Natur, Mensch und Technik in der Moderne (3): Die Stadt

Die Schnecke trägt ihr Haus – aber der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen, er braucht die Siedlung, die Stadt, das Gemeinwesen. Die Griechen nannten (und nennen) dies Gebilde Polis. Von diesem Wort abgeleitet ist alles, was den Menschen als Menschen auszeichnet:  Politismos (Kultur), Politeia (Gemeinwesen, Staat), Politis (Bürger), Politik, im Englischen auch das polite (höflich) und im Deutschen die Polizei.

Um als Menschen zu leben, haben die Menschen zwischen Himmel und Erde die Stadt gestellt: ihr gemeinsames Gehäuse. Ohne die Stadt, die Polis – so die Meinung der griechischen Philosophen – sei der Mensch nichts als Kreatur, was seiner menschlichen Natur nicht entspreche. Zoon politikon – Lebewesen der Stadt, politisches Wesen sei er, im Gegensatz zum Zoon – dem Tier.

Die Stadt, die als gemeinsames Haus des zivilisierten Menschen begann, war schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts kaum mehr als ein technisch-steinernes Gehäuse, durch das die Menschen zogen, als ginge es sie weiter nichts an. Diese Form der Entfremdung hat sich seither weiter gesteigert. Viele leiden in so hohem Maße an der Gleichgültigkeit und Mittelpunktlosigkeit der modernen Städte, dass sie sich in die dörfliche Gemeinschaft mit ihren einstmals kollektiven Ernteabläufen und Spinnstuben zurücksehnen, wo sie jedenfalls rudimentäre Gemeinsamkeit zu finden hoffen. Doch ist sie dort zu finden? Nicht nur ist die Landwirtschaft jetzt industrialisiert, sondern auch die Menschen haben sich geändert:  die Entfremdung des Menschen von der Natur, von der Arbeit und von Seinesgleichen hat sich so tief ins Innere der Seele gefressen, dass gemeinsames Leben in der dörflichen Gemeinschaft keine Chance mehr hat.

Drei Bilder vom Anfang des 20. Jahrhunderts mögen den Wandel  dessen, was „Stadt“  bedeutet, ein wenig beleuchten. Zugleich sind es Beispiele für die sich damals sehr schnell wandelnde Formensprache der europäischen (vor allem französischen) Malerei.

Andre Derain, Die Westminsterbrücke, 1906

Andre Derain, Westminsterbrücke, 1906: In großer (weiblicher)  Kurve schweift der Blick durch eine blühende Landschaft und mündet irgendwo in der Ferne an einer Brücke. Dahinter blaut eine Stadt, als sei es ein fernes Gebirge. Alles scheint gezähmte Natur zu sein, aufgehoben in dem milden Abendlicht des Spät-Impressionismus.

Robert Delauney, Die Stadt, 1910

Robert Delauney: La ville, 1910. Die Natur ist begrenzt auf den vordersten Bereich vor den Toren. Und schon erheben sich festungsgleich die Mauern der Stadt, die sich in wirren Formen und Schachteln dahinter drängt und auftürmt, durchflimmert von einem künstlichen Licht. Einen Himmel gibt es nicht, nur diese flirrernden Punktmuster auf Flächen, die wie Kulissen oder Theatervorhänge wirken.

Fernand Leger, La Ville, 1919

Fernand Leger, Die Stadt, 1919. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Bildern sind die Menschen zurückgekehrt. Doch wie sind sie gestaltet? Im Mittelgrund dient ein Menschentorso als Verkehrsschild und ein anderer hängt wie ein Wäschestück an einer Leine.  Die Menschen sind nichts als Attrappen, ununterscheidbar von den verschiedenen Attraktionen der Stadt, buntfarbigen Kreisen, Treppen, Türmen, Blitzen. Wie eine Attrappe ohne Tiefe und Perspektive wirkt die ganze Stadt. Natur gibt es nicht. Der Zugang wird durch eine Treppe gebildet, auf der eine düstere metallische Menschengruppe – zwei Personen sind es eigentlich nur – hinauf- oder hinabsteigen. Arbeiter? Schichtwechsel?

Zum Abschluss sei mir gestattet, eines meiner vielen Stadt-Bilder hier zu posten, das ca 100 Jahre später als die der französischen Meister des beginnenden 20. Jahrhundert entstand. Es ist eine Farbskizze mit Pigmenten und Kleister auf grauer Pappe, 50×70 cm.

Gerda Kazakou: Stadt, 2013

Gerda Kazakou, Stadt, 2013. In meinem Bild gibt es wie bei Derain einen geschwungenen Zugangsbereich und einen Himmel – ohne den komme ich nicht aus. Das Enge, ineinander Verschachtelte der Blöcke ist aufgelöst, so als sei ich selbst nicht in der Stadt, sondern schaute von Ferne oder von Oben – fast wie Derain auf London schaute, nur weniger elegant und feierlich und vollkommen ohne Natur. Farblich gleicht es am ehesten dem Bild von Delauney, doch sind meine Farben und Formen verwaschen, unscharf, schmutzig. Und was die menschliche Präsenz angeht  – nun, die reduziert sich wie bei Leger auf eine dunkle schemenhafte Figur im Vordergrund, die genauso gut ein Gegenstand sein könnte. Meine Stadt wirkt schäbig und provisorisch.  Neu sind auch die Verdrahtungen, die durch das Bild laufen. Der elektrische Strom, auf Derrains Bild noch nicht zu erahnen und bei Leger nur als fernes Segment eingefügt, ist nun allgegenwärtig. Es ist, als würde die marode Stadt fast nur durch ihre Kabel zusammengehalten. Die Polis ist tot.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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19 Antworten zu Natur, Mensch und Technik in der Moderne (3): Die Stadt

  1. gann uma schreibt:

    Ich denke, es geht um positive Abhängigkeit und um Synergie, der abhängige Mensch braucht seinesgleichen, und zusammen haben sie weniger Energieverluste bei der Bewältigung der Arbeiten. Geben und Nehmen, Ergänzung, Ausgleich. Gemeinnutzen.
    Wenn die Stadt zu groß wird, fehlt der Ausgleich. Es gibt Gewinner und Verlierer, Ungerechtigkeit. Überhänge.

    Die Stadt – als Gedanke – ist sozial. Alle finden statt. Alle haben Platz. Alle tragen bei und alle ernten.
    Die Stadt – als Moloch – ist asozial. Ausgrenzung. Ausnutzung. Abhängigkeit im Negativen. Manipulation. Missbrauch.
    ~~~~
    Die kleine Gemeinschaft grenzt auch aus. Sie sucht sich ihresgleichen. Ach, wir sind so nett, so harmonisch, was kannst du beitragen, du bist willkommen (die Bedingung wird verschwiegen, denn die Geburtshelfer sind alle so nett und harmonisch, sie kennen keine bitteren, traurigen, unfreundlichen Menschen, die sich nicht anpassen wollen.)
    Die Stadt als Grundgedanke ist mir sympathisch. Alle haben Platz – auch der unfreundliche Nachbar, der verbitterte Witwer, die verrückte Frau, die mit sich selbst spricht.

    Und niemand muss dankbar sein, denn
    die Stadt ist für alle da.

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    • gkazakou schreibt:

      ich kann dir eigentlich nur in allem zustimmen und „herzlichen Dank“ für die interessante Weiterführung und Ergänzung meines Eintrags sagen. Unterstreichen möchte ich fast alles, von Synergie und Ausgleich bis hin zu Ausgrenzung. Tatsächlich sind Städte eine gute Erfindung, gerade auch für nicht so gern in Gruppen integrierte Menschen. Wenn sich Städte zu riesigen Konglomeraten auswachsen, wie es in den meisten Weltgegenden der Fall ist, verkehren sich die Vorteile in Nachteile. Es kommt eben auch hier auf Maß und Zahl an

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  2. kowkla123 schreibt:

    richtig, sie ist für alle da, aber wie man das gestalten kann, super, ansonsten sag ich nur, :“Halte durch bei der Hitze.“

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  3. ann christina schreibt:

    Hallo, liebe Gerda,
    was für ein interessanter Post und alles so schöne Bilder! Ich stecke gerade fest mit meinen Bildern, da tat es ganz gut, diese vielen zu sehen, die so unterschiedlich und doch alle in sich großartig sind.
    Ein Professor von mir hat mal gesagt, dass der Mensch ein „Distanzwesen“ sei, also gar nicht so sehr sozial. Ich finde den Gedanken recht spannend und kann ihm für mich viel abgewinnen, da ich eher ein Einzelgänger bin und am liebsten allein. Trotzdem brauche ich den Austausch und Freunde, um nicht zu vereinsamen. Vielleicht entsteht aller Konflikt in diesem Grunddilemma, das wir alle eigentlich Distanzwesen sind, die einander aber doch zum überleben brauchen.

    Zu Stadt und Dorf noch kurz: Wir suchen gerade eine Wohnung oder ein Haus und würden gern in der Stadt bleiben, aber die Preise treiben einen ins Dorf. In vielen Dörfern schwingen mir aber mittlerweile zu viele Deutschlandfahnen in den Gärten, was die Entscheidung schwierig macht, da wir in das Deutsch-Sein nur bedingt rein passen und ich mich da nicht so willkommen fühle. In der Stadt, vor allem in den „bunten“ Vierteln, ist man immer willkommen, das ist halt schon schön. Aber wer keine Millionen hat, darf eher vom Stadtrand aus partizipieren. Und da fängt Deutschlandfahnen-Land oft schon an… Alles nicht so einfach 😉

    Liebe Grüße und einen schönen Tag für dich!

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Ann Christina, der Mensch ein Distanzwesen? Nun, den Ausdruck finde ich verfehlt, da wir auf unsere Mitmenschen angewiesen sind, egal ob es uns passt oder nicht, und „Ausschließung“ zu unseren schwersten wohl in den Anfängen der Menschheit begründeten Ängsten führt. Wir sind aufeinander in sehr hohem Maßen angewiesen, um zu überleben, und haben darüber hinaus auch die Kommunikation mit anderen Menschen nötig, um uns normal zu entwickeln und unsere geistigen Kräfte zu erhalten. Der Säugling braucht das, aber auch beim Erwachsenen führt zB eine langdauernde isolationshaft zu Verrücktheit.
      Diese Angewiesenheit ist natürlich auch unbequem. Wir kennen den Konflikt im Jugendalter, wenn der junge Mensch sich frei zu kämpfen versucht von seinen Eltern, die ihn aber weiterhin ernähren und beschützen. Auch das Bedürfnis, sich als Erwachsener von Menschen und Gemeinschaften zumindest zeitweilig fernzuhalten, kennen wir aus eigener Erfahrung. Die anderen sind uns oft lästig, und die Einsamkeit ist uns willkommen, um „zu uns selbst zu kommen“. Aber das macht uns noch nicht zu Distanzwesen. Denn wir bleiben weiterhin an den Kontext von Geben und Nehmen gebunden, der uns am Leben erhält.
      Für deine Kunst wünsche ich dir befreiende Schritte!

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      • ann christina schreibt:

        Vielen Dank, liebe Gerda, die kann ich wahrlich brauchen gerade.
        Ich gebe dir vollkommen Recht, dass der Mensch andere Menschen braucht, auf sie angewiesen ist und auch von ihnen abhängig. Trotzdem denke ich, dass die Sache mit dem „Distanzwesen“ nicht ganz falsch ist, aber wenn er eines ist, dann ist er doch auch immer angewiesen auf andere Menschen. Es geht in jeder Beziehung um die Ausgewogenheit von Nähe und Distanz, in der Gesellschaft geht es oft um „das Eigene“, „das Fremde“, erst in der Abgrenzung von anderen, in der Distanz, im „anders“ sein finden und andere als „anders“ definieren (im Guten und Schlechten), definieren wir uns selbst (wie du auch schreibst). Ich denke, den Mensch NUR als Distanzwesen zu definieren, ist falsch, da würde ich auch meinem Prof widersprechen. Aber da er die Abgrenzung zu anderen genauso braucht, wie die Nähe, würde ich sagen, er ist auch ein Distanzwesen. Ein „Ich“ entsteht erst in der Abgrenzung vom „Du“. Sehr verallgemeinernd gesprochen natürlich…
        Liebe Grüße und einen schönen Tag dir!

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    • gkazakou schreibt:

      Mir gefällt deine Formulierung: „Es geht in jeder Beziehung um die Ausgewogenheit von Nähe und Distanz“, und auch deiner Anmerkung stimme ich zu, dass wir uns in der Abgrenzung vom Anderen als Eigenes erleben und wahrnehmen. Dass also die Ich-Findung mit Distanzierung einhergeht. Doch auch dabei ist der „andere“ unverzichtbar, Man braucht ihn. Ohne das „du“ kein „Ich“.
      Den Ausdruck „Distanzwesen“ kann ich daher weiterhin nicht richtig finden, zumal er unterstellt, dass man auf den Ausgleich von Geben und Nehmen verzichten könnte. Die Vorstellung, als Einsiedlerin in einer Höhle in den Bergen hausen zu wollen, ist mir zwar nicht fremd, aber ich weiß, dass sie auch illusionär ist. In mir leben ja schon so viele „andere“, und die würde ich mit in meine Höhle nehmen, um mich an ihnen abzuarbeiten. Außerdem würde ich Kleidung tragen, die ich nicht selbst aus Tierfellen gefertigt hätte, und mich nur von Wildkräutern, Heuschrecken und wildem Honig zu ernähren wie Johannes der Täufer, würde mich nicht am Leben erhalten, ich würde verhungern und wahrscheinlich vorher verrückt werden.
      Also ist es besser zu akzeptieren, dass wir Gemeinschaftswesen sind, und dass es besser ist, das Gemeinwesen (Staat, Stadt, Nachbarschaft, Firma, Schule etc pp) aktiv zu gestalten, anstatt aus ihm fliehen zu wollen. 🙂

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      • ann christina schreibt:

        Da hast du Recht, sich einzubringen und so wenigstens zu versuchen, etwas zum Besseren zu bewegen, hilft ja nicht nur dem Ganzen, sondern auch einem selbst. Ohne Du kein Ich ist interessant, wahrscheinlich ist es so. Es erinnert mich ein wenig an die Geschichte mit dem Baum: Wenn im Wald ein Baum umfällt und niemand hat es gesehen, ist er dann tatsächlich umgefallen? Aber das würde nun zu weit führen… 😉

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  4. gann uma schreibt:

    Hundertwasser fehlt hier irgendwie.

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      • gann uma schreibt:

        Nee, bestimmt noch mehr. Leider kenne ich nicht so viele Stadtbilder. Hundertwasser fällt mir ein als organisch-positiver Stadtbildner. Georgia O’Keefe hat ein paar sehr futuristische Ansichten, aber die haben meiner Meinung nach eher ästhetisches Wollen.

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    • gkazakou schreibt:

      ich hab mich hier ja auf den Anfang des 20. Jahrhunderts beschränkt (sieht man mal von meiner Stadt ab) – abr es wäre sicher interessant das Bild der Stadt durch die Jahrhuunderte zu verfolgen….

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      • gann uma schreibt:

        Ja, das hab ich mir gedacht. Wie gesagt, kenne ich mich nicht so aus.
        Die Darstellung des Ideals hat mir nachträglich gefehlt.
        Zu der Zeit dürfte aber auch die Wahrnehmung der Stadt als – zu dieser Zeit – entfremdet vorgeherrscht haben, und die Künstler nach Tatsachen gesucht haben.

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      • gann uma schreibt:

        Dein Bild mit den Kabeln erinnert mich an Bilder von orientalischen Städten. Deren Versorgungsleitungen (auch Kanäle) sind oft fast organisch, provisorisch, zusammengestückelt, und aufdringlich SICHTBAR, während das im Westen diskret, geradlinig, sicher oder gar nicht sichtbar ist.
        Ich persönlich finde diese Gnubbelstädte eher unromantisch, und stell mir immer vor, was da so alles passieren könnte. Schön ist es auch nicht.
        Aber es ist für die Wahrnehmung von Städten bezeichnend.

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    • gkazakou schreibt:

      Ach so, ja, ich verstehe: das Ideal. darauf geht ja in gewisser Weise auch dein Kommentar hinaus.Was ist wünschbar. In den Bildern geht es wohl eher darum, eine Formel zu finden für das, was man als Wirklichkeit erlebt.

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      • gann uma schreibt:

        Die zeitgebunden ist. Obwohl große Städte im Mittelalter auch weit von Idealen entfernt waren.
        Oder war Babylon jemals nicht schmutzig? (Metapher)
        Rom hat so was von Ideal, finde ich.

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Gun Umma, auch das ist ein interessantes Thema: wie stellte man sich im Laufe der Epochen die „ideale Stadt“ vor – und inwieweit entsprachen die tatsächlichen Städte diesem Ideal ? Gewandelt haben sich ja nicht nur die Städte, sondern auch die Ideale, und die sich dann auch noch von Volk zu Volk verschieden (ganz zu schweigen von unserem persönlichen Ideal….)
      In dieser ganze Reihe interessiert mich das ideal nicht so sehr wie das, „was ist“, und welcher künstlerische Ausdruck dafür gefunden wurde – mit dem Ziel, meine eigene Ausdrucksform weiter zu klären. Liebe Grüße zu dir!

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  5. www.wortbehagen.de schreibt:

    Mit der Industiealisierung kamen die Städte und sie waren als Heimstatt gedacht, doch mit der Masse der Menschen kam die Anonymität. Auch die Dichter des Expressionismus haderten mit den Fehlentwicklungen und beschrieben Nachteile und Düsternis. Sie sind wie Spiegelbilder der wundervollen Bilder, die Du zeigst, liebe Gerda
    Rilke sagte *Die Städte sind Mordbrenner, die Menschen verlieren ihre Mitte.
    Für Gemeinschaften ist der Mensch gemacht, auch wenn er so gerne mal im *Abseits* steht und betrachtet, wie sich die *Geheimschaft* bewegt, die oft schon so lange keine mehr ist.
    Ich lebe in einem Dörfchen, schon sehr lange und habe zwei Städte in meiner Nähe. Nicht alles ist schlecht, was ich da finde, schließlich leben beide Töchter darin, aber sie leben in Stadtteilen, die lebendig blieben und es handelt es sich nicht um Weltstädte, denn da kann ich nicht mitreden, weil ich sie nicht mag und deshalb meide …

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Bruni, herzlichen Dank! Die Städte kamen natürlich nicht erst mit der Industrialisierung, die gibt es seit dem Altertum, zB Rom war zur Kaiserzeit schon eine anonyme Riesenstadt, ein „Moloch“. aber andererseits stimmt es auch, dass die Städte Europas sich mit der Industrialisierung sehr vergrößerten, zu eleganten Weltstädten wurden und zugleich in Teilen verelendeten. Denn die Landbevölkerung strömte herein, auf der verzweifelten Suche nach Arbeit.
      Heute sind es die Metropolen der „Dritten Welt“, die zu riesigen Konglomeraten heranwachsen und außer dem alten Kern und einigen wohlhabenden Vierteln kaum noch die Kraft haben, das Ganze zusammenzuhalten und zu gestalten. Mexiko City zB hat ein großartiges Zentrum, angenehme Wohnviertel, auch einen riesigen Universitäts-Campus und einige sehr schöne Erholungsgebiete, aber die meisten der insgesamt 20 Millionen Bewohner leben in den völlig unstrukturierten Favellas, die sich immer weiter über die Hügel hinweg ausdehnen.

      Die modernen Klein- und Mittelstädte Deutschlands, in denen deine Töchter leben, haben nichts mit dieser Bewegung hin zu modernen Ballungsräumen zu tun, sie sind vor allem Wohnorte mit differenzierten Dienstleistungen, sozialer Infrastruktur. etwas Industrie und viel bäuerlichem Umland, Und dein Dorf ist an diese Mittelstädte verkehrstechnisch angebunden, so dass es dir ein Leichtes ist, dort zu wohnen und doch an den Vorzügen der Städte teilzunehmen.

      Zur Zeit, als die Bilder entstanden (vor dem 1. Weltkrieg) war die künstlerische Beschäftigung mit der modernen Stadt und der Industrialisierung noch ganz neu.Es gab einige wenige Maler, denen es gelang, eine Bildsprache für dieses neue Phänomen zu finden, Einer davon ist Fernand Leger. Delauney hingegen zog es mehr zu den farbigen Schwingungen, in denen sich alle harten Dinge, auch die Städte, auflösen ließen.

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