Unruhe vor dem Sturm

Zuerst ist es nur eine kleine Unruhe in der Luft. Der Mensch lauscht. Etwas ballt sich im Westen zusammen.

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Schnell trübt sich die Atmosphäre, eine diffuse Unruhe zirkuliert nun überall.

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Schon erhebt sich ein Sturm, wird stärker, reißt fort, verschlingt mit wirbelnder Kraft.

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Und dann: Stille, einen Augen-Blick lang nur blickt es dich an: das Auge des Taifuns.

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Du fliehst ins Haus, verbarrikadierst dich,  meinend, du könnest seine Wände gegen diese Riesenkäfte stellen.

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Versuch es immerhin. Was bleibt dir auch anderes zu tun übrig.Vielleicht wird das Verhängnis ja vorheiziehen und dein Leben unbehelligt lassen.


Dies ist eine Reihe von Kohlezeichnungen, die ich vorgestern machte. Ich habe die eine Zeichnung über die andere gelegt und versucht zu verfolgen, was sich unter meiner Hand bildete. Diese Art von Spontanzeichnung hilft mir, innere Spannungen abzuleiten. Hinterher beschreibe ich, welche Bilder sich mir zeigten.

 

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Der Besuch des Planetarchen

Ich weiß ja nicht, wie ihr ihn nennt, aber hier heißt der amerikanische Präsident immer „der Planetarch“- der Beherrscher des Planeten. Der jetzt noch amtierende Planetarch war grad hier und hat die Athener, die das Privileg hatten, seinen Worten zu lauschen, darüber belehrt, dass die Demokratie trotz aller ihrer Schwächen die beste Staatsform sei (dafür zitierte er Churchill). Er klärte uns dann noch darüber auf, wozu die Demokratie gut sei, und dass die NATO auch weiterhin dafür sorgen werde, dass  wir alle in Sicherheit und Demokratie leben können. Natürlich hat er auch Perikles zitiert –  das tun sie alle, wenn sie nach Athen kommen. Nicht erwähnt hat er, dass der NATO-Partner Türkei, gleich nebenan, den Griechen ein gewisses Unwohlgefühl erzeugt, so dass sie einen Haufen ihres nicht vorhandenen Geldes – nämlich doppelt so viel wie zB Deutschland – für ihre Verteidigung ausgeben.

Er hat auch sonst vieles nicht erwähnt, was die Menschen hier gern angesprochen hätten. Aber das ist eben hohe Politik. Ich mische mich da nicht ein. Ich habe nur meine Schnipsel gemischt und neu arrangiert. Das möge als Kommentar für heute genügen.

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Nun ist der Planetarch wieder weggeflogen. Weg sind auch die Hundertschaften von Sicherheitsbeamten, sind die schönen großen Limousinen, die wie Panzer funktionieren,  und die zahlreichen Journalisten sind auch weitergereist. Der neue Planetarch ist noch nicht da, hat wohl erst noch anderes zu tun, als den Athenern einen Vortrag über die Demokratie zu halten. Wir sind wieder allein in unserer grauen Alltagswelt.

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Jetzt hat Berlin die Show. Hallo, ihr Lieben da drüben!

Dann feiert mal schön!

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Mit Blick auf die Akropolis

Über der Akropolis von Athen ging gestern Abend der Riesenmond auf. Das Foto prangte mir heute Morgen auf einer Zeitung  entgegen.

img_8868(Kathimerini vom 15.11.2016: Der Mond „umarmte“ die Erde).

Ich selbst blieb brav in unserem Vorort, denn ich hatte keine Lust auf das Zentrum der Stadt. Zu viele Menschen,  die den Mond über der Akropolis anstaunen und knipsen wollten, zu viele Sicherheitsmaßnahmen auch wegen des heutigen Obama-Besuchs.

Ich sah unseren schönen Trabanten erst, als er zwischen den Bäumen unseres Wäldchens erschien, so hell die Nacht erleuchtend, dass ich die Borke der Pinienstämme in seinem Licht studieren konnte.

Morgen wird der scheidende US-Präsident seine öffentliche Rede halten – mit Blick auf die Akropolis. Sicher wird er über das Demokratie-Vermächtnis dieser Stadt sprechen, sehr wahrscheinlich auch über die Notwendigkeit, einen Teil des unerträglichen Schuldenbergs von den Schultern der Menschen zu nehmen.

Am Abend fliegt er dann nach Berlin und wird dort, vermutlich mit Blick auf das Brandenburger Tor und die Siegessäule, eine weitere Rede halten – die letzte seiner Amtszeit auf europäischem Boden. Wieder wird er von den Schulden sprechen – so jedenfalls vermutet man hier. Vielleicht wird er das nicht öffentlich tun, sondern dieses Thema lieber mit den Berliner Regierenden besprechen, die jedem Schuldenerlass den Kampf angesagt haben. Vielleicht aber wird er doch auch von der Geschichte sprechen – und dass Deutschland niemals auf die Beine gekommen wäre, wenn es mit den gewaltigen Schulden der beiden Kriege hätte leben müssen.  Vielleicht wird er sagen: „Wir haben nach dem Krieg eingesehen, dass wir auf die Rückzahlung eurer Schulden verzichten müssen, damit eure Enkel und Urenkel eine Zukunft haben.“  Vielleicht wird er sagen: „Auch die griechischen Enkel und Urenkel können diesen Stein nicht ewig den Berg hinaufrollen“. Vielleicht, und eher wahrscheinlich, wird er an die geopolitische Bedeutung Griechenlands erinnern, dessen Stabilität man nicht auf dem Altar der Schwarzen Null opfern dürfe.

Möge die Akropolis  den scheidenden Präsidenten inspirieren – wie schon so viele Menschen vor ihm.

Das Schuldenthema illustrierte ich bereits im Mai 2015 mit dem Legebild „Kleiner Sisyphos“. Noch in den Windeln, muss er einen gigantischen Stein den Berg hinaufrollen, während sich die Götter amüsieren.

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Und  hier seht ihr den kleinen Sisyphos noch einmal – mit nur einer Gottheit, die sein Unglück zu genießen scheint und seinem Stein gern noch einen Brocken hinzufügt.

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Mehr dazu unter dem ursprünglichen Post https://gerdakazakou.com/2015/05/18/kleiner-sisyphus/

 

 

 

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Montags ist Fototermin: Das waren noch Zeiten!

Wann war das doch gleich? 1974 vielleicht?

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Im letzten Jahr um diese Zeit besuchte uns Susanne, die süße Kleine ganz vor im Bild, und brachte außer ihrem Freund und ihrer 15jährigen Tochter diese Fotos mit. Kinderladenfreunde waren sie: Susanne, ihre ältere Schwester Katinka und unser Wassilis.  Die Väter, der Hund und ich spielten mit, Fotografin war die Mutter der Mädchen, Erika Schröder.

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Ich habe schon öfter unseren Frankfurter Kinderladen erwähnt – zuletzt, als ich zwei der „Mitmütter“ auf Hydra traf und wir die seitherigen Schicksale der Kinder und ihrer Eltern durchdeklinierten.  Soviel Lebensfreude! Ich denke, ich darf diese Fotos hier zeigen, in Erinnerung an eine für uns alle so wichtige Lebensphase. Und damit niemand der Jüngeren meint, ihre Eltern seien immer schon alt und Langweiler gewesen.

Zum Abgewöhnen noch ein Foto der drei, ebenfalls von Erika aufgenommen und von ihr selbst entwickelt, aus meinem Fotoalbum. Vermutlich 1972, beim Vögelfüttern mit Sonnenbblumenkernen. img_8867

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Das Orakel, Teil 2 (self-fulfilling prophecy)

Gestern (und vor einem Jahr) erzählte ich von einem König, der alles hatte, den aber die Frage nach der Zukunft seines Glücks umtrieb. Seine Sorgen waren so groß, dass er ein Orakel aufsuchte.

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Ich weiß nicht, ob du in kritischen Zeiten auch mal Tarotkarten legst oder ins Horoskop schaust – nicht wirklich überzeugt zwar, dass sie dir Aufklärung bringen, aber wer weiß! Gute Karten verstärken den optimistischen Blick in die Zukunft, schlechte sammelt man ein und vergisst sie möglichst schnell.

Ich lebe in einem Land, in dem die meisten Frauen den Kaffeesatz zu lesen verstehen.  img_6533aa Einmal rannte eine Kaffee-Ratte am oberen Tassenrand (sprich: auf meinem Kopf), was mir merkwürdige Alpträume einbrachte.  Wenig später fand ich eine echte, aber tote Ratte, die es auf einer Straße erwischt hatte. Ein frischer Blutstropfen hing noch an ihrem Näschen. Kaum sah ich sie, wurde ich wieder froh. Die Ratte hatte sich für mich geopfert.

Aber zurück zum König meiner Geschichte. Wie geht es mit ihm weiter? Da standen die kohlschwarzen Zeichen an der weißen Wand, als seien sie das Menetekel des Belsazar*. a8a1057708d64f225901dcd763e707c1 Kein Daniel war da, um sie zu entziffern**. Die Fee raunte zwar echt sybellinisch von „gewogen und zu leicht befunden“ und von Heines Belsatzar-Gedicht. Aber war das eine Übersetzung dieser Schrift? img_5244 Nein. Wie denn auch!  Bei solchen Prophezeiungen ist es wie beim Träumen: Nur der Träumer weiß, was der Traum ihm sagen will. Wir anderen tappen im Dunkeln.

Und was war es, was der König an der Wand las? Natürlich eine Bestätigung seiner Befürchtungen: „Dein Pferd wird von einem anderen geritten werden, deine Frau von einem anderen geliebt werden, deine Krone wird ein anderer tragen und dein Hund …“

„O weh! Das will ich nicht erleben!“ rief der König verzweifelt und sprang ins nächstbeste Gewässer, um seinem Leben ein Ende zu setzen.

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Da seht ihr ihn liegen, am Grunde des Meeres. Sein herrenloses Pferd fing ein  Bauer ein und ritt damit davon. Seine Frau trauerte ein wenig, tröstete sich aber bald und liebte einen anderen. Der bestieg den Thron und setzte sich die Krone aufs Haupt. Glückliches Paar!

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Nie fragten sie, wie lange ihr Glück dauern werde. Es dauerte, solange es eben dauerte.  Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie auch heute noch glücklich und zufrieden.

Der treue Hund aber verwandelte sich in einen Seehund, damit er seinen Herrn bewachen kann dort, wohin ihn seine Dummheit brachte. Er hat eben mehr Liebe und Verständnis in seinem Hundeherzen als ich und du.

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* Ausschnitt aus Rembrandts Gemälde „Das Gastmahl des Belsazar“

** Wissenswertes über diese Bibelgeschichte findest du bei Wikipedia unter Das_Gastmahl_des_Belsazar. Der Prophet Daniel konnte die Schrift lesen: „Menetekel“. Gezählt, gewogen und zu leicht befunden.

Heinrich Heine dichtet:

... Und sieh! und sieh! an weißer Wand
Da kam’s hervor wie Menschenhand;

Und schrieb, und schrieb an weißer Wand
Buchstaben von Feuer, und schrieb und schwand

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Das Orakel, Teil 1

Ich lese dieser Tage wieder vermehrt Klagen, dass die Welt ein so unsicherer Ort sei. Morgen schon könne dies und das über uns hereinbrechen. Und jetzt erst, nach diesen US-Wahlen! Angst vor dem Verlust dessen, was man im Leben lieb gewonnen hat, ist besonders uns Deutschen ein so bekanntes Gefühl, dass die Amerikaner das Wort „German Angst“ geprägt haben. Was kommt auf uns zu? ist eine Frage, die so manchen umtreibt.

Ich habe dazu mal (im November 2015) eine kleine Parabel geschrieben und gelegt. Einige von euch kennen sie, andere nicht. Hier der erste Teil.

 

Das Orakel

Es war einmal ein König, der hatte alles, was ein König so braucht, und sogar noch viel mehr. Er hatte ein Reich, eine Krone, ein ansehnliches Reittier, einen treuen Hund und eine schöne junge Frau. Eigentlich hätte er glücklich sein müssen, nicht wahr?

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Doch er war unglücklich. Denn ihn quälte Tag und Nacht eine Frage, auf die er keine Antwort wusste. In der Nacht zerwühlte er das Bett, und am Morgen war er schlechter Laune. Da half auch nicht, dass die Dienerschaft ihm jeden Leckerbissen, den er bestellte, ans königliche Lager brachte.

Die Frage, die ihn quälte, war: Würde er all das, was er heute besaß, auch morgen noch haben? Würde sein Schloss nicht abbrennen, seine Frau nicht durchbrennen, sein Gaul nicht gestohlen und sein Hund nicht vergiftet werden? Saß ihm die Krone sicher auf dem Kopf, oder zielte schon ein anderer auf seinen Kopf und seine Krone?

Schließlich hielt er es nicht mehr aus und er beschloss, ein Orakel zu befragen.

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Und so machte er sich auf den Weg. Dort traf er eine alte Frau, der er sogleich seine Frage vorlegte. Die Frau, der täglich hunderte von Leuten entsetzlich dumme Fragen stellten, sah schon selbst aus wie ein Fragezeichen. Eine Berufskrankheit. Blind war sie auch, aber das schadete nicht weiter, im Gegenteil, es erhöhte ihre Glaubwürdigkeit als Sibylle. Mühsam rußte sie ihren Stab im heiligen Feuer. Damit kritzelte sie ihre Antwort an die geweißte Wand.

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Schwarz-weiß – oder farbig?

Nun das Wochenthema vom Mitmachblog „Schwarz-weiß“ ist, wollte ich einmal sehen,  ob sich so etwas wie Weiß und Schwarz überhaupt darstellen lässt? Wir leben ja nicht in einer Welt des weißen Lichts und der lichtlosen Finsternis, sondern in einer Welt  der Brechungen. Nichts ist ganz gut, nichts nur schlecht. Wenn sich Licht und Dunkelheit  begegnen, kommt es zu allerlei farbigen Rändern und Schatteneffekten. Unsere Welt ist farbig, weil die Oberflächenstrukturen der Materie einen Teil des weißen Lichts schlucken. Den Rest des Spektrums reflektieren sie – das ist dann die „Lokalfarbe“, die wir sehen, so dass wir sagen können: o wie schön rot ist die Tomate, wie grün die Gurke.

Dies wissend, nahm ich dennoch ein weißes Blatt Zeichenpapier und legte es auf  einen schwarzen Karton. Und fotografierte es bei Lampenlicht.

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Schau selbst: Das Schwarz mag ja einigermaßen als schwarz durchgehen, aber Weiß ist was anderes als diese leicht rötlich-schmutzige Fläche. Als gar meine Hand einen Schatten auf die weiße Fläche warf, war es gänzlich aus mit dem Schwarz-weiß. Eine bläuliche Schattenhand überschnitt sich mit einer rötlichen, und im Überschneidungsbereich bildete sich eine dunkle Form, die aber durchaus nicht schwarz war. Dabei ist meine Hand doch nicht durchsichtig – oder?

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Aufgeben tue ich nicht so schnell. Also nahm ich ein Stück Kohle und zeichnete eine Form auf das weiße Blatt. Aha! Durch die  vermittelnden Grautöne erscheint das Weiß nun weißer als zuvor.

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Auf die Kohlezeichung legte ich dann meine farbig bemalten Papierfetzen und bastelte mir ein Bild zusammen. Und mir scheint fast, als seien nun, vermittelt durch die Farben und in Kontrast dazu, das Schwarz und das Weiß tatsächlich in reiner Form vorhanden.

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Und die Moral von der Geschicht? Und der Titel des Bildes? Vielleicht fällt dir etwas dazu ein. Mir reicht es für heute. Gute Nacht!

nachträglicher Zusatz für Ulli: das gedrehte Bild, damit du dir nicht den Hals verrenkst, liebe Ulli. img_8861a

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Astern, schwälende Tage

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GOTTFRIED BENN

Astern

Astern – schwälende Tage,
alte Beschwörung, Bann,
die Götter halten die Waage
eine zögernde Stunde an.

Noch einmal die goldenen Herden
der Himmel, das Licht, der Flor,
was brütet das alte Werden
unter den sterbenden Flügeln vor?

Noch einmal das Ersehnte,
den Rausch, der Rosen Du −
der Sommer stand und lehnte
und sah den Schwalben zu,

noch einmal ein Vermuten,
wo längst Gewißheit wacht:
die Schwalben streifen die Fluten
und trinken Fahrt und Nacht.

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Die beiden Bilder habe ich für dich aus dem Rahmen genommen, um sie zu fotografieren.  Sie hängen sonst immer bei mir an der Wand. Gemalt sind sie mit Pigmenten, Kleber und papiernen Klebestreifen auf Chinapapier, aufgeklebt auf weißen Karton. Sie sind sehr fragil, und ich liebe sie vor allem deshalb . Ich liebe auch das Gedicht von Gottfried Benn.

Falls du eine Interpretation des Gedichts suchst: http://www.planetlyrik.de/hermann-burger-zu-gottfried-benns-gedicht-astern/2012/11/. Für mich ist die Interpretation, die auf den griechischen Hintergrund verweist (Mysterien von Eleusis), freilich zu gelehrt und eigentlich völlig überflüssig.

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Wenn Herr Winter kommt

Wenn der Winter kommt, verlieren die eben noch so farbenprächtigen Bäume ihre Blätter, und der Gärtner schneidet die überschüssigen Triebe ab. Vermutlich hast du noch nie darüber nachgedacht, wie sich die Bäume dabei fühlen.

Ich tats heute auch zum ersten Mal. Ich sah den schwarz-weißen Herrn Winter, wie er niederkniete, seine Sichel in der Hand. Vor ihm erschienen zwei bunte Burschen.

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Der eine trat vor und  hielt, ohne mit der Wimper zu zucken, seinen Arm hin, schaute zu, wie der Herr Winter ihn abhackte.

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Wie bunte blutige Blätter fiel der Arm herab. Der andere Bursche stand abwartend hinter ihm. Er würde der nächste sein, würde seinen Arm hinstrecken, auf dass der Herr Winter ihn ihm abhacke.

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Blutig blüten-bunte Herbstblätter werden zu Boden taumeln, und der glatte Schnitt im Ast wird heilen, bevor der Frühling neue Säfte hinauf schickt.

Grausam? Vielleicht. Aber ist es nicht notwendig, damit die Bäume gedeihen, schöne frische Triebe ansetzen und reiche Frucht tragen?

Herr Winer ist kein böser Mann. Demütig tut er, was ihm aufgetragen ist. Und der Baum schickt sich drein, schaut zu und lächelt.

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Erinnerung an einen Krieg

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1999, es ist Frühling. April, Mai, Juni. Über die Adria fliegen Kampfflugzeuge, ich sehe sie von dem Schiff aus, mit dem ich von Patras nach Venedig übersetze. Es ist absurd. Die Menschen liegen in ihren Sonnenstühlen, erfreut über das warme Wetter. Das Meer rundum friedlich und blau, ein paar Segler sind unterwegs.

Die Kampfflugzeuge gehören zur NATO. Sie haben Bomben an Bord, die sie gleich über serbischen Städten und Dörfern, Fabriken und Feldern abladen werden. Ein Freund, der Künstler Miroslav Mandic, wird gleich aus dem Fenster schauen. Er wohnt in Nis,  an einer der großen Brücken. Er beobachtet einen Radfahrer, der die Brücke überquert. Dann ist die Brücke nicht mehr da, auch der Radfahrer nicht. Er wird es mir später erzählen, macht auch eine Skizze, um das schwer Beschreibliche zu fassen.

Da ist der Krieg vorbei, das Land zerstört. Jugoslawien gibt es nicht mehr.

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Drei Monate, solange das Bombardement anhält, weine ich. Ich kann es nicht fassen. Denn Deutschland, geeint und seit ein paar Tagen rot-grün regiert, ist mit von der Partie. Der grüne Außenminister, Fischer, oder war es der neue Kanzler Schröder? – sagt, nun sei Deutschland wieder ein normales Land. Ein Land – aber das sagt er nicht -, das seine Normalität daher ableitet, dass es Belgrad bombardiert. Zum dritten Mal in einem Jahrhundert. Serbien muss sterbien! (Schlachtruf im 1. Weltkrieg).

Warum ich gerade jetzt an diesen Krieg erinnere? Es war Präsident Clintons Krieg. Es war der erste Angriffskrieg der NATO ohne UNO-Mandat. Er dehnte den Operationsbereich der NATO nach Osten – Russland und Vorderer Orient – aus. Damals herrschte freilich kein Putin in Moskau, also traute man sich. Vergessen? Verdrängt? Allen, die jetzt über die Wahlniederlage von Hillary Clinton weinen, möchte ich zurufen: freut euch! Eine kalte Kriegerin, die unter dem Deckmäntelchen der Fortschrittlichkeit gegen Drittländer rüstet, ist nicht ans Ruder der USA gelangt. Vielleicht bleibt uns ein Dritter Weltkrieg erspart.

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(Die Skizzen mit Ölkreide und Klebestreifen gehören zu einer Reihe, die ich unter dem Eindruck dieses Krieges 2001 machte:“Zerstörte Dörfer“).

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