Die Rechnung ist aufgemacht: eine kata-strophische Wortspielerei (abc-etüden)

Die folgenden kata-strophischen Wortspiele fielen mir zu Werners (Mit Worten Gedanken horten) Wortspende ein. Danke wie immer dir, liebe Christiane, von Herzen für Organisation, Illustration und Schreibimpuls (https://365tageasatzaday.wordpress.com/2021/09/19/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-38-39-21-wortspende-von-werner-kastens/!

Diesmal habe ich einen Wechselgesang erdacht.  Für Leser*innen, die des Englischen nicht mächtig sind, eine Übersetzung: bill bedeutet Rechnung und gates bedeutet Pforten. So wirst du zB an Flughäfen zu Gate No Soundso und am bensende durch ein letztes Gate geschickt. Bill Gates ist der Name eines bekannten Unternehmers und Wohltäters.

 

DIE RECHNUNG IST AUFGEMACHT, DIE PFORTEN SIND GESCHLOSSEN

Es sprach der Bill: ich prophezei

Die Pandemie ist erst vorbei

Wenn alle Welt den Stoff genommen

Und wir den Gegenwert bekommen.

 

             Was macht dich denn so sicher, Bill?

             Der Pöbel tut ja was er will!

            Anständig wärs, da hast du recht

            Doch kennst die Menschheit du nur schlecht.

 

Ach was, die Prophezeiung steht

Geschrieben deutlich im Gerät

Das wir mit Daten wohl gefüllt

Egal wie laut die Meute brüllt.

 

Ein jeder ist drin aufgeschrieben

Was er wo tat, was er getrieben

Wir haben gründlich ihn bewacht

Am Morgen Mittag in der Nacht.

 

              Die ganze Menschheit? Glaub ich nicht

              Ganz sicher gibt’s so manchen Wicht

              An den du weniger gedacht

              Und der ob deines Hochmuts lacht

 

             Und der verspricht: durch diese bill

             Die Bill von mir kassieren will

             Da mach ich einen dicken Strich

             Den Stich den setzen sie mir nich!

 

So what, my dear, es sei wie’s sei

Zum Glück gibt es ja Polizei

wenn einer sich verkrümeln will

kriegt er eins drauf, mit Gruß vom Bill.

 

Unbill erfährt, wer mir, dem Bill

Die Schutzgebühr nicht zahlen will

An allen Gates wird sie genommen

Und niemand wird mir je entkommen.

 

Ein jeder geht durch diese Pforte

Ich denke, du verstehst die Worte!

Wer mir die Rechnung will verderben

Der muss halt an was anderm sterben

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Montag ist Reise- und Fototermin

Athen ist ja ganz interessant, aber auf Dauer nichts für mich, jedenfalls nicht unterCovid-Maßnahmenbedingungen und bei dieser Affenhitze, die sich im September eigentlich nicht mehr zeigen sollte. Die Luft dem Sterben nah! Wie dicht die Atmosphäre ist, sehe ich, als wir die Stadt verlassen. Erst kurz vor Korith lichtet sich der Himmel, und die Berge zeigen Kontur.

In Arkadien machen wir bei „unserem“ einfachen Gartenlokal halt, essen und kaufen  lokale Produkte: Schafsmilchjoghurt und Feigen, Knoblauch und Zwiebeln, Honig und Petimezi, einen großen runden Laib Brot und Schafskäse und Wasser und Paprika … . Petimezi kennst du vielleicht nicht; es ähnelt dem Rübensaft, wird aber aus Trauben hergestellt und ist nicht so dickflüssig.

Nun also wieder Mani. Das Haus wurde in unserer Abwesenheit geputzt, das Wasser, das zehn Tage lang abgestellt war, ist wieder da, die Katzen Prinkipissa und Paulinchen sind dank der nachbarlichen Fütterung wohlauf, die Bäume und Sträucher freuen sich, als wir sie gießen, ich springe ins Meer und genieße die sehr entbehrte Frische. Gegen Abend fahre ich mit einer Freundin zum Hafen von Kitries und schwimme weit in den leicht bewegten goldglänzenden Spiegel hinaus. Später sehen wir dem aufgehenden Vollmond zu, genießen in einer Strandbar einen Drink, plaudern mit Bekannten. Das Leben kann schön sein, o ja.

 

 

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Tauben (Impulswerkstatt)

Bild 4, von Myriade: Tauben

Einladung zur Impulswerkstatt September, Oktober 2021

Liebe Myriade, dein Foto von zwei Tauben in einer Felswand lockert viele eigene Bilder – vor allem innere. Denn wie oft habe ich ihrem ruckenden zuckenden Gang zugeschaut, habe ihrem Gurren gelauscht, habe versucht, dem plötzlichen Aufflug eines Schwarms mit den Augen zu folgen. Wie Funken und Flammen beleben sie für einen kurzen Moment den Himmel. Und schon beruhigt sich der Schwarm wieder, sammelt sich, lässt sich nieder.

Alles ist gut, um sich niederzulassen. Warum nicht auch eine der summenden surrenden elektischen Leitungen, die sich über die Felder spannen und einen Überblick über das Land gestatten?

Und da ist er wieder, der magische Spiegel, und in ihm werden die Tauben sichtbar.

Schau nur, wie sie sich in der sonnigen Bläue wiegen!  „Und die Tauben und Sonne geben sich Zeichen…“

Max Dauthendey

 

Tauben und Sonne

  

Über den Dorfdächern lebt nur der Rauch gekräuselt,

Und ein Windzug in einer herbstlichen Baumkrone säuselt,

Wenn eine Taubenschar mit rauschendem Flug

An die blendende Nachmittagluft anschlug.

In der Tauben Reich, über die braunen Dachziegel,

Ist die Sonne gesetzt als der Stille Siegel.

Und die Tauben und Sonne geben sich Zeichen,

Schreiben Schatten, die über die Dorfstraße streichen.

Weil alle Dinge sich verstehen müssen,

Wie geheime Verliebte, die sich verstohlen grüßen.

Die sich mit ihren Blicken stärken,

Und kein Mensch kann es sehen, noch merken.

Noch vieles hätte ich über die Tauben zu sagen: über ihre Liebe und Partnertreue und deren Ausbeutung durch die Brieftaubenzüchter, über ihr besonderes Schwarmverhalten,  von dem wir uns einiges abschauen könnten, über die reiche mit der Taube verbundene Symbolik – von der Geburt der Aprodite über die Sintflut und die Christustaufe bis hin zu Picassos Friedenstaube -, über die wechselnden Formen des Zusammenlebens zwischen Mensch und Taube von der Opferung* über die  Fütterung bis hin zur Vergiftung. Vielleicht mache ich ja noch einen Eintrag dazu. Vorerst will ich mich mit einem weiteren Gedicht begnügen.

 

Hoffmann von Fallersleben

Der Täubchen Tod

Vor meinem Fenster saßen sie,

Die lieben Täubchen beide;

Sie flogen aus, sie kehrten heim

Zu meinem Fenster beide.

Ein Iltis schlich zum Schlag hinein

Und würgte mir das eine;

Das andre nun am Fenster sitzt,

Ich seh‘ es an und weine.

Ich hol‘ ihm Wasser, hol‘ ihm Korn,

Das Alles will’s nicht haben.

Es tut, als wollt‘ es sagen mir:

Ich sollt‘ es nur begraben.

Es schloß sein Aug‘, und ich begrub’s

Dort unterm grünen Flieder.

Ich sah’s und seh‘ es immer noch

Und wein‘ auch immer wieder.

 

*Mädchen bringt Taubenopfer -Vravron, Artemistempel

 

 

 

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Skulpturen IIIa – Spieglein, Spieglein (Impulswerkstatt)

Eine der Skulpturen, die ich im Garten des Byzantinischen Museums sah, machte mir besonderen Eindruck:  von Flügeln gehaltene runde metallene Spiegel.

In den Spiegeln verfängt sich, leicht verzerrt, was in ihr Blickfeld gelangt. Und so steigt auch mein buntes Kleid ….

…oder auch die ganze Fotografin zwischen den Flügeln empor.

Diese Spiegel, dachte ich mir, haben etwas Magisches an sich. Darin kann sich spiegeln, was immer man zu sehen wünscht. Warum nicht, zum Beispiel, drei fröhliche Menschen, die das Spiel im Meer genießen?

Aber natürlich steht es dir frei, dir etwas ganz anderes herbeizuwünschen.

Dies ist mein Beitrag zu Bild No 2 in Myriades Impulswerkstatt des Monats.  Das Originafoto:

Danke, Myriade!

 

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Skulpturen III – Ausstellung im Garten des Byzantinischen Museums Athen

„Für mich Kunschtbanausin sehen die „Werke“ aus, wie irgendwo an einem Strand aufgesammelte Dreckklumpen, auf repräsentative Eleganz hergerichtet…“, schrieb Mme Wildgans als Kommentar zu den Arbeiten von Peter Buggenhout.  Ja, so gehts mit der Kunst. Wat dem eInen sin Uhl, is dem annern sin Nachtigall.

Ob dir, liebe Sonja, nun die nachfolgend gezeigten Skulpturen schöner singen, weiß ich nicht. Ihre Präsentation ist weniger elegant, und sie gleichen eher dem, was man als Bildhauerei zu bezeichnen pflegte. Sie werden dieser Tage im Garten des Byzantinischen Museums gezeigt.  Es handelt ich um die jährliche Ausstellung der Bildhauer, die im „Verband Bildender Künstler Griechenlands, EETE“ organisiert sind (ich gehöre zur Abteilung Malerei).

Unter den vielen Exponaten sind nicht wenige, insbesondere die Figurativen, die mir durch ihren Witz Eindruck machten. Wenn du Lust hast, geh eine Runde  unter der gleißenden Sonne Athens mit mir.

 

 

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Skulpturen II, Peter Buggenhout bei Bernier Eliades

(Fortsetzung)

Zuerst mal eine Korrektur: die Titel und entsprechenden Beschreibungen der Skulpturen habe ich heute Nacht womöglich vertauscht. Jedenfalls befinden sich drei Großplastiken im ersten Raum der Galerie. Mir scheint nun, dass das folgende Objekt unter dem Titel „Der Blinde führt den Blinden“ und nicht „Mount Ventoux“ figuriert (sicher bin ich nicht). Urzeitlich, wie ein gewaltiger vom Fleisch eines unbekannten Tiers entblößter Knochen wirkte es auf mich.

Die gestern gezeigte Skulptur dürfte zu einer Werkgruppe von 2013 gehören, die „Mount Ventoux“ betitelt ist.  Verwendet wurden Aluminium, Epoxidharz (eine Art Flüssigglas), Polyurethan, Gewebe,  Kuhmagen und Dreikanthölzer. Was Polyurethan ist und zu welchen Zwecken es benutzt wird, musste ich erst nachlesen –  hier.

Vergleichsweise elegant ist die „Stummer Zeuge“ betitelte Skulptur von 2020. Hergestellt wurde sie aus Polyurethan und Stoff (Gewebe).

Im zweiten Raum befindet sich die gestern auch im Detail gezeigte Skulptur mit dem Titel  „Mount Ventoux“ – falls ich die Titel nun richtig zuordne. Wie auch immer: ich finde dieses schwärzliche Konglomerat aus Eisen und undefinierbarer Füllmasse besonders  eindrucksvoll.

Weitere ebenfalls große Arbeiten (ca 1 m Höhe) sind in Schaukästen montiert.

In die massigen organischen Stücke sind etliche teilweise erkennbare Materialien und Artefakte eingearbeitet.

Hier beeindruckte mich besonders der grüne Schmelzfluss. Im Detail werden auch die Bienenwaben erkennbar.:

Und noch ein weiteres Stück der Serie „Mount Ventoux“.

Den Berg Ventoux gibt es übrigens wirklich. Sein kahler gebogener Rücken erstreckt sich in Südfrankreich zwischen Avignon und Marseille. Die Kelten verehrten ihn  und Petrarca beschrieb ihn, als er ihn im Jahre 1336 bestieg. Dazu Wikipedia: „Die Schilderung dieser Besteigung gilt …als Ausdruck einer neuen Natur- und Landschaftserfahrung, bei der sich ästhetische und kontemplative Sichtweisen miteinander verbinden. Aus diesem Grund wird die Besteigung des Mont Ventoux heute … als der Schlüsselmoment an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit angesehen.“ Ich frage mich jetzt, ob die Mount Ventoux-Gebilde des belgischen Künstlers nicht einen neuzeitlichen Übergang  anzeigen – wo die Kunst quasi die Natur auffrisst, sich einverleibt und Brocken einer im Werden begriffenen künstlichen Neuen Natur erschafft.

Blickt man aus dem Fenster der Galerie, schaut man auf die altgewohnte „natürliche Natur“. Die ist freilich selbst ein Konglomerat aus gewachsenem Fels und gebauter Kirche, Himmel und angepflanztem Grün. In den spiegelnden Fensterscheiben wird es zu einem Abbild seiner selbst oder, um mit den Worten des Künstlers zu sprechen, zu  „autonomen Stücken einer Wirklichkeit, die sich nur auf sich selbst beziehen“.

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Athen. Peter Buggenhout bei Bernier Eliades (Skulpturen I)

Viel habe ich heute in Athen gesehen, und obgleich ich ziemlich erschlagen bin, möchte ich jedenfalls mit einem Highlight beginnen: Es war die erste Ausstellung nach sehr sehr langer Zeit, die ich besuchte.

Die Galerie Bernier Eliades, gelegen in einem stillen Sträßchen nahe der U-Bahn-Station Theseion, steuere ich immer als erstes an, wenn ich in Athen bin. Und auch heute enttäuschte sie mich nicht. Der Künstler Peter Buggenhout aus Belgien, Jg 1963, stellt erstmals in Griechenland aus.

Heute möchte ich nur zwei der Werke vorstellen. Sie nennen sich beide „Der Binde führt den Blinden“, sind 2012 entstanden, bestehen aus Eisen, Papier, Plastik, Poyester, Gewebe und sind mit Hausstaub übermalt.  Das oben abgebildete Werk hat die Größe 170 x 140 x 105. Detailaufnahmen:

Das zweite Werk mit demselben Titel  hat die Größe 142 x 185 x 170

Den Titel muss man wohl nicht besonders ernst nehmen, denn der Künstler strebt „keine symbolische Wiedergabe“ an. Vielmehr sei es seine Absicht, jede Art von Symbolismus zu unterminieren. „Ich versuche, eine Wirklichkeit zu erschaffen analog derjenigen, in der wir leben. Die Skulpturen werden große autonome Stücke der Wirklichkeit, beziehen sich nur auf sich selbst… Wegen ihrer Kompexität ist es selbst dem aufmerksamsten Betrachter kaum möglich, sie sich gedächtnismäßig einzuprägen.“ (Die Beschreibung habe ich dem Beiblatt der Ausstellung entnommen).

Morgen will ich noch ein paar Werke derselben Ausstellung vorstellen.

 

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Cartoon (abc-etüde)

Gestern stieß ich im Newsletter der Schweizer „Corona Transition“ auf eine Foto-Karikatur zur Aggression mancher geimpfter Menschen gegen ungeimpfte Menschen. Aus vielen Politiker-Mündern schallt das Wort von der „Epidemie der Umgeimpften“. Ihnen wird mit dem Ausschluss aus dem sozialen Leben gedroht, und in manchen Ländern wird dieser Ausschluss bereits Stück um Stück vollzogen. Verstanden habe ich das bisher nicht. Denn die Impfung schützt ja die Geimpften angeblich vor der Krankheit. Worüber regen sie sich also auf? Sie könnten sich doch entspannt zurücklehnen und die anderen ihren Weg gehen lassen. Aber nein….

Ich fügte einen neuen Text mit den drei vorgegebenen Wörtern in die Sprechblase ein.

Albern? Nun, es ist eine Karikatur….

Das Original

Christianes Einladung: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2021/09/05/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-36-37-21-wortspende-von-ludwig-zeidler/

abc.etüden 2021 36+37 | 365tageasatzaday

 

 

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Zimmerreise: S wie Schiffe (Montag ist Fototermin)

2021-08-20 Einladung f. Zimmerreise 09-2021 mit S + T

https://puzzleblume.wordpress.com/?s=zimmerreisen+9

Gestern war es S wie Schnüre, aber ein wenig geschummelt war es ja. Der Pinocchio ist eben doch ein Trickser. Drum kommt jetzt gleich noch eine zweite Zimmerreise, die das S ernsthaft vertritt: S wie Schiffe.

Schiffe, Inbegriff des Reisens und der Sehnsucht, immer schon. Eine große Segeltörn konnte ich machen, aber die große Schiffsreise blieb mir versagt. Und so reist meine Fantasie mit Schiffen, dampft über die Ozeane, gleitet über die großen Ströme, wiegt sich auf den Wellen, zerschellt an den Felsen. Immer wieder malte und zeichnete ich sie. Schiffe und Boote ohne Ende. Und natürlich gibt es etliche Nachbildungen auch in den Regalen, an der Wand … und vor mir auf dem Schreibtisch

Diesen Segler hatte jemand einst kunstvoll in eine Flasche bugsiert. Die Flasche zerbrach, doch das Schiff segelt weiter.  In „Schifflein ahoi“ habe ich es „ans Licht gehoben“.

Hinter mir, in einem der zahllosen Bücherregale, segelt gleich eine ganze Armada. Woher? Wohin? Weiß ich nicht zu sagen, frag den Kapitän.

Begebe ich mich dann durch den Flur hinüber in mein eigenes Zimmer (auch Gästezimmer), stoße ich auf weitere Schiffe: eins hängt an der Flurwand, die anderen stehen in meinem Bücherregal, auf dem Schränkchen neben der Couch, auf der Ablage neben dem anderen Schreibtisch.

Zu diesen Schiffen könnte ich euch Geschichten erzählen – etwa zu diesem, das aus feinem Schwemmholz gefertigt wurde – von einem Arbeitslosen, der früher in einer großen Werft von Eleusis arbeitete, bis die, wie so vieles andere, bankrott ging.

Dieses leider zerbrochene Totenschiff aus Alabaster habe ich in einer Werkstatt am Nil gefunden – denn da war ich auch mal, bin ein paar Tage lang mit einem der großen Luxusliner den Nil hinaufgeschippert, ja, hinauf, wenngleich es nach Süden hinab ging. Merkwürdig sind die Verhältnisse in Ägypten. Als Natur- und Kultobjekt wurde es mehrfach von mir, aber auch von Ulli Gau, als sie hier zu Besuch war, in Bild-Kompositionen integriert. Hier seht ihr Ullis feine Postkarte neben einer Eichhörnchen-Karte von Susanne Haun – als Weihnachtsdekors bei mir zu Hause.

https://gerdakazakou.com/wp-content/uploads/2018/12/IMG_4604.jpg

Ach ja, so viele „Es-war-einmal“-Geschichten hängen sich an die Schiffe! Dieses hier, angeblich von der Insel Tinos, habe ich tatsächlich …. in meiner Heimatstadt Heiligenhafen gekauft. Wie es dahin gelangte, um anschließend als Erinnerungsstück nach Griechenland gebracht zu werden? das sind so Rätselfragen. Auf dem Foto sieht man übrigens meine Familie, damals, 1949, als wir den ersten Sommergast vom Bahnhof abholten – eine Dame aus dem kriegszerstörten Berlin. Ich bin die Siebenjährige  im Vordergrund. Der Bahnhof – „es war einmal“.

Hier trifft ein antikes Ruderboot auf einen neuzeitlichen beflaggten Kutter.  Das metallene Modell ähnelt einer Triere – beliebtestes Kriegsschiff des Altertums. Hier aber segelt es unter dem Adler von Byzanz (so nehme ich jedenfalls an) – keine Ahnung, ob das historisch korrekt ist.

Nun, Ende der Reise – genug des Seemannsgarns! Gehen wir an Land und sehen zu, was es dort zu tun gibt. Eine gute Woche wünsche ich allseits!

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Zimmerreise: S wie Schnüre und Schaukeln, Südländer und Sizilianer

https://puzzleblume.wordpress.com/?s=zimmerreisen+9

2021-08-20 Einladung f. Zimmerreise 09-2021 mit S + T

Wieder in Athen oder genauer, in Maroussi, einem nördlichen Vorort von Athen. Von der Lampe im Wohnzimmer grüßt Pinocchio herunter.

Er hängt an SCHNÜREN,  denn er ist eine Marionette. Und da er ein junger frischer Kerl ist, mag er nicht ständig still herunterhängen. Seine Aufhängung wird dann zur SCHAUKEL.

Die SCHNÜRE verheddern sich, wenn er allzu wild schaukelt und tanzt. Aber ich verzeih ihm das gern. Er ist ein SÜDLÄNDER, genauer ein SIZILIANER, und ihm ist nicht zumutbar, sein Leben still von der Decke herabhängend zu verbringen.

Selbstverständlich befinden sich in meinem Haushalt noch viele andere Schnüre, aber von denen will ich nicht erzählen, denn das  wäre ein langweiliges Sujet. Oder habt ihr etwa Lust, in meinen Schubladen zu kramen und all die dort herumwuselnden Schnüre zu entwirren? Sicher nicht. Also spreche ich doch lieber von Pinocchio, dem Sizilianer, wie er da hoch über den Köpfen der ernsthaft STUDIERENDEN an seinen SCHNÜREN hanget.

Wahlzettelzeichnung von 2019

Die Zeichnung machte ich anlässlich der Wahlen von 2019, und ich schrieb dazu: „Der Pinocchio schwebt im Raum und erinnert uns daran, welche Folgen das Lügen hat. Unschuldiger kleiner Kerl! Wenn er wüsste, was in der Welt zusammengelogen wird!“ Nun,  er weiß es nicht. Auch der Zwerg Axel Kinkelknut, der  eines Tages eine herrliche SCHAUKELEI mit dem Pinocchio veranstaltete, hat es ihm nicht verraten.

Wenn Zwerge nicht mehr reisen wollen (Beistiftzeichnung)

Ja, aus Sizilien stammt er, genauer aus Palermo. Und wenn ich ihn ansehe, den Pinocchio, reise ich nach Sizilien. Ach, wie gern täte ich es in personam! Aber heute muss halt die Zimmerreise genügen.

Übergabe des Pinocchio in Palermo

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