische „nature morte“ oder der griechische „nekri physi“ – tote Natur….).

Das Bild ist ein Symbol für den Zustand, in dem wir uns befinden: November und Shutdown. Nichts scheint sich zu regen, und doch ist alles von einer leisen Bewegung belebt. Das eine fällt, das andere hebt sich, das Herz schlägt, der Atem geht. Erwartung liegt in der Luft. Und wer weiß schon, was sich unter der stillen Oberfläche an Wachstumskräften vorbereitet!

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abc-Etüde in Kohle

abc.etüden 2020 45+46 | 365tageasatzadayEine Wortspende von Kain Schreiber, für Christianes abc-etüden.

Nachtlicht
lieblich
teilen

Da ich heute schon zuviel geschrieben habe, gibt es diesmal eine winzig kleine Etüde.

 

Eine Bildbeschreibung.

Gezeichnete Holzleisten teilen die Fläche in sechs Felder. Hinter zerbrochenen Scheiben glimmt ein Nachtlicht Lieblich strahlt es in der Dunkelheit und lässt Bögen, Spiegel und Gemälde erahnen.

Tritt näher, und du erkennst die Täuschung. Es ist nur eine Illusion, erzeugt durch Kohle und Radiergummi auf Papier. 

das Feld links oben

das Feld Mitte unten

das Feld rechts oben

das Feld rechts unten

Und hier noch einmal in neuer Zusammenschau, die durch das Fotografieren bei Lampenlicht entstehenden Restfarben digital verstärkt.

neu zusammengestellt und Restfarben verstärkt.

Da fällt mir eine Ausstellung in Eleusis ein, die ich vor fünf Jahren sah und beschrieb. Vielleicht magst du sie ja besuchen.

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Gesellschaftliche Transformation: Über Wellen, Schneewittchen und Pluto

Menschen, die tief leben, haben keine Angst vor dem Tod.“ Anaïs Nin (Tagebücher II, 1934-39)

Dies ist mein dritter und vorerst letzter Beitrag zu dem von Jürgen Küster angeregten Nachdenken über Transformation. Das Thema ist natürlich bei weitem nicht erschöpft, aber die Woche, die dafür vorgesehen war, ist rum. Danke, Jürgen, für deinen Anstoß, danke auch allen anderen BeiträgerInnen, die Facetten des Themas beleuchtet haben.

Gesellschaftliche Transformation. Welches Agens?

Transformation ist, wie ich im vorigen Eintrag ausführte, von Metamorphose insofern zu unterscheiden, als die Umformung von außen bewirkt wird, während die Metamorphose einen inneren  Wandlungsprozess meint. Damit Transformation stattfindet, braucht es ein Agens – „ein wirkendes, handelndes, tätiges Wesen oder Prinzip“, das sich am Objekt abarbeitet und es umgestaltet.

Unsere Gesellschaft wird gerade tiefgreifend umgeformt, und so mancher fragt sich, wes Geistes Kind die dahinter stehenden Wirkkräfte sind. Sind es lebensfreundliche Kräfte oder doch eher Todeskräfte, die da wirken?

Ich möchte das hier nicht weiter diskutieren, sondern meine Legebilder sprechen lassen. Möge sich jeder seine eigenen Gedanken machen, und schließlich vielleicht auch ein wenig nachlesen, was Astronοmen, Astrologen und Mythologen über den Planeten Pluto und den griechischen Gott Pluto (Πλούτον*) aka Hades zu sagen wissen. Ein paar Hinweise gebe ich bei den Anmerkungen.

Als erstes nahm ich das ältere Bild „Wellensalat“, das Menschen zeigt, die nicht mehr auf dem Erdboden stehen oder gehen, die ihre Hände auch nicht zum Arbeiten oder gar, um sich zu umarmen benutzen, sondern wo alle, jeder mit seiner eigenen Antenne ausgestattet, auf einem wirren Wellensalat durcheinandertreiben. Das war eine Illustration zum Zustand vor Covid, wie man ihn zB bei U-Bahnfahrten beobachten konnte.

Wellensalat

Im April arbeitete ich dies Bild um, denn ich wollte die durch die Maßnahmen erzwungene weitere Vereinzelung der Menschen zeigen: Alle halten jetzt Abstand von einander. Kein Gedränge mehr. Sonst hat sich nicht viel verändert.

Distanzierung während Covid

Heute „ordnete“ ich den Wellensalat. Da sind wir nun, dachte ich. Das ist die Richtung der Transformation. Schluss mit der Unordnung, dem Chaos, dem gefährlichen Individualismus. Eine Welle kommt, reite darauf, oder du gehst unter. Dann kommt eine zweite Welle. Eine dritte. Auch du wirst es lernen, sie ordentlich zu reiten. Die Regierenden schieben grad entsprechende Gesetze nach, wunderbar, alles läuft glatt.

Mediale Gleichschaltung

Aber so richtig zufrieden war ich noch nicht. Schau selbst. Herrscht da nicht zu viel Leere auf dem Papier?

Als erstes versuchte ich, die Leere mit einem schlafenden Dornröschen zu füllen. Ist ja auch ein schönes Symbol für das, was grad so mit uns geschieht. Wir schlafen tief und warten auf den rettenden Kuss von Prinz Bill – nein,  ich schwöre, dass bill auf Englisch Rechnung heißt, daran habe ich überhaupt nicht gedacht. Und auch nicht daran, dass gates das englische Wort für Pforten ist, die aufgehen werden, sobald du die präsentierte Rechnung bezahlt hast. Schon naht er, ein liebliches Flügelwesen, an seinem Saum der Impfstachel macht ihn erkenntlich.

Dann aber dachte ich daran, dass doch das Agens fehlt – also das, was die Transformation in Gang setzt und in Gang hält.  Und sofort war Pluto da – im Doppelsinn von Geld (Plutokratie) und Totenreich. Der große Transformator. Ich habe einmal, als ich mich mit der mythischen Io befasste, ein Bild gelegt, wie Io, von Hera in eine Kuh verwandelt (auch eine Transformation!), bei Pluto vorbeikommt. Diesem Bild habe ich das Zeichen für Pluto entnommen.  Wenn du magst, lies dort nach, was es damit auf sich hat: „Pluton ist der Herr über die toten Seelen, die dem Golde nachjagen. Pluto, der Herr des Totenreichs, bezieht seine Kraft aus denen, die dem Mammon dienen.“

Ein wenig harsch das Ganze? Stimmt. Also holte ich auch mein schlafendes in Rosen eingesponnenes Schneewittchen und die liebliche Impf-Muse zurück ins Bild. Sicher, nun ist das Bild ein wenig komplex. Aber sind es nicht auch die Verhältnisse?

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*Pluton ist der alte Name des Gottes, der das Totenreich, den Hades, beherrscht. Der Ort – also Hades – wurde  später mit dem Gott gleichgesetzt. Die Römer nannten Hades Pluto, und von ihm erhielt der 1930 entdeckte kleine, aber extrem schwere Planet seinen Namen. Und auch das Plutonium für die Atombomben, offiziell Kernwaffen genannt (hallo, Ulli!).

Plutos bedeutet auf griechisch „Reichtum“. Du kennst vielleicht das Wort Plutokratie: die Herrschaft der Geldreichen.  In dem Beitrag über Io schrieb ich: „Manche fragen: Sind Plutos (Πλούτος, Reichtum) und Pluton (Πλούτων, Hades) denn dieselbe Gottheit? Ach, Kinder, was klebt ihr an Worten! Pluton ist Hades, dessen Namen man nicht gern aussprach. Pluton ist der Herrscher der Unterwelt, Bruder des Zeus und des Poseidon, alle drei Sprösslinge der Titanen Gaia und Kronos. Pluton (Hades) ist es, der Persephone raubte und zu seiner Gemahlin machte. Plutos (Reichtum) ist eine spätere Erfindung, ist seine Jugendgestalt. Man brauchte ihn offenbar, weil die Vorstellung nicht mehr behagte, dass Reichtum und Tod sich reimen.“

Erst als ich meine heutige Bilderreihe fertig hatte, stieg ich in die Abgründe des WWW hinunter und förderte einige spannende Artikel ans Tageslicht. Am meisten imponierte mir die astrologische Vorhersage, was unsere Erde aufgrund der Jupiter-Saturn-Pluto-Synode im Jahr 2020 zu erwarten hat.

„The Great Transformation 🔺 The 2020 Jupiter-Saturn-Pluto Synods

The 2020 Jupiter-Saturn-Pluto synods are converging together and will effect a Great Societal Reset along with the accelerated introduction of both disruptive and integrative technologies, and the emergence of an entirely new sociopolitical-economic and cultural paradigm…“

Nun, alles weitere magst du selbst herausfinden – sofern es dich gelüstet.

 

 

 

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Zurück in der Mani. Gedanken. Fotos.

Auf der Suche nach ein bisschen Seelenruhe – so wollte ich diesen Eintrag titeln. Wir sind auf den letzten Drücker Athen entkommen – morgen ist wieder alles zu. Jede Bewegung, die du machst, musst du dann vorher per sms anmelden und genehmigen lassen. Die Reise von Athen nach Kalamata gehört nicht zu den genehmigungsfähigen Bewegungen.

Die Straßen von Athen waren heute total verstopft, Jeder versuchte, noch irgendwas zu erledigen. Auch die Autobahn war voller als sonst: so mancher wollte entkommen oder heimkommen – in die eine oder andere Richtung. In den Geschäften herrschte, so hörte ich im Radio, ungeheures Gedrängel. Wenn das Virus eine Chance suchte, sich zu verbreiten: die Regierungsmaßnahmen haben sie ihm geboten. Denn anstatt gemütlich Schuhe in einem mehr oder weniger leeren Laden anzuprobieren, drängelten die Kunden, schrieen rum und rissen sich um die begehrten Objekte (hörte ich im Radio). Kann sein, dass das bös übertrieben ist, doch dass man gestern und heute auf Athener Straßen nur stopp und go fahren konnte, kann ich bestätigen. Und dass bei den großen Shopping Centers absolute Konfusion herrschte, auch. Die Menschen sind entnervt, viele in Panik.

Jedenfalls ist nun die Stille unseres Hauses, unseres Gartens und der Olivenhaine um mich. Ich machte mich gleich auf, um noch einen letzten Schimmer des Tages über dem Meer zu sichten – in der Hoffnung, dass auch meine Gedanken ein wenig zur Ruhe kommen.

Doch werden sie das? Ich sehe im Geist die traurigen Augen der Wirtin der kleinen Taverne in Arkadien, wo wir immer gern haltmachen. Es ist ein Platz abseits der Autobahn, mit ein paar Tischen draußen und drinnen. Bauern kommen da vorbei und sitzen, oft allein, bei einem Glas Bier, unterhalten sich wohl auch mal zum nächsten Tisch hinüber. Es gibt immer nur ein gekochtes Essen, die wenigsten essen. Aber es ist ein Ort, wo man mal einen Menschen sieht, denn die Gegend ist einsam.

Hier fotografierte ich noch einmal die Wand mit rotem Wein, noch röter als vor acht Tagen ist er jetzt.  Und rot sind auch die Blätter einiger neu gepflanzten Bäumchen, die Blüten der Blumen in den Blechkanistern.

Warum aber hat die Wirtin – eine Amerikanerin, die es vor vielen Jahren hierher verschlagen hat – so traurige Augen? Warum bin ich nicht fröhlich angesichts dieses schönen roten Herbstes und genieße das gute Essen?  Weil auch diese Taverne schließen muss. Ab morgen ist sie zu, wie alle Tavernen im Land. Wie die Cafes, traditioneller Treffpunkt der Alten, der Einsamen. Wie die Kafeterien, Treffpunkt der Jungen. „Erstmal für drei Wochen“ – aber sie glaubt nicht, dass sie wieder aufmachen kann. Die Wirtschaft geht zugrunde, die Menschen vereinsamen. Und warum? Weil es hohe Infektionszahlen gibt. Nicht in Arkadien freilich. Auch nicht in Messinien. Woanders. Aber die Regeln gelten überall.

Die Infektionszahlen – gemessen an den positiven Tests – sind hoch. Trotz Masken. Trotz Abstandsregeln. „Die Regeln werden nicht eingehalten“, sagen die einen. „Sie sind nutzlos“, sagen die anderen. „Sie sind widersinnig“, sagen die dritten. Kinder sitzen gedrängt im Klassenraum,  jedes mit Maske, Fenster und Türen offen, Durchzug, Erkältungskrankheiten  kommen und gehen. Die Masken sind feucht, denn Kinder lachen, prusten, niesen, husten, reden. Die Kinder tauschen die Masken untereinander (die mit Mickymaus gegen die mit Cinderella)… aber gemeinsames Singen ist verboten, und eine Lehrerin, die sich traute, ohne Maske zu unterrichten, wurde erstinstanzlich zu einem Jahr Gefängnis mit 3 Jahren Bewährung verurteilt. Angezeigt von einer verärgerten Mutter.

Wie kann ich Ruhe finden, wenn sich seit 9 Monaten alles, aber auch alles um dieses Virus dreht? Wie ein Wurm hat es sich in mein Hirn gefressen und wütet darin herum. Im Mai hatte ich beschlossen, dass es dies Virus für mich nicht mehr gibt. Schluss, aus! Genug! Aber es lässt nicht locker. Du kannst keine Nachrichten hören, keine Zeitung öffnen, ohne dass es dir erneut in Augen und Ohren kriecht. Wann wird Schluss damit sein? Hat denn niemand Erbarmen?

So. Jutta Reichelt hat heute angeregt, das, was man auf dem Herzen hat, aufzuschreiben. Vielleicht, sagt sie, hilft es dir, erleichtert es dich. Und außerdem könntest du drei Dinge aufschreiben, die dir Freude gemacht haben. Das will ich nun auch noch tun:

  1. Freude hatte ich, als ich die Stadt hinter mir ließ und sich die weite herrliche Gebirgslandschaft der Pelopsinsel vor mir öffnete.
  2. Freude hatte ich, als ich beim Halt in Kato Asea den roten Herbst fotografierte und eine kleine, nach den großen Bränden angepflanzte Kastanie bereits erste Stachelfrüchte trug.
  3. Freude hatte ich, als uns der graue Kater, den wir seit kurzem füttern, mit vorwurfsvollem Mauzen begrüßte.
  4. … viele viele Momente der Freude hatte ich auch heute. Wie immer. Wie jeden Tag. Aber auch Trauer. Auch Zorn. Auch Herzweh.
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Kleine Fluchten: Der Hafen von Rafina (Fotografie)

In Athen sind nun unsere Tage ausgezählt. Morgen geht es zurück in die Mani, denn ab übermorgen ist hier wieder alles dicht. Lockdown. Am Samstag hätte ich auch die Autotour nicht mehr machen dürfen, die mich heute zum Hafen von Rafina an der Ostküste Attikas brachte. Ich holte eine liebe Wiener Freundin vom Hafen ab, doch vorher trieb ich mich ein bisschen am Meer herum.

Das begrüßte mich dunkel tintig gefärbt und schäumend. Die Atmosphäre war vom starken Wind blankgeputzt, so dass die Fastinsel Euböa zum Greifen nah erschien. An einem freien Küstenstreifen jenseits des Hafens gibt es eine schöne Anpflanzung von Bäumen, die dem Wind und Wetter standhalten, Findlinge, wild abgebrochene Küsten, befestigte Dünen …An einer Stelle hatte sich das Meer einen Ausfluss ins Landesinnere gegraben, so dass sich ein weiter Binnensee bildete, ständig neu gefüllt und wieder abfließend.

Ein Ausflug nach meinem Herzen. Und dann kam auch die kleine Fähre aus Euböa mit dicker Rauchfahne angedampft und brachte die Freundin.

 

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Ruhe ist die erste Bürgerpflicht

Mein Kommentar zum überseeischen Wahlausgang

Ruhe ist die erste Bürgerpflicht

 

 

 

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Transformation oder Metamorphose? Mein 2. Beitrag zur Impulswerkstatt und zu Jürgens Projekt

In dieser Woche denken etliche, angeregt von Jürgen Küsters Fragen, über Transformation nach, so auch ich. Parallel dazu läuft mein Nachdenken über den Impuls, den Myriade in der Impulswerkstatt mit ihrem Foto gesetzt hat. Indem ich das eine mit dem anderen beleuchte, möchte ich meine Gedanken zum Unterschied zwischen Transformation und Metamorphose ein wenig sortieren.

Goethe: Urworte, orphisch:

Und keine Zeit und keine Macht zerstückelt
Geprägte Form, die lebend sich entwickelt.

Auf diesem Bild kreuzen sich ein Lebendiges und ein Totes: starr zieht sich ein stachelbewehrter menschengemachter Draht von rechts nach links durchs Bild. In diesen Draht verflochten hat sich ein natürlicher samenbehängter trockener Grashalm, der unbeirrt vom Hindernis sein Wachstum nach Oben fortsetzt. Das Kreuz steht vor einem lebendig-lichtvollen grünen Hintergrund.

Die Samen des Grashalms werden, wir wissen es, ausreifen und ihren Weg ins Grün nehmen, wo sie, sofern es regnet, aufquellen und in den Boden sinken werden. Oder sie werden von Ameisen fortgeschleppt, von Vögeln aufgepickt und anderswo wieder auf den Boden entlassen. Um zu wachsen. Um Grashalm zu werden, zu blühen und Samen zu tragen.  Der Same wird eine Metamorphose, einen Formenwandel durchmachen und doch in allen seinen wechselnden Gestalten bleiben, was er ist – denn er ist lebendig. Warum das so ist, wie es geschieht und wozu – niemand kann das sagen. Es ist. Es geschieht. Es ist Natur.

Und der Stacheldraht? Er wurde von menschenerdachten und -gemachten Maschinen aus mehreren Drähten zusammengedreht und in gleichmäßigen Abständen mit einem durchaus kunstvoll gebildeten Stachel bewehrt. Das Material entstammt der Erde, es wurde vom Menschen gefördert und bearbeitet, es wurde transformiert, also umgestaltet, um einem bestimmten Zweck zu dienen. Man kennt, wenn man ein Mensch ist, das Wie und das Wozu (Tiere und Pflanzen kennen es nicht, sie können es nur als Hindernis wahrnehmen und sich dran verletzen). Transformation ist ein von einer höheren Instanz angeregter und kontrollierter, meist technischer Vorgang.

Metamorphose ist ein griechisches Wort und spiegelt den griechischen Geist, der idealerweise schauend-philosophisch orientiert ist. Er betrachtet die Dinge gern in ihrem So-Sein, ohne sie groß zu verändern. Seine Interventionen in die Welt sind leicht und möglichst im Einklang mit der Beschaffenheit des Ortes und der Natur. Du kannst nichts „metamorphosieren“. Das griechische Wort μεταμορφόνομαι (metamorphonomai) ist ein Relativverb, das weder aktiv noch passiv, sondern selbstbezogen ist. Goethe, der Liebhaber des griechischen Geistes, spricht daher von der „Metamorphose der Pflanzen“ , nicht von ihrer Transformation.

Transformation ist lateinisch und spiegelt den römischen Geist, der beobachtet, um zu machen, herzustellen, umzugestalten. Er ist auf Herrschaft, Kontrolle und technische Beherrschbarkeit angelegt. Die Römer bauten gerade Straßen, Kanalisation, Aquädukte, schufen Römisches Recht und setzten es überall durch, wo sie herrschten….  Transformieren kann ich nur, was ich zum Objekt machen kann. Denn transformieren ist ein transitives Verb: Ich transformiere etwas. Künstler transformieren Materialien und Formen in Kunstwerke, Politiker transformieren durch Gesetze und Vollzugsorgane Gesellschaften, Produzenten transformieren Bodenschätze mithilfe von Maschinen in Gebrauchsgüter etc pp. Immer ist es ein Agens („ein wirkendes, handelndes, tätiges Wesen oder Prinzip“, eine höhere Instanz), die auf etwas Niedrigeres, ein Objekt einwirkt und es umgestaltet.

Oft schon habe ich mich mit der unterschiedlichen Formensprache von Natur und Technik befasst. Nun aber möchte ich diese Gedankeen gern weiter ausbreiten und vertiefen. Dank sei dem doppelt gesetzten Impuls von Myriade und Jürgen!

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Reifung oder Metamorphose? am Beispiel des Granatapfels

„Reifung einer Zeichnung“ nannte ich diese Reihe mit dem Granatapfel, die ich vor fast genau einem Jahr, am 31. Oktober 2019 machte.

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Nicht viel anders ist eswohl einzuschätzen, wenn das Motiv in verschiedenen Ansichten und Techniken wiedergegeben wird.

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Doch wie ist es mit dieser Reihe „von der Blüte zur Frucht“? Findet hier eine Transformation statt? Oder nicht doch eher eine Metamorphose?

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In eine ganz andere Dimension treten wir ein, wenn wir uns dem Mythos und seiner Bilderwelt nähern: Da wird der Granatapfel, den Hades der Persephone reicht und von  dem sie isst, zum „Transformator“: er fesselt die frühlingshafte Tochter der Demeter an die Unterwelt, deren Herrscherin sie sein wird, bis der Frühling wieder erscheint.  Hier kommt die alte Vorstellung vom Tod als transformatorischer Durchgangsphase zum Tragen.

Wir aber wollen uns, solange wir es haben, des Lebens erfreuen.

Angeregt zu diesen Gedanken wurde ich durch einen Kommentar von Jürgen Küster  (Buchalov), der das Projekt zur Transformation in die Welt gesetzt hat. Er kommentiert Ulli Gaus heutigen Beitrag „Transformation II“ so : „Was ich sehe ist eine chronologische Dokumentation einer Entwicklung, von schrittweisen Veränderungen. Es stellt sich die Frage, ob das eine Umwandlung ist, eine Transformation, eine Umgestaltung, oder die Änderung der äußeren Hülle.“ Unsicher sei er  Da will doch auch ich meinen Beitrag leisten, um diese Fragen zu klären.

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