Wenn Herr Winter kommt

Wenn der Winter kommt, verlieren die eben noch so farbenprächtigen Bäume ihre Blätter, und der Gärtner schneidet die überschüssigen Triebe ab. Vermutlich hast du noch nie darüber nachgedacht, wie sich die Bäume dabei fühlen.

Ich tats heute auch zum ersten Mal. Ich sah den schwarz-weißen Herrn Winter, wie er niederkniete, seine Sichel in der Hand. Vor ihm erschienen zwei bunte Burschen.

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Der eine trat vor und  hielt, ohne mit der Wimper zu zucken, seinen Arm hin, schaute zu, wie der Herr Winter ihn abhackte.

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Wie bunte blutige Blätter fiel der Arm herab. Der andere Bursche stand abwartend hinter ihm. Er würde der nächste sein, würde seinen Arm hinstrecken, auf dass der Herr Winter ihn ihm abhacke.

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Blutig blüten-bunte Herbstblätter werden zu Boden taumeln, und der glatte Schnitt im Ast wird heilen, bevor der Frühling neue Säfte hinauf schickt.

Grausam? Vielleicht. Aber ist es nicht notwendig, damit die Bäume gedeihen, schöne frische Triebe ansetzen und reiche Frucht tragen?

Herr Winer ist kein böser Mann. Demütig tut er, was ihm aufgetragen ist. Und der Baum schickt sich drein, schaut zu und lächelt.

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Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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19 Antworten zu Wenn Herr Winter kommt

  1. gkazakou schreibt:

    Hat dies auf MitmachBlog rebloggt und kommentierte:

    schwarz-weiß ist der Winter, und farbenfroh ist der Herbst. Wie kann der eine dem anderen dienen?

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  2. mmandarin schreibt:

    Es gibt soviel zu lernen von den Bäumen. Geduld, Standfestigkeit, Gelassenheit, die Fähigkeit uns zu schützen, zu trösten sich umarmen zu lassen, Sauerstoff zu spenden….oh.die Liste ist unendlich lang. Was täten wir ohne sie. Deine Fetzenbilder sind unverzichtbar. Danke Gerda und einen angenehmen Tag. Es geht alles weiter……Marie

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    • gkazakou schreibt:

      o ja, es geht alles weiter, liebe Marie, wie denn auch nicht? Nichts endet jemals, alles ist in der Transformation. Im Winter wird es uns besonders bewusst, wenn der Schnee die Erde bedeckt.
      Eine liebe Freundin schrieb mir heute: „Im Winter ist die Erde am meisten bei sich selbst, am lebendigsten unter der Schneedecke.. Und der Mensch kann im Winter am besten aktiv denken.“ Der Winter ist für uns eine Herausforderung klar zu denken und im Denken zu reifen, da wir im Außen nicht so viel tun können. LG Gerda

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  3. transmutation.me schreibt:

    Zuerst einmal kommt in unseren nördlichen Breiten Mittwinter (Wintersonnenwende), und die Tage werden endlich wieder länger, weil ein ganz neues Jahr beginnt. Die hiesigen Pflanzen haben damit kein Problem, weil sie richten sich halt unter der Erde entsprechend ein wohlwissend, dass in einigen Monaten der Frühling wieder alles verändern wird.

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  4. Monika schreibt:

    Obstbäume zu lichten, oder zu veredeln, ist für mich eine Notwendigkeit, um den Ernteerfolg zu sichern. Sowie den Acker zu pflügen und von Unkraut, eigentlich Kraut, zu befreien, dass dem Ergebnis hinderlich ist.
    Der Winter, mit seinen voran gehenden Stürmen, reinigt die Natur. Okay, er verwüste auch, manchmal. Aber es sind natürliche Kräfte am Werk, und die Natur bereinigt es, auf ihre Art und Weise. Wir vergessen, wir sind nur Gast auf dieser Erde, in diesem Raum. Der Winter, ist eine für mich schöne Zeit, weil es die Geschöpfe zur Ruhe bringt und aus der Ruhe neue Geschöpfe.
    Einen schönen Tag.
    Monika

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    • gkazakou schreibt:

      könnte mans schöner sagen, als du es sagst, liebe Monika? „mit seinen Stürmen … reinigt er…Er verwüstet auch….aber die Natur bereinigt es, auf ihre Weise…Der Winter bringt die Geschöpfe zur Ruhe und aus der Ruhe bringt er neue Geschöpfe.“ Das ist alles so passend für mich!
      Wir Menschen müssen „auf unsere Weise“ bereinigen und ins Gleichgewicht bringen, was die Stürme manchmal zerzausen und zerbrechen.

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  5. Ulli schreibt:

    Ich bin irritiert, liebe Gerda, wenn ich Text und Bilder zusammenbringen will, was ich nicht schaffe, weil die Gestalten mich eher an „Kämpfer“ erinnern und ich keine Bäume sehe, denen Herr Winter den Arm abschneidet.
    Ja, Bäume muss man beschneiden, besonders Obstbäume, andere kann man lassen. Und die Menschen? Da bin ich für freie Entfaltung und doch stutzen wir an den kleinen Menschen herum, beschneiden so manchen Wildwuchs …
    Und Herr Winter? Nein, der ist kein böser Mann, er sorgt für Ruhe und Einkehr und unter der Erde schlafen die Pflanzen und Samen dem nächsten frühling entgegen. Manche Pflanzen, wie z.B. die Vogelmiere wachsen sogar unter dem Schnee weiter.
    herzliche Morgengrüsse
    Ulli

    Gefällt 2 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Liebe Ulli, danke dir sehr für deinen Protest! Er führt ja direkt ins Zentrum meiner Bildgestaltung. Dich stört, dass ich die Bäume (und auch den Winter) vermenschlicht habe – und dass sich daher eine direkte Übertragung des Beschneidens von Bäumen und von Menschen anbietet? Sehr gut!
      Meine Bäume sind „Kämpfer“, wie du sagst. Es sind keine kleinen Kinder. Der Winter ist ein knieender alter Mann, „demütig“ verrichtet er sein „grausames“ Geschäft des Beschneidens. Und die „Kämpfer-Bäume“ halten willig ihre Arme hin, die er entblättert und beschneidet.
      Was also drückt sich im Bild aus? Dass es weh tut, wenn der „Winter“ die schönen Blütenträume abräumt und die ins Kraut schießenden Lebenskräfte zurückstutzt, damit sich im Inneren neue Kraft sammeln und Altes sich transformieren kann, Aber wenn ers demütig und im Einklang mit den Wachstumsgesetzen geschieht, ist es gut.
      Diese „Kämpfer-Bäume“ werden aus dem Beschneiden anders hervorgehen,als sie hineingegangen sind: sie werden reichere Frucht tragen.
      Wenn du magst, überträgst du dieses Bild auf Einzelleben, Völker, Weltgeschehen. Dann wird es ein Beitrag zur Frage, warum Leid, Krieg, Krisen und Tod in der Welt sind. .
      Für mich kommt bald die Zeit, in der die Olivenbäume (Kämpferbäume) beschnitten werden. Wenn das nicht richtig gemacht wird, wenn einfach abgesäbelt wird, wo Früchte dran sind, tragen sie im nächsten Jahr wenig, und sie wirken verkrüppelt. Das ist leider bei meinen Bäumen geschehen, und es tut weh. Nun braucht es Jahre, um sie wieder in die richtige Form zu bringen.

      Nun gehe ich einkaufen: Auberginen und Obst. Die Auberginen werden in Scheiben geschnitten, in Salzwasser gelegt, damit die Bitterstoffe rausgeschwemmt werden, sie werden dann abgetrocknet und in Öl golden gebraten.Dazu kommt eine Tomatensoße. Das Ganze wird mit zerriebenem Käse überstreut. – Das sind viele geordnete Zerstörungsprozesse – nötig, damit ein Essen bereitet wird. Du kennst dich bestens damit aus.
      Liebste Grüße! Gerda

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      • Ulli schreibt:

        Liebe Gerda, nein, es stört mich nicht, dass du die Bäume und den Winter vermenschlicht hast, und ich habe mich bemüht das, was du an der notwendigen Arbeit im Herbst/Winter an den Bäumen beschreibst auf die Menschheit zu beziehen. Wahrscheinlich liegt die Lösung in der Demut, die von Weisheit gespeist wird, die nur die Äste abschneidet, die das Tragen von vielen Früchten verhindern würden?!
        So, und nun tue ich, was getan werden muss, genug gegrübelt und sinniert, werd ganz ramdösig von den vielen Worten😉
        herzlichste Grüsse und einen guten Appetit, klingt seeehr lecker!
        Ulli

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  6. Manuela Mordhorst schreibt:

    Liebe Gerda, ich habe dich für den liebsten Blog Award vorgeschlagen, vielleicht magst du teilnehmen, wenn ja schön, wenn nicht, du musst dich nicht genötigt fühlen😉 Ist für mich auch absolutes Neuland. Hier der Link: https://manuelamordhorstblog.wordpress.com/2016/11/10/liebster-award/

    Viele liebe Grüße

    Manuela

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  7. gkazakou schreibt:

    Da macht man Bilder, damit man nicht so viele Wörter braucht – und was ist das Ergebnis? Viele Wörter. Demut und Weisheit sind willkommene.
    Die Auberginen sind gekauft, zerschnitten und weichen nun. Das herrliche Wetter nach gestrigen Unwettern lockt zu einem zweiten Spaziergang. Die Welt strahlt in reinsten Farben. Von Winter keine Spur.
    Guten Appetit auch dir!

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  8. karlswortbilder schreibt:

    wollte zu Erinnerung an einen Krieg kommentieren, geht irgendwie nicht, sorry
    lg
    karl

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  9. bruni8wortbehagen schreibt:

    Tja, wie werden sie sich dabei fühlen, liebe Gerda?
    Ich sah sie schon weinen, ich Dummerchen, aber sie scheinen sich gelassen dem unterzuordnen, was nun auf sie zukommt, dem Beschneiden, weil es dem Weiterleben dient.
    Sie sind von Alters her klug, mit altem Wissen beseelt und wissen deshalb genau, was ihnen gut tut. Intuitiv wissen sie es und leben damit, von Jahreszeit zu Jahreszeit.
    Als wichtiger Teil der Natur ist ihnen sehr klar, was ihnen gut tut, was jeder, der Früchte tragen möchte, vorher opfern muß und zum rechten Zeitpunkt tut es nicht weh

    Liebe Grüße an Dich von Bruni
    PS Wie lange legst Du denn die Auberginen in das gesalzene Wasser?

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, der richtige Rhythmus, der rechte Zeitpunkt, die nötigen Kenntnisse – sie sind wichtig für gutes Gelingen. Dies alles beim Beschneiden von Bäumen zu beachten, erfordert eine Weisheit, über die ich leider nicht verfüge. Ich bin da ganz auf die Weisheit von Bauern angewiesen, die diese Kunst seit vielen Generationen weitergeben und in ihr leben. …
      Natürlich geht es im Bild nicht nur um Bäume. Es geht auch darum, wie Gesellschaften und Staatengemeinschaften sich günstig entwickeln. Und da bei den menschlichen Angelegenheiten meist die Weisheit fehlt und der eine den anderen rücksichtslos überflügelt, unterdrückt, sich ausdehnt auf Kosten des anderen und Selbst-Bescheidung nicht grad zu den menschlichen Tugenden gehört, kommt es eben immer wieder zu Katastrophen, wo dann rabiat beschnitten wird und es viele Jahre braucht, damit sich die Menschen erholen können. Aber das mag ich hier nicht ausführen, zuviele Worte wurden schon gewechselt.
      Die Auberginen werden nicht in Salzwasser gelegt (das hab ich falsch geschrieben), sondern gesalzen und so hingelegt, dass sie abtropfen können. ca 30 Minuten. Dann gewaschen und abgetrocknet. In heißem Olivenöl gebraten. Der Sud mit flüssigem Tomatenmark gelöscht. Schmeckt sehr lecker mit Reibkäse und gehackter Petersilie, dazu Pommes. Ich bin selten die Köchin, meist sorgt mein Mann für das Essen, so auch heute. Drum wusste ich auch nur ungefähr Bescheid. Liebe Grüße dir! Gerda

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  10. Madame Filigran schreibt:

    Mir tut es weh, wenn Bäume beschnitten werden, und ich denke sehr wohl darüber nach, wie sie sich dabei fühlen. Meine Gedanken sind dann, die Natur braucht den Menschen nicht, braucht nicht sein Eingreifen, kommt sehr gut ohne ihn zurecht und weiß viel besser, was richtig ist, als der Mensch dies vermag.
    Liebe Grüße.

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Mme Filigran, mir gehts ähnlich. Mir fällt es auch schwer, sogenanntes Unkraut auszurupfen und Bäume zu beschneiden. Irgendwann tue ich es dann doch, wenn ich sehe, dass ein Gewächs überhand nimmt und alles andere zerstört. Aber ich tue es mit halbem Herzen. – Sicher kommt die Natur auch ohne uns zurecht, aber wir kommen nicht ohne sie aus. Wir brauchen ihre Produkte für unsere Ernährung, also müssen wir züchten und beschneiden, pflegen und schlachten und füttern und düngen. Wir können nicht von den Wildkräutern und Brombeeren leben,.
      Die Symbiose Mensch-Natur ist inzwischen unauflösbar geworden. Auch die Natur braucht nun unsere Hilfe und Unterstützung,denn sie ist längst durch unsere Interventionen aus dem Gleichgewicht geraten. Auch ist schön, was entsteht, wenn sich der Mensch pflegend um die Natur bemüht. Mein Garten ist eher verwildert. Aber ich bewundere Landschaften wie zB die Toskana, wo jeder Krumen von Menschenhand umgedreht wurde. Auch viele griechische Inseln sind so. Da ist nichts Wildes mehr, aber auch nichts Künstliches, sondern schöne Harmonie. Liebe Grüße dir! Gerda

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