Stadt, Land, Fluss Kifissos (aktualisierte Foto-Collagen)

Was eben noch reine Fantasie war, wird gerade bestürzende Wirklichkeit. Athen säuft ab. Nun, das ist natürlich eine arge Übertreibung der Medien, aber Fakt ist, dass der Regen, den Zeus  unserem Land endlich zugedacht hat, der modernen Infrastruktur nicht zuträglich ist. Der Kephisos (Kifissos), einst ein mächtiger Flussgott (hier als Skulptur des Parthenonfrieses, die sich im Britischen Museum befindet UND skandalöserweise nach Moskau ausgeliehen wurde, anstatt endlich den Athenern zurückerstattet zu werden)….

Foto: tagesspiegel.de,

verkümmerte in einem ekliges Betonbett, während seine Flussfunktion vom Autoverkehr übernommen wurde, der über ihn dahindonnert. Heute aber ist Kephisos  lustig, er schäumt und wütet und will aus seinem Zwangsbett ausbrechen.

Wie der große, so auch die kleinen Flüsse,  Zuflüsse, und Bäche: sie füllen sich und wissen nicht wohin mit den Wassermassen. Noch hält sich das Unheil in Grenzen, doch sind für die nächsten Tage weitere starke Regenfälle angesagt.

Ich sitze im Trocknen, denn unsere Gemeinde hat vorgesorgt und vor ein paar Jahren riesige Abflussrohre verlegt. Und so kann ich die Bilder im TV betrachten und meine Collagen aktualisieren.

 

 

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Stadt, Land, Meer : Überblendungen

Noch bin ich nicht recht angekommen in Athen. Die Seele ist bekanntlich langsamer als der Körper. Bilder von vorher hängen nach und schieben sich über das Jetzt.

Auch hier in Athen regnet es. Aber es ist ein anderer Regen. Ein mittelgrauer Himmel, in dem dunklere Wolkenfetzen schwimmen, wird durch das Fenster sichtbar. Der Donner rollt über Attika.

Ich denke an die Sonnentaler auf dem Tavernenboden, wo wir zuletzt fast allein waren. Nun sind auch wir abgereist. Die Sonne aber streut, wenn sie scheint, weiterhin ihre Sonnentaler durch das löchrige Schilfdach.

Ich nehme das Foto einer beliebigen Athener Straße, lösche die Farben fast ganz aus und projiziere den Sonnentaler-Tavernenboden hinein.

Oder nehme ich doch lieber die Zeichnung vom klassischen Athen und pflanze den Tavernenboden dort ein? Vielleicht aber ist die Verfremdung zu gering. Pflaster ist Pflaster, kaum jemand wird die Fälschung bemerken, wenn man ihn nicht mit der Nase drauf stößt. Also nehme ich diesmal die Sonnentaler auf der hölzernen Tavernentischplatte und schmücke damit den Platz vor den neoklassischen Gebäuden der Akademie und Universität Athens. Bald wird ihn das rot und weiß karierte Tischtuch bedecken, und Salzstreuer, Wasserkrug, Ölfläschchen und Brotkorb werden  herangebracht. Lasst uns speisen! Was gibt die Küche heute her?

Doch wer weiß. Vielleicht wird nicht die Wirtsfrau kommen, sondern das Meer mit seinem Geröll und seinem bitteren Nass und wird all das schön Gebaute zurückholen in seinen unruhigen Schoß? Wer weiß.

 

 

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Ich mag Steffi. Du etwa nicht?

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Wohltuender Regen (Legebild mit Maries eingefärbten Schnipseln)

Am Abend strahlen die Wolken rot und gelb und golden, gelegentlich sind sie auch düster. Später dann beginnt es zu regnen, erst leise, damit die Erde nicht weggespült wird, dann kräftiger und schließlich so anhaltend und stark, dass der Boden bis in seine Tiefen durchweicht und lebendig gemacht wird. So geht es nun jeden Abend und jede Nacht. Zutiefst dankbar lausche ich dem Donnerer Zeus, der über den Bergen Kegel spielt. Er hat das Land der Griechen nicht vergessen, selbst wenn ihm hier niemand mehr opfert. Er lässt es nicht verdorren.

Der Regen treibt aus dem Boden die Blüten hervor, die in Wurzeln, Knollen und Zwiebeln die heiße Zeit überstanden: Meerzwiebeln, Kyklamen, Lilien und andere namenlosen Schönheiten …

κυκλάμινα (Zyklamen)

Hier singt Giorgos Dalaras das berühmte Lied von Jannis Ritsos, vertont und dirigiert von Mikis Theodorakis.

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Ein letzter Spaziergang

Jedenfalls für ein Weilchen, denn wir müssen wieder mal nach Athen. Und jedesmal ist es ein Abschied für mich. In einer Woche hoffe ich, zurück zu sein. Athen, das ich eigentlich sehr mag, ist mir in Covid-Tagen verleidet. Lieber bin ich weit weg von all dem Getue und freue mich an dem Himmel, den Bergen, der See.

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Lob der Chemie. Eine kata-strophische abc-etüde

Schreibeinladung für die Textwochen 40.41.21 | Wortspende von umgeBUCHt

abc.etüden 2021 40+41 | 365tageasatzaday

Lob der Chemie.

Auf dem Beipackzettel steht

Was mit dieser Pille geht:

 

Du hast dir Kilos angefressen?

Die darfst du heute schon vergessen.

Auch wenn du isst was auf dem Tisch

Bleibst du doch schlank und jugendfrisch

 

Hast du Ärger mit dem Mann

Weil er was Männliches nicht kann

Gib ihm die Pille nur geschwind

Schon morgen kriegst du dann ein Kind.

 

Gib dem Kinde, wenn es plärrig

Trotzig oder allzu sperrig

Andres will als du und ich

Eine Pille vorsorglich.

 

Kommst du leicht schon aus der Puste

Eine Treppe – huste huste

Die Pille hilft, ja, rauche nur

Vom Husten bleibt dir keine Spur.

 

Wir möchten dir auch suggerieren:

Du brauchst die Pille zum Studieren

Fürs Hirn, fürs Herz und untenrum

Denn ohne Pille bleibst du dumm.

 

 O ja, Chemie mit ihrer Kraft

Hat jede Krankheit abgeschafft.

Hab vor dem Tode keine Bange!

Vertrau nur ihr, so lebst du lange.

 

Auch wenn du frisst und säufst und rauchst

Und täglich dein Stück Torte brauchst

Wenn du statt draußen zu spazieren

Noch ein Likörchen willst goutieren

 

Du bleibst doch knackig und gesund

Es reicht, dass du durch deinen Schlund

Alltäglich diese Pillen schickst:

Und dich mit der Chemie beglückst.

 

Geheimkünstler sind nicht am Werke

Die Transparenz ist unsre Stärke

Wir sagen dir, was in der Pille

Und wie sie alles Übel kille.

 

Auf dem Beipackzettel steht

Was mit dieser Pille geht.

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Einen Herbstbaum gemeinsam legen, mit Maries Schnipseln (Therapiestunde)

Heute kam mein zehnjähriger Freund, mit dem ich übe, seine Gefühle auszudrücken. Denn da hapert es wie bei vielen Kindern, die durch Elternhaus und mehr noch durch die Schule in ihrem Ausdruckswillen gehemmt werden. Daher beherrschen auch viele Erwachsene nicht das ABC der Sich-Ausdrückens und Kommunizierens innerer Befindlichkeiten.

D wurde von seiner Mutter und seiner lebhaften siebenjährigen Schwester gebracht. Und so machten wir alle vier ein kleines Spiel, bevor wir zu zweit allein blieben. Vorbereitet hatte ich Maries einseitig eingefärbte weiße Schnittreste. Diesmal gab ich ein Thema vor: „Baum“. In strenger Reihenfolge legten wir abwechselnd je einen Schnipsel, bis alle verbraucht waren. Wir vier waren sehr konzentriert bei der Sache und vergaßen sogar zu sprechen.

Hoppla! Das soll ein Baum sein? Wie merkwürdig ist er gewachsen! Nun, wir standen ja an zwei Seiten des Bretts, und jeder hat seine eigene Perspektive angewendet: der eine sah den Baum von rechts nach links, der andere von unten nach oben wachsen und baute die Schnipsel entsprechend längs oder quer an. Erst am Ende einigten wir vier uns stumm auf die nun gezeigte Richtung. Und wie geschah das? Durch die fallenden Blätter, die die Einordnung des Baums ins Schwerkraftfeld der Erde anzeigen.

Nun gings ums Umdrehen der Schnipsel auf die eingefärbte Seite. Denn noch ist ja nicht Winter, wir wollten einen Herbstbaum wachsen lassen. Und da es der Termin des Jungen war, und er die kleine Schwester  gern aus seinen Aktivitäten raushält, gab ich ihm die Vorhand: er durfte so viele Schnipsel wie er wollte umdrehen. Es war ihm überlassen, wann er an seine Schwester abgab. Und so drehte er um und hörte nicht auf. Die Mutter wurde unruhig, sagte: willst du A nicht auch mal lassen? Ich: das entscheidet D ganz allein. Wenn er will, gibt er ab. Und D drehte um und genoss es… bis er seiner Schwester dann doch freiwillig Raum gab: sie durfte den Stamm umdrehen. Und alle waren es zufrieden und freuten sich an unserem gemeinsam erschaffenen Baum.

Und nun wurden wir zu Bäumen: Ich wurde eine Eiche – D eine Zypresse – A wusste nicht so recht, nahm dann die Olive draußen vor der Tür – und die Mutter wurde zur Weide. Und dann kam ein Sturm auf – die Bäume schwankten und die Äste schwangen – dann hörte der Sturm auf und es kam ein Regen, plitsch platsch fiel er auf uns Bäume – und dann hörte der Regen auf und es kam die Sonne, es kamen auch Vögel, die Zweige öffneten sich, nahmen die Vögel entgegen, die zwitscherten….

Fünf Minuten höchstens dauerte das Spektakel, dann zogen Mutter und Tochter fröhlich ab und Gerda und D blieben zurück, um ein bisschen weiterzumachen.

 

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Gegen Abend zieht ein Unwetter auf

Gegen Abend zog ein Unwetter auf und entlud sich mit Blitz, Donner und Regenmassen. Wohltuenender Regen fiel auch in der vergangenen Nacht. Die Erde nimmt ihn auf und belebt sich.

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Kitries: ein bisschen Geschichte (mit Fotos)

„Gehen wir zum Fisch essen nach Kitries?“ – O ja!  Bestwetter, blauer Himmel, blaues Meer.

Ich steige allein den steilen uralten Pfad hinab, der von der Hauptstraße vorbei an einem historischen Kirchlein, wo grad eine Taufe stattfindet, zum Hafen führt.

Das Meer  weit unten kräuselt sich, grünlich schimmernd (herangezoomt).

Kitries – ich habe von diesem kleinen Hafen schon manches Mal erzählt, habe oft dort gesessen und gezeichnet, schau mal hier oder hier. Der Zauber des Ortes nimmt mich jedes Mal gefangen. Es ist eine Endstation, weiter geht es nicht, denn ein hoher unbewohnter Bergriegel trennt den Ort von dem weiter südlich gelegenen Kardamili.

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Oliven bestandenes Vorgebirge bei Kitries. Kugelschreiberzeichnung

Der kleine Ort und sein Hafen atmen Geschichte. Hier herrschten während der Türkenzeit die wilden nie bezwungenen Beys der Mani (Bey war ein osmanischer Herrschertitel), hier verluden die Herren der Zarnata-Burg ihre Waren…

Die Burg Zarnata, Mani

…hier verschworen sich 1819 die großen Familien, den ewigen blutigen Zwist zwischen sich zu begraben, sich zu vereinigen und gemeinsam gegen den osmanischen Besatzer zu kämpfen. Hier übernahm 1821 der Petrobey Mavromichalis („schwarzer Michael“) die Führung der spartiatischen Aufständischen….

Vielleicht findest du es merkwürdig, dass ich so viel Aufhebens von diesen längst vergangenen Zeiten und Ereignissen mache. Aber wie sonst soll ich dir den Ort nahebringen, der im Herzen der Maniaten weit mehr ist als nur ein klitzekleiner Hafen mit zwei Tavernen und einem Cafe.

Boote im Hafen von Kitries

Und ja: Der Fisch war köstlich. Prinkipissa und Paulinchen bekamen später die Köpfe.

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Herbstblättergeisterchen (Maries Schnipsel eingefärbt)

Mein zehnjähriger Mitspieler kommt erst am Montag, aber die Farbstifte lagen schon bereit. Und so dachte ich: sie sind ja auf der einen Seite weiß – die andere Seite kann ich schon mal einfärben. Gedacht – getan.

Dann legte ich ein Bild mit den weißen Stücken und nannte es Schneeflockengeisterchen. Zu früh fürs Jahr.  Die farbige Rückseite sah ich dabei nicht an, denn ich wollte mich selbst überraschen. Und ausprobieren, wie ein Kind das allmähliche Aufdecken empfindet. Ich erinnerte mich nämlich an meine Kindheitsfreuden, wenn es ans Auspacken ging….

Schneeflockengeisterchen

So, und nun drehte ich die weißen Stücke langsam um, erst alle Beine: „alle Beine werden bunt!“, dann „alle Bäuche werden bunt“, „alle Köpfe werden bunt!“ „Alle Flügel werden bunt!“ und schließlich „Alle Blätter werden bunt!“

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Nun ist Herbst, und der Winter kann gerne noch ein wenig warten. Wenn es dann so weit ist, drehe ich die bunten Blätter langsam wieder um, so dass die weiße Seite erscheint. Dann mag es schneien.

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