abc-etüde: Österliche Ballade über das Leben und den Tod, in kata-strophischer Manier.

Christiane hat wieder zum Schreibprojekt abc-etüden aufgerufen, und „meine literarische Visitenkarte“ spendete drei Wörter dazu; Nestbau, tanzen, frostig. 300 Wörter darf ich verwenden, um eine „etüde“ zu schreiben. Und so schrieb ich eine österliche Ballade über Leben und Tod in kata-strophischer Manier.

Österliche Ballade über das Leben und den Tod, in kata-strophischer Manier

Die frostigen Nächte sind fast schon vorbei,

und der Nestbau der Vögel zuende,

in so manchem Neste liegt wartend ein Ei

Woanders füttern die Eltern behände

 

die Jungen, die Schnäbel aufsperren

und kommt nicht der Wurm, sehr ärgerlich schrein.

Der Fuchs hört mit Freuden sie plärren

und denkt, noch ein wenig, und dann sind sie mein.

 

Ums Osterfeuer tanzen verzückt

und lachen und springen die Leute

der Frühling macht auch Griesgrame verrückt

sie werden der Fröhlichkeit Beute.

 

Das Osteressen ist heiliger Brauch

gekrönt mit berauschendem Wein.

Jetzt ruhn sie mit schmerzendem Kopfe und Bauch

die Ente, das Lamm will verdaut sein

 

Der Fuchs der war im Vogelhaus

jetzt ruht er satt auf seinem Blättergrill

Er lebt sein Leben gern in Saus und Braus

Die Eule mag weissagen,  wie sie will:

 

„O Fuchs, gib acht, es kommt auch deine Zeit

wo dich der Feind durch Büsche hetzt

Du denkst, es ist noch lange nicht so weit?

du lebst vergnügt im Hier und Jetzt?

 

Gewiss,  die Stunde ist noch fern

erst morgen, oder heute Nacht.

Hast du das Leben noch so gern

so wirst du dennoch umgebracht.“

 

Ein Schuss ein Knall ein Loch im Fell

und dann herrscht Ruh.

Die Eule schreit, ihr Ruf klingt gell

kiwitt kiwitt schuhu.

Legebild mithilfe der Schnipselspende von Susanne Haun.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Osterhasenaufstand abgewehrt.

Das ganze Jahr schon stehen sie nichtsnutzig herum und warten auf ihre Stunde. Als das Trommeln der Hasenpfoten hoch im Norden erst leise, dann immer lauter ertönt, können sie ihre Unruhe nicht mehr verbergen.

Was ist los? fragt er. Du hörst es doch, Ostern, sagt sie. Es ist unsere Stunde.

Nein, sage ich, eure Stunde ist es noch nicht, denn hier, wo ihr lebt, gilt eine andere Zeitrechnung.

Aber.. , sagt er. Das ist gemein, sagt sie.

Übellaunige Hasen sind schlecht auszuhalten. Ich muss mir etwas einfallen lassen. Für Eier ist es echt zu früh, auch für den Osterkuchen. Vielleicht tun es Eier-Imitationen, zum Beispiel Mandarinen, Zitronen, Äpfel? Ich versuche mein Glück. Und siehe da, sie beruhigen sich.

Aber…. , sagt er. Na gut, damit gehts zur Not auch, sagt sie. Hauptsache Ostern.

 

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Welttheater, 4. Akt, 35. Szene: Jenny und Abud über Moral.

Was zuletzt geschah: Wilhelm liegt immer noch im Olivenhain, wo Jenny ihn verlassen hatte. Inzwischen kam Tschinn der Macher auf der Suche nach Kairos vorbei. Wilhelm ohne Bezahlung zu helfen lehnte er ab: „Ich bin kein Samariter“ und ging weiter. Nun erscheinen im Hintergrund Jenny und Abud.

Jenny:

Hier irgendwo auf den Terrassen

mit den Oliven hab ich ihn gelassen.

Er war mir wirklich nicht egal,

doch hatt ich keine andre Wahl.

 

Abud

Was findest du denn so an diesem Mann?

Was kann er denn, was ich nicht kann?

Jenny

Ich weiß nicht, kenn ihn nicht so gut,

doch scheint mir, er hat großen Mut.

Abud

Mut hab ich auch, das kannste gern mir glauben

Jenny

Ja ja, ich weiß, den Mut um andre zu berauben.

Abud

He, nein, das tu ich selten, tu es nur aus Not.

Jenny

Und warum gehst du nicht malochen für dein Brot?

Abud

Ich habe keine Lust, mich tot zu schinden.

Wo kann ich eine leichte Arbeit finden?

Wenn du das weißt, dann mache ich das gern.

Ansonsten halt ich mich der Arbeit lieber fern.

Jenny

Das sag ich ja, du bist ein Tagedieb.

Du sagst am liebsten: Her damit und Gib!

Abud

Und was machst du, darf ich mal fragen?

Jenny

Das werd ich dir ein anderes Mal sagen.

Denn wenn mich nicht die Augen trügen

seh ich da vorn den Wilhelm liegen.

 

Und von da drüben kommt Danai,

die Domna und der Hawi sind dabei.

Was tun sie? ich kanns schlecht erkennen,

Ich hoffe, dass sie Wilhelm helfen können.

 

Er war zuletzt ja völlig durcheinander.

Die Sinne hatt‘ er nicht mehr beieinander

und schrie mich an, er wollte zu ner Frau.

Ich wurde aus ihm überhaupt nicht schlau.

 

Und so lief der Kairos uns auch noch fort

danach dann ließ ich ihn an diesem Ort.

Ich weiß nicht, was die andern von mir denken.

Drum will ich mir das Hallo! erst mal schenken.

 

Abud:

Danai hat Wilhelm auch im Stich gelassen,

 egal ob ihn im Sumpf die Ratten fraßen.

 

Und weißt du wohl warum?

Da lachst du dich gleich krumm!

 

Ich hörte sehr genau, was sie ihm sagte,

bevor sie dann auch mich zum Teufel jagte:

 

„Du Wilhelm musst jetzt selber schauen

wie aus dem Sumpf du dich erretten kannst.

Erlerne erst, den Menschen zu vertrauen

und wie Verachtung du aus deinem Herzen bannst.“

 

Wie findst du das? Ich finde das genial.

Der andre stirbt und dir ist es egal.

Du sagst ihm einfach ins Gesicht:

Vertrau erst mal, sonst helf ich nicht.

Jenny

Das ist nicht wahr! Du lügst mich an!

Abud

Ich schwörs! erinnere mich genau daran.

So sind sie, die von der Moral stets sprechen

und über andern immer gern den Stab zerbrechen.

Jenny:

Und mit der Domna, was ist wohl mir der?

Sie ist ja blind und dennoch kommt sie her.

Abud

Ja, blind ist sie und dann macht sie Gedichte

sie sagt, dass über Menschen sie nicht richte.

 

Sie hat wohl ernsthaft mit Danai gesprochen

und dann sind sie zusammen aufgebrochen.

Nun sehn wir mal, ob sie nur wieder reden.

Denn praktisch helfen, dass ist nicht für jeden.

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: knifflige Fragen stellen (wundersame Vermehrung)

Ich sitze im „Art Cafe“ von Kalamata und denke: Ich werde die Espressotasse im Wasserglas versenken. Fast wäre es mir gelungen. Die Tasse steigt brav ins Glas, verformt sich, mag aber nicht bis zum Grund sinken.

Also lasse ich von ihr ab und sehe mich um, was sich denn sonst noch zum Versenken anbietet. Die Kirche vielleicht? Die geht bereitwillig den halben Weg, doch der größere Teil will lieber draußen bleiben.

Die Comic-Gestalten des Tischchens aber füllen das Glas liebend gern bis zum Rand. Ich danke und trinke sie genüsslich aus.

Dem Tischchen habe ich damit nichts weggenommen. Auch der Espressotasse und der Kirche nichts. Das ist das Tolle an Spiegelungen: Sie vermehren wundersam, ohne das Original zu tangieren.

Bei Katzen ist es ähnlich, aber irgendwie auch anders. Worin besteht der Unterschied?

Wie es sich mit der wundersamen Vermehrung des Geldes durch die Zentralbanken wohl verhält? frage ich mich etwas beklommen. Wie mit den Katzen? Oder doch eher wie mit den Spiegelungen? Oder irgendwie nochmal anders?

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Auferstehung in der Natur

Die Natur feiert kraftvoll ihre Auferstehung. Sah ich bei meinen Streifzügen eben noch den ersten Klatschmohn, die erste Zistrose, so explodiert gerade die Zahl ihrer Blüten. Und sogleich sind auch die tierischen Besucher zur Stelle, um sich an ihrem nun offen zutageliegenden Gold zu delektieren.

Vielleicht kann jemand von euch die Besucher benamsen?

Eine Aushöhlung eines Ölbaumes, kaum zu entdecken hinter dem Kräutergewirr, hat sich die dritte unserer Katzen, die Frieda, als Wochenbett erkoren. Der Baum steht auf einem etwas entfernen Feld, also nicht in unserem Garten, und ist auch für wildernde Hunde frei zugänglich. Wenn das man gutgeht!

Wenn du genau hinschaust, siehst du ihr graues Gesichtchen etwas oberhalb des gelbblühenden Klees.

Euch allen, die ihrs feiert, ein frohes Osterfest. Wir warten damit noch eine Woche….

 

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Welttheater, 4. Akt, 36. Szene: Wilhelm und Tschinn der Macher (kein guter Samariter)

Was zuletzt geschah: Jenny lässt sich im Austausch gegen eine Jacke überreden, Abud mittels einer Leiter aus dem Keller von Wilhelms Lager zu befreien. Dort lassen wir sie jetzt und wenden uns dem Besitzer des Lagers, Wilhelm, zu. Der liegt, erst von seinen drei Begleitern (Danai, Abud, Hawi), dann auch von Jenny verlassen, mit kaputtem Bein im Olivenhain. Dort besuchte ihn Isolde-Hedonie, um ihm klarzumachen, dass sie ein Gebilde seiner Begierde, eine Illusion ist (hier).

Um sie real zu erringen, müsse er im wirklichen Leben das Lieben üben.

Zuallererst komm wieder auf die Beine

und wenn du lieben willst, lieb erst das Kleine,

lass es ins Herz, und fühle wie es leuchtet

und deine harte Innenschicht befeuchtet.

 

Gib dich ihm hin, und nähre seine Glut

und freu dich dran, und nähre nicht die Wut

wenn andre dir mit Liebe nicht begegnen.

Beginne, jede Liebestat zu segnen.

 

Verbinde dich mit dem, was um dich ist

denn nur im andern fühlst du, wer du bist.

So lernst du leben, lernst du selbst zu sein

im liebend Wechselspiel, nicht mehr allein.

 

Jetzt muss ich gehn, verflossen ist die Nacht

die mich im Mondeslicht zu dir gebracht.

Gewinn mich neu in frischer Tageshelle

indem du sprudeln lässt der Liebe Quelle.

So sprach Isolde, entschwand und ließ Wilhelm zurück, der erschöpft einschlief.

Hera und die Spirits treten auf.

Hera

Nun helft, meine Kleinen, den Mann zu bewahren,

der hier in dem Hain ohne Hilfe geblieben.

Er stürzte herab, denn er war nicht erfahren

in Dingen des Herzens, er weiß nichts vom Lieben.

 

Doch ist er nicht schlecht, sonst wär er verloren,

nun helft ihm, so dass er wieder geboren.

Ho: 

Hoho, ei do! ne grüne Wiese!

Ro:

Ich schicke ihm ne leichte Brise!

Lu: 

Lass mich das tun, ist mein Metier

Wa:

Ich mach aus Blumen ihm nen Tee!

Ma:

Mama mia welche Lust!

Schaut, jetzt regt sich seine Brust!

Ro-Ho im Duett:

Ein Windchen wehe, zu kühlen die Stirn

Lu-Wa im Duett

So wird auch gekühlt dahinter das Hirn

Ma:

Ich lasse sein Herzchen von Neuem ihm schlagen

es sollen ihn keine Herzschmerzen mehr plagen.

Lu-Ho-Ro-Wa-Ma im Chor:

Er richtet sich auf, er wird langsam wach

er ist noch benommen, weiß nicht wo er ist

Er schaut auf das Bein, das er sich zerbrach,

ihm kommt die Erinnerung an einen Zwist.

Hera

Nun reicht es, ihr Lieben, ich danke euch sehr

die Lebenskraft habt ihr ihm wiedergeschenkt.

Für ihren Gebrauch gibts keine Gewähr.

Ob er nun begreift oder wieder verdrängt.

 

Da ist er ganz frei, er muss es selber rausfinden

von seiner Willensfreiheit kann niemand ihn entbinden.

Hera und die Spirits verschwinden.

Auftritt Tschinn, der Macher

Tschinn:

Ich bin der Macher, mein Name ist Tschinn

ich suche den Kairos, wo ist der bloß hin?

Er zeigt mir die Chanc‘ und bei meinem Geschick

gelingt mir der Coup dann, mit ein wenig Glück.

 

O hoppla, was ist das, ein Mann liegt im Gras!

Was soll das bedeuten? Ich geb besser Gas,

Vielleicht ist er hilflos, vielleicht schon gestorben,

dann wäre mein ganzer Tag mir verdorben.

 

Ich müsste ihm helfen, vielleicht gar vermelden

dass hier liegt ein Toter, ich spiel nicht den Helden.

Ich hab nix gesehen, ich misch mich nicht ein,

das brächte nur Ärger, und das muss nicht sein.

Wilhelm (richtet sich auf)

He Kumpel, ich bitt dich, geh nicht so vorbei

ich brauch deine Hilfe, mein Bein ist entzwei!

Tschinn

Du hast was gebrochen? Das tut mir sehr leid

doch habe ich grade so gar keine Zeit.

Ich suche Kairos, wo steckt nur das Vieh?

er war mir gehorsam, entwischte mir nie.

Wilhelm

Den kenn ich, er trug mich am Abend hierher

doch dann ging er weg, er wollte nicht mehr.

Tschinn

Ja sag, wohin ist er gegangen?

ich muss ihn finden und einfangen.

Wilhelm

Wohin? Das weiß ich nicht. Ich würds dir sonst verraten.

Du nennst den Macher dich, wie stehts mit deinen Taten?

Brauchst du ein Vieh, um Taten zu vollbringen?

Tut es die eigne Kraft denn nicht vor allen Dingen?

Tschinn

Kraft habe ich schon. Doch was nutzt die Kraft

wenn sie nicht zugleich auch Gewinn mir verschafft?

Kannst du mich bezahlen, dann helfe ich dir

Ansonsten bleibe vom Halse mir.

Wilhelm

So einer bist du? dann darfst du verschwinden.

Ich werde woanders wohl Hilfe noch finden.

Tschinn

Das ist mir auch lieber, mein Herr und Gebieter.

Ich bin nun mal nicht der gute Samariter.

Der Macher geht ab.

Zwischen den Bäumen erscheinen Abud und Jenny

wird fortgesetzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Katzenwochenbett und -kinderstube

Im Heizungskeller, ungeachtet der Schwierigkeiten hineinzukommen, hat Prinkipessa ihre neuesten Kinder geboren. Ich habe nur kurz die Tür aufgemacht, als wir Heizöl bekamen, da sah ich sie, da ließ ich sie auch, damit die Mama keinen Schock bekommt. Denn sie ist immer noch genauso scheu wie am Anfang.

Fritzi hingegen, die einzige, die immer zum Schmusen antritt, wenn sie mich sieht, hat sich den Katzentransporter als Wochenbett ausgeguckt. Der steht regengeschützt im Hauseingang. Ich hatte ihn gekauft, um die eine oder andere Katze zur Sterilisierung zu bringen, und stellte ihn in den Eingang. Da blieb er stehen und wurde bei Schlechtwetter zum Unterschlupf für Fritzi, und manchmal legte sich auch Frieda dazu.

Damit ist es jetzt aus, denn Fritzi hat zwei weiße Winzlinge dort zur Welt gebracht und duldet keine anderen Mitbewohner mehr. Sie schützt die Kleinen nicht sonderlich vor uns, und so durfte ich sie mir schon mal ansehen. Sie sehen aus wie weiße Mäuse. Ich nenne meine Katzen Mäuselchen, und nun macht es auch Sinn.

Hier ein vorsichtiger Blick auf Fritzis Wochenbett.

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Welttheater, 4. Akt, 36. Szene: Do ut des* (Jenny und Abud)

Was zuletzt geschah: Abud sitzt im Keller von Wilhelms Lager fest. Hera half ihm nicht heraus. Götter, sagt sie, können nur beraten, doch was die  Menschen aus dem Rat machen, liegt bei ihnen selbst, sie sind frei und  schaffen sich durch ihr Handeln ihr Schicksal selbst. Doch hat sie Jennys Schritte zu Wilhelms Lager gelenkt.

Jenny:

Der Keller ist, scheint mir, ganz leer.

doch war mir, als hört ich Geräusche.

Hallo, ist da unten wer?

Glaub nicht, dass ich mich täusche.

Abud

Ich bins, kann nicht nach oben gelangen

komm wirf mir ein Seil, ich bin hier gefangen.

Jenny

Wie heißt du, wer bist du, ich kann dich nicht sehen.

Komm näher ans Licht, oder kannst du nicht gehen?

Abud

Ich bin der Abud, du kennst mich ja schon.

Ich kam hier ins Lager, zu holen den Lohn

weil ich den Wilhelm zur Bucht hab geschleppt

er wollt nicht bezahlen, er hat mich geneppt.

Jenny:

Zur Bucht? He, das lügst du, beim Sumpf ließt du ihn.

Abud:

Ja, stimmt, war der Sumpf, nicht die Bucht, wie mir schien.

Nun wirf schon ein Seil, ich will hier nicht bleiben.

Soll ich dir vielleicht nen Antrag erst schreiben?

Jenny:

Und wenn ich es tu, was hab ich davon?

Was gibst du mir denn dafür für nen Lohn?

Abud:

Was soll ich dir geben? Ich bin ja sehr arm.

Ich geb dir die Jacke, die hält ziemlich warm.

Jenny:

Du hältst dich wahrscheinlich für superschlau

und denkst, ich bin schwach und bloß eine Frau.

Den Wilhelm hast du im Sumpf gelassen

anstatt, wie du solltest, ihm aufzupassen.

Dann kommst du hierher und willst ihn beklauen

Wie blöd muss man sein, um dir zu vertrauen?

Abud:

Ich sag’s dir, mein Ehrwort, die Jacke ist dein.

Mir ist sie sowieso lange zu klein.

Jenny:

Das Ehrwort taugt nix, wenn der Mensch der es gibt

ein Mistkerl ist, der das Lügen sehr liebt.

Du denkst, die ist blöd, und bist du erst oben

Soll sie ruhig schreien und fluchen und toben

 

dann bist du der Herr, dann lachst du mich aus

nene, mein Lieber, das wird mal nix draus.

Schmeiß hoch deine Jacke, dann sehen wir weiter,

und wenn sie was taugt, dann bring ich die Leiter.

Abud

Verdammtes Luder, du bist grad wie ich

du bist echt okay, ich bewundere dich.

Hier fang meine Jacke, du hast mein Vertrauen

Ich glaube, da lässt sich ne Freundschaft draus bauen.

Abud wirft seine Jacke hoch, Jenny fängt sie auf

Jenny

Die Jacke ist gut, die werd ich behalten.

Die wird mir was nützen in den Nächten den kalten.

Jetzt hol ich die Leiter, dann kommst du herauf

Ich hab auch ein Bierchen, das trinken wir drauf!

———

* do ut des (lateinisch für ‚ich gebe, damit du gibst‘) beschreibt die Gegenseitigkeit als grundlegende Strategie sozialen Verhaltens (Wikipedia)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Der Natur beim Klöppeln und Stricken zuschauen (kleine Beobachtungen)

Dass die Natur wunderbare Muster schafft, wissen wir alle. Immer wieder bestaunen wir ihre Erzeugnisse. Heute habe ich drei mitgebracht:

ein dickes Strickmuster an einer Mergelwand

ein aufliegendes Rippchenmuster an einem jungen Feigenblatt

und eine schicke Klöppelarbeit am Farn.

Die Ähnlichkeit des Farns mit der Klöppelei habe ich mal in einer abc-etüde herausgestellt.

Dass Versteinerungen an feine Klöppelkunst erinnern, fiel mir beim Zeichnen von Versteinerungen auf. Die Zeichnungen dienten einer anderen abc-etüde als Illustration.

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Welttheater, 4. Akt, 35. Szene: Hera spricht zu Abud

Was zuletzt geschah: Abud ist auf der Suche nach Nahrungsmitteln in den Keller von Wilhelms Lager gerutscht. Doch der Keller ist leer, und ein Hinaufklettern ohne Hilfe unmöglich. Er sitzt in einer Falle. Schurigel ängstigt ihn und Diaphania bezichtigt ihn der Unaufrichtigkeit. Nun erscheint Hera.

Hera:

Ich warnte, du wanderst auf gefährlichem Grat

Doch hörtest du leider nicht auf meinen Rat.

Nun sitzt du im Keller und kannst nicht heraus

Ich hoffe du ziehst eine Leere daraus.

Abud

Wo kommst du jetzt her?

Ich bitte dich sehr

Hilf du mir heraus

Ich lern schon daraus.

Hera:

Was lernst du, mein Freund, aus deiner Erfahrung?

Wirst du dir jetzt anders beschaffen die Nahrung?

Wirst anders du sehen die Menschen in Not?

Wirst redlich du teilen die Wurst und das Brot?

Abud

Bestimmt, das ist klar, ich lerne daraus!

Doch erst mal, ich bitte, hilf mir heraus.

Hera

Ich bin eine Göttin, ich kann dir nur raten

dein Schicksal bestimmst du durch eigene Taten.

Abud

Du bist eine Göttin? Ne Göttin, die spricht?

Das glaub ich dir nicht, denn die gibt es ja nicht.

Das ist alter Plunder, da weiß ich Bescheid

da würd ich drauf leisten auch jeglichen Eid:

 

Soviel einer ruft, so viel einer schreit,

und bittet die Götter zu lindern das Leid

sie hören uns nicht, sie bleiben uns fern.

Sie leben wohl auf einem anderen Stern.

 

Hera:

Ein Gott kann nicht helfen, er kann dir nur raten

dein Schicksal bestimmst du durch eigene Taten.

Ich riet dir, was recht ist, und dass du’s beachtest

doch schlecht schien mein Rat dir, den du gleich verlachtest.

 

Du warst dir sehr sicher, dass du Strafe vermeidest

Du selbst hast verschuldet, dass du nun hier leidest.

Abud

Ich hatte doch Hunger, was sollte ich machen?

Ich wollte nur schaun, was es gibt hier für Sachen.

Vielleicht eine Wurst, vielleicht ein Stück Brot!

Wenn ich nichts zu essen hab, bin ich bald tot.

Hera:

Du sagst, du willst frei sein, du willst dich nicht binden

du denkst jeden Tag, es wird sich schon finden

Du lebtest bisher, grad wie’s dir gefiel,

Und wolltest nicht fragen: wo ist denn mein Ziel?

 

Willst du dein Leben nur ziellos durchwandern,

anstatt dass du schaffst, was dann hilft auch den andern?

Willt du dein Lebenziel endlich erfassen,

anstatt, wie der Wind weht, dich treiben zu lassen?

 

Du musst jetzt hier sitzen, damit du bedenkst

wie du in Zukunft dein Lebensschiff lenkst.

Doch schicke ich einen Menschen zu dir.

Vielleicht könnt ihr finden vom Ich hin zum Wir.

Hera geht ab.

Jenny erscheint in der Luke.

wird fortgesetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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