Amalfi und drüber hinaus

Aus meiner Unterwelt auftauchend, lasse ich mich vom Strom der Touristen die Hauptstraße zwischen touristischen Auslagen und Lokalen jeder Art hinaufspülen zum Domplatz mit Brunnen.

Es findet sich auch ein stiller Nebenarm zur belebten Hauptstraße in Form eines mittelalterlichen Gewölbegangs.

So gelangen wir in die aufeinander getürmte Oberstadt und zu einem Schild, das einige Sehenswürdigkeiten ankündigt:  mittelalterliche Siedlung, alte Wassermühle, Wasserfälle.

Ein freundlicher Mensch weist uns einen Fußweg, dem wir folgen sollen, so weit uns die Füße tragen.
Und so steigen wir auf schier endlosen, zum Glück flachen Treppenstufen hoch hinauf über eine grünende Schlucht.

Hier nun erst wird mir bewusst, wie schmerzhaft ich „Natur pur“ vermisst habe. Von der Mani nach Neapel – das war ein gewaltiger Sprung. Salerno milderte den Schock, denn Natur und Stadt sind dort freundlicher verzahnt. Aber der Blick aus einem Fenster im 4. Stock, er mag so schön sein, wie er will, und der Besuch einer Gartenoase bringen einen denn doch nicht wirklich in Kontakt mit der Kraft der Natur. Und so hatte sich bei mir langsam eine Art Erschöpfung bemerkbar gemacht.

Jetzt nun steige und steige ich, mit jedem Schritt zwar atemloser, aber auch glücklicher. Endlich eintauchen in die wunderbar schattenden Wälder, die sich mir in den Bergen versprechen. Nun, soweit kommen wir leider nicht, mein Mann macht schlapp. Wir erreichen gerade noch ein zauberhaftes Gasthaus, das, wie ich erfrage, in der Küche ausschließlich selbst Angebautes verwendet. Der kleine Sohn des Hauses läuft täglich die Strecke zur Schule, die wir mühselig erklommen haben. Für den Transport größerer Gegenstände gibt es Esel. Wir genießen eine erfrischende Zitronen-Granita und kehren zurück in die Stadt.

Im städtischen Zentrum beschauen wir uns einen viel fotografierten Figurenbrunnen und anderen hübschen Schnickschnack.

Schließlich bin ich neugierig genug, die vielen Treppen zur Kathedrale zu ersteigen und mir den maurisch inspirierten Kreuzgang (13. Jahrhundert) sowie den zum Museum umgestalteten alten Bau der Kathedrale (6. Jahrhundert) anzuschauen. Und wahrhaftig, es lohnt sich. Wunderbar fügen sich die rankenden und schwankenden Naturformen, die alten Schnitzwerke und feinen Marmorreliefs in den lichten steinernen Kirchenbau. (Die heutige Kathedrale, Neubau aus dem 13. jahrhundert, durcheile ich nur, denn mir gefällt ihre katholisch-düstere Pracht nicht wirklich).

Mit dem nächsten Boot kehren wir zurück nach Salerno, satt und matt von all den Bildern. Und ich beginne endlich wieder zu zeichnen. Aber davon habe ich ja bereits erzählt.

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, alte Kulturen, Fotografie, Kunst, Leben, Natur, Reisen, Skulptur, Umwelt abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

32 Antworten zu Amalfi und drüber hinaus

  1. kunstschaffende schreibt:

    Bei der Flut von Eindrücken, ist es bestimmt schwer den Anfang für die zeichnerische Verarbeitung zu finden!😊👏👏👏👏👌👍🤗

    Liebe Grüße Babsi

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  2. Susanne Haun schreibt:

    Was für Motive, liebe Gerda!

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  3. kormoranflug schreibt:

    Dein Selfi mit Hut ist wirklich interessant. Grüsse nach Amalfi.

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  4. Myriade schreibt:

    Ist das ein romanischer Kreuzgang ?

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    • gkazakou schreibt:

      Nein, er wiedererstarkten im 13. Jh gebaut und ist stark durch maurische Baukonzepte geprägt. Es diente als Begräbnisstätte für die vornehmen Bürger, las ich.

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      • Myriade schreibt:

        Was meint deine Tastatur mit „wiedererstarkten“ ? 🙂 Dann wohl eine stark maurisch beeinflusste Gotik. Davon gibt es ja auch in Andalusien eine Menge, aus den Zeiten allseitiger religiöser Toleranz

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    • gkazakou schreibt:

      wiedererstarkt = wurde erst 😉 o, dieses Korrekturfleißige iphone!
      Ja, Gotisch plus, so ähnlich wie in Andalusien, würde ich annehmen. Das Königreich Neapel, das Sizilien einschloss, ist ein sehr intressantes architektonisches Laboratorium , denn es trafen hier Elemente der griechisch-orthodoxen, römisch-katholischen, normannischen, maurischen, deutschen Baustile aufeinander und vermischten sich.

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    • gkazakou schreibt:

      Ist ja gar nicht so wichtig, liebe Bruni, den Baustil benennen zu können, es reicht ja auch, sich diese zierlichen Säulen und Spitzbögen staunend zu Gemüte zu ziehen 🙂

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  5. afrikafrau schreibt:

    schaue kurz rein…wou…wou….. reise mti dir…zauberhaft deine Photos… motivauswahl mit gesschultem Auge…..werde mir alle nochmal in Ruhe ansehen…….vielen Dank..daß du mit uns teilst……

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  6. Maren Wulf schreibt:

    Welch eine Fülle! Ich staune und verstehe sofort, dass dieses „Viel“ auch erschöpft, da es dem Auge wie dem Geist wenig Raum lässt. Wie viele Eindrücke werden noch bei dir daheim Bild werden wollen…

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  7. Ulli schreibt:

    Liebe Gerda,
    ich liebe Gewölbegänge und solch engen Treppengassen, die auch in größter Hitze Kühle schenken, wenn dann die Stufen nicht zu steil sind, was leider nicht immer so ist – Glück gehabt! Ich erfreue mich an den Eseln für die Lasten und den Kindern, die noch einen Schulweg gehen und nicht gefahren werden (können). Was sind die Menschen doch vielerorts so bequem geworden!!!
    Schon gestern dachte ich, dass Amalfi ein Ort ist, den ich gerne einmal mit eigenen Augen sehen würde. Hier wirkt Architektur „organisch“, weil sie sich einfügt und nicht dagegen gebaut wurde. So ist es ja in den alten Zeiten meistens eh gewesen und ist ein gutes Beispiel für die Verzahnung von Architektur, Technik und Natur, sowie Mensch…
    danke auch heute für deinen Bericht,
    herzliche Spätabendgrüße mit ein bisschen Kühle, nach wieder einem affenheißem Tag mit gutem flow 😉
    Ulli

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    • gkazakou schreibt:

      Danke Ulli! Ich weiß nicht, inwieweit das mit dem „Organischen“ noch zutrifft, denn der Ort, der sich von der Küste in eine Bergschlucht hinein erstreckt, wirkt inzwischen mit all seinen Neubauten an den Rändern außerordentlich zusammengepresst. Die Häuser stapeln sich übereinander, weil sie keinen Platz haben, quetschen sich in den begrenzten Raum zwischen Steilwand und Talsohle. Für mich war der Ort trotzdem sehr schön, zum einen weil ich vom Meer kam, und zum anderen, weil ich den Ausweg in die Berge fand. Und dann natürlich die wirklich schönen alten Strukturen, der herrliche Kreuzgang, die alte Kathedrale, die Brunnen. Ich könnte dort viele Wochen leben, glaube ich. esgibt so viel zu zeichnen!

      Gefällt 2 Personen

  8. Ich bewundere die Fülle der Eindrücke, die du während einer an sich doch schon alle Aufrmerksamkeit für die Alltagsverrichtungen erfordernden Reise zu verarbeiten und auch noch auf sehr interessante Weise zu verschriftlichen vermagst.

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  9. kowkla123 schreibt:

    ich habe bei dir viel gesehen und gelernt, alles Gute wünsche ich dir.

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  10. kopfundgestalt schreibt:

    Feiner Katalog an Bildern! Satt, übersatt 🙂

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  11. www.wortbehagen.de schreibt:

    Die Bildergier, die kenne ich auch gut, liebe Gerda. Ich kam von einer knappen Woche Bodensee mit mehr als sechshundert Bildern zurück *lach*. Dann begann ich zu löschen 🙂 Es blieben ca. fünfhundert übrig, hm, tja

    Es war halt eine vollgepackte Woche bei Dir, mit so vielen Eindrücken, daß sie wahrscheinlich zuerst mal alle übereinander purzelten, bis sie sich klären konnten, ruhige Momente dafür fanden…
    Und über allen Häusern lag sie, die Natur, die Dir so fehlte und dann die schöne alte Kathedrale, innen so hell und kühlend wie Balsam wirkend.

    Und ich muß zugeben, daß ich vor dem eigenen Kommentieren immer auch die Kommis der anderen lese und dann Deine zugehörigen Antworten, weil ich hier so viel Witz und Humor finde, daß es gar köstlich zu lesen ist und ich ständig schmunzeln muß

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