Was wäre wenn: utopische Kata-Strophen (abc-etüde)

Wie oft fragen wir uns: „Was wäre wenn ich dies und das getan hätte?“. Neulich habe ich in einer Legearbeit die dazu gehörige Philosophie wieder belebt: den Möglichkeitssinn von Robert Musil. Du erinnerst dich an den Hund, der die Angelleine durchs Wasser zieht, ungeachtet der Frage, ob da ein Köder dran hängt? Und an seinen Herrn, der von einem genüsslichen Mahl träumt, ohne nach der Angel zu greifen?

Hier nun eine konjunktivische (oder, hochtrabender, utopische) abc-etüde, angeregt durch MMamas Wortspende (hüten, knopf, zeitig), eingeladen von Christiane und von lz..

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Konjunktivische Kata-Strophen: Was wäre wenn

Zwischen den Hüten auf dem Regale

träumt ein einsamer Knopf.

Zwischen den Hütten in dem Tale

Ruht ein eiserner Topf.

Es hockt und träumt im leeren Saale

Ein eingeschlafener Tropf.

Hättest du zeitig ihn geweckt,

Hättest den Topf im Busch versteckt,

Hättest dich hurtig hochgereckt

Hinauf zu dem Regal,

Wärst zeitig von dem Berg gerannt

Hinunter in das Tal,

Hättest die Hütten abgebrannt

Mitsamt dem Topf und in dem Saal

Dem Tropf gehauen

auf den Kopf

Dann wäre anders jetzt die Welt

Sie wäre auf den Kopf gestellt.

 

oder auch so

Beide Legearbeiten sind fast gleichzeitig entstanden. Bei der ersten handelt es sich um ein Original (das erste) und 7 elektronische Bearbeitungen, beim zweiten um Originale in verschiedenen Phasen der Entstehung. Den „roten Kopf“ habe ich schon früher unter dem Titel „Wie alles begann“ veröffentlicht. Vielleicht ist das nun auch das Ende meiner Legearbeiten – oder auch nicht.

 

 

 

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Totenschiffe (The Weaping Meadow, Film von Theodoros Angelopoulos)

Heute sah ich in der Zeitung ein Foto, das mir den Film Το λιβάδι που δακρίζει“ (engl Titel „Weaping Meadows“, 2003) von Theodoros Angelopoulos lebhaft ins Gedächtnis rief. Angelopoulos gehört zu den ganz großen leisen Filmemachern. Er kam vor ein paar Jahren bei einem tragischen Unfall während der Dreharbeiten um. So blieb die geplante Trilogie, von der dieser Film der erste Teil ist, unvollendet. – Sein bevorzugter Szenograph war Yorgos Patsas. Der wurde heute beerdigt – daher auch das Foto einer Szene in der heutigen Tageszeitung (Kathimerini). Ich habe es abfotografiert. Sieht es nicht aus wie eine Installation?

„Totenschiffe“ war das Thema von Ullis heutigem Blog-Beitrag. In einem Kommentar dort rätselte ich, warum, archetypisch gesehen, das weiße Segel für den Tod steht. Nun seht einmal diese Filmszene aus dem Angelopoulos-Film an, mit der Musik von Eleni Kalaindrou. Da wird, so scheint mir, das Weiß richtig interpretiert: als Totenlaken.

https://www.google.gr/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=2&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwiijpu5ndvZAhXCQZoKHZsiDpUQtwIINDAB&url=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DIMTJYFQLgAc&usg=AOvVaw3r4BKFRVB4AyO2G0187-ZB

Ich selbst habe die Toteninsel oft zum Thema gemacht. Hier ein Beispiel.

Toteninsel (c) gerda kazaou. Akryll und Collage auf Leinwand

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tête-à-tête (Der Nachtzirkus*)

Der Nachtzirkus, Kapitel Tête-à-Tête*

Celias Kleid ist ein Pavda-Entwurf. Ursprünglich war es für ihre Auftritte gedacht, wurde dann aber für ungeeignet erachtet, weil sich das Licht in jeder Falte und jeder Wölbung des silbrigen Stoffs fing und die Aufmerksamkeit zu sehr ablenkte. Celia fand die Wirkung so schmeichelhaft, dass sie das Kleid nicht aufgeben wollte (…)

S. 245-46 Celia stellt ihr Glas ab, noch immer unsicher, was sie von ihm halten soll. Das Flackerlicht der Kerzen lässt sein Gesicht noch unbestimmter erscheinen (….)

„Sie erinnern mich ein bisschen an meinen Vater.“, sagt sie. – „Und warum?“ – „Wegen der Art, wie Sie die Wahrnehmung manipulieren. (…) Im übrigen können Sie das bei mir gern bleiben lassen,“ fügt sie hinzu, als sie endlich weiß, was sie an seinem Äußeren so verstört. – „Was bleiben lassen?“ fragt Marco. – „So auszusehen. Sie können das sehr gut, aber ich merke genau, dass es nicht ganz echt ist. (…)“ 

Marco runzelt die Stirn, und dann verändert sich sein Gesicht allmählich. Das Ziegenbärtchen wird kleiner und verschwindet (…) Das falsche Gesicht hatte gut ausgesehen, sicher, aber es war aufgesetzt. 

s.252-254

Jenseits der Terrasse, wo früher der Garten war, befindet sich jetzt ein tief ausgehobenes Areal mit einer Vielzahl hoher aber unfertiger Wände aus gepresster Erde und aufeinandergeschichteten Steinen. – Celia steigt vorsichtig die Steinstufen hinunter, Marco folgt ihr. Unten angelangt, erscheinen die Wände als Labyrinth (…)

„Möchten Sie sehen, wie er im fertigen Zustand aussieht?“- „Gern. Haben Sie die Pläne hier?“ – Zur Antwort macht Marco eine weitschweifende Handbewegung.

Die eben noch so rohen Steinstapel sind mit einemmal schöne Bögen und schmucke Wege mit wuchernden Kletterpflanzen und hellen winzigen Laternen. Rosen hängen von gebogenen Spalieren, zwischen den Blüten und Blättern ist der Nachthimmel sichtbar.

Celia legt die Hand auf die Lippen, um ihr Staunen zu dämpfen. Die gesamte Szenerie ist verblüffend, vom Duft der Rosen bis zu den Wärme verströmenden Laternen. Sie hört einen Springbrunnen in der Nähe plätschern (…)

„Sie machen das in meinem Kopf, oder?“ fragt sie, als sie Marco hinter sich hört. – „Sie lassen es zu“, antwortet er. (….) „Wenn Sie sich auch nur ein bisschen dagegen sträuben, würde es nicht so gut funktionieren, und es kann fast gänzlich blockiert werden. Und natürlich ist die Nähe ausschlaggebend“.

Die beiden großen Legebilder sind Originalfotos, aber das erste ist leider verspiegelt. Das zweite Bild entspricht dem ersten, nur dass ich in die ursprünglich fast nur mit Jürgens Schnipseln gelegte Arbeit nun die leuchtenden Schnipsel von Susanne und Ulli einfügte und die zentrale Gartenskulptur auswechselte.

In einem zweiten Schritt habe ich die Bilder dann ein wenig elektronisch manipuliert –  um das zu tun, brauchen wir  ja heutzutage keine magischen Fähigkeiten mehr.  Hier ein paar Beispiele – unmanipuliert und manipuliert im Vergleich:

*Ich zitiere aus dem Buch „Der Nachtzirkus“ von Erin Morgenstern, in der deutschen Übersetzung von Brigitte Jakobeit erschienen 2012 bei Ullstein.

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O Jammer! Ungereimte Kata-Strophe (abc-etüde)

Eine Katastrophe als Folge einer unzeitigen Kata-Strophe – o weh! Schuld ist die Wortspenderin, MMama, die mit Knopf zeitig hüten den Impuls setzte für …

Na, lest selbst.

Mitschuldig sind Christiane und lz., ist ja klar.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

O Jammer!

   Ach hätt ich hätt ich doch 
Meine Zunge gehütet
Was musst ich reden vom Knopf
Der fehlte, der fehlte
Herrje, der Knopf, am Hemd da
Wo der Bauch am meisten quillt
Konnte ich den Mund nicht halten?
Nun sitz ich da und brüte.
Zeitig hätt ichs lernen sollen,
Aber kein Vater war da, der mir
Manieren beibrachte, notfalls mit Strenge.
Sowas tut man eben nicht,
Man. Man zeigt nicht
Auf einen Bauch, der quillt, wenn der
Deinem Arbeitgeber gehört,
Noch weniger sagt man:
„Fehlt der Knopf verwirrt der Kopf
Such den Knopf im Suppentopf“.
Ach Mutter, was hast du mich nur
Für Sprüchlein gelehrt. Und ganz unzeitig
Fallen sie mir ein. Nun bin ich
Meine Stelle los.

Was mach ich bloß?

Den Mund nicht gehalten (c) gerda kazakou

Legebild mit gemischten Schnipseln auf 70x100cm weißer Fläche.

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Robert Musils Möglichkeitssinn und Jürgen Küsters Papercuts

Ich habe im Zusammenhang mit Jürgens Schnittresten oft über Positiv und Negativ gesprochen und weiß gar nicht, ob ihr alle versteht, was ich meine. Schaut mal hier: Jürgen Küsters „Papercuts“. Das sind vier Werke, die für mich „Negative“ wurden. Denn Jürgen hat mir den ganzen Haufen der anfallenden Schnittreste, kurz: Schnipsel, geschickt, auf dass ich daraus etwas Neues mache. Ich arbeite also mit „Verworfenem“, oder, wenn du so willst, mit dem, was NICHT realisiert wurde. Dies Verworfene birgt unendlich viele Möglichkeiten in sich, wie ich euch in inzwischen zig Legearbeiten vorgeführt habe. Dabei fielen mir nicht nur Schattenspiele, Träume, Unbewusstes und Märchenhaftes ein, sondern auch Robert Musils „Möglichkeitssinn„. Er schreibt dazu gleich am Anfang vom „Mann ohne Eigenschaften„:

„…der Mann mit gewöhnlichem Wirklichkeitssinn gleicht einem Fisch, der nach der Angel schnappt und die Schnur nicht sieht, während der Mann mit jenem Wirklichkeitssinn, den man auch Möglichkeitssinn nennen kann, eine Schnur durchs Wasser zieht und keine Ahnung hat, ob ein Köder daran sitzt. Einer außerordentlichen Gleichgültigkeit für das auf den Köder beißende Leben steht bei ihm die Gefahr gegenüber, völlig spleenige Dinge zu treiben. Ein unpraktischer Mann – und so erscheint er nicht nur, sondern ist er auch – bleibt unzuverlässig und unberechenbar im Verkehr mit Menschen.“

Heute aber wollte ich mich aus dem Traum- und Möglichkeitsrevier mal an die gewöhnliche Realität (Jürgens Papercuts), an den Angelhaken sozusagen, heranpirschen. Ich fotografierte daher Jürgens „Papercuts“ ab, um sie mit Jürgens Schnipseln zu vergleichen, und suchte nach passenden Puzzlesteinen, um die Negativform (das Weggeschnittene und Verworfene) sichtbar zu machen.

Ich bin keine geduldige Archäologin, drum denke ich, ich muss nicht das ganze Bild rekonstruieren, sondern es reicht, wenn ich das Prinzip klarstelle: links siehst du das abfotografierte Original von Jürgen (das Positiv, für ihn das Realisierte), rechts in gleicher Anordnung die Stücke, die er rausgeschnitten und verworfen hat (das Negativ, für mich das Mögliche).

Wenn du genau hin schaust, dann erkennst du die Küstenlinie (2. Bild oben) und den Fisch, die Angel und das Boot (4. Bild, ganz oben das Boot, Mitte rechts den Fisch und die Angelleine), und vielleicht möchtest du mit dem angelnden Hund und seinem Herrn in den sinkenden Abend hineinträumen. Dann verstehst du den Zauber des Möglichkeitssinns.

 

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Kunst aus Abfall – eine Ausstellung in Kardamili/Μani

Meine alte Freundin Lori – einst eine begnadete Töpferin – begann nach einer sehr schweren Lebenskrise, als sie das fürs Töpfern nötige innere Gleichgewicht nicht mehr aufbringen konnte, ein Tagebuch besonderer Art zu gestalten. Sie sammelte Weggeworfenes von Straßen und Stränden und machte daraus täglich ein wunderbares Bild. Leider habe ich keinen Zugriff auf ältere Einzelfotos, muss mich daher mit Fotos von einer Ausstellung vor ein paar Jahren in Kardamili begnügen. Es ist wenig, aber vielleicht genug, um eine Vorstellung von ihrer Arbeit zu bekommen.
Diese Ausstellung war eine besondere Freude für mich. Sie fand in der alten Volksschule von Kardamili statt und wurde organisiert von der Scap-Art-Künstlerin und Umwelt-Aktivistin Myrto Fifa von Re:think Kalamata (hier ein Video von TedxKalamata) Re:Think – Αγρόκτημα Φυσικής Καλλιέργειας Φοίφα , griechisch mit englischen Untertiteln). Ich selbst war mit ein paar Collagen beteiligt. Sehr schöne Draht-Skulpturen, Möbel-Vorschläge und eine große Installation – alles aus Weggeworfenem gestaltet – waren zu sehen.

Einige Recycling-Collagen von Lori Koroni

Meine Beiträge zu dieser Ausstellung (Collage und gemischte Technik)

Andere Künstler und Werke dieser Ausstellung (Skulpturen, Möbel, Installationen)

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Alphabet der Materialien: B wie Baumwolle, Blech, Blei, Beton, Borste, Bimsstein, Bernstein …

Eigentlich hatte ich es mir einfacher vorgestellt. Ich dachte: schau dich mal in deinem Haushalt um, damit du dir bewusst wirst, von welchen Materialien du umgeben bist. Was erzählen dir die stummen Dinge deiner Umwelt? Und mach ein Alphabet daraus.

Bei A fielen mir Aluminium und Asche ein. Das wars. Bei B aber? Da fand ich auf meinem Rundgang:

B wie Bleikristall, Bleistift, Baumwolle, Borstenpinsel, Batterien, Bindfaden, Butter, Blech, Bernstein, Brenn- und Bauholz, Bimsstein, Butangas und Brennnessel. (Bitte anklicken)

 

Doch vielleicht sollen als „Material“ nur die Grundsubstanzen gelten? Dann wäre bei Baumwolle*, Blei, Bimsstein**, Bernstein, Butter, Butangas, Borste, Brennnessel Schluss.  Andererseits sind nicht „Blei“ und „Borste“ das Material, mit dem ich arbeite, sondern Bleistift und Borstenpinsel. Brennnessel verwendete zwar das Schwesterchen als Material fürs Hemdchenweben, um die in Schwäne verwandelten Brüdern zu entzaubern – aber ich weiß nichts damit anzufangen (außer vielleicht für einen Tee). Butterfett ist eine Spezialität von Beuys, insofern durchaus ein gestalterisches Material. Das Bau- oder Brennholz lagert auf meinem Balkon, wer weiß, für welchen Gebrauch. Die Bernstein-Anhänger haben keinen materiellen, sondern nur nostalgischen Wert für mich – sie erinnern mich an die ferne Ostsee. Woraus sind die Bindfäden? Aus Baumwolle? Oder sind da Plastikfäden mit hineingearbeitet? Blech ist auch ein schwer eingrenzbares Material:  alle dünn ausgewalzten Metalle sind Bleche – ob nun aus Eisen, Kupfer oder Zink.

Und was hat es mit den Namen auf sich? Ist im Bleistift überhaupt Blei? Wohl kaum. Vielleicht Graphit, vielleicht eine mir unbekannte Mixtur. Oder Borstenpinsel: was sind das für Borsten, aus denen sie gemacht sind? Borsten von Schweinen, wie anno dazumal? Sicher nicht. Ist der Bimsstein tatsächlich aus Bims**? Woraus sonst? Die Bestickung auf den Baumwoll-Gardinen: sind sie aus Baumwollfäden? Ich vermute es, denn es handelt sich um ein Gewebe, das im Epirus in Heimarbeit hergestellt wurde. Und Baumwolle wird in Zentral-Griechenland in großen Mengen angebaut*.

Und das Bleikristall? Früher wurde zu seiner Herstellung tatsächlich Blei verwendet, aber ist das heute noch so? Meine Bleikristallschale ist allerdings alt, 18. oder 19. Jahrhundert und enthält vermutlich Bleimennige. Ob sie wohl aus dem Böhmerwald stammt, wo das Bleiglas vor allem produziert wurde? Sie passt so gar nicht zu meinem übrigen Haushalts-Inventar, ist eine Prinzessin unter dem Plebs.

Und so kam ich an die Schale: Eines Tages – ich trieb mich in einem Trödelladen auf der Insel Syros herum – holte  die dünne, kränkliche Inhaberin, mit der ich mich plaudernd angefreundet hatte, dies glänzende Kristallwunder unter dem Ladentisch hervor. Und erzählte mir eine Geschichte von einer reichen Dame, die, als sie die Untreue ihres Mannes entdeckte, kurzerhand ihren Haushalt auflöste und verschwand. Als er von einer kurzen Reise heimkam, fand er nichts mehr vor als leere Wände. Ich selbst sehe mich als Treuhänderin der Schale bis zu einem fernen Tag, wenn, vielleicht, die Dame sich besänne und sie zurückverlangte. Bis es so weit ist, benutze ich sie als Ablage für allerlei Krimskrams.

Gerne würde ich auch die Geschichten zu den anderen Dingen erzählen …. doch das wäre schon fast ein Roman.

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*Letztes Mal setzte ich einen Link über die Bedeutung von Aluminium- und Tabak-Produktion in Griechenland. Möchtest du auch etwas über die Bedeutung und die Probleme des Baumwoll-Anbaus für Griechenland erfahren? Hier ein link, der beschreibt, wie auch dieser uralte griechische Produktionszweig der EU-Zollpolitik und der Globalisierung zum Opfer fällt.

** Auch die Verwendung von Bimsstein hat ihren Ursprung in Griechenland, wie ich bei Wikipedia nachlas: „Stark ausgeprägt war die Nutzung von Bims seit frühester Zeit in Kreta, wo das Meer ständig Bimssteine von den vulkanischen Nachbarinseln, seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts v. Chr. vor allem von Santorin her anschwemmt. Paul Faure berichtet, dass 15 Verwendungsarten existierten. Die Küstenbewohner sammelten unter anderem die angeschwemmten Bimssteine als Baumaterial, Reinigungsmittel, Entfetter in der Töpferei, als Heilmittel bei Geschwüren und Trunkenheit und um die Gärung aufzuhalten. In kleinen Schälchen wurde er auch den Göttern geopfert, so den Göttern des Hafens Nirou Chani, denen von Arkalochori im Bereich der großen Kulthöhle des Ortes und den Göttern von Stadt und Hafen Kydonia. Den grauen Bims betrachteten die Kreter als männlich, den weißen als weiblich.

In der Antike wurde der Bimsstein zur Körperpflege, zur Behandlung von Kranken, zum Schärfen der Schreibfeder und zum Glätten von Pergament-Leder für Bücher verwendet.“

 

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Dicke Pötte, leichte Segler

Zweimal habe ich mit Jürgens (aka Buchalovs) Schnittresten Schiffe im Hafen gelegt. Ihre Schwärze gibt die Schwerleibigkeit der dicken Pötte gut wieder.
Dann aber reizte es mich, ihnen ein bisschen Gold und Glanz in Form von Susannes und Ullis Schnipseln zu spenden.

Das erste Bild legte ich vorgestern auf weißer Pappe, 50 x 70 cm, mithilfe von Jürgens, Susannes, Ullis und meinen Schnipseln. Das zweite und dritte Bild entstand heute auf weißlichem Grund, 70 x 100 cm. Zunächst benutzte ich nur Jürgens schwarz übermalte Schnittreste. In einem zweiten Anlauf machte ich kleine Veränderungen und bedeckte ich alle Teile mit roten und goldfarbenen Schnipseln aus Susannes und Ullis Produktion.

Wenn man die Bilder anklickt, kann man sie besser sehen.

Zum Vergleich ein früheres Bild, gemalt mit Akryllpigmente und aufgeklebten gelben Papierfetzen auf Leinwand: „Nächtliche Bootsfahrt“.

nächtliche Boote (c) gera kazakou

Dies habe ich schon einmal veröffentlicht unter https://gerdakazakou.com/2016/05/19/naechtliche-bootsfahrt/. Dort kann man auch die Einzelheiten gut erkennen.

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Warum fotografiere ich was und wie? Hafenbilder

Häfen lieben wir beide – Ulli und ich. Als wir am Kalamata-Hafen zwischen aufgebockten Segelbooten herumstromerten, fotografierten wir wie wild. Wir dachten, vielleicht eine vergleichende Serie zu veröffentlichen – nach dem Motto: dasselbe Motiv, verschiedene Ergebnisse. Denn jeder, der ein bisschen Erfahrung mit dem Fotografieren hat, weiß, dass die Maschine (Kamera) nicht alles tut, sondern Seele und Auge des Fotografen sich auf heimlichem Wege einschleichen ins Ergebnis.

Wir sind nicht dazu gekommen, die Fotos zu vergleichen.  Stattdessen habe ich meine eigenen bearbeitet, um zu zeigen, was mich beim Aufnehmen jeweils am meisten interessierte. Waren es die Linien, die Volumen, die Kontraste, die Farben, die Oberflächen, der Rhythmus, das Verhältnis von Positiv und Negativ (Gegenstand und Hintergrund)? ich habe ein paar Bearbeitungen ausgewählt und mit den Originalen zu Paaren geordnet, um mein jeweiliges Interesse zu verdeutlichen. (Meine Absicht war also nicht, das Foto zu verbessern).

Einige Fotos dieser Serie ließ ich so stehen, wie sie waren. Denn ich finde, dass sie keiner weiteren Abstraktion bedürfen, um das Interesse des Fotografen verständlich zu machen.

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Guten Flug!

Ulli Gau, „Guten Flug“. Legebild auf grauer Pappe 50 x 70 cm

Zum Abschied haben wir beide – Ulli und ich – eine letzte Legearbeit gemacht. Das gemeinsame Thema: Guten Flug! Ulli legte auf einer grauen Pappe 50 x 70 cm, ich auf einer weißlichen Pappe 70 x 100 cm. Wir bedienten uns frei aus der Schnipselkiste, in der sich solche von Jürgen, Susanne, Ulli und mir vermischt hatten.

Guten Flug und gute Heimkehr, Ulli, zwischen Sonnenuntergang und Mondaufgang!

Gerda Kazakou: „Guten Flug!“, Legebild auf weißlicher Pappe 70 x 100 cm

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