Kata-strophischer Wetterbericht (abc-Etüde)

Dies ist ein Beitrag zu Christianes abc-etüden, nach Wortspenden von Puzzeblume

Wetterbericht
ordentlich
irisieren.

Schreibeinladung für die Textwochen 20.21.22 | Wortspende von puzzleblume

Erbarmungslos wieder der Wetterbericht

Für endlose  Zeiten kein Regen in Sicht.

Ach wenn es doch ordentlich gösse!

Und Wasser in Strömen rabflösse!

Doch nirgends ein Fitzelchen Grau

 nur dies irisierende Blau

Kein Regen in Sicht

Kein Tröpfchen

Aufs Köpfchen

kein Tropf

Klopf

Opf

pf

t

Doch dann begann

ich weiß nicht wann

ein Tropfen und Rieseln

ein Pläschern und Nieseln

ein Strömen und Rauschen und gurgelndes Stöhnen

Ein Donnern und Blitzen und mächtiges Dröhnen

Der Himmel ging auf und entließ seine Fluten

die strömten herab auf die Bösen und Guten

und die Meere die schwollen

die Donner die grollen

Die Welt ging entzwei

Doch auch das geht vorbei.

Die Sonne sie trocknet den Rasen

da freun sich Karnickel und Hasen

Das Licht erscheint wieder im uralten Glanz

Schon erklingen die Lieder, sie rufen  zum Tanz.

Schon tanzen die Mücken, schon tanzt auch der Floh

Wir Menschlein treiben es ebenso.

 

 

 

 

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Dora zum FünfundzwanzigstenFünften: Gerümpel und Graffiti

„Was willst du mit diesem alten Gerümpel? Warum fotografierst du es?“ fragt mich Dora erstaunt. Wir befinden uns im Zentrum von Kalamata, um Rohrgeflecht als Sonnenschutz für die Dachterrasse zu kaufen.  Wind und Wetter haben das alte zerrissen und langsam abgetragen.  – „Och, ich mag so was!“, antworte ich ausweichend und fotografiere eine Hausfront, die von einem abenteuerlichen Gerüst umgeben ist. Die Renovierungsarbeiten wurden offenbar vor langer Zeit eingestellt, aber das Gerüst blieb stehen.

„Und was magst du daran?“, möchte Dora, jetzt schon neugieriger, wissen. Nun muss ich nachdenken. „Die irren Formen, glaub ich. Dies Zusammengestückte. Und die Materialien, aus denen die Häuser gemacht sind und die man normalerweise nicht sieht… Es ist, als ob man hinter die Fassaden schaut, die die Menschen aufbauen, um die Wahrheit zu vertuschen. Hier sieht man endlich mal durch“ – „Das ist doch Quatsch“, meint Dora streng. „Fassaden bauen sie, damit ihnen nicht jeder in die Suppe spucken kann.“ – „Hm, ja. Sicher. Ich versuche ja auch nur zu verstehen, was mir an diesem Gerümpel gefällt.“ – „Und? Weißt du es jetzt?“ – „So und so. Zum Ersten stimmt das, was ich eben sagte: Es ist so viel Wahrheit in diesen zerborstenen und halbwegs wiederhergestellten  Wänden. Man spürt die Vergänglichkeit, und wie sehr der Mensch bemüht ist, trotzdem ein bisschen Stabilität in sein Leben zu bringen.  Die alten Griechen sagten: Lebe so, als würdest du morgen sterben, und baue für die Ewigkeit. –

„Hihi, Ewigkeit ist gut!“ schreit Dora. –

„Also da ist dies Gefühl der Brüchigkeit“, fahre ich fort, ohne auf ihren Einwurf einzugehen. „Und dass im Leben nur der erfüllte Moment zählt. So wie bei diesem Graffiti!“ und ich zeige auf ein Wandbild, das von Skitsofrenis stammt.

Daneben gibt es ein anderes Graffiti vom selben Künstler, das von der Graffiti-Konkurrenz durch Aufsprühen von Brille und Schnurrbart entstellt wurde. Es zeigt den Dichter Odysseas Elytis und eine Gedichtszeile: Λάμπει μέσα μου κείνο που αγνοώ. Μα ωστόσο λάμπει. “ Zu Deutsch etwa:  Es leuchtet in mir jenes, was ich nicht kenne. Und dennoch leuchtet es.  Ich habe es schon früher einmal gezeigt, da war es noch intakt:

Und wie so oft denke ich an Ransmayrs „Letzte Welt“: Nichts bleibt, wie es war. In meine Gedanken hinein höre ich Dora krähen: „Guck mal, da ist noch einer! Ganz verhüllt ist der! Nur Nase und Mund gucken raus, gruselig!“ Ob für ihn auch die Elytis-Zeile gilt: Es leuchtet in mir jenes, was ich nicht kenne. Und dennoch leuchtet es?

Währenddessen wandert mein Blick weiter über die Fassaden der Häuser und die Mühsal der Menschen. Darüber, gleißend in der Hitze, das fast grausame Blau des Himmels. O ja, ich mag diese Welt, auch wenn sie die letzte sein sollte.

 

 

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Guten Morgen ohne Sorgen

Ein Blumengruß zur Stärkung der Immunkräfte gegen die Übel der Zeit.

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Dora zum VierundzwanzigstenFünften: Steinweib

Ich baue manchmal Steinmännchen. Ich baue gemächlich und ohne größeren Ehrgeiz.

Anders Dora. Die Geschwindigkeit, mit der sie diese steinerne Dame zaubert, ist atemberaubend.  „Schmeiß mir mal den dicken schwarzen her…“ schreit sie, „und den kleinen grauen!“ und balanciert und hüpft, dass mir schwindlig wird.

Für ein Abschlussfoto posiert Dora stolz mit einem gelben Steinchen, das sie gleich auf den Hut des Steinweibs setzen wird.  Bravo, Dora!

 

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Dora zum DreiundzwanzigstenFünften: Reisebuchung

„Was machst du denn so lange am Computer?“ fragt mich Dora. „Seit Stunden sitzt du dran und siehst schon fix und foxy aus.“ – Ich schaue Dora aus leicht verquollenen Augen an. „Fertig. Ich hab ne Reise gebucht. Flüge und Hotels.“ – „Und das dauert so lange?“ – „Ja, Dora. Ich fliege nicht allein, also muss man koordinieren, wer will was, wer kann wann, was gibt es überhaupt für Angebote, wie geht das mit der Bezahlung und dem Stornieren…“ – „Stornieren?“ – „Stornieren“, erkläre ich, „bedeutet, dass man, wenn man schließlich doch nicht reist, alles oder ein Teil des Geldes zurückbekommt.“ – „Aber wozu denn stornieren, wo du doch reisen willst?“ – „Klar will ich, aber wer weiß, was bis Mitte Juni, wenn die Reise losgehen soll, noch alles passiert.“

„Ach komm, alte Schwarzseherin!“ schreit Dora. „Nix wird mit Stornieren! Ich sorge schon dafür, dass alles flutscht! Wohin willst du denn eigentlich reisen?“ – „Nach Rom.“ – Dora macht große Augen. „Da, wo der Papst wohnt?“ – „Ja“, sage ich, „der wohnt auch dort. (woher weiß sie eigentlich was vom Papst?)  Aber nicht nur er. Außer ihm gibt es noch ein paar Millionen andere, die da wohnen.“ – „Und was willst du in Rom?“ – „Och, mal sehen. Am Tiber spazieren gehen…“ – „Tiber?“ – „Ja, das ist ein Fluss, der durch die Stadt fließt. Den mag ich sehr.“ –

img_8307 „Und wegen dem willst du nach Rom?“ – „Ja, deshalb. Und auch weil ich die Ewige Stadt mag und lange nicht da war.“ – „Wieso ewig?“ – Na ja, das sind so Übertreibungen. Athen ist älter. Rom wurde nach Athen groß und mächtig und glaubt, dass es ewig stehen bleiben wird. Man kann aber dran zweifeln, so wie die Welt sich grad entwickelt.“ – „Wie entwickelt sich die Welt denn grad?“ –  „Ach lass man, Dora, das ist ein weites Feld. Ich hoffe sehr, dass bis zu deinem Ende jedenfalls nichts Schlimmes passiert.“ –  „Mein Ende? Bin ich nicht ewig?“ – Ich seufze. „Nein, meine kleine Dora. Du nicht, ich nicht, und Rom vermutlich auch nicht.“- „Und wer bringt die Geschenke, wenn es mich nicht mehr gibt?“

 

Dora wird still. Sie scheint nachzudenken….

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Endlich wieder reisen! Allein dieser Gedanke macht etwas mit mir. Ich beginne zu träumen. Das Strömen des Flusses regt sich in mir und will mich mit sich fort tragen. Auf nach Rom!

Doch bis es so weit ist, heißt es: Geduld haben und hoffen. In Gedanken aber wandere ich bereits mit Dora auf der Via Appia…wie vor nunmehr sechs Jahren zuletzt.

und schaue dem Tiber beim Fließen zu, früh morgens, beim ersten Licht. „Ich freu mich“, sage ich noch zu Dora, bevor ich endlich schlafen gehe. „Gute Nacht“.

 

 

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farbige Filzstifte (tägliches Zeichnen)

Im Bemühen, meine Farbangst zu überwinden und wieder zum Malen zu kommen, habe ich gestern mit farbigen Filzstiften gezeichnet. Das ist ein recht kindliches Medium. Farbmischungen sind nicht möglich.  Man kann die farbigen Linien nur addidativ neben- oder übereinander legen. Das Auge muss sie dann selbst mischen.

Im ersten Versuch nahm ich mir einen Landschaftsausschnitt vor. Hier drei Phasen: Blau – plus Braun – alle Farben.

Dann skizzierte ich die Freundin, die ihrerseits zeichnete, drei Mal: mit braunem Stift, mit rotem Stift und noch mal mit braunem Stift. Diese Zeichnung überging ich dann mit den Farben Orange, Rot und Blau.

Schließlich machte ich mich noch einmal an die Landschaft, diesmal mit einem orange-rot blühenden Busch im Vordergrund, und verwendete Hell- und Dunkelblau, Hell- und Dunkelgrün, Rot, Braun und Orange. Es entstand eine schon fast „malerische“ Landschaft.

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Montag ist Fototermin: Farbharmonie

Spannende Farbspiele, manchmal bewusst fotografiert, oft erst entdeckt, wenn man das Foto betrachtet – sicher kennst du das. Da fragt man dann nicht nach den Gegenständen, sondern lässt sich von den Farbharmonien oder Dissonanzen überraschen. In der Natur scheinen sich harmonische Farbkonstellationen nach den Gesetzen der Komplementarität von allein herzustellen. Das weiße Licht „spaltet“ sich auf, verteilt sich rundum und fügt sich im Auge wieder zur Einheit zusammen. Ein Beispiel wäre das vorhin gepostete Foto der Knoblauchblüte: das Violett und das ockige Gelb sind komplementäre Farben, die Nebenfarben vermitteln zwischen den beiden Extremen.

In unserer mit chemischen Farben angereicherten technischen Umwelt sind die Farbgegensätze viel krasser. Aber auch hier sorgt das Licht für Ausgleich.

Wenn alle Stricke reißen, kann man das Bild auch kunstvoll verwackeln, um Harmonie herzustellen. In der Malerei kann man Entsprechendes durch Verwischen erreichen.

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Knoblauch

Was der Zwiebel recht ist, ist dem Knoblauch billig – dachte ich, als ich mich niederbückte, um einmal in Ruhe eine Knoblauchblüte zu betrachten. Sie sieht ja von Weitem der Zwiebelblüte sehr ähnlich: ein runder Doldenkopf auf langem Stiel, nicht weiß, sondern lila. Soviel wusste ich. Von Nahem aber?

Und da sah ich, dass die Knoblauchblüte nicht aus lauter Sternen, sondern aus Glöckchen besteht. Und war bezaubert.

Zum Vergleich noch einmal die Zwiebelblüte.

 

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Dora zum ZweiundzwanzigstenFünften: Prinkipessa

„Prinkipessa will essen“ –  informiert mich Dora. „Ich weiß“, murmele ich und versuche, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren, ohne mich ablenken zu lassen.

„Prinkipessa will essen“, ertönt nun Doras schon vorwurfsvollere Stimme. „Ich weiß“, sage ich, leicht entnervt. „Prinkipessa will immer essen. Morgens, mittags, nachmittags, abends und zwischendurch auch. Sie muss lernen, dass es nicht jederzeit Fressen gibt.“ – „Aber sie will essen!“ sagt Dora nun, und  ihre Stimme lässt keinen Widerspruch gelten. „Sie ist eine Mama und hat Rechte!“.

Ich seufze. Und greife nach der Futtertüte. „Man darf Katzen nicht die ganze Zeit füttern“, sage ich noch. „Einmal am Tag ist genug. Zuviel füttern ist nicht gut für sie.“ – Aber Dora ist anderer Ansicht. Und Prinkipessa auch. „Deine Experten interessieren mich nicht. Prinkipessa ist anders!“ sagt Dora und  lächelt ihrer Freundin aufmunternd zu.

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Globales versus lokales Dorf (Weltpolitik am Sonntag)

„Indes Europas Edelfäule
an Pau, Bayreuth und Epsom sog,
umarmte er zwei Droschkengäule,
bis ihn sein Wirt nach Hause zog.“

So heißt es in Gottfried Benns Gedicht „Turin“. „Er“ ist Nietzsche, das „Weltgenie“.

Nietzsche ist längst tot und begraben, aber seine Übermensch-Laudatio hat überlebt. „Europas Edelfäule“ hat sie für sich entdeckt. Was treibt unsere heutigen Übermenschen? Was zieht sie an? Nicht Pau, Bayreuth und Epsom, sondern die hybriden Welten von Schwab+Gates. Sie schweben durch die Pforten des Glücks und der Weisheit mitten hinein ins “Global Collaboration Village” – einzeln und allein, und nur, wenn sie sich ein entsprechendes „slot“ gesichert haben. Slot, nicht Schloss – einen Spalt, ein Zeitfensterchen müssen sie sich erkaufen, um einige glückliche Minuten ganz und gar dazuzugehören. Wozu? Zur Scheinwelt des Metaversums der Mächtigen dieser Zeit. Zum kollaborierenden globalen Dorf, dessen Hütten sich die Edlen von Politik-Finanzen-Weltumspannenden Konzernen-ShowBizz solidarisch teilen. Mussolini nannte diese Form der Zusammenarbeit „Korporatismus“*.

Für dich ist das Chinesisch? Weißt nicht, was das ist, die “pioneering WEF initiative to strengthen global collaboration using the metaverse’s immersive, interactive technology”? Auf Deutsch: „wegweisende WEF-Initiative zur Stärkung der globalen Zusammenarbeit unter Verwendung der immersiven, interaktiven Technologie des Metaversums” ?

Aufklären, worum es sich tatsächlich handelt, kann ich dich leider nicht. Ich gehöre ja nicht dazu, ich „kollaboriere“ nicht, ganz im Gegenteil: Ich wünsche den Kollaborateuren, dass sie samt ihrem Metaverse-Dorf möglichst bald kollabieren oder meinetwegen auch, dass sie in ihrem Metaversum stecken bleiben und den Rückweg nicht finden.

Ich gehe indessen ins lokale Dorf, trinke Wasser aus einer sehr realen Quelle und lasse die Kirchen dort, wo die Bewohner sie aus gutem Grund hingestellt haben.

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*Korporatismus bedeutet „zu einem Körper gehörend“.  „Der Geist des Korporativismus (…) war im Wesentlichen der einer Arbeitsgemeinschaft und einer schöpferischen Solidarität, deren feste Angelpunkte die Prinzipien der Sachkenntnis, der Qualifikation und der natürlichen Hierarchie waren, wobei sich das Ganze durch aktives Über-der-Person-Stehen, Selbstlosigkeit und Würde auszeichnete.“ (Julius Evola, ein Vordenker des italienischen Faschismus, zitiert nach Wikipedia). Wenn man die Sprache des WEF unter die Lupe nimmt, findet man genau diesen faschistischen Geist, der sich als „schöpferische Solidarität“ tarnt, während er tatsächlich extrem hierarchische Strukturen mit Unter- und mittleren „Führern“, mit „engstem Kreis“ und „Auserkorenen“ und  einem womöglich anonym bleibenden höchsten Führer (Big Brother) zu realisieren gedenkt.

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