Altes Portrait: Annäherung No. 6 (Maria)

Und wieder habe ich ein Portrait aus dem Stapel gezogen. Das klingt einfacher als es ist. Denn die alten Bilder sind hoch gelagert und dicht neben- und übereinander gestapelt, teilweise mit einander verkeilt, und wenn man mühsam eins rauszieht, kommt einem der ganze Stapel entgegen. Umso mehr empfinde ich es grad als notwendig, mir diese weggestapelten Portraits eins nach dem anderen zu vergegenwärtigen, indem ich versuche, sie abzuzeichnen.

Heute ist es das Bildnis einer jungen Frau, Maria hieß sie. Sie studierte an der Kunstakademie. Wir hatten angehende Künstlerinnen besonders gern als Modell, denn sie fragten nicht danach, ob ihr Portrait „ähnlich“ oder gar schmeichelhaft wurde. Sie betrachteten es ausschließlich nach künstlerischen Gesichtspunkten und gaben uns so manchen nützlichen Rat.

Hier nun also „Maria“.

Ich verlor mich beim Abzeichnen in die schmerzhaften Lippen, die traurigen Augen, und es gelang mir keine brauchbare Zeichnung. Nur das eine Auge ließ ich gelten. Hier habe ich den rechten Teil der Zeichnung wie eine Halbmaske über das gemalte Gesicht gelegt.

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Dora zum ViertenZweiten: Am Hafen (Über Besitzen und Schenken)

„Soll ich dir die Yacht schenken?“ ruft Dora und lässt ihre Geschenkfackel sprühen. „Danke, nein“, rufe ich zurück. „die ist mir zu mondän! Aber wie wärs mit einem Kutter?“ – „Willst du den großen weißen oder lieber den kleinen dahinten?“ schreit Dora und hüpft beängstigend nah am Rand der Hafenmole entlang. „Der weiße gehört doch der Polizei, das geht nicht! Das gibt Ärger,“ schreie ich zurück. „Der kleinere wär mir recht. Aber sicher gehört der auch jemandem, den kannst du mir nicht schenken.“

Wird Dora jemals begreifen, was Eigentum ist? Sie denkt, alles gehört allen oder niemandem, man könne es hin und her verschenken, je nach Gusto und Augenblicksstimmung. Ein Boot, das am Kai liegt, und niemand braucht es, warum sollte sie es mir nicht schenken, denkt sie, damit wir eine kleine Spritztour machen? Danach, meint sie, könne ich es ja an den nächsten Interessierten weiterschenken. Ach Dora! So geht das nicht! Um etwas verschenken zu können, muss man es erst mal besitzen. Schließlich gibt es Eigentumsgesetze, die sind unerschütterlich, ehern und für immer in Stein gehauen.

„Komm“, sage ich, „gehen wir mal da rüber, angucken können wir den Kutter ja“. Also gehen wir rüber, aber der Zugang ist mit einer Schranke gesperrt. Ein Mann in einem Wachhäuschen, fast noch ein Junge, verkündet uns, man erwarte ein Schiff, darum.  „Ein Schiff kommt?“ freut sich Dora. „Das wollen wir ansehen! “ Und so spazieren wir am hohen Zaun entlang bis zum Ende des Hafenbeckens, dort, wo eine weitere Mole mit einer hohen stabilen Mauer den Hafen vom offenen Meer abschirmt. Wir lehnen uns mit dem Rücken an die sonnendurchwärmte Mauer und schauen. Das Meer atmet tief und traumverloren. Nirgendwo ein Schiff.

Na, dann eben nicht. Auf dem Rückweg machen wir vor einem Riesengraffiti halt, das mir schon zuvor aufgefallen war: Adams lebendiger Finger berührt den Finger eines Kunstmenschen, so dass Funken sprühen. Dora interessiert sich nicht für das Graffiti und erst recht nicht für meine düsteren Gedanken, sondern für die Katzen, die direkt davor aus einem Napf fressen. Ein Hafenarbeiter hat ihn soeben gefüllt. „So geht schenken,“ sagt Dora und guckt mich naserümpfend von der Seite an. „Der Mann versteht mehr vom Schenken als du. Oder hat er etwa danach gefragt, wem die Katzen gehören?“

„Bei Katzen ist es was anderes,“ murmele ich wenig überzeugend. „Katzen gehören niemandem, grundsätzlich. Boote hingegen…. Komm, ich mache dir eins, ja? Und das schenke ich dir dann. Einverstanden?“

Auf gehts! Schiffchen ahoi!

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Extraetüden No 2: Der Klimawissenschaftler und sein Weib – Ein kata-strophischer Wechselgesang

Und noch eine kata-strophische Runde zu Christianes abc-Extraetüden!  Gefragt ist, wie ihr wisst, ein Text, in dem fünf von sechs Wörtern untergebracht sind. Welche? Nun, die seht ihr hier:

Extraetüden 05.22 | 365tageasatzaday

Das neue Legebild ist aus exakt denselben Schipseln gemacht wie das zur ersten Extraetüde. Zum Vergleich:

Der Klimawissenschaftler und sein Weib

ein kata-strophischer Wechselgesang

.

Wie wird das Wetter, Herr Wetterprophet?

Ich hoff, es wird erfreulich

Wenn’s mit dem Wetter noch lange so geht

Wärs völlig unverzeihlich.

*

Bleib du mir vom Leib, geschwätziges Weib

Mit deinem Wünschen und Hoffen

Du redest nur zu deinem Zeitvertreib

Ich befass mich mit ernsthaften Stoffen.

*

Ach Lieber, ich brauch einen Hoffnungsschimmer

Dass die Sonne mal wieder kräftiger scheint

Du warnst nur immer, es werde schlimmer

So sag doch, was deine Wissenschaft meint?

*

Unverdrossen studier ich das Klima

Das deinem Wackelpudding gleicht

man rechnet es aus, und alles scheint prima

Doch will man es fassen, es stets zurückweicht.

*

Ich fürchtete längst, dass all deine Kunst

Nichts ist als ein hilfloses Raten

Du hast, so scheint mir, noch gar keinen Dunst

Was wirklich bedeuten die Daten.

*

Es ist, wie es ist, meine gnädige Frau

Ich wäre wirklich gern netter

Doch ich beobachte nur genau

Ich mache ja nicht das Wetter.

*

So bist du nutzlos, mit all deinem Wissen

Mit deinem Studieren des Klimas und so

Ich setz mich jetzt hin und näh dir ein Kissen

Für deinen geplagten Gelehrtenpopo.

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aktuelles Legebild

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Altes Portrait: Annäherung No. 5 (Bezug zu Jawlensky)

Auch dieses Portrait stellt einen serbischen Flüchtling dar, der während des Jugoslawienkriegs nach Griechenand kam und uns Modell saß. An seinen Namen erinnere ich mich nicht, wohl aber, dass er tief religiös war. Gerade darum aber litt er sehr an seiner eigenen Glaubenslosigkeit. Das ist nur scheinbar ein Widerspruch, denn der Nicht-Religiöse leidet an seiner Glaubenslosigkeit nicht, der Religiöse aber findet sich nie gut genug und quält sich mit Schuldgefühlen. Sein einziges Bestreben ist die Läuterung, also die Überwindung seiner fleischlichen Versuchungen und die vollkommene Hingabe an Gott.

Dieser innere Konflikt ist auf dem damals gemalten Portrait festgehalten: niedergeschlagene Augen, meditative Stimmung einerseits – zerrissene Farben, unruhige  Schatten und Licht, die über die asketischen Züge huschen, andererseits.

Die xpressionistische Portrait-Skizze habe ich heute abend abgezeichnet. Ich zeige einige Ergebnisse mit Überblendungen und digitaler Bearbeitung, Dabei fiel mir eine Ähnlichkeit mit der allmählichen Abstrahierung von Gesichtszügen bei Jawlensky auf. Jawlensky (1864/1865–1941) malte zuerst expressive starkfarbige Portraits, die allmählich immer zeichenhafter wurden. Auch bei ihm spielte die religiöse Suche eine beherrschende Rolle.  (Falls es dich interessiert: du findest unter dem Suchwort „alexej von jawlensky Christus“ eine reiche Auswahl.)

Und so ist es vielleicht kein Zufall, dass dieses Portrait, sofern man es ausreichend abstrahiert, den zeichenhaften Portraits von Jawlensky ein wenig ähnlich wird.

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Dora zum DrittenZweiten: Sonnenstrahlen sammeln

Der Tag war wieder so reich und vielfältig und Dora so voller Eifer, dass es mir schwer fällt, nur eine Episode herauszugreifen. Aber nun, seis drum!

Am Nachmittag spaziere ich noch mal los, um den frischen Wind und die klarfarbige Welt zu genießen.

Ich bestaune die Olivenbäume, deren mächtiges Adergeflecht vom späten Licht besonders schön skulpturiert wird,

und habe Dora einen Moment aus den Augen verloren. Als ich mich zum Meer wende, sehe ich sie. Sie sammelt Sonnenstrahlen, so wie Bienen Pollen sammeln! Ihr Päckchen, das sie stets unter den Füßen mitträgt, ist schon ganz aufgeschwollen von all dem Licht.

„Es gibt große Nachfrage nach Sonnenstrahlen“, erklärt sie mir, als sie strahlend wieder auf meiner Schulter landet. „Alle wollen mindestens einen haben, ich komme kaum nach mit dem Sammeln. Sie sagen, ein einziger Sonnenstrahl würde sie schon glücklich machen. Und hier gibt es ja wirklich reichlich davon“.

Da hat sie freilich recht. Hier gibt es reichlich davon, jederzeit, und sie sind von besonders guter Qualität. Also darfst du dir auch einen wünschen, er kommt dann per Express bei dir an.

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Altes Portrait: Annäherung No 4 (in Erinnerung an Bouzianis)

Zum vierten Mal zog ich ein altes Portrait aus dem Stapel der Leinwände. Wieder ist es das Portrait eines jungen Mannes. Ich weiß nicht, wer es war, aber ich erinnere mich, dass ich das Bild unter dem Eindruck der Malerei von Giorgos Bouzianis (1885-1959) gemalt habe. Ich suchte damals nach griechischen Malern, die mich innerlich ansprachen, und fand zwei: einer war Bouzianis, expressionistischer Maler, in München ausgebildet wie so viele seiner Kollegen. Das, was mich anzog, war zugleich etwas, was mir selbst ganz fehlte: das zutiefst Malerische seiner Kunst. Bei ihm entwickelt sich die Form aus der Farbe, bei mir aus der Linie.

Dieses Portrait nun kommt von allen meinen Versuchen seiner Malerei am nächsten. Ich mag es immer noch.

Heute zeichnete ich es ab …

 

und überblendete das Gemälde mit der Zeichnung. So eignete ich es mir wieder an.

Natürlich probierte ich auch ein paar Überarbeitungen aus. Hier habe ich einen einfachen Filter über die Zeichnung gelegt (Fresco) und das Gemälde damit überblendet. Mir scheint fast, als ähnele dieses überarbeitete Portrait dem Maler Bouzianis. Aber das kann auch Wunschdenken sein.

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Natur und Geselligkeit zu Mariä Lichtmess (mit Dora)

Heute feiert man, wie ich erfuhr, Mariä Lichtmess. Ich erfuhr es durch zwei Freundinnen,  da sie arbeitsfrei hatten. Die „Begegnung des Herrn“ (Ὑπαπαντὴ τοῦ Κυρίου) wird in Kalamata besonders prunkvoll gefeiert, denn ihr ist die Hauptkirche geweiht. Daher strömten viele in die Stadt, sie aber wollten lieber in die umgekehrte Richtung – aufs Dorf.

Wir verabredeten uns in einer bäuerlichen Taverne. Als ich eintraf, saßen sie schon zu Sechst um den großen Tisch neben einem flackernden Kaminfeuer.  Welche Freude: endlich wieder ohne Maske und Zertifikat. Nein, hier brauche man das nicht, wurde mir versichert.  Grad zuvor hatte ich einen mich sehr berührenden Eintrag von Trittenheim (Jules van der Ley) über die Geselligkeit am Herdfeuer gelesen  –  und nun war ich mitten drin. Drei ältere bärtige Männer und eine Frau wurden mir vorgestellt, ich hatte sie nie zuvor gesehen. Das lebhafte Gespräch, das durch meine Ankunft unterbrochen worden war,  ging weiter. Rötlicher Wein in den üblichen kleinen Wassergläsern, man prostete sich zu, man erzählte, zwanglos, wie es sich ergab.

Dann gingen wir zu Dritt (oder, mit Dora, zu viert) spazieren, durchs Dorf und drüber hinaus. Der Starkregen der Nacht und des Vormittags hatte die Pfade zum Teil in Bäche verwandelt. Um das Vorgebirge des Taygetos trieben weiße Wolkenschleier. Die Ebene in fahlgrünem Olivengrau, hier und da ein Haus, eine Kirche. Am Wegrand zwischen mächtigen Wolfsmilchgewächsen ein paar zerzauste wilde Iris und eine rote Anemone. Eine Schafherde – der Hütehund wich scheu vor uns zurück, der Hirte erklärte uns den Weg.

Hier seht ihr Dora, die zum letzten Schaf eilt, damit dieses nicht den Anschluss verpasst. Den auskunftsfreudigen Hirten beschenkt sie mit einem goldenen Lichtball.

Eine mächtige Platane und die Hauptkirche des Dorfes im Hintergrund.

Dora sorgt auf dem Rückweg für angenehme Beleuchtung. Du siehst sie nicht? Dann schau mal genau hin! Ja, richtig, da oben auf dem Telegrafenmast balanciert sie! Rechts ein Stück der Hauptkirche, links ein prächtiges, leider zerfallendes Haus, beide am Dorfrand.

Und nochmal zur Taverne, wo die vier Zurückgebliebenen eine letzte Zigarette rauchen und auch wir einen letzten Schluck Wein trinken. So mag ich das Leben, so darf es sein! „Kai tou hronou“ (aufs nächste Jahr)!

Leider ist dies Bild, das eigentlich an den Anfang gehört, hier unten gelandet, und ich weiß nicht, wie ich es umstellen kann. Im Reader sehe ich es nun doppelt.

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Dora zum Zweiten Zweiten ZweiundZwanzig: Hoffnung (Fundstück)

Welches Fundstück ist geeignet, um dieses besondere Datum zu ehren?

Fundstück: das ist das erste Wort in Wortmans neuem Fotochallenge.

Besonderes Datum: bei uns sind die Uhren schon eine Stunde weiter, also ist seit zehn Minuten der 2.2.22. Gestern chinesisches Neujahrsfest, heute Solarsturm. Pardon, ich rede Unzusammenhängendes. Der Solarsturm, der heute in den Morgenstunden die Erde treffen und einige Computer zum Absturz bringen wird, sofern die NASA Recht behält, hat natürlich gar nichts mit dem Jahr des Wassertigers zu tun, dessen Beginn die Chinesen feiern. Und auch nichts mit unserem christlichen Kalender und dem besonderen Datum 2.2.22. Diese Ereignisse treffen nur zufällig zusammen – wie so vieles andere auch. Es sind Zufallsfunde wie all die Fundstücke, die in dieser Woche unter Wortmans Ägide eintrudeln und gemeinsam ein ungeplantes Gesamtkunstwerk schaffen werden- nicht unähnlich dem Wind, der Myriade ein Kunstwerk vor die Füße blies.

Ist es Zufall oder doch eher Synchronizität? Würfelt da jemand oder handelt es sich um ein bewusstes Synchronisieren durch geistige Wesenheiten, die sich einen Scherz mit uns erlauben? „Gott würfelt nicht“, lautete, glaube ich, eine felsenfeste Überzeugung von Einstein. Also gibt es so etwas wie Quantensprünge nicht. Oder doch?  Nun, wie auch immer.

Langer Rede kurzer Sinn:

Ich fand, als ich eines Tages in Salerno südlich von Neapel spazieren ging, drei Wörter: ESPERANZA – ESPOIR – HOPE.  Die fotografierte ich. Heute, auf der Suche nach einem Fundstück, fand ich sie in meinem Archiv wieder. Ich fand natürlich noch vieles andere auch. Aber Dora war sich sicher: „Die Leute brauchen HOFFNUNG, also tust du gut daran, dieses Fundstück zu nehmen. Es ist schließlich kein Zufall, dass Hoffnungsschimmer bei Christianes abc-Etüden und Zündstoff Hoffnung bei Petra Pawlofsky auf dem Programm stehen.“

So, und nun ist es auch bei euch in Deutschland und Österreich soweit: Schlag zwölf!  2.2.22

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abc-extraetüde: Kata-strophischer Dialog mit einem lebenserfahrenen Herrn

Extraetüden 05.22 | 365tageasatzaday

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/01/30/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-05-22-extraetueden/

Kata-strophischer Dialog mit einem lebenserfahrenen Herrn

 

Der Meister

Du kleiner Wackelpudding, du

Bist noch ein unbeschriebnes Blatt

Es schweige und es höre zu

Wer von nix wirklich Ahnung hat

 

Hingegen ich!  Stets unverdrossen

Auch wenn die Welt es böse meinte

Nie wie ein Pudel, der begossen

Ich  greinte und mich selbst beweinte.

 

O nein, selbst  in dem tiefsten Loch

Erspähte Hoffnungsschimmer ich

Und wenn ich aus dem Loche kroch

Flickt ich die Lumpen säuberlich

 

Und nähte sie wie neu zusammen

Denn unverzeihlich, armes Kind

Wärs sie zu werfen in die Flammen

Nur weil sie alt und hässlich sind.“

 

Der Lehrling

„Ach,  großer Meister, danke sehr

Für Lebensweisheit die Ihr spendet

Ich hörte gerne noch viel mehr

Doch nun ist dies Poem beendet.“

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Dora zum Ersten Zweiten: Beginn des Tigerjahrs

„Hast du heute Nacht das Feuerwerk gehört?“ fragt mich Dora, als ich mich nach schlafloser Nacht an die Kaffeemaschine begebe. „Nee, wo denn?“ murmele ich mundfaul.  „Na, drüben in China! Wo sie die Feuerwerke erfunden haben! Bei denen begann heute Nacht das Neue Jahr!“ – „Und das hast du gehört… Hahaha,“ versuche ich zu lachen. „Nicht das Feuerwerk in China konnte ich hören, aber in Kalamata gibts auch Chinesen, und Koreaner und Vietnamesen, die haben heute Nacht geballert. Hast du es nicht gehört?“ – „Nein. Ich trage nachts kein Hörgerät. Das fehlte mir noch“, antworte ich grimmig. „Und nun lass mich erstmal einen Kaffee trinken, ja?“

Ein bisschen schäme ich mich. Da muss erst Dora kommen, um mich dran zu erinnern, dass für jeden fünften Menschen auf der Erde heute ein Neues Jahr beginnt. Und dass sie es nirgends richtig feiern können, schon gar nicht in China. Damit es mit der Olympiade im Februar klappt, bleiben die meisten Chinesen dort, wo sie sind, und reisen nicht zu ihren Familien. Das Neue Jahr traditionell feiern – das durften sie zuletzt vor drei Jahren… Staatsfeiern im Fernsehen, ja, die wird es wohl geben. Und ein bisschen Feuerwerk hier und da, wo Chinesen leben.

„Warum bist du immer so griesgrämig?! Fällt dir gar nichts Erfreuliches ein, um die Ankunft des Tigers ein bisschen mitzufeiern?“ fragt mich nun Dora. Hm, da war doch was: eine abc-etüde über Tiger, aha, ja, am 28. Januar 2020 geschrieben, als der laufende Alptraum.eben an den Start ging. Die Story könnte Dora gefallen. Und dir vielleicht auch. Thematisch ist sie jedenfalls höchst passend, ja geradezu prophetisch.

abc etüde: Eine Tigerstory (Kata-Strophen)

Nun bin ich ja gespannt, wo sich Dora in die Geschichte einfädelt. Wird sie den Holztiger, der im Spiegel einen wilden freien Tiger erblickt, erleuchten, dass er selbst dieser freie Tiger sein kann?

Wird Dora den beiden Freunden den Weg durch den Flughafen bahnen und ihnen einen Platz im Flugzeug sichern?

Vielleicht hilft sie ihnen am Hafen, ein Schiff zu besteigen, um in die Freiheit zu gelangen?

Ich sehe sie tatsächlich hier und dort aufblitzen. Schließlich begibt sie sich dahin, wo der freie Tiger in arger Bedrängnis lebt. In einer Astgabel deponiert sie ihr Päckchen mit dem Zündstoff Hoffnung, auf dass er frei leben kann, wie es seiner Art entspricht.

Alles Gute dem chinesischen Volk, alles Gute allen Menschen, für die heute, am zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende, das Jahr des Tigers beginnt. Möge es ein Gutes Jahr für Mutter Erde und alle ihre Geschöpfe werden.

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