Und wieder habe ich ein Portrait aus dem Stapel gezogen. Das klingt einfacher als es ist. Denn die alten Bilder sind hoch gelagert und dicht neben- und übereinander gestapelt, teilweise mit einander verkeilt, und wenn man mühsam eins rauszieht, kommt einem der ganze Stapel entgegen. Umso mehr empfinde ich es grad als notwendig, mir diese weggestapelten Portraits eins nach dem anderen zu vergegenwärtigen, indem ich versuche, sie abzuzeichnen.
Heute ist es das Bildnis einer jungen Frau, Maria hieß sie. Sie studierte an der Kunstakademie. Wir hatten angehende Künstlerinnen besonders gern als Modell, denn sie fragten nicht danach, ob ihr Portrait „ähnlich“ oder gar schmeichelhaft wurde. Sie betrachteten es ausschließlich nach künstlerischen Gesichtspunkten und gaben uns so manchen nützlichen Rat.
Hier nun also „Maria“.
Ich verlor mich beim Abzeichnen in die schmerzhaften Lippen, die traurigen Augen, und es gelang mir keine brauchbare Zeichnung. Nur das eine Auge ließ ich gelten. Hier habe ich den rechten Teil der Zeichnung wie eine Halbmaske über das gemalte Gesicht gelegt.



































