Architektonisches II: Täuschungen

Grundriss oder Vogelperspektive? – Nun, das ist „Ansichtssache“. Wenn du willst, siehst du einen ummauerten Tempelbezirk mit Dächern von oben. Wenn nicht: einen flachen Grundriss.

IMG_6543

Tempelfront oder Baustelle?

 

Tempelfront copy

Bei Architekturbildern ist viel Augentäuschung im Spiel. Denn das Dreidimensionale des Raums kann, wenn es in die Zweidimensionalität der Fläche übersetzt wurde, auf verschiedene Arten gelesen werden. Ihr kennt das sicher von Kippbildern oder auch von Eschers verwirrenden Treppenhäusern (https://gerdakazakou.wordpress.com/wp-admin/post.php?post=10313&action=edit). Ich habe hier nur einen einfachen Trick verwendet: Stelle das Bild auf den Kopf.

Tempelfront α

Und so sah der Tempel in einer früheren Bau-Phase aus.

BauwerkEinen Vorteil hat die gemalte Architektur vor der wirklichen: sie bricht nicht zusammen. Der Maler kann die Brüchigkeit einer Konstruktion im Bild „festhalten“. Und damit ein Sinnbild hinstellen für die Brüchigkeit von Menschen geschaffener Gebilde (Zivilisationen, Staaten, Institutionen). Das kann ein echtes Bauwerk nicht. Nicht mal der „hohle Zahn“ von Berlin (die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche) kann das, denn er ist zwar eine Ruine, aber eine sehr festgefügte, die sich in Bezug auf ihre Stabilität in nichts von, sagen wir mal, dem Reichstagsgebäude unterscheidet.

Gewachsener Fels oder gebaut?

Bild b MeerNun, weder gewachsen noch gebaut, sondern – gemalt.  Das „Meer“ und den „Himmel“ habe ich per Fotoshop hinzugefügt. Warum auch nicht? Was ist schon echt? Das Handwerkliche? Ach was. Täuschungen gehören zum Geschäft.

Eine stärkere Intervention mit elektronischen Mitteln führte zu folgender Variante:

Bild b schwarzMir gefällt diese Mischung aus brüchigem gemaltem Gestein und festigender elektronischer Retusche. Es entspricht dem Zeitgeist.

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, alte Kulturen, die schöne Welt des Scheins, Kunst, Malerei, Methode, Zeichnung abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Architektonisches II: Täuschungen

  1. teggytiggs schreibt:

    …ich schaue mit Freude und Interesse auf Deine Werke…für mich sind sie das eine wie auch das andere, fest und unvollkommen, durchlichtet und Raum lassend für Inspiration, sehr anregend…

    liebe Grüße

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  2. haluise schreibt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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  3. kunstschaffende schreibt:

    Gefällt mir sehr, sehr gut! Architektur in Abstraktion, super ausgeführt, natürlich wie alles was Du uns bisher gezeigt hast!
    Du geniale Gerda!

    Grüße Babsi

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  4. kunstschaffende schreibt:

    Wenn man die Werke mit etwas Distanz betrachtet, erkennt man die 3 Dimensionalität, einfach super!

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  5. gkazakou schreibt:

    Hej, Babsi, freut mich, dass dir meine Sachen so viel Spaß machen!

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