In der Plaka (Athenmosaik)

Wer Athen kennt, kennt auch die Plaka, denn dort schlägt das Herz der alten Stadt. Steile Treppen, kleine Plätze, enge Gassen, alte Gemäuer, Tavernen und andere gastronomische Etablissements, Kirchen, Andenken, Klamotten, bummelnde Menschen, viele bummelnde Menschen, Sprachvielfalt, und über allem, zwischen den Häusern, über den Dächern immer wieder ein Stück Akropolis.

Da war ich heute: in der Plaka. Hab meinen Widerwillen gegen das Maskentheater zu Hause gelassen und hab mich auf die Socken gemacht. Denn ich war eingeladen zu einer Kindstaufe. Von wem? Nun, von Julia, deren Einträge in ihrem schönen Blog „Athenmosaik“ selten geworden sind. Keine Zeit. Ihr Sprössling  ist wichtiger. Kann ich verstehen. Blauäugig ist der Kleine – und das bei zwei glutäugigen Eltern. Es gibt da aber eine Oma väterlicherweits, eine charmante Dame von 93, die hat blaue lustige Augen, daher wird er es wohl haben.

Die Feier fand in einer alten Kirche der Plaka statt: Panagia Hrissokastriotissa heißt sie, gebaut wurde sie im 12. Jahrhundert, auf den Fundamenten – wie könnte es anders sein – eines antiken Tempels, der Hestia, der Göttin des Herdfeuers gewidmet war. Den Täufling und seine glücklichen Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel, Paten, Gratulanten möchte ich hier nicht abkonterfeien  Der Kater, der den noch leeren Kirchenraum und das goldene Taufbecken inspizierte, möge sie stellvertreten.

Dass all die Kirchen unterhalb der Akropolis auf antiken Fundamenten stehen und oft genug Spolien eingebaut wurden, versteht sich von selbst. Aber nicht immer wird man so deutlich mit der Nase drauf gestoßen wie in diesem Klosterhof, dem ich danach einen Besuch abstattete.

Schaut man nach oben, um auch die Kuppeln der Kirche zu betrachten, hat man prompt ein Stück Akropolis mit im Blick. Und das liebe ich so an Athen: dass die Geschichte so tief verwurzelt ist und auch im Alltagsleben niemals ganz in Vergessenheit gerät.

Sehr genossen habe ich diesen Stadtbummel unter leicht verhangenem Himmel, und so werde ich wohl doch ein paarmal ins Zentrum fahren, auch wenn ich die Museen nicht betreten darf. Was soll’s! Die ganze Stadt ist ein lebendiges Museum. Und dann gibt es ja auch die Kirchen mit ihren weit geöffneten Türen, die einem müden Stadtwanderer notfalls Asyl gewähren.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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10 Antworten zu In der Plaka (Athenmosaik)

  1. Stefan Kraus schreibt:

    Ein ganz großes Like zusätzlich für das Foto mit dem Kater im Kirchenraum ❤️

    Liebe Grüße an dich, Gerda!

    Gefällt 2 Personen

  2. Gisela Benseler schreibt:

    So wünsche ich aus der Ferne dem lieben Täufling, Sohn von „Athenmoaik“+, des Himmels Segen und Glück und Segen auf seinen Wegen.
    🌟🙋

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  3. signorafarniente schreibt:

    Dem Täufling und den Eltern nur das Beste. 🥳 Die flauschige Kirchenbesucherin hat mir sehr gut gefallen. 🐱 Und ich finde es toll, wie du das Beste aus deinem Athenaufenthalt rausholst. Du lässt dich eben nicht unterkriegen von dem Masken-Terror. 😃

    Gefällt 1 Person

  4. athenmosaik schreibt:

    Liebe Gerda, es war wirklich schön, dass du da warst! Es wurde gestern noch lang gefeiert… wir alle haben festgestellt wie lange wir schon nicht mehr in Plaka waren, Corona hat unsalle mehr in unsere Viertel zurück gedrängt. Um so schöner war es mal wieder in der Altstadt unterwegs zu sein!!
    Auf Bald! Julia

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  5. athenmosaik schreibt:

    Danke danke!!

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  6. So ist es richtig, liebe Gerda. Geh durch die Gassen und lass Dich nicht schrecken, öffne die Tore und keiner wird Dich zurückweisen.
    Die Plaka habe ich in wunderschöner intensiver Erinnerung, obwohl es so lange her ist daß ich dort war.
    Wie schön, daß Du bei der Taufe warst und ganz herzliche Glückwünsche für den Täufling und seine Eltern! Die Katze scheint meine Milli zu sein, die vor ca. 7 Jahren plötzlich verschwunden war. Vielleicht lebt sie in dieser hübschen Katze in der alten Kirche weiter… für immer.

    Gefällt 1 Person

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