„Soll ich dir die Yacht schenken?“ ruft Dora und lässt ihre Geschenkfackel sprühen. „Danke, nein“, rufe ich zurück. „die ist mir zu mondän! Aber wie wärs mit einem Kutter?“ – „Willst du den großen weißen oder lieber den kleinen dahinten?“ schreit Dora und hüpft beängstigend nah am Rand der Hafenmole entlang. „Der weiße gehört doch der Polizei, das geht nicht! Das gibt Ärger,“ schreie ich zurück. „Der kleinere wär mir recht. Aber sicher gehört der auch jemandem, den kannst du mir nicht schenken.“
Wird Dora jemals begreifen, was Eigentum ist? Sie denkt, alles gehört allen oder niemandem, man könne es hin und her verschenken, je nach Gusto und Augenblicksstimmung. Ein Boot, das am Kai liegt, und niemand braucht es, warum sollte sie es mir nicht schenken, denkt sie, damit wir eine kleine Spritztour machen? Danach, meint sie, könne ich es ja an den nächsten Interessierten weiterschenken. Ach Dora! So geht das nicht! Um etwas verschenken zu können, muss man es erst mal besitzen. Schließlich gibt es Eigentumsgesetze, die sind unerschütterlich, ehern und für immer in Stein gehauen.
„Komm“, sage ich, „gehen wir mal da rüber, angucken können wir den Kutter ja“. Also gehen wir rüber, aber der Zugang ist mit einer Schranke gesperrt. Ein Mann in einem Wachhäuschen, fast noch ein Junge, verkündet uns, man erwarte ein Schiff, darum. „Ein Schiff kommt?“ freut sich Dora. „Das wollen wir ansehen! “ Und so spazieren wir am hohen Zaun entlang bis zum Ende des Hafenbeckens, dort, wo eine weitere Mole mit einer hohen stabilen Mauer den Hafen vom offenen Meer abschirmt. Wir lehnen uns mit dem Rücken an die sonnendurchwärmte Mauer und schauen. Das Meer atmet tief und traumverloren. Nirgendwo ein Schiff.
Na, dann eben nicht. Auf dem Rückweg machen wir vor einem Riesengraffiti halt, das mir schon zuvor aufgefallen war: Adams lebendiger Finger berührt den Finger eines Kunstmenschen, so dass Funken sprühen. Dora interessiert sich nicht für das Graffiti und erst recht nicht für meine düsteren Gedanken, sondern für die Katzen, die direkt davor aus einem Napf fressen. Ein Hafenarbeiter hat ihn soeben gefüllt. „So geht schenken,“ sagt Dora und guckt mich naserümpfend von der Seite an. „Der Mann versteht mehr vom Schenken als du. Oder hat er etwa danach gefragt, wem die Katzen gehören?“
„Bei Katzen ist es was anderes,“ murmele ich wenig überzeugend. „Katzen gehören niemandem, grundsätzlich. Boote hingegen…. Komm, ich mache dir eins, ja? Und das schenke ich dir dann. Einverstanden?“
Auf gehts! Schiffchen ahoi!


































