12-Monatsbild. Zum Abschluss: Die Wurzelmännchen im Januar

Zuende ging nun dieses schöne Projekt von Zeilenende, an jedem letzten Sonntag des Monats ein Motiv aufzunehmen. Mein Atelier ist grad zu weit weg, und das Ersatz-Motiv, die Wurzelmännchen, sind hinter einem hohen Drahtzaun verschwunden. Ich fand sie aber doch wie immer possierlich, wie sie nun nackt und bloss im Schatten der hohen Zypressen und im Winterlicht tanzten.

Damit ihr auch was sehen könnt, holte ich sie am Computer heran (3 Bildausschnitte) bzw drehte, Abschied nehmend, an den Helligkeitswerten (das letzte Bild).

Und wie waren diese witzigen Kerle im Jahreslauf beschaffen? Hier seht ihr ein paar Exemplare im Januar, März, April, Mai, Oktober, November 2017:

Was mein Atelier anbetrifft: open end. Ich werde weiter berichten, was sich darin tut. Und vielleicht wähle ich mir nun ein anderes Jahresmotiv…

Danke, Zeilenende, danke allen Mitstreiterinnen und Mitstreitern (die Liste findet ihr auf dem obigen link). Es hat Spaß gemacht, mit euch durchs Jahr zu reisen!

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abc-etüde: Der Meister des Gelb.

Noch eine kleine abc-etüde, zu der Christiane eingeladen, deren Wörter Elke Speidel spendiert und deren Einladungskarte lz produziert hat. Diesmal ungereimt.

Dialog über einen Maler, dessen Name gesucht wird.

Wie heißt er doch gleich, der Meister des Gelb?!

Was für ein Gelb meinst du denn?

Schilfgelb und honiggelb und zitronenfaltergelb und …

Schon gut, ich weiß, wen du meinst; er malte Mädchen und Frauen mit Krug, nicht wahr?

Ja, genau! Es gibt da ein Bild, da gießt eine Magd aus einem schweren Tonkrug Milch in eine Schüssel, und daneben steht ein Krüglein—

Und das ist blau, stimmt΄s?

Ja, und ein anderes, in dem sieht man eine Frau mit einem Wasserkrüglein am Fenster, und ein anderes, wo eine Frau ihre Perlenkette bewundert, und ein himmelschüssel-  pardon, -schlüssel, ich meine schlüsselblumengelber Vorhang weht ins Zimmer. Er lebte in Holland, ich glaube, im 17. Jahrhundert.

In den Niederlanden, stimmt. Vielleicht malte er so viel sonniges Gelb, weil es in seiner Heimat ständig regnet und graupelt…

Ach komm, sag schon! Wie heißt er, mir liegt der Name auf der Zunge, aber ich bring ihn nicht raus!

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Person/Maske/Persönlichkeit und Inneres Kind

Wieder beschäftigen mich die Wörter  „sichtbar“ (verborgen) und „bekleidet“ (ursprünglich), die ich auf Peter Maschkes Material* entdeckte.

Sichtbar ist die Bekleidung, die Maske. Im griechischen Wort für Maske (prosopeio), aber auch für Person und Gesicht (prosopo) steckt das altgriechische ops-ωψ Auge. (Du kennst es von Optik, Optiker. Vergl. hierzu meine Beiträge „Griechisches Alphabet des freien Denkens“  o und ω). Prosopo ist das, was „vor Augen liegt“, was ich sehe und was der andere von mir sehen kann. Die „prosopikotita“ ist die Persönlichkeit: die will gesehen werden. Verborgen ist, was darinnen steckt: der Mensch.

Oben unterhalten sich zwei „Persönlichkeiten“. Vielleicht ist die eine Buchgelehrte und die andere Kunsttheoretikerin. Sie sprechen durch ihre Masken hindurch. Schwer zu sagen, ob sie als Menschen mit einander auskommen werden.

Im Bauchbereich der Alten treten zwei Kinder in Erscheinung. Es sind ihre „inneren Kinder“. So dachte ich, als ich die Bilder legte. Und ich dachte auch: die „Inneren Kinder“ der beiden vertragen sich gut, egal welche Gesichter die da oben schneiden und welche Hüte sie tragen. Sie sind die ursprünglichen dem Leben zugeneigten Menschenkinder. Verborgen und meist ignoriert leben sie in uns weiter. Sie weinen und lachen und wollen gut sein und spielen und sind trotzig und neugierig und treuherzig und was nicht noch alles. Meist können sie noch nicht lesen, und Bilder malen sie noch selbst.

*Dιe Schnipsel dieser Legebilder stammen, wie schon öfter angesagt, von Jürgen Küster, der seinerseits das Material seines verstorbenen Kollegen Peter Maschke für seine Scherenschnitte verwendete und mir die Schnittreste überließ. Die Legefläche beträgt 7o x 100 cm.

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Kata-Strophen mit Krüglein, Graupe(l)n, himmelschlüsselgelb (abc-etüde)

Neues Etüden-Futter! Die wie immer sehr ansprechende Verpackung ist von lz. (Ludwig Zeidler), die Wortspende von https://transsilabia.wordpress.com/  (Elke H Speidel) und angeboten wird es im Laden Irgendwas-ist-immer von Christiane. Danke, danke, danke!

Zu singen nach der Melodie von „Sah ein Knab ein Röslein stehn“, für Könner in Franz Schuberts Vertonung. Danke, lieber Johann Wolfgang, für deine Gedichts-Vorlage.

 

Krüglein Krüglein

(c) gerda kazakou

Sah ein Knab ein Krüglein stehn
Krüglein auf dem Schrankerl
Draus duftete es morgenschön
Nach Graupelnporridge! Ungesehn
stieg er aufs Ofenbankerl.
Krüglein himmelschlüsselgelb
Krüglein auf dem Schrankerl.

Knabe sprach: ich hole dich
Krüglein auf dem Schrankerl!
Krüglein sprach, zerbrich mich nicht
Zerbrichst du mich, du blöder Wicht
Dann schmeiß ich dich vom Bankerl!
Krüglein himmelschlüsselgelb
Krüglein auf dem Schrankerl.

Und der wilde Knab zerbrach
‘s Krüglein auf dem Schrankerl
Scherben und ein Porridgebach
fieln auf ihn, und mit viel Krach
fiel er vom Ofenbankerl.
Krüglein himmelschlüsselgelb
Krüglein auf dem Schrankerl.

(c) gerda kazakou

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Minotaurus, Theseus und Ariadne (Picasso, Dali und Gala)

Der Minotaurus wird, so erzählte ich, durch die Opferung von Jungfrauen und Jünglingen beschwichtigt. Die kommen aus Athen, von Minos geforderter Tribut für eine Kriegsschuld. Alle neun Jahre segelt ein Schiff mit den ausgelosten Opfern von Athen nach Kreta.
Doch in Athen ist eine neue Welt ist am Entstehen. Verkörpert wird sie durch den jugendlichen Heroen Theseus, der, bevor er schließlich die Herrschaft über die Stadt antritt (vermutlich um 1259/58 v. Chr), das Land von vielen Ungeheuern „reinigt“. Seine berühmteste Tat ist wohl, dass er sich mitsamt den durch Los bestimmten Opfern freiwillig nach Kreta begibt und dort den Minotaurus tötet. Damit wird die Tributpflichtigkeit Athens gegenüber dem Minoerreich beendet.

Nun, vieles gäbe es über diesen Helden zu berichten, doch soll hier die Szene genügen, die ihn berühmt machte: Mithilfe von Minos Tochter Ariadne tötet er den Minotaurus.

Theseus und Ariadne treffen auf den Minotaurus (a) gerda kazakou

Ich habe mir gestattet, dieser Szene eine humoristische Wendung zu geben. Kürzlich unterhielten Susanne Haun und ich uns in ihrem Kommentarstrang über Dali und Picasso. Et voila! Dali geht, unterstützt von seiner Frau Gala, mit spitzem Pinsel auf Minotaurus Picasso los, der mit dem breiten Pinsel abwehrt. Potenz gegen Potenz. Die Frage bleibt: Wer sticht wen aus?

Denn nicht nur Picasso (siehe drei Beispiele hier), auch Dali hat den Minotaurus gezeichnet. Eine lang verschollene von ihm fürs Russische Ballett von Monte Carlo hergestellte Kulisse ist wieder aufgetaucht. Außerdem fand ich bei derselben Quelle Dalis Plakat für dieses Ballett (1941), das kein rechter Erfolg wurde.

Und hier noch mal zwei Kupferstiche von Picasso, aus dem Netz.

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Pasiphae und der Stier, Minotaurus (Jürgens + Peters Schnipsel)

Schatten –  Licht

sichtbar – unsichtbar, verborgen, bekleidet

Das sind die polaren Begriffe, die ich aus Jürgen Küsters bzw Peter Maschkes Material herausgelesen habe und um die meine Fantasie nun kreist. Dabei entstand nicht nur das Legebild „Schatten, sichtbar…“, das ich gestern zeigte, sondern noch drei weitere, alle der griechischen schwarzen Vasenmalerei nachempfunden.

I. Pasiphae und der Stier

Pasiphae, „die alles Überstrahlende“ war eine Tochter des Helios (Sonne, Licht). Doch sie hatte auch ihre Schattenseite: sie verliebte sich leidenschaftlich in den Stier, den ihr Mann, König Minos von Kreta, nicht, wie er sollte, dem Zeus geopfert hatte. Der geniale antike Ingenieur Dädalos schuf eine künstliche Kuh, in die kroch sie hinein, um sich vom Stier (Tavros) begatten zu lassen. Aus der Vereinigung entstand Minotaurus (Stier des Minos).

Pasiphae und der Stier (c) gerda kazakou 2018

Die Alles-Überstrahlende Pasiphae also bekleidet sich mit der Kuhform, um im Verborgenen ihren Lüsten nachzugehen. Die künstliche Form, die sie umkleidet, ist sichtbar. Darinnen verbirgt sich die Königin. Ich habe ihr den Fotografen als Gesicht gegeben, da sie die Täterin ist und Szene arrangiert hat. Der Stier ist der Getäuschte.

Pasiphae mit Fotografen-Gesicht, verborgen in der künstlichen Kuh

Stier mit Stierkopfsymbol

 

 

 

 

 

 

 

Pasephae und der Stier als Vasenbemalung (c) gerda kazakou 2018

Das sichtbare Ergebnis dieser Vereinigung ist ein dunkles Wesen: sein Kopf gleicht einem Stier, sein Körper dem eines Mannes. Die Wildheit und Tragik dieses Wesens hat Picasso immer wieder dargestellt.

(Eigene Fotos, Ausstellung Theodorakis Stiftung Athen, 2016)

II. Die Frucht der Vereinigung: Minotaurus

Minotaurus (links), Vereinigung der Pasiphae mit dem Stier (rechts) (c) gerda kazakou 2018

Die künstliche Hülle ist von Pasiphae abgefallen, sie wird sichtbar – als dunkle Gestalt. Im Innern des Stiers und des gemeinsamen Sohnes aber erscheinen helle Gestalten, denn das Licht der Helios-Tochter Pasiphae hat sich der reinen Finsternis verbunden. Hier die entstandenen Figuren, positiv-negativ.

Der griechische Mythos sperrt Minotaurus, die „Missgeburt“, ins Labyrinth. Minotaurus wird verborgen. Auch Daedalos, der Erbauer des Labyrinths, wird dort eingesperrt, um das Geheimnis nicht zu verraten. Niemand soll die Frucht der mütterlichen Sünde mit Augen schauen. Die Leidenschaften des Stiermenschen lassen sich nur dadurch beherrschen, dass ihm alle neun Jahre sieben junge Mädchen und Knaben vorgeworfen werden….

Fortsetzung folgt.

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Nachtrag zu „Schatten, sichtbar….“

Ich sagte, mir sei beim Legen des letzten Bildes eine Ähnlichkeit mit den griechischen Vasen-Figuren aufgefallen. Diesen Eindruck versuchte ich durch kleine Interventionen mit Fotoshop zu betonen.

 

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Schatten, sichtbar, bekleidet, Änne (Jürgens Schnipsel)

“ … jetzt scheinst Du den thematischen Weg gefunden zu haben, der alle Elemente, die im Material enthalten sind, verbindet. Oder? Das Thema, der Inhalt, bändigt das Material“. Das schrieb Jürgen, von dem die Schnittreste stammen, im Kommentar. Und erklärend fügte er hinzu: „Mit „bändigen“ ist gemeint, dass das Thema sich wie ein Band um das Material schließt und ihm eine feste Form gibt.“ Das war gestern, und mein Thema war „Verschollene Romane“ – wegen der zerschnittenen Schriftzüge auf dem Material hatte ich diesen Titel gewählt.

Heute wendete ich mich gezielt den Schriftzügen zu, die, wie ich von Jürgen wusste, „handschriftliche Textstellen aus diversen Büchern“ sind. Sie stammen, ebenso wie die aufgeklebten Bilder und die schwarze Übermalung, vom verstorbenen Künstler Peter Maschke. Ich hörte sagen, er habe „das Reisen und die Frauen geliebt“.

Die Schriftzüge, soweit sie noch lesbar sind, habe ich hier zusammengestellt. Auffällig ist die Häufung von zwei Wörtern: „sichtbar“, „Sichtbares“ und „Schatten“, „Schattenbild“, außerdem „bekleidet“. Der Brief an „Änne“ kommt hinzu.

Bei den aufgeklebten Bildern fiel mir, außer farbigen Szenen, die ich Heronimus Bosch und Boticelli zuordne, das Foto eines Fotografen auf.

Dominantes Element ist die schwarze Farbe, die große Teile des Material bedeckt.

So. Und nun mach mal etwas aus diesen Impulsen.

 

Der Fotograf wird zum sehenden Auge, zum Gesicht. Seine Art zu sehen ist: Positiv und Negativ.  Schatten. Sichtbares und Unsichtbares, Bekleidetes und Nacktes.

sichtbar-unsichtbar, bekleidet-nackt (c) Gerda Kazakou

Wieso fiel mir erst beim Legen auf, dass das Material mich an die schwarzen Figuren auf griechischen Vasen erinnert?

Die obige Legearbeit hat als Grund eine grau-weiße Pappe im Format 70 x 100 cm.

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Jürgens Schnipsel: Szenen aus verschollenen Romanen (1 und 2)

Nun also Schluss mit dem Fitzelkram. Die Kleinen sind im All verschwunden, es blieben die Großen, Schwergewichtigen, Bildreichen und die mit den Texten.
Ich beginne damit eine neue Reihe, die Szenen aus verschollenen Romanen darstellen. Sie spielen zu anderen Zeiten und in fremden Regionen – wer weiß, vielleicht hat Peter Maschke, der verstorbene Erschaffer dieses Materials, sie einst gekannt.

Hier die ersten Versuche. BITTE ANKLICKEN!

  1. (mit Kleidertausch)

2. (mit Greis und Blumenzwerg)

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Jürgens Schnipsel-Artisten entschweben ins All

Hier sind sie noch mal, die kleinen Artisten aus Jürgens Schnipseln! Der Boss hat ihnen eine schlimme Nummer zugedacht, mit Drachen, Schlangen und ähnlichem Getier. Den Mond hatte er als Trophäe auf einen Pfahl gesetzt.
Die Artisten aber bastelten sich drei Fluggeräte wie einstmals Dädalos für sich und Ikaros, um dem Minotaurus zu entfliehen ….

…. und entschweben ins All. Wenn du heute Nacht den Kopf in den Nacken legst und hinaufschaust in den Himmel, dann kannst du sie inmitten der anderen Sternbilder erblicken. Vielleicht.

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