Das Bild als hermetisches Zeichen

Bevor ich mit den Legebildern und dann auch mit den dazu erfundenen Geschichten anfing (die dann im Mai 2015 zu diesem Blog führten), begannen meine Bilder bereits, „erzählerisch“ zu werden. Hier ein Beispiel von 2014. Als Medien verwendete ich eine Leinwand, Akryllfarben in Pulverform und Leim, Ölkreiden und bemaltes, zerfetztes Japanpapier.

Bild 2 veraendert 14.7.13 f

Oder dieses, in derselben Zeit entstandene, „afrikanische“ Bild. in dem ich die gleichen Materialien verwendete, dazu auch Wellpappe und ein Plastiknetz.

Bild 3 31.7. mit Netz

Die darin eingespeisten Geschichten sind nicht auseinander gefaltet, sie bleiben hermetisch. Ihre Sprache knüpft nicht an bekannte Symbole an. Zwar gibt es einige Formen, die „erkennbar“ sind, so besonders das „Auge“ des ersten Bildes, und dieses Auge „gehört“ irgendwie zu einer Fischform. Auch gibt es dort wabenförmige Zeichen, die  Zellen sein könnten oder ein Netz oder eben Waben von Bienen. Im zweiten Bild ist es wieder ein „Auge“, das dem Bild seine Prägung gibt. Hier ist das Auge leer und gehört zu einer „Maske“,   deren helle Oberfläche sich in anderen Formen wiederholt.

Etwas geschieht oder geschah und wurde in den Bildern sichtbar gemacht. Doch bleibt der Inhalt rätselhaft, bis sich jemand entschließt, die darin eingeschlossene Geschichte zu befreien.

Wenn du zum Beispiel einen Fisch im Wasser siehst, dann meinst du zu wissen, was du siehst. Da ist nichts Rätselhaftes, außer vielleicht, dass du den Namen nicht kennst, dass du dich wunderst, wie dieser Fisch in ein Gewässer kommt, in das er nicht „gehört“. Vielleicht findest du ihn schön oder du holst deine Angel und freust dich auf einen gebratenen Fisch oder du fütterst ihn mit Brot. Aber alles das ist ohne Rätsel. Denn du hast verlernt, die Existenz des Fisches für rätselhaft zu halten.

Hier nun springt die Kunst ein: sie zerreißt das Gewebe des Gewohnten, indem sie es neu zusammensetzt. Sie schafft eine Lücke und lässt den Blick in ein Unbekanntes gleiten. Das jedenfalls ist eine ihrer Aufgaben, meine ich.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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11 Antworten zu Das Bild als hermetisches Zeichen

  1. Arabella schreibt:

    Das ist wunderbar von dir erklärt.

    Gefällt 2 Personen

  2. chiliwein schreibt:

    Oha………
    So etwas hätte ich nicht im Traum formulieren können
    Respekt echt toller Beitrag Gerda!
    :O
    LG Chiliwein

    Gefällt 1 Person

  3. bruni8wortbehagen schreibt:

    Geschichten, eingeschlossen in Bildern oder auch Worten, oh ja…
    Die Bilder bilden ist eine wundervolle Erklärung für Kunst mit Farben und Formen und Worte können es ebenso.
    Jede Ausdruckform ist in sich eine Besonderheit und die Besonderheit zu erkennen kann Teil des Lebens sein, das sich darin entfalten kann und damit nach außen trägt.

    Kunst zerreißt das Gewebe des Gewohnten und schafft es neu! Wie recht hast Du doch damit.
    Wir können durch die Kunst in unbekannte Räume eindringen und wie wundervoll ist das doch. Wir entdecken Geheimisse; sie erschließen sich uns (fast) und wir fühlen eine Weite, die uns fehlte…im üblichen Alltag.

    Herzlichen Dank für Deine guten Worte, die ich so sehr nachvollziehen kann.

    Gefällt 1 Person

  4. teggytiggs schreibt:

    „Denn du hast verlernt, die Existenz des Fisches für rätselhaft zu halten.“

    …das hast Du sehr schön gesagt, denn alles was wir benennen können, verliert mit unseren Worten ein Stück von seinem Zauber…

    Gefällt 2 Personen

  5. Ulli schreibt:

    Die Menschen haben überhaupt verlernt das Leben mit all seinen Formen als rätselhaft anzusehen, sie meinen, weil man heute biologisch/geologisch/archäologisch/psychologisch/soziologisch … so vieles erklären kann, dass es keine Wunder mehr gäbe, dabei sind es doch nur Erklärungen für Facetten, das Wunder belibt und die Kunst öffnet die Lücken dafür.
    Gut geschrieben, liebe Gerda!
    herzlichst
    Ulli

    Gefällt 1 Person

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