Tägliches Zeichnen: ein Bücherstapel auf dem Kamintischchen

Ermutigt und ermuntert durch eure freundliche Zusprache machte ich gestern abend unter dem Licht einer Lampe gleich noch eine Zeichnung.

Ein Foto derselben Szene

Bearbeitungen:

Ich überblendete entweder die Zeichnung mit dem Foto oder umgekehrt und veränderte manchmal die Zeichnung oder auch das Ergebnis der Überblendung mit Filtern, erstellte eine Vielzahl farbiger und schwarz-weißer Varianten. Drei Beispiele:

Farbig

reduzierte Farbigkeit, „Ölmalerei“-Filter

Schwarz.weiß

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tägliches Zeichnen: Straßencafe und Häuserzeile (mit Fotoüberblendung)

Von „täglichem Zeichnen“ kann leider überhaupt nicht mehr die Rede sein. Stift und Block bleiben fast täglich unbenutzt in der Tasche. Nur selten notiere ich noch, was sich vor meinen Augen abspielt, wie etwa hier, als eine kleinwüchsige lebhafte Frau und ein schwerfälliger Riese am Nachbartisch des Straßencafes Platz nehmen, um ein zuvor gekauftes Sandwich zu verzehren.

Heute trage ich den größeren Block mit mir herum, als ich ins Nachbardorf spaziere. Was soll ich nur zeichnen? Besonders inspirierend finde ich die Häuserzeile nicht, doch möchte ich nicht wieder ohne Zeichnung heimgehen. Und so wende ich dem glänzenden Meer den Rücken zu und mühe mich an dem Geschäft ab, zu dem der Stuhl gehört, auf dem ich Platz genommen habe.

Am Computer überblende ich die Zeichnung mit einem Foto derselben Örtlichkeit, und schneide um der größeren Klarheit willen ein paar Teile des Fotos aus (weiße Leerstellen).

Dann probiere ich aus, wie die Wirkung ist, wenn ich die Zeichnung über das Foto lege und Teile der Zeichnung ausschneide, um die Farben des Fotos zu nutzen (Himmel und Sonnenschirme).

Das Foto, ohne die Zeichnung:

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Im Cafe sitzen und über Raum und Horizonte nachsinnen

Ein Cafe in einem engen Durchgang, es duftet nach frischem Kaffee. Ich setze mich an eins der Tischchen  und blicke auf einen Ausschnitt der zentralen Fußgängerzone. Wenn ich mich umdrehe, blicke ich auf die Ständer eines Bekleidungsgeschäfts. 

Im Ausschnitt nach vor erscheinen und verschwinden Menschen wie auf einer offenen Bühne. Ihr Auftritt ist flüchtig: Kaum hat mein Auge sie erfasst, sind sie schon wieder abgetreten. Ein paar bleiben in meinem Gedächtnis haften: die drei Knaben, der alte Mann mit dem Gehstock, die Frau auf hohen weißen Sohlen, der Mann, der lebhaft auf uns zukommt, weil er Bekannte am anderen Tischchen entdeckt…. Das Fahrrad am Laternenmast ist immer dabei, auch die Fassaden, der Bodenbelag…, alles andere ist flüchtige Bewegung. Wie Gedanken, die kommen und gehen.  Wie Gedanken, denke ich. Und sind doch wirkliche Menschen, die ihrerseits in Räumen zu Hause sind, jeder ein Mittelpunkt seines Raums, den er mit sich herumträgt, immer Mittelpunkt. Und rundum sein Horizont.

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Jeder ist Mittelpunkt des Raums. All diese vielen Räume verschieben sich gegeneinander, wenn die Menschen sich bewegen, bei Stillstand sind sei einfach ineinander verschachtelt. Alle zusammen bilden den x-dimensionalen Raum. Der Gedanke setzt sich in mir fest. Er gefällt mir. Ich trage den Raum mit mir herum, der durch meinen Horizont begrenzt ist. Niemand kann mir diesen Raum streitig machen, aber ich kann ihn auch mit niemandem teilen.

Dann kommen Gedanken: Wodurch wird mein Horizont bestimmt und begrenzt? Durch die Wände da draußen, durch meine aktiven Sinnesorgane (Augen, Nase, Ohren), durch meine Aufmerksamkeitsspannung … Ich werde es später aufschreiben.

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Vom Sessel aus auf Schneegipfel schauen

Ich sitze am Fenster und trinke meinen zweiten Kaffee. Durch das offene Fenster dringt ein feines Frühlingslüftchen. Der Blick schweift in die Ferne. Da hinten auf den Gipfeln des Taygetos glänzt immer noch Schnee, die „Pyramide“ ist sogar noch durchgehend weiß. Das Auge sieht die Szenerie ganz deutlich, die Kamera vom iphone hat da schon Schwierigkeiten: Das zerklüfte Gebirge, rechts davon wie ein weißes Wölkchen das Dreieck des Propheten Elias, 2.600 m hoch. 

Mir ist, als wehe eine beruhigende Kühlung von den Bergen herab und besänftige die nun schon kräftige Sonnenwirkung.

 

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Tagebuch: Katzenleben und -sterben

Vieles tat sich in unserer Katzenwelt. Trauriges, Schönes.

Trauriges: das Kleinste aus Fritzis 4er-Wurf ist tot. Wir fanden es mehrfach vor dem Katzentransporter, in dem Fritzi ihre Kinderstube aufgezogen hatte, und legten es vorsichtig zurück. Aber das nützte nichts, es wurde wieder hinausbefördert. Und so sah ich gestern abend zu, wie es leise atmend und klaglos dalag und langsam verging. Es schnitt mir ins Herz. Ich grub ein Loch im Garten, legte es hinein, schaufelte es zu, trat die Erde fest. Als ich zurück kam, war Fritzi weg, und es lagen nur noch zwei Kleine im Transporter. Später schaute ich wieder nach: da war der Transporter leer. Sie hat die drei Überlebenden weggetragen und ist seither verschwunden. Warum? Sie fehlt mir, denn sie ist die einzige Schmusekatze, die mich immer begrüßte und mir um die Beine strich, wenn ich die Tür aufmachte.

Fröhliches: Gestern auch sah ich einen Neuling im Garten: ein kleines goldenes Kätzchen, noch unsicher auf den Füßen. Theo, die Goldene, und Mama Prinkipessa schauten aus einiger Entfernung wohlwollend auf das Kleine. Später war es wieder weg. Ob es Theos Kind ist? Es sieht ihr ähnlich.

 

Schöne Überraschung: Eines der drei Kätzchen aus Prinkipessas vorletztem Wurf ist wieder aufgetaucht. Es ist ihr sehr ähnlich: grau getigert, scheu und mit starkem Blick, der dich auf Abstand hält. Sie war ziemlich mager, als sie kam. Sie hat einen ausgezeichneten Appetit, hält sich gern bei der Mama auf, reibt, vom Fressen aufblickend, ihr Köpfchen an Mamas Kopf. Ich habe sie Beatrix getauft.

Auch ihre wild blickende Schwester Witch taucht ab und zu auf, doch hat sie offenbar woanders ihr Revier.

Für selten hier Mitlesende: Prinkipessa ist die Mama der anderen. Fritzi, Theo und Frieda, drei der vielen Kindern, die sie bisher bekam und die überlebt haben, sind Schwestern und jetzt selbst Mütter geworden. Vor einem Jahr waren sie noch Babys:

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: auf den Segelhafen schauen und träumen

Groß ist der Himmel, durchzogen von Konsensstreifen, die sich ausbreiten und zerfließen. Über den Gebirgsausläufern sammeln sich Wolken. Sehr still ist es hier. Im Becken des Hafens schwanken leise die Masten der Segler. Bald geht’s hinaus, ihr Lieben!

Die Gänse liegen im Gras, den Kopf im Gefieder verborgen. Kein Zaun schützt sie, doch sie fürchten sich nicht.

Ein kleiner frisch renovierter Hauskomplex dort, wo das Zubringersträßchen in einem Wenderondell endet und der Fußpfad beginnt, macht mich träumen. Wie es wohl wäre, hier zu wohnen, am Segelhafen, mit den frei herumwandernden Gänsen und den leise schwankenden Masten der Boote? Wie wäre mein Tagesablauf? Wäre ich eine andere, wenn ich hier wohnte?

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Welttheater, 4. Akt, 35. Szene: miteinander reden (Wilhelm und Danai, Hawi)

Was zuletzt geschah: Jenny und Abud kommentieren Wilhelm und die Personen, die sich ihm nähern: Danai und Domna mit Hawi. Wie denken sie? Was werden sie tun?

Danai (vorauseilend)

Wilhelm, du hier? wie gut, dass ich dich finde!

denn dass ich dich verließ, so sprach die Blinde,

sei gar nicht recht getan. Ich ging mit Hawi fort im Zorn,

denn deine Worte über Fremde waren wie ein Dorn

in meinem Herzen, der seit langem tief in mir schon steckte

und den dein hartes Reden dann von Neuem weckte.

Wilhelm

Danai? Wie gut, dass du zu mir zurückgekehrt,

denn selbst zu gehen ist mir noch verwehrt.

Was sagt ich denn, dass es dich so betroffen?

Du sagst es mir jetzt gleich, so will ich hoffen.

Danai

O ja, sehr gerne will ich es dir sagen

und hoff, du wirst dich nachher nicht beklagen.

Du sprachst am Sumpf sehr harsch mit dem Abud

und schimpftest bös, warst maßlos in der Wut:

 

(Danai zitiert Wilhelm)

Beeil dich, Halunke, hier wird nicht verhandelt

jetzt mach schon voran, du schwarzes Gesicht!

Erst kommt ihr hierher und das Land wird verschandelt

dann wollt ihr noch Geld – doch bei mir holst du’s nicht.“

 

und dann, als er ging und Hawi ging mit mir

rief Abud ihm nach: es wird nicht gutgehn dir!

Du aber wütetest noch mehr und schriest

als wär der Hawi ein gefährlich Biest:

 

(Danai zitiert Wilhelm)

Ganz recht, ins Kittchen, da gehört ihr hin

doch immer gibt es Leute die euch trauen

und schwörn: ein Mensch ist er, wie ich es bin,

er wird mit mir das Land bebauen.

Haha, nene, das Land wird er versauen!

 

Da war ich zornig, und verließ dich dann

im Sumpf allein, dich, den verletzten Mann.

Es tut mir leid, ich sollte dich beschützen.

Die Bitte um Vergebung wird nichts nützen.

Wilhelm

Ich weiß nicht, was in mich gefahren

dass ich so sprach, es tut mir herzlich leid

doch wahr ist auch: sie kommen her in Scharen

und fordern nur, sind nicht zum Dienst bereit.

Danai:

Der Abud schon, er hat dich weit geschleppt,

doch dann hat er nach seinem Lohn gefragt.

du lachst ihn aus und er fühlt sich geneppt

warum hast du ihm denn den Lohn versagt?

Wilhelm.

Weil ich, nun ja, er könnte ja vielleicht

auch mal was tun, nicht gleich nen Lohn verlangen

als Gast, mein ich, dem es zur Ehr gereicht,

weil er bei uns die Chance hat, neu anzufangen.

Danai

Und warum sollt er dir denn diesen Dienst erweisen?

Hast du ihn denn so freundlich aufgenommen?

Warst du es nicht, der ihn nicht wollte speisen,

als er mit uns am Lager angekommen?

 

Für dich war er ein Dieb, bevor du ihn noch kanntest,

du gingst hinaus, um Draußen ihn zu jagen!

ein Schwarzgesicht und Gauner du ihn nanntest,

und dann sollt er dich ohne Lohn noch tragen?

Wilhelm

Es ist ja nicht nur er, es sind so viele

War nicht das Lager ausgeraubt?

Was wollen sie, was haben sie für Ziele?

wer hat ihr Kommen überhaupt erlaubt?

Danai

Ich spreche nicht von vielen, denn nur einen

hast du beschimpft und einen Schuft genannt.

Nur einer ist Abud, dann gibt es noch den Kleinen.

Da schau, er kommt schon angerannt!

 

Hawi (sichh beklagend)

Was machst du denn so lang beim Mann,

der sagte, dass wir klauen?

Ich weiß das noch und denke dran

und kann ihm nicht vertrauen.

Danai:

Hawi, mein Kind, wir reden hier

um zu verstehn, wie’s jeder meint.

Κomm nur heran, ganz nah zu mir,

der Wilhelm ist ja nicht dein Feind.

 

Wird fortgesetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: einer Entbindung zuschauen

Drücken! noch ein bisschen, noch… gleich haben wirs… noch ein bisschen….

Ah!!! Nun tief durchatmen und die Flügel ausbreiten. Leben, wachsen, blühen, Früchte tragen: alles steht dir nun offen.

Bilder aus meiner Pflanzschule, die sich prima entwickelt

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Welttheater, Achte Zwischenbilanz 27.3.-9.4.2023

14 Tage sind diesmal seit der letzten Zwischenbilanz verstrichen.

In der ersten Zwischenbilanz  (12.1.) findest du ein Personenverzeichnis und eine Revue, „wie alles begann“: Die „blinde Poetin“ (Domna) ist der spiritus rector dieses „Welttheaters“. Mithilfe von Eichendorffs „Wünschelrute“ (Zauberwort) findet sie das Leitmotiv des Stücks: „Geben und Nehmen im Ausgleich“ – ein Naturgesetz.

Im folgenden dreht sich die Handlung um stets neue Aspekte dieses zentralen Themas.

In der fünften Zwischenbilanz  mache ich mir Gedanken über meine Figuren: Sind sie feste Typen oder entwicklungsfähig wie reale Menschen? Ich überlege auch, in welche Richtung sich jede Figur sich bisher entwickelt hat bzw sich noch entwickeln kann. Waspassiert, wenn der Nehmen-Pol zu stark ist, zeige ich in der siebten Zwischenbilanz auf.

Und wie ging die Handlung seither weiter? Danai und Hawi gehen zur Höhle, wo bereits Domna, Trud und Clara Unterschlupf gefunden haben. Danai erklärt ihrem „Zögling“  Hawi, dass Tiere, Pflanzen und auch Menschen nicht „an sich“ gut und böse sind, sondern ihr Verhalten oft eine Reaktion auf das ist, was sie bisher erfahren haben. In der Höhle (28.3.) macht Hawi Bekanntschaft mit Domna, die seine Gedanken und Gefühle liest und ihm die spätere Rückkehr in die Heimat vorhersagt.

Voll Wissen der Welt, voll Weisheit und Kraft

zu heilen die Wunden, zu helfen dem Land.

Nun ruhe dich aus. Der Schlaf dir verschafft

Vergessen und Traum, er erlöst den Verstand.

Als neue Variante von Geben-Nehmen werden Mutterliebe bzw Fürsorge für ein Kind eingeführt (Danai-Hawi, Trud-Clara).

Unterdessen (am 30.3.) findet Jenny mit Kairos‘ Hilfe Wilhelm im Sumpf, lädt ihn auf und will ihn ins Hospital bringen. Doch Wilhelm will zu Isolde. Der Streit eskaliert, Kairos setzt sich ab und Jennys verborgener Wunsch nach dem Ersatzvater wird enttäuscht, sie verlässt ihn schweren Herzens. 

Isolde erscheint und erklärt ihm, dass sie nur sein Hirngespinst (Illusion) sei – ein Projektion seiner Begierden. Um sie in Wahrheit zu gewinnen, müsse er das Lieben erst von der Pieke an lernen.

Zuallererst komm wieder auf die Beine

und wenn du lieben willst, lieb erst das Kleine,

lass es ins Herz, und fühle wie es leuchtet

und deine harte Innenschicht befeuchtet.

 

Gib dich ihm hin, und nähre seine Glut

und freu dich dran, und nähre nicht die Wut

wenn andre dir mit Liebe nicht begegnen.

Beginne, jede Liebestat zu segnen…

Inzwischen ist Abud in Wilhelms Lager angelangt, wo er sich seinen „Lohn“ holen will. Als erster begegnet ihm dort Schurigel, der ihm Angst vor den Folgen machen will, dann Diaphania, die nach der Rechtmäßigkeit seines Handelns fragt,  die Legitimität schließlich einräumt und ihm Absolution erteilt.

Danke, ich seh, der Mann ist selbst schuld

Du hattest mit ihm nicht wenig Geduld.

Der Lohn steht dir zu, denn du hast gegeben

und nimmst dir jetzt nur, was du nötig zum Leben.

So hab ich keine weitren Bedenken

Möge das Recht deine Schritte stets lenken.

Nun erscheint Hera (3.4.), die ihn auf die Haltlosigkeit seines Lebens hinweist (Gratwanderung). Wichtig sei, dass er seine Funktion im Weltgeschehen, die nur er erfüllen könne, und damit seinen Lebenssinn erkennt.

Und in diesen Regeln ist eine sehr wichtig,

ich bitte dich jetzt, verstehe mich richtig:

Du bist zwar nur einer von einer Million

Doch jedes Wesen hat seine Funktion.

Die sollst du erfüllen, die gibt dir den Sinn …

 

Hera schlägt ihm einen „Bund“ vor, doch er lacht sie aus, zumal sie „nur eine Frau“ ist. Er will frei, ungebunden sein (Thema Freiheit-Bindung). Hatte er sich bisher als „Lohn“ nur ein bescheidenes Wellblech genommen, so ist sein Appetit jetzt erwacht: er sieht eine Rutsche in den Keller, vermutet dort Essvorräte und landet in einem leeren Raum, aus dem er sich nicht befreien kann. Erneut erscheinen zuerst Schurigel, dann Diaphania

und schließlich Hera, um ihm die Folgen seines Handelns vor Augen zu führen. Auch Hera hilft ihm nicht. An Götter glaubt er nicht, weil sie ihm bisher  in der Not nie geholfen haben. Hera erklärt ihm das Gesetz des Karma, das auch Götter bindet.

Ein Gott kann nicht helfen, er kann dir nur raten

dein Schicksal bestimmst du durch eigene Taten.

Ich riet dir, was recht ist, und dass du’s beachtest

doch schlecht schien mein Rat dir, den du gleich verlachtest.

 

Erneut fragt sie ihn nach seinem Lebensziel, ohne das er nichts als ein Blatt im Wind sei.

Du musst jetzt hier sitzen, damit du bedenkst

wie du in Zukunft dein Lebensschiff lenkst.

Doch schicke ich einen Menschen zu dir.

Vielleicht könnt ihr finden vom Ich hin zum Wir.

Und so erscheint Jenny im Lager, entdeckt Abud, will ihm aber nur helfen, wenn er ihr im Gegenzug etwas anbietet („Lohn“). Sie einigen sich auf seine Jacke, die er ihr zuwirft, woraufhin sie ihm eine Leiter bringt. Das Verhalten der beiden ist spiegelbildlich. Es folgt der einfachen Regel des do ut des, die in ihrem Milieu verstanden wird. Wenn sie eingehalten wird („Ehrwort“), können sie sich „vertrauen“, ohne Freunde zu sein.

Bei Wilhelm erscheint inzwischen Tschinn, der Kairos sucht. Am liebsten ginge er vorbei, und schließlich verweigert er seine Hilfe, weil Wilhelm ihm keinen Gewinn verspricht. „Ich bin kein Samariter“. Dies ist ein krasses Beispiel für die do-ut-des-Regel. Auch zeigt sich eine Differenz zwischen den Prinzipiens des „Machens“ (Schurigel) und der „Tat“ (Wilhelm).

Jenny und Abud sind nun unterwegs im Olivenhain. Jenny erklärt, warum sie Wilhelm hier verließ und greift Abud als nutzlosen Tagedieb an, weil er nicht arbeitet. Seiner Gegenfrage nach ihrer Lebenshaltung weicht sie aus. Inzwischen sind Danai, Domna und Hawi bei Wilhelm angekommen. Abud mokiert sich über Danais Moral, da sie den hilflosen Wilhelm im Sumpf ließ und ihm empfahl, erstmal zu lernen, Menschen zu vertrauen.

Ich hörte sehr genau, was sie ihm sagte,

bevor sie dann auch mich zum Teufel jagte:

 

„Du Wilhelm musst jetzt selber schauen

wie aus dem Sumpf du dich erretten kannst.

Erlerne erst, den Menschen zu vertrauen

und wie Verachtung du aus deinem Herzen bannst.“

 

Wie findst du das? Ich finde das genial.

Der andre stirbt und dir ist es egal.

Du sagst ihm einfach ins Gesicht:

Vertrau erst mal, sonst helf ich nicht.

Domna sei anders,  sie sei eine, die „nicht urteilt“. Er vermutet, dass sie er war, die Danai beredete, Wilhelm zu suchen und zu helfen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Impulswerkstatt: Alt-Neues zur Giraffe

Liebe Myriade, bevor diese süße Kleine erschien (hier), hast du schon etliche Giraffen-Etüden durch deine Wortspende im Mai-Juni letzten Jahres angeregt.

Einmal hat es mich sogar zu einem Dialog mit Dora über die im Mittelalter furios geführte Debatte über das Verhältnis von Sein und Begriff impulsiert (Nominalien vs Realien). Es ist der erste Teil einer Etüde, in der ich das Giraffengeheimnis behandle. Ich halte ihn weiterhin für lesenswert und füge ihn daher hier ein:

Dora zum ErstenSechsten: Kunst (Glasscherben-Extra-Etüde)

„Mal wieder in eine Ausstellung gehen!“ denke ich, und schon öffnet sie ihre Tore. „Was isn das?“ fragt Dora und schaut sich um.  „Nun“, sage ich, „Das ist eine Kunstausstellung. Im ersten Raum siehst du zwei gläserne Skulpturen und ein gerahmtes Bild an der Wand.“

RAUM 1

„Das sehe ich auch!“ kräht Dora. „Aber was ist das?“ – „Na, zwei Skulpturen aus Glas halt und….“ – „Aber was IST das!“ schreit Dora jetzt schon etwas ungehalten. – „Du meinst, was es darstellt, Dora? Lass mich nachdenken. Also die hohe Skulptur stellt, so scheint mir,  sehnsüchtiges Verlangen dar. Schau selbst: da ist eine schlanke Gestalt, die sich in die Höhe reckt und auf einem schrägen Sockel steht. Die Sehnsucht steht also nicht auf festem Grund. ..“ – Aber Dora hört mir nicht zu. Sie baut sich vor der Skulptur auf und belehrt mich: „Das ist eine Giraffe. Hier steht es ordentlich geschrieben.“ .- Und schon sucht sie nach dem nächsten Schildchen: „Und dies ist ein Fischkopp!“  Auch das dritte Schildchen hat sie nun entdeckt und verkündet: „Und dies ist ein Frosch!“.

„Liebe Dora“, versuche ich ihr den Unterschied zwischen Sein und Bezeichnung zu erklären – ein Thema, über das sich die mittelalterlichen Theologen die Köpfe eingeschlagen haben – „wenn da Fischkopp steht, ist es noch lange keiner. Wäre es einer, würde es hier stinken.“ – „Ja, aber was ist es denn dann?“ fragt Dora nun schon leicht verzweifelt. „Es ist Kunst!“ antworte ich mit sicherer Stimme.

„Und was ist Kunst?“ Diese Frage hätte ich ja voraussehen können. Zu meinem Glück verlangt Dora keine Antwort, sondern strebt schon weiter in den nächsten Raum. Hier hängen drei große gerahmte Gemälde. Dora steuert sofort drauf zu, um die Titel zu lesen. Aber da sind keine.  Sie scheint enttäuscht zu sein, denn sie wirft nur einen kurzen Blick auf die Werke und hüpft dann zum nächsten Saal weiter. Ich aber bleibe andächtig stehen und staune über das irrisierende Blau, kann mich nicht trennen von den blasigen und streifigen Strukturen in Weiß und Grau.

RAUM 2

Und wie ich so stehe und schaue, höre ich Doras Stimme aus dem Nachbarsaal krähen: „Komm mal her! Da hängt ne Karte wie die vom Wetterbericht, und Wälder wie damals, als der Sturm Ylenia durchgefegt ist.“

RAUM 3

Zur Erklärung: Die sechs „Gemälde“ sind fotografierte Details der Scherben, aus denen das erste Bild gelegt ist. Man kann die Bilder anklicken, dann vergrößern sie sich, und man sieht mehr.

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Der zweite Teil der Etüde scheint mir nicht weniger lesenswert, und so schafft auch er es hier in deine Impulswerkstatt. 

abc-etüde: Das Giraffengeheimnis (Fortsetzung)

Über Giraffen wusste ich herzlich wenig, bevor Myriade dies Wort für Christianes abc.etüden spendete. Inzwischen bin ich etwas klüger, dank auch der Bemühungen meiner Mitschreibenden und eigener Recherchen.

Am meisten lernte ich durch das Giraffenbüchlein von Felix Bauer, in dessen 6. Essay die Giraffe auf wundersame Weise abgehandelt wird. Dankenswerterweise kann man den Text im internet vollständig und schön bebildert abrufen.

Das nachstehend abgebildete Werk aber ist von Asteria, einem kleinen Mädchen, das mit dem Stift witzige Geschichten zu erzählen weiß.

Rechts ein Vogel, links ein Baum und in der Mitte eine Giraffe. Zeichnung von Asteria,

 

O Mensch!

Hoch willst du hinaus

Du kletterst aufs Haus

Du steigst auf den Baum

Um um dich zu schaun

Du machst dich zum Affen

Und wirst doch nicht schaffen

Was alle Giraffen

*

Schon vor dir geschafft.

*

Hoch über dem Gesindel

Sind sie frei von Schwindel

Sie pflücken sich Blätter in der Höhe

Und übersehen was in der Nähe

Auf Ferne ist ihr Aug gestellt

 Was ihnen wirklich nicht gefällt

Das ist das Niedere der Welt

*

In der Höhe liegt die Kraft

*

In manchen Mondesnächten

In guten wie in schlechten

Steigst du aufs Dach

Auch du suchst nach

Dem Hohen, das stets flüchtig

Ja such nur, suche tüchtig

Doch werd mir nicht mondsüchtig!

*

Du bleibst in Erdenhaft.

*

Das Giraffengeheimnis ist damit sicher nicht erschöpfend aufgeklärt, aber es ist immerhin ein Anfang. An ihn wollte ich erinnern, bevor ich mich einer weiteren extra-kurzen Etüde zuwende. Die lautet so:

Extra-etüde – extra kurz

Ach, schlaflos wanderst du durch die Nacht und suchst das irisierende Licht des vollen Mondes in deinen weit geöffneten Augen einzufangen, um es der Welt als heilsames Giraffenlicht zurückzustrahlen. Hast du den Wetterbericht nicht ordentlich gelesen? Kein Mond wird scheinen.

Wie du, liebenswertes langhalsiges Geschöpf, sind wir Menschen von altersher: stets mondsüchtig suchen wir Erleuchtung zu finden, während sich um uns die Artefakte unserer Unermüdlichkeit zu immer höheren Mauern aufhäufen.

kykladische Figur – Bleistiftzeichnung, digital bearbeitet


Dies ist ein Beitrag zu Christianes abc-Etüden

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