Dora zum NeuntenZweiten: Selfie mit Schafen

Dora und ich kommen an der Wiese mit der Schafherde vorbei, um die wir normalerweise einen großen Bogen machen. Warum? Sind die Schafe nicht nett? Und ihre Jungen, sind die nicht sogar noch netter? Freilich. Aber es gibt da Hunde, die sich als Schafhüter aufspielen und jeden, der in die Nähe des Zauns kommt, wütend verbellen. Der Zaun ist übrigens nicht geschlossen, die Hunde können jederzeit raus. Und so auch heute. Nur dass sie uns diesmal gar nicht beachten, sondern schnurstracks die Straße runterrennen. Wo wollen sie denn hin? Ah, zum Müllplatz. Da ist Alexandra aus ihrem Autowrack gestiegen, um den Tieren Essbares zu bringen. Immer macht sie das. Für das Pferd besorgt sie saftige Birnen, für die Möwen altes Brot, und für die Hunde und Katzen, was es grad gibt.

Jetzt also rennt der Große Schwarze zum Müllplatz. Der Braune ist schon dort. Und wir können endlich ein bisschen mit den Schafen plaudern, ohne dass uns die Hunde stören. Die Schafe kommen auch gleich näher. Sie sind interessiert an Neuigkeiten, nicht so stark wie Ziegen, aber ganz uninteressiert sind sie auch nicht. Dora setzt über den Zaun und schließt gleich Freundschaft mit einer großen imposanten Schäfin und ihrer halbwüchsigen Tochter.

„Gib mal dein Handy her“, ruft sie. „Ich will ein Selfie mit meinen Freundinnen machen“.

Das erste Selfie wird etwas enttäuschend. Aber so schnell lässt Dora sich nicht entmutigen.

Na also! Es wird doch schon! Übung macht den Meister.

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Dora zumAchtenZweiten: Drachensurfer (über die Freiheit)

Was für ein Wetterchen! Wolkenberge und ein heftiger Wind, der sich in Böen mächtig aufspielt und nichts, aber auch gar nichts Trübendes in der Atmosphäre duldet. Dora und ich wandern ins benachbarte Küstendorf: Und da sehen wir ihn: den Drachensurfer!

Der Drachen strebt manchmal der Sonne zu, und dann hebt auch der Surfer ab und tanzt ein Stück durch die Luft, doch im nächsten Moment steht er wieder auf den Wellen und rast über die gänzende Fläche.  So fliegen, so über die Wellen flitzen, das ist gelebte Freiheit! denke ich, und sage es wohl auch, denn sogleich bietet Dora sich an, mir einen Drachen zu schenken. Ich denke an Ikarus (hier) und winke ab.

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Der blaue Ikarus

„Geschenke sind nicht immer gut, manche sind sogar gefährlich,“ doziere ich. „Du wünschst dir etwas, willst es unbedingt haben, aber wenn du es dann kriegst, kannst du nichts Rechtes damit anfangen.  Hast du überhaupt die richtigen Voraussetzungen, um mit dem Geschenk klarzukommen? Du musst deine eigenen Kräfte richtig einschätzen lernen. Oder, wie ich früher mal sagte: Willst du hoch hinaus, lass dir zuvor Flügel wachsen, die dich tragen (hier). Also sei weise.“

Ich hole kurz Luft und fahre fort: „Es braucht Disziplin und tägliche Schulung, um einen Drachen zu meistern.  Und wenn du dann das Fliegen gelernt hast, darfst du dich nicht hinreißen lassen, wenn du der Sonne näherkommst. Gerade dann darfst du dich nicht hinreißen lassen.“

Ich bleibe erneut stehen, um Atem zu schöpfen. Diese dumme Kurzatmigkeit! „Natürlich will ich nicht den loben, der ängstlich am Boden kleben bleibt. Und auch den nicht, der immer gleich sagt: das ist gefährlich, das ist nichts für mich und dich. Freiheit zum Beispiel. Ja, auch die will gelernt sein. Man muss sich schulen im Umgang mit ihr.“

Dora hört meinem Sermon mit wachsender Ungeduld zu. „Wie redest du denn? Ich verstehe nur eins: du willst den Drachen nicht, weil du zu feige bist. Oder weil du glaubst,  dass du zu alt und gebrechlich bist, um es noch zu lernen. Dabei würde ich dir doch beim Lernen helfen, Guck mal: ich kann es wie ein Meister!“ Und schwupps hängt sie sich an den Drachen und rast über das Wasser.

O weh, wenn das man gut geht!

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Montag war Fototermin: Landschaft (mit Gedichten von Pega Mund)

Schweres Gewölk zieht sich über den Bergen zusammen. Die tiefstehende Sonne (gegen halb sechs) färbt die Bäume gelb. Auch die hohen Zypressen sind stark gelb dort, wo die Sonnenstrahlen sie treffen.

Ich kann mich an dem ständig wechselnden Farbenspiel nicht sattsehen.

Ich zoome ein Stück der abgebrochenen Bergkante heran, die in einem Gelbton leuchtet.

Die Lichtverhältnisse ändern sich sehr schnell um diese Jahreszeit. Anderthalb Stunden zuvor fotografierte ich den „Silberstreifen am Horiont“. Woher die Linie oberhalb des Horizonts stammt, kann ich nicht sagen. Eine Luftspiegelung? (Anm. : Es ist tatsächlich eine Stromleitung, die durchs Heranzoomen sichtbar wurde – so stellte ich heute fest)

Im Haus wird es dunkel. Die Leselampe brennt schon. Ein besonderes Lesewerk erwartet mich: reste von  landschaft. Die Dichterin Pega Mund hat es mir geschenkt, heute kam es an. Ich nehme den fein gestalteten schmalen Gedichtband  mit großer Freude zur Hand und beginne zu lesen: S.5  am rande des kontrollierbaren stockt die zeit was lebt wird zu lehm das auge spurt quer : Die Verse nehmen mich mit, ich kann nicht aufhören, bis es tiefe Nacht ist.

S. 27

das kontrollierbare franst aus

an den rändern was wächst wird zu rauch

was lebt wird zu lehm

knistern im offenen feld schnee mischt

sich ein und verwischt die wehrlosen reste

der landschaft

das kontrollierbare franst aus

an den rändern sitzt unsere braut sitzt

fädelt flickt

(Pega Mund, reste von landschaft)

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Altes Portrait Annäherung No. 8 (tägliches Zeichnen)

Dieses Portrait zeigt eine junge Frau namens Katerina, Tochter einer Freundin und Kunststudentin. Es steckte nicht zwischen den anderen im Regal, sondern stand einsam auf einem Schrank, wo es von einigen BesucherInnen sogar beachtet wurde. Was es durchaus verdient, finde ich.

Heute beim Abzeichnen wurde mir besonders das wellenartig Fließende  bewusst, das dem Bild zusammen mit dem vorherrschenden hellen Blau etwas Träumerisches verleiht.  Schwierig, dies mit einem schwarzen Kugelschreiber nachzuempfinden.

Zwei Anläufe machte ich, beide nicht recht gelungen. Aber das Zeichnen gab mir wieder allerlei Stoff zum Nachdenken und Experimentieren.

Das Original ist ein kraftvolles Portrait, doch vermutlich kaum so, wie sich eine junge Frau gerne selbst sehen möchte. Wie aber möchte sie sich sehen? Ich vermute mal, sie möchte glatter, weicher, vielleicht auch mondäner erscheinen, also mehr der Art von Frauen entsprechen, die es im Kino zu Starrollen brachten.  Vielleicht fühlt sie sich hinter einer solchen „interessanten Maske“ sicherer. Warum sonst schminken sich die meisten jungen Frauen, selbst wenn sie eine ausgezeichnete Haut und ausdrucksvolle Augen und Mund ihr Eigen nennen?

Durch das Überblenden von Gemälde und Zeichnung sowie digitale Bearbeitung schuf ich die junge Dame etwas um. Stil 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts.

Ein Vergleich des Original-Portraits mit einer anderen bearbeiteten Überblendung macht anschaulich, was ich meine: links die Frau, wie sie „ist“ (Seelenbild) und rechts, wie sie „erscheinen möchte“ (Rollenbild).

oder auch in SW: links das Original, rechts die Überblendung

Nun, das sind so Spielereien.

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Dora zum SiebtenZweiten: relative Kata-Strophen (abc-etüde)

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/02/06/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-06-07-22-wortspende-von-kain-schreiber/abc.etüden 2022 06+07 | 365tageasatzaday

Heute morgen zeigte ich Dora Gerhards Relativitäts-etüde (hier). Die fand sie ausgezeichnet und auf sich selbst passend, denn sie ärgert sich ein bisschen, dass ich sie wie eine Zwergin darstelle. Eigentlich sei sie ja sehr groß, übergroß sogar. Denn „Wer ist größer als eine Wunscherfüllerin und Allesschenkende wie ich?“

„Na ja“, wage ich einzuwenden, „du magst zwar in gewisser Weise eine Riesin sein, aber körperlich kommt das nicht zum Ausdruck. Ich jedenfalls sehe dich als meine niedliche Begleiterin, mein Summsebienchen, das mich kein bisschen beschwert, wenn es mir auf der Schulter hockt.“

„Papperlapapp!“ schreit Dora. „‚Körperlich kommt das nicht zum Ausdruck! Das ist nicht nur geschnörkelt, es ist falsch. Ich sag dir, wie es richtig ist!“ Und sie stellt sich vor mich hin und spricht wie eine gelernte Kata-Strophen-Dichterin die folgenden Worte.

Von Riesen und Zwergen

Zypressen ragen so hoch, so steil

in die Bläue des Himmels hinein

Da fühl ich mich wie ein Zwergelein, weil

Ich bin dort nur winzig klein.

*

Doch hüpf ich zur Spitze und kreuz und quer

Und lande im Palmenwipfel

Dann bin ich ein Riese und schau bis zum Meer

Und hinüber zum Bergesgipfel

*

Der Standpunkt macht meine Größe aus

Er gibt mir den Überblick

Und willst du selber mal hoch hinaus

Dann lerne aus meinem Trick.

 

Und begeistert über ihre neu erworbenen Talente hüpft sie, hebt ab und landet auf meiner Schulter. Bravo, Dora, nun hast du mir sogar eine Etüde geschenkt und ich brauche nicht selbst zu dichten. Danke!

(254 Wörter)

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Schattenselbst im Garten (tägliches Zeichnen)

Gegen halb fünf im Garten. Ich schaue auf die lebendig grüne Fläche des Klees unter den Bäumen. Zu zeichnen finde ich nichts, was mich reizt, bis ich meinen eigenen Schatten wahrnehme. Der bildet eine mächtige dunkle Pyramide im Mittelfeld, und im Winkel dazu steht ein heller langer Stock, der das immer noch sehr kümmerliche Kumquatbäumchen stützte.

Lässt sich das zeichnen? Auf dem Foto sieht es ja ganz geordnet aus, aber in der Realität ist es schwer, eine Struktur auszumachen. Mal sehen, was ich auf dem winzigen Reporterblock zustande bringe.

Und noch ein zweiter Versuch:

In Kombination mit dem Foto sieht die zweite Skizze so aus:

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Dora zum SechstenZweiten: Wortmans „Themenwort“ 2: Vorstellung

Ein schönes Wort hat Wortman für die zweite Woche seines Foto-Challenge „Themenwort“ ausgesucht: Vorstellung. Doch welche Art von Vorstellung ist gemeint? Ich stelle mir etwas vor? Ich stelle mich vor? Ich  besuche eine Vorstellung?  Ich spiele vielleicht sogar bei einer Vorstellung mit? Nun, dies alles und irgendetwas dazwischen:

Das Strand wird zur Bühne, das Meer zur Kulisse. Ich stelle mir vor, der Narr trägt seinen Blumenstrauß über die Bühne. Eine menschliche Schattenfigur kommt ihm entgegen, irritiert über so viel Lebendigkeit. Die Rollen zwischen dem Menschen und der Kunstfigur scheinen vertauscht.

Dora kommt hereingehüpft. Auch sie will eine Rolle spielen. Ich stelle mir vor, dass sie sich als erstes dem Narren vorstellen wird: „Guten Abend, mein Lieber! Darf ich mich vorstellen? Ich bin Dora, die Schenkende, am 1. Januar dieses vortrefflichen Jahres geboren. Und du, woher bist du hier aufgetaucht und reingeschneit? Sind die Blumen für mich? Ich nehme sie gern! Natürlich kannst du dir auch was wünschen, jederzeit, und schon hast du es. Ich bin da nicht kleinlich ….“. Was wird der Narr sagen, sofern Dora ihm eine Chance lässt, sich zu äußern? Nimmt der Schattenmann überhaupt wahr, was sich da alles auf der Bühne abspielt? Wie geht es weiter?

                                      Ich bin gespannt auf eure Vorstellungen!

 

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Altes Portrait Annäherung No. 7

Dies ist eine andere Portraitstudie des Mannes aus Serbien, den ich vorgestern zeigte – der Mann, von dem ich sagte, dass er streng religiös und in gewisser Weise von religiösen Vorstellungen der Sünde und der Reinheit besessen war. Jedenfalls was dies mein Eindruck. Die vorige Studie zeigt ihn mit niedergeschlagenen Augen (s. links die Abbildung). Auf der heutigen aber sind die Augen weit geöffnet und dominieren das Gesicht.

Ich habe wiederum versucht, das Portrait abzuzeichnen. Obgleich die Zeichnung nicht an das gemalte Original herankommt. hat sie doch auch ihre Berechtigung und ist nicht zum Wegwerfen, finde ich.

Es ist dasselbe und doch ein ganz anderes Gesicht geworden. Dasselbe insofern, als es bis auf kleine Abweichungen formal dem Original entspricht, wie ich beim Überblenden feststellte. Der entscheidende Unterschied liegt wieder in der emotionalen Aufladung, über die ich ja schon bei den vorigen Versuchen gesprochen habe. Ein lebendiges Modell wirkt auf mich ganz anders als eine Vorlage. Das ist auch der Grund, warum ich lieber mit Modellen arbeite. Diese experimentelle Reihe bestätigt es mir erneut.

Gemälde-Zeichnung 50% überblendet, unbearbeitet, leicht beschnitten.

 

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Vom Krieg, Weltuntergang und Bäumepflanzen (Fundsache)

„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“

Beim Spazierengehen in Kalamata fiel mir ein hoher Baum mit stark beschnittenen Ästen auf. An seinem Stamm war ein Täfelchen angebracht. Neugierig wie ich bin, ging ich über den Rasen, um nachzuschauen, was es mit dem Baum auf sich hat.

Und las, in gebildeter Hochsprache: „Gepflanzt von Pantelis Dormousoglou 1941.“

1941.  Hm. Da war Krieg. Griechenland war von Deutschen und Italienern besetzt. Hunger und große Not. Und jemand hat einen Baum gepflanzt, den man mit einem Schildchen ehrte. Kein Apfelbaum, kein Fruchtbaum. Ich kann nicht erkennen, was es für ein Baum ist. Vielleicht im Sommer, wenn er wieder Blätter hat.

Was war denn damals eigentlich los in Kalamata?

28. April 1941: Die Schlacht von Kalamata, die letzte auf dem griechischen Festland zwischen den Deutschen und dem britischen Expeditionskorps…

27. September 1941: Gründung der E.AM (Griechische Befreiungsarmee)

Irgendwann dazwischen, davor oder danach hat der Herr Dormousoglou Lust verspürt, ein Bäumchen zu pflanzen. Ich lege meine Hand an die Rinde des Baumes und flüstere ihm zu: „Da hast du das Rechte getan, Panteli. Der Krieg ging vorbei, der Weltuntergang ist noch nicht eingetreten: Dein Baum aber ist da.“


ps. Den obigen angeblichen Lutherspruch habe ich im Netz aufgesucht und folgendes Interessante gefunden:

„Luthers Apfelbäumchen ist ein Begriff, der 1944 erstmals nachweisbar ist… Der …Spruch erlangte als Symbol für den Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg bundesweite Bekanntheit, verursachte Baumpflanzungsaktionen und ist Titel eines Benefizalbums bzw. einer LP von Reinhard Mey aus dem Jahr 1989 …..

Der Theologieprofessor und Lutherforscher Martin Schloemann, der ein Buch über dieses Zitat schrieb, kam zu dem Ergebnis, dass es nicht von Martin Luther stammt. Vielmehr entstamme er dem Lutherbild aus dem 19. Jahrhundert, des den Familiengarten pflegenden, frommen Hausvaters. Luther habe sich tatsächlich aber mehr auf den Weltuntergang gefreut, als ihn zu fürchten.

Nach dem Krieg hätten der Landesbischof Hanns Lilje und der spätere Bundespräsident Gustav Heinemann das Wort weiter verbreitet. Es wurde Symbolwort für den Wiederaufbau. … Auch Otto Grotewohl,  bestimmte RAF-Sympathisanten, der schwedische Ministerpräsident Olof Palme, Rita Süßmuth, Wolfgang Schäuble und Helmut Kohl hätten das Wort „Apfelbäumchen“ vielfach verwendet…. (alle Infos von Wikipedia)

Gottfried Benn
 
Was meinte Luther mit dem Apfelbaum?
Mir ist es gleich – auch Untergang ist Traum –
ich stehe hier in meinem Apfelgarten
und kann den Untergang getrost erwarten –
ich bin in Gott, der außerhalb der Welt
noch manchen Trumpf in seinem Skatblatt hält –
wenn morgen früh die Welt zu Bruche geht,
ich bleibe ewig sein und sternestet –
meinte er das, der alte Biedermann
u. blickt noch einmal seine Käte an?
Und trinkt noch einmal einen Humpen Bier
u. schläft, bis es beginnt – frühmorgens vier?
Dann war er wirklich ein sehr großer Mann,
den man auch heute nur bewundern kann.
Gottfried Benn: Sämtliche Gedichte, Stuttgart (Klett-Cotta)1998, S.460.
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Dora zum FünftenZweiten: In der Bucht

Wir steigen in unsere kleine Bucht hinunter, um zu schauen, welche Verwüstungen die letzten Stürme hinterlassen haben.  Die Kante mit dem Pfad ist unterspült und teilweise abgebrochen, bald wird man ihn nicht mehr benutzen können. Viele Schilfwurzeln liegen nun im Freien. Dora spendet einer Wurzelfamilie Licht, die da zusammenhockt und mit blinden Augen in die unbekannte Helligkeit blinzelt.

„Ich hab eins für dich! Guck mal!“ schreit Dora. Und tatsächlich sehe ich, wie die kleine Dora ein prächtiges Wurzelwesen, das allein am Strand liegt, hochstemmt. Dankbar nehme ich ihr Geschenk entgegen. Vielleicht werde ich es nachher zeichnen.

Auch sonst hat sich einiges verändert. Die Wellen haben die Tamariske, die nur noch ein Haufen toter Stämme ist, seit jemand ihre riesigen Wurzeln durchsägte,  weitergetragen bis hin zu dem, was vom Schwesterbaum verblieben ist.

Dora ist verstört, als sie die Stämme so hilflos und entblößt von ihrer Borke herumliegen sieht. „Warum?“ klagt sie. „Ich arbeite immerzu, um euch glücklich zu machen, und dann kommt einer her, sägt dem armen Baum die Wurzeln ab und und macht ihn unglücklich. Da hab ich keine Lust mehr, euch zu beschenken.“ Sie legt ihre Strahlendose auf den Stamm und ihre Geschenkbox in den Sand und schmollt.

„Kleine Dora, ich kann dich ja verstehen! Aber was nützt es zu klagen! Vielleicht schenkst du dem Baum ja neue Wurzeln?“ sage ich bittend.  Aber Dora ist sauer. „Bin ich dafür da zu reparieren, was ihr absichtlich kaputt macht?“

Nun, lange hält es Dora zum Glück nicht aus zu schmollen. Und so ist sie schon wieder munter dabei, als ich zum alten Haus gehe, um auch dort die Schäden zu untersuchen. Na, besten Dank! Da wird wohl nix mehr draus.

Als Dora eine Schaukel neben dem verwilderten Orangenbaum entdeckt, ist ihre gute Laune gänzlich wiederhergestellt. Ich atme auf. Es ist nämlich gar nicht angenehm für mich, wenn Dora schmollt.

 

 

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