Dora zum DreizehntenZweiten: Museumsbesuch (Kunst zum Sonntag)

„Du jammerst immer, dass du nicht mehr ins Museum kannst. Was gibt es denn da zu sehen, dass du da unbedingt hinwillst?“ So fragt mich Dora heute morgen. Ach, was gibt es nicht alles in den Museen zu sehen! Verschwundene Welten, technologische Errungenschaften und vor allem: Kunst! „Kunst, kleine Dora, herrliche Skulpturen aus Marmor, wie sie heute niemand mehr machen kann. Makellose, reine Magie!“ Ich komme ins Schwärmen, und Tränen laufen mir aus den Augen, mit denen ich sie sonst bewunderte: die Skulpturen des klassischen Altertums.

„Es gibt doch die virtuelle Welt, warum musst du denn unbedingt in die reale?“ fragt Dora nun. Ach, sie ist ein Kind der Zeit, ich vergesse es immer. 2022, in diesem Jahr existiert sie, von früher weiß sie nichts. Und auch nicht vom Danach.

Zu einem virtuellen Museumsbesuch kann ich sie ja mal mitnehmen, denke ich, und öffne mein Archiv. Dora guckt und kommentiert artig mit „cool“ und „wow“, vor allem aber möchte sie sich selbst zur Geltung bringen – wie ein heutiges Kid  eben. Und so tanzt sie dem Apoll unter der Nase auf der Lotusblume herum, damit er an ihr schnuppere …

und steigt dem in Aphrodite verliebten Satyr auf die Hörner.

Ich fürchte, von Kunst versteht sie nicht sehr viel. Ihr Geschmack ist, wie ich kürzlich schon feststellen musste, auf dem Niveau chinesischer Schaufenstergestaltung.  Aber den spielerischen Geist der Alten – den hat sie sich erhalten. Aphrodite mit ihrer Sandale, die Amor-Putte, der Satyr – sind sie nicht genauso liebenswert verrückt wie meine kleine Dora? Und Apoll – siehst du nicht, wie er  über das moderne Kid göttlich lächelt, das auf seiner Schulter posiert, als hätte es ihn soeben erdacht und geschaffen?

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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6 Antworten zu Dora zum DreizehntenZweiten: Museumsbesuch (Kunst zum Sonntag)

  1. Ingrid Spieker schreibt:

    Allerdings tanzt Dora wohl niemandem auf der Nase herum * Oder habe ich etwas übersehen * Gerda?
    MEGA gehört unbedingt in Doras Wortschatz ✨

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    • gkazakou schreibt:

      danke dir, Ingrid, Ich freue mich sehr, hier von dir zu lesen, denn gerade heute morgen dachte ich: wie mag es Ingrid gehen? und wollte dir schreiben. Mega ist mir nicht eingefallen, habe zu wenig Umgang mit modernen Kids. Dora tanzt Apoll UNTER der Nase herum., nicht AUF. Einen Rest von Respekt hat sie doch!

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  2. Mitzi Irsaj schreibt:

    Man muss ein 2022 geborenes Wesen wie Dora sein, um einen virtuellen Besuch in Museen einem echten gleichzusetzen. Es tut mir leid, dass er die, liebe Gerda im Moment verwehrt ist. Sehr. Liebe Grüße und möge dich Dora aufheitern.

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  3. Gisela Benseler schreibt:

    Dora hilft ja wirklich, diese Kunstwerke ganz neu und ursprünglich auf uns wirken zu lassen. Dieser Apoll ist ja beeindruckend!

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  4. Ingrid Spieker schreibt:

    Schreibst du mir dennoch * Gerda?

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