Dora zum VierundzwanzigstenSechsten: Bröckchen-Spiel (1)

„Und wie gedenkst du deine Reiseerlebnisse zu präsentieren?“ fragt Dora und blickt mir skeptisch über die Schulter, während ich Massen von Fotos abspeichere.  „Ich hoffe, du hast nicht vor, deine Leserinnen und Leser mit endlosen Lichtbild-Shows zu langweilen?“ –

„N-nein“, sage ich zögernd und wundere mich über ihren Ausdruck „Lichtbild-Shows“, der mich an die Dia-Vorträge früherer Zeiten erinnert, mit denen glücklich aus dem Urlaub Heimgekehrte die weniger glücklichen Daheimgebliebenen beglücken wollten. „Nein“, sage ich nun schon entschiedener, „ich werde nur ein paar Bröckchen präsentieren. Welche, weiß ich noch nicht. Vielleicht hilfst du mir beim Aussuchen?“

Dora guckt mich an, als würde ich ihr wie einst Herakles dem Atlas die Welt zum Tragen aufbürden. „Ja, wie denn? Soll ich etwa alle deine Fotos sichten?“ kreischt sie empört.

„N-nein“, stottere ich beschwichtigend, „natürlich nicht. Vielleicht machen wir es wie beim Glückrad?  Ich scrolle die Fotos runter, und du schreist irgendwann Halt?“

Bingo! Dora mag spielen. Dora macht die Augen zu – ich scrolle – und Dora schreit Halt!

Bild 1: Vögel! Ach ja, das war ja das Schönste an Rom überhaupt!  Morgens auf der Frühstücksterrasse über der erwachenden Stadt zu sitzen und in den weiten weiten Himmel zu schauen, durch den Mauersegler flitzen, Möwen gleiten und etwas weiter unten, dort wo die hochstämmigen römischen Pinien mit ihren dunkelgrünen Kronen das verblichene Grün der Zedern und das sattglänzende  der Magnolien überschatten, grüne Papageien hin und her flattern und manchmal kleine Schwärme bilden.

Ich möchte zum Augenblicke sagen: „Verweile doch, du bist so schön!“, doch Dora verlangt eine Fortsetzung des Spiels. Vögel seien in Ordnung, doch gebe es ja auch noch anderes. Ich scrolle – Dora schreit Stopp! und….

Bild 2: „So schön sind deine Füße nicht!“ kräht Dora vergnügt und,  wie mir scheint, ein bisschen schadenfoh.  Denn tatsächlich sind meine Füße, nach 70 km Fußmarsch durch italienische Städte und Museen, ziemlich ramponiert. …. „Um die Füße der Dame geht es hier wohl eher nicht“, gebe ich etwas indigniert zu bedenken.  Worum es dann gehe, wünscht Dora zu wissen. „Doch nicht etwa um den ollen Männerkopp?“ – „Nun“, sage ich, „es geht um eine fromme Geschichte. Die Besitzerin des Fußes war eine schöne reiche Witwe namens Judit, die verführte……  einen Feldherrn namens Holofernes und machte ihn betrunken, dann haute sie ihm den Kopf ab.“  – „Hehee!“ schreit Dora. „Wieso nennst du das eine fromme Geschichte?“ – „Es ist wegen … Also, es handelte sich um Notwehr.“ – „Aber er hat ihr doch gar nichts getan, oder?“ – „Nicht ihr, aber er befehligte das feindliche Heer. Und ohne ihre mutige Tat hätte er vielleicht ihr ganzes Volk abgeschlachtet“, sage ich, nicht ohne nachdenklich hinzuzufügen: „Allerdings darf man bezweifeln, dass es genau so abgelaufen ist. Eine fromme Legende eben. Die Schönheit siegt über das Hässliche, das Gute macht dem Bösen den Garaus. Den Malern gefiel dies Sujet schon immer sehr, weiß der Teufel warum….“

„Machen wir weiter,“  kräht Dora in meine Gedanken hinein. Und so scrolle ich brav, Dora schreit Halt! und springt mitten ins gestoppte Bild 3 hinein. „Cool!“ schreit sie, und „Das nenne ich Kunst!“

Wünschen wir dem fleißigen Bildsprayer, dass Dora ihm Glück bringt und die Kinder ihre Portemonnaie-besitzenden Eltern beschwatzen, eines seiner Machwerke zu kaufen.

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Alle Wege führen nach Rom….

…und in Rom wird mich der erste und letzte Weg an den Tiber führen: morgens im ersten Licht des Tages und auch am Abend und in der Nacht. Immer wieder. Es gibt Dinge, die kann man gar nicht oft genug wiederholen. Auf geht’s!

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So schrieb ich, bevor ich am vergangenen Mittwoch losreiste, und illustrierte mit früheren Tiber-Fotos.

Nun sind wir wohlbehalten zurück.

Heute – Mitternacht war grad vorbei – öffneten wir heimkommend die Tür unserer Athener Behausung. Schwer beladen mit Eindrücken. Einen Ausgehungerten an einen überreich gedeckten Tisch zu setzen, ist nicht ohne Gefahr. Man überfrisst sich leicht. Jetzt geht es ans Verdauen und ans Ausruhen von schier endlosen Wanderungen durch Rom – ja, auch immer wieder am Tiber entlang! – Perugia und Assisi. (Der Schrittzähler kommt auf einen täglichen Durchschnitt von 10 km).

Der Tiber fließt weiterhin, überspannt von seinen Brücken, träge durch sein sommerliches Bett.

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Kerzenfotos (gestern war Fototermin, kleine Beobachtungen)

Es ist Nachmittag und heiß. Das Tageslicht dringt milde durch das Zimmerpflanzengrün. Vor mir auf dem Tisch liegen gelbe Wachskerzen. Anstatt Siesta zu halten, kann ich ja auch mal ausprobieren, wie sich das Kerzenlicht fotografieren lässt. Ich mache drei Fotos:

Das dritte Foto mache ich im Selfie-Modus, weil ich sehen will, ob sich ein Widerschein in meinem Gesicht zeigt wie bei dem berühmten Bild des Jungen mit der Kerze, das Theotokopoulos (el Greco) 1571 als junger Mann in Rom malte und damit seine Meisterschaft bewies.

El Greco, Knabe, der eine Kerze entzündet (El Soplón), 1571/72, Museo nazionale di Capodimonte, Neapel | Foto via Wikipedia

Abb. bei Wikipedia

Nein, auf meinem Gesicht zeigt sich kein Widerschein, es ist wohl auch zu hell dafür. Doch wirken die Flamme und der umgebende Schein anders als bei den beiden Normal-Fotos. Die Flamme ist weniger konturiert und strahlt bis in die Höhe der Zimmerdecke aus – also etwa so, wie man Flammen mit zusammengekniffenen Augen sieht. Der Umriss der Kerze hat sich verbreitert.

Woran liegt das? Liegt es am Selfie-Modus oder vielleicht doch nur am Hintergrund und dem Einfluss des Tageslichts? Ich mache eine Probe aufs Exempel und fotografiere gleich noch mal, aber nun umgekehrt: die ersten beiden im Selfie-Modus und nur das dritte normal.

Die Bildausschnitte sind natürlich nicht genau dieselben, aber die Richtung stimmt. Im mittleren Bild sieht man, dass die Flamme weniger konturiert ist und stärker abstrahlt. Auch fällt auf, dass die Helligkeitswerte im Selfie-Modus höher sind: man sieht im zweiten Foto (im Vergleich mit dem zweiten Foto der ersten Reihe) allerlei Eulen, Spiegelungen etc im Regal, wo sich beim Normalfoto nur eine dunkle Masse zeigt.

Und wozu ist das Ganze nun gut? Nun, erstens weiß ich jetzt, warum mir die Selfies immer so bekloppt vorkommen, denn sie verzerren offenbar in die Breite und leuchten das Objekt stärker aus. Zweitens aber – und wichtiger für mich, hat mir dieser Versuch ein paar schöne Lichtbilder und diese und jene neue Idee eingebracht.  (Anklicken, dann siehst du größer).

 

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Tägliches Zeichnen mit Stift und Bierglas

Das Bierglas in der Hand: Warum es nur leertrinken, und nicht auch zeichnen?

Und den Kugelschreiber, mit dem ich zeichnete, zeichnen? Warum nicht….

Nun ja, ganz so krumm ist mein Daumen nicht. Die Perspektive, die Schatten, der späte Abend, das Bier….

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Dora zum DreizehntenSechsten: Rot-Theapie 2 (kleine Beobachtungen)

Wenn ich wie gerade jetzt aus dem Fenster der Athener Wohnung blicke, sehe ich Rot. Das Rot ist lieblicher als das des Feigenkaktussafts, es spielt ins Rosa oder auch ins Orange, und wird durch die komplementären Grüntöne noch weiter harmonisiert. Unsere Wohnung liegt im ersten Stock, daher sehe ich vom Wohnzimmer direkt in die Akazienblütenpracht hinein (*Bruni klärte mich auf: es ist keine rosa Akazie, sondern eine rosa Mimose!). Etwas niedriger wächst ein Oleander und noch etwas tiefer ranken sich orange Blütentrichter hoch (die Pflanze ist hier sehr häufig zu sehen, aber ich weiß ihren Namen nicht).

Nicht nur ich, auch Dora mag diesen Ausblick. Sie turnt auf dem Geländer herum und bietet den Bienen ihren Honig an.

Gegen die Konkurrenz der lieblichen rosa Mimose kommt sie freilich nicht an.

Der Oleander und die „Tulpenblume“, wie ich sie für mich nenne, sind als Speisekammern für allerlei Insekten auch nicht zu verachten.

Das Päckchen im Zentrum der verblühten „Tulpe“ ähnelt der Geschenkbox, die Dora an ihrem Fuß mitführt.  Als ich ihr von meiner kleinen Beobachtung erzähle, wird sie rot vor Freude.

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Dora zum ZwölftenSechsten: Abheben zum Flug

Dora ist aufgeregt: sie fliegt ja gern, zum Beispiel vom Dach des Hauses zum Wipfel einer Zypresse – da hat sie kein Problem mit.  Als ich ihr sage, dass wir demnächst mit dem Flugzeug fliegen, ist sie Feuer und Flamme. „Wie hoch fliegen wir denn da?“ – Ich gucke gleich mal bei Herrn Google nach, denn ich weiß es nicht. „Ungefähr 10 km Höhe werden wir wohl erreichen“, meine ich dann.“Vielleicht auch zwölf.“

Nun ist Dora baff. „Zehn Kilometer hoch, also so hoch wie wenn man die Straße von hier bis Kalamata hochklappt…“ – „Nee“, sage ich, „das sind nur 8 km, da musst du schon noch ein Stück drankleben.“ – „Und du hast keine Angst, so hoch oben in der Luft?“ wundert sich Dora. „Du traust dich ja noch nicht mal auf ne Zypresse rauf!“ – „Das ist was anderes“, behaupte ich. „Wenn ich auf eine Zypresse klettere, bin ich ganz und gar auf meine Kräfte angewiesen, und damit ist es nicht weit her.  Im Flugzeug aber…“ – „Ja? was ist im Flugzeug?“ – …..

Ich könnte Dora sagen: Ich habe Vertrauen in die Technik und die Techniker, in die Professionalität der Piloten, der Leute vom Tower, der Flugbegleiter, in die gesamte Organisation, ich habe Vertrauen in die Statistik, die mir sagt, dass die Wahrscheinlichkeit, vom Himmel zu stürzen, gering ist. Aber irgendwie zweifle ich, ob ich wirklich so viel Vertrauen habe. Vielleicht habe ich einfach noch nie über die zehn Kilometer Luftraum unter mir nachgedacht? Weil ich es nicht musste? Weil um mich herum ein Gehäuse ist, das Schutz bietet vor Hitze, Kälte, Strahlen und was weiß ich noch. Schließlich sage ich:

„Im Flugzeug sitzt man ganz bequem, und wenn man einen Fensterplatz erwischt hat, kann man gemütlich zusehen, wie die Dinge unten immer kleiner werden. Ein Offizier erklärt derweilen, wie die Masken funktionieren, falls es zu einem Druckabfall kommen sollte. Aber da hört kaum jemand hin, glaube ich. Denn so oft ich geflogen bin, gab es noch nie so große Turbulenzen, dass die Masken…“

Natürlich will Dora wissen, was es mit Druckabfall und Masken und Turbulenzen auf sich hat, doch bin ich überfragt. „Pass du man gut auf, wenn der Offizier die Sachen erklärt“, suche ich mich herauszureden. „Mich interessiert das nicht wirklich. Mich interessiert die Ästhetik des Abhebens vom Grund und wie das Flughafengelände und dann auch die Landschaft unter dem Flügel auftaucht und verschwindet, hernach noch die Wolken und dann nichts mehr.“

„abheben“. Malerei und collagierte Papiere.

Hier zwei Ausschnittvergrößerungen.

Insgeheim aber frage ich mich: Wieso habe ich Vertrauen, dass die Sache mit dem Fliegen schon klappen wird, aber gar kein Vertrauen, wenn es um die Weisheit unserer Politiker geht?

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Rot-Therapie

Man könnte mein neuestes Lieblingsgetränk, von dem ich täglich ein Fläschchen trinke, glatt für Campari halten. Aber in der Fragorita steckt weder das Rot der Schildläuse noch sonst etwas vom Arsenal der insgesamt über 80 streng geheimen Ingredienzien des italienischen Likörs. Nein, nein, Fragoritas Rot ist ausschließlich den Früchten verdankt, aus denen der Saft gewonnen wird. Und das ist der von mir immer mal erwähnte und gelobte wild wachsende Feigenkaktus. Fragorita ist der Handelsname des Getränks, das meine Freundin Nena produziert. Es ist ihre Erfindung. Es ist köstlich, alkohol- und zuckerfrei und sehr gesund. U.a. soll es zu hohe Blutzuckerwerte absenken helfen.  Schau mal hier!

(mamellada.gr, unbezahlte Werbung)

Nenas Business heißt „Mamellada“ – aus Mama und Ellada (Griechenland). Marmeladen und Chutneys stellte sie zuerst her (tut sie immer noch), dann kam der Feigenkaktus hinzu, aus dessen Fruchtfleisch der Saft  und aus dessen Kernen das unvergleichliche Öl gewonnen wird. Inzwischen gibt es noch weitere Köstlichkeiten (aromatisiertes Meersalz, getrocknete Oliven u.a.)

Falls du mehr über diese und andere Produkte erfahren willst, schau mal bei meinem früheren Eintrag vorbei (hier) oder geh auf Nenas Seite mamellada.gr, auch auf FB. Dort kannst du auch bestellen, falls dich etwas interessiert.

 

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Aprikosen

Ein riesiger Aprikosenbaum wächst in unserem Garten.  Ich habe ihn ich weiß nicht mehr in welchem Jahr gepflanzt, fünfzehn Jahre wird es wohl schon her sein. Er wächst breit ausholend wie ein Fächer: im Sommer beschattet er die hohe südliche Hauswand, im Winter scheint die Sonne durch das kahle Geäst und erwärmt das Haus. Eine bessere Klimaanlage gibt es nicht.

Der Baum blüht in jedem Frühjahr, aber Früchte wollte er bisher nicht tragen. Zu groß, sagte man mir. Du musst ihn beschneiden. Das aber wollte ich nicht. In diesem Jahr hat er sich bedankt. Nicht zwei, nicht drei, sondern eine ganze Schüssel voll Früchte haben wir heute geerntet. Andere hatte der Wind schon auf den Boden geworfen. Sie sind so zart, dass sie sofort aufspringen und ungenießbar werden – jedenfalls für uns. Die Ameisen haben kein Problem damit.

Heute erst fiel mir die Kerbe auf, die die Frucht an einer Seite unterteilt. Offenbar ließ ich mir früher nie Zeit, sie zu betrachten, sondern aß sie lieber sofort auf – sonnenwarm, saftig und süß.

Im Herbst dann verfärben sich die Blätter goldgelb und erinnern noch einmal an die Zeit der Frucht.

Ich war neugierig, woher der Name Aprikose kommt. Er klingt ja hübsch nach kosen und Rosen, und da es sich um ein Rosengewächs handelt, wäre das ja naheliegend.…. Aber nein! Der Name hat sich laut Wiki auf einer langen Wanderschaft durch etliche Kulturen gebildet :  vom Lateinischen praecox (frühreif) über das Kirchengriechisch von Konstantinopel πρεκοκκια (prekokkia), dort wandelte er sich ins Arabische al-barqūq, kam als solcher nach Spanien, wo er zu albaricoque wurde. Die Franzosen machten daraus Aprikot und wir Deutsche die Aprikose mit ihren hübschen Assoziationen. 

Die Österreicher aber nennen die Frucht Marille, und das ist wohl eine Verballhornung des italienischen Namens  armellino – der Armenischen. Prunum Armeniacum (armenische Pflaume) ist ihre offizielle Bezeichnung, weil das älteste Anbaugebiet wohl in Armenien lag.

Es gibt noch vieles über die Aprikose zu sagen. Ein andermal. Nun wird sie verspeist. Und dann geschlafen. Denn morgen will ich reisen.

Träum, Kindlein, träum,
im Garten stehn zwei Bäum‘.

Der eine, der trägt Rosen,
der andre Aprikosen!

Da kommt der König Abendlust –
und steckt seiner Königin eine Rose an die Brust.

Da reckt sich die Königin mit ihrer Rose –
und pflückt dem Herrn König eine Aprikose.

Der König bricht die Frucht in zwei Stücke
und gibt eine Hälfte der Frau Königin zurücke.

Drauf lassen sie beide sich’s trefflich munden.
Den Kern aber, den sie darinnen gefunden,

den Aprikosenkern, klein und fein,
den pflanzen sie in ein Beet hinein.

Und dass er es dort recht artig hat,
umwickelt ihn Frau Königin mit einem Rosenblatt,

mit einem Rosenblatt, mit einem Rosenblatt,
auf dass es der Kern dort recht lieblich hat.

Dort schlummert er lange, dort schlummert er fest,
als wie ein Vögelchen in seinem Nest.

… Träum, Kindlein, träum, im Garten stehn zwei Bäum‘ …
… der eine, der trägt Rosen,der andre Aprikosen …

Träum, Kindlein, träum …

(Christian Morgenstern)

 

 

 

 

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Dora zum ElftenSechsten: „Wir“. Eine reminiszierende abc-etüde

„Komm, Dora, wir treffen uns heute mal wieder auf dem Spielplatz neben dem Yachtclub.“ –  „Und warum neben und nicht im Yachtclub?“ fragt Dora neugierig. „Seid ihr nicht stubenrein?“ Ich lache. „Doch, doch, jetzt sind wirs wieder. Wir dürfen wieder rein. Aber wozu? Draußen auf dem Spielplatz ist eine Art Kiosk mit einer umlaufenden Bank, da können wir bequem sitzen, überdacht ist er auch, falls es regnet, und was uns im Winter der C-Maßnahmen recht war, kann uns doch jetzt billig sein.“ – „Billiger ist es sicher“, meint Dora verständnisvoll.

„Zum ersten Mal haben wir uns im vergangenen November dort getroffen. Da warst du noch gar nicht geboren.“ – „Nicht geboren?“ – „Nein. Du hast ja erst am Ersten Januar das Licht der Welt erblickt.“ – „Und was habt ihr gemacht so ohne mich? Da hattet ihr ja gar keine Geschenke?“ ruft Dora mitleidig.  – „Doch doch, Doralein, nur mussten wir uns die Geschenke selbst machen, wie hier auf dem Foto, als eine von uns Geburtstag hatte. Du siehst, der Kiosk ist stuben- und besenrein. Nirgendwo Schmutz. Leih mir mal dein Gesicht, bitte, damit ich es auch meinen LeserInnen zeigen kann!“

„Mir scheint, ihr solltet nicht so viel Kuchen essen, sondern lieber mehr spazieren gehen und abspecken„, meint Dora nach einem kritischen Blick auf die Fotos. „Nehmt euch mal an mir ein Beispiel!“

„Hehe, Dora! Das liegt nur an der Perspektive. Außerdem kann jeder sein, wie er mag. Wo kämen wir hin, wenn alle solche spillerigen Dinger wären wie du? Spazierengehen tun wir übrigens auch, sogar bei jedem Wind und Wetter!“

„Und ihr trefft euch immer da unten am Yachthafen?“ – „Nein, Dora. Mal hier, mal dort, und es kommen auch nicht immer dieselben. Aber jede Woche verabreden wir uns irgendwo für eine Stunde, und wer kann, kommt. Da sind wir eisern.“

296 Wörter


Dies ist ein nicht-fiktiver Beitrag zu Christianes abc-etüden. https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/06/05/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-23-24-22-wortspende-von-annuschkas-northern-star/

abc.etüden 2022 23+24 | 365tageasatzaday

 

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Gartenkleinkram mit Granatapfelblütenblättern

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