Jürgens Schnipsel: Wehmut des Clowns

Den Clown habe ich, seit er mir gestern unvermutet erschien, in mein Herz geschlossen. Und so ging ich ihm heute nach und sah, wie er sich unter einen nächtlichen Baum setzte. Der halbe Mond zog über den Himmel.

Plötzlich richtete er sich steil auf, so als sähe er etwas in der Ferne. Es war eine Erinnerung. Er war ein kleiner Junge, der mit seiner kleinen Geliebten in die Ferne zog. Mir scheint, sie trug einen Drachen in der Hand.

Und da das Licht schlecht war, habe ich euch noch zwei  Detailfotos mitgebracht. Schaut mal, der Drachen und das Kleidchen scheinen aus demselben Stoff gemacht:

 

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Es weihnachtet sehr

Heute blies es eiskalt von den Bergen, der Unrat wirbelte durch die engen Athener Altstadtstraßen, und E zog mich ins nächstbeste Cafe. Da seien die Kellnerinnen in Trachten und alles wahnsinnig toll dekoriert. Was stimmte. Vor der Tür stand schon mal eine alte Kutsche mit naturgetreu nachgebildetem Pferdchen, und ein mürrischer Mann in Zylinder und zerschlissenem grauem Überrock wies uns in den ersten Stock. Gehorsam erstiegen wir eine enge Treppe und landeten in einem Raum, in dem sich so ziemlich alles, was irgendwie an Weihnachten gemahnt, ein Stelldichein gegeben hatte. Das Ganze überwuchert von Lichterketten und weißen Flocken. Wir ließen uns neben einer geschnitzten Krippenszene nieder und bestellten, dem Ort angemessen, heiße Schokolade. Aus den Lautsprechern tönte die Kleine Nachtmusik ….
Als ich dann aber all die Eulen mit ausgebreiteten Flügeln unter der Decke fliegen sah, wollte ich fliehen. Die gekrönte Prinzessin, die als Kellnerin fungierte, versicherte mir zwar, die seien nicht echt, aber: woher waren dann ihre Flügel, ihr schöner Federschmuck? Und die anderen Vögel in altmodischen Käfigen und überhaupt dies ganze wahnsinnige Ambiente fing an, mir unheimlich zu werden.
Natürlich floh ich nicht, sondern trank meine Schokolade aus, hörte in den Gesprächspausen noch andere Musik – nein, Jingelbell war es nicht – und freute mich, mit E zusammenzusein, die ich seit zwei Monaten nicht gesehen hatte. Sie erzählte mir von einer Gruppe, bei der sie Schamanisches mit Aufstellungen verband. Und von ihrer Arbeit in der Abendschule, die immer schwieriger wird. Die Drogenszene ist bis in den Schulhof vorgedrungen, und viele Schüler versäumen den Unterricht. Es ist dieselbe Schule, an der ich eine Weile kunsttherapeutisch tätig habe. Wenn es dich interessiert: hier findest du einen Beitrag dazu.

Für Ostern wird umdekoriert, vernahmen wir auf Nachfrage.

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Jürgens Schnipsel – keine Artisten?

So dachte, so behauptete ich: Susannes Schnipsel wollten Artisten sein, Jürgens Schnipsel hingegen hätten dunklere Geschäfte im Sinn. Wie Unrecht ich hatte!
Sicher, die von Jürgen sind eine andere Truppe als Susannes lieblich-freundliche Artisten mit den sonnigen Farben und der großen Spirale. Sie haben einen Boss, sie tun unschuldig wie kleine Kinder, sie verbergen sich hinter der Cownsmaske – sie haben es faustdick hinter den Ohren.

Hier treten sie vor dem Boss an: drei Kleine und ein Clown. Der Boss mit dem Kater auf der Schulter erklärt ihnen, was er von ihnen erwartet: sie sollen den Mond vom Himmel holen.

Und hier noch mal die Protonisten in Großaufnahme

Hier zwei Phasen der Vorführung. War es der Kater, der den Mond herunterholte?

 

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Jürgens Schnipsel beginnen zu erzählen: Alt-Chinesisches

Nach den morgendlichen Fingerübungen fangen die Schnipsel tatsächlich an, mir Geschichten zu erzählen. Da das Ausgangsmaterial von Peter Maschke stammt, der gern und viel reiste (so schrieb mir Jürgen), wundert es mich nicht, dass es mich heute beim Legen nach China verschlug.
Das erste Bild erzählt von einem traditionellen Chinesen und seiner fleißigen Haushälterin (Tochter, Ehefrau?). Sie putzt das Bad, macht die Betten, bügelt seinen Pyjama, während er, seine Pfeife rauchend, die Arbeit überwacht.

Doch dann ändert sich die Geschichte. Der Alte bleibt in seiner Ecke hocken, aber die Frau wird zum Kind. Eine Krücke zeigt: es kann nicht gehen. Es lässt einen Drachen steigen und träumt sich in die Freiheit. (1. Bild)

Der Drachen wandelt sich in ein Zauberwesen, das seine bewegliche Zauberkraft auf das gelähmte Mädchen richtet. Der alte Mann löst sich auf, zurück bleibt nur seine Pfeife (2. Bild)

Und siehe da! Das Kind stellt sich auf seine Füße, es kann gehen! Ein Vögelchen setzt sich zu der Pfeife, ist wohl der Großvater, der nun nicht mehr in seinem Eckchen sitzt und raucht. (3. Bild)

Die Bild-Qualität ist leider miserabel, denn ich hatte schlechtes Licht und hab mich verrenkt, um beim Fotografieren keinen Schatten zu werfen. Nun ja. Ich hoffe, du goustierst die Geschichte auch so.

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Jürgens Bildmaterial: Kopf und Gestalt – Sechs Variationen

Heute habe ich mir Regeln gesetzt, um nicht in der Masse der durch Jürgens Schnipsel gesetzten Reize zu ertrinken. Ich nahm 12 Stücke, legte sie in zwei Säulen von je 6 Stücken und beschloss: Jedes dieser Stücke soll einmal Kopf einer Figur sein dürfen – nach dem Motto: Wenn DU das Sagen hättest, wie würde die Welt aussehen? Da ich aber der absoluten Macht nicht traue, ließ ich immer zwei Köpfe das Sagen haben. Dialogische Machtteilung, sozusagen.

Zugegeben, nicht alle benutzen ihren Kopf, um Macht auszuüben. Der eine will nur lieben, die andere nur reisen, eine will sich gut unterhalten und ein anderer… etc pp. Auch das wird in den Bildern deutlich.

Auf gehts! 6 Bilder, 12 Köpfe, dreimal waagrechtes, dreimal senkrechtes Format 50 x 70 cm (zum Vergrößern anklicken)

 

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Jürgens Bildmaterial, 1. Fortsetzung

Schnipsel möchte ich dies Material eigentlich gar nicht nennen. Zwar, es ist ein Abfallprodukt, doch die größeren Stücke sind durchtränkt von den Gedanken und Gefühlen, von den Energien der beiden Künstler, die sie geschaffen haben: Peter Maschke und Jürgen Küster. Heute versuchte ich, mich davon freizukämpfen. Meine Idee war, alle kleinen, irrelevanten Teile einzusammeln und aus ihnen etwas Neues zu gestalten. Schon bald aber merkte ich: die großen bedeutsamen Stücke zogen mich mehr an.
Zuerst entstanden zwei Puppenspieler, wie ich sie vom Schattentheater kenne. Die Idee gefällt mir, sie ist dem Material angemessen. Dann entstand eine Szene, die mit dem Schwarz-Weiß-Thema spielt: ist die mittlere Dame schwarz oder rosa? Dann versuchte ich es auf neutralem Grund: Schiffe. Die, dachte ich, liebt auch Jürgen. Aber die Bildwirkung blieb zu schwach. Und so kehrte ich zu den Figuren zurück.

Ich will über die entandenen Bilder jetzt gar nichts weiter sagen. Gespannt bin ich auf eure Kommentare. Zum besseren Sehen bitte anklicken.

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Jürgens Schnipsel sind da! Erste Annäherung

Jürgen Küster, vom Bucholov Blog, hat mir die Überbleibsel seiner Scherenschnitte geschickt. Der Umschlag DINA4 kam heute mit der Post, an der Seite klaffte eine große Öffnung. Doch der Inhalt war intakt:

Der Freude folgte die Spannung. Was das wohl für Schnipsel sind? Ich schütte sie auf eine weiße Unterlage im Format 70 x 100 cm, aber es sind zu viele, um mir einen Überblick zu schaffen (Bild 1) Also häufe ich einen Teil aufs Sofa (Bild 2) und breite den Rest vor mir aus (Bild 3), aber immer noch erschlägt mich die Fülle, und ich reduziere weiter (Bild 4)

Sogleich ist mir klar: das wird schwierig. Dies Material ist vollkommen anders als das von Susanne Haun.

Susannes Teil

Susanne hatte eines ihrer Bilder willkürlich zerschnitten. So waren – bis auf eine große Spirale – geometrische Teile mittlerer Größe entstanden, die als solche „neutrales“ Baumaterial für meine Bildwelten sein konnten, wenngleich sie natürlich Susannes Energie in Farbe und Form trugen.

Jürgens Material aber?  Wenn ihr bei Jürgen schaut, zB unter https://juergenkuester.net/2018/01/02/was-macht-man-damit/ oder unter dem Stichwort  „Scherenschnitt“, dann bekommt ihr einen Eindruck von den Teilen, die er mir geschickt hat: es sind die Negativformen, die bei Jürgens Schneiden übrig blieben. Sie sind abgeleitet von seinem künstlerischen Wollen. Große, winzige, schwarze, farbige, gemischte, unregelmäßig geschnittene, bedeutende, skurile Reste, unbewusste Überbleibsel eines bewussten Tuns halte ich in der Hand.

Ich nehme ein Teil aus der Masse heraus, betrachte es genauer:  Schnitte, Einschnitte, auch Reißstellen. Und Teil eines aufgeklebten Bildes von Hieronymus Bosch, so meine ich zu erkennen. Jürgen hat mir erzählt: das Material stammt ursprünglich vom inzwischen verstorbenen Künstler Peter Maschke. Jürgen schrieb mir dazu: „Die Papiere, die ich fuer die Scherenschnitte verwendet habe, waren von ihm schwarz übermalt und mit farbigen Kopien beklebt worden. Handschriftliche Textstellen aus diversen Büchern  waren eingefügt. Sie lagen jahrelang in seiner Materialecke und warteten auf irgendetwas. Aber was?“ So viel Wollen, so viel Geschichte steckt in diesen Schnipseln. Wie werde ich damit umgehen können?

Meine erste Reaktion ist: ich muss die Geschichte unkenntlich machen, vielleicht sogar ganz auslöschen, um eigenes daraus zu formen. Ich versuche es auf einer quadratischen grauen Fläche 50 x 50 cm mit ein paar willkürlich herausgegriffenen Teilen, die ich dicht zusammen, teilweise auch übereinander lege. Aber überall spritzt mir Bildhaftes entgegen, das sich nicht integrieren, sondern seine eigene Stimme behalten, seine eigene Geschichte erzählen will.

In einem zweiten Anlauf stülpe ich meine eigene Bildwelt über das Eigenleben der Teile, ich zwinge sie, eine kleine untergeordnete Rolle in meiner Geschichte zu spielen. Und ja, so wird es gehen. So kann ich sie zähmen.

Aber etwas Unbefriedigendes bleibt. Die Teile sind zu schön, zu ausdrucksstark, zu geladen mit ihrer eigenen Geschichte, als dass ich sie einfach so unter meine Absichten unterordnen möchte. Ich muss einen mittleren Weg finden, in dem jedes Teil wichtig bleibt und sich dennoch meinem persönlichen Ausdruckswillen fügt.

Fortsetzung folgt.

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Montags ist Fototermin: Mimosen

Wieder in Athen. Graues Wetter. Zurückgelassen im Mani-Garten habe ich den blühenden Mimosenbaum.

Unter dem noch kahlen Aprikosenbaum sonnt sich Tito. Gestern.

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abc-etüde: discokugel

Eine neue Schreib-Herausforderung mit den Wörtern von wortgeflumselkritzelkram. (wortgeflumselkritzelkram.wordpress.com)! Sehr schön wieder die Einladungskarte von lz!   Christiane meint, mit den gespendeten Wörtern kehrten wir in vertrautere Gefilde zurück. Aber stimmt das denn? Die Wörter sind: „Discokugel, wahnsinnig, klauen“. Tja. Ich versuch es mal mit ein paar Kata-Strophen.

Für unsere Bastlerinnen und Bastler

Eine Bastelidee

Warum die Discokugel klauen?
Ist doch leicht, sich eine zu bauen:
Nimm eine von deinen Chinalaternen
Brauchst nur das olle Papier zu entfernen
Dann hol dir den Spiegel aus der Toilette
Oder den großen über dem Bette
Schmeiß ihn mit Kraft
Und mit Kennerschaft
Damit er zerschellt
und in Stücke zerfällt.
Klaube vom Boden die Scherben.
Du musst sie jetzt einfärben
Mit Gold und Rot und Silberlack
Auch Blau und Grün, ganz nach Geschmack
Die klebst du auf das Schirmgestell
Mit Uhu-Kleber, trocknet schnell.
Und am End, das allerbeste,
hörst du schrein die Party-Gäste:
W A H N S I N N I G !

 

SPIEGEL ZERTRÜMMERN        SCHERBEN VERKLEBEN                    AUFHÄNGEN

WILD TANZEN BIS SICH ALLES DREHT

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abc-etüde: Rosalis Nachtgesang

Noch eine abc-Etüde gefällig? Ludwig Zeitlers, des Etüdenerfinders, Wort- und Bildspende hat mich noch einmal zum Reimen animiert. Diesmal verbinde ich es mit meinen Schilfwurzelwesen, die von Ulli und Babsi so herrlich benamst wurden. Danke euch beiden, danke Christiane für deine liebevolle Betreuung!

 

 

 

Rosali

Rosalis Nachtgesang

Supernovaüberrest
Daraus bauen wir ein Nest
Für die Bruni und den Bruno,
für die Hilda und den Kuno
für Gnubbel, Kiki und Klein-Erna
und für den Herrn Professor Werna
für die Babsi und die Ulli,
Madame LaChatte im Streifenpulli
Für Ludwig und für Onkel Raubig
Ob irdisch oder sternenstaubig
Platz ist für alle die wir lieben
Für dich und mich und drei mal sieben
Für fbr zwölfelfundzwei
Auch er darf kommen, wer’s auch sei.
Wir streichen unser Nest dann locker
Mit Himmelblau und Erdenocker
Ultraviolett ist für die Schatten
Dann bleiben weg die Nageratten
Und nun mein Herzchen, Gute Nacht
Du schlaf mal jetzt, ich halte Wacht.

Die Zeichung habe ich heute mit Kohle und Ölkreiden auf grauer Pappe, im Format 70 mal 100 cm, gemacht. Für den Anlass der Etüde habe ich dann die linke Figur in ein Nest aus ultraviolett strahlendem Sternenstaub verwandelt. Bitte zum Vergrößern anklicken.

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