Altes Portrait Annäherung No. 7

Dies ist eine andere Portraitstudie des Mannes aus Serbien, den ich vorgestern zeigte – der Mann, von dem ich sagte, dass er streng religiös und in gewisser Weise von religiösen Vorstellungen der Sünde und der Reinheit besessen war. Jedenfalls was dies mein Eindruck. Die vorige Studie zeigt ihn mit niedergeschlagenen Augen (s. links die Abbildung). Auf der heutigen aber sind die Augen weit geöffnet und dominieren das Gesicht.

Ich habe wiederum versucht, das Portrait abzuzeichnen. Obgleich die Zeichnung nicht an das gemalte Original herankommt. hat sie doch auch ihre Berechtigung und ist nicht zum Wegwerfen, finde ich.

Es ist dasselbe und doch ein ganz anderes Gesicht geworden. Dasselbe insofern, als es bis auf kleine Abweichungen formal dem Original entspricht, wie ich beim Überblenden feststellte. Der entscheidende Unterschied liegt wieder in der emotionalen Aufladung, über die ich ja schon bei den vorigen Versuchen gesprochen habe. Ein lebendiges Modell wirkt auf mich ganz anders als eine Vorlage. Das ist auch der Grund, warum ich lieber mit Modellen arbeite. Diese experimentelle Reihe bestätigt es mir erneut.

Gemälde-Zeichnung 50% überblendet, unbearbeitet, leicht beschnitten.

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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14 Antworten zu Altes Portrait Annäherung No. 7

  1. Gisela Benseler schreibt:

    Das Gemälde mit den geöffneten Augen ist unglaublich lebendig und sprechend, und es spricht eine so klare Persönlichkeit daraus hervor. Wie unterschiedlich ist der Ausdruck der beiden Augen und der beiden Gesichtshälften, und gerade darum bilden sie ein Ganzes.
    Die Zeichnung ist Dir aber auch sehr gut gelungen, Gerda. Aber es spricht daraus eine ganz andere Persönlichkeit.
    Die Überblendung aber spricht mich wenig an. Da ist das Lebendige verlorengegangen, finde ich.

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  2. Gisela Benseler schreibt:

    Aber nein, ganz verlorengegangen doch nicht. Es leuchtet aus den Augen.

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  3. Gisela Benseler schreibt:

    Jetzt wird das 1. Portrait mit den geschlossenen Augen oben als Ausschnitt ganz groß gezeigt, also die Augenpartie. Da sehe ich erst, wie expressiv und farblich ungewöhnlich kräftig Dein Pinselstrich ist. Das kommt in der Gesamtansicht so kaum zum Ausdruck, macht es aber insgesamt so lebendig.

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Gisela. das ist der Grund, warum ich nun noch mal den Ausschnitt gezeigt habe. Die Strichführung, auf die ja eigentlich alles ankommt, geht im kleinen Foto ziemlich verloren..

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      • Gisela Benseler schreibt:

        Ja, aber das andere Portrait mit den offenen Augen ist wirklich noch schöner und großartiger. Mir scheint, darin belebt sich eine Kindheitserinnerung an einen Jugoslawen? So ein lebendig gemaltes Auge wie das vom Betrachter aus linke sah ich noch nie gemalt. Das andere Auge dagegen ist völlig ausdruckslos, vielleicht bewußt so gewollt, als Kontrast.

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  4. Gisela Benseler schreibt:

    Nein, auch nicht völlig ausdruckslos. Nur völlig anders.

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  5. Gisela Benseler schreibt:

    In derZeichnung hast Du den ganz unterschiedlichen Ausdruck der beiden Augen ja sehr schön zum Ausdruck gebracht.

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  6. Stefan Kraus schreibt:

    Beide Portraits sind ganz stark. Das mit den geöffneten Augen noch mehr. Es zeigt zwei Seiten dieses Menschen (oder von dir, der Malerin). Je eine Gesichtshälfte abgedeckt erscheinen zwei sehr verschiedene Ausdrücke.

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    • Stefan Kraus schreibt:

      Oh, sorry, lese jetzt erst die anderen Kommentare und sehe, dass das ja schon zur Sprache kam …

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      • gkazakou schreibt:

        Danke, Stefan, für deine Wahrnehmung. Tatsächlich sind die zwei verschiedenen Gesichtshälften bzw Augen für mich ein Leitmotiv. Ich nehme sie bei vielen Menschen, auch bei mir selber wahr und treibe sie durch die Art, wie ich sie wiedergebe, ins Extrem. Mir scheint, in dem einen Auge drückt sich tendentiell das Wollen, das bewusste Zugreifen auf die Welt aus, in dem anderen das nicht zum Ausdruck gebrachte Gefühl, das Leiden, das unbewusst. Mitlaufende. Aber es ist nur eine Tendenz.

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  7. Da ist Dir mit der Gemälde-Zeichnung 50% überblendet, unbearbeitet und leicht beschnitten
    irgendwie ein ganz neuer Mensch gelungen. Fast hätte ich geschrieben, er schaut nun geläutert aus, als hätte er Gelassenheit gefunden, Gerda.

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  8. Gisela Benseler schreibt:

    Wie verschieden sind doch die 3 Portraits desselben jungen Jugoslawen! Irgendwie erkennt man ihn wieder. Doch vergleicht man sie – nebeneinander – zeigen sie 3 ganz verschiedene Seiten einer Persönlichkeit. Diese Dritte spricht mich jetzt noch stärker an als die 2 anderen.
    Es kommt etwas Zartes, Weiches, sehr Menschliches darin zum Ausdruck, als Seeleneigenschaft, die herausleuchtet aus den Augen und der Form der Haare und der Gesichtszüge.

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