Ich konnte nicht schlafen. Wo war Will.i nur abgeblieben? Ich hatte ihn schon seit unserem Ausflug auf die Burg Haravji („Morgenröte“) vermisst, war aber inzwischen so beschäftigt, dass es mir nicht sonderlich auffiel. Aber nun, schlaflos mich im Bett wälzend, wurde es mir doch unheimlich. Wie „außerhalb von Zeit und Raum“ fühlte ich mich ohne meinen lieben Begleiter.
Und siehe da: Plötzlich steht er neben meinem Bett. Ich blinzle, kann ihn kaum wiedererkennen. Vielleicht liegt es ja an der Dunkelheit und an meinen müden Augen. Mir kommt er viel größer vor. Er hat, so scheint mir, auch andere Kleidung an und sein Gesicht ist dunkel. „O, Will.i, gut dass du wieder da bist!“ flüstere ich, um meinen Mann nicht zu wecken.“Komm, wir gehen ins Wohnzimmer, und du erzählst mir, wo du warst!“
Bei Licht sehe ich: ja, er hat sich stark verändert, verwandelt. Sieht aus wie ein Afrikaner, mit fescher Mütze und einem Lendentuch, auf dem der Himmel abgebildet ist. So sitzt er nun vor mir und erzählt, es sprudelt förmlich aus ihm heraus:
„Du warst ja so beschäftigt, da dachte ich, ich schau mich mal ein wenig in Raum und Zeit um. Erst bin ich auf einem Längengrad nach Süden gerutscht und kam bei der Frau an, die du mir mal vorgestellt hast, du weißt, die African lady, die gern reisen wollte. Ich habe ihr deine Grüße ausgerichtet. Dann haben wir uns einen gemütlichen Platz außerhalb der Erdsphäre gesucht – es war ja auch Vollmond -, und haben der Erde beim Drehen zugeschaut. Die Länder und Meere sind wie verrückt unter uns weggeflutscht. Ein tolles Tempo hat die alte Erde, sag ich dir, so um die tausendvierhundert Kilometer in der Stunde, und hat nicht mal einen Motor! Frag mich nicht, wie sie das macht. Nach ein paar Stunden war es der Lady langweilig, sie musste ja auch zur Arbeit, sie ist nämlich für die Kranken zuständig. Also ging sie von Bord, sobald wir wieder über ihrem Land waren. Heißt übrigens Kenja, falls du das nicht wusstest.
Ich blieb noch ein bisschen oben, sah die Meere und Gebirge unter mir wegflutschen und machte mich schließlich bereit zur Landung. Unter mir erschien eine Insel, sah toll aus in der goldenen Morgenröte, sag ich dir. Kaum bin ich gelandet, sehe ich eine ganz junge Frau da sitzen – du würdest sie wohl ein Mädchen nennen. Die ließ einen Drachen steigen. „Wie heißt dies Land?“ frage ich sie. „Das Land der aufgehenden Sonne“, sagt sie und lächelt mich an. Goldig! „Ich bin der Will.i“, sag ich. „Und wie heißt du?“ ‚新年 war ihre Antwort, Shin’nen.“ – „Das klingt ja hübsch“, werfe ich ein wenig benommen ein. „Schinnschen, richtig? Aber was bedeutet es?“ – „Neues Jahr. Und daher kannte sie mich auch. Sie ist jetzt meine Freundin.“




































