Dora zum Siebenundzwanzigsten: Legebilder-Wettbewerb

„Dein Clown hat sehr gefallen, liebe Dora. Du hast eine Menge Dankeschöns und Gratulationen erhalten. Bavo!“ – Dora lächelt zufrieden, als ich ihr eure Grüße übermittle. „Die mögen meine Kunst?“ fragt sie und wirbelt einmal um ihre eigene Achse. „Dann mache ich ihnen gleich noch ein Bild!“ – „Na na na“, sage ich beschwichtigend, „nun mal langsam. Es hat ja keine Eile. Meine Leser*innen können ganz gut einen Tag ohne deine Kunst auskommen.“ – „Ach was! Frisch gewagt ist halb gewonnen, so sagt ihr doch?  Ich lege jetzt ein Bild in den Sand.“

Dora legt ihre Geschenkebüchse hin und macht sich an die Arbeit. Sie findet ein merkwürdig geformtes Stück  Wurzelholz, schleppt Steine und ein Stück Ziegel für den Mund heran. „Nicht schlecht“, sage ich anerkennend, denn Kinder muss man loben, damit sie Mut fassen.

„Deine Pädagogik kannst du dir sparen!“ mault Dora. „Wenn du dich traust, zeigst du auch ein Legebild. Dann wird man ja sehen, welches besser gefällt: deins oder meins. Na, wie ist es? Traust du dich?“  – Was soll ich jetzt tun? Ein eigenes Bild zeigen? Ach nee, ich mag solche Konkurrenzsituationen gar nicht. Und das sag ich ihr auch. „Du, Dora, ich mag solche Konkurrenzsituationen gar nicht. Ich finde, jeder hat seinen eigenen Ausdruck. Was soll man da vergleichen?!“ – „Ha!“ ruft Dora, „du willst dich drücken!“ – „Nein, wirklich nicht…“ – „Doch, du bist feige!“ – „Ist nicht wahr!“ – „Doch! Du hast Angst, dass sie meins besser finden als deins!“  – „Nein, das stimmt nicht, Dora. Es ist mir ganz egal. Meinetwegen kriegst du den ganzen Lorbeer.“

Aber Dora lässt meine Einwände nicht gelten. Ich seufze ergeben und lege ein bisschen. Kindern muss man nachgeben. Es entsteht eine Szene am Strand, mit Kinderwagen und Strandkorb, Sonnenfänger und Maler und was sonst noch so passiert.

Dora betrachtet das Bild aufmerksam. Als sie sich selbst auf dem Bild des Malers entdeckt, ist sie sehr zufrieden. „Meinetwegen kannst du den ganzen Lorbeer kriegen!“ sagt sie und lächelt vergnügt.

 

 

 

 

 

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Schneegebirge (tägliches Zeichnen, Überblendungen)

Heute machte ich bei einem Kirchlein halt, um mich auszuruhen und die große Landschaft  in meinem kleinen Block zu skizzieren: Ich sah von meinem Platz aus ein Stück des Schneegebirges und links davor die schneefreien  niedrigeren Berge. Nach rechts war meine Sicht durch die Kirche begrenzt.  Auf die Schneegipfel fokussiert und herangezoomt sieht es als Foto so aus:

Und als Zeichnung?

Mein erster Anlauf: Da nehme ich einen viel breiteren Ausschnitt in den Blick als das gezoomte Foto. Das gewaltige Gebirge verschwindet fast hinter den Zypressen und dem kahlen Baum. Die Wand der Kirche behindert den Blick. Ja, so sah ich es.

Hier mit dem eingeblendeten Foto:

Ich mache dann noch einen zweiten Anlauf, bei dem ich auf die begrenzende Wand verzichte.

In der folgenden Überblendung suche ich einen gleichberechtigten Kompromiss zwischen dem Foto und der zweiten Zeichnung: ja zum Gebäude, mehr Himmel, weniger Vordergrund, breitere Lagerung der Landschaft.

In dieser Überblendung setzt sich die Zeichnung durch. Das Foto liefert nur ein bisschen Farbe.

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Dora zum Sechsundzwanzigsten: Zeichenkünste

Am Strand sitzend fische ich einen Pinienzapfen aus dem Sand und drehe ihn nachdenklich zwischen den Fingern. „Ich weiß ja, dass du Cowns magst!“ merkt Dora an. Na so etwas! Dora kann meine Gedanken lesen. Denn tatsächlich hatte ich gedacht, der Zapfen wäre als Nase für einen Clown bestens geeignet. „Ich zeichne dir einen,“ ruft Dora, nimmt ein Holz, das sich auch dort befindet, und zeichnet in Windeseile ein Clownsgesicht.

Du denkst vielleicht, das ist einfach? Ja! Für dich und für mich vielleicht. Aber für Dora? Die guckte nämlich gar nicht hin, sondern zeichnete „blind“, mit dem Rücken zur Zeichnung, und mit zwei Enden des Holzes gleichzeitig! Da staunst du, was?

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Impulswerkstatt: Odyssee im Weltraum

In einem Kommentar zu meiner „Hand mit Holz“ hat sich jemand – ich glaube du warst es, Myriade – an den Film „Odyssee im Weltraum“ von Stanley Kubrick erinnert gefühlt. Obgleich es einer der berühmtesten Filme ist, kenne ich ihn nicht. Offenbar war ich zu der Zeit, als er gedreht wurde – 1968 – abgetaucht.

Ich las dann den Inhalt des Films bei Wikipedia nach:

Aufbruch der Menschheit (The Dawn of Man)

Eine Gruppe von Vormenschen in der afrikanischen Savanne. Ihr Alltag wird von Not und vom Kampf ums nackte Überleben bestimmt: Ein Leopard reißt ein Mitglied der Gruppe, Artgenossen einer rivalisierenden Sippe vertreiben die Gruppe von ihrer Wasserstelle. – Eines Morgens bemerkt die Gruppe, dass neben ihnen ein perfekter, quaderförmiger, schwarzer Monolith erschienen ist…. Er führt … bei den Vormenschen eine Bewusstseinsveränderung herbei. Dies wird später klar, als einer der Vormenschen beim Anblick eines ausgebleichten Knochens auf die Idee kommt, den Knochen als Werkzeug oder Waffe zu verwenden. … In der nächsten Szene hat sich das Leben der Vormenschengruppe entscheidend verändert. Mit der Tötung eines Tapirs ist der Mensch zum Jäger geworden. Er lebt nun nicht mehr mit den Tieren, sondern von ihnen. Die Gruppe kehrt mit großen Knochen bewaffnet zur Wasserstelle zurück und versucht, die andere Gruppe zu vertreiben. Dies gelingt, nachdem der Anführer der fremden Horde mit dem als Waffe verwendeten Knochen erschlagen wird. Triumphierend schleudert der neu entstandene Homo faber sein Werkzeug gen Himmel.

Diese Szene ließ mich nicht mehr los. Gestern nun ging ich ins Atelier, nahm den Knochen, den ich zur Vase umfunktioniert habe …

(vergl auch hier: https://gerdakazakou.com/2018/04/10/vier-knochen-oper-bleistiftzeichnung/), in die Hand und zeichnete ihn.

Meine Absicht war, die Zeichnung mit einem deiner Fotos zu verbinden, Myriade. Zwei kamen dafür in Frage: das Bürofenster und die Hände der Schaufensterpuppe. Ich probierte vieles aus, zum Beispiel, wie die Hand mit dem Knochen die große Fensterscheibe des Büros durchschlägt.

Schließlich aber kam ich zu folgender Lösung: der Vormensch, der begann, Tiere zu töten und den Knochen als Waffe zu benutzen, reicht der eleganten künstlichen Hand von heute den blutigen Knochen hin. Das Uralte und KI begegnen sich. Ein Kreis wird geschlossen.

Danke, Mriade, für deine IMPULSWERKSTATT und die wertvollen Foto-Impulse!

 

 

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Dora zum Fünfundzwanzigsten: Glanz und Schattenrätsel

Da stehen wir nun – Dora und ich – auf der Brücke des Sandova und schauen hinüber zum schneeüberglänzten Gebirge.

Dann drehen wir uns um und schließen geblendet die Augen, denn das sonnenüberglänzte Meer ist ein so heller Spiegel, dass man kaum hineinschauen kann.

Nach der sehr stürmischen Nacht, die in weiten Teilen Griechenlands ein Schneechaos erzeugte, während bei uns der Strom ausfiel, glänzt der Tag und jubelt. Wir beide sind eine große Strecke gewandert, es wurde uns leicht. Nun werden wir noch bis zum Ende der Bucht gehen, …

uns ein wenig bei den großen Felsen ausruhen …., jedenfalls ich werde das tun….

und dann heimwärts wandern, an der hohen Steilwand entlang, an der nun die großen runden Wolfsmilchbüsche zu blühen beginnen, durch das Dorf Akrogiali, dessen Hauptstraße bereits vom Geröll freigeschaufelt ist.

Die Steine, die das Meer in der Nacht herangebracht hatte, werfen ihre Schatten auf den Asphalt. Dora springt auf einen Stein, gestikuliert wild und ruft: „Hier kommt noch ein Rätselgeschenk für deine Leser*innen! Wenn der  lange Schatten zu meinem runden Stein gehört – welche Form haben die anderen Steine, deren Schatten du hier siehst?“

Einfälle hat die Kleine! Wie soll ich denn erraten, welche Form ein Gegenstand hat, von dem ich nur den Schatten sehe?

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Flammendes Dreieck

Gestern abend am Kamin — der Strom war ausgefallen, die Heizung auch – freute ich mich wie so oft an der Farbe und Wärme der Flammen, an ihrer Lebendigkeit. Allmählich entstand ein Bild, das mich staunen ließ: ein flammendes gleichschenkliges Dreieck.

Das Feuer wird, wie du vielleicht weißt, in der Alchemie und Esoterik mit einem aufstrebenden gleichschenkligen Dreieck dargestellt. Auch der einfachste der fünf Platonischen Körper – der Tetraeder, bzw. die Dreieckspyramide – gilt als Symbol des Feuers. Das ist ja auch leicht einzusehen: Immer flammt das Feuer von einer breiteren Basis ausgehend nach oben, spitzt sich zu. Der feurige Tetraeder ist der erste Baustein der dreidimensionalen Welt.

Zum Wohlsein!

 

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Montags ist Fototermin: Baumstamm, rot markiert (kleine Beobachtungen)

Vor ein paar Tagen kam ich an einem Olivenbaum vorbei, der eine rote Markierung trug. Das Blutrot kontrastierte stark mit dem Dnkelgrün der moosig überwachsenen Schattenseite des Stamms und dem leuchtenden Grün der Kleewiese darunter.

Ich beschaute mir, wie das Rot in die Borke eingedrungen ist und sich in unerschiedlicher Intensität über Knoten und Risse verbreitete. Eine spannende Bildkomposition, die ich euch gern in hoher Auflösung zeigen wollte, doch leider habe ich nicht genügend Speicherplatz. Daher hier nur zwei Ausschnittvergrößerungen.

Dieses im Zusammenwirken von Mensch und Olivenbaum unabsichtlich entstandene Kunstwerk erinnerte mich an den Eukalyptusbaum im Stadtwald von Maroussi, den ich immer wieder fotografiert habe,

Eukalyptus – Ein Gesamtkunstwerk

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Dora zum vierundzwanzigsten: Komm schon!

Ich habe Milch und Brot, auch Tomaten und Oliven im Kramladen des Nachbardorfes eingekauft und sitze nun im Auto, um die Sachen heimzufahren. Einen Blick werfe ich noch in den Rückspiegel, um mich zu vergewissern, dass die Straße frei ist. Da sehe ich in der Ferne ein helles Pünktchen, das rasch größer wird.  Das ist doch….

Klar, es ist Dora, die da angehüpft kommt. Schon schaut sie zum offenen Autofenster rein und schreit: „Komm schon! Du willst die Welt doch nicht nur durchs  Autofenster ansehen, oder?“

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abc-etüde: Kata-strophisches Waidmannsheil

abc.etüden 2022 03+04 | 365tageasatzadayWackelpudding
unverdrossen
knistern.

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/01/16/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-03-04-22-wortspende-von-stachelbeermond/

Waidmannsheil

΄s ist Winter noch, der Wind geht kalt

Der Jäger Max schleicht durch den Wald

Schnee fällt vom Aste, wenn es weht

und knistert leis, wo Maxe geht

*

Was will er wohl? Du kannst es raten:

Er träumt von einem Hasenbraten

Und Wackelpudding als Dessert

Denn diese Speisen liebt er sehr.

**

Das Häschen hat sich rausgetraut

Und knabbert froh an einem Kraut

Denn leider ist sein Magen leer

Und Runkelrüben gibts nicht mehr.

***

Der Jäger hat den Has erblickt

Und sich schnell in den Busch verdrückt

Er hebt die Büchse fest entschlossen

Und hätte sicher auch geschossen

**

Wenn, ja, wenn dort ein Hase wär!

Doch der ist dort schon längst nicht mehr.

Er rannte weg und unverdrossen

Hat er woanders Kraut genossen.

*

΄s ist Winter noch, der Wind geht kalt

Der Jäger Max schleicht durch den Wald

Der Schnee der knistert wo er geht

Und fällt vom Aste, wenn es weht.

 

Diese Zeichnung gehört zu einem Eintrag vom Otober 2016: „Der Jäger verfehlt den Hasen und andere Spielereien“.  Dazu schrieb ich: „Beim dritten Bild kurvte der Stift ein bisschen länger herum, und so entstand ein dickbäuchigen Jäger, der vergebens versucht, einen Hasen zu erschießen. …“

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Dora zum Dreiundzwanzigsten: Kaktusschatten und mehr

Kalt und sonnig war es heute. Nach einem weiten Spaziergang durch die Felder gelangte ich schließlich ans Meer. Das wollte ich noch schnell begrüßen.

Viel Schönes hatte ich unterwegs gesehen, auch weniger Schönes natürlich, wie den zum Hühnerbewacher degradierten Hund – also der Hund ist mir lieb, nicht aber die Situation, in der er zu leben gezwungen ist.

Nun taten mir die alten Knochen weh, und ich wollte auf schnellstem Weg heimwärts wandern. Doch Dora hatte ihre Büchse noch voller Geschenke und ließ es nicht zu. „Schau mal, diese zerbrochene Wand im Abendlicht, die sieht aus wie eine Landkarte“, „Sieh mal diese runden Steine, wie Eier so glatt“, „Hast du gesehen, welche Blasenmuster der Schaum macht, wenn die Welle zurückläuft? Ja? Bist du sicher?“ So gings in einem fort. Ich sammelte das eine und andere ein,  um Dora zufriedenzustellen. Denn ich möchte sie gern als Freundin behalten. Nicht, dass sie wieder im TV verschwindet.

Als ich dachte, nun wärs genug, zauberte Dora noch eine Überraschung hervor: die weiß getünchte Hauswand mit den großen Kaktus-Töpfen davor im Farbenrausch! Malerin war die sehr tief stehende Sonne.

Dora posierte auf einem Kaktusarm, als hätte sie das alles hervorgebracht. Ich hoffe, die Sonne nimmt ihr diese Anmaßung nicht übel.

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