Gestern erwartete ich den zehnjährigen D, mit dem ich das gemeinsame abwechselnde Schnipselbildlegen kürzlich erfunden und erfolgreich praktiziert habe (hier).
Doch nicht er kam, sondern seine Mutter und deren Freundin erschienen – das Kind, auf das ich eingestellt war, war verhindert. Nun fällt es mir aber schwer, einen Handlungsimpuls, der sich in mir aufgebaut hat, einfach fallen zu lassen. Ich wollte mit D neue Varianten des Spiels ausprobieren. Also bat ich die beiden Frauen, bevor sie mir ihr Anliegen vortrugen, mit mir ein Bild zu legen. Sie zögerten, waren dann aber zu ihrer eigenen Überraschung hoch konzentriert dabei, als wir in strenger Reihenfolge und stumm ein gemeinsames Bild legten.
Interessanter als das Ergebnis war es, den Prozess zu beobachten: Legte sie zentral oder am Rande, legte sie systematisch ein selbstständiges Motiv oder ergänzte sie eher, veränderte, intervenierte vielleicht sogar in das Motiv einer anderen? Zögerte sie, suchte nach dem geeigneten Platz, oder ging sie zielstrebig und kurz entschlossen vor? Spannend war auch: wer würde die Verantwortung übernehmen, das Bild „fertig“ zu nennen? Wer aufhörte, beendete das Spiel auch für die anderen – und das war kein einfacher Entschluss…
All diese Beobachtungen sammelten wir nicht nur, sondern fassten sie auch in einer Spielanweisung zusammen, wenn es darum ging, mit heftig konkurrierenden und streitenden Geschwistern Bilder zu legen: Würde die selbstbewusste siebenjährige A die Reihenfolge respektieren? Würde sie den zehnjährigen Bruder imitieren oder eher stören? Wer würde das Spiel aufkündigen? Was war der Vorteil dieses Spiels gegenüber Konkurrenzspielen wie Mensch-ärgere-dich-nicht? usw usf. Es wurde ein fruchtbares Gespräch, das ganz natürlich in die eigentliche Themenstellung der Sitzung überleitete.
Ich aber saß danach noch mit den Farbstiften da, die ich für die Arbeit mit D bereitgelegt hatte. Und so färbte ich ein paar der weißen Schnipsel ein. Wie würde sich das ausnehmen?



















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