Ein Selfie a la Myriade. Aufgenommen in der Santa Maria im Capitol, Rom.
„Die Grenzen der Seele wirst du nicht finden, auch wenn du alle Wege durchwanderst. So tiefen Grund hat sie.“
Heraklit, griechischer Philosoph (520 v.Chr.-460 v.Chr.)
Ein Selfie a la Myriade. Aufgenommen in der Santa Maria im Capitol, Rom.
„Die Grenzen der Seele wirst du nicht finden, auch wenn du alle Wege durchwanderst. So tiefen Grund hat sie.“
Heraklit, griechischer Philosoph (520 v.Chr.-460 v.Chr.)
„Noch mal Bröckchen spielen?“ locke ich Dora, die in der Stube herumhampelt und den Pinocchio zum Schaukeln bringt.
„Ach nö!“ kräht sie „Jetzt nicht! Morgen!“ und gibt dem Pinocchio einen kräftigen Schubs, indem sie auf seine ausgestreckte Hand springt.
Na schön, morgen also. Mal sehen, welches Thema der Italienreise dann erscheint.
Der rote Coca-Cola-Sonnenschirm im kleinen Gartenlokal tauchte meine Espressotasse – real und gezeichnet – in rötliches Licht.
Die Zeichnung farbbereinigt:
Witzig finde ich, wie sich der Holztisch hinten aufbäumt. Die perspektivisch falsche Linie zwischen den Tischbrettern hat einen erstaunlichen Effekt. Korrigiert, mit einem Foto überblendet und angepasst :
Folgende Überlegungen, liebe Myriade, möchte ich gerne in den Kontext deiner Impulswerkstatt stellen, auch wenn sie unabhängig davon entstanden sind. Dein Foto ist ja in gewisser Weise selbstreferent: Es zeigt eine Fotografin beim Fotografieren – die Fotografierende befindet sich in einem architektonischen Raum, der ihr Tun interpretiert – du fotografierst deinerseits eine Person im Raum, erzeugst ein Foto, das ich betrachte. Welches ist nun die „Erzählebene“, an die ich anknüpfen möchte?
Ich knüpfe an die Ebene „Menschliche Figur im architektonischen Raum“ an und wie sich der/die Betrachtende (ich) damit verbindet.
Das Verhältnis von Figur und Landschaft/Architektur zu studieren, ist kunstgeschichtlich und philosophisch höchst interessant. Von den reinen Figurenbildern des Mittelalters über die Renaissance, als der Goldgrund durch Landschaftsausschnitte ersetzt wird…. bis zum 19. Jahrhundert, als die Landschaft zum eigenständigen Bildmotiv wird, ist ein weiter verschlungener Weg, den ich hier nicht nachzeichnen kann. Verkürzt kann man sagen: Ist Landschaft zunächst nicht viel mehr als „Staffage“ – d.h. Beiwerk, um den freien Raum zwischen den Figuren zu füllen -, so dreht sich das Verhältnis bis zum 19. Jahrhundert um: Landschaft wird zum eigenständigen Motiv, während die Menschen ihrerseits zu Staffage verkümmern.
Sind sie deshalb aber für den Bildaufbau überflüssig? Könnte man sie auch weglassen? Wie verändert sich ein Bild, wenn es durch Menschen belebt wird? Das fragte ich mich beim Betrachten der Fotos, die ich aus Perugia mitbrachte.
Eine Treppe in Perugia, die zwei mir unbekannte Menschen hinuntergehen.

Winzig klein sind die Spaziergänger in der großen Stadtlandschaft. Sie sind anonym, reine Staffage. Und doch konzentriert sich der Blick gerade dort, wo sie gehen. Gedanklich gehe ich mit ihnen, höre ihren Schritt, Ohne sie wäre es eine hübsche, aber leblose Stadtansicht.
Die menschliche Figur ist die organisierende Kraft im Bild. Ich nehme an, das liegt daran, dass ich mich automatisch in ihre Lage versetze und von ihrer Position aus die Welt ordne. Sicher, ich blicke von einem „dritten Standpunkt“ auf Person und Architektur – beide sind für mich Objekt. Dennoch geht die Subjekthaftigeit, die jedem Menschen eigen ist, nicht ganz verloren. Ich kann mich mit ihm identifizieren.

Der Mensch, obgleich ein anscheinend nebensächlicher Teil der Komposition, öffnet einen Raum der Innerlichkeit (Subjektivität) in der Welt der Objekte.

Ein überwölbter Durchgang in Perugia. Ich stehe an seinem Eingang und schaue hindurch zum anderen „Ende des Tunnels“. Wie ausgegossene Farbe das Himmelsblau auf dem hellen Pflaster. Wie ist das möglich, frage ich mich?
Auch wenn ich nahe heranrücke (Bildausschnitt), bleibt es ein Geheimnis. Wer kann es enträtseln?
Übrigens: Dummerweise habe ich meinen Computer von alten Einstellungen „gesäubert“. Dabei ging auch mein Zugang zum klassischen Editor verloren. Erbarmen! Nun stehe ich etwas hilflos da, muss mich an dieses Block-Dings gewöhnen, was mir gar nicht gefällt.
Die „Göttin auf dem Schwan“, die ich vorhin ins Netz stellte, gefällt Dora.
Endlich nicht nur Häuser und Menschen! Tiere seien doch viel witziger! Wenn ich schon keine Katzen und Hunde aus Rom mitgebracht hätte, so täten es auch andere Tiere.
„Aber Dora“, sage ich, „jetzt bist du ungerecht. Ich habe doch schon Vögel gezeigt, sogar gleich als Erstes!“
„Ja, schon. Aber hast du sonst keine Tiere?“ – „Vielleicht“, sage ich. „wir können ja mal nachsehen.“ Und das tun wir.
Als Erstes begegnet uns ein junger Zentaur. Den aber lässt Dora nicht als Tier gelten. „Quatsch“, kräht sie. „Tiere sind anders.“ – „Schon“, gebe ich zu bedenken, „dies ist ein Mischwesen (mehr dazu hier). Wie du vielleicht schon gemerkt hast, haben wir Menschen ganz schön viel Tierisches an uns. Und wenn es, wie hier, ein Pferd ist, das Kraft und Schnelligkeit symbolisiert, ist doch nichts dagegen zu sagen.“ – „Doch!“ entgegnet Dora entschieden. „Überall setzt ihr den Menschen drauf. Könnt ihr die Tiere nicht mal sie selbst sein lassen?“ – „Das ist schwierig, wenn es sich um Kunst handelt, Dora“, murmele ich und scrolle weiter durch die Fotos. „Kunst ist ja menschengemacht. Die Tiere… Schau mal, hier ist ein Hund zu sehen!“
Es ist eher ein Hündchen, doch sein Ausdruck zeigt, dass er weiß, was er wert ist. Und das wäre? „Schoßhunde wurden zumeist von Damen als Luxushunde oder Spielgefährten gehalten. Ihre eigentliche Aufgabe war es, durch die höhere Körpertemperatur die Flöhe abzuziehen“, zitiere ich Wikipedia und grinse. „Tiere zu Tieren“.
Dora kann sich nur schwer von dem Hündchen trennen. „Drollig“ und „schnuckelig“ findet sie ihn. Ich freue mich über ihre Wortvermehrung. Das ewige „cool“ und „supercool“ ist mir echt zu minimalistisch.
Mit dem Widderkopf auf Caravaggios Bild von Johannes dem Täufer (das Portrait, das eher einem jungen Bacchus gleicht, wird dem Täufer zugeordnet) locke ich Dora weiter. Den findet sie nun „süß“. Na, ich weiß nicht. Ich würde ihn eher gedankenvoll nennen. Das Zeitalter des Widders wurde ja damals, zu Jesus‘ und Johannes‘ Geburt, beendet. Der Widder stirbt, die Fische ziehen herauf. Drum nannte man Jesus das „Lamm Gottes“ und nicht das „Kalb Gottes“ oder den „Fisch Gottes“ – das Zeitalter der Stiere war schon vorbei und das der Fische zog gerade erst herauf. IXΘHΣ (Fische), das Anagramm für Ἰησοῦς Χριστός Θεοῦ Υἱός Σωτήρ (Jesus Christus Sohn Gottes Heiland) wählten etwas später die Christen als Codewort und Symbol. In unserem Jahrhundert verziehen sich langsam die Fische, und es dämmert der Wassermann herauf, der irgendwie besser zum Täufer passt, finde ich. Werden wir es erleben – das Wassermannzeitalter, in dem der Messias wiedererscheinen wird, wie die Eschatologen sagen?
„Apropos Stier: der hatte seine Hochzeit in der Minoischen Zeit (Minotaurus hier, und auch hier), als der Frühlingspunkt in das Zeichen des Stiers eingetreten war, aber er herrschte auch noch zu Alexanders Zeiten – ein astrologisches Zeitalter dauert nämlich 2160 Jahre. Bukrania (Stierschädel) sieht man ständig auf den hellenistischen und römischen Friesen“, sage ich im Bemühen, Dora ein wenig Geschichtsbewusstsein zu vermitteln. „Stierköpfe hatte man auch haufenweise in echt, weil man die Tiere, um die Götter milde zu stimmen, hekatombenweise opferte. Diese Girlande stammt vom Grabmal des Augustus, der zu Jesu Zeiten in Rom regierte. Die alten Römer hatten offenbar noch nicht begriffen, dass eine neue Zeit heraufzog.“
„Hekatomben?“ fragt Dora. Der Rest meines Sermons geht in ihr eines Ohr rein, aus dem anderen raus, ohne ihr Hirn, geschweige denn ihr Herz zu berühren. „Ja, eine Hundertschaft,“ antworte ich knapp. „Hundert Stiere?“ – „Ja!“ – „Und die wurden auf einen Haufen geschlachtet?“ fragt Dora entsetzt. „Nun ja, gelegentlich, bei besonderen Anlässen. Immerhin besser, als was heute in den Schlachthäusern geschieht“, brummele ich. „Meistens opferte man nur ein schönes und geschmücktes Tier, das man besonders liebte. Damit wollte man den Gott freundlich stimmen oder ihm für eine Wohltat danken. Ein Teil des Fleisches verbrannte man, den Rest aß man dann selbst. Hier siehst du so eine Opferszene. Der Bärtige ist Gottvater Zeus.“
Um dem Thema „Tieropfer“ und „Schlachthaus“ zu entkommen, scrolle ich weiter und bleibe bei einer Eberjagd hängen. Die kenne ich gut – also nicht die Darstellung, sondern den dazu gehörigen uralten Mythos. Ich habe davon in meinem Romanfragment „Schwanenwege“ erzählt. Und ein bisschen auch hier, anlässlich eines Besuchs im Athener Nationalmuseum.
Schnell weiterscrollen! Etwas Hübsches, Unverfängliches finden! Pferde? Aber diese schönen Tiere werden als Reit- und Schlepptiere in Schlachten auch zu Hekatomben geopfert. Das Wort „Schlachten“ meide ich besser.
Der Widder, mit dessen Hilfe Odysseus der Höhle des Zyklopen entkam? Bloß nicht! Dann muss ich auch das ganze Drum und Dran erzählen! Ist übrigens eine meiner Lieblingsgeschichten, hier nachzulesen.
Garibaldi hoch zu Ross? Auch das wäre eine Geschichte wert: Garibaldi (1807-1882), seine Rolle in Italiens Unabhängigkeitskampf und Rissorgimento etc pp, hier aber ginge es um sein Ross, von dem ich nicht mal den Namen weiß.
Gibt es denn gar keine unmythologischen, unhistorischen, unmenschlichen Tierdarstellungen? Tiere, wie sie – an und für sich – sind? Vielleicht jener Löwe, der eine Treppe in Perugia bewacht?
Ich weiß nicht. Ich muss weiter suchen. In Hochkulturen scheinen die Tiere vollkommen in die Menschenwelt eingebunden und domestiziert zu sein – ganz anders als bei den vorzeitlichen Höhlenmalern (hier) und dann wieder seit dem späten 19. Jahrhundert, als mit Henri Rousseau oder Franz Mark eine neue Sicht auf die Tierwelt eingeläutet wurde – vielleicht, weil Tiere durch die industrielle Revolution aus dem Alltag der Menschen weitgehend verschwanden und uns eine tiefe Sehnsucht nach ihrer wahren Natur packte.
Perugia – Hauptstadt von Umbrien – liegt mit schweren Stadtmauern befestigt hoch über dem teils ebenen, teis hügelig-bewaldeten Land. Seit dem 4. vorchristlichen Jahrhundert ist hier die Existenz einer etruskischen Siedlung belegt. Von den Römern wurde sie Perusia genannt. Sie hat seither nie aufgehört zu existieren und sich zu behaupten: wehrhaft, mit einer selbstbewussten bürgerlichen Kultur, die auch durch das Papsttum, das hier lange herrschte, nicht gebrochen wurde.
Heiß ist es, doch ein kleiner Wind macht die Hitze erträglich. An der Befestigungsmauer stehend, träume ich mich hinaus und hinüber: „Hinter den Hügeln liegt das Meer“. Das Meer – oder meinetwegen auch ein Fluss, ein See – ist das einzige, was dieser eindrucksvollen Festungsstadt fehlt.
Zeichnerisch lockt mich vor allem die Architektur. Ich nehme einen etwas größeren Zeichenblock mit gutem Canson-Papier. Ich will diesmal nicht kritzeln. Sorgfältiges Zeichnen braucht jedoch Zeit, die ich nur selten habe, denn es gibt so viel zu schauen und zu erwandern, und so bleiben manche Skizzen, kaum begonnen oder auf halbem Weg stecken.
Die Stadt liebt und ehrt ihre Maler, allen voran den Meister der „Umbrischen Schule“ Pietro Vanucci (1445-1523), bekannt als Perugino, Raffaels Lehrer.
Leider wird die Nationalgalerie Umbriens, in der sein Hauptwerk zu sehen ist, renoviert und erst am 1. Juli wiedereröffnet – zu spät für uns.
Aber es gibt ein ihm zu Ehren gebautes Denkmal, schön platziert auf einer zum Park erweiterten Aussichtsplatform der Befestigungsmauer.
In meiner Skizze habe ich nur die kompakte Figur des Perugino erfasst, dazu die obere Etage des großen Renaissanzgebäudes, das den Platz abschließt. Das nämlich konnte ich von der Parkbank im Schatten der Bäume sitzend sehen. Um den malenden Engel zu zeichnen, hätte ich in der Sonne stehen müssen …
Während meine Leute Eis löffeln, versuche ich mich noch an einer anderen Ecke des architektonischen Komplexes, der diesen Teil der Stadt abschließt.
Dann reicht es gerade noch zu einer schnellen Cafe-Skizze. Am nächsten Tag werden wir nach Assisi fahren …
„Lass uns wieder Bröckchen spielen“, fordert Dora mich auf, als ich meine aus Italien mitgebrachten Fotos durchscrolle und hier und da hängenbeibe. Na schön, warum nicht. Ich scrolle, Dora ruft Stopp, und es öffnet sich die Galerie Doria Pamphilj.
„Dora?“ freut sich Dora. Ich verzichte darauf, sie zu korrigieren und ihr die Geschichte der großen Genueser Adelsfamilie Doria herzubeten, dessen berühmtestem Spross Andrea Doria Schiller in seinem „repubikanischen Trauerspiel“ Die Verschwörung des Fiesco zu Genua ein Denkmal setzte (*).
Zusammen betrachten wir das Bildnis einer Frau, deren feine Gesichtszüge im flackernden Licht eines Öllämpchens aufscheinen.
Wer es gemalt hat, kann ich nicht sagen, denn zu vieles strömte gleichzeitig auf mich ein. Da merkt man sich nur die großen Namen wie Caravaggio oder Tizian, Rubens oder Leonardo…
„Warum hast du es denn fotografiert, wenn der Maler nicht berühmt ist?“ fragt mich Dora. „Wegen der Beleuchtung“, sage ich. Denn ja, am Tag vor meiner Abreise hatte ich mich mit dem Kerzenlicht befasst (hier). „Schau mal, Dora, da gibt es noch ne Menge ähnlicher Bilder. Die damaligen Maler hatten das Thema entdeckt, ich weiß nicht, wer es zuerst war – vielleicht der Franzose Georges de La Tour, der von 1593 – 1652 lebte und viel draus machte. El Greco und andere Maler des Barock versuchten sich auch darin. Es gab damals ja noch keinen elektrischen Strom, und so wurde alles, sobald es dunkelte, von dem unsicher flackernden Licht brennender Materialien erleuchtet: Öl, Wachs, Holz, Pech, Schmalz … die Reichen verbrannten sogar Bernstein, um Licht zu erzeugen. Irgendwann kam man dann drauf, dieses Licht selbst zum Thema von Bildern zu machen. Heute müsste man entsprechend ein Portrait malen, das von einer Neonröhre angestrahlt wird….“
Dora findet die Idee, ein Portrait unter Neonlicht zu malen, uncool, ein Leben ohne Strom hingegen romantisch und abenteuerlich. „Na, warte mal ab“, sage ich und verziehe meinen Mund zu einem ironischen Grinsen. „Vielleicht erlebst du ja noch ein anständiges Black-out .“ Bei mir aber denke ich: „Bloß das nicht! Ich könnte ja nicht mal mehr ergoogeln, wie man Kerzen macht…
Schweigend scrolle ich weiter. Als Dora STOPP ruft, erscheint eine elegante Dame in Marmor. Aha, wir sind beim römischen Antikenstil gelandet! Ihm vertrauten sich die important persons an, die der hinfälligen Malerei misstrauten und sich lieber im haltbaren Marmor potraitieren ließen. Und so überdauerte diese Dame samt neckischer Stirnlocke die Zeiten
„Männer ließen sich auch gern eine Marmorbüste machen und verlangten möglichst lebenstreue Abbildung in römischer Toga, um ihre Bedeutung zu unterstreichen“, belehre ich Dora und zeige ihr ein paar Exemplare….
„Die Frauen, die offiziell gar keine Macht hatten, sondern nur als Mütter, Ehefrauen, Schwestern zählten, standen den Männern keineswegs nach. Genauso eitel, selbstgefällig und herrschsüchtig überlieferten sie sich ihrer Nachwelt, also uns“.
„Marmorne Selfies!“ witzelt Dora. Ich suche derweil nach moderneren Beispielen solcher Selbstdarstellung, finde auch dies und das. Aber Dora hat genug davon. „Komm, noch mal scrollen, dann reicht es für heute!“ kräht sie.
Ich scrolle brav, sie ruft Halt! und „Ha! Auch du bist Selfie-süchtig!“ Das finde ich ungerecht. Kann man meine bescheidene Selbstablichtung im vergoldeten Rahmen und bei Kerzenfestbeleutung tatsächlich mit den An- und Absichten der marmornen Herrschaften vergleichen? Hat Dora recht mit ihrem Verdacht, dass sich nur das Medium verändert hat, aber ansonsten alles so ziemlich beim Alten ist?
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*In meinem Romanfragment „Schwanenwege“ schwadroniert Herr Mercurius D. Pontevecchio (Wiederverkörperung des antiken Gottes): „Wie sagte Andrea Doria, dieser herrliche Greis? Schweig! Ich bin gewohnt, dass das Meer aufhorcht, wenn ich rede! Köstlich, köstlich. Welch superber Witz! Genützt hat ihm sein Großtun freilich auch nichts.“
Von der kleinen Frühstücksterrasse des Hotels schaue ich über Dächer und Pinienkronen hinweg auf die Kuppel vom Petersdom links und eine andere Kuppel rechts davon, beobachte die Mauersegler und grünen Papageien, bisweilen auch einen Kolkraben auf dem Dach gegenüber oder die langsam durch den Himmelsraum hinschwebenden Möwen. die einen Hauch vom Meer mitbringen. Mein mogendlicher Lieblingsplatz und der Hauptgrund, warum ich noch einmal in diesem Hotel wohnen wollte.
Vom Hügel des Capitols erblickt man ein Stück des gewaltigen neoklassischen Gedächtnisbaus für Victor Emanuel II. Ich saß dort, auf meine Leute wartend, die das Capitolinische Museum sehen wollten.
Vom selben Platz aus, aber in Richtung des Forum Romanum, blickt man auf eine der vielen Kirchen der Stadt und selbstverständlich auch auf einen Pinienstamm im Vorder- und viele Pinien im Hintergrund. Wie sehr ich doch diese Pinien liebe, die so charaktistisch für Rom sind wie die rötliche Farbe der Gemäuer und Dächer, der blassblaue weite Himmel und die darein gesetzten Kirchenkuppeln.
Unser Hotel, das ich vor einign Jahren entdeckte, war früher eine hochherrschaftliche Villa. Daran erinnert der mit Originalstichen und Bildern in schweren Rahmen, Spiegeln, kostbaren Kronleuchtern, Stuckleisten und Fresken gestaltete Aufenthaltsraum. Bisweilen saß ich dort, genoss die Ruhe und das gedämpfte Tageslicht und wartete auf meine Leute.
Der Duchblick zum Empfang und weiter durch ein schön gstaltetes Fenster hinaus auf eine kleine Baumpflanzung.
Lieber noch setzte ich mich, sobald es kühler wurde, auf die schmale Außenveranda mit zwei Marmortischchen inmitten vieler Pflanzen und ließ mir, je nachTageszeit und Progamm, einen Espresso oder ein Bier bringen.
Kam ein anderer Gast und setzte sich an den anderen Tisch, so skizzierte ich den eben heimlich auch. 
In einer Gemäldegalerie sah ich zwei Künstler, die die dort hängenden Bilder sachkundig abzeichneten. Ich verspürte Lust, es ihnen nachzutun. So schaffte es auch der Kopf der Kartenleserin aus einem Bild von Caravaggio (1571 – 1610) in meinen kleinen Skizzenblock.
Von einem anderen Gemälde – es zeigt eine Schöne samt ihrem Möchtegern-Lover – skizzierte ich nur die wichtigsten Kompositionslinien. Denn mit einem so schönen Hintern wie den vom alternden Tizian (1488 – 1576) gemalten wollte ich mich lieber nicht messen.