Dora zum Einunddreißigsten: Zündstoff Hoffnung

Dora schaut mir wie gewöhnlich über die Schulter, als ich mir die Einträge zu Petras Gemeinschaftsprojekt „Zündstoff Hoffnung“ besehe. „Ich kann das auch!“ ruft sie aufgeregt. „Ich will auch zündeln!“

Und eh ich’s mich versehe, wird die Welt zur Bühne. Links sitzen in aufsteigenden Reihen auf zerbröckelnden steinernen Theatersesseln einige Gestalten, rechts erscheint ein T wie ein Tisch oder Altar oder doch eher wie der Auslöser einer altertümlichen Sprengmaschine? Dora springt auf das T und löst ihr goldenes Päckchen von den Füßen, hüpft dann leichtfüßig wieder herunter. Zurück bleibt das goldene Päckchen, das still vor sich hinglüht. Was hat Dora bloß vor? Mir wird mulmig zumute. Bedeutet das T womöglich …. Tod?

Lachend und gestikulierend kommt sie auf mich zugerannt.  „He, was hast du vor?“ rufe ich. „Du willst doch wohl nicht die ganze Welt in die Luft sprengen?“

„Ach was! Ich zündele bloß ein bisschen. Ihr wollt doch Hoffnung haben, oder? Also sollt ihr sie auch bekommen!“ Sie zielt mit ihrem Strahlentopf auf das Päckchen, da macht es Plipp und Plopp und schon beginnt eine Lichtexplosion. Im Zentrum erstrahlt eine Sonne. Drumrum bildet sich ein leuchtendes Kreuz, grad so, wie man es manchmal bei Sonnenuntergängen sehen kann. Die Gestalten auf den Theatersesseln zerfallen zu Staub.

„Na, ist das was?“ ruft Dora, die recht begeistert von ihrem Werk ist. „Ja,“ räume ich ein. „Das ist was“.

Ja, das ist was, wenn wie damals über der zerfallenden alten Welt, über dem Marterkreuz der Materie strahlend sich das Auferstehungskreuz erhebt und sich der Glaube ausbreitet, dass Liebe den Tod überwindet. Zündstoff Hoffnung genug bis zum heutigen Tag.

Danke, kleine Dora, für deine feine ΑΝΑΠΑΡΑΣΤΑΣΗ (griechisch: Nachstellen von Ereignissen, um sie zu veranschaulichen und besser zu verstehen)

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter alte Kulturen, Collage, Dora, Fotocollage, Geschichte, Krieg, Leben, Legearbeiten, Malerei, Meine Kunst, Mythologie, Psyche, Trnsformation abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Antworten zu Dora zum Einunddreißigsten: Zündstoff Hoffnung

  1. Pingback: Zündstoff Hoffnung/Fuel Hope 16* – da sein im Netz

  2. PPawlo schreibt:

    Liebe Gerda,
    herzlichen Dank für deinen Beitrag zum Projekt „Zündstoff Hoffnung“.
    Spontan kommt mir da, dass man keinen Zündstoff in eine Kinderhand geben sollte.
    Ich glaube nicht, dass Zerstörong zur Hoffnung führt. Auch wenn hier auf den Bänken bekannte Schurken sitzen. Vor allem nicht so leicht, wie Dora sich das vorstellt.
    Die Symbolik deiner Satire mit dem „Kreuz der Auferstehung“ ist mir fremd. Kommt sie aus der Bibel? Ich habe bei Sonnenuntergang auch noch keins gesehen.
    Wenn ich „Hoffnung“ und „Feuer, Zündstoff“ religiös oder biblisch sehe , dann spricht mich das Bild des Hl Geistes in Flammen an. So käme mehr Liebe und Hoffnung auf die Welt .
    Hoffnung verstehe ich als Zündstoff in unseren Seelen schon in unserem Leben.
    Allerdings ist diese Frage, ob Freiheitskampf oder nicht, für mich noch nicht abgeschlossen. Darüber habe ichja schon mehrere Beiträge gepostet und ich plane, diese Frage mir und anderen im Projekt auch noch einmal zu stellen. Von daher passt deine Satire gerade gut rein! Herzlichen Dank noch einmal. Liebe Grüße, Petra

    Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      Liebe Petra, wenn du meinen Eintrag als Satire aufgefasst hast, so hast du mich gründlich missverstanden. Es ist schwer heutzutage, die Message der Hoffnung (wörtlich: Evangelium,) rüberzubringen, drum wählte ich die kindliche Form, und ich sehe, da habe ich doch zu viel Freiraum für Missinterpretation gelassen. So wie dir geht es wohl fast allen heute, ob crhistlich getauft oder nicht. „„Kreuz der Auferstehung“ ist mir fremd. Kommt sie aus der Bibel?“
      Ich beziehe mich auf die „Zeitenwende“ und das erste Christentum, also auf mehrere Jahrhunderte, in denen die „Alte Welt“ zerstört wurde oder zerfiel und eine neue entstand, die in den gothischen Domen des Hochmittelalters ihren Höhepunkt fand. Die steinernen Theatersessel der Antike stehen noch (ich sah kürzlich welche im Anphierarium, einer Heilstätte in Attika), aber das Personal darauf ist zu Staub geworden. Wir sind die Lebenden, die die Hoffnung weitertragen müssen. Glauben wir noch an die Menschwerdung Gottes und die Auferstehung des Christus? Teilen wir die alles Alte mitreißende Hoffnung der ersten Christen, dass Christus den Tod durch Liebe überwand?. Von dieser Hoffnung sprach ich. Diese Hoffnung hat sich tatsächlich als Sprengkraft erwiesen, hat zur Zerstörung des Alten geführt. Sie hat als Flamme des Heiligen Geistes im Einzelnen gewirkt, ja, aber sie wurde über die Jahrhunderte hin schwächer und schwächer in den Menschen. Und ja, „Hoffnung verstehe ich als Zündstoff in unseren Seelen schon in unserem Leben“. Damit Hoffnung als Zündstoff wirkt, muss sie mit dem geistigen Feuer der Liebe gefüllt sein, das die Welt umzugestalten vermag.
      Ps. Das Kreuz habe ich tatsächlich aus dem Foto eines Sonnenuntergangs über dem Meer ausgeschnitten.

      Gefällt 1 Person

  3. Ulli schreibt:

    Liebe Gerda, dieser Beitrag ist für mich sehr stimulierend, sodass ich jetzt mal offen sinniere: wenn die Liebe und das Licht die Hoffnung sind und damit das Dunkel und den Hass in Frieden verwandelt, dann kann Mensch zum Menschen werden …

    Gefällt 3 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Hoffnung ist eine Haltung, vielleicht eine Energie, eine Seelenkraft. Sie hat keinen bestimmten Inhalt. Aber sie braucht einen Inhalt, um die Seele zu befeuern. Was ist das für ein Inhalt?: was erhoffe ich? für wen erhoffe ich es? Für mich, meine Lieben, für das eigene Volk, die Menschheit, die Erde als lebendigem Organismus, den Kosmos? Wofür sonst? Es gibt so viele Hoffnungen wie Menschen, und wahrscheinlich sogar mehr als dies, denn jeder Mensch hat im Laufe seines Lebens viele Hoffnungen, tausende, Abertausende – Das Christentum ist eine Hoffnungsreligion: sie hofft, dass das „himmlische Jerusalem“ das alte ablösen wird, in der zweiten Wiederkehr Christi. Und dass also die alte Welt verschwindet. Wer nicht Christ ist, kann mit dieser Hoffnung nichts anfangen. Er braucht andere Inhalte.
      Das Judentum ist auch eine Hoffnungsreligion. Wie ist es im Islam, im Buddhismus? Ich kenne mich da nicht genug aus. Ich selbst bin christlich geprägt, glaube aber nicht an die „endgültige“ Erlösung, sondern an stetige Wandlung und Entwicklung, die, wenn es zu viele Widerstände und Fehlentwicklungen gibt, auch gewaltige Katastrophen mit sich bringt. Welches das Ziel der Entwicklung ist? Ich weiß es nicht. Aber ich denke, wir Menschen fühlen in uns, dass es die Liebe ist, die sich Raum schaffen und alles wandeln will, was ihr entgegen steht..

      Gefällt 2 Personen

  4. Gisela Benseler schreibt:

    Gerda, ich halte den Atem an bei dem, was Du (Dora) da zeigst! Unglaublich „groß“, vom „Ende“ aus betrachtet und von der Weite und von der brisanten Aktualität und von der Auflösung der Gefahr! Danke!🙏💓

    Gefällt 1 Person

  5. Pingback: Zündstoff Hoffnung/Fuel hope 17* – da sein im Netz

  6. Pingback: Kisten voll Hoffnung /Boxes full of hope 2 – da sein im Netz

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.