Die Botschaft (Montags ist Fototermin)

Krähen mit und ohne message

Lärmschutz an der Athener Stadtautobahn.

Das Motiv wiederholt sich, die Botschaft wird nicht überbracht ….

„Niemand dringt hier durch und gar mit der Botschaft eines Toten“(Franz Kafka, Die kaiserliche Botschaft)

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Paarungen: Boote in der Reparaturwerft

„Das ist für mich jetzt spannend – wie du die Bilder mit meinen zusammenordnest. Du bevorzugst in dieser Serie das Hoch-Aufragende, Spitze, Helle, ich das Bauchige, Schwere, Dunkle, das mir durch die aufgebockten schweren Schiffsleiber suggeriert wurde. Yin und Yang, oder archetypisch gesprochen: das Weibliche und das Männliche“.

Das schrieb ich an Ulli, als ich ihre Bildauswahl zugeschickt bekam. Darin steckt eine Verallgemeinerung, die sich beim zweiten Durchgang so nicht bestätigte. Beide haben wir Hochaufragendes und Lastendes, Übersichten und Details, spitz Zulaufendes und Kurviges, Paralleles, Verwinkeltes, die Waagrechte oder die Senkrechte Betonendes  fotografiert, die eine mehr, die andere weniger. Hier nun meine „Paarungen“ mit Angabe, wer was fotografierte. Die Zuordnungskriterien wechseln.

Bei Ulli findest du andere Paare und teilweise auch andere Fotos ganz am Ende ihres heutigen Beitrags.

 

Ps. Ich habe jetzt die letzten vier Paarungen doppelt eingesetzt, um den rechts-links-Effekt zu überprüfen. Die umgedrehten Doppel sind die ohne Unterschrift.

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Schulung der Wahrnehmung: Bleistiftzeichungen und Fotos von Trockenpflanzen

Heute am späten Nachmittag – die Amseln sangen schon ihr Abendlied – beschloss ich, mal wieder das genaue Zeichnen zu üben. Zwar fehlten mir vernünftiges Papier und weiche gut gespitzte Bleistifte, aber nicht fehlte es mir an Geduld und Enthusiasmus; denn je länger ich zeichnete, desto mehr ging mir die Schönheit der bis dato wenig beachteten trockenen Pflanzen auf.

Hier nun die erste Zeichnung mit ihrem Modell.

Die Verfärbungen des Papiers, das eigentlich weiß ist, rühren vom Sonnenuntergang her, der sich prächtig jenseits der Stadt entfaltete. Für das Foto der zweiten Zeichnung musste ich schon das Balkonlicht einschalten.

Und hier nun die Fotos von vier Pflanzen (ich schaffte es nur, drei zu zeichnen), die ich im zwischendurch machte. Urteilt nicht zu harsch über die Zeichnerin, denn Fotografieren ist doch recht viel einfacher, und die Schönheit der Pflanzen,  ihr Bau, ihre Anmut und Energie, auch ihre Farbigkeit kommen im Foto deutlicher heraus.

Wenn es so ist: Warum dann noch nach der Natur zeichnen? Ich sagte es bereits: erst beim geduldigen Hinschauen und Zeichnen nahm ich die Formen in all ihren überraschenden Einzelheiten überhaupt erst wahr. Zeichnen nach der Natur ist eine Schulung der Wahrnehmung. Ich werde es fortsetzen.

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Rückblende Malerei (3)

Hafenstadt (c) Gerda Kazakou, Akryllpigment auf Pappe, 70×50

und hier noch zwei Bildausschnitte

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bitte zum Vergrößern anklicken.

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Paarungen

Ullis Grautöne – meine Blautöne – können sie sich paaren? Wir haben es versucht. Das Sujet ist immer dasselbe: auf dem Tisch vorm Atelier aufgestapelte Glasplatten, ursprünglich Verglasungen von Bildern, irgendwann zerbrochen. ausgelagert, vom Regen durchnässt, mit Tropfen, Laub, inneren und äußeren Spiegelungen, Brüchen lebendig geworden. Und über allem der Himmel, einmal grau, einmal blau.
Ulli hat ihre Paare (Duette) heute als Sonntagsbilder gezeigt, ich tanze ihr nach.

Zuerst aber ältere Fotos desselben Sujets.

Wie zu sehen, hat sich der Stapel inzwischen gründlich verändert.  Die rötlichen gelochten Spanplatten sind verschwunden und geben den Blick frei auf den schwarzen Tisch, der allerdings unter den schwirrenden Farben und Formen kaum auszumachen ist. Die Natur hat sich das kalte leere Glas zurückerobert.

 

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Rückblende Malerei (2)

Hafenstadt mit Vollmond. Akryllpigment, Kohle, Kleister auf Leinwand. Format 140 x 150 cm

 

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Die Ignoranz der Sicheren

LESEN! HANDELN!

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Am selben Tag an dem die, ausnahmsweise gute, Nachricht von Denzi Yücels Freilassung sich verbreitete, wurden Ahmet Altan und sechs weitere politisch Angeklagte, zu lebenslanger Haft verurteilt. In seinem Text aus dem Gefängnis zitiert er Elias Canetti um die vorsitzenden Richter in seinem Prozess zu charakterisieren.

„In Sicherheit. Mit sich im Reinen. Mächtig. Und dann hören sie das Flehen eines Menschen nicht und sind von vornherein entschlossen, sich taub zu stellen – kann man sich überhaupt gemeiner verhalten?“

Und dann schreibt Altan, wie ihm, während er mit den anderen Angeklagten auf die Verkündung des Urteils wartet, eine Stelle aus seinem Roman einfällt.

„Der Spalt zwischen dem Moment, in dem sich das Schicksal eines Menschen verändert, und dem Moment, in dem er das realisiert, schien ihm der unheimlichste, tragischte Aspekt des Lebens. Die Zukunft ist schon klar, aber der Mensch wartet noch auf eine ganz andere Zukunft mit anderen Erwartungen und…

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Malerei (1)

Schiffswerft (c) Gerda Kazakouu

Ist es der Frühling, der mir sagt: es ist Zeit für einen neuen Aufbruch? Jedenfalls habe ich das Bedürfnis, ein wenig von den Legearbeiten runterzukommen und mich wieder auf die Malerei zu besinnen, die ich ziemlich vernachlässigt habe. Beim Beitrag „Toteninsel“ habe ich ja bereits ein Bild in Mischtechnik gezeigt. Und so werde ich jetzt ein paar meiner älteren Bilder oder auch Ausschnitte davon hier präsentieren, die mich auf den Weg zur Malerei zurückführen sollen. Sie sind durchweg in den letzten Jahren entstanden, mit Akryllpulver, Kleister und oft auch mit eingeklebten Papieren oder Pappen und/oder mit Kohle auf Leinwand, manchmal auch auf Pappe gezeichnet und/oder gemalt. Ich werde  jeweils nur ein Bild veröffentlichen. Mal sehen, vielleicht zündet der Funken bei mir dann wieder.

Schiffswerft. Bildausschnitt (c) Gerda Kazakou

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Eine dringende Bitte (Der Nachtzirkus*)

Der Nachtzirkus, Kapitel: Eine dringende Bitte. Concord, Massachusetts, 30. Oktober 1902. S. 318*

Die Schafe sind heute schlecht aufgelegt, als Bayley sie von einer Weide zur nächsten führen will. Sie widerstehen seinem Schubsen, Fluchen und Schieben, finden das Gras auf der jetzigen Wiese viel besser als das hinter dem Gatter in der niedrigen Steinmauer, ganz gleich, wie sehr  Bayley sie vom Gegenteil zu überzeugen sucht.
Plötzlich meldet sich eine Stimme hinter ihm. „Hallo Bayley.“
Poppet sieht irgendwie anders aus, wie sie da hinter der Mauer steht. Das Licht ist zu hell, die Umgebung zu banal und grün. Ihre Kleidung wirkt zu elegant, obwohl sie ihre Incognito-Sachen und nicht das Zirkuskostüm trägt.  Ihr Rock ist zu gerüscht für einen Werktag, und ihre Stiefel sind zwar staubig, aber zu schick und unpraktisch zum Herumlaufen auf einer Farm. Ihr rotes Haar ist offen, der Wind weht es ihr um den Kopf.

(*Ich zitiere aus dem Buch „Der Nachtzirkus“ von Erin Morgenstern, in der deutschen Übersetzung von Brigitte Jakobeit erschienen 2012 bei Ullstein.)

Diesmal habe ich meine 70×100 cm-Pappe umgedreht und das Bild auf der Kohlezeichnung der Rückseite gelegt. Die weißen Teile sind umgedrehte schwarze Teile.

Von Bayley war schon in einem früheren Beitrag die Rede. Da war er fünf Jahre jünger: https://gerdakazakou.com/2018/02/17/wahrheit-und-pflicht-der-nachtzirkus/

Poppet kennen wir aus einem Kapitel, das zwölf Jahre früher spielt. Der Roman springt nämlich nicht nur von Ort zu Ort, sondern auch in der Zeit macht er große Sprünge vor- und rückwärts.  https://gerdakazakou.com/2018/02/24/unter-aufsicht-der-nachtzirkus/

Die meisten Schnipsel stammen aus Jürgens Kiste, aber ihr erkennt sicher leicht auch einige von Susanne und Ulli wieder.  Um die Schafe zu legen, musste ich ziemlich knobeln. Denn die Methode der kleinen Fetzen, die ich früher mal probierte, stand mir bei diesem Material nicht zur Verfügung (https://gerdakazakou.com/2016/08/02/das-mondschaf-und-das-weltall/)

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Alphabet der Materialien. C wie …

Heute beginne ich mal mit den Fotos, und wenn du daran Spaß hast, fragst du dich: Wie heißt das Material? (Achtung: zwei sind doppelt vertreten.) Woraus besteht es eigentlich? Welche Eigenschaften hat es? Habe ich das auch in meinem Haushalt?

Und hier ist auch schon die Auflösung:

Das erste Foto zeigt Cellophan, in dem ein Kuchen verpackt war. Mich faszinierten die Lichtreflexe und der leichte Schatten, auf die ich noch nie geachtet hatte. Dann aber musste ich doch googeln: Woraus ist Cellophan eigentlich? Aha, aus Zellulose, also nicht mineralisch, sondern aus den Fasern des Holzes. Der Baum wird durchscheinend und knistert knastert leise ….

Das zweite Foto wirst du sicher erkannt haben: Chlor.  Über dieses allgegenwärtige Gift, nach dem das Leitungswasser riecht, das die Augen im Schwimmbar rötet und auf das die Putzfrau nicht verzichten mag, weiß ich auch nichts wirklich Genaues, außer dass es desinfiziert und bleicht (zB Papier), drum habe ich oben gleich den Wiki-Link eingefügt. Ich hab den Text auch gelesen, und nun schwirren gute und böse Nachrichten halbverdaut durch mein armes Hirn.

Das dritte ist Chrom: blitzende Armaturen, in denen man sich spiegeln kann, Lacke und intensive, leider auch teure Akryllpigmente – das fällt mir dazu ein. Kommt von griechisch „chroma“, „Farbe“. Ein Metall. Doch wo und wie wird es gewonnen?

Das vierte ist Chiffon – ein sehr leichtes durchscheinendes Gewebe, fühlt sich kreppig an, nimmt kaum Platz ein und lässt sich in jede Tasche stopfen. Ich habe nachgeschaut: das Wort kommt aus dem Arabischen: schiff ist „durchsichtiger Stoff“. Ich nehme an, die Fäden sind aus Kunstseide. Aber was um Himmels willen ist Kunstseide?

Die nächsten Bilder zeigen Creme, Chinapapier, Chinatinte (2 mal), 2 Blusen aus Chemiefaser, Curry und Chemikalien aller Art…. Nein, ich werde jetzt meine Unkenntnis nicht weiter ausbreiten. Tatsächlich weiß ich nur, wie Chinapapier hergestellt wird – ich habs kürzlich selbst gemacht und noch nicht vergessen…

   (Schau mal hier, runterscrollen)

 

 

 

 

 

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