Astern, schwälende Tage

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GOTTFRIED BENN

Astern

Astern – schwälende Tage,
alte Beschwörung, Bann,
die Götter halten die Waage
eine zögernde Stunde an.

Noch einmal die goldenen Herden
der Himmel, das Licht, der Flor,
was brütet das alte Werden
unter den sterbenden Flügeln vor?

Noch einmal das Ersehnte,
den Rausch, der Rosen Du −
der Sommer stand und lehnte
und sah den Schwalben zu,

noch einmal ein Vermuten,
wo längst Gewißheit wacht:
die Schwalben streifen die Fluten
und trinken Fahrt und Nacht.

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Die beiden Bilder habe ich für dich aus dem Rahmen genommen, um sie zu fotografieren.  Sie hängen sonst immer bei mir an der Wand. Gemalt sind sie mit Pigmenten, Kleber und papiernen Klebestreifen auf Chinapapier, aufgeklebt auf weißen Karton. Sie sind sehr fragil, und ich liebe sie vor allem deshalb . Ich liebe auch das Gedicht von Gottfried Benn.

Falls du eine Interpretation des Gedichts suchst: http://www.planetlyrik.de/hermann-burger-zu-gottfried-benns-gedicht-astern/2012/11/. Für mich ist die Interpretation, die auf den griechischen Hintergrund verweist (Mysterien von Eleusis), freilich zu gelehrt und eigentlich völlig überflüssig.

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Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, alte Kulturen, Dichtung, Fotografie, Kunst, Malerei, Meine Kunst, Methode, Mythologie, Natur, Psyche, Reisen abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

14 Antworten zu Astern, schwälende Tage

  1. kunstschaffende schreibt:

    Herrlich Deine Astern, die förmlich aus dem Dunkeln in’s Licht treten!
    Deine Werke zu Gottfried Benn’s Gedicht runden diesen Beitrag auf wunderbare Weise ab!

    LG Babsi

    Gefällt 2 Personen

  2. Ulli schreibt:

    Wie ich diese Zeilen mag:
    was brütet das alte Werden
    unter den sterbenden Flügeln vor?
    ja, ich mag das Ganze, aber das besonders- wie ich deine Bilder mag und ich nicht weiss, ist es Morgenröte oder Abendröte auf dem ersten Bild, ich denke an den Abend, passt auch besser zum „alten Werden“- und dann sehe ich die Klebestreifen auf dem zweiten Bild, die verdecken sollen, es aber nicht tun und ich denke an die Wunden, die unter dem Pflaster heilen oder weiterschwären …
    Schwälen, brennen ohne Flamme, ohne Licht, ja so schwält es in unserer Welt, ich zünde am Abend mein Laternchen an und Mond tut das Seinige …

    Noch einmal das Ersehnte,
    den Rausch, der Rosen Du −
    liebste Gerda, ich danke dir, auf die Interpretation habe ich gerne verzichtet, ich lese und verstehe auch am liebsten selbst …
    herzliche Grüsse vom Schneeberg, leise Flocken fallen vor dem Fenster, unsere Astern längst verblüht, Winterdecke gibt dem Wachsen Ruh, wenn sie doch auch in mir wäre!
    Ulli

    Gefällt 4 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Ach, wie schön wieder dieser Einklang, nach all dem Missklang zwischen den Menschen. In der Poesie, in Natur und Kunst ist er zu finden, selbst wenn das Herz schwer ist von düsteren Ahnungen, die sich aus Erinnerungen speisen.
      “ Und leise tönen im Rohr die dunkeln Flöten des Herbstes.“ (Trakl, Grodek)

      Gefällt 1 Person

  3. finbarsgift schreibt:

    …wie zauberhaft schön,
    Astern und Poem…

    Gefällt 3 Personen

  4. versspielerin schreibt:

    das gedicht gefällt mir sehr – und deine bilder noch viel mehr…😀
    ein wunderbares ensemble.
    herzlichst,
    diana

    Gefällt 1 Person

  5. karfunkelfee schreibt:

    Liebe Gerda, es war ein Weg aus Astern, der mich zu Benn führte. Seit seinen verdichteten Astern seh ich ihn, wann immer ich Astern sehe und das schon seit fünfundzwanzig Jahren. Gerade heute bekam ich von meiner Mutter gegen das Herbstgraudunkele einen leuchtend bunten Asternstrauß geschenkt. Ich rieche gern ihren bitterherben Duft. Die Blume ist ein Exempel gegen Melancholie. Benns Gedichtesammlung habe ich herausgelegt. Heute Abend…:)
    Umso mehr freue ich mich über Deinen Beitrag und ausgerechnet diese Zeilen, die auch ich so gern habe von ihm.
    Leonard ist tot. Schattentag. Dein Asternlicht.
    Liebe Grüße von Stefanie✨

    Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      ja, Stefanie, diese umwerfend erotische weise menschenfreundliche Stimme schweigt nun. Du weißt vielleicht, dass er in den glamourösen 60ern ein Haus auf der Insel Hydra kaufte, dort auch seine Marianna traf. Kürzlich schrieb ich von einem eigenen Besuch auf der Insel, vielleicht erinnerst du dich.

      Gefällt mir

  6. Arabella schreibt:

    Nichts ist schöner als die Astern die der Herbst bringt. DasGedicht zählt zu meinen liebsten…

    Gefällt 1 Person

  7. Monika schreibt:

    Liebe Gerda, deine Bilder zeichnen den Herbst und den Winter, wobei das herbstliche rot-braun von dem Schwarz sichtbar begrenzt wird. Noch nicht eingeschlossen, aber die Farbtönung des Herbstes, weicht zum Rand, und wird schwächer bis es schwindet.
    Die schwarzen Linien nehmen die Gestalt eines Eisbären an. So sehr ich mich dagegen wehre, es verändert sich nicht. Neben der Andeutung eines Zeltes und menschlicher Kreaturen, wird mir die harte, eisige winterlichen Jahreszeit, sichtbar. Die gelblichen Klebestreifen, die das Bild umschließen, könnten das erste Sonnenlicht nach einer langen Pause, sein.
    LG.Monika

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