Samothrake mon amour

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Meine erste Einzelausstellung hatte ich 1989 in den Räumen der Griechisch-Amerikanischen Union in Athen, mit dem Titel „Samothrake – Annäherung an unbekanntes Land“. Ich traute mich nur deshalb, weil ich mich vor der Insel verneigen wollte. Zwanzig Jahre lang verbrachte ich dort meine Ferien, durchwanderte sie zu Fuß, bestieg das zentrale Bergmassiv, den Feggari (Mond), schwamm in den eiskalten Seen, die von Wasserfällen in den vulkanischen Grund gewaschen wurden, schwamm auch im stürmischen Meer. Nachts stieg ich in das archäologische Gelände der „Großen Götter“ ein, um auf  Marmorblöcken liegend dem Wandern des Vollmonds zuzuschauen.

Samothrake ist eine geheimnisvolle Insel, seit frühester Zeit Mysterienstätte. Hier  heirateten Kadmos und Hamonia, Kadmos und Harmonia  (sehr empfehlenswertes Buch, by the way!!), hier wurde der Legende nach Alexander der Große gezeugt, hier errichteten die Ptolemäer – Alexanders Nachfolger in Ägypten – große Tempel, darunter auch den Rundtempel der Arsenoe, erster seiner Art im östlichen Mittelmeer, hier stand die Nike, Göttin des Sieges, auf ihrem Schiff, bevor sie zertrümmert und fast zwei Jahrtausende später von französischen Archäologen ausgegraben und wieder zusammen gesetzt wurde. Heute schreitet sie, als umbrauste sie ein unsichtbarer Sturm, dem Besucher im Louvre entgegen.

Nike von Samothrake

Kopie der Nike, nach einer Gipskopie des Originals, die im Museum von Samothrake steht

Von all dem könnt ihr auf meinen Skizzen, die ich damals auf Samothrake machte, wenig bemerken, denn ich hatte meine eigene Wahrnehmung der Dinge, focht meine malerischen Kämpfe aus, und so waren wohl auch die Samothraker von Athen, die mich mit ihrem Besuch beehrten, ein wenig enttäuscht. IMG_6553 IMG_6552Doch insgesamt war es für mich ein freudiger Einstieg in meine „Künstlerkarriere“ – die dritte „Karriere“ meines Lebens. Ich war 47 Jahre alt – in Kürze drehe ich die Zahl um. (Die Fotos habe ich abfotografiert, in ihnen spiegeln sich die Zweige der Olive vor meinem Atelier, und ein Stück Mani-Himmel).

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Von der damaligen Ausstellung habe ich nichts mehr außer einige Skizzen in Kohle und mit Feder sowie Fotos, die ich für euch mehr schlecht als recht abfotografiert habe.

Aquarelle

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Zeichnungen

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Akryllpigmente und Kleister auf Pappe (50×70) (alle von Fotos abfotografiert)

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Über die Insel gibt es im internet schöne Seiten, vor allem auf Griechisch, dazu auch Informationen über den Kult der „Großen Götter“ und über die „Kabyren“, die in Goethes Faust II bei der Menschwerdung des Homunculus Pate stehen.

Und noch ein Tipp für die Stuttgarter: In Stuttgart-Cannstadt haben sich viele Samothraker angesiedelt, die auf ihrer kargen Insel kein Auskommen hatten. Viele arbeiten bei Mercedes. Es gibt sogar eine kleine gedruckte Studie „Samothrake am Ufer des Neckar“.

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, alte Kulturen, Fotografie, Kunst, Leben, Malerei, Mythologie, Natur, Reisen, Zwischen Himmel und Meer abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

23 Antworten zu Samothrake mon amour

  1. Nadia Baumgart schreibt:

    Liebe Gerda, ich mag Deine schnellen, lebendigen Skizzen sehr. Aber auch die großflächigen Landschaften gefallen mir sehr und erinnern mich hier und da an Maler der Provence. Frohes Schaffen! Nadia

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  2. haluise schreibt:

    auf der insel leben erstaunliche irdene farben: schön und wie sie in DIR subtil reflektiert werden mit überraschenden lichtblitzen.
    ich versteh schon, dass du eine ausstellung begonnen hast damit. (obwohl ich in solchen kategorien niemals gedacht habe – also für mich und meine lebens-darstellung oder -betrachtung)
    BIN LUISE

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  3. afrikafrau schreibt:

    phantastisch, da leuchten Entdeckerlichter, Schwung, Freude, Annäherung, Liebe zu dieser Insel….
    ein Neubeginn… ja…für mich nachvollziehbar….

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  4. afrikafrau schreibt:

    wie schön, solch wichtige Erinnerungen, in der Einfachheit finden wir wichtige Erkenntnisse , Freiheit….. danke dir daß du uns teilhaben läßt

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  5. Myriade schreibt:

    Mir gefallen die beiden Zeichnungen in blau-braun sehr sehr gut !!

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  6. Ulli schreibt:

    Manchmal ist es doch sehr praktisch, dass WP auf ältere, ähnliche Artikel weist- das war jetzt nochmal richtig spannend!

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  7. Hat dies auf Griechenland erleben rebloggt und kommentierte:
    Nachschlag zum gestrigen Fenster 17 meines Griechenland-Adventskalenders. Herzlichen Dank an Gerda für die wunderschönen Eindrücke von meinem geliebten Samothraki und für Ihre Links in ihrem Kommentar!

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  8. Herzlichen Dank, liebe Gerda, für die schönen Eindrücke von der Insel und dafür, dass Du mir die Links in deinem Kommentar geschickt hast. Ich habe gleich mal die Rebloggen-Funktion von WordPress ausprobiert und auf Twitter Links zu deinen schönen Skizzen und Notizen als „Nachschlag“ zum gestrigen Adventskalender-Fenster gepostet. Denn viel besser als mein knapper Artikel werden sie dem schönen Samothraki gerecht. Liebe Grüße von Heidi

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    • gkazakou schreibt:

      Ganz herzlichen Dank, Heide! Deine Adventskalender-Berichte gefallen mir sehr, nicht alle Ziele kenne ich. Du? Hast du sie alle selbst besucht?

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      • Dir, liebe Gerda, herzlichen Dank! Ja, alle die Inseln, die ich im Adventskalender zeige, habe ich selbst besucht und alle liebe ich, vor allem die kleinsten darunter, die durch ihre verhältnismäßige Abgeschiedenheit jede wie eine kleine Welt für sich erscheinen. Liebe Grüße von Heidi

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    • gkazakou schreibt:

      Ich finde es wunderschön, dass es immer noch so viele Inseln gibt, die ich nicht kenne und besuchen möchte. So träume ich mich schon lange nach Skyros und Kastellorizo, nach Delos und Antikythira…

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      • kokkinos vrachos schreibt:

        Kalimera Gerda, interessant, auch Skyros, Kastellorizo, und Antikythira stehen schon länger auf meiner Liste, besonders Antikythira hat es mir angetan. Seit einiger Zeit zieht es mich aber nur noch nach Kreta.

        Jede griechische Insel hat ihren eigenen Charakter. Eine Handvoll griechischer Inseln hat aber einen ganz besonderen einzigartigen Charakter: Samothraki, Ikaria, Alonissos, Kimolos, Donoussa….

        kaló chimónas, kv

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    • gkazakou schreibt:

      Hallo, Roter Felsen, da hast du mir ja gleich noch ein paar Leckerlis serviert. Au-er Samothrake war ich auf keiner dieser Inseln, LEIDER. Also weiterträumen.

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  9. kokkinos vrachos schreibt:

    Moin und Kalimera Gerda, Samothraki ist auch einer meiner griechischen Lieblingsinseln. Samothraki hat etwas besonderes….

    Über meinen Aufenthalt auf Samothraki im Mai 2012 habe ich einen kleinen Artikel geschrieben: https://www.in-greece.de/samothraki/artikel/96114-samothraki-urlaub-auf-dem-bauernhof-16-5-28-5-2012

    vg auf die Mani (Die Mani – Steine, Steine, nichts als Steine…), kv

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    • gkazakou schreibt:

      herzlichen Dank für den link! Ich hätte dort gern kommentiert, fand aber keine Kommentarfunktion, und einen „neuen Artikel2 wollte ich ja nicht gleich schreiben. Die Insel hat – außer ihrer fantastischen Energie und Schönheit – leider auch viele Probleme. Früher konnte man außer mit der SAOS auch mit der viel schnelleren Arsenoi anreisen. Es gab zwar fast kein Straßennetz -nach Pachia Ammos ging ich immer zu Fuß, und auch Kipos war nur mit hochrädrigen Wagen zu erreichen -,aber die Natur war noch viel stärler. Später wurde ine viel zu breite autostraße von Paliohora nach Hora gebaut (wegen der EU-Vorschriften musste sie so breit sein, sonst hätte es keine Finanzierung gegeben). Viele weniger bekannte Wasserfälle wurden durch Rohrverlegungen zerstört, insbesondere der wunderbare Wasserfall von Xiropotamos wurde völlig ausgetrocknet, Oleander und Platanen starben ab, das ehemalige Quellgebiet wurde zur Wüste, was mich sehr traurig machte. Das Wasser wurde für die Felder unten gebraucht, wo man Futtergetreide für die Ziegen anbaute. Auch so ein EU-Blödsinn: für die Muttertiere gab (gibt?) es Prämien, da man in Brüssel ausgerechnet hat, wieviele Ziegen und Schafe man in Europa braucht. Einige Samothraker, die überhaupt nichts mit Viehwirtschaft zu tun hatten, haben wegen der Subventionen ganze Herden angeschafft. Die meisten Tiere grasen weiterhin frei. Dadurch ist die sowieso schon vorhandene Bedrohung der Eichenwälder oberhalb des Fonias durch Tierfraß noch mal gewachsen. In kalten Wintern nagen sie die Wurzeln auch der ältesten Eichen ab, und junge Bäume haben sowieso überhaupt keine Chance. Ein anderes Problem ist, dass die Abwässer von Hora, insbesondere auch einer kleinen Schweinezucht, ungereinigt in den Katsaba abgeleitet werden. Der Bach ist dadurch verseucht.
      Aber wie auch immer: mein Herz ist auch nach 20 Jahren, wo ich nicht mehr dort war, mit Samothrake verwachsen.
      Wenn du willst, kannst du diesen Kommentar bei dir einfügen. Liebe Grüße, momentan aus Athen

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  10. kokkinos vrachos schreibt:

    Kalimera Gerda, habe deinen interessanten Kommentar unter meinen Samothraki-Artikel gerade veröffentlicht (bei in-greece.de muss man sich anmelden, um etwas zu veröffentlichen…..).

    Das es viele oder einige Probleme auf Samotraki gibt, habe ich auf Samothraki auch durch Gespräche mit Einheimischen und Auswanderer erfahren. Zwei Probleme habe ich ja auch in meinem kleinen Samothraki-Artikel angesprochen, die vielen Ziegen, die alles kahl fressen und das leergefischte Meer um Samothraki. Ein Tavernenbesitzer aus Kamariotissa sagte zu mir, das die viel zu vielen Ziegen, daß größte Problem auf Samothraki sind. Die durch die Ziegen verursachten massiven Schäden kann man überall auf der Insel sehen.
    Die Offenheit und Selbstkritik des Tavernenbesitzers haben mich sehr positiv überrascht. Oft sind ja immer die anderen schuld….

    Was mich sehr schockiert hatte, daß der Schulbus im Mai 2012 nicht mehr gefahren ist. Die Rechnungen konnten bei der Tankstelle nicht mehr beglichen werden. So was mitten in Europa macht einen sprachlos…..

    Auch Korruption im Zusammenhang mit EU-Projekten ist ein Thema auf der Insel.

    Im Sommer 2017 gab es große Trinkwasser-Probleme.

    Die medizinische Versorgung und der Mangel an Arbeitsplätze sind wohl die größten Probleme auf den griechischen Inseln.

    Die aktuelle Krise, die Austeritätspolitik verschärft natürlich noch einmal zusätzlich die Situation der Insel-Bewohner.

    Würde mich gerne weiterhin mit dir über Samothraki austauschen. Leider gibt es ja das Samothraki-Forum seit einigen Monaten nicht mehr. Dort konnten sich die wenigen Samothraki-freunde austauschen.

    Ta Leme, Clemens/kv

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