Dora zumAchtenZweiten: Drachensurfer (über die Freiheit)

Was für ein Wetterchen! Wolkenberge und ein heftiger Wind, der sich in Böen mächtig aufspielt und nichts, aber auch gar nichts Trübendes in der Atmosphäre duldet. Dora und ich wandern ins benachbarte Küstendorf: Und da sehen wir ihn: den Drachensurfer!

Der Drachen strebt manchmal der Sonne zu, und dann hebt auch der Surfer ab und tanzt ein Stück durch die Luft, doch im nächsten Moment steht er wieder auf den Wellen und rast über die gänzende Fläche.  So fliegen, so über die Wellen flitzen, das ist gelebte Freiheit! denke ich, und sage es wohl auch, denn sogleich bietet Dora sich an, mir einen Drachen zu schenken. Ich denke an Ikarus (hier) und winke ab.

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Der blaue Ikarus

„Geschenke sind nicht immer gut, manche sind sogar gefährlich,“ doziere ich. „Du wünschst dir etwas, willst es unbedingt haben, aber wenn du es dann kriegst, kannst du nichts Rechtes damit anfangen.  Hast du überhaupt die richtigen Voraussetzungen, um mit dem Geschenk klarzukommen? Du musst deine eigenen Kräfte richtig einschätzen lernen. Oder, wie ich früher mal sagte: Willst du hoch hinaus, lass dir zuvor Flügel wachsen, die dich tragen (hier). Also sei weise.“

Ich hole kurz Luft und fahre fort: „Es braucht Disziplin und tägliche Schulung, um einen Drachen zu meistern.  Und wenn du dann das Fliegen gelernt hast, darfst du dich nicht hinreißen lassen, wenn du der Sonne näherkommst. Gerade dann darfst du dich nicht hinreißen lassen.“

Ich bleibe erneut stehen, um Atem zu schöpfen. Diese dumme Kurzatmigkeit! „Natürlich will ich nicht den loben, der ängstlich am Boden kleben bleibt. Und auch den nicht, der immer gleich sagt: das ist gefährlich, das ist nichts für mich und dich. Freiheit zum Beispiel. Ja, auch die will gelernt sein. Man muss sich schulen im Umgang mit ihr.“

Dora hört meinem Sermon mit wachsender Ungeduld zu. „Wie redest du denn? Ich verstehe nur eins: du willst den Drachen nicht, weil du zu feige bist. Oder weil du glaubst,  dass du zu alt und gebrechlich bist, um es noch zu lernen. Dabei würde ich dir doch beim Lernen helfen, Guck mal: ich kann es wie ein Meister!“ Und schwupps hängt sie sich an den Drachen und rast über das Wasser.

O weh, wenn das man gut geht!

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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13 Antworten zu Dora zumAchtenZweiten: Drachensurfer (über die Freiheit)

  1. Peter Klopp schreibt:

    Tolle Bild- und Formgestaltung!

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  2. Gisela Benseler schreibt:

    Oh Gerda, da geht es ja wirklich stürmisch und dramatisch zu, und dann in den Bildern gezeigt! Also darin bist Du echt eine Meisterin oder Zauberin! Oder Erzählerin oder Schauspielerin…. Also was sollen all meine Worte. Wir schauen eben einfach zu und staunen, was sich da auf der Bühne abspielt.
    Vor allem aber ist die Natur jetzt bei Euch groß und gewaltig, und die Kitesurfer sind zu bewundern!

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  3. wildgans schreibt:

    Was hättest du im Alter von so zwischen 18 und 35 gemacht angesichts des Drachenfliegers?

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    • gkazakou schreibt:

      Das,was ich gemacht habe, liebe Sonia, ist, was ich gemacht habe. Drachenfliegen gabs damals noch nicht. Woher soll ich wissen, wie ich damals drauf reagiert hätte? Ich hatte mein Fahrrrad, immerhin. 😉

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  4. Das obere Foto erinnert mich doch stark an Ikarus, der der Sonne zustrebt und glücklicherweise anders als in der Mythologie von Daedalus zurückgehalten wird 😉

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  5. hannahbuchholz schreibt:

    Was für herrliche Bilder und was für ein schöner Text, liebe Gerda, und was für eine gute, treffende
    und lustige Zusammensetzung und -Stellung von Wort(en) und Bild(ern).
    Ich musste beim Lesen deiner Worte am Ende und bei den letzten Bildern so lachen –
    als die kleine Dora sich – schwupps – mirnichtsdirnichts an den Drachen hängte und übers Wasser raste (wie zuvor der Kitesurfer es tat…. )
    Viele liebe Grüße, Hannah

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  6. Wundervoll, dieses Wetter bei Euch, liebe Gerda!
    Endlich hatten wir hier mal einen Sonnentag mit hellem Licht. Die Lebensgeister jubelten und tanzten vergnügt Ringelreihen 🙂

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