Kunst am Sonntag: Pat Andrea und family

Athen ist gesteckt voll mit kleinen privaten Galerien, die noch immer die schöne Sitte haben, tagsüber für jederman geöffnet zu sein. Bzw die seit Ende  des letzten lockdown wieder geöffnet sein dürfen. Und so verband ich meinen Athen-Bummel auch diesmal mit einem kleinen Galeriebummel.

Als erste steuerte ich die Galerie Alma gleich neben dem Hauptkrankenhaus und der Metrostation Evangelismos an. Die ausstellenden Vier, deren Stil mir ähnlich vorkam, entpuppten sich als nahe Verwandte. Pat Andrea, Jg 1942, Sohn des holländischen Künstlerpaars Metty Naezer und Kees Andrea, figuriert hier als der Älteste und, wie ich meine, Stilgebende.

Die nächste Generation – Cristina Ruiz Guinazu und Mateo Andrea – bleibt dem stark grafisch-symbolistisch geprägten Vorbild verhaftet, findet dabei aber zu neuen thematischen Schwerpunkten.

Christina Ruiz Guinazu, Jg 1951, geboren in Argentinien, wo sie lebt und arbeitet.

Mateo Andrea, Jg. 1983, ebenfalls in Argentinien geboren

Die Jüngste, Azul Andrea, Jg 1988, ebenfalls in Argentinien geboren, arbeitet mit Installationen. Keine Fotos gemacht.

Alle vier Knstler haben eine internationalle Präsenz.

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Im Parnitha-Gebirge

Athen wird an drei Seiten von großen Gebirgszügen geschützt – die vierte Seite bildet die See. Die drei Gebirge sind:

Pendeli (Pendelikon) im Norden, berühmt durch ihren Marmor – Hymettos im Südosten, vergleichsweise lieblich, orchideenreich und sanft bewaldet – Parnitha (Parnis) im Nordwesten.

Parnitha ist das größte, höchste, wald- und schluchtenreichste Gebirge* Attikas – nicht zu verwechseln mit dem Parnass bei Delphi! Dort waren Freundin Tanja und ich heute, nach langen Jahren, erstmals wieder.

Viele seiner Hänge sind in verschiedenen Katastrophen abgebrannt, aber auf den Höhen sind mächtige Tannen-Urwälder stehengeblieben. Die oft mehrstämmig aus einer Wurzel wachsenden Bäume wirken wie Wesen aus einer unbekannten Vorzeit.  Viele sind von grauen Flechten fleckig überzogen, andere sind übermost, manchmal fand ich auch mir unbekannte Pilze an ihrer Borke hochwandern.

Von früheren Ausflügen erinnerte ich mich, dass dies wilde Kalkschiefergebirge mit seinen Klüften und Geröllen recht schwierig zu erwandern und nicht ganz ungefährlich ist. Aber der Weg, den wir benutzten, war gut ausgezeichnet und leicht begehbar,

Unterwegs erquickte uns eine ausgezeichnete Quelle, und am Ende des Weges erwartete uns ein altes Kirchlein, in dessen sonnigem Hof eine Wandergruppe saß und Lieder sang (σ’αγαπω / „ich liebe dich“)

In der Nähe der Kirche gibt es ein kleines Theater. Die Energie des Ortes sagte mir sehr zu. Ich fühlte mich dort gekräftigt und inspiriert und dachte: womöglich stand hier immer schon ein Heiligtum, denn es gibt die drei notwendigen Bestandteile: die Quelle – das Gotteshaus – das Theater.

Unser provisorisches Essen (ein feines Linsengericht im Weckglas) nahmen wir an einem sonnigen Hang ein, mit Blick auf eine bewaldete Schlucht. Zu unseren Füßen blühten Alpenveilchen und die ersten Herbstzeitlosen.

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*Wikipedia:  Die dünn besiedelte Parnitha erstreckt sich über etwa 40 km in Ost-West-Richtung und maximal 20 km in Nord-Süd-Richtung und bedeckt eine Gesamtfläche von etwa 300 km²….Es gibt insgesamt 16 Gipfel mit über 1000 m und 43 über 700 m Höhe. Der höchste Gipfel Karabola (Καραμπόλα) hat eine Höhe von 1413 m.

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Abend über Attika

Abendspaziergang mit einer Freundin im Stadtwald Syngrou. Schön war es.

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Für Gerhard (Kopf und Gestalt): Insekt und Fisch

Lieber Gerhard, das erste Bild – ein Insekt, das sich auf meiner Hose positionierte – poste ich in der Hoffnung, du kannst ihm den ihm zukommenden Namen geben-

Das zweite ist ein Beweisfotos dafür, dass ich keine „Verweigerin“ bin (Bezug:deine Kommentare bei mir, unter „Zeichnen im Cafe neben dem Steueramt“). Den Fisch habe ich inzwischen verspeist. Er war ausgezeichnet zubereitet, wohlschmeckend und nahrhaft. So wünsche ich mir alles, was ich zu mir nehme. Ich verweigere nur, was ich als für mich schädlich erachte. Und ich finde, da sollte mir niemand reinreden. Und schon gar nicht der Staat, der mich überhaupt nicht kennt.

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Mini-Vulkane und Verkabelungen (kleine Beobachtungen)

Eben las ich bei Joachim Schlichting den Eintrag über einen Miniaturvulkan im Asphalt.

Das traf sich gut mit meinen eigenen Absichten. Denn auch ich wollte heute zwei Fundsachen vom gestrigen Spaziergang zeigen, die ich Mini-Vulkane getauft hatte.

Den ersten fand ich am Stamm eines Eukalyptusbaums. Daneben hatte sich ein zweiter kleinerer Krater aufgetan.

Einem Exemplar des nächsten Mini-Vulkans ist sicher schon vielen begegnet. Ich jedenfalls sehe diese Art hier sehr oft. Es sind die fleißigen Ameisen, die ihn erschaffen. In den Krater schleppen sie, was ihnen nützlich erscheint.

Ich gebe gern zu, dass meine Mini-Vulkane von ihrer Substanz und Entstehungsgeschichte her Joachims Bitumen-Vulkan nicht nahe kommen, aber es gibt eine Formenähnlichkeit mit den Großvulkanen auch hier. (Für mich gibt es drei Vergleichsobjekte: den Ätna, die Caldera von Santorin und den Berg Vulkano in Messenien, dessen eingesunkener Krater eine eindrucksvolle Gipfellinie bildet)

Und da ich schon mal bei Formenähnlichkeit bin: Hat diese schöne, ebenfalls gestern fotografierte Pflanze womöglich als Vorbild für unsere Techniker gedient, die die Stromleitungen verlegen?

Hier seht ihr einen solchen Techniker am Werk:

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Zeichnen im Syngrou (Pinien. Zeichnen mit Überblendung)

In den Stadtpark ging ich heute nicht nur, um Eichenblätter und Schildkröten zu fotografieren, sondern auch um zu zeichnen. Ich suchte einen Platz zum Sitzen, fand ihn in einem Rundplatz, in dessen Mitte drei Pinien stehen, von denen die eine nur noch ein Baumstumpf ist.

Am Rande des Kreises gibt es noch eine Gruupe von drei Pinien. Sie wirken eingebetteter. Die Zypressen im Hintergrund hätte ich gerne isoliert, aber man kann sich den Sitzplatz – in diesem Fall in umgefallener Stamm –  nicht aussuchen.

Jedenfalls zeichnete ich diese beiden Motive, und wie immer, wenn ich draußen zeichne, tut mir hinterher der Rücken weh, aber ich bin zufrieden, denn ich habe mich mit einem Stück Natur tiefer verbunden. Ich habe der Bewegung der Stämme und dem Schuppigen der Rinde und dem verstümmelten Stamm nachgespürt, bin den geschwungenen Linien der feinen Zeige, an denen die Nadeln büschelweise sitzen, gefolgt, habe Licht und Schatten wahrgenommen.

Die andere Dreiergruppe:

Und ein Ergebnis meiner Überblendungsversuche. Mir hat sich die eher gleichgültige Baumgruppe nun, da ich sie gezeichnet habe, tief eingeprägt.

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Aug in Auge mit einer Schildkröte (kleine Beobachtungen)

Heute nachmittag war ich in unserem Stadtwald Syngou unterwegs. Nicht nur ich, natürlich. Einen anderen Spaziergänger seht ihr auf dem Foto. Ja, einen, nicht zwei. Du wirst doch den Stein nicht, so wie ich es einen Moment lang tat,  für die Gefährtin der Schildkröte gehalten haben? Ts ts ts.

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Herbst: Das Eichenlaub verfärbt sich

Zweimal Eichenlaub, gegen das Licht fotografiert. Das Chrorophyll zieht sich zurück (dazu die Erläuterungen  bei Joachim Schlichting, zB hier )

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Zum Abend zwei Pinien (Zeichnen, digitales Ausschneiden)

Kurz vor Sonnenuntergang kam meine Nachbarin, die Malerin Efi, und holte mich zu einem Bummel ab. Wir wollten noch schnell ein wenig zeichnen. Schön wars, der Boden und die Pinien vom rötlichen Abendlicht getränkt.

Das Zeichnen der gewaltigen Bäume ging mir leicht von der Hand.

Eigentlich hätte ich es dabei belassen können, aber ich hatte Lust, erneut das Überblenden auszuprobieren. Doch das gelang mir trotz aller Mühe nicht. Die Ergebnisse befriedigten mich nicht. Da nahm ich die digitale Schere und schnitt meine Zeichnung aus, machte sie  kräftiger, klebte sie auf diverse Hintergründe. Mal wurde sie zur winzigen Vignette auf blauem Himmelsgrund…

dann wieder legte ich sie über das Foto eines alten Feigenkaktusblatts …

und schließlich vor die Unwetterwolke, die mich in der vorigen Woche so beeindruckt hatte.

Was mir dabei aufging, war, wie unterschiedlich wir die Größe wahrnehmen, je nachdem, in welchem Kontext ein Gegenstand erscheint.

 

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Im Cafe neben dem Steueramt (Skizzen mit Überblendung)

Doppelblattskizze, Kugelschreiber

Ihr kennt das Hundeschild: „Hier müsst ihr leider draußen bleiben“, das nun auch für uns „Ungeimpfte“ vielerorts gilt. Also muss mein „geimpfter“ Ehegatte so manches erledigen.  Ich fahre ihn hin und … warte. Ich hasse aber das Warten. Ich möchte meine Zeit selbstbestimmt ausfüllen. Und so habe ich mich heute ins Cafe neben dem Steueramt gesetzt und die dort abhängenden Gestalten konterfeit.

Es handelte sich um Männer, die wohl in Päuschen von der Büroarbeit nebenan machten. Manchmal wechselten sie Worte, dann wieder stellten sie die Beine um, drehten den Kopf zum Lieferwagen, der vorfuhr und nach vollbrachter Anlieferung wieder abfuhr. Einmal stand einer auf, wechselte zum Nachbartisch, widerwillig verschoben die dort Sitzenden ihre Gliedmaßen, um für seinen Stuhl Platz zu machen.

Kugelschreiber-Skizze, Skizzenbuch einseitig

Die erhöhte Platform mit dem Tisch begrenzt ein Staketenzaun, darüber spendet ein riesiger Sonnenschirm Schatten, und dahinter werden Straßenbäume, ein Kiosk, Verkehrsschilder und Autos, eine Bushaltestelle und gelegentlich auch Menschen sichtbar. So ungefähr waren die Herrschaften in diesem Surrounding plaziert.

Ja, sie saßen weit entfernt – zum Glück, denn sonst hätte ich sie kaum unbemerkt zeichnen können. Dennoch ist es für die Bildwirkung natürlich besser, sie ein bisschen größer erscheinen zu lassen.

Das Vorübergehende, Ephemere der menschlichen Erscheinung im fest gefügten Raum kommt hier ganz gut zum Ausdruck, doch ist die Bildwirkung immer noch sehr schwach. Also vertiefe ich die Linien, mache die Zeichnung weniger transparent, schneide aber Teile aus, so dass das Umfeld sichtbarer wird, und setze die Figuren ein wenig um. Durch ein ausgeschnittenes „Fenster“ wird die andere Zeichnung sichtbar.

 

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