kleine Fundsachen

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Frühling allüberall

IMG_2975.jpg„Auch wenn ihr allen Blumen die Köpfe abhaut,“ meinte Pablo Neruda, „der Frühling kommt doch wieder.“ –  Ja, er kommt. Er ist schon da.

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist img_2976-bunt-e1566326771267.jpg.

Gestern  tobte ein heftiges Unwetter über unseren Köpfen, der Himmel verfinsterte sich und Regenmassen stürzten auf die Erde. Der Regen brachte rötliche Erde mit sich. Als ich mir heute morgen die Welt besah, war das Meer zu meinem Erstaunen zweigeteilt: im entfernten Bereich bis zum Horizont strahlte es in tiefdunklem Blau, zur Küste hin, scharf abgegrenzt, waberte eine rötlich-braune fast feste Substanz. Das  war der Wüstensand, der sich aus der Atmosphäre gelöst hatte.

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Nun herrschen frischeste Farben, die Welt glänzt und funkelt, und auf den Bergen liegt ein wenig Neuschnee.

 

Ich bin glücklich, der Stadt entronnen zu sein. Denn Frühling in der Stadt – das ist, ja, das ist …

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… kurzum, das ist auch ganz nett. Der Hund findet auch in der Stadt einen Baum, und der Baum treibt auch hier eine Knospe, es findet sich wohl auch ein Platz, wo sich die Menschen ein „Der Frühling ist da!“ zurufen können. Menschen und Hunde, gestreift vom langen winterlichen Eingeschlossensein, lüften ihre  steifen Glieder. Die Häuser wollen tanzen, und sie tuns auch, aber Bäume sind sie nicht, und wenn sie ausschlagen, wird’s nicht immer gern gesehn.

Wenn du gar ein Liedchen suchst, das den Frühling in der Stadt besingt, da kannst du lange suchen. Immerhin, abends zum Schlummertrunk mag sie ja recht willkommen sein

 

Emanuel Geibel (1815-1884)

Der Mai ist gekommen …

Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus,
Da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus;
Wie die Wolken wandern am himmlischen Zelt,
So steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.

Herr Vater, Frau Mutter, dass Gott euch behüt!
Wer weiß, wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht!
Es gibt so manche Straße, da nimmer ich marschiert,
Es gibt so manchen Wein, den ich nimmer noch probiert.

Frisch auf drum, frisch auf im hellen Sonnenstrahl
Wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Tal!
Die Quellen erklingen, die Bäume rauschen all,
Mein Herz ist wie ’ne Lerche und stimmet ein mit Schall.

Und abends im Städtlein da kehr’ ich durstig ein:
„Herr Wirt, Herr Wirt, eine Kanne blanken Wein!
Ergreife die Fiedel, du lust’ger Spielmann du,
Von meinem Schatz das Liedel sing’ ich dazu.“

Und find’ ich keine Herberg’, so lieg’ ich zu Nacht
Wohl unter blauem Himmel, die Sterne halten Wacht:
Im Winde die Linde, die rauscht mich ein gemach,
Es küsset in der Früh’ das Morgenrot mich wach.

O Wandern, o Wandern, du freie Burschenlust!
Da wehet Gottes Odem so frisch in die Brust;
Da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt:
Wie bist du doch so schön, o du weite, weite Welt!

(Pardon, das Gedicht von Geibel singt vom Mai, aber angesichts der Erderwärmung darf ich wohl vorgreifen. Und was das Burschenglück und das Schlafen unter freiem Himmel anbetrifft, so haben sich die Zeiten ebenfalls geändert. Aber was soll ich tun? Frühling ist, was das deutsche „Liedgut“ anbetrifft, eine eher altmodische Angelegenheit.)

Fruehling in der Stadt, Hund

Alsdann! Lasst uns den Lenz begrüßen!

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Das Bild als hermetisches Zeichen

Bevor ich mit den Legebildern und dann auch mit den dazu erfundenen Geschichten anfing (die dann im Mai 2015 zu diesem Blog führten), begannen meine Bilder bereits, „erzählerisch“ zu werden. Hier ein Beispiel von 2014. Als Medien verwendete ich eine Leinwand, Akryllfarben in Pulverform und Leim, Ölkreiden und bemaltes, zerfetztes Japanpapier.

Bild 2 veraendert 14.7.13 f

Oder dieses, in derselben Zeit entstandene, „afrikanische“ Bild. in dem ich die gleichen Materialien verwendete, dazu auch Wellpappe und ein Plastiknetz.

Bild 3 31.7. mit Netz

Die darin eingespeisten Geschichten sind nicht auseinander gefaltet, sie bleiben hermetisch. Ihre Sprache knüpft nicht an bekannte Symbole an. Zwar gibt es einige Formen, die „erkennbar“ sind, so besonders das „Auge“ des ersten Bildes, und dieses Auge „gehört“ irgendwie zu einer Fischform. Auch gibt es dort wabenförmige Zeichen, die  Zellen sein könnten oder ein Netz oder eben Waben von Bienen. Im zweiten Bild ist es wieder ein „Auge“, das dem Bild seine Prägung gibt. Hier ist das Auge leer und gehört zu einer „Maske“,   deren helle Oberfläche sich in anderen Formen wiederholt.

Etwas geschieht oder geschah und wurde in den Bildern sichtbar gemacht. Doch bleibt der Inhalt rätselhaft, bis sich jemand entschließt, die darin eingeschlossene Geschichte zu befreien.

Wenn du zum Beispiel einen Fisch im Wasser siehst, dann meinst du zu wissen, was du siehst. Da ist nichts Rätselhaftes, außer vielleicht, dass du den Namen nicht kennst, dass du dich wunderst, wie dieser Fisch in ein Gewässer kommt, in das er nicht „gehört“. Vielleicht findest du ihn schön oder du holst deine Angel und freust dich auf einen gebratenen Fisch oder du fütterst ihn mit Brot. Aber alles das ist ohne Rätsel. Denn du hast verlernt, die Existenz des Fisches für rätselhaft zu halten.

Hier nun springt die Kunst ein: sie zerreißt das Gewebe des Gewohnten, indem sie es neu zusammensetzt. Sie schafft eine Lücke und lässt den Blick in ein Unbekanntes gleiten. Das jedenfalls ist eine ihrer Aufgaben, meine ich.

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Ein paar Striche

Vorgestern kündigte ich an, dass ich ab jetzt jeden Tag ein paar Linien zeichnen werde. https://gerdakazakou.com/2016/03/15/kein-tag-ohne-linie-paul-klee/

Ich hab es auch treulich getan. Was ich hier zeige, sind die ersten Versuche nach langer Abstinenz. Damit ihr nicht glaubt, ich sei faul gewesen 😉

16.3.2016 (Kohle auf Papier)

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17.3.2016 (Kohle auf Papier)

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Ich bin bei diesen kleinen Zeichnungen recht nah am Gegenständlichen geblieben – also an dem, was mein Auge in meiner Umwelt aufnahm. In der Weiterbearbeitung wurden sie dann farbig (Ölkreide) und abstrakter, was ihnen nicht unbedingt gut bekommen ist.

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Noch schlimmer erging es ihnen, als ich ihnen mit dicken Stücken Ölkreide zu Leibe rückte

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oder, nachdem ich sie teilweise mit Klebestreifen überklebt hatte, in fest gefügte Gebilde verwandelte ….

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Es ist, dachte ich mir, so wie im Pflanzenreich: die Blüte hat ganz andere Qualitäten als die Frucht oder die Wurzel. Man kann kaum glauben, dass das eine aus dem anderen hervorgegangen ist.

 

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düstere Sonne

Heute war ich am Hafen, in Kalamata. Und mir kam ein Bild in den Sinn, das ich vor Jahren malte: Sea Front. Es ist mit wenigen Pinselstrichen auf Papier gemalt, 50 x 70 cm groß, Akryllpulver und Leim mit Wasser.

 

seafront Sonnea

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Kein Tag ohne Linie (Paul Klee)

Es gibt Zeiten, da habe ich diesen Satz von Paul Klee ernsthaft befolgt.Und nun, da ich wieder in der Mani bin und das Atelier auf mich wartet, möchte ich mich erneut auf diesen Satz verpflichten: Jeden Tag eine Linie. Egal was dabei herauskommt: jeden Tag eine Linie!

Hier nun ein paar Beispiele aus meinem Skizzenblock. Jeder Tag ist anders, also ist auch die Energie  verschieden, die sich in den Skizzen ausdrückt – zumal, wenn man sie, wie ich das gerne tue, spontan aufs Papier fetzt. Als Materialien dienen ein Zeichenblock oder loses Papier, Graphitstift oder Kohle, Buntstift oder Ölkreide oder Pinsel und Akryllfarbe. Der Grund ist teils mit Balsamöl durchtränkt oder beklebt, um den Start zu erleichtern. Denn eine weiße Fläche ist erst mal ein Schock.

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Montag ist Fototermin: immer noch „Reiner Montag“

Seit gestern abend bin ich zurück in meinem Paradies in der Mani (Süd-Peloponnes). Gegen Mittag kam ein Wind auf, wühlte im Wüstenstaub, der sich seit Tagen in der Atmosphäre herumtreibt, wühlte auch im Meer und brachte Frische mit sich.

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Trübes  Wetter schreckt Griechen nicht leicht ab, wenn es darum geht, heilige Bräuche zu pflegen. Und das hieß heute: Drachen (im Griechischen „Adler“) müssen fliegen.

IMG_6022 IMG_6010  Die Männer jeden Alters entwickeln da beträchtlichen Ehrgeiz, während Frauen und Kinder lieber Hunde streicheln – jedenfalls manchmal (hier mit dem meinen, Tito).

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Ein freundlicher Besuch überraschte mich bei der Heimkehr: drei Pferde grasten im Olivenhain gleich vor unserer Haustür.

Ich holte einen Drachen, der untätig in meinem Atelier Wache schob, hervor. Eine Schönheit ist er nicht, auch fehlten Schwanz und Leine. Doch für einen hübschen Farbfleck an unserem Steinhaus schien er mir gut genug.

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Im Dorf Nedousa im Taygetos trafen sich derweil die Narren, um dem Winter einen letzten Schubs zu geben (Foto von früherem Besuch dort oben).

fasching Mehr dazu in einem früheren Beitrag: https://gerdakazakou.com/2016/02/10/gruesse-zum-aschermittwoch

Und nun gehts auch hier los mit der Fastenzeit. Bis Ostern, das in diesem Jahr Ende April gefeiert wird, ist Fleisch tabu.

 

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Reiner Montag

IMG_5174a In den Ländern der Westkirchen, also bei den meisten von euch, liebe BloggerfreundInnen, befindet man sich schon in der dritten Karwoche – so wurde mir heute von einer Freundin klargemacht. Hier aber – im Bereich der Ostkirche – wurde heute erst der Höhepunkt des Karneval erreicht.

IMG_2544Persönlich habe ich davon allerdings nichts bemerkt – ich fuhr bei leichtem Regen von Athen nach Kalamata und weiter in die Mani. Morgen (oder, wenn ihr dies lest, heute) feiert man den „reinen Montag“, Kathara Devtera, wo man Drachen steigen lässt – wenn man kann. Die Drachen sind hier gleichschenklig und sechseckig, ganz anders als die in meiner Kindheit, als wir uns Drachen mit einem langen Längsholz und einem kürzeren Querholz bastelten, dazu auch einen langen Schwanz, der mit Zeitungspapier möglichst schwer gemacht wurde. Denn die Herbstwinde hoben nur solche schweren Drachen hoch in den Himmel über den Stoppelfeldern.

Hier aber ist es ein Frühlingsfest mit Frühlingsdrachen, die aussehen wie die liebe Sonne selbst: rund mit sechs Ecken anstelle der Strahlen. Das Volk eilt mit Kind und Kegel auf eine Anhöhe oder eine freie Parkfläche, beladen mit Picknickkörben, Decken und dem Drachen.

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In den Picknickkörben befinden sich alle möglichen Leckerbissen, nur kein Fleisch, denn an diesem Montag beginnt das fröhliche Fasten mit Fladenbrot, Fischroggen, Tsatsiki, Oktapus und Halvas, um nur die notwendigsten Ingredienzien zu nennen.

Das Wichtigste sind natürlich ein guter Wind und eine freundliche Sonne. Die werden in diesem Jahr leider kaum erwartet. Aber wer weiß! Die Wetteransagen wurden ja schon des öfteren durch die Wirklichkeit überholt.

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Nur so: Der Lenz ist da

IMG_5996Kurt Tucholsky

Der Lenz ist da!

Das Lenzsymptom zeigt sich zuerst beim Hunde,
dann im Kalender und dann in der Luft,
und endlich hüllt auch Fräulein Adelgunde
sich in die frischgewaschne Frühlingskluft.

Ach ja, der Mensch! Was will er nur vom Lenze?
Ist er denn nicht das ganze Jahr in Brunst?
Doch seine Triebe kennen keine Grenze –
dies Uhrwerk hat der liebe Gott verhunzt.

Der Vorgang ist in jedem Jahr derselbe:
man schwelgt, wo man nur züchtig beten sollt,
und man zerdrückt dem Heiligtum das gelbe
geblümte Kleid – ja, hat das Gott gewollt?

Die ganze Fauna treibt es immer wieder:
Da ist ein Spitz und eine Pudelmaid –
die feine Dame senkt die Augenlider,
der Arbeitmann hingegen scheint voll Neid.

Durch rauh Gebrüll läßt sich das Paar nicht stören,
ein Fußtritt trifft den armen Romeo –
mich deucht, hier sollten zwei sich nicht gehören …
Und das geht alle, alle Jahre so.

Komm, Mutter, reich mir meine Mandoline,
stell mir den Kaffee auf den Küchentritt. –
Schon dröhnt mein Baß: Sabine, bine, bine …
was will man tun? Man macht es schließlich mit.

(1914)

 

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Das Treppenhaus nach Escher, Wikipedia und Duchamp.

Angeregt durch http://juttareichelt.com/2016/03/11/9-geschichtengenerator-in-aktion/ habe ich meine Abneigung gegen Treppenhäuser zugunsten einer eher philosophisch-stoischen Betrachtung aufgegeben. Die Treppe, so wissen wir aus der Traumdeutung, ist ein Symbol für den Aufstieg zu höheren Einsichten. Dass sie nicht immer nach oben, sondern bisweilen auch in den Keller führt, braucht mich nicht zu beunruhigen.

Escher's_Relativity

Was aber, wenn sie sowohl nach oben als auch nach unten führt, und zwar gleichzeitig, wie auf Eschers Bild? Wenn das Aufsteigen und das Absteigen eine ganz und gar relative Angelegenheit ist, geradezu eine Demonstration von Einsteins Relativitätstheorie? Was, wenn man ständig an Verzweigungen gerät und die Orientierung verliert? Wenn einen der Schwindel packt angesichts des Schachtes, der sich beim Höhersteigen immer tiefer absenkt, während der Blick nach oben in den „Spiegel“ (ja, so heißt die Decke des Treppenschachtes) nicht minder erschreckend ist?

Wie gut, dass es Wikipedia gibt, dachte ich bei mir: wer hat nicht schon mal dort Halt gesucht, wenn er verunsichert war? Und so begab ich mich also zum Ausgangspunkt (keine Ahnung, wo der sich auf Eschers Bild befindet) und zu Wikis Definition des Treppenhauses:

Wiki: Das Treppenhaus dient der vertikalen Erschließung aller angeschlossenen Ebenen eines mehrgeschossigen Gebäudes und ist dessen funktionaler Bestandteil.

Aha, das Treppenhaus dient der Erschließung. Gut für mich. Ich folge zuversichtlich dem Stichwort „Erschließung“ und erfahre:

Wiki: Unter der Erschließung eines Gebäudes versteht man im Allgemeinen Zugangswege, Bauteile und Räume, über die die Nutzer in horizontaler oder vertikaler Richtung die einzelnen Nutzungseinheiten…..

Eine Gabelung zwischen horizontal und vertikal, nicht gut für mich. Soll ich nach unten wandern oder erst mal Umschau halten?

Wiki: Der Horizont (altgriechisch ὁρίζων horízōn, Genitiv ὁρίζοντος horízontos) ist die Grenzlinie zwischen der sichtbaren Erde und dem Himmel. Mit dem griechischen Wort horízōn ist eigentlich horízōn kýklos gemeint, der „begrenzende Kreis“ (zu ὁρίζειν horízein „begrenzen“).[1]#

Begrenzender Kreis. Das gefällt mir denn doch besser als das schwindelerregende Hinabschauen in …

Wiki: Die Lotrichtung, auch Vertikale, ist die örtliche Richtung der Schwerebeschleunigung, sie zeigt also nach „unten“.

Nee, wirklich nicht! Ich ziehe meinen Blick von dem Schacht zurück, der sich im Treppenhaus öffnet, und schaue in die angebotene Richtung nach oben:

Wiki: Als Himmel wird die Ansicht bezeichnet, die sich einem Betrachter von der Erdoberfläche aus bietet, wenn er in Richtung Weltall blickt.

Ein wenig mulmig wird mir nun doch: das ganze Weltall breitet sich da oben, das ist ja irgendwie erhabener als die „Schwerebeschleunigung“, aber dennoch! Man stelle sich vor: das ganze Weltall ist da oben! Damit mich nicht Vertikus (der Schwindel) an den Haaren packt und hinaufsaugt ins Unbegrenzte, schaue ich erneut bei Wiki nach und erfahre, dass ich vor dem Weltall eigentlich keine Angst zu haben brauche. Es handelt sich um etwas Wohlbekanntes und gut Geordnetes:

Wiki: Das Universum (von lateinisch universus „gesamt“, von unus und versus „in eins gekehrt“), auch: der Kosmos oder das Weltall, ist die vorgefundene Anordnung aller Materie und Energie

Dumm nur, dass ich nun wieder eine Entscheidung treffen muss. Energie oder Materie?

Wiki: Energie (altgr. ἐν en „innen“ und ἔργον ergon „Wirken“) ist eine fundamentale physikalische Größe, die in allen Teilgebieten der Physik sowie in der Technik, Chemie, Biologie und der Wirtschaft eine zentrale Rolle spielt.

Wiki: Materie (von lateinisch materia = Stoff, Thema, Bauholz, Ursache) ist eine Bezeichnung für die Substanz, aus der alle Dinge der Welt bestehen, unabhängig von ihrer Erscheinungsform.

Bauholz ist schon mal nicht schlecht. Das Weltall  ist, so viel wird mir klar, eine Erscheinungsform …. nicht anders das Treppenhaus. Beide – Weltall und Treppenhaus, sind ein bisschen relativ, ein Je-nachdem, es gibt ein Oben, ein Unten und ein Rundherum.  Ich stehe auf sicherem Boden. Oder steckt der Teufel in der  „Erscheinungsform“?

Wiki: Unter Erscheinung versteht man im allgemeinen Sprachgebrauch verschiedene Arten des Auftauchens bzw. „Daseins“ eines Objektes oder das Sichtbarwerden oder Sichzeigen von zuvor nicht zu sehenden oder erkennbaren Gegenständen oder Vorgängen in der Umwelt… (eine lose Holzleiste, über die ich stolpern könnte? Ein Kinderball, der die Stufen herunterspringt?? )

oder aber ein unwillkürliches inneres Erleben von plastisch deutlichen visuellen Vorstellungen, die dabei auch andere Sinnesqualitäten, besonders häufig solche akustischer Art, einschließen können…. (ich höre das Knarren einer Tür, schwere Schritte, schon sehe ich vor meinem inneren Auge einen Mörder, der mit einem Beil die Treppe heraufsteigt, Schweiß bricht mir aus allen Poren, ich renne, stolpere über die lose Holzleiste und rolle mitsamt dem Kinderball hinunter, breche mir sämtliche Knochen)

Auch das „Auftreten“ als Phänomen im abstrakten Sinn oder als Auftritt in theatralischem Verständnis kann so benannt werden. Meist wird damit dann ein (plötzlicher) Auftritt im Sinn einer Veränderung in der betrachteten Szene gemeint.

Damit diene ich gern! Schluss mit den losen Leisten und rollenden Bällen! Die Szene verändert sich (plötzlich) und die Treppe herab steigt, selbstbewusst und elegant : Duchamps Nackte.

Duchamp_-_Nude_Descending_a_Staircase

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