Barke der Nostalgie

Diese Barke der Nostalgie (βάρκα, Boot Schiff) habe ich heute auf eine ältere Grundierung mit Kohle und Ölkreise gezeichnet. Sie ist ein Traumschiff, das hell funkelnde Träume mit sich führt. Und wenn sie deine Seele mitnimmt auf die Nachtreise in den Weltenraum, wird sie zum Raumschiff. Gute Reise, Gute Nacht.

 

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Traumschiff – Raumschiff

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Architektonisches III: Stadt am Hafen – Hafen am Berg

Gestern zeigte ich den unschuldigen Trick, was geschieht, wenn man ein Bild auf den Kopf stellt. Irgendwo auf diesen Blogseiten habe ich auch mal erwähnt, welches das Aha-Erlebnis war, das den Startschuss für die abstrakte Malerei lieferte: Wassili Kandinsky kam heim in sein Atelier und fand dort ein wunderschönes Werk vor, das herrlich von der tief stehenden Sonne beschienen wurde. Er war bezaubert. Nun, es war sein eigenes Werk, auf dem Kopf stehend. Er hatte es nicht erkannt. Befreit von dem Zwang des Dargestellten konnten sich Formen und Farben frei entfalten.

Dies vorweg, denn heute drehe ich noch einmal ein Bild um. Diesmal aber nicht nur mechanisch, sondern auch inhaltlich, stimmungsmäßig – kurzum, in vielen Hinsichten.

Hafen

Dies nannte ich „Hafenbild“. Die für mich eher ungewöhnlichen lebhaften Rot- und Blautöne, das Ineinandergreifen geometrischer und frei sich ausbreitender Flächen  gefiel mir. Über dem Bild lag ein heiteres Licht. Oha, sagte ich, das Bild hat was!

Doch wie es mir oft ergeht: Eines Tages mochte ich es nicht mehr. Meine Seelenstimmung war einen andere, und ich übermalte es. In der zweiten Phase sah es dann so aus.

Hafenbild ueberarbeitet 1

O weh! wo war das heitere Licht geblieben, das optimistische lebensvolle diesseitige Rot? Alles war ins seelentiefe Blau gefallen.

Ließ ich das Bild nun in Ruhe? Nein. Noch waren seine Möglichkeiten nicht ausgelotet. Eines Tages stellte ich es auf den Kopf und fand nun, dass dieser verschwiegene Ort an einer steilen Küste lag. Vor die Häuserzeile schoben sich Boote, Schiffe, deren Masten und wirres Takelwerk sich gegen die Lichter der Stadt abhoben. Auf einem Berghang und auf einem hellen Stück der Küste hielt sich noch ein wenig Sonnenlicht, während der Rest in bläuliche Schatten sank.

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Fast, dachte ich, könnte es so bleiben. Noch ein wenig Verdichtung, eine kleine Beruhigung des Wassers. Die Masten weniger ragend, gemildert die Schärfen im sinkenden Tag, heller die Steilküste. Grau das Wasser, das keine Spiegelungen mehr aufnimmt.

Hafenbild Stand 16.8 cUm die Komposition zu überprüfen, drehte ich das Bild noch einmal um. Da überkam mich das Bedürfnis, die Häusermassen (vormals Schiffe) stärker zusammenzufassen und ihnen mehr architektonische Substanz zu geben: sie wurden zu 3-dimensionale Kuben. Das Licht verließ den Himmel und leuchtete jetzt nur noch auf einer Fassade und auf dem Gewässer, in dem die Spiegelungen mit der Häuserfront dunkel zusammenflossen. Eine Linie im Vordergrund wurde zum Umriss eines Bootes.

Hafenbild Stand 16.8 eStiller Frieden und ein leichtes Frösteln vor dem Einbruch der Nacht. Verlassen liegt der Kahn. Das fröhlich lärmende tageshelle „Hafenbild“ hat sich in mehreren malerischen Schritten zum geheimnisvollen Abendbild gewandelt. Wie es ja auch in der Wirklichkeit geschieht, wenn der Tag geht.

Nun Gute Nacht. Möge morgen wieder das helle Tageslicht herrschen, uns zur Freude.

 

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Architektonisches II: Täuschungen

Grundriss oder Vogelperspektive? – Nun, das ist „Ansichtssache“. Wenn du willst, siehst du einen ummauerten Tempelbezirk mit Dächern von oben. Wenn nicht: einen flachen Grundriss.

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Tempelfront oder Baustelle?

 

Tempelfront copy

Bei Architekturbildern ist viel Augentäuschung im Spiel. Denn das Dreidimensionale des Raums kann, wenn es in die Zweidimensionalität der Fläche übersetzt wurde, auf verschiedene Arten gelesen werden. Ihr kennt das sicher von Kippbildern oder auch von Eschers verwirrenden Treppenhäusern (https://gerdakazakou.wordpress.com/wp-admin/post.php?post=10313&action=edit). Ich habe hier nur einen einfachen Trick verwendet: Stelle das Bild auf den Kopf.

Tempelfront α

Und so sah der Tempel in einer früheren Bau-Phase aus.

BauwerkEinen Vorteil hat die gemalte Architektur vor der wirklichen: sie bricht nicht zusammen. Der Maler kann die Brüchigkeit einer Konstruktion im Bild „festhalten“. Und damit ein Sinnbild hinstellen für die Brüchigkeit von Menschen geschaffener Gebilde (Zivilisationen, Staaten, Institutionen). Das kann ein echtes Bauwerk nicht. Nicht mal der „hohle Zahn“ von Berlin (die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche) kann das, denn er ist zwar eine Ruine, aber eine sehr festgefügte, die sich in Bezug auf ihre Stabilität in nichts von, sagen wir mal, dem Reichstagsgebäude unterscheidet.

Gewachsener Fels oder gebaut?

Bild b MeerNun, weder gewachsen noch gebaut, sondern – gemalt.  Das „Meer“ und den „Himmel“ habe ich per Fotoshop hinzugefügt. Warum auch nicht? Was ist schon echt? Das Handwerkliche? Ach was. Täuschungen gehören zum Geschäft.

Eine stärkere Intervention mit elektronischen Mitteln führte zu folgender Variante:

Bild b schwarzMir gefällt diese Mischung aus brüchigem gemaltem Gestein und festigender elektronischer Retusche. Es entspricht dem Zeitgeist.

 

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Montags ist Fototermin: das Keramikmuseum in der alten Moschee

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Direkt neben dem U-Bahnhof des Monastiraki im Zentrum von Athen, den so ziemlich alle Touristen kennen, liegt eine alte Moschee. Sie dient heute als Museum für volkstümliche Keramik. Die Künstler stammen fast alle aus der heutigen Türkei, damals kleinasiatische Siedlungsgebiete der Griechen, aus denen sie in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts vertrieben wurden. Sie hatten blühende Keramikwerkstätten und entwickelten aus den alten Formen und Techniken neue Anwendungen. Ihr Wissen half den Flüchtlingen, in Athen eine neue Existenz aufzubauen.

Ich gehe gelegentlich dort vorbei, denn es ist ein angenehmer Aufenthalt, ruhig und beschaulich. Vom Museum blickt man hinunter auf den meist sehr belebten Platz von Monastiraki.

Die Raum- und Wandgestaltung der Moschee wurde sorgfältig restauriert.

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Die Exponate in Glasvitrinen oder auch auf Sockeln sind mit genauen Beschreibungen versehen, so dass man eine Menge über die Künstler und ihren Werdegang erfährt.

Besonders die Keramikfiguren mit ihren Formenvielfalt und ihren farbigen Lasuren haben es mir angetan.

aber auch die kunstvoll bemalten Teller …

die Kacheln …

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und Vasen …
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haben ihren Reiz. Schau doch mal vorbei, wenn du nach Athen kommst! Du wirst dich wundern, was die sogenannte Volkskunst alles hervorgebracht hat.

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Architektonisches I

Eine geheime Liebe zur Architektur treibt mich um. Wenn ich nicht acht gebe, gerät mir das, was ich male, fast automatisch zu Städten, Plätzen, Straßen, bebauten Flächen aus der Vogelperspektive. Manchmal tritt diese Liebe auch offen zu tage, dann mache ich Bilder wie zum Beispiel diese:

oder auch wie diese

IMG_5388 horismeno horio se limni Grossstadt copy a Bild 6 Stand 3.9.13, Vorfassung Stadt 3. Stadium copy Stadt Grossformat copy photo 16 photo 34

oder gar wie diese

stin agkalia tis thalassas naos me skalosies mia poli bithizetai  horos anaskafon ekthemata anaskafon  anastilosi naou  Tempel  DSC00276

Aber bei rechter Betrachtung herrscht der architektonische Blick auch in Bildern, die keinen so offensichtlichen Bezug zu Gebäuden haben. Das fiel mir dieser Tage auf, als ich meine Bilder sichtete.

IMG_4938a  Efeu Ausschnitt Bild Detail c 

                4, vertical landscape   IMG_1734 versuch       5, passing by  1, remembering a hot day in the Mani IMG_1837 copy 3.1. Bild

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In den nächsten Tagen will ich diesem Befund noch ein wenig nachgehen: was bedeutet architektonisch für mich?

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Samothrake mon amour

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Meine erste Einzelausstellung hatte ich 1989 in den Räumen der Griechisch-Amerikanischen Union in Athen, mit dem Titel „Samothrake – Annäherung an unbekanntes Land“. Ich traute mich nur deshalb, weil ich mich vor der Insel verneigen wollte. Zwanzig Jahre lang verbrachte ich dort meine Ferien, durchwanderte sie zu Fuß, bestieg das zentrale Bergmassiv, den Feggari (Mond), schwamm in den eiskalten Seen, die von Wasserfällen in den vulkanischen Grund gewaschen wurden, schwamm auch im stürmischen Meer. Nachts stieg ich in das archäologische Gelände der „Großen Götter“ ein, um auf  Marmorblöcken liegend dem Wandern des Vollmonds zuzuschauen.

Samothrake ist eine geheimnisvolle Insel, seit frühester Zeit Mysterienstätte. Hier  heirateten Kadmos und Hamonia, Kadmos und Harmonia  (sehr empfehlenswertes Buch, by the way!!), hier wurde der Legende nach Alexander der Große gezeugt, hier errichteten die Ptolemäer – Alexanders Nachfolger in Ägypten – große Tempel, darunter auch den Rundtempel der Arsenoe, erster seiner Art im östlichen Mittelmeer, hier stand die Nike, Göttin des Sieges, auf ihrem Schiff, bevor sie zertrümmert und fast zwei Jahrtausende später von französischen Archäologen ausgegraben und wieder zusammen gesetzt wurde. Heute schreitet sie, als umbrauste sie ein unsichtbarer Sturm, dem Besucher im Louvre entgegen.

Nike von Samothrake

Kopie der Nike, nach einer Gipskopie des Originals, die im Museum von Samothrake steht

Von all dem könnt ihr auf meinen Skizzen, die ich damals auf Samothrake machte, wenig bemerken, denn ich hatte meine eigene Wahrnehmung der Dinge, focht meine malerischen Kämpfe aus, und so waren wohl auch die Samothraker von Athen, die mich mit ihrem Besuch beehrten, ein wenig enttäuscht. IMG_6553 IMG_6552Doch insgesamt war es für mich ein freudiger Einstieg in meine „Künstlerkarriere“ – die dritte „Karriere“ meines Lebens. Ich war 47 Jahre alt – in Kürze drehe ich die Zahl um. (Die Fotos habe ich abfotografiert, in ihnen spiegeln sich die Zweige der Olive vor meinem Atelier, und ein Stück Mani-Himmel).

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Von der damaligen Ausstellung habe ich nichts mehr außer einige Skizzen in Kohle und mit Feder sowie Fotos, die ich für euch mehr schlecht als recht abfotografiert habe.

Aquarelle

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Zeichnungen

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Akryllpigmente und Kleister auf Pappe (50×70) (alle von Fotos abfotografiert)

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Über die Insel gibt es im internet schöne Seiten, vor allem auf Griechisch, dazu auch Informationen über den Kult der „Großen Götter“ und über die „Kabyren“, die in Goethes Faust II bei der Menschwerdung des Homunculus Pate stehen.

Und noch ein Tipp für die Stuttgarter: In Stuttgart-Cannstadt haben sich viele Samothraker angesiedelt, die auf ihrer kargen Insel kein Auskommen hatten. Viele arbeiten bei Mercedes. Es gibt sogar eine kleine gedruckte Studie „Samothrake am Ufer des Neckar“.

 

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Zeichnen (6): Selbstportraits

„So siehst du aber nicht aus!“ ist der häufigste Kommentar, den ich bei meinen diversen Versuchen, mich selbst zu portraitieren, zu hören bekam. Wieso ist es so schwierig, sich selbst zu konterfeien? Liegt es daran, dass man sich nur im Spiegel sieht? Nun, das spielt natürlich eine Rolle. Man sieht sich seitenverkehrt, man starrt auf sein Gegenüber, das einen sorgenvollen Ausdruck annimmt. Finster und sorgenvoll sehe ich sicher auch aus, wenn ich andere zeichne – das hat mit der inneren Anspannung zu tun. Ein intensiver Blick, Folge des Prüfens, herrscht in vielen Selbstportraits vor.

Viel wichtiger aber ist die Frage: wie will ich mich zeichnen? Wie stehe ich zu mir selbst? Wie soll die Welt mich sehen? Ein paar Beispiele aus der Geschichte der Kunst mögen das illustrieren:

Dürer hat sich als Edelmann gemalt: streng en face, mit elegantem Pelzmantel. Er strahlt das neue Selbstbewusstsein einer eben aus der Anonymität auftauchenden Zunft aus. In seinen Zeichnungen herrscht vor allem das Bedürfnis nach Genauigkeit vor. Gesicht, Hand, Kissen – alles hat eine sachliche Beschaffenheit, die es abzubilden gilt.

Dürer_-_Selbstbildnis_im_Pelzrock_-_Alte_Pinakothek 2510014a Rembrandt liebte es, sich zu kostümieren, Rollen zu spielen, Grimassen zu schneiden und, als er älter wurde,  sich mit einer fast schon grausamen Akribie seiner Knollnase und seinen Falten zu widmen. Dabei ist er nicht minder selbstbewusst als sein älterer Kollege Dürer.

selbstportrait-palette-weisser-turban-gr Rembrandt Von Gogh studierte sich  in hunderten von Selbstportraits mit einer Inbrunst und Intensität, als ringe er hart darum, sich selbst zu verstehen. poster-vincent-van-gogh-121128 Es gibt Maler, die sich als Helden, Abenteurer oder Heilige abbilden, andere, wie Frieda Kahlo, die sich sehr oft und sehr bewusst zur Ikone ihrer mexikanischen Heimat stilisierte, ohne einen persönliche Ausdruck zu suchen,  Kahlo-Dornenkranz, oder wie Beckmann, der sein verletzliches Wesen hinter einem extravaganten Outfit verbarg und mit Zigarre, Sektglas und anderem bourgoisen Zubehör seine Zeitgenossen irritierte. 100900302 Max-Beckmann-Self-portrait-with-champagne-glass

Ich selbst habe ein paar Selbstportraits aus der Anfangszeit gefunden, als ich mich mit Bleistift und Kohle vertraut machte, einmal sogar zusammen mit meiner schwarzen Katze.

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Atelier: Um- und Aufräumen, Freiräume schaffen.

Seit Susanne das Aufräumen ihres Ateliers als „künstlerischen Prozess“ bezeichnete und Jürgen eine mich inspirierende Bemerkung über das Zusammenwirken von Innen- und Außenraum machte (als Kommentar zu https://gerdakazakou.com/2016/04/04/montags-ist-fototermin-mein-atelier/), habe ich mich in einen schweißtreibenden und rückenschmerz-erzeugenden Auf- und Umräumprozess meines Ateliers gestürzt. Oberflächlich gesehen schien das Atelier ja ganz gut zu funktionieren,

IMG_6496tatsächlich aber waren große Teile des Raums ganz aus dem Verkehr gezogen, da vollgestopft mit Dingen, die ich irgendwann einmal gesammelt, gemalt, gezeichnet, aufgehoben hatte oder die aus den Wohnräumen hierhergebracht und bis zu weiterem Gebrauch „eingelagert“ worden waren.

Gestern, als der Garten so freundlich im Sonnenschein lag, überkam mich die Lust, in diesen „Außenraum“ Gerümpel meines Innenraums auszulagern. Ich schleppte einen großen schwarzen Tisch und viele viele Kartons an die frische Luft, holte Besen und Fegeblech, Putzeimer und Wischer, vertrieb Spinnen und ihr Gewebe, stöberte ein kleines eingetrocknetes Schlänglein und ein paar höchst lebendige Silberfischlein auf, stellte Regale um, entstaubte Bücher …. bis mein Rücken sagte: für einen Tag  ist es nun wirklich genug.

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Innenraum in kreativer Auflösung – von Innen nach Außen, von Außen nach Innen  – Außenraum mit Objekten des Innenraums, samt Hund.

Ein Anfang ist getan, und das stimmt mich froh. Wo Platz ist, kann  Neues entstehen – wie jeder weiß.

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Heute vormittag blieb keine Zeit zum weiteren Sichten. Gegen Abend schaffte ich es, noch eine große Lidl-Tüte mit Katalogen, Zeitschriften und eigenen Zeichnungen zu füllen. Das angebrochene Glas einer großen Zeichnung von Modell-Lehrerin Alkeste (https://gerdakazakou.wordpress.com/wp-admin/post.php?post=11956&action=edit) entfernte ich vollends und fotografierte Zeichnung und Glas getrennt .

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Von all dem vielen, was heute durch meine Hände ging, hier zwei locker zusammengelegte Teile („Pflanzliches“).

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… und, zwecks Abrundung, eine Vogelfamilie aus Schnipseln, heute gelegt auf einer ausrangierten Kohlezeichnung auf grauer Pappe.

IMG_6530Morgen gehts weiter. Erstmals macht mir das Aufräumen Spaß. Mir scheint, das liegt daran, dass ich es euch hier im Blog  vorführen kann. Weiterhin Guten Abend!

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geschichtengenerator: Emma Ka und Emma Lo an der Käsetheke

Emma Lo und Emma Ka (beide häufig schwer bepackt) haben sich nicht inmitten eines belebten Platzes getroffen, wie ihre transparent gewordenen Figuren suggerieren könnten. IMG_6515 Und natürlich hat Emma Ka (Psychologin und werdende Kunsttherapeutin) nicht mitten auf der Straße ihren Rucksack vor der ihr völlig fremden Emma Lo (Verkäuferin im Paloma, Käsetheke) geöffnet, hat nicht das Dossier mit Johns Malereien herausgezogen und mit großer Rhetorik und ausladenden Gebärden Emma Lo den Fall John dargestellt. IMG_6119 Wie könnte sie! Schließlich fällt der Inhalt ihres Dossiers unter Berufsgeheimnis. weiteres findet ihr unter https://gerdakazakou.com/2016/04/04/juttas-geschichtengenerator-sieben-personen-warten-auf-ihre-autorin.

Die Wirklichkeit ist eher prosaisch.

In Wirklichkeit treffen die beiden Emmas an der Käsetheke des Paloma zusammen, wohin sich Emma Ka gleich nach Dienstschluss mit einer langen Liste begeben hat. Sie reicht die Liste über die Theke.

Van Otlu Peyniri
Kargi Tulumu
Kars Gravyeri
İzmir Tulumu
Eski Kaşer
Bandirma Mihaliç Peyniri
Beyaz Penir

„Haben Sie was davon?“ fragt sie die Angestellte hinter der Käsetheke. Diese schaut auf die Liste, ein wenig verwirrt wegen der vielen fremdländischen Namen, die sie noch nie gehört hat.

Emma Ka hat, als Wissenschaftlerin, die sie ist, während einer Arbeitspause das internet befragt. Was für Käse essen die Türken? Welches sind die besten Sorten? Sie möchte ihrem Doktor, dem Erkan, diesmal eine extra super tolle Käseüberraschung präsentieren, zumal, wie jeder weiß, die Liebe der Männer (und wie denn nicht auch der türkischen Männer?) durch den Magen geht. Bei ihrer Suche stieß sie auf einen Artikel über Käsesorten, die von türkischen Experten zu den besten erklärt wurden. Sie hatte die Beschreibungen gelesen und die Namen der Sorten, die ihr am interessantesten schienen, ausgedruckt.

Die Verkäuferin (unsere Emma Lo) betrachtet die Liste verständnislos. „Das sind türkische Käsesorten“, erklärt ihr Emma K mit Expertenstimme. „Ich möchte, dass Sie mir eine Käseplatte zusammenstellen, mit allen Sorten, die Sie haben, je 200 Gramm, bitte“. „Und was für ein Käse ist, bitte, dieser erste hier? Ich habe den Namen noch nie gehört“. „Van Otlu Peyniri? Der wird im Frühjahr produziert, mit den Kräutern der Saison und vor allem auch mit Knoblauch. Er muss sorgfältig drei oder vier Monate gären, damit er gut schmeckt“. Man kann Emma Ka nicht vorwerfen, dass sie sich wichtige Dinge nicht merken kann. Und wichtig ist momentan, Erkan an sich zu binden. Mit ihrem Charme, ihrer blonden Rundlichkeit und, warum nicht? mit einer erlesenen Käseplatte. „Mit Knoblauch?“, fragt Emma Lo, wie immer bereit zu helfen. „Da haben wir einen französischen Ziegenkäse und …“ – „Nein, nein“, unterbricht Emma Ka ungehalten, „ich sagte Ihnen doch, ich möchte türkische Spezialitäten!“

„Tut mir wirklich leid,“ so die Antwort der hilfsbereiten Emma Lo, „wir haben jede Menge deutsche, französische, italienische, holländische und dänische Käsesorten. Wenn Sie mir sagen, welche Geschmacksrichtung Sie wünschen, könnte ich Ihnen Entsprechendes aus unterem Sortiment zusammenstellen. Dieser Kargi Tulumu, was ist denn das für einer?“ – Emma Ka überlegt angestrengt. Wie war das doch noch mal? War das der, den man in einem Sack aus Ziegenleder herstellt? Oder der andere, der in Säcken reift, die man in Kühlhäuser stellt? „Ach, lassen Sie man, ich sehe, es hat keinen Sinn“, antwortet Emma Ka ein wenig entnervt. Geben Sie mir bitte die Liste, ich werde mich wohl an einen türkischen Laden wenden müssen!“.

Das war, leider, die ganze Begegnung dieser so ungleichen Frauen, die beide Emma heißen. Ihr gemeinsamer Name und dass sie beide häufig schwerbepackt sind, wenn sie heimgehen, macht sie nicht gleicher. Emma Lo wird sich, wenn sie Emma Ka eines Tages auf der Straße begegnet, erinnern: Das war die Blondine mit den türkischen Käsesorten. Ziemlich unangenehme anspruchsvolle Kundin. Ob sie wohl gefunden hat, was sie suchte? Emma Ka wird ihrerseits Emma Lo nicht erkennen, denn die ist nur eine Verkäuferin hinter der Käsetheke des Paloma, in das sie selten geht.

Emma Lo, Angestellte im Paloma, hinter der Käsetheke

Ich aber würde sie erkennen, und du vielleicht auch? Sie ist ja so eine Seele von Mensch! Denk nur, wie sie durch den Schneeregen stampfte und dem armen Victor den Käseballen schenkte, den sie jede Woche mit heimnehmen durfte.

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Und wie hübsch und mutig sie war, als sie sich traute, mit dem Langen Bunten, der sich als Abraam vorstellte, mitzugehen, IMG_5958 um mit Victor zu feiern, weil der einen Dichter-Preis gewonnen hatte! Die einzige Lampe in Victors Souterrain hatte die Form von Emmas Käseballen.

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Wer sich nicht an die Geschichte von Victor und Emma erinnert, hier sind, hoffentlich der Reihe nach,  die links zu den entsprechenden Beiträgen. https://gerdakazakou.com/2016/02/19/victor-juttags-geschichtengenerator-no-5/, https://gerdakazakou.com/2016/02/22/victor-2-mit-emma-kaesetheke-und-schwer-bepackt/, https://gerdakazakou.wordpress.com/wp-admin/post.php?post=9128&action=edit , https://gerdakazakou.com/2016/02/25/victor-nein-sagen-und-emma-5-fortsetzung-die-feier/

Und wer mehr über Emma und ihren Doktor Erkan wissen möchte, findet einiges unter https://gerdakazakou.com/2016/03/26/geschichtengenerator-10-emma-weiss-alles-komm-flohmarkt/ und https://wordpress.com/post/gerdakazakou.com/9988

 

 

 

 

 

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Geschichtengenerator: John – Täter oder Opfer?

 

Luise, 7. Fortsetzung: In der Psychiatrischen Klinik.

„Verstehen Sie denn nicht, dass diese Handlung nicht unser ganzes Wesen ausdrückt und dass es daher eine fürchterliche Ungerechtigkeit wäre, uns allein nach ihr zu beurteilen, uns an ihr angekettet und aufgehängt am Pranger stehen zu lassen für die Dauer einer ganzen Existenz, als ob die in dieser einen Handlung bestünde. Begreifen Sie jetzt die Niedertracht dieser (Frau)?“ Luigi Pirandello, Sechs Personen suchen einen Autor. Der Vater. 

John versucht, seiner Therapeutin, Emma K., etwas klar zu machen, was diese, trotz aller seiner Bemühungen, überhaupt nicht zu begreifen scheint: dass er, John, nicht in seiner Tat – dem Mord an Luise – aufgehe. Dass er eigentlich ein ganz anderer sei. Dass es ein unglückliches Zusammentreffen, eine Gemeinheit des Schicksals gewesen sei, Luise zu ihm zu schicken. Luise, behauptet er, habe ihr Ende selbst herausgefordert und ihn, John, ins Unglück gestürzt, indem sie ihn sich zum Mörder erkoren habe. Seine Rede, findet Emma, ist trotz solcher aberwitzigen Behauptungen erstaunlich sachlich und in sich logisch. Folgerichtig in der Zwangsvorstellung. Das, so hat sie in ihren Psychologievorlesungen gelernt, sei bei psychiotischen Patienten oft der Fall.

John nimmt einen neuen Anlauf, ihr die Sache zu erklären: „Ich war ja nicht unzufrieden! Ich hatte meine Kundschaft, ich hatte meine Bekannten und meine kleinen Liebschaften im Hotel an der Hauptstraße. Gerne saß ich bei Nina an der Theke und folgte den Unterhaltungen der Gäste, trank in Frieden mein Bier. Verkaufte ab und zu ein Bild, konnte davon leben, zwar bescheiden, aber es ging. Im Atelier gefiel es mir, und ich genoss es, wenn die jungen Leute reinschauten. Dieser kleine Flo mit seinen Kumpanen und mit seiner Spraykunst, seinen Witzchen, seiner ganzen frischen Zutraulichkeit – das war für mich wie ein Bad im Jungbrunnen. https://gerdakazakou.com/2016/01/29/fortsetzung-iii-mit-atelier-flo-komm/

Warum um Himmels willen musste ich Nina fragen, als ich sie zusammen mit einer Fremden, mir vage Bekannten vor dem Apollon stehen sah? Was ging mich die Fremde an? Wer gab mir die bescheuerte Idee ein, ihr einen Blumenstrauß zu schicken und meine Visitenkarte dran zu heften? Nur weil sie mal Modell in der Kunstakademie, an der auch ich studierte, gewesen war? Weil ich ein schlechtes Gewissen hatte, weil ich sie nicht erkannt hatte? Weil Nina mich schief ansah und meinte, wir interessierten uns nur für die Stellung des Hüftknochens und nicht für den Menschen hinter dem Modell? https://gerdakazakou.com/2016/02/05/luise-juttas-geschichtengenerator-in-aktion/ und  https://gerdakazakou.com/2016/02/09/geschichtengenerator-in-aktion-luise-aeltere-dame-mit-hut-fortsetzung/

Ich hatte diese ältliche Person mit Hut ja schon fast vergessen, da schneit sie eines Abends in mein Atelier herein, stellt sich vor: Luise. Duzt mich, als hätten wir zusammen im Sandkasten gespielt.  Streng schaut sie sich im Atelier um, zieht eine angewiderte Grimasse und erklärt kurz angebunden, dass meine Malerei ein Scheiß sei und ich dringend ein Akt-Modell brauche. Sie.

Ich habe mich reinlegen lassen, habe den Köder geschluckt. Ich habe gedacht: nun, warum nicht. Sie ist billig. Sie ist ein Profi. Es kann ja nicht schaden. Vielleicht brauche ich ja wirklich ein bisschen Trainung. Allzu lange schmore ich schon in meinem eigenen Saft. Und so rannte ich in mein Unglück.“

Emma hört zu, hört auch nicht zu. Sie notiert sich einen Satz: „John hält sich für das Opfer, und sein Opfer hält er für den Täter“. Sie starrt auf diesen Satz, ihre Gedanken schweifen ab, reißen sie in ihre eigenen Geschichte. Und so entgeht ihr leider, was John weiter über seine Erlebnisse mit Luise mitzuteilen hat. Irgendwann bemerkt John, dass seine Therapeutin ihm gar nicht zuhört, und resigniert schließt er den Mund …..

Uns macht das nichts aus, denn wir wissen ja Bescheid. Haben wir nicht Johns zunehmende Anspannung, seine verzweifelte Hoffnung, doch noch ein Großer der Kunst zu werden, miterlebt?

3521759692_bf55295057_o 20151006102753!Max_Beckmann,_1918-19,_The_Night_(Die_Nacht),_oil_on_canvas,_133_x_154_cm,_Kunstsammlung_Nordrhein-Westfalen,_Düsseldorf Gemälde / Öl auf Leinwand (1944) von Max Beckmann [1884 - 1950] Höhe x Breite 115x150 cmInventar-Nr.: NI 2096Person: Max Beckmann [1884 - 1950], Deutscher Maler und GrafikerSystematik: Personen / Künstler / Beckmann / Werke, Artist: Max Beckmann

IMG_5868 Schiele, Onanie IMG_5829 Schiele knieende Frau schiele, Akt  Beckmann Die Nacht, Detail W de Kooning Haben wir nicht gesehen, wie ihn diese Frau, Luise, fertig machte mit ihrer verächtlichen achselzuckenden Gegenwart? Wie er litt, weil sie zwar nackt, in allerlei Verrenkungen, vor ihm stand und lag, aber ihr Wesen hermetisch verborgen hielt, so dass er ihr Inneres nicht erreichen konnte? https://gerdakazakou.com/2016/02/12/luise-4-fortsetzung-inspiriert-durch-juttas-geschichtengenerator/ IMG_5792v Wie er davon zu träumen begann, einer der ganz Großen zu werden – einer, der die Beschränkungen durch Scham und guten Geschmack zerreißt und die im Menschen tobenden Leidenschaften, seine Gewalttätigkeit und seinen Durst nach Leiden krass, mitleidlos und wahr zur Darstellung bringt? IMG_5809sscc

IMG_5809ssccc  Haben wir nicht geahnt, dass das kein gutes Ende nehmen würde?

IMG_5905 Wurde unsere Ahnung nicht fast schon Gewissheit, als John diesen merkwürdigen Traum hatte, in dem er, ein Junge noch, einem Zwerg mit dem eigenen erwachsenen Gesicht gegenüber stand, während eine ältliche Frau mit gelbem Gesicht und dem Habit einer Richterin einen Mann am Gängelband führte? https://gerdakazakou.wordpress.com/wp-admin/post.php?post=7646&action=editIMG_5817aDie Tragik des Sohnes, dachten wir, der eine rigide, frigide Mutter hat, die alles beherrscht und alle fertigmacht, und einen Vater, der dem nichts entgegen zu setzen weiß…. Da wurde ahnungsweise klar: in Luise wird John seine Mutter wieder präsent. Seine Mutter, verschlossen und kalt, die ihn nicht an sich heranlässt. Er will, er muss ihr Herz erreichen, notfalls, indem er ihr ein Messer hineinsticht. Er will, er muss ihren Leib erreichen, in dem sie ihn ausgetragen hat, notfalls, in dem er ihn aufschneidet. Vielleicht, wenn er noch einmal von vorn anfinge, vom Mutterleib, in dem er steckte, und einen anderen Ausgang ins Leben nähme als den, den er nahm – vielleicht, so dachte er, wäre alles anders gekommen und ….

Emma klappt ihren Dossier zu, steckt den Kugelschreiber hinter die Schlaufe, die für diesen Zweck am Deckel angebracht wurde – eine praktische Einrichtung, findet Emma, so braucht man den Stift nicht zu suchen. Er verliert sich so leicht zwischen all den Dingen in der großen unförmigen Tasche, die sie meist mit sich schleppt. Die heutige Sitzung mit John ist zu Ende. Immer noch weiß sie nicht recht, welchen wissenschaftlichen Ansatz sie für ihre Magisterarbeit wählen soll. https://gerdakazakou.com/2016/03/26/geschichtengenerator-10-emma-weiss-alles-komm-flohmarkt/. Beim letzten Zusammensein mit Erkan – ja, so nennt sie ihn jetzt bei sich, und nicht mehr Chef und Doktor – ergab sich keine Gelegenheit, die Sache durchzusprechen. Die Erinnerung an das, was sie stattdessen zusammen trieben, schüttelt sie angenehm, und eine süße Hitze breitet sich vom Unterleib über den Rücken bis in ihren Nacken aus, so dass sich die blondierten Härchen leise aufstellen. Täter? Opfer? denkt sie und lächelt in sich hinein. Na, wir werden das Kind schon schaukeln.

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