Besuch im Benaki-Museum für griechische Kultur

Das Museum Benaki ist eigentlich eine ganze Flotille: Da gibt es das alte große Mutterschiff „Museum für griechische Kultur“ in der Nähe des Syntagmaplatzes, wo ich vorgestern war, und den großartigen Neubau des Museums für Gegenwartskunst in der Piräusstraße, über dessen Ausstellungen ich bisweilen berichtet habe, zB hier und hier und hier .

Rings um die beiden großen Museen schippern die kleineren und ganz kleinen: Das Museum für islamische Kunst (hier), das Haus-Pinakothek des Malers Nikos Hatzinikolaos-Gikas, die Werkstatt des Bildhauers Jannis Pappas, die alte Textilfabrikationsstätten Mentis (hier), das Spielzeugmuseum, das Haus der Schriftstellerin Penelope Delta (die sich am 2. Mai 1941, als die deutsche Wehrmacht Athen besetzte, das Leben nahm) und das Wohnhaus des britischen Abenteurers und Schriftstellers Sir Leigh Fermor in Kardamili/Mani, der wie kein anderer das Leben der Maniaten beschrieben hat.

Das also ist die Flottille der Benaki-Museen. Die Benakis waren eine große Kaufmannsfamilie aus Alexandria/Ägypten, die ihren Reichtum wie so mancher andere Auslandsgrieche großzügig in Stiftungen zur Unterstützung des griechischen Kultur und Wissenschaft eingebracht hat.

Ich besuchte gestern die Sonderausstellung „religiöse Kunst von Russland nach Griechenland“ , warf aber auch einen flüchtigen Blick in die eindrucksvollen Sammlungen von der Antike über die Jahre der Türkenherrschaft bis zur Staatsgründung und darüberhinaus.

Um zur gestrigen Frage zurückzukommen: welche Beziehung haben die hier abgebildeten so willkürlich ausgewählten Objekte untereinander? Nun, ganz einfach: sie sind Teil und Ausdruck der griechischen Kultur über die Jahrtausende. Sie sind Teil einer Sammlung. Sie sind Exponate eines Museums. Vor allem aber: sie sind das, was MIR bei meinem Rundgang ins Auge fiel und was ICH für bemerkenswert hielt. Das Fayyum-Gesicht und der kopflose moderne Mensch, Dionysos mit Kelch und das Christentum, die Hochzeitskrone und die Bauerntrachten, der Erechtheion-Tempel und die neugriechische Staatsgründung …   all dies wurde in einem gewaltigen Strom mitgetragen und bildet das Sediment,  auf dem sich die heutige Kultur weiterentwickeln muss.

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Verbinden oder verbunden sein?

Gestern gab es einen Dialog bei Gerhard von KopfundGestalt:
Gerhard schrieb: Bei der Kreation vor etwa 6 Jahren hatte ich “Verbindung”, Connection im Auge. Wir müssen uns verbinden, das Individuum im anderen erkennen und seine Perspektiven lernen zu sehen.
Ulli: Wir müssen uns gar nicht verbinden, jede und jeder ist mit allen und allem verbunden, nur spüren wir das meistens nicht…
Gerhard: De facto sind wir zwar verbunden, aber das wissen wohl “nur” die spirituell Geschulten, aber im allgemeinen ist das nicht Verständnis.
Gerhard im Nachtrag:  Dann kam ich auf die Idee, …eine witzige Plattform mit Steckdosen zu bauen, also etwas Unsinniges, Verspieltes, Absurdes. … Aber lest selbst.

Dieser Dialog ging mir heute beim Spazierengehen nicht aus dem Kopf.
Sich verbinden – verbunden sein -. Wie sind die Dinge (Sache, Begriff, Lebewesen, Kunstwerk)  ohne mein Zutun untereinander verbunden? wie verbinde ich sie untereinander und mit mir?

Drei Leitfragen formulierten sich mir:

(a) In welcher Beziehung stehen ABCD tatsächlich zu einander? Sind sie miteinander verbunden, und wenn ja: wie?

(b) In welche Beziehung stelle ich ABCD zueinander (wie verbinde ich sie) und was sind meine Motive dabei?

(c) In welcher Beziehung stehe ich als Individuum zu den Beziehungen, in die ich ABCD  gestellt habe? Bin ich mit diesem Beziehungsmuster verbunden, und wenn ja, wie?

Ich möchte dieses so wichtige Thema durch ein paar einfache Fotos veranschaulichen. Euch ist es natürlich frei gestellt, ganz andere Beispiele in eurem Herzen zu bewegen.

Bild 1. Ein mir unbekannter Mann und ein Weg. Beziehungen, die zwischen beiden objektiv existieren (….). Beziehungen, die ich herstelle: Mein Auge erfasst Mann, Weg,  Büsche und Bäume, schätzt den Abstand, seine Gehgeschwindigkeit. Ich im Verhältnis dazu: Ich möchte diesen sich entfernenden Mann gern im Bild haben, hoffe, das Handy rechtzeitig aus der Tasche herauszuholen, meine Muskeln sind entsprechend angespannt, ich mache Greifbewegungen etc pp. (Es ist völlig klar, dass ich anders handeln würde, wenn der Mann zB sein Handy verloren hätte oder gestürzt wäre  oder auf mich zu käme….)

Bild 2: ein Hund und ein Weg. Beziehungen, die zwischen beiden objektiv existieren (Tito mag den Weg und vor allem die Bäume. Umgekehrt?). Beziehungen, die ich herstelle: Es ist „mein“ Hund. Wird er warten, wird er weglaufen? Soll ich ihn an die Leine nehmen? Ich mag ihn, er guckt so lieb. Er ist so klein auf dem großen Weg.

Bild 3: Ein Hydrant, eine Lichtung, ein Mensch. Beziehungen, die objektiv existieren (….) Beziehungen, die ich herstelle: Ich denke an Heikes Bilder zu diesem Thema.

Bild 4: roter Hydrant, grüner Klee, blaue Hundeleine, brauner Spazierstock. Objektive Beziehungen zwischen diesen Dingen: sie liegen, stehen ….. unverbunden. Die Teile befänden sich ohne mein Zutun in gar keiner Beziehung. Ich habe sie willentlich hingelegt,  um einen Gedanken zu demonstrieren, um einen Farbklang zu erzeugen, um ein Bild zu legen etc pp.

Bild 5: Hydrant, Jacke-Hose-Stiefel.  Gibt es Beziehungen zwischen diesen Dingen? Na, mein Bein, einerseits, aber sonst? Doch es gibt sie, weil ich sie absichtlich herstellte: roter Stiefel – roter Hydrant, Schräge des Beins und Senkrechte des Hydranten, Menschliches und Ding. Ich habe bewusst und aktiv eine Verbindung hergestellt, die sinnlos (absurd) ist, da sie keine anerkannte Funktion erfüllt. So entstanden die Kunstarten Collage, surreale Kunst und schließlich Dada.

Bild 6: Hydrant auf freier Fläche und Pinienwald. Beziehung: gewollt, funktional. Pinien brennen leicht. Der Hydrant muss zugänglich sein. Diese Verbindung haben andere hergestellt, sie besteht unabhängig von meinen Interpretationen. Für mich: ich freue mich, dass hier vorgesorgt wird für den sicher brandgefährlichen Sommer.

Bild 7: Pinie und Eukalyptus. Beides sind Bäume und stehen im selben Wald, unter demselben Himmel, ernähren sich aus demselbem Grund und Boden etc., insofern sind sie organisch verbunden. Ich sehe: Schwarz-Weiß-Kontrast, Kraft vs. Lieblichkeit, Dunkelheit und Licht. Ich stelle mir vor, die ätherischen Öle von Pinie und Eukalyptus vermischen sich in meiner Nase. Freude kommt auf.

Bild 8: Dieselben Bäume plus Hund. Über ihre Beziehung untereinander weiß ich nichts Genaues. Für mich: Hell-dunkel, groß-klein, beweglich-angewachsen… Ich verbinde mich mit allen diesen „Dingen“, ich liebe sie und fühle mich bereichert, weil sie so sind, wie sie sind. Ich bin mir dessen bewusst. Ob es eine Gegenseitigkeit gibt? Ob sie meine Zuwendung spüren?

 

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Galeriebummel in Athen

Heute musste ich mal wieder zum Zahnarzt, ergo ins Athener Zentrum. Und das heißt wiederum: Bilder angucken in Galerien, Museen und Kirchen. Nun, auch in dem Cafe neben der Zahnarztpraxis, wo ich meinen Espresso trank, gabs Sehenswertes.

Sehen, sich umsehen. In die Höhe schauen wie hier in der großen Kirche gleich nebenan und sich über den Rhythmus der Bögen wundern.

Ein paar Häuser weiter die Galerie Skoufa, wo ich vor Jahren mal ausgestellt habe. Unten eine Bild-Installation von Elena Papadimitriou mit photorealistisch gemalten Frauen aus 20 Mittelmeerländern und ihren Sprachen – sie erinnert an die „Schutzflehenden“ des Altertums -, oben ulkige Paare des Athener Karikaturisten LoGo.

(Falls du mehr davon sehen willst, kannst du dem obigen link zur Galerie Skoufa folgen. )

Mein Spaziergang führte mich dann zur Galerie Zoumboulaki am Kolonaki-Platz, wo der  griechische Künstler Nikos Lagos (Νίκος Λαγός) heute eröffnet. Mir kam es beim Ansehen so vor, als ich sähe Rappermusik. Mir gefielen die kindlich anmutenden aber raffiniert komponierten meist quadratischen großen Bildtafeln, so dass ich eifrig knipste. Übrigens kannst du hier auch Griechisch lernen: auf dem vierten (kleineren) rosa Bild zB liest du ΕΙΜΑΙ ΕΝΑΣ ΗΛΙΘΙΟΣ (Ich bin ein Blödmann) und auf dem fünften grünen ΣΥΝΝΕΦΟ, ΟΧΙ und σκύλος (Wolke, Nein und Hund). Das letzte Bild stellt eine „Utopie“ dar.  Du kannst dem obigen Link zum Künstler folgen, wenn du noch mehr wissen und sehen willst.

Genug für heute? Nun, ich war noch um die Ecke im Benaki-Museum, aber das würde nun wirklich den Rahmen sprengen. Und dann setzte ich mich in den Garten des Byzantinischen Museums und dachte an meine lieben Besucher Susanne Haun und Micha, mit denen ich eben dort vor gar nicht so langer Zeit saß und schwatzte.

 

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Lokales

Gestern musste ich zur Post – und das heißt: ins Zentrum von Maroussi, einem nördlichen Athener Vorort, an dessen Rand ich wohne. Darf ich ihn euch kurz vorstellen?

Besiedelt und historisch belegt ist der Ort – offiziell Amaroussion, gewöhnlich Maroussi –  bereits seit 3000 v. Chr.. Sein Name ist abgeleitet vom Artemis-Kult, heißt es, aber es ist durchaus möglich, dass die Amazonen, die man auch Amaroussen nannte, die Namensgeberinnen waren. Wie auch immer. Von diesen alten Geschichten dürfte sich im Bewusstsein der modernen Maroussioten kaum etwas erhalten haben.

Amarousse mit Hund – Skulptur auf dem zentralen Platz

Es ist eine geschäftige Stadt von ca 100 000 Einwohnern, eine Mischung aus kleinstädtischer Idylle und dem Flair internationaler Unternehmen, Sitz der Olympischen Sportanlagen (der Maroussiote Spyros Louis, Wasserverkäufer von Beruf, siegte beim  Marathonlauf der ersten Olympiade der Neuzeit 1896 und wurde Nationalheld)  und der Keramikmacher.

1836, als Amarousion durch den neuen griechischen Staat gegründet wurde, hatte es grad mal 320 Einwohner. 1925 wurde es selbständige Stadt mit nun schon ca 3500 Einwohnern, die sich prächtige Häuser in den großen, von den Osmanen zurückgelassenen Gärten bauten. Um 1950 herum hatte sich die Einwohnerzahl gerade mal verdoppelt. Friedlich und verschlafen dümpelte das Städtchen vor sich hin. Doch in den 80er Jahren kam eine Phase relativer Blüte über Griechenland, und wohlhabende Athener  zogen aus der engen, lärmigen Hauptstadt in die Vororte.  Davon profitierte auch Maroussi, der proletarischste der nördlichen Vororte. Er wuchs nun schnell  und zog viele Verwaltungstätigkeiten, Einkaufszentren, aber auch Bildungseinrichtungen (zB die Deutsche Schule) an sich.

In dem Gewimmel der Autos, Menschen und Geschäfte werden die Skulpturen, die an die Lokalgeschichte erinnern sollen,  leicht übersehen.

Charakteristische Bilder lassen sich schwer finden. Die modernen Büro- und Wohnhochhäuser sind prägend, aber dazwischen gibt es einige recht schöne Häuser aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts. Verkehrsberuhigte Wohnstraßen mit Baumbepflanzung und Vorgärten wechseln mit autobahnähnlichen Schnellstraßen und verstopften engen Gassen ab. Hier ein paar eher willkürliche Bilder von meinem gestrigen Streifzug rund um den Hauptplatz:

 

  • Η έκταση έχει αναπροσαρμοστεί στα σημερινά διοικητικά όρια του Αμαρουσίου.
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Blick in die Weite von Attika

Immer suche ich auch den Blick in die Weite.

Bei meinem täglichen Hundespaziergang im Stadtwald Syngrou (nahe bei meiner Wohnung in einem nördlichen Athener Vorort) komme ich an eine Stelle, an der ich stehen bleibe. Vor mir dehnt sich Attika bis hinunter zum Meer.

Wenn du den Lichtmast als Ausgangspunkt nimmst, kannst du links vom Mast dicht beieinander zwei Erhebungen erkennen: der höhere Berg ist der Lykabettos, der etwas flachere links davon der Akropolisfelsen. Rechts vom Mast siehst du eine winzige leuchtende Fläche: das ist das Mittelmeer. Hier heißt es Saronischer Golf.

 

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Karnevalistische Kata-Strophen (abc-etüde)

Karnevalistische Kata-Strophen, erdichtet und bebildert nach einer Wortspende von Anna-Lena, auf Anregung von Christiane und eingeladen von lz ! Die Schnipsel für das Legebild sind von Jürgen Küster. Wie schon zuvor habe ich mich  von den lesbaren Wörtern (sichtbar, bekleidet, Schatten) des Materials, das ursprünglich vom verstorbenen Künstler Peter Maschke stammt, inspirieren lassen.

Αuf geht’s zum Picasso-Ball

„Du willst doch nicht etwa dein Outfit selber machen?“

„Warum denn nicht? Es wäre doch zum Lachen

wenn ich’s nicht könnt! Kostümverleih,  du meine Güte!

Ich bau mir aus der Abendzeitung eine Riesentüte,

die stülpe ich mir übern Kopf, die Haare ungekämmt,

Du leihst mir sicher gern ein buntes Unterhemd

Von denen die du liebst, das bildet herrlich ab

Die femininen Kurven, die ich gottlob hab.“

„Und unten rum, was willst du da dran kleben?“

„Muss da was sein? man sieht ja mein Gesicht

Hinter der Riesen-Abendzeitungstüte nicht.“

„Du hast ja wohl nen Schatten, das hats noch nie gegeben!

Da werd ich auf den Faschingsball verzichten müssen

Da wird es nix mit tanzen und mit küssen –

So kann ich, will ich mich vor Freunden nicht blamieren.“

„O  toll, du kleinkarierter Affe du, du willst nicht tolerieren

Die Freiheit einer Frau, die Freiheit auch der Kunst

Denkst gleich an fickificki, denkst an deine Brunst!

Ich will nur knallvergnügt und wunderlich maskiert

Zum Tanz erscheinen –  selbst schuld, wenn es wen brüskiert!“

Ich glaub, ich sah die beiden doch

Masken unter Masken noch.

Köstlich wars auf jeden Fall

auf dem Picasso-Maskenball.

 

 

 

 

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Karneval in der Stadt

Heute saß ich wieder in meinem provisorischen Athener Atelier.

Mir stand der Sinn nach weiteren Architektur-Bildern, diesmal, wenn möglich, mit Zentralperspektive, an der entlang ich Paläste, Häuser und Brückchen baute und sogar Telefonleitungen legte, darauf ein Täubchen.

Da tanzten plötzlich zwei lustige Gestalten ins Bild. Ich glaube, Ulli hat sie mir geschickt (vergl. die rote Tänzerin). Ganz unbeschwert sind sie unterwegs, auch wenn ein Gebäudeteil wie ein Damoklesschwert über ihren Häuptern hängt. Nun ja, Karneval liegt in der Luft.

Ich bekam Lust, zu ihrem Empfang den roten Teppich auszurollen, der rechts im Bild lag. (Es ist eine Originalkarte von Jürgen Küster, die er mir mitsamt den Schnipseln schickte und die nun zusammen mit dem zerfetzten Umschlag mein Legematerial bilden.)

Stadtansicht mit Tänzern und rotem Teppich rechts (c) gerda kazakou 2018

Hier das Original in zwei Fassungen (erstes und letztes Bild), eine Schwarz-Weiß-Ausgabe und drei Fassungen mit hinzugefügtem Blau. Zum Vergrößern bitte anklicken

 

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Venezianische Träumereien

Meine ersten Malereien in Aquarell machte ich in Venedig. Das ist viele Jahre her. Danach war ich nie wieder in dieser faszinierenden Stadt, deren Charme, meine ich, sich niemand entziehen kann. Heute beim Legen mit Jürgens Schnipseln und den Fetzen des zerrissenen Umschlags träumte ich mich in einen der Kanäle,  ein paar vergessene Gondeln schwappten vor Stufen, die zu einem verlassenen Palast führten.

Wie es wohl drinnen aussah? ich erstieg die Stufen und verlor mich in den Sälen. Herumstreifend fand ich alte Folianten und verblichene Gemälde, die ich zu erkennen meinte. Was das nicht ein Boticelli? Und das andere, ein Bruchstück eines großen Gemäldes von Hieronimus Bosch? 

Allzu düster schien mir dieser verfallene Palast. Also ließ ich das Blau des Himmels hinabfluten in den Kanal. (Groß sehen – Anklicken!)

Und wenn du Lust hast, streifst du mit mir noch einmal durch diesen verwinkelten Bau, mit und ohne Himmelsblau.

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Neue abc-etüde. Ja, wenn die alte Frau Petermann erzählt

Neue Etüdenwörter sind soeben eingetroffen. Anna-Lena von visitenkartemyblog.wordpress.com hat sie diesmal gespendet, und Ludwig Zeidler hat wieder schöne Einladungskarten gezeichnet. Christiane vom Blog Irgendwas ist immer hat die Regeln noch einmal geduldig erklärt, damit sie auch die (der) Letzte verstehe. Also 3 Wörter zu 10 Sätzen höchstens verquirlen.

(Und was mache ich? Ich zähle nach, und o weh! Da sind ein paar zu viele Punkte, die bekanntlich das Ende von Sätzen markieren. Doch wenn diese Sätze nur aus 3 oder 5 Wörtern bestehen, zählen sie dann auch voll?  Soll ich den Etüden zuliebe das Semikolon wieder einführen? oder den Gedankenstrich als Redepause? Na, meinetwegen. Obgleich ich Kürzestsätze liebe. Elliptische Sätze. Solche ohne Verb oder ohne Subjekt. Aber mit Punkt.)

Ja, wenn die alte Frau Petermann erzählt

„Knallvergnügt und knallverrückt, nass bis aufs Unterhemd und mit quietschenden Socken haben wir damals im Regen getanzt. Darauf muss ich heute leider verzichten; die Beine wollen nicht mehr, wissen Sie – und die Bronchen – dieser ewige Husten – es ist ein Jammer. Vor allem fehlt mir mein Mann. War vielleicht noch verrückter als ich – Musiker durch und durch, und ein richtiger Tausendsassa. Sie erinnern sich natürlich nicht mehr an ihn, sind ne andere Generation. Wenn Sie wüssten, was wir damals alles angestellt haben. Eines Abends, ich denke es war im Jahr 1971…“.

„Leider müssen wir jetzt weiter, Frau Petermann, tut mir leid. Sie erzählen mir die Geschichte dann ein andermal zu Ende, ja? mein Sohn hat noch Hausaufgaben zu machen. Einen schönen Abend noch!“

Das Lege-Bild habe ich schon mal unter dem Titel „Life can be easy“ veröffentlicht. Entstanden ist es im März 2015.

Zur Abrundung noch ein zu Frau Petermanns besseren Zeiten beliebter Schlager von Vicky Leandros:

https://www.youtube.com/watch?v=lzkbYTPijKA

Ja, ja der Peter, der ist schlau

Hey, Frau Petermann,
was treibt denn nur dein Peter?
Jeden Abend, wenn es dunkel wird,
dann geht er
frisch rasiert und gut gekämmt,
schicker Anzug, weißes Hemd,
rote Nelke am Jackett,
fein von A bis Z.
Jaja, der Peter der ist schlau,
schlau wie der Fuchs in seinem Bau,
und wenn er Liebeshunger hat
jagt er die Gänschen in der Stadt,
und man erzählt, daß er bei Nacht
fast immer reichlich Beute macht,
wieviel weiß keiner ganz genau,
jaja, der Peter der ist schlau.
Jedoch das tollste ist daran,
daß er nicht einer treu sein kann,
trotzdem liebt ihn jede Frau,
jaja, der Peter der ist schlau.

Hey Frau Petermann,
Hut ab vor deinem Peter,
uns zum Narren zu halten,
wirklich das versteht er.
Tags spielt er den braven Mann,
der kein Wasser trüben kann,
doch im Schutz der Dämmerung
wird er wieder jung.
Jaja, der Peter der ist schlau,
schlau wie der Fuchs in seinem Bau,
und wenn er Liebeshunger hat
jagt er die Gänschen in der Stadt,
und man erzählt, daß er bei Nacht
fast immer reichlich Beute macht,
wieviel weiß keiner ganz genau,
jaja, der Peter der ist schlau.
Jedoch das tollste ist daran,
daß er nicht einer treu sein kann,
trotzdem liebt ihn jede Frau,
jaja, der Peter der ist schlau.

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Wege der Erkenntnis

Ich meine, dass dieses Paar zwei verschiedene Wege der Erkenntnis beschreitet. ER sucht die Zeichen des Weltalls durch Lektüre und meditierend zu begreifen, SIE betrachtet sich im Spiegel, um sich selbst zu verstehen. Ob sie sich wohl auf diesen Wegen treffen?

Nun, andere Interpretationen sind durchaus möglich und erwünscht.

Hier ein Bildausschnitt und elektronische Bearbeitungen, die eure Fantasie beflügeln mögen.

Wieder habe ich die mir von Jürgen Küster zugekommenen Schnittreste mit Fetzen des zerrissenen Umschlags kombiniert. Legefläche weißlich, 70 x 100 cm.

 

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