Lob der Chemie. Eine kata-strophische abc-etüde

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abc.etüden 2021 40+41 | 365tageasatzaday

Lob der Chemie.

Auf dem Beipackzettel steht

Was mit dieser Pille geht:

 

Du hast dir Kilos angefressen?

Die darfst du heute schon vergessen.

Auch wenn du isst was auf dem Tisch

Bleibst du doch schlank und jugendfrisch

 

Hast du Ärger mit dem Mann

Weil er was Männliches nicht kann

Gib ihm die Pille nur geschwind

Schon morgen kriegst du dann ein Kind.

 

Gib dem Kinde, wenn es plärrig

Trotzig oder allzu sperrig

Andres will als du und ich

Eine Pille vorsorglich.

 

Kommst du leicht schon aus der Puste

Eine Treppe – huste huste

Die Pille hilft, ja, rauche nur

Vom Husten bleibt dir keine Spur.

 

Wir möchten dir auch suggerieren:

Du brauchst die Pille zum Studieren

Fürs Hirn, fürs Herz und untenrum

Denn ohne Pille bleibst du dumm.

 

 O ja, Chemie mit ihrer Kraft

Hat jede Krankheit abgeschafft.

Hab vor dem Tode keine Bange!

Vertrau nur ihr, so lebst du lange.

 

Auch wenn du frisst und säufst und rauchst

Und täglich dein Stück Torte brauchst

Wenn du statt draußen zu spazieren

Noch ein Likörchen willst goutieren

 

Du bleibst doch knackig und gesund

Es reicht, dass du durch deinen Schlund

Alltäglich diese Pillen schickst:

Und dich mit der Chemie beglückst.

 

Geheimkünstler sind nicht am Werke

Die Transparenz ist unsre Stärke

Wir sagen dir, was in der Pille

Und wie sie alles Übel kille.

 

Auf dem Beipackzettel steht

Was mit dieser Pille geht.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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36 Antworten zu Lob der Chemie. Eine kata-strophische abc-etüde

  1. Werner Kastens schreibt:

    Du hast mich wieder einmal herzlich zum Lachen gebracht. Humor und Tiefsinn in einem Paket: typisch Gerda eben.

    Gefällt 6 Personen

  2. Christiane schreibt:

    Und weißt du, die Leute glauben das. Genuss ohne Reue. Ich weiß immer nicht, worüber ich mehr den Kopf schütteln soll: Über die Verantwortungslosigkeit der Versprechenden oder die Leichtgläubigkeit (um nicht „Dummheit“ zu schreiben) der Konsumenten … 🤔😉
    Herzliche Abendgrüße 😁🍷🧀🍪👍

    Gefällt 5 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Glauben sie es? Oder wollen sie es glauben, weil eine Änderung des Lebens zu anstrengend wäre?? Ich selbst trinke auch öfter mal zuviel Wein, obgleich ich weiß,d ass es mir nicht bekommt, und nehme dann vorsorglich eine Aspirin. Auch ich esse manchmal fette Torten, obgleich sie Gift sind etc Das sind so die üblichen Widersprüchlichkeiten des menschlichen Verhaltens.

      Gefällt 3 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Freilich, Christiane, manchmal entwickeln sich medizinische Moden auch tragisch. Eine Bekannte , die unter einer sehr schweren Form von Muskelschwäche litt, schlug sich mühsam mit ihrem zehnjährigen Sohn durchs Leben, Sie war trotz ihrer krankheitsbedingten Schwäche und Fettleibigkeit sehr lebenszugewandt und wollte wieder attraktiv sein. Darum unterzog sie sich einer Operation zur Magenverkleinerung, an der sie starb. Ich war sehr sehr traurig und wütend, als ich es erfuhr. Der Chirurg wurde nicht angeklagt.

      Gefällt 1 Person

      • Christiane schreibt:

        Ich höre hier immer, dass Magenverkleinerungen risikoreich und sozusagen nur das letzte Mittel seien, habe aber keine Kenntnisse aus meinem Umfeld damit. Hier werden eher Magenbänder propagiert, glaube ich.
        Was du beschreibst, hältst du das für einen Kunstfehler, denkst du, dass es dem Operateur an Wissen fehlte, ist sie falsch beraten worden bzw. einer Illusion aufgesessen wie bei diesen komischen Schlankheitspillen? 🤔😩
        Tut mir leid zu hören.

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    • gkazakou schreibt:

      Für mich ist ein solcher Eingriff bei einer Frau mit dieser Erkrankung kriminell. Die Gefahr eines Misslingens und sogar eines tödlichen Ausgangs ist viel zu groß. Das trifft auch bei vielen anderen sog „Schönheitsoperationen“ zu. Aus Gewinnsucht werden solche Eingriffe dennoch gemacht, wenn der Patient es wünscht

      Gefällt 1 Person

  3. Myriade schreibt:

    Ja, ja wie wahr. Viele Menschen schlucken unendlich viele Pillen ohne zu wissen, was da drin ist. Geht es aber um Impfungen zeigen sie sich sperrig …

    Gefällt 3 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Meinst du? Ich dachte,eben die, die die Pillen schlucken, sind die auch die, die die Impfung lieben. Die Logik ist ja dieselbe.

      Gefällt 2 Personen

      • Myriade schreibt:

        Wenig überraschend sehe ich das ganz anders 🙂

        Gefällt 1 Person

      • lachmitmaren schreibt:

        Das überrascht mich ehrlich gesagt schon, dass du das „ganz anders“ siehst. Ich weiß nicht, wie viele „Impfgegner“ du kennst. Aber die meisten sind Menschen, die ein anderes Verständnis von Medizin haben, ein ganzheitliches. Eines, das auf Eigenverantwortung und Stärkung der Selbstheilungskräfte setzt. Und das unbedarfte Eingriffe in ein von der Medizin in seinem Zusammenwirken nicht verstandenes großes Ganzes ablehnt. Es sind die ungefähr 10 % der Bevölkerung, von der auch die deutsche Bundesregierung weiß (und auch sagt), dass sie sie nicht wird „erreichen“ können mit ihrer Propaganda. (Deshalb setzt man stattdessen auf Diffamierung und „Strafaktionen“ wie Ausgrenzung aus dem gesellschaftlichen Leben.)
        Ein anderer (kleinerer) Teil der Gegner der Spritze sind Menschen, die tatsächlich bisher eher unbedarft waren, was die Erzeugnisse der Pharmazeutischen Industrie angeht. Die tatsächlich geglaubt haben, deren Produkte wären alle zu ihrem Besten. Die aber aufgrund der massiven Propaganda, der völlig überstürzten Einführung und des unglaublichen staatlichen Drucks hin zu einer nicht erprobten und völlig neuartigen Spritze (für die zuvor extra die strengen Vorgaben zu Gentechnik geändert wurden), dann doch skeptisch geworden sind – und sich bei diesem Medikament näher informiert haben.

        Gefällt 3 Personen

      • Myriade schreibt:

        Gegenfrage: wie viele Impfgegner, die in die von dir beschriebene Kategorie passen, kennst du persönlich?
        Über deutsche Verhältnisse kann ich nichts sagen. In Österreich habe ich in diesem Zusammenhang noch nie und nirgends etwas von ganzheitlicher Medizin gehört. Gibt es in D außer Vermutungen irgendeinen Hinweis darauf, dass ein nennenswerter Anteil der Impfgegner von solchen Betrachtungen motiviert wird?

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      • lachmitmaren schreibt:

        Myriade, ich habe einen Heilpraktikerschein. Die überwiegende Anzahl der Menschen, mit denen ich zu tun habe, hat eine ähnliche Weltsicht wie ich. Und die Zahl von rund 10 % sogenannten „harten Impfgegnern“ (eben der, die auch gerne als „esoterische Spinner“ diffamiert werden) habe ich mir nicht ausgedacht. Auch in Österreich und der Schweiz gibt es eine Menge Menschen mit dieser ganzheitlichen medizinischen Sicht. Wie viele Impfgegner kennst du denn persönlich?

        Gefällt 3 Personen

      • Myriade schreibt:

        Habe ich deinen Heilpraktikerschein bezweifelt? Dass die überwiegende Anzahl von Menschen mit denen zu zu tun hast und die Anhänger deiner Form von ganzheitlicher Medizin sind auch zu den Impfgegnern gehören, lässt nicht den Umkehrschluss zu, dass die überwiegende Anzahl der Impfgegner Anhänger ganzheitlicher Medizin sind. Ca 10% der Deutschen, das sind etwa 8,3 Millionen Menschen!!
        Es ist unredlich und unrealistisch, Maren, die eigene Blase als Maß aller Dinge zu nehmen und daraus Zusammenhänge zu fantasieren.
        Natürlich gibt es überall Menschen mit Interesse für ganzheitliche Medizin. Einige werden Impfgegner sein, andere nicht. Ich behaupte nicht das zu wissen.
        Im übrigen kann man ganzheitliche Medizin auch mit unfanatischen Augen betrachten und auch vieles andere schätzen !

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      • lachmitmaren schreibt:

        Du behauptest nicht, das zu wissen. Das stimmt … . Du behauptetest, das Umgekehrte zu „wissen“: Nämlich, dass die „Imfgegner“ gerne große Mengen bunte Pillen schlucken, ohne sich um Inhaltsstoffe zu kümmern. Und ich habe versucht, dir darzustellen, dass es „unredlich und unrealistisch ist, die eigene Blase als Maß aller Dinge zu nehmen, und daraus Zusammenhänge zu fantasieren“ … 😊😉 Denn ja, man kann Menschen, die Impfungen aus ihrer Weltsicht heraus ablehnen, auch mit „ganz unfanatischen Augen betrachten“ und vieles an ihnen schätzen.😎 Und ich weiß zu schätzen, dass du das auch tust!

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      • Myriade schreibt:

        *lach* Ich ziehe den Hut vor dem Plädoyer.

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Myriade, ich persönlich kenne ausschließlich Impfgegner, die das Impfen aus ganzheitlicher Sicht ablehnen. Andere, insbesondere Rechtsextreme und religiöse Fanatiker, die die Impfung aus anderen Gründen ablehnen, kenne ich nicht. Manche, meiner Bekannten sind sehr gut über alte Heilweisen informiert oder bemühen sich, diese weiter zu erforschen. Es gibt da Menschen, die ausgehend von den antiken Ärzten Hyppokrates, Galenos u.a..eine Synthese mit moderner Naturwissenschaft anstreben. Ich kenne Frauen, die ein enormes Wissen über die Wirkung von Kräutern, Tees, Wurzeln, von Heilquellen, Bädern und Gewürzmischungen, Segenssprüchen und Amuletten, Massagen und heilgenden Umschlägen,,haben. Ich kenne persönlich oder habe gehört von Apothekern und Kräutersammlern, die Medikamente, Tinkturen, Salben selbst bereiten. Ich selbst bin in all diesen Dingen leider recht unwissend, Es ist ein riesiger Schatz an überliefertem Wissen noch vorhanden.

      Dann gibt es die Homöopathen, die nach Bythoulkas (Grieche, der die Homöopathie weiter entwickelte) arbeiten. Ich persönlich vertraue mich einem Homöopathen an. Selbstverständlich ist er ein Gegner dieser Impfung und hat es momentan schwer.Zum Glück praktiziert er auch als „normaler“ Internist. .

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      • Myriade schreibt:

        Ich halte viel von moderner Medizin auch viel von diversen Formen von traditioneller Medizin und finde durchaus nicht, dass sie sich gegenseitig ausschließen.
        Die Vorstellung, dass die überwiegende Mehrzahl der Impfgegner Anhänger ganzheitlicher Medizin sind, wie Maren schreibt, halte ich für Wunschdenken. Es gibt auch ganz andere Gründe aus denen Menschen sich nicht impfen lassen wollen. Und man muss doch auch nicht absolut jedes Thema immer mit einem Schuss Impfen krönen!!
        Auf jeden Fall aber halte ich es für unseriös, ausgehend von der eigenen „Gesinnungsblase“ Welterklärungsmodelle zu erstellen.

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  4. Wortverdreher schreibt:

    In mir regt sich der Verdacht, dass in dem Vers mit aller Macht, und mit Sinn für Ironie, verspottet wird die Pharmazie. Doch haben wir uns‘re Pillen gern, sie helfen uns und sind modern, wer mag schon immer Äpfel essen, um den Doktor zu vergessen. 😊

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    • gkazakou schreibt:

      Da hast du so ganz Unrecht nicht, Ironisch ist wohl das Gedicht. Der Glaube an den Fortschritt wankt, Die Logik hat schon abgedankt. Wo Äpfel eine Wirkung täten, kauft man sich Pillen für Moneten. Und spritzt sich einen Cocktail rein,.anstatt ganz klar zu sagen:NEIN.

      Gefällt 4 Personen

  5. wildgans schreibt:

    Gut erkennbar: Alles Gerda!

    Gefällt 2 Personen

  6. lachmitmaren schreibt:

    Ja, die pharmazeutische und die biotechnologische Industrie schaffen wahre Wunderdinge: So mancher, der ihr vertraut und allen Versprechungen blind geglaubt – hat dann tatsächlich sein blaues Wunder erlebt. … Und manchmal leider dieses sogar auch nicht mehr „erlebt“. Aber es war halt bequem. Und der Doktor hat es verschrieben und die zehn anderen Pillen auch …. und er hat auch die Spritze sehr empfohlen … .

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  7. Myriade schreibt:

    Mir gefallen deine Stophen sehr gut aber ich bin nicht damit einverstanden, jede Art von pharmazeutischen Produkten in einen Topf zu werfen.

    Gefällt 2 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Danke Myriade,für dein Lob und Kommentieren.Was täte ich nur ohne deinen Gegenwind! (Als ehemalige Seglerin weiß ich, dass immer vor dem Wind zu segeln eintönig ist und passiv macht). Also darf ich präzisieren: Ich bin nicht gegen „jede Art von pharmazeutischen Produkten“! Ich nehme zB täglich ein Medikament gegen eine Schilddrüsen-Dysfunktion. Ich hoffe, davon runterzukommen, aber das braucht halt Zeit. Die ganzheitliche Medizin braucht Zeit um Früchte zu tragen, ist selbst zeitauffändig. und hat unbequeme Konsequenzen für viele schlechte Gewohnheiten, Sie erfordert eine aktive Haltung.im Gegensatz zum passiven Schlucken verordneter,und in ihrer Wirkung nicht verstandener Medikamente. Ich selbst bin oft faul und inkonsequent, und greife dann zwangsläufig auch zur Chemie (allerdings in sehr geringem Umfang). .

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      • Myriade schreibt:

        Dann sind wir uns ja eh einig, was hoffentlich nicht gleich das sturmnutzende Diskurs-Segel erschlaffen lässt, deines und meines 🙂
        Dass man so wenige Medikamente wie möglich nehmen sollte, davon bin ich auch überzeugt aber eben auch davon, dass es sehr gute Medikamente gibt, die vielen Menschen viel Lebenszeit und -qualität gebracht haben.

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  8. Friedrich schreibt:

    Bleibt nichts hinzuzufügen, außer: Danke!!

    Gefällt 2 Personen

  9. Hallo Gerda,
    jetzt wurde ja schon viel über den Inhalt deiner Gedichts-Etüde diskutiert. Ich möchte mich erst mal zu Form und Sprache äußern:
    Für mich klingt es wie Willhelm Busch: leichtfüßig, rhythmisch perfekt, bissig, ironisch und nie bierernst.
    Insofern hätte ich auch niemals ein Generalplädoyer für oder gegen irgendwas hinein interpretiert.

    Gefällt 3 Personen

  10. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 42.43.21 | Wortspende von puzzleblume | Irgendwas ist immer

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