Altes Portrait, neue Varianten (tägliches Zeichnen, Überblenden)

In meinem Atelier stehen massenhaft alte Gemälde. Nach dem ersten Experiment vor ein paar Tagen hatte ich auch heute Lust, eine alte Portraitskizze hervzorziehen und zu sehen, was sich damit anfangen lässt.

Ich stellte das Portrait vor mich hin und betrachtete es: Wer war das? Wann habe ich es gemalt? Der Ausdruck ist etwas verkniffen und traurig, das Haar streng mit einem Band am Kopf zurückgehalten. Die gelblichen und rötlichen Ockerfarben von Gesicht und Hintergrund kontrastieren mit dem Violett der Jacke.

Dann nahm ich meinen Block und zeichnete den Kopf mit Kugelschreiber ab. Ein wenig verändert sind Kopfhaltung und Ausdruck, aber offenbar handelt es sich um dieselbe Person.

Das Foto der Zeichnung bearbeitete ich digital (Filter für Strichführung und Farben), und legte es wie eine Maske auf das unveränderte Foto des Gemäldes. Zwei Beispiele dieser Reihe.

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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11 Antworten zu Altes Portrait, neue Varianten (tägliches Zeichnen, Überblenden)

  1. Werner Kastens schreibt:

    Ich finde, Du hast das Leben aus der Person heraus genommen. Sie wirkt auf mich wie eine Tote. Im Original sehe ich – trotz Trauer oder Nachdenklichkeit – dass sie lebendig ist.

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    • gkazakou schreibt:

      Danke dir, Werner, für deine sehr interessante Wahrnehmung, die mich sehr freut. Die digitale „Maske“ glättet und schönt, aber sie tötet ab, denn sie zerstört den Rest dessen, was Walter Benjamin die „Aura“ eines Kunstwerks nennt. Diese Aura macht das Lebendige des Kunstwerks, aber auch aller geschaffenen Form (Pflanzen, Tiere, Menschen) aus.

      In dem elektronischen Medium, in dem wir uns bewegen, ist von der Aura der Originale kaum noch etwas zu spüren. Das ist auch der Grund, warum ich mich ständig mit dem Grenzbereich zwischen Original und digitaer Realität befasse und nach Ausdrucksweisen suche, die in diesem Grenzbereich liegen.

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  2. Klarheit im Dialog mit sich selbst und dem Gegenüber. Das begegnet mir auch bei unserem großen, alles übertönendem Thema.– Wenn wir nicht wissen wer unser Kontrahent ist, dann können wir nicht adäquat reagieren https://kinesiologiewordpress.wordpress.com/2022/01/27/wenn-wir-nicht-wissen-wer-unser-kontrahent-ist-dann-konnen-wir-nicht-siegen/

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    • gkazakou schreibt:

      Lieber Herr Köhn, das ist zwar ein durchaus lesenswerter Artikel, hat aber mit meinem diesmaligen Eintrag nicht erkennbar zu tun. Ich bitte Sie, den Kommentarstrang nur für Kommentare zum jeweiligen Eintrag zu benutzen. Einen guten Tag noch.

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  3. Gisela Benseler schreibt:

    Ein schönes Portrait. Zeichnung und Überarbeitungen sind auch schön.

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  4. wildgans schreibt:

    Bei dieser konzentrierten Beschäftigung mit dem Portrait ist dir nicht eingefallen, wer das war?
    Irgendwie musste ich beim Betrachten an das Märchen von der Gänsemagd denken…
    Gruß von Sonja

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, welche ist sie denn? Die wahre Braut oder die Kammerjungfer? Es ist gar nicht so leicht, die Wahrheit in der Verkleidung zu erkennen – und sich anhand eines Portraits an einen Menschen zu erinnern, den man einmal zur Übung gemalt hat, vor vielen Jahren.

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  5. Verwandlerin schreibt:

    Ach ja, die Kunst. Auf mich hat ihre Betrachtung ja immer einen heilenden Effekt. Danke fürs Teilhabenlassen, Gerda!

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  6. Leela schreibt:

    Ich finde oft die Bearbeitungen und Überblendungen, die du machst, noch beeindruckender als die Originale. In diesem Fall aber ist das anders. Die Bearbeitungen kommen meiner Meinung nach nicht ansatzweise an das Original heran…

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