Dora zum VierzehntenZweiten: Heizung für Vögel

Heute nacht konnte ich ein Gespräch zwischen zwei Vögeln belauschen und lernte wieder mal was Neues über Dora.

„Mir ist so kalt“, hörte ich einen dicken Vogel namens Jannis jammern. „Die Heizkosten sind in die Höhe geklettert, die Leute sparen. Nirgendwo ein Öfchen, um sich zu wärmen.“ „Ich habe eine kleine Öllampe gefunden“, spricht tröstend die Grete. „die zünden wir jetzt an und wärmen uns“. – „Aber wie sollen wir die denn anzünden?“ fragt zweifelnd der Jannis. „Wir haben doch keine Streichhölzer mehr, oder?“ – „Nein, leider nicht. Aber ich rufe meine Freundin Dora!“ – „Dora? Sollte ich die kennen?“ fragt Jannis und rümpft den Schnabel. „Ich kenne keine Dora“.

„Hier bin ich, alter Schnabelrümpfer“, schreit Dora und tanzt vor dem Miesejannis auf und ab. „Kennst du mich nun?“ – „Na, meinetwegen. Aber hör auf, mir vor dem Schnabel rumzutanzen! Es macht mich ganz schwindlig… Wie willst du kleiner Wurm uns schon helfen können—“ – „Ich wüsste schon wie!“ schreit Dora…

Und eh Jannis noch auf die Idee kommt, sie zu verspeisen, ist Dora schon zur Öllampe gejumpt und bringt sie mit ihrer Geschenkleuchte zum Brennen.

„Da staunst du, was?“ schreit Dora und hüpft davon.

Habts gut, ihr Vögelein! Möge die Kerze euch Wärme spenden!

Das Bild ist übrigens aus haargenau denselben Schnipseln entstanden wie die zwei vorangegangenen, und auch bei den zwei davor fanden sie Verwendung. .

Die Schnipsel stammen aus sehr verschiedenen Schnipselsätzen und passen überhaupt nicht zueinander. Das ist eine kleine Extra-Herausforderung.

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Dora zum DreizehntenZweiten: Museumsbesuch (Kunst zum Sonntag)

„Du jammerst immer, dass du nicht mehr ins Museum kannst. Was gibt es denn da zu sehen, dass du da unbedingt hinwillst?“ So fragt mich Dora heute morgen. Ach, was gibt es nicht alles in den Museen zu sehen! Verschwundene Welten, technologische Errungenschaften und vor allem: Kunst! „Kunst, kleine Dora, herrliche Skulpturen aus Marmor, wie sie heute niemand mehr machen kann. Makellose, reine Magie!“ Ich komme ins Schwärmen, und Tränen laufen mir aus den Augen, mit denen ich sie sonst bewunderte: die Skulpturen des klassischen Altertums.

„Es gibt doch die virtuelle Welt, warum musst du denn unbedingt in die reale?“ fragt Dora nun. Ach, sie ist ein Kind der Zeit, ich vergesse es immer. 2022, in diesem Jahr existiert sie, von früher weiß sie nichts. Und auch nicht vom Danach.

Zu einem virtuellen Museumsbesuch kann ich sie ja mal mitnehmen, denke ich, und öffne mein Archiv. Dora guckt und kommentiert artig mit „cool“ und „wow“, vor allem aber möchte sie sich selbst zur Geltung bringen – wie ein heutiges Kid  eben. Und so tanzt sie dem Apoll unter der Nase auf der Lotusblume herum, damit er an ihr schnuppere …

und steigt dem in Aphrodite verliebten Satyr auf die Hörner.

Ich fürchte, von Kunst versteht sie nicht sehr viel. Ihr Geschmack ist, wie ich kürzlich schon feststellen musste, auf dem Niveau chinesischer Schaufenstergestaltung.  Aber den spielerischen Geist der Alten – den hat sie sich erhalten. Aphrodite mit ihrer Sandale, die Amor-Putte, der Satyr – sind sie nicht genauso liebenswert verrückt wie meine kleine Dora? Und Apoll – siehst du nicht, wie er  über das moderne Kid göttlich lächelt, das auf seiner Schulter posiert, als hätte es ihn soeben erdacht und geschaffen?

 

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Impulswerkstatt: Hände (Geben und Nehmen)

Für Myriades IMPULSWERKSTATT.

Sehr sehr viele Hände habe ich in diesem Blog schon gezeigt. In den  meisten Fällen handelt es sich um meine eigenen, die ich gezeichnet habe. Sogar einen Kalender mit Händen habe ich mal entworfen (ans Licht gehoben).

„Hände sind ein Symbol des Dinge herstellenden Menschen (homo faber), aber darüber weit hinaus haben wir zeigende, deutende, schreibende, zärtliche, helfende, schöpferische Hände“,schreibe ich in einem anderen Beitrag (https://gerdakazakou.com/2020/03/12/geschichte-mit-naerrischem-ende-hand-collage/) und zeige eine Galerie von Händen, die in ihrem Ausdruck unterschiedlicher nicht sein könnten.

Am eindringlichsten gerade auch in Gegenüberstellung zu deinem Foto, liebe Myriade, scheint mir ein Foto von Händen, das ich bei einem Halt in der ägyptischen Wüste machte. Das Foto ist bearbeitet. Manche werden sich dran erinnern.  Hier kreuzen sich die Hände der spärlich Gebenden und der sich flehend Entgegenstreckenden. Es gibt auch eine Begegnung von Händen, eine leise Berührung im Geben und Empfangen.

Kommt es zum Ausgleich? Oder: was müsste geschehen, dass es zu einem Ausgleich von Geben und Nehmen kommt in dieser Welt?

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Dora zum ZwölftenZweiten: Palme

Gestern war ich, wie ich schon berichtete, ziemlich wütend. Das hatte auf Dora eine bemerkenswerte Wirkung.

Ich renne vom Auto Richtung Hafen. In mir grummeln wütende Gedanken. Dora sitzt  wie gewöhnlich auf meiner Schulter.

„Tolle Aufdrift?!“ ruft Dora plötzlich, hebt ab – und schon steht sie auf der höchsten der Palmen, die den Park hinter dem Zollgebäude, den ich soeben blinden Auges durcheile, schmücken.

„Du hast mich auf die Palme gebracht!“ schreit sie von oben herunter. Ich? Wieso ich? Aber ich habe doch nur ….

Ich mache meine Hand zum Trichter und rufe: „Komm schon runter! Ich bin schon nicht mehr wütend!“ –

Dora lässt sich Zeit mit dem Runterkommen, offenbar gefällt ihr die weite Aussicht auf den Hafen. Und so habe ich Zeit, den Fuß der Palme zu studieren und mich zu erden.

Diese  Palmenrinde – wie ein Seismograph hat sie Schwingungen nachgebildet, die vorbeieilende Menschen so von sich gaben. Oder?

 

 

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Erweiterung des Debattenraums: Wissenschaft versus Szientismus – und eine gehörige Portion Wut.

Ich bin heute mal wieder wütend. Sehr wütend. Unsere Regierung hat angekündigt, ab März peu a peu die Bewegungsfreiheit wieder herzustellen  – der Maulkorb soll freilich bleiben (arme Kinder!). Und: den Ungeimpften wird auch in Zukunft der Zugang zu Innenräumen versperrt bleiben. Besonders den Alten. Wir dürfen also weiterhin unser Essen auf Parkbänken und von Plastiktellern genießen? Wir dürfen weiterhin keine Konzerte und Ausstellungen, keine Hotels und Restaurants, keine Bekleidungsgeschäfte und Fußpfleger, keine Kranken und Alten und nicht mal das Steueramt besuchen? Danke! Ich danke unserer so klug und weise entscheidenden Obrigkeit.

Auf welcher Basis tut sie das? Ich werde mich hüten, mich hier in eine Sachdebatte über die Nützlichkeit und Schädlicheit von Masken, Impfungen, Reisebeschränkungen, hotspots, Testerei, Kontaktverfolgungen etc pp einzulassen. Alles ist dazu schon gesagt worden, und wer lesen will und kann, der lese.

Wozu ich aber nicht schweigen will, DAS IST DIE UNERHÖRTE ANMASSUNG, die in solchen politischen Entscheidungen steckt. Ich bin Wissenschaftlerin, war und bin mit Leidenschaft dem wissenschaftlichen Denken verpflichtet. Meine Doktorarbeit wurde mit summa cum laude, also der höchstmöglichen Note bewertet, und des Plagiats und der Titelerschleichung wurde ich nie verdächtigt.  Weil mich mein Denken zu anderen Ergebnissen führt als die Mehrheit derjenigen, die sich, mit welchen Mitteln auch immer, in politische und wissenschaftliche Führungspositionen hinaufgebracht haben, stellen sie mich in die Ecke der Ahnungslosen. Selbst damit könnte ich gut klarkommen, schließlich ist mir ihr Urteil schnuppe.  Aber sie schneidern mir aus ihrer sogenannten Wissenschaft ein Clownskostüm und zwingen mich, es zu tragen. Es zu tragen, bis ich eines nicht zu fernen Tages ins Grab fahre. Das verzeihe ich ihnen nicht. Hört ihr? Ich verzeihe es euch nicht, niemals, dass ihr die Wissenschaft für euren Machterhalt missbraucht.  Ich weiß, es kratzt euch nicht, was ich von euch halte. Aber mir tut es gut, es euch ins Gesicht zu schreien. Für mich seid ihr nichts weiter als lächerliche Popanze!

Nachdem ich mir nun Luft zum Atmen verschafft habe, empfehle ich, einmal die Hauptgedanken des folgenden Artikels mitzudenken.

Wissenschaft ist eine Methode aber kein Inhalt. Wie folgt man also der Wissenschaft?

In der Hauptsache geht es um Thesen, die Michael Esfeld (Professor für Wissenschaftsphilosophie an der Universität Lausanne und seit 2009 Mitglied der deutschen Leopoldina) anlässlich einer Veranstaltung des Freiblickinstituts  zur Diskussion stellte.  Ein paar Sätze daraus:

1. Nach fast zwei Jahren Corona-Politik geht es …. darum, eine „neue Normalität“ zu schaffen, die in einer umfassenden sozialen Kontrolle besteht…..“

2. Wissenschaft ist eine Methode, um Wahrheit über die Welt herauszufinden. … Wissenschaft ist aber kein politisches Programm, das man zur Steuerung der Gesellschaft einsetzen kann. Als politisches Programm – „follow the science“ – zerstört die Wissenschaft sich selbst und die Gesellschaft gleichermaßen…..

3. Wissenschaft als politisches Programm wird in der Fachsprache als „Szientismus“ bezeichnet und führt, politisch umgesetzt, zum Kollektivismus. …. Seine Umsetzung läuft auf einen Totalitarismus hinaus, der in eine Gewaltherrschaft mündet.

4. Die Corona-Politik ist der bisherige Höhepunkt eines neuen Szientismus … in Verbindung mit diesem Wissensanspruch ein technokratisches Menschenbild, das die Menschen als Objekte ansieht …

5. … erleben wir zurzeit eine durch Wissenschaft, Politik und Medien geleitete Entmündigung der Menschen. Man suggeriert, dass die Menschen Vernunft gar nicht selbst einsetzen können, weil sie die Verantwortung nicht tragen können, die mit Selbstbestimmung verbunden ist.

6. Jede solche technokratische Planung richtet de facto großen Schaden für das Gut an, auf das sie ausgerichtet ist, hier den allgemeinen Gesundheitsschutz. …

7. Die technokratische Steuerung der Gesellschaft in der Corona-Krise weist erschreckende Parallelen mit früheren Totalitarismen auf…. Wissenschaftliche Erkenntnisse haben .. nicht mehr den Status von Hypothesen, die man einer kritischen Prüfung durch Argument und Experiment unterzieht. Stattdessen erhalten sie den Status quasi-religiöser Wahrheiten….

8. Wir gelangen mit dieser Ausgrenzung (von Ungeimpften) jetzt an den Punkt, an dem in der Geschichte das jeweilige Regime nur noch durch den Einsatz von Gewalt fortbestehen konnte…

9. Die Rückkehr zum Einsatz von Vernunft … ist intellektuell einfach: Es erfordert nicht mehr als den Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Das dazu benötigte Wissen ist kein Expertenwissen, sondern Allgemeingut.

 

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Dora zum ElftenZweiten: China Mall

Bei der Rückkehr von einem Hafenspaziergang fällt mir auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine große Schrift quer über einem langen niedrigen Gebäude auf. China Mall lese ich. Da fällt mir ein, dass ich gestern den Schuhlöffel zerbochen habe und nun nur mit Mühe in die Stiefel komme. Ein neuer Schuhlöffel muss her. Ob die Chinesen so was haben? Ich kann ja mal fragen.

Also übquere ich die Straße und stehe nun vor den Schaufenstern. O wei! Ein mieseres Decors zu erfinden, dürfte schwierig sein. Die billige Kleidung,  traurigen schwarzgesichtigen Schaufensterpuppen übergestülpt, ist von einer unwahrscheinlichen Farbenpracht. Während ich zwischen Lachen und Entsetzen schwanke, ist Dora hellauf begeistert. Sie klebt förmlich an der Scheibe und kann sich nicht sattsehen. „Geh du man rein, ich bleib noch in bisschen hier!“ ruft sie mir zu und beamt sich zwischen die bunten Gestalten.

De gustibus bekanntlich non est disputandum, über Geschmacksfragen kann man nicht diskutieren. Ich lasse sie, wo sie ist, und gehe nach dem Schuhlöffel fragen. Das Geschäft ist riesig und vollkommen menschenleer, sieht man ab von dem Chinesen an der Kasse und einer blondierten Verkäuferin in der Ferne, neben schier endlosen Ständern mit billigen Kleidungsstücken und anderen Dingen, die ein Mensch unbedingt braucht. Auch Schuhlöffel gibt es  – sogar in zwei Ausführungen, eine Elle lang, in Holz und in Plastik, mit Bändsel zum Aufhängen und in Plastik eingetütet. Ich kaufe beide und bezahle 4 Euro.

Und all dies ist den langen Weg über die Meere gekommen? Damit eine zufällige Kundin Ersatz für ihren zerbrochenen Schuhlöffel findet?  Wie rechnet sich das? Nun, muss ich alles verstehen? Ich verstehe ja nicht mal Doras Geschmack.

Dora beamt sich ins Schaufenster

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Architektur in Kalamata (tägliches Zeichnen)

Das Licht war heute wieder fabelhaft, und so genoss ich den Bummel durch ein paar hübsche Sträßchen in Kalamatas Altstadt doppelt. Hell, scharf und klar skulpturierend ist das  hiesige Licht –  Nebel, Trübung, romantische Weichzeichnung sind selten. Anfangs hatte ich damit Schwierigkeiten: Es ist so gar nicht malerisch, es fehlt das, was ich „Atmosphäre“ nenne.  Schließlich komme ich aus dem Norden Deutschlands, und meine Augen waren anderes gewohnt, meine Seele suchte anderes. Bis heute ist dies Licht für mich eine Offenbarung, macht mich Staunen. Vermissen möchte ich es nie mehr.

An Gebäuden schafft dies Licht starke Kontraste, trennt übergangslos helle Flächen von dunklen. Das macht eine einfache weiße Wand zum Ereignis.

Begeistert spazierte ich durch die alten Sträßchen, bewunderte das Wechselspiel von Licht und Schatten, fotogafierte auch so manches.

Schließlich blieb ich vor einer eher düsteren Ruine stehen, setzte mich auch, um sie zu zeichnen. Das ehemals prächtige Gebäude bildet die rechte Seite eines Hofs, in dem ein Großhandel für Düngemittel betrieben wird.  Ein Konglomerat  unterschiedlichster Gebäude schließt den Hof nach hinten ab.

Mein nächster Halt war dann ein weitläufiger Platz in der Nähe der Markthallen. Es gibt dort einfache Lokale, Cafes, Bänke unter einzeln stehenden Bäumen, alles ein wenig vorläufig wirkend. Abgeschlossen wird der Platz von einer Reihe schön renovierter neoklassischer Gebäude. Das größte und prächtigste wartet seit langem auf einen Mieter.

Ich habe mir den Spaß gemacht, diese Zeichnung als Transparent vor die fotogafierte Häuserzeile zu hängen, so dass sich beide decken.

Auch den gezeichneten Hof habe ich mit einem Foto kombiniert.

Die entsprechenden Fotos:

 

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Dora zum ZehntenZweiten: Schilfwurzel

„Du wolltest doch die Schilfwurzel zeichnen, die ich dir geschenkt habe. Wieso tust du es nicht? Versprechen muss man halten!“ norgelt Dora.

Nun, versprochen hatte ich es eigentlich nicht, nur in Aussicht gestellt. Das ist  nicht dasselbe, oder? Dennoch setze ich mich am Abend bei Lampenschein hin und mache mich ans Zeichnen. Denn eine nörgelnde Dora kann ich nicht gut ertragen.

Dora beäugt mein Werk, findet, dass ich ihrer Wurzel zu wenig Raum gegeben habe, lässt das Bild aber passieren, nachdem ich ihr versprochen (ja, versprochen!) habe, die schöne Wurzel gelegentlich noch einmal zu zeichnen. Und so kann ich sie euch zeigen, als meine tagtägliche Zeichenübung.

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Altes Portrait. Annäherung No 9

Noch einmal habe ich eine alte Portraitstudie herausgefischt und versucht, sie abzuzeichnen. Warum tue ich das? Die Zeichnungen sind ja weit weniger lebendig als die Originale! Dennoch kann ich es nicht lassen.

Heute las ich bei Stefan Kraus : „Nun las ich sie  (Sätze, die er selbst geschrieben hatte) nach 9 Jahren zum ersten Mal wieder, und sie erschienen mir so fremd, als stammten sie nicht von mir.“ und ich dachte: das ist es. Das ist der Grund, warum ich diesen künstlerisch sinnlosen Versuch mache, meine eigenen Bilder abzuzeichnen. Ich will sie mir wieder aneignen, will verstehen,  wer ich war, vor 30 und mehr Jahren, als ich sie malte.

Das heutige Portrait zeigt wieder den Mann, von dem ich schon zwei andere Portraits zeigte: einen feinsinnigen jungen Mann, der seine vom Bürgerkrieg erschütterte Heimat Jugoslawien verlassen hatte und in Griechenland zu überleben versuchte. Ein Mann, der mit sich und seinen Dämonen rang – so wie sein Heimatgebiet in schrecklichen Kämpfen rang. Ein Gottsucher. Mehr weiß ich von ihm nicht. Aber ich sah dies Ringen, oder war es mein eigenes, das ich in ihn hineinprojizierte? Denn auch ich litt sehr an diesem Krieg.

 

Nun also das dritte Portrait vom selben Modell.

Und die Zeichnung? Sie ist nicht zum Wegwerfen,  aber sie kommt nicht heran an die starke Kraft des Portraits. Vielleicht zeigt sie den heutigen Mann – jetzt, wo wieder Frieden herrscht, aber das, was damals geschah, unauslöschliche Spuren hinterließ

überblendet: Die Gesichtszüge sind ganz gut getroffen, sie decken sich. Was aber sagt dieses verdoppelte Gesicht nun aus?. Mir scheint, in den Augen spiegelt sich das Entsetzen, aber es speist sich nicht mehr aus dem Jetzt, sondern aus dem Erinnerten.

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Alle Jahre wieder: Meerzwiebel, Asphodele und rote Anemone

Die Meerzwiebeln blühen jetzt nicht, aber überall spritzt ihr kräftiges gewelltes Grün aus den dicken geschuppten Zwiebeln – so wie hier bei dieser, die schräg am Straßenhang wächst und deren Zwiebel teilweise frei liegt.

Sie blüht im Herbst – erfeulich und zuverlässig nach den langen heißen Sommern, denn sie speichert in ihrer Zwiebel genügend Kraft, um auch den heißesten Sommer zu überstehen. Ihre Blüten habe ich schon öfter gezeigt:, zB hier und hier und hier.

Meerzwiebelblüte im September

Was jetzt aber zu blühen beginnt, ist die sechssternige Asphodele. Auch über diese „Blume des Hades“ haben ich schon öfter berichtet, zuletzt im Will.i-Jahr, vielleicht erinnerst du dich ja: https://gerdakazakou.com/2021/02/13/13-2-2021-will-i-der-schnee-und-die-asphodele/

An geschützten Sonnenplätzen blühen auch die ersten Mandelbäume, und hier und da setzt eine rote Anemone einen leuchtenden roten Punkt in die grüne Landschaft.

Über allem aber strahlt der Himmel in Blau und Weiß.

 

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