Vergehen und Werden – Entwerden und Vergehen

Gestern war ich, nach dem Libellen-Bach, noch in einem Gebiet oberhalb von Kalamata, dessen Wald bei dem großen Brand von 2007 weitgehend vernichtet wurde. Aber ein paar schöne Pinien blieben stehen. Und rund um diese alten Pinien haben sich neue angesiedelt. Der Wald regeneriert sich in Griechenland schnell, denn die Kalkböden sind fruchtbar. Voraussetzung ist allerdings, dass es ein paar alte Bäume gibt und der nächste Brand nicht zu schnell folgt. Sonst können sich die kleinen Schösslinge nicht bis zur Samenbildung entwickeln.

In den kleinen Wäldchen lagen leider verwesende Tiere, und (denn) in der Nähe gibt es einen Jägerverein – eine andere Pest. Und so kam mir ein altes Bild in den Sinn, das ich „Entwerden“ nannte. Ich habe es schon früher einmal gezeigt, vielleicht  erinnerst du dich. Es ist mit Naturmaterialien, Pigmenten und Kleister auf Leinwand gemacht.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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25 Antworten zu Vergehen und Werden – Entwerden und Vergehen

  1. Ulli schreibt:

    Vergehen und Entwerden (klasse Wortschöpfung!), das ist leider auch das Leben. m natürlichen Rhythmus habe ich damit wenig Mühe, aber all das Morden und Jagen ist wirklich eine weitere Pest. Hier wird mir immer gesagt, dass es Jäger geben MUSS, weil es sonst zu viele Tiere werden. Ja klar, die Menschen nehmen ihnen ja auch immer mehr Raum und dann meint er eben auch einschreiten zu müssen. Wie es wohl wäre, wenn man dem bisschen Natur seinen Lauf lassen würde?
    Die Bilder sind bedrückend, wie das Thema selbst…
    herzliche Grüße, Ulli

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    • kopfundgestalt schreibt:

      Natur hat eigentlich Seltensheitswert. Schon der prähistorische Mensch hat gerodet und in Baumbeständen großflächig (auf einer Länge von 50 – 100 km) eingegriffen.
      Es ist eine Mär, daß erst der industrialisierte Mensch grössere Eingriffen vornahm.

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      • Ulli schreibt:

        Ich weiß jetzt nicht genau von welcher Zeit du genau sprichst, aber das ist auch erst enmal nicht so wichtig, ich habe nie behauptet, dass der Mensch an sich nie in die Natur eingegriffen hätte, aber in den alten Zeiten hat er MIT der Natur gelebt und nicht GEGEN sie. In den alten Zeiten brachte man der Erde, ihren Bewohnern (Pflanzen und Tieren), ihren Schätzen (Wasser und Nahrung) Dankbarkeit und Wertschätzung entgegen und natürlich bediente man sich auch, aber man nahm nicht mehr als man brauchte, etc. – und hier liegt für mich der Unterschied.

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      • kopfundgestalt schreibt:

        Das glaube ich nicht, Ulli: „aber in den alten Zeiten hat er MIT der Natur gelebt und nicht GEGEN sie“.
        Der Mensch war m.E. schon immer ausbeuterisch.
        Wir können darüber aber gerne diskutieren.
        Ich glaube einfach, daß Mensch schon immer so war wie er sich jetzt zeigt.
        Es gibt Evidenzen dafür.

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      • Ulli schreibt:

        da ich jetzt gleich für 10 Tage verreise möchte ich nun nicht diskutieren – es gibt auch heute noch Völker, die mit der Natur leben und nicht gegen sie, die Aborigines, die Samen, andere Nomadenvölker, die Indianer…
        ich wünsche dir eine gute Zeit, herzlichst, Ulli

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      • kopfundgestalt schreibt:

        Gute Zeit, wo immer Du sein wirst. 🙂

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      • Ulli schreibt:

        Danke Gerhard, die hatte ich 🙂

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      • gkazakou schreibt:

        Ich weiß nicht, woran Gerhard dachte. In der Bronzezeit wurden jedenfalls bereis große Paläste, Tempel, Befestigungsanlagen gebaut, große Kriege geführt etc. Man denke an Troja.

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      • gkazakou schreibt:

        danke, Gerhard. das ist ein interessanter Artikel. Ich musste lachen über die Aussage, dass man bis heute nicht sicher sei, welche Rolle der Mensch bei der Ausrottung der Großtiere und damit indirekt beim Klimawandel gespielt hat. Vielleicht grübeln Wissernschaftler in einigen tausend Jahren darüber nach, welchen Beitrag die heutige Menschheit zum heutigen Artensterben und indikekt zum Klimawandel geleistet hat….

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      • kopfundgestalt schreibt:

        Ja, diese Faktoren über die Ausrottung der Megafauna sind nicht leicht zu fassen.
        WENN man sieht, WAS die Menschen damals schon in der Umwelt „geleistet“ haben, dann ist das Heute eine millionenfache Potenzierung. 😦

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Ulli, gute Reise! Zur Diskussion: ihr habt wohl beide recht. Auch alte Völker haben „gegen die Natur“ gelebt, haben Riesenbauten aufgeführt ( zB die Azteken, die Sumerer, die Babylonier, die Ägypter) oder für ihre Flotten die Berge abgeholzt, bis kein Baum mehr stand (zB die Griechen). Es handelt sich um diie sogenannten Hochkulturen. und es gab andere Völker, die „mit der Natur“ lebten und es teilweise bis heute tun. Im Unterschied zu heute war früher das Destruktivpotential technisch viel begrenzter und es lebte nur ein Bruchteil der heutigen Menschheit auf der Erde.

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  2. kopfundgestalt schreibt:

    Entwerden, was für ein Wort!

    Dein Gemälde ist ganz schön erschreckend.

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  3. mynewperspective schreibt:

    Interessante und passende Wortschöpfung, liebe Gerda. Das Bild finde ich verstörend und somit sehr passend zu dem Text und zu dem was Du ausdrücken möchtest. Auch hier zeigt sich wieder wie Nahe das Positive und Negative beisammen liegen. Deine letzten Beiträge (in meinem Kopf) grafisch dargestellt, würde die Kurve mal weit rauf (positiv, schön, lebendig, …) und wieder weit runter (negativ, verstörend, traurig, …) gehen.

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  4. www.wortbehagen.de schreibt:

    Entwerden ließ mich stutzen, hatte ich beim flüchtigen Lesen doch an Entwerten gedacht. Das stopfte ich nun ganz schnell tief nach unten in mein Denken zurück und ließ mich auf Deinen Text ein. Denn es war sooo falsch hier.
    Das kleine Pinienwäldchen, wie gut, daß es die Jahre über wachsen konnte und nun ist es so wunderschön, wären da nicht die verwesenden Tiere… Ach Gerda, ich höre immer von Hege, doch die Jäger morden in meinen Augen und scheinbar lassen sie Wild liegen, als wäre es nie lebenswert gewesen… Dann gehen sie nachhause und küssen und drücken Kinder und Enkelkinder. Mir graust mal wieder vor dem Menschentier.
    Deine älteren Werke sind erschreckend gut und zeigen, was ich fühle und nun ist es das Entwerden, das irgendwie auch ein Entwerten ist, ein Entwerten des Lebens schlechthin

    Ich grüße Dich an einem glühendheißen Donnerstag

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    • gkazakou schreibt:

      Vielen Dank Bruni für dein Nachdenkenswertes. Hoffentlich leidest du nicht zu sehr unter der Hitze.

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    • gkazakou schreibt:

      Die Hitze hält sich in Grenzen. Hier ist es normal sommerlich, die Zikaden lärmen. In Athen – insbesondere in unserer Wohngegend Maroussi, wo unsere vom Brand betroffenen Verwandten untergekommen sind – gabs heute heftige Unwetter, mit katastrophalen Überschwemmungen, aber unser Haus hat kein Problem. In Attika sucht man weiter nach Vermissten, heute fand man zwei verkohlte Leichen und ein Mann starb im Krankenhaus (macht 82 Tote). Doch wer mag das Wort „katastrophal“ heute noch benutzen! Grad las ich, dass der IS eine Drusenregion in Syrien überfallen und 300 Menschen massakriert hat.

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