Frühling allüberall

„Auch wenn ihr allen Blumen die Köpfe abhaut,“ meinte Pablo Neruda, „der Frühling kommt doch wieder.“ –  Ja, er kommt. Er ist schon da.

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Gestern  tobte ein heftiges Unwetter über unseren Köpfen, der Himmel verfinsterte sich und Regenmassen stürzten auf die Erde. Der Regen brachte rötliche Erde mit sich. Als ich mir heute morgen die Welt besah, war das Meer zu meinem Erstaunen zweigeteilt: im entfernten Bereich bis zum Horizont strahlte es in tiefdunklem Blau, zur Küste hin, scharf abgegrenzt, waberte eine rötlich-braune fast feste Substanz. Das  war der Wüstensand, der sich aus der Atmosphäre gelöst hatte.

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Nun herrschen frischeste Farben, die Welt glänzt und funkelt, und auf den Bergen liegt ein wenig Neuschnee.

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Ich bin glücklich, der Stadt entronnen zu sein. Denn Frühling in der Stadt – das ist, ja, das ist …

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… kurzum, das ist auch ganz nett. Der Hund findet auch in der Stadt einen Baum, und der Baum treibt auch hier eine Knospe, es findet sich wohl auch ein Platz, wo sich die Menschen ein „Der Frühling ist da!“ zurufen können. Menschen und Hunde, gestreift vom langen winterlichen Eingeschlossensein, lüften ihre  steifen Glieder. Die Häuser wollen tanzen, und sie tuns auch, aber Bäume sind sie nicht, und wenn sie ausschlagen, wird’s nicht immer gern gesehn.

Wenn du gar ein Liedchen suchst, das den Frühling in der Stadt besingt, da kannst du lange suchen. Immerhin, abends zum Schlummertrunk mag sie ja recht willkommen sein

 

Emanuel Geibel (1815-1884)

Der Mai ist gekommen …

Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus,
Da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus;
Wie die Wolken wandern am himmlischen Zelt,
So steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.

Herr Vater, Frau Mutter, dass Gott euch behüt!
Wer weiß, wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht!
Es gibt so manche Straße, da nimmer ich marschiert,
Es gibt so manchen Wein, den ich nimmer noch probiert.

Frisch auf drum, frisch auf im hellen Sonnenstrahl
Wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Tal!
Die Quellen erklingen, die Bäume rauschen all,
Mein Herz ist wie ’ne Lerche und stimmet ein mit Schall.

Und abends im Städtlein da kehr’ ich durstig ein:
„Herr Wirt, Herr Wirt, eine Kanne blanken Wein!
Ergreife die Fiedel, du lust’ger Spielmann du,
Von meinem Schatz das Liedel sing’ ich dazu.“

Und find’ ich keine Herberg’, so lieg’ ich zu Nacht
Wohl unter blauem Himmel, die Sterne halten Wacht:
Im Winde die Linde, die rauscht mich ein gemach,
Es küsset in der Früh’ das Morgenrot mich wach.

O Wandern, o Wandern, du freie Burschenlust!
Da wehet Gottes Odem so frisch in die Brust;
Da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt:
Wie bist du doch so schön, o du weite, weite Welt!

(Pardon, das Gedicht von Geibel singt vom Mai, aber angesichts der Erderwärmung darf ich wohl vorgreifen. Und was das Burschenglück und das Schlafen unter freiem Himmel anbetrifft, so haben sich die Zeiten ebenfalls geändert. Aber was soll ich tun? Frühling ist, was das deutsche „Liedgut“ anbetrifft, eine eher altmodische Angelegenheit.)

Fruehling in der Stadt, Hund

Alsdann! Lasst uns den Lenz begrüßen!

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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16 Antworten zu Frühling allüberall

  1. afrikafrau schreibt:

    welch eine Farbenpracht…wow…..wunderschön….

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  2. haluise schreibt:

    es ist ja bekannt, dass man im frühling sääähr vorsichtig sein muss, nämlich die bäume schlagen aus, das kann weh tun.
    und achtung, das glück ist nicht in der ferne, es ist in dir – mir selbst drin, aber spass macht die ferne doooch: ‚Mein Herz ist wie ’ne Lerche und stimmet ein mit Schall.‘
    ganz da oben
    da seh ich eine stadt am meeresgrund und darüber einen riesigen wal, der pinocchios verschluckt. na ja :
    der arme wal , der von menschen auch in seinem reich belästigt wird.

    frühülingsgrühüsse von LUISE

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  3. Maren Wulf schreibt:

    Wow, dein tobendes, wüstensandiges, gereinigtes Meer ist phantastisch!

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  4. gkazakou schreibt:

    danke, Maren!

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  5. dasgrauesofa schreibt:

    Da sind in Deinen wunderbaren Bildern aber wirklich alle Farben der Naturgewalten, die Du in Deinem Text beschrieben hast, wiederzufinden. Und ganz besonders gut gefällt mir natürlich der Frühlingsspaziergang mit Hund🙂.
    Hier ist es noch winterlich und wir müssen wohl doch noch auf den Mai warten. Viele Grüße, Claudia

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    • gkazakou schreibt:

      Hallo Claudia, vorgestern war es hier auch noch sehr kühl und grau, und heute geriet ich ins Schwitzen und hatte Lust, mich ins Meer zu stürzen. Der Frühling kommt schneller als man denkt – und husch, ist er schon vorbei. LG Gerda

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  6. Ingrid Soieker schreibt:

    ☆ Gerda mou, Heimweh klopft an ob Deiner stimmungsvollen Bilder ☆

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  7. wederwill schreibt:

    Er ist nicht zu bremsen und nach dem Betrachten deiner schönen Bilder, erfüllt er mich sogar schon ein bisschen – auch wenn auf den Bergen noch etwas Neuschnee liegt…
    Ich wünsche dir eine gute Woche und grüße herzlichst,
    Marlis

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  8. gkazakou schreibt:

    auch dir, Marlis, eine wunderschöne Woche. Auch auf unseren Bergen liegt ein wenig Neuschnee, zauberhaft. Herzliche Grüße von Gerda

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  9. wolkenbrecher schreibt:

    Du bist ne kleine Philosophin und Literarin, verträumt und in Fantasei aufgehend wie ein kleiner Stern, der irgendwo links oben blinkert und einen kleinen Schatz enthält, den er mit dir teilt ..Ein liebenswürdeiger Mensch mit eigener Meinung und Einstellung zum Leben .. Wie du sind die Menschen, die ich immer suche .. LG Sven

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    • gkazakou schreibt:

      Was ich bin, lieber Swen-Wolkenbrecher, erschließt sich nicht einmal mir. Aber Dank für dein gut gemeintes Loben. Nur das mit dem „links oben“ weiß ich nicht einzuschätzen. Warum nicht, meinetwegen, grad zwischen Schulterblatt und Rippenbogen?
      Übrigens, in meinem Romanfragment „Schwanenwege“ gibts einen Swen, der hat ne Zwillingsschwester Swantje. Du vielleicht auch?

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  10. Hella schreibt:

    Zur Ehre Nordhessens merke ich hier an: Das Lied von Geibel entstand 1841 auf Schloß Escheberg nicht weit von Kassel. Im 19.Jahrhundert gewährte Karl Otto von der Mals etlichen Romantikern dort großzügig Gastrecht, u.a August Wilhelm Schlegel, Ludwig Tieck, Wilhelm Müller, Heinrich Marschner, Louis Spohr, Moritz von Schwind, Friedrich von Bodenstedt, Ludwig Emil Grimm. Das Schloß wird immer noch von der Familie von der Mals bewohnt, der hübsche Park ist zugänglich, ein zauberhafter etwas verschwiegener Landsitz! Hella

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  11. Hella schreibt:

    Irrtum. die Familie heißt von der Malsburg. H.

    Gefällt 1 Person

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