Zugvögel – Bleibevögel (Maries Schnipsel 5)

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Maries Schnipsel (4) : Standpunkte

Diese Personen haben entgegengesetzte, um nicht zu sagen antipodische Standpunkte. Auf ihrem Kopf tragen sie die Abbilder dieser Standpunkte zur Schau. Vermutlich handelt es sich um Kopfgeburten. Die Umkehrung der Standpunktträger will ich euch nicht vorenthalten.

In Zeiten der Regierungsbildung sind entgegengesetzte Standpunkte besonders hinderlich. Ich möchte immer gern behilflich sein und suchte nach Möglichkeiten der Kooperation und Versöhnung. Hier stellte ich die zwei in eine gemeinsame Landschaft und ließ mal den einen, mal den anderen dominieren.

Doch warum nicht die einfachste Lösung: Bild 1 mit seiner Umkehrung überblenden und Schluss. Das ergibt einen feinen Kompromiss. Ich mag Kompromisse.

 

Oder meinetwegen auch politisch eingefärbt (das Rot darf man sich auch schwarz vorstellen)

Das Lied vom Kompromiss – von 1919 – ist dir vielleicht bekannt? Wenn nicht, hör es dir in der klassischen Interpretation von Ernst Busch an. Ist ein bisschen alt, über hundertjährig schon, aber nicht totzukriegen.

Refrain:
„Schließen wir nen kleine Kompromiß!
Davon hat man keine Kümmernis.
Einerseits – und andrerseits –
so ein Ding hat manchen Reiz …”
Und durch Deutschland geht ein tiefer Riß.
Dafür gibt es keinen Kompromiß!

Text: Kurt Tucholsky
Musik: Hanns Eisler

 

Zitiert nach Ernst Busch: Fromme Gesänge – He! Republik.

Hanns Eisler / Kurt Tucholsky. Aurora  5 80 010/011. Hrsg. 1965 (Nachaufl. 1969)

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Nach dem Schwimmen, vor dem Regen

Zu dritt sitzen wir bei „Babis“ und schauen dem Sonnenuntergangspektakel zu. Klar, das müssen wir natürlich fotografieren. Und, wie sieht es auf ….

dem Monitor der Freundin aus? Aha, so:

Später vergleichen wir die Fotos. Meine sind weniger spektakulär als die der anderen.  Ich neige dazu, das für einen Vorteil zu halten. Ein Fall von Egoismus, natürlich.

Dann beginnt es zu tröpfeln, und ich ziehe unter das Vordach des Lokals. Die bunten Glühlampen konkurrieren mit der Sonne.

Nun prasselt der Regen aufs Vordach. Die Lampen spiegeln sich im nassen Asphalt. Die Freundinnen raffen ihre Sachen zusammen und flüchten.

Herzlich willkommen unter dem Vordach!

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Maries Schnipsel (3): Zwei Temperamente

Während ich Marias Schnipsel zwischen den Fingern drehe, treiben sich Till (Ulenspiegel) und Don (Quixote) noch in meinem Kopf herum. Zugleich sind da aber auch Maries Zeichnungen aus dem Notizbuch von heute und ihre federleichte Papierarbeit, aus der die Schnipsel stammen.

Das Ergebnis sind zwei Figuren durchaus unterschiedlichen Temperaments, die sich dennoch ergänzen und Freunde, ja sogar in einem Menschen gleichzeitig zu Hause sein können.

Sicher hast du die beiden schon mal gesehen, zum Beispiel am Strand …

Der/die Eine lockt einen Vogel heran, denn er/sie ist ein Luftikus, der/die andere baut, schafft, sammelt eifrig, sei es Stein, Blätter oder….

…. warum nicht? ein ganzes Netz voll Fische.

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Impulswerkstatt Bild 1. Geschichten von Störung und Wachstum

Wir alle, glaube ich, stehen gelegentlich vor solch einem Stück Holz, das uns nicht nur ästhetisch anspricht, sondern tief im Innern bewegt. Wie ein Gleichnis liegt es vor uns:  wir sehen, wie die schönen Wellenlinien eines gleichförmigen Wachstums aufgebrochen werden, ein wüster Riss entsteht, hervorgerufen durch einen Einschluss, der sich schwer integrieren lässt. Es fühlt sich an wie Schmerz und Kampf. Und schließlich auch wie Erlösung, oder doch wie eine Lösung, wenn sich die Wachstumswellen hinter dem Hindernis wieder harmonisieren.

Eben dieser Vorgang findet sich wohl in jeder Biographie. Und es sind solche in den Lebenslauf eingebetteten Dramen, die uns jeden Menschen besonders machen. Genauso wie die Holzplanke, die uns vor die Füße gespült wurde.

Holzplanke Sandova  6a

Ich weiß nicht, ahne nicht einmal, wie diese Maserung zustande kam. Muss ich es wissen?

Oder diese hier: was ist geschehen?

So viele Lebensgeschichten. Niemand interessiert sich dafür, außer dem Betroffenen selbst, der versucht, mit störenden und verstörenden Ereignissen zurecht und erneut in den Fluss zu kommen. .

Ich habe schon viele solcher Biographien betrachtet. Jetzt gehe ich, eine weitere anzuschauen und vielleicht ein wenig zu helfen, die mühsamen Prozesse der Anpassung zu beschleunigen und so zu einer Lösung zu kommen.

 

 

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Maries Schnipsel (2a): Das Europäische Projekt fortgesetzt (Wahltag)

Im Rostbereich der Fast-Vergessenen begegneten sich gestern die beiden bemerkenswertesten Helden der europäischen Literatur. Zu wenige Menschen würdigen den entschlossenen Widerstand, den sie gegen das zu ihrer Zeit herrschende „System“  leisten. Der eine verteidigt hartnäckig die Werte einer Epoche, die versinkt. Hier kämpft er grad gegen die sprichwörtlichen Windmühlenflügel.

Und der andere? Er inspirierte mich schon mit 12 zu meinem ersten bebilderten Reim-Epos…

Ulenspiegel, norddeutsch wie ich selbst, vereint in seinem Namen gleich zwei altgriechische Symbole, die in die europäische Tradition übernommen wurden: Spiegel und Eule. Dem anderen den Spiegel vorhalten, oder wie Till, ihn wörtlich nehmen -, das sind bis heute Methoden der Selbsterkenntnis. Was ist Schein, was Sein? Γνῶθι σαυτόν ! Erkenne dich selbst!

Die Eule – nun, da brauche ich nicht viele Worte zu verlieren. Oder doch? Die Bedeutung der Eule verschob sich ja seit der Antike. Im Mittelalter gehörte sie zu den teuflichen Nachtwesen, Hexen wurden mit Eule und schwarzem Kater abgebildet. Also spiegelte der mittelalterliche Till seinen Zeitgenossen wohl nicht nur Weisheit, sondern allerlei finsteren Gedankenspuk zurück. Und er selbst war wohl auch nicht der reine Tor.

Wo sich die beiden Helden getroffen haben könnten (außer im Reich des Geistes) – auch dazu gibt es historische Hinweise. Denn seit des belgischen Romanciers Charles de Coster berühmter Eulenspiegel-Fassung des 16. Jahrhunderts „Die Legende und die heldenhaften, fröhlichen und ruhmreichen Abenteuer von Ulenspiegel und Lamme Goedzak“  ist Till ein Vorkämpfer des niederländischen Freiheitskampfes gegen Spanien. Und wenn sie sich nicht in Flandern trafen, so gäbe es doch viele weitere Möglichkeiten, denn Till war ein Rumtreiber, der fast den gesamten europäischen Kontinent unsicher machte.

Und heute? Wo sind sie heute, um edle Tugenden zu verteidigen und den Mitmenschen den Spiegel vorzuhalten? Werden sie etwa nicht mehr gebraucht? Ich bitte euch! Sie sind unsterblich, und zwar zu Recht! Und so hole ich sie aus dem Rostbereich des Vergessens hervor und versetze sie an die frische Luft.

Kommt hervor, ihr beiden unsterblichen Narren! Der eine halte uns (und unsere Volksvertreter) den Spiegel vor und nehme uns (und sie) beim Wort, der andere lehre uns (und sie), die Werte der Nächstenliebe und Solidarität zu verteidigen. So kann, vielleicht, das europäische Projekt gedeihen.

Till und Don in Zwergengestalt. Bleistiftzeichnung

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Maries Schnipsel (2): Ein europäisches Projekt

Eine Begegnung zwischen Don Quixote und Eulenspiegel – geht nicht? O doch! Denn die beiden sind zwar aus verschiedenen Kulturen geboren, aber dennoch geistesverwandt. Wie, auf welche Weise sie sich ähneln? Darüber will ich mich jetzt nicht auslassen. Ich habe an beiden einen Narren gefressen.

Wenn der edle Ritter de la Mancha hoch zu Ross auf seiner Rosinante daherreitet und trifft auf den teutschen Till Eulenspiegel, der gerade das Geschirr seines Meisters hinter sich herzieht – welcher Dialog wird sich entspinnen? Sehr gern wüsste ich es.

Hier habe ich die beiden mit einem Rostbild überblendet und auch sonst noch ein wenig herumgespielt. Das Original  wirkt dagegen sehr bescheiden.

Andere Varianten gibt es natürlich auch noch, zB diese, bei der ich das Original mit sich selbst und dann auch noch mit einem Rostbild überblendet habe.

 

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Maries Schnipsel sind da! (1) Perlmutt

Gestern übergab man mir in der Taverne ein leichtes gelbes Päckchen – und ich freute mich sehr. Maries (http://mmandarin.wordpress.com/) filigrane Schneidearbeiten aus Papier haben es mir seit langem angetan, und so hatte ich mir von ihr Schnittreste erbeten, die sie mir freundlich zusagte.  Nun sind sie da!

Sie sind aus Zeichenkarton, weiß mit nur geringen Spuren von Bleistift, und es sind sehr viele, obgeich sie nur von einem einzigen Werk stammen. Die Formen ergeben sich als Negativ aus Maries Positiv: sie entsprechen den Lücken, dem Nichts zwischen den Netzen. „Dr. Murkes gesammmeltes Schweigen“ sozusagen – wenngleich das nicht wirklich passt, denn Maries Arbeiten sind wahrhaftig nicht geschwätzig wie der Rundfunk, dem Dr. Murke das Schweigen abgewinnt. Also sollte ich diese Schnipsel eher mit den Lücken im Lattenzaun vergleichen, die Morgensterns Architekt eines Tages wegnahm? Nein, auch das passt nicht. Denn „ein Anblick grässlich und gemein“ stimmt ja noch viel weniger zu Maries Arbeiten. Außerdem nimmt sie ja die Lücken nicht weg, sondern produziert sie ganz im Gegenteil absichtlich mit ihrem feinen geschickten Scherchen, und ich profitiere  vom Weggeschnittenen, nicht von den Lücken. Die Lücken behält sie.

Am ehesten lässt sich dies Material vielleicht mit Jürgen Küsters Schnipselspende vergleichen, denn auch die sind Schnittreste, also Überbleibsel aus einer Schneidearbeit, die ein Werk zum Ziel hatte. Aber wie verschieden sind seine schwärzlichen schweren vielförmigen Stücke von Maries federleichten weißen Schnittresten!

Die bisherigen Schnipselspenden im Überblick:

Marie Mandarin

Heute Nacht machte ich den ersten Legeversuch. Unmöglich, alle Stücke zu berücksichtigen. Nur eine Handvoll griff ich mir heraus. Sie formten sich wie selbstverständlich als zum Licht hinaufstrebende pflanzliche Wachstumsformen.

Dann überblendete ich sie mit einem Foto von Lichtkringeln auf dem Wasser. Dadurch färbten sich die leicht gewellten und gewölbten Stücke aus Zeichenkarton und wurden zu perlmutternen Muschel-Bruchstücken.

Dir, liebe Marie, zum Gruß von deiner geliebten Ägäis.

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Herzensgruß an den Herbst (mit Maulbeerbaumblatt, Paulinchen und Poesie)

Das erste herabgefallene Blatt des Maulbeerbaums. Ich hob es auf und hielt es gegen das Licht. Da erst da ich den fein gezackten Rand des herzförmigen Blattes.

Paulinchen, scheu wie ihre Mutter, spielt mit den herabgefallenen Blättern des Aprikosenbaums.

Zeit für die Weinlese.

Der Sommer war sehr groß und darf dem milderen oder auch wilderen Herbst gern Platz machen. Dennoch hier eines meiner liebsten Herbstgedichte aus Jugendzeiten, als ich den Herbst noch in nördlichen Breiten erlebte und seine Melancholie mich voll ins Herz traf. Und als ich noch Geige spielte….

Chanson d’automne

Paul Verlaine

Les sanglots longs
Des violons
De l’automne
Blessent mon coeur
D’une langueur
Monotone.

Tout suffocant
Et blême, quand
Sonne l’heure,
Je me souviens
Des jours anciens
Et je pleure

Et je m’en vais
Au vent mauvais
Qui m’emporte
Deçà, delà,
Pareil à la
Feuille morte.

Paul Verlaine, Poèmes saturniens

Die „poetischen“ Übersetzungen, die ich im Netz fand, waren so fürchterlich, dass ich eine von mir verbesserte google-Übersetzung vorziehe.

Herbstlied

Die langgezogenen Schluchzer 
der Violinen
Des Herbstes
Verletzen mein Herz
mit monotoner Mattigkeit 

Alles erstickend
Und blass, wenn
die Stunde schlägt,
Ich erinnere mich
an alte Zeiten 
Und ich weine

Und ich gehe fort 
im üblen Wind
der mich davonträgt
Hierhin, dorthin,
Ähnlich dem
Toten Blatt.

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Zimmerreise. U wie Uhren oder doch lieber wie Uhus?

Heide von Puzzleblume lädt zur zehnten Zimmerreise ein.

Der gesuchte Anfangsbuchstabe ist diesmal U, und zeitgleich fallen mir Uhr und Uhu ein. Das ist nicht ganz zufällig: denn sie stehen nebeneinander auf dem Teewagen, den wir einst bei einem Altwarenhändler in Kalamata fanden und der vermutlich aus Bayern stammt. Den gelehrten Uhu links und die aus einer Granathülse gefertigte Vase rechts stellte ich ebenso wie die angeschnittene Zitrone, das Radieschen und die Schwemmhölzer zum Kaninchenfell-Uhu und zur Uhr hinzu, um sie zu zeichnen.

Als Eulen habe ich einige meiner Uhus ja schon in einer anderen Zimmerreise vorgestellt (HIER). Da gabs u.a. einen Uhr-Uhu zu sehen, der auf einem anderen Regal sein weithin unbeachtetes Leben führt:

IMG_7855

Denn keine diese Uhren ist in Betrieb. Leider, möchte ich bezüglich der Uhr sagen, die mit ihren vier sich sanft drehenden goldschimmernden Kugeln und ihrem Surren den Tagen einst einen hübschen Rhythmus verlieh. Sie blieb stehen. Inzwischen wird die Zeit digital angezeigt – was präziser, aber auch profaner ist.

Ich könnte jetzt von Zimmer zu Zimmer eilen, um all die vielen Uhus und Uhren abfotografieren und hier vorzustellen, die sich in diesem Haushalt angesammelt haben. Das aber will ich nicht tun, denn es sind zu viele. Zu viele Uhren, zu viele Uhus.  Auch wenn die meisten Uhren stehengeblieben sind : die Zeit eilt davon, es ist schon Nacht und der Vollmond wartet darauf, dass ich ihn begrüße. Gute Nacht allseits!

 

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