Altes Portrait Annäherung No. 8 (tägliches Zeichnen)

Dieses Portrait zeigt eine junge Frau namens Katerina, Tochter einer Freundin und Kunststudentin. Es steckte nicht zwischen den anderen im Regal, sondern stand einsam auf einem Schrank, wo es von einigen BesucherInnen sogar beachtet wurde. Was es durchaus verdient, finde ich.

Heute beim Abzeichnen wurde mir besonders das wellenartig Fließende  bewusst, das dem Bild zusammen mit dem vorherrschenden hellen Blau etwas Träumerisches verleiht.  Schwierig, dies mit einem schwarzen Kugelschreiber nachzuempfinden.

Zwei Anläufe machte ich, beide nicht recht gelungen. Aber das Zeichnen gab mir wieder allerlei Stoff zum Nachdenken und Experimentieren.

Das Original ist ein kraftvolles Portrait, doch vermutlich kaum so, wie sich eine junge Frau gerne selbst sehen möchte. Wie aber möchte sie sich sehen? Ich vermute mal, sie möchte glatter, weicher, vielleicht auch mondäner erscheinen, also mehr der Art von Frauen entsprechen, die es im Kino zu Starrollen brachten.  Vielleicht fühlt sie sich hinter einer solchen „interessanten Maske“ sicherer. Warum sonst schminken sich die meisten jungen Frauen, selbst wenn sie eine ausgezeichnete Haut und ausdrucksvolle Augen und Mund ihr Eigen nennen?

Durch das Überblenden von Gemälde und Zeichnung sowie digitale Bearbeitung schuf ich die junge Dame etwas um. Stil 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts.

Ein Vergleich des Original-Portraits mit einer anderen bearbeiteten Überblendung macht anschaulich, was ich meine: links die Frau, wie sie „ist“ (Seelenbild) und rechts, wie sie „erscheinen möchte“ (Rollenbild).

oder auch in SW: links das Original, rechts die Überblendung

Nun, das sind so Spielereien.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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23 Antworten zu Altes Portrait Annäherung No. 8 (tägliches Zeichnen)

  1. Gisela Benseler schreibt:

    Dies Gemälde ist ja wirklich imposant und seelenvoll, – und stilvoll gemalt von Dir, Gerda. An welchen Maler erinnert der Stil? An Kokoschka vielleicht? Üppig im Ausdruck, in Fülle und Farben, verträumt aber, wie von einer anderen Welt kommend, das feine Gesicht und vor allem wieder diese seelenvollen Augen.

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  2. Gisela Benseler schreibt:

    Eine oberflächliche Betrachtungsweise sieht zuerst die Körperlichkeit. Wer aber den Menschen meint, schaut in die Augen, ahnt, was in der Seele vorgeht.❤

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  3. Gisela Benseler schreibt:

    Was Du nun neu hineinlegst, ist ein Versuch einer anderen Interpretation: Warum schöne Frauen sich schminken und damit etwas zudecken. Warum nur? fragst Du Dich und versuchst, darauf – kunstvoll – zu „antworten“. Das ist Dir auch gelungen, Gerda. Aber es ist eben etwas ganz anderes dadurch geworden.

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, Gisela. Es ist was anderes draus geworden. Ich erinnere mich an eine sehr liebe Freundin, die wollte nie ungeschminkt aus dem Haus gehen. Sehr sorgfältig ging sie vor, bedachte jede Kleinigkeit ihrer Erscheinung. Sie war dann tatsächlich sehr schön. Ich aber fand sie sehr viel liebenswerter ohne all die Aufmachung. Vor allem aber war sie eine ganz andere. Durch ihre Aufmachung zog sie Männer an, die zu ihrem eigentlichen Wesen überhaupt nicht passten, und so war sie sehr unglücklich in ihren Beziehungen. Sie starb früh.

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    • gkazakou schreibt:

      Nein, Gisela. Ich sagte es schon: jeder hat seine eigene Art, ich habe da keine korrigierende Absicht. Traurig war ihr frühes Sterben, ansonsten konnte sie meinetwegen so viel Schminke auflegen, wie sie brauchte, um sich wohlzufühlen.

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  4. Gisela Benseler schreibt:

    Eigentlich führen all die bewegten blauen Wellen zu dem blauen verträumten Seelenblick zurück. Dies ist das wahre Wesen, und es ist gut und stark und durch nichts zu ersetzen. Dies müssen wir Frauen stärken, bewahren, entwickeln, achten und nicht anpassen an von Männern erdachte Schönheitsmodelle.

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  5. Gisela Benseler schreibt:

    Schön, jetzt sieht man das Portrait ganz groß im Reader.

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  6. Werner Kastens schreibt:

    Wie wünsche ich mir, dass du mich siehst; welche Rolle will ich dir gegenüber spielen: heisst, mit welchen Geschichten und Bildern füttere ich dich, damit du meinen Erwartungen an mich/von mir „gerecht“ wirst oder reflektierst. Ist das nicht ein ständiges Maskieren und Schminken von uns allen, bei dem man gerne auch die Hilfe von anderen in Anspruch nimmt?

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, Werner, so ist es, leider. Ich weiß wirklich nicht, wozu das gut sein soll. Denn eigentlich möchten wir ja doch erkannt werden als die, die wir sind. Stattdessen leben wir mit Masken und Rollen und sind verdammt allein. Warum? Weil wir uns nicht trauen, wir selbst zu sein, weil wir glauben, dann werde man uns nicht mehr wertschätzen oder lieben. .Nun, ich persönlich bin da nun nicht mehr so ängstlich, vermutlich, weil ich alt bin. Schminken tue ich mich schon lange nicht mehr, und ich trage auch keine Maske. Liebe Grüße dir!

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  7. Dein Seelenbild zeigt eine wunderschöne junge Frau, die Du ganz wundervoll gemalt hast.
    Im Reader kommt dieses Portrait ausgesprochen gut zur Geltung. Ein echter Hingucker.
    Ich konnte meinen Blick kaum davon abwenden, so anziehend fand ich diese junge Frau in Deinem Gemälde.

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  8. Pega Mund schreibt:

    auch dieses frauenporträt spricht mich, wie schon das „marienporträt“ stark an, und ich kam eben noch einmal hierher zurück, um es erneut zu betrachten. bin aber schon recht müde, werde früh aufstehen und in einen arbeitsreichen tag gehen. deshalb nur dieser kurze gruß hier. mag sein, ich muss noch ein drittes mal hierher zurückkommen … gute nacht, liebe gerda!

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