Gestern gab es einen Dialog bei Gerhard von KopfundGestalt:
Gerhard schrieb: Bei der Kreation vor etwa 6 Jahren hatte ich “Verbindung”, Connection im Auge. Wir müssen uns verbinden, das Individuum im anderen erkennen und seine Perspektiven lernen zu sehen.
Ulli: Wir müssen uns gar nicht verbinden, jede und jeder ist mit allen und allem verbunden, nur spüren wir das meistens nicht…
Gerhard: De facto sind wir zwar verbunden, aber das wissen wohl “nur” die spirituell Geschulten, aber im allgemeinen ist das nicht Verständnis.
Gerhard im Nachtrag: Dann kam ich auf die Idee, …eine witzige Plattform mit Steckdosen zu bauen, also etwas Unsinniges, Verspieltes, Absurdes. … Aber lest selbst.
Dieser Dialog ging mir heute beim Spazierengehen nicht aus dem Kopf.
Sich verbinden – verbunden sein -. Wie sind die Dinge (Sache, Begriff, Lebewesen, Kunstwerk) ohne mein Zutun untereinander verbunden? wie verbinde ich sie untereinander und mit mir?
Drei Leitfragen formulierten sich mir:
(a) In welcher Beziehung stehen ABCD tatsächlich zu einander? Sind sie miteinander verbunden, und wenn ja: wie?
(b) In welche Beziehung stelle ich ABCD zueinander (wie verbinde ich sie) und was sind meine Motive dabei?
(c) In welcher Beziehung stehe ich als Individuum zu den Beziehungen, in die ich ABCD gestellt habe? Bin ich mit diesem Beziehungsmuster verbunden, und wenn ja, wie?
Ich möchte dieses so wichtige Thema durch ein paar einfache Fotos veranschaulichen. Euch ist es natürlich frei gestellt, ganz andere Beispiele in eurem Herzen zu bewegen.
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Bild 1
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Bild 2
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Bild 3
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Bild 4
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Bild 5
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Bild 6
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Bild 7
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Bild 8
Bild 1. Ein mir unbekannter Mann und ein Weg. Beziehungen, die zwischen beiden objektiv existieren (….). Beziehungen, die ich herstelle: Mein Auge erfasst Mann, Weg, Büsche und Bäume, schätzt den Abstand, seine Gehgeschwindigkeit. Ich im Verhältnis dazu: Ich möchte diesen sich entfernenden Mann gern im Bild haben, hoffe, das Handy rechtzeitig aus der Tasche herauszuholen, meine Muskeln sind entsprechend angespannt, ich mache Greifbewegungen etc pp. (Es ist völlig klar, dass ich anders handeln würde, wenn der Mann zB sein Handy verloren hätte oder gestürzt wäre oder auf mich zu käme….)
Bild 2: ein Hund und ein Weg. Beziehungen, die zwischen beiden objektiv existieren (Tito mag den Weg und vor allem die Bäume. Umgekehrt?). Beziehungen, die ich herstelle: Es ist „mein“ Hund. Wird er warten, wird er weglaufen? Soll ich ihn an die Leine nehmen? Ich mag ihn, er guckt so lieb. Er ist so klein auf dem großen Weg.
Bild 3: Ein Hydrant, eine Lichtung, ein Mensch. Beziehungen, die objektiv existieren (….) Beziehungen, die ich herstelle: Ich denke an Heikes Bilder zu diesem Thema.
Bild 4: roter Hydrant, grüner Klee, blaue Hundeleine, brauner Spazierstock. Objektive Beziehungen zwischen diesen Dingen: sie liegen, stehen ….. unverbunden. Die Teile befänden sich ohne mein Zutun in gar keiner Beziehung. Ich habe sie willentlich hingelegt, um einen Gedanken zu demonstrieren, um einen Farbklang zu erzeugen, um ein Bild zu legen etc pp.
Bild 5: Hydrant, Jacke-Hose-Stiefel. Gibt es Beziehungen zwischen diesen Dingen? Na, mein Bein, einerseits, aber sonst? Doch es gibt sie, weil ich sie absichtlich herstellte: roter Stiefel – roter Hydrant, Schräge des Beins und Senkrechte des Hydranten, Menschliches und Ding. Ich habe bewusst und aktiv eine Verbindung hergestellt, die sinnlos (absurd) ist, da sie keine anerkannte Funktion erfüllt. So entstanden die Kunstarten Collage, surreale Kunst und schließlich Dada.
Bild 6: Hydrant auf freier Fläche und Pinienwald. Beziehung: gewollt, funktional. Pinien brennen leicht. Der Hydrant muss zugänglich sein. Diese Verbindung haben andere hergestellt, sie besteht unabhängig von meinen Interpretationen. Für mich: ich freue mich, dass hier vorgesorgt wird für den sicher brandgefährlichen Sommer.
Bild 7: Pinie und Eukalyptus. Beides sind Bäume und stehen im selben Wald, unter demselben Himmel, ernähren sich aus demselbem Grund und Boden etc., insofern sind sie organisch verbunden. Ich sehe: Schwarz-Weiß-Kontrast, Kraft vs. Lieblichkeit, Dunkelheit und Licht. Ich stelle mir vor, die ätherischen Öle von Pinie und Eukalyptus vermischen sich in meiner Nase. Freude kommt auf.
Bild 8: Dieselben Bäume plus Hund. Über ihre Beziehung untereinander weiß ich nichts Genaues. Für mich: Hell-dunkel, groß-klein, beweglich-angewachsen… Ich verbinde mich mit allen diesen „Dingen“, ich liebe sie und fühle mich bereichert, weil sie so sind, wie sie sind. Ich bin mir dessen bewusst. Ob es eine Gegenseitigkeit gibt? Ob sie meine Zuwendung spüren?