7.2.2021 Will.i und die Revision (Kunst am Sonntag)

Draußen ist indifferentes Wetter – nicht gut, nicht schlecht, nicht hell, nicht dunkel. Will.i langweilt sich. Er ist jetzt 28 Tage alt, immer noch ein Kind, aber nicht mehr so spontan wie am Anfang. Schlägt man ihm was vor, mault er erst mal, aber was Eigenes stellt er auch nicht auf die Beine. Ich fürchte, Will.i ist in der Phase, wo er will, aber nicht weiß, was er will.

„Anstatt hier rumzuhängen“, sage ich zu ihm, „könntest du mir im Atelier bei der Revision helfen. Wie du weißt, gibt es da haufenweise bemaltes Papier, und meine Versuche, einen Teil wegzuwerfen, sind kläglich gescheitert. Vielleicht sagst du mir, was sich aufzuheben lohnt.“

Also steigen wir ins Atelier hinunter, und ich ziehe das unterste Dossier aus dem Stapel. Blatt für Blatt nehme ich heraus und frage Will.i wie Aschenbrödel die Täubchen: Ins Kröpfchen oder ins Töpfchen? Weg damit oder behalten?

Am schnellsten urteilt er, wenn das Bild farbenfroh ist: „Behalten“.

Ist das Bild farbenfroh UND erzählt eine Geschichte, geht es noch schneller : „Behalten!“

Manchmal will Will.i wissen, wo ich es gemalt habe. Ich sage dann wohl: „Das war eine alte Ölmühle auf der Insel Lesbos. Da waren wir, wart mal, ich glaub, das war Anno 1974…

… Das Meer und die Steine davor waren ganz dunkel vom Öl oder vielleicht von Substanzen, die man zum Pressen benutzte. Ich erinnere mich noch sehr gut, obgleich es schon solange her ist. Ich habe damals noch mit dem Schul-Deckfarbenkasten meines Sohnes gemalt.“

„Gut“, sagt er, „die behalten wir dann wohl besser auch.“

Bilder mit Booten sind auch ok. Wo das war? Hm, vermutlich im Hafen von Kos…

Will.i gefallen auch abstrahierende Bilder, wenn sie ordentlich gezeichnet und gemalt sind. Ja, auch gemalt, denn ohne Farben „fehlt was“, befindet er. Und so passiert dieser Tempel von Samothrake die Hürde.

Schwieriger ist es bei den Bleistiftzeichnungen, die Will.i leichten Herzens ausrangieren würde, zumal das Papier dünn und schon ein bisschen angegilbt ist. Ich aber mag mich nicht von ihnen trennen. Jedenfalls ein paar kann ich retten.

Bei Stillleben ist es noch schwieriger, Will.i von ihrem Wert zu überzeugen. „Du hast doch inzwischen tausend neue gezeichnet, was willst du mit dem alten Kram?“ Ja, was will ich damit? Ich hänge einfach daran, grad weil sie so alt sind und mich daran erinnern, wie alles angefangen hat. „Behalten wir eine Federzeichnung und eine mit Bleistift“, sage ich, und Will.i nickt. Also wandern auch die ins Dossier zurück.

Freie abstrakte Versuche lehnt Will.i regelmäßig ab. „Was soll das darstellen?“ ist die Frage, die so prompt kommt, wie in anderen Zusammenhängen „Wozu ist das nützlich?“. Ich schmuggele aber doch das eine und andere Blatt zurück ins Dossier. Mir gefallen nämlich diese Experimente mit verschiedenen Medien.

Ich gebe zu, solche Sachen sind für ein Kind nicht besonders spannend, und so bin ich froh, noch auf ein frühes Bild mit fantastischen Rittern zu stoßen. „Das kannst du gleich mal rauslegen und mir schenken!“ sagt Will.i und macht mich froh.

Und so gelang es uns heute tatsächlich, eins der vielen Dossiers um ein paar Zeichnungen zu erleichtern. Unter den ausrangierten Blättern ist auch eins, das mich an damalige Versuche erinnert, Vergangenheit zu malen. Gefunden habe ich nur die Titel, nicht die dazu gehörigen Bilder. Aber ich erinnere mich, als wäre es gestern.

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6.2.2021 Will.i und die Technikgeister (vier Kritzeleien)

„Sag mal, Will.i, ich lese hier grad was Merkwürdiges und würde gern deine Meinung hören. Hier steht, dass technische Geräte, also zum Beispiel eine Waschmaschine oder ein Auto, einen „Naturgeist“ haben geradeso wie die Bäume. Du interessierst dich doch für Technik, wie siehst du das?“ – „Wieso haben Bäume einen Naturgeist?“ fragte Will.i prompt zurück. „Nun, so glauben halt viele. Früher glaubten es sogar alle Menschen. Wenn die einen Baum umhauten, baten sie den Naturgeist erst mal um Entschuldigung. Ich finde das passend.“ – Will.i schaute nachdenklich. „Und du“, fragte er dann, „hast du auch einen Naturgeist?“

Nun war es an mir, nachdenklich zu werden. Habe ich einen Naturgeist? Oft spreche ich zu meinem Herzen, meinen Füßen, Händen, auch zu meinen Zähnen, rede ihnen gut zu, sage ihnen ein Dankeschön und bitte sie, durchzuhalten. „Vielleicht“, sage ich zögernd, „habe ich sogar viele. Jeder arbeitet still vor sich hin und sorgt dafür, dass ich am Leben und gesund bleibe. Wenn ich es recht bedenke, hat sogar jeder Blutstropfen einen Naturgeist, und auch jedes Haar und jede Zelle meines Körpers…. Also das ginge ja in die Milliarden. Und wenn ein paar der Geister keine Lust mehr haben und nicht mehr kooperieren mögen, geht es mit mir zu Ende…. Aber eigentlich wollte ich wissen, ob du meinst, dass auch technische Dinge einen Naturgeist haben.“

„Wenn schon, denn schon“, meinte Will.i salomonisch. „Entweder alle oder niemand“. – „Aber die technischen Dinge sind doch nicht lebendig?“ – „Woher willst du das wissen? vielleicht sind sie es ja doch. Redest du nicht auch manchmal mit deinem Auto?“ Da hat er freilich recht, der Will.i.  Ich rede mit meinem Auto, und als mein voriges bei einem Unfall zu Bruch ging und abgeschleppt wurde, winkte ich ihm hinterher – vielmehr, ich winkte IHR hinterher, denn das Auto war eine schöne weiße Fee und blickte traurig, weil ich sie mit einem Abschleppwagen davonschleifen ließ, wer weiß wohin, auf welche Abwrackhalde …  Mein jetziges Auto ist männlich, ein robuster Kerl ohne besondere Eleganz, aber tüchtig.

„Vielleicht haben Dinge ja keinen Naturgeist, sondern einen Technikgeist“, unterbrach Will.i meine Überlegungen. „Als erstes sollten wir ihnen einen Namen geben“. – „Und dann zeichnen wir sie“, stimmte ich zu.

Und so entstanden heute vier Technikgeister.

Tipotu, der Geist meines tüchtigen robusten Autos.

Tiptoptu, der Geist meines klapprigen aber noch funktionsfähigen Computers

Manulio, der Geist unseres Manihauses

und schließlich Krakelou, der Geist meiner Brille, die schon ziemlich angekratzt ist. Vielleicht, so Will.i, werde ich sie besser behandeln, wenn sie einen Namen hat.

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Extraetüde (2) Erkenne dein Selbst *

Schreibeinladung für die Textwoche 05.21 | Extraetüden

Vorbemerkung:

Ich weiß nicht, ob du  den Roman von Anthony Burgess (1962) oder den Film von Stanley Kubrick „A Clockwork Orange“ (1972) kennst. Ich habe den Film gesehen, und einige der Bilder haben mich lange verfolgt. Der Held und Selbsterzähler Alex ist der völlig empathielose, grausame fünfzehnjährige Anführer einer  Bande, der aus purer Lust am Leiden tötet, erniedrigt, vergewaltigt. Bei seinen Untaten lässt Alex gern Beethovens Neunte erklingen.  Alex wird schließlich entmachtet, verurteilt und mithilfe einer extrem grausamen Gehirnwäsche umerzogen, so dass ihm das, was ihm zuvor Lust erzeugte,  nun Angst und Ekel hervorruft. Dadurch wird er selbst zum Opfer seiner früheren Opfer.  Am Ende des Romans, dem 21. Kapitel, wird Alex mündig. Aber der Verlag wollte dieses Ende nicht, das Kapitel wurde gestrichen. Man habe „moralischen Fortschritt“ als Möglichkeit nicht zulassen wollen, kommentierte Burgess. ( “My book was Kennedyan and accepted the notion of moral progress. What was really wanted was a Nixonian book with no shred of optimism.”)

Burgess sagt, er habe den Ausdruck  „a clockwork orange“ im Sinne von „völlig durchgeknallt“ in einem Londoner Pub aufgeschnappt.  Für seinen Roman zum Thema Gehirnwäsche habe er ihm eine weitere Dimension hinzugefügt: nämlich die Verbindung von etwas Organischem, Lebendigem, Süßem – dem Leben, der Orange – und dem Mechanischen, Kalten, Disziplinierten – dem Uhrwerk. Er habe das Entgegengesetzte im Oxymoron „A Cockwork Orange“ verbunden.

Mir scheint, dass dieses Oxymoron dabei ist, in KI, der hybriden Mensch-Maschine, Gestalt anzunehmen und unser Leben zu beherrschen.

„2015 wählten 82 internationale Literaturkritiker und -wissenschaftler den Roman zu einem der bedeutendsten britischen Romane“, so zu lesen bei Wikipedia.

Und hier nun meine Etüde:

Erkenne dein Selbst

“If a man cannot choose he ceases to be man”

 auf Deutsch:

„Kann ein Mensch nicht mehr wählen, hört er ein Mensch zu sein auf“.

Dies ist die Message. Versteckt in grässlicher Hülle

Denn erschütternd ist das, was der Mensch sich so wählt.

Er wählt die Gewalt, er tritt, er erniedrigt

Er besudelt die Erde, er freut sich am Schmerz

Des unterworfnen, des hilflosen Menschen

Wer kann ihn denn hindern, wenn er, ganz berauscht

Im Vollgefühl seiner Macht und unter den Klängen

Der himmlischen Töne, die aus den Lautsprechern quellen

O hört, die Neunte ertönt, sie tönt über winselnden Köpfen

Welch Grau’n! Das wussten sie immer, die Schinder

Musik zu gebrauchen als Antrieb und auch als Verhöhnung.

Du bist weichmütig, schreist womöglich Zetermordio

Und sagst, hier müsste man gründlich was ändern

Den Bösewicht müsste man zwingen, ein Guter zu werden.

Ja zwing nur, benutz nur die Mittel, die der Böse ersann

Um das Gute zu schaffen, es wird nicht gelingen.

Du kannst aus Gift und Moder und Qualm

Keine bekömmlichen Brötchen dir backen.

Du kannst nicht verändern, wenn selbst du die Bestie bleibst

Wenn in dir dieselben grausamen Bilder regieren

Die draußen sich zeigen. So erkenne dein Selbst

Und werde dir selbst erst zum Vorbild.



Heute sah ich in Kalamata ein orange Spraybild, das zwar keine Illustration zu meinr Etüde darstellt, wohl aber eine Parallele enthält: denn in den Kopf der Mona Lisa ist ein Fremdes implantiert worden.

*Ich habe den Titel der Etüde (A Clockwork Orange) nachträglich geändert, denn es geht mir nicht um den Roman oder den Film, sondern um die aktuelle Schlussfolgerung. Der Roman ist nur der Bezugsrahmen und gab mir die Bilder. Er ging mir wegen seines Titels nicht mehr aus dem Sinn, seit ich das Wort „Orange“ las.

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5.2.2021 Will.i und die Eisenbahn (Foto-Zoom, tägliche Zeichnung)

Wieder einmal seid ihr, liebe Leserinnen und Leser, dem Will.i voraus: Ihr kennt das Bahnhofsmuseum von Kalamata bereits, er aber nicht. Zuletzt war ich im vergangenen Dezember dort, da war Will.i noch nicht geboren. Auch zuvor zeichnete ich gelegentlich dort, zB hier oder hier,  hier oder hier und auch hier.

Die Bahnhofsnostalgie zieht mich immer wieder an diesen Ort, und so hatte ich Lust, ihn auch Will.i zu zeigen. Doch wenn ich zuvor mit rein ästhetisch-gefühlvollem Blick auf die abgestellten und schön renovierten alten Loks, die Waggons und Signalanlagen geschaut hatte, war nun anderes gefordert. Will.i will nicht einfach nur rumschwärmen, er liebt Tatsachen. „Warum fahren die Züge nicht mehr? – Seit wann? – Wo wurden sie gebaut? – Welche Marke? – Wie funktioniert eine Weiche? – Seit wann gibt es E-Loks? – Fuhr diese Lok noch mit Kohle?“ O weh, mein Wissen über Eisenbahnen ist trotz meiner kindlichen Liebe zu diesem Fortbewegungsmittel äußerst dürftig.

„Lieber Will.i, da muss ich passen,“ gestand ich. „Zuhause gucken wir im Internet nach, da wird sich sicher was finden. Nun lass uns einfach auf dem Gelände rumspazieren, du kannst dir die Maschinen genauer ansehen, und wenn du willst, erzähl ich dir auch ein paar Eisenbahnstorys aus meinem Leben, zum Beispiel, wie ich 1974 mit vier Kindern von Frankfurt nach Athen gefahren bin oder wie ich diese Strecke 1970 mit meinem Sohn als Säugling fuhr, oder wie es war, als wir im Jahr 1949 unseren ersten Sommergast am Bahnhof abholten… Interessiert dich nicht? Nun gut, dann sieh dich um, und ich mache inzwischen eine Zeichnung.“

Ich setzte mich auf eine Draisine, vor mir ein leicht in den Boden eingesunkenes Gleis und eine dicke fette schwarze Lok, an der, versteckt hinter der dickleibigen Maschine, eine Reihe von Güterwaggons hing. Ich überlegte, wie nah oder fern ich die Lok auf dem Papier platzieren sollte … Tatsächlich zoomt man beim Zeichnen ähnlich wie mit dem Fotoapparat, indem man sich auf einen „Ausschnitt“ der Wirklichkeit konzentriert. So rückt der Gegenstand je nach Interesse nah heran, weiter weg oder verschwimmt zu einem diffusen Punkt am Horizont. In diesem Fall wählte ich eine mittlere Entfernung, die einerseits dem Zug Schwung gibt, als führe er gleich los, andererseits die Details noch erkennbar bleiben.

Im Foto sieht es so aus: a) tatsächlicher Abstand b) etwas herangezoomt c) so weit wie möglich herangezoomt und aufgehellt.

Zu Hause googelten wir dann ein bisschen, und wurden schnell fündig. Besonders angetan war Will.i von den fachmännischen Berichten und vielen Fotos von Wiener Eisenbahn-Fans, die das 2010 noch teilweise intakte Schmalspur-Netz erkundeten. Die Strecke Athen-Kalamata hatte nämlich schmalere Gleise (1 m) als die Strecke Athen-Saloniki. Daher gab es in Athen einen Doppelbahnhof: Nach vorne raus gings nach Norden, nach hinten raus Richtung Korinth und weiter nach Patras bzw Kalamata. Eröffnet wurde der letzte Streckenabschnitt Tripolis-Kalamata im Jahr 1899 …. und stillgelegt wurde er im Rahmen von Sparprogrammen im Jahr 2010. Eine Geschichte von 111 Jahren wurde mit einem Federstrich ausgelöscht.

Die Eisenbahn-Strecke betrug, bevor sie teilweise begradigt wurde, 726 km, die heutige Autobahnstrecke nur noch 238 km. Die Geschwindigkeit der Züge war teilweise sehr gering (viele Kurven, Steigungen bis auf über 800 m), und da die Strecke eingleisig war, musste oft ein Gegenzug abgewartet werden. Kein Wunder, dass sie nicht rentabel war. Aber immer noch träumen Nostalgiker davon, dass eines Tages wieder Züge zwischen Athen und Kalamata verkehren.

 

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4.2.2021 La Mezquita de Cordoba – mit Will.i über Religion und Geschichte reden

Heute fiel mir ein Fotoband der Moschee von Cordoba in die Hände. Noch einmal reisen – dachte ich. „Was ist das?“ fragte Will.i neugierig. „Die Moschee von Cordoba“ , sagte ich. „Da war ich einmal“.

Klang meine Stimme traurig? Vielleicht. Vielleicht auch sehnsuchtsvoll. Diese wunderbaren sakralen Räume. Nachdenklich lege ich einen Glasscherben auf die aufgeschlagene Buchseite. Und noch einen. „Was bleibt, sind Erinnerungsscherben“, murmele ich.

„Ach komm!“, ruft Will.i aufmunternd. „Wir reisen noch mal hin und du zeigst es mir.“ –  „Geht nicht“, sage ich. „Man lässt uns nicht reisen. Reisen – das war einmal.“

„Hä?“ macht Will.i. – „Nun ja, du kannst natürlich reisen, wohin du willst, ich aber nicht. Unsere Regierungen halten das Reisen für gesundheitsschädlich.“

Zum Glück bestand Will.i nicht darauf, ihm diese Regierungsansicht zu erklären. Gemeinsam beschauten wir die grandiosen Schwarz-Weiß-Fotos von Alberto Schommer, abgedruckt im Buch La Busqueda (die Suche) mit Texten von Alberto Villar Movellan. Und ich erzählte Will.i ein wenig von der Geschichte des Gebäudes, etwa so:

So viel ist klar: wo diese Moschee, die keine mehr ist, jetzt steht, gab es vorher eine Kathedrale, die ihrerseits auf einem altrömischen Tempel gebaut wurde. Was davor war, weiß ich nicht. Moschee, Kirche, Tempel – das sind Bezeichnungen für Gotteshäuser, also wo sich Leute versammeln, um ihren Gott anzubeten.“ – „Ihren Gott?“ – „Ja, Will.i. Die Vorstellung der Menschen über Gott sind verschieden und haben sich immer wieder gewandelt. Manche glauben an viele Götter, manche an gar keinen, andere wieder nur an einen. Die an viele Götter glauben, bauen für jeden mehrere Tempel – also es gibt wirklich sehr viele Tempel auf der Erde, ich hab sie nicht gezählt. Andere Menschen glauben nur an einen Gott und bauen … also … , ja, also die Juden glauben nur an einen Gott und bauten ihm einen Tempel in ihrer Hauptstadt Jerusalem, sonst aber keinen mehr, obgleich sie zweitausend Jahre nicht dort leben konnten und der Tempel zerstört wurde. Sie bauten aber überall, wo sie lebten, Synagogen, das sind ihre Gebetshäuser. Die Christen glauben auch nur an einen Gott, dazu auch noch an Christus und den Heiligen Geist und an viele Heilige und bauten viele Kirchen, kleine und große, die sie ihren verschiedenen Heiligen widmeten. Du hast ja gesehen, dass in so einem kleinen Dorf  wie dem, das wir kürzlich besuchten, sieben Kirchen stehen. Auch die Moslems glauben nur an einen Gott und bauen viele große Häuser, um ihn anzubeten. Diese Häuser nennen sie Moscheen. Dann gibt es die, die an gar keinen Gott glauben, das sind inzwischen recht viele, für die gibt es keine Gotteshäuser. Aber manche von denen finden in der Natur das Göttliche.

Gern hätte ich Will.i gefragt, woran er wohl glaubt? Seine Freundin Shin.nin glaubt ja sicher was anderes als ich oder die Leute hier in der Gegend, und in Afrika …. aber das ist mir jetzt zu kompliziert, lassen wir es für später. Besser, ich erzähle noch etwas von der Geschichte der Mezquita:

„Als die Araber Cordoba eroberten, zerstörten sie die christlichen Kirchen, die es da schon gab, und bauten Moscheen. Aber die Kathedrale, also die Hauptkirche, ließen sie vorerst stehen und bauten sie nur teilweise um. Doch bald wurde sie ihnen zu klein, und so wurden die Christen auf den Raum außerhalb der Stadtmauern verwiesen. Das war am Ende des 8. Jahrhunderts, also vor, warte mal… ja, ungefähr eintausenddreihundert Jahren.“„Ungefähr? Ist denn nicht jedes Jahr wichtig? Bin ich nicht wichtig?“„Doch, doch, kleiner Will.i, du bist mir sehr wichtig, aber die Zeiten, die weiter weg sind, wirken kleiner, so wie die Bäume und Häuser, die weiter weg sind. Da sieht man dann nur noch so Fitzelkram, da sagt man dann Jahrzehnte oder Jahrhunderte oder Jahrtausende oder für die, die ganz weit weg sind, auch Jahrmillionen ….  Die Moschee wuchs wie eine Pflanze heran und überrankte mit ihren herrlichen Bögen den freien Raum.“ – „Von allein?“ – „Nein, nein, ich rede manchmal poetisch. Natürlich wuchs die Moschee nicht wirklich, sondern es wurden neue Räume angebaut.

Im 13. Jahrhundert oder, damit du es genau weißt, im Jahr 1236 eroberten die christlichen Spanier Cordoba. Man nennt das die Reconquista – die Wiedereroberung. Mitten in die Moschee bauten die Christen eine kleine Kapelle, und in das Minarett – das ist ein spitzer Turm, der zu jeder Moschee gehört – hängten sie eine Glocke. Christen brauchen eine Glocke, Moslems nicht, die haben einen Rufer, um die Gläubigen zum Gebet zu rufen. Die Rundbögen, schau hier, diese Arkaden, die offen waren, mauerte man zu. In den folgenden Jahrhunderten wuchs die Kapelle im Inneren zu einer gothischen Kirche heran – nun, sie wuchs  nicht wirklich, sondern man riss einige Säulen ab und baute die Kirche größer und schöner im gothischen Stil. Sie sieht ziemlich spitzig und protzig aus und ist wie ein Fremdkörper im organischen runden Leib der Moschee. Und heute ist das alles ein Museum.“ – „Du magst die Moscheen wohl lieber als die Kirchen?“ fragte Will.i. „Nein, nein, Willi, manche Kirchen sind sehr schön, nur passt die Kirche einfach nicht in die Moschee. Manchmal ist es besser, man lässt eine Sache so, wie sie ist, und pfuscht nicht mit eigenen Ansichten hinein.“

Später, als ich allein am Meer saß. stand er plötzlich wieder neben mir. „Ich hab dir paar echte Scherben von da mitgebracht. Schau mal!“ – „Von da?“ – „Ja, ich war mal kurz da, das Museum war zu, aber ich fand einen Scherben. Du magst doch Scherben, oder?“

Ich hielt das Mitbringsel vors Abendmeer – und tatsächlich: Fein ins Glas einziseliert sah ich die schönen Säulen der Mezquita de Cordoba, und das charakteristische Fenster war offen und ließ die lichten Meereswellen hindurchscheinen. „Nichts hat Bestand“, sagte ich leise, „alles ist im Fluss, nicht wahr?“

„Danke, Will.i“, sagte ich lächelnd. „Du hast mir den Tag gerettet.“

 

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3.2.2021 Mit Will.i am Fischereihafen von Kitries (Zeichnung und Fotos)

„Komm, Will.i, ich zeig dir mal einen meiner Lieblingsorte!“ Ihr, meine lieben LeserInnen, kennt den kleinen Hafen von Kitries bereits, Will.i aber nicht. Denn das letzte Mal war ich am Tag vor seiner Geburt dort. An dem Tag also, als das vorige Jahr versank und verlosch. Ich verabschiedete es mit dem Foto eines Bootes, das den schönen Namen „ΥΠΑΡΧΩ“ trägt („ich existiere“). Vielleicht meinte das Jahr sich selbst? Dass es weiter existiert, auch wenn wir es haben in der Versenkung verschwinden lassen?

Nun, wie auch immer. Das Boot gibt es noch, und den Hafen auch. Ein schöner später Nachmittag wars. Dem Will.i erzählte ich ein wenig, was es mit diesem Hafen auf sich hat, wie es hier früher aussah, mit wem ich schon dort war, ja, ich erklärte ihm auch, warum die Tische und Stühle der beiden Tavernen und des Cafes jetzt verpackt und verschnürt sind. Shutdown …

Will.i stieg dann ein bisschen im steilen Gelände herum, um das Ganze noch mal von oben zu betrachten (er hat gern die Übersicht). Ich aber erbat mir von einem Netze flickenden Fischer einen Plastikstuhl und machte mich ans Zeichnen.

Sehr stark waren die Kontraste im Licht der tiefstehenden Sonne. Der blaugestrichene Teil des Bootes wurde eins mit dem dunklen Wasser dort, wo es nicht vom Licht getroffen wurde. Fast schwarz erschien die gegenüberliegende bewaldete Steilküste, scharf abgegrenzt gegen das gleißende Meer.

Ich begann noch eine zweite Zeichnung, doch hatte Will.i inzwischen „alles“ gesehen und wollte nach Haus. Meine Zeichnung billigte er: „Fast so gut wie ein Foto“, meinte er. „Man kann sehen, wie es festgebunden ist. Aber du hast die Planken ein bisschen zu sehr  ausgebeult.“

Ich gebe zu, dass mich sein Lob und sogar auch seine Kritik freuen. Er ist halt ein Beobachter der Wirklichkeit. Seine Kriterien sind nicht meine Kriterien. Aber was macht das schon? Jedem das Seine.

Und wie sah es nun „wirklich“ aus? Auf dem Foto erscheint dieser Teil des Hafens tatsächlich fast wie ein Schwarz-Weiß-Gemälde.

In der anderen Blickrichtung aber entfaltete sich ein fantastisches Farbenspiel. Das wiederzugeben, hätte es schon anderer Mittel als meines schwarzen Kugelschreibers bedurft.

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Impulswerkstatt: Eine Frage der Beleuchtung (kleine Beobachtungen)

Auch für diesen Monat hat Myriade vier anregende Fotos ins Netz gestellt, auf dass wir kreativ in Bewegung bleiben. Gerne nehme ich den Impuls der Spiegelung auf. Erstaunlich farbig ist sie, fast scheint es, als sei nur das Gelb eine Spiegelung, das Blau aber ein Schatten.

Ich machte eine Scherbenlegearbeit, die auch das flüssige Element zum Thema hat: Boote auf dem Meer. Gelegt habe ich wieder Glasscherben, die ich aus dem Garten holte, wo sie, halbwegs in die Erde versunken, lagerten. Die Erde habe ich nur grob oder gar nicht abgewaschen. Auf der schwarzen Pappunterlage gibt es Erdspuren von früheren Legearbeiten.

Ich fotografierte das Ergebnis 4 mal. Mich interessierte dabei, wie sich die unterschiedlichen Lichtverhältnisse auf das Farbenspiel des halbtransparenten spiegelnden Glases auswirken würden.

Wie habe ich fotografiert? a. drinnen bei geöffneter Tür (Tageslicht), b. mittags draußen unter starker Sonneneinstrahlung (beschnitten), c. mittags draußen im Schatten d. drinnen unter Kunstlicht. Ich habe die Fotos farblich nicht bearbeitet.

 

Das Foto b ist sehr extrem, gerne hätte ich es wiederholt, um sicherzustellen, dass es sich nicht um ein Fehlfoto handelt. Aber da war die Sonne schon weitergewandert und weniger stark. Morgen werde ich es erneut versuchen. Das Foto c, das besonders schön die Spiegelung des blauen Himmels zeigt, habe ich dann ein wenig aufgehellt (keine farbliche Bearbeitung).

 

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Winter in der Mani (Tägliches Zeichnen und zwei Fotos)

Blick auf die Bucht von Kalamata, 1.2.2021

Unser Winter ist anders als der deutsche Winter. Der Schnee ist eine ferne Kulisse. Hier, in Meeresnähe, unterscheidet sich die Landschaft im Sommer und im Winter nicht sonderlich: graugrüne Olivenbäume – dunkle Zypressen – Gräser – das Meer. Natürlich gibt es auch hier Veränderungen:  Im Winter sind die Wolken anders, andere Blumen zeigen sich, anders stellt sich der Sternenhimmel dar. So fand ich heute die schattigen, feuchten Hänge von herrlicher Iris übersät…

und der Kaktus am Strand, der mich im Sommer mit seinen Blüten bezauberte, ist jetzt im Winter, mit seiner blütenlosen Blattgestalt, nicht minder faszinierend.

Was noch? O, vieles. Die Zicklein, die Lämmer, der wilde Spargel, der jetzt essbar wird, die Meereszwiebel, die jetzt ihre Blätter austreibt, einige Asphodelen schon in Blüte, die Wolfsmilch mit ihren feinen gelben jungen Trieben, erste „Augen“ der Feigenblätter, Mandelbaumblüten, während die letzten vergilbten Blätter des Vorjahrs fallen, zarte Zitronenblüten neben den gelben Früchten, hier und da eine Anemone, der gelbe Klee und Kräuter und Salate jeder Art unter den Bäumen.  Und Wolkenberge und Feuchtigkeit des Bodens, Vogelgezwitscher, Löcher von unbekannten Tieren in der Lehmwand, Mandarinen vom Baum, natürlich, die auch. Schön und nahrhaft ist das Land auch im Winter.

 

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Extraetüde: Will.i und der unerschütterliche Seemann (Geschichtsunterricht)

Christiane lädt zur Extra-Etüde: 5 Wörter aus 6, 500 Wörter darf die Etüde umfassen. Diesmal ist Will.i mit von der Partie.

Extraetüden 05.21 | 365tageasatzaday

„Will.i“, sage ich, „gleich kommt eine Frau zur Beratung, da kann ich dich nicht brauchen. Du magst vielleicht inzwischen noch ein tolles oranges Bild malen oder dir Musik anhören. Oder mach beides zugleich. Du kennst dich ja mit dem Computer inzwischen aus. Such dir passende Musik, und auf gehts! In einer Stunde bin ich zurück.“

Da klingelt es schon an der Tür, und ich eile, um meiner Besucherin – nennen wir sie Maria – zu öffnen und mit ihr ins Atelier hinunterzusteigen.

Die Wände unseres Steinhauses sind dick, und die Decken isoliert, aber mir ist, als hörte ich im Wohnzimmer über mir ein Zetermordio, das anschwillt und abschwillt. „Moment, Maria, ich schau grad mal nach, was da oben los ist,“ und renne auf der Außentreppe nach oben. Als ich die Haustür öffne, falle ich fast die Stufen runter, so heftig trifft mich die Musik, die da fortissimo aus den Lautsprechern dröhnt.

Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern, keine Angst, keine Angst, Rosmarie!“ dröhnt es, und Will.i marschiert, einen Besen wie ein Gewehr geschultert, im Zimmer herum und singt lautstark mit: „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern….“ Ich stürze zum Computer und stelle ihn ab. „He, was machst du da?“ schreit Will.i. –  „Ich kann diese Musik nicht hören, Will.i, bitte!“ – „Aber sie ist lustig! Ich mag sie!“ – „Das ist schlechter Geschmack“, sage ich. –  „Dein Geschmack ist schlecht!“ schreit Will.i. „Das Lied hat tollen Rhythmus, ich mags, und ich finde es Scheiße, dass du es einfach abgestellt hast!“

Will.i ist wütend, fast weint er vor Wut und Enttäuschung. So habe ich ihn noch nie gesehen. Was soll ich nur machen? Es bleibt mir nichts anderes übrig, als ihm zu erklären, warum ich das Lied nicht hören kann. „Komm, setz dich“, sage ich weichmütig. „Ich will dir was über das Lied erzählen und warum ich es nicht hören kann…“

Da fällt mir siedendheiß ein, dass Maria im Atelier auf mich wartet. „Also ich erklär es dir nachher. Wirklich, ich habe meine Gründe, warum ich das Lied nicht hören will. Bitte, stell was anderes ein, und sobald ich Zeit habe, erklär ich es dir.“

Aber wie soll ich einem ahnungslosen schwarzen Kind die deutsche Geschichte erklären? (Du erinnerst dich, Will.i kam als Schwarzer aus Afrika zurück). Ist es grundfalsch, es zu versuchen? Soll ich es den Zeitläuften überlassen, was er aufschnappt und was er lernt und was er dann damit macht?

Als ich später wieder raufkomme, hört Will.i „Lili Marlen“ und legt ein Schnipselbild. Er schmollt immer noch. Seine Seeleute spielen Ball – einige sind schwarz, andere weiß. Eine Luftnummer.  Ich muss lächeln. Vielleicht ist das die Lösung?

Leichtmatrosen (c) Gerda Kazakou.


Falls du die Lieder, beide 1939 im Rahmen der deutschen Kriegspropaganda zu den bekanntesten deutschen Liedern hochgepuscht, nicht kennst:

Wenn du nicht verstehst, warum mich Will.is Geschmack erschüttert, lies nach:

FredRitzel

Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern!

Über ein Lied aus der Zeit des Kriegsanfangs, seine mediale Präsentation und seine Nachwirkungen

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1.2.2021 Will.i und das Steinebilderlegen am Strand

„Wenn du jetzt schon so weit gereist bist, viel weiter, als ich jemals kommen werde, kleiner Will.i, dann findest du es sicher öde, mit mir an den Strand zu gehen?“ fragte ich heute ein bisschen beklommen. – „I wo“, kam seine Antwort,  „da komme ich gern mit. Glaub bloß nicht, dass es so spannend ist, da oben im Weltraum rumzusitzen und die Erde sich drehen zu sehen. Klar, es macht ne Weile Spaß, aber dann wird es eben auch wieder langweilig. Zum Glück kommen ab und zu ein paar andere Fluggeräte vorbeit, man muss manövrieren, man hat was zu tun. Besser hat es mir aber doch auf der Erde gefallen, bei der African Lady und bei Shin’nen im Land der aufgehenden Sonne. Am besten gefällt es mir hier bei dir, ehrlich!“ und er sah mich so lieb an, dass ich ihm einfach glauben musste.

Also wanderten wir durch die Felder zum Meer, beguckten uns die Wellen und die Steine, den Himmel und die Wolken, einen kleinen weißen Hund, der ein rotes Tuch um den Hals hatte, und das Licht der Sonne, die selbst nur kurz zum Vorschein kam, grad lange genug, um einen Regenbogen an den Himmel zu malen. Wir plauderten über dies und das, auch darüber, wie der Regenbogen zustande kommt und wie die Farben angeordnet sind, und wie ich es einst lernte, und wie die Wellen in meiner ersten Heimat aussehen und wer da jetzt noch wohnt und noch mehr von diesem und jenem. Und weil es besser ist, nicht nur zu schwätzen, sondern auch was zu tun, legten wir zwei „Personages“. Zuerst entstand eine Frau auf einem gelben Bruchstein, mit dem Zeug, das da herumlag: Steine, ein Dachziegelscherben und eine marode Schilfwurzel.

Zum Glück lag gleich daneben eine Eisenplatte im Sand, und so konnten wir Madame einen Mann zur Seite legen. Steine gabs ja genug, und ein Stück abgesplittertes weißes Plastik und verwelkte Blätter gabs auch.

„Alles ist ja irgendwie brauchbar“, stellte Will.i fest. Und ich freute mich, dass mein kleiner Weltreisender seinen Sinn für das Kleine Nützliche nicht verloren hatte. Vielleicht hat ihm sein kurzer Aufenthalt in Afrika sogar genützt, weniger großspurig mit den Materialien dieser Welt umzugehen.

Schließlich setzten wir uns, zufrieden mit uns und dem stillen Abend, auf ein Treppchen  und schauten aufs Meer, und Will.i meinte verträumt: „Im Land der aufgehende Sonne ist jetzt schon bald Morgen, und auch morgen, und ich bin schon wieder einen Tag älter und Shin’nen auch und bald können wir heiraten. Und dann kriegen wir auch bald ein Kind und sind glückliche Leute.“

„Ja, sicher“, sagte ich lächelnd, und ich hoffe, dass ich überzeugend klang.

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