Mehr Meer – Januar 2018

Ich bin schon wieder am Abschiednehmen, sollte eigentlich längst in Athen sein. Aber das Meer hielt mich fest. Jeden Tag ist es neu. Dies sind Aufnahmen von vier verschiedenen Tagen im Januar, die letzten fünf von gestern. Wenn du sie anklickst, hast du mehr vom Meer.

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Die Unterrichtsstunde

Jeder weiß, dass Kinder unterrichtet werden müssen, auf dass sie brauchbare Mitglieder der Gesellschaft werden. Das gilt nicht weniger für die Schilfwurzeln.  Heute wohnte ich einer solchen Unterrichtsstunde bei. Viel verstand ich nicht, die Schilf-Sprache erschließt sich mir nicht so ohne weiteres, aber ich vermute, dass die Lehre ungefähr auf das hinausläuft, was auch bei Menschenkindern üblich ist.

Ich habe die Figuren (es sind die gestern übrig gebliebenen) stark vergrößert mit Kohle und Ölkreiden auf graue Pappe im Format 70 x 100 gezeichnet. Für Details bitte anklicken.

 

 

 

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abc-etüde: Sternenstaub

Für die abc-etüden, die Christiane so wunderbar betreut, heute ein Abschnitt aus meinem Romanfragment „Schwanenwege“. Ich habe ihn fast unverändert übernehmen können. Nur die drei speziellen Wörter habe ich eingefügt, sie kamen so nicht vor: die Bezeichnung des Sternennebels war eine andere Buchstabenfolge, blutrot war der Nebel, aber ohne ultraviolette Strahlung, und die zusammenfassende Bezeichnung „Supernovaüberrest“ fehlte. Sonst aber ist alles (ein wenig gekürzt) wie ich es vor Jahren ersonnen habe. Der Roman-Held, von dem in diesem Abschnitt die Rede ist, ist der „Sterngucker“ Ludwig. Ja, er heißt tatsächlich Ludwig wie der Erfinder der Etüden Ludwig Zeitler, der diesmal auch die Wörter gespendet hat. Zufall?

Ludwig kehrt heim

Der blutrote Nebel der Supernova frb 121102 breitete sich zwischen den schönen Hauptsternen der Zwillinge wie ein gefährlicher Polyp, den Rücken gegen Pollux, die Fangarme gegen Kastor gerichtet. Bei dieser gewaltigen kosmischen Explosion zerstreuten sich die chemischen Elemente, die der Stern während seiner Lebenszeit synthetisiert hatte, im Raum – Material für künftige Sternenwelten und planetarische Systeme. Aus diesen Stern-Prozessen stammte auch das Eisen in unserem Blut, stammte das Calcium der Knochen; die noch schwereren Elemente – Gold und Silber und Kupfer -, brauchten, um sich zu bilden, die unvorstellbar hohe Energie einer explodierenden Supernova: Supernovaüberreste waren es!
Ludwig betastete das Goldkettchen an seinem Handgelenk,  bemüht, diese gewaltigen Entstehungszusammenhänge in seinem Bewusstsein zu halten, während er seinen Blick auf den Ort gerichtet hielt, an dem er  den roten Nebel mit der intensiven ultravioletten Strahlung mehr erahnte als sah. Und er sann, in sich hineinschauend, dem Schicksal seines Blutes und seiner Knochen nach. Da kam ihm das Lied von Joni Mitchell in den Sinn: „Aus Sternenstaub sind wir geschaffen“.*
Leise pfiff er die Melodie vor sich hin in die Stille der Nacht, die sich über das hügelige Land und das Wasser breitete, eine Stille, die durch das leise Regen, plötzliche Quaken und Flattern, Auffliegen und Quietschen unsichtbaren Nachtgetiers noch vertieft wurde.

*Der Text des Liedes lautet: „I came upon a child of god / He was walking along the road / And I asked him, where are you going / And this he told me / Im going on down to yasgurs farm / Im going to join in a rock n roll band / Im going to camp out on the land / Im going to try an get my soul free / We are stardust We are golden / And we΄ve got to get ourselves / Back to the garden“

Bei den Bildern handelt es sich um Ausschnitte früherer Arbeiten, gemischte Technik auf Leinwand (oben) und Papier (unten).

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Schilfwurzelmännchen: Die Neuankömmlinge

Gestern konnte ich euch die Neuankömmlinge nur als ungeschiedene Zuhörer-Masse der singenden Mme Kolokytha präsentieren. Ich versprach, mich der armen Entwurzelten einzeln anzunehmen, denn jede und jeder hat sein eigenes Gesicht, seine eigene Geschichte, seinen eigenen Namen.

Beim Zeichnen stellte ich fest, dass diese Wesen nicht anders als die Menschen viele Seiten haben. Vom ersten Wurzelmännchen portraitierte ich daher zwei Ansichten …

bei den anderen zeichnete ich dann nur noch eine Ansicht, denn das Blatt (50 x 70 cm Zeichenkarton) wurde zu voll.

Und nun zeige ich noch mal Original und Zeichnung in Einzelaufnahmen: zuerst die beiden inzwischen „Alteingesessenen“, dann  das neu angeschwemmte Volk, noch ein wenig nass, zerzaust und sandig, wie ich es einsammelte, aber doch schon auch ein wenig eingewöhnt. Voila!

Ihre Namen sagten sie mir auch, aber leider ist mein Namensgedächtnis inzwischen sehr schlecht geworden. Vielleicht magst du den einen oder die andere taufen? Was ihre Schicksale angeht – nun, das ist immer dieselbe Leier: eben noch trugen sie stolz den weichen Schilfwedel auf dem Haupt und ließen ihn in der sanften Brise wehen, dann kam ein Unwetter, das Wasser unterspülte sie und eine Welle riss sie schließlich mit sich fort.  Sie wurden dann von allerlei Kräften hin- und hergeschmissen, bis sie eben dort landeten, wo ich sie auflas. Entwurzelte.

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Die unglaubliche Madame Kolokytha (Schattenklänge)

Von meiner Wanderung am Gialova-See brachte ich einen Beutel mit Beutestücken mit, darunter etliche Schilfwurzelmännchen. Meine Idee war, diese entwurzelten, an Land gespülten Gestalten, diesen „Auswurf“ also, erst als wüsten Haufen, dann einzeln zu zeichnen, um ihre jeweilige Besonderheit und Individualität, ihr persönliches Schicksal sozusagen, zu ehren. Etwa so: 

Die Idee kam mir, als ich Ullis Beitrag zum Projekt Schattenklänge las.

Dann aber hieß es plötzlich:  Keine Zeit mehr für Portraits. Einsammeln, ab nach Athen. Ich schüttete die Wurzelmännchen samt Sand auf eine Arbeitsfläche, stellte auch Madame Kolokytha als Aufpasserin dazu. O wei! Ich hätt es mir ja denken können. Gut, dass ihr ihr Gekreisch nicht hören musstet! Ihre Ausdrucksweise war alles andere als political correct, soviel kann ich verraten. Sie war eben ziemlich in Panik. Ihr eigener Schatten machte ihr Angst! Obgleich ich ihr nicht ganz Unrecht geben konnte, denn das fremde Volk sah ziemlich abgerissen aus, sagte ich hart: „Ich gehe jetzt, Sie werden sich an ihre Gesellschaft gewöhnen müssen“. Und ging. Und schloss die große Tür zum Atelier zu.

Doch dann ändern sich unsere Pläne. Wir verschieben unsere Abreise noch einmal. Ich schließe das Atelier wieder auf…. und staune nicht schlecht: Madame Kolokytha singt aus Leibeskräften eine Arie, es ist, wie ich langsam begreife, „Dich, teure Halle, grüß ich wieder“ aus dem Tannhäuser.

Mme K singt Arie aus dem Tannhäuser (c) gerda kazakou

Und das armselige entwurzelte Volk liegt ihr zu Füßen oder reckt sich zu ihr empor und lauscht verzückt ihrem Gesang. Sie aber, scheint mir, hat ganz und gar vergessen, wo sie sich befindet. Der Schatten an der Wand scheint mir jetzt fast eine kleine Ähnlichkeit zu haben mit Herrn Wagner, der einst die Arie schrieb. Auch er lauscht wohlwollend dem Gesang der Olympia Kolokytha. Oder etwa nicht?

bearbeitete Fassung (c) gerda kazakou

Bleistiftzeichnung, mit Kohle verstärkt, auf weißem Karton, 50 x 70 cm

Zum Projekt „Schattenklänge“ : https://sofasophia.wordpress.com/2018/01/10/blogaktion-schattenklaenge-die-spielregeln/

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Montags ist Fototermin – 2. die Natur (Naturschutzgebiet von Gialova/Messinien)

Kaum zu glauben, heute, am grauen Nieselregentag: Gestern war ich unterwegs im Gialova-Naturschutzgebiet, in den Dünen bin ich rumgestiegen unter strahlendem Himmel, war vorher auch im Palast von Nestor … Aber davon in einem anderen Beitrag.

Das Rund des „Kuhbauches“ mit seinem Rand aus Sand und glänzenden dunklen Algen wandern wir ab, ersteigen auch eine der hohen Dünen. Einen Steinkreis finde ich, denke an Ulli. Mein Schatten fällt lang und dunkel auf den lockeren Sand der Düne.  Im feuchten Sand  Wellenbilder und Fußabdrücke von kleinen Vögeln und schweren Menschen. Mein footprint.

Scharen von kleinen Vögeln am Strand,  fliegen auf, als ich mich nähere, da fliegen sie auch schon über dem Wasser, schau! In der Ferne siehst du sie kaum, du musst das Bild schon heranziehen. Auch meine Freundinnen am gegenüberliegenden Ufer sind winzig. (4 mal Original und Ausschnitt)

In dieser gewaltigen Natur, zwischen diesen weiten Horizonten: Welchen Bildausschnitt soll ich nur wählen, um Berg, See, Spiegelung und Welle zu erfassen? Ich probiere es wieder und wieder und kann mich nicht entscheiden. (Ein Motiv, sechs Varianten)

Weitere Beiträge zu disem Naturschutzgebiet findest du unter

Ausflug nach Gialova (3) Im Naturschutzgebiet

Ausflug nach Gialova (2) Gialova und das Abendmeer

Ausflug nach Gialova (1): Im Dorf Pyla über der Bucht

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Montags ist Fototermin: 1. Kultur (Palast des Nestor, Minoisches Grab, Museum)

Zuerst die Kultur, dann die Natur!

Gestern waren wir im „Palast des Nestor“. Wurde der Palast tatsächlich vom homerischen Helden, Nestor dem „Alten“, gebaut? Möglich ist es schon. Die Anlage stand auf einem Hügel einige Kilometer Entfernung vom Meer. Wie leicht sich die Luft hier oben atmen lässt, wie beflügelte auch mich die Energie des Ortes! Damals, als der Palast erbaut wurde, wohl so um 1700 vor unserer Zeitrechnung, arbeitete man noch mit Bronze, das Eisen kam erst siebenhundert Jahre später an die Reihe. Der Ruhm des Ortes überlebte den Niedergang der Bronze-Kultur. Neunhundert Jahre später gab Homer dem inzwischen mythischen König Nestor Gestalt und Stimme.

Minoisch ist der Rhythmus, in dem der Palast gebaut und ausgemalt wurde, ganz ähnlich wie in Knossos auf Kreta. Heute sieht man noch die Grundmauern und eine tönerne Badewanne (!), alles geschützt durch eine kluge Überdachung, deren einziger Nachteil ist, dass man die herrliche Natur rundum nur in Ausschnitten betrachten kann. Erläuternde Tafeln begleiten den Rundgang.

Grad wollten wir weiter zum Museum im benachbarten Dorf, da sah ich zwischen zwei Hügelchen eine Kuppel. Ein intaktes minoisches Grab? „Wenn man nicht weiß, wohin man will, so kommt man am weitesten“ – las ich heute bei Jeannette als Zitat von Shakespeare. Und tatsächlich gelangte ich sozusagen mit einem Sprung von heute zurück ins frühe 2. Jahrtausend v.Chr.. Etwa so weit entfernt vom Punkt Null unserer Zeitrechnung wie wir Heutigen.

Völlig perplex, denn nirgends hatte ich ein Hinweisschild gesehen, stürmte ich über einen Hügel auf die Kuppel zu, stolperte über einen niedrigen Draht, rappelte mich auf, rannte hin zum Eingang, der sich riesenhaft vor mir auftat, trat ein in ein Gewölbe aus rundum in immer engeren Kreisen geschichtetem Stein, in schwindelnder Höhe zusammengehalten durch den runden Schlusstein. Wasser tropfte hinab auf den lehmigen Grund, meine Stiefel versanken darin, als ich, nicht achtgebend, durch diesen wunderbaren Raum ging, den Kopf im Nacken, staunend. (Die Stiefel zog ich später, als wir im nahegelegenen Dorf ins Museum gingen, aus, und so betrachtete ich die Vitrinen in Socken. Nein, erkältet habe ich mich nicht, und gesäubert sind die Stiefel inzwischen auch.)

Eine Ahnung von der Höhe gibt das Tor, darin der Mensch als Maßstab. Von außen wirkt das Bauwerk eher bescheiden, zumal es im Zug der Jahrtausende in die Erde eingewachsen ist und nun durch einen tiefen Graben erschlossen wird. Die innere Kuppel konnte ich nicht fotografieren.

Jetzt also noch schnell ins Museum im Nachbardorf! Dort werden die Reste der Wandbemalungen und viele andere Gegenstände aus dem Palast und aus den minoischen Gräbern der Region (denn es gibt noch weitere, wie ich inzwischen erfuhr) aufbewahrt. Töpfer aufgepasst! Könntet ihr heute übermannsgroße Vasen für Öl herstellen, die auch nach 4000 Jahren noch intakt sind? Und wir Maler: wie sieht es mit der Haltbarkeit unserer Farben aus? Die Pfeilspitzen und gröberen Schmiedearbeiten zeugen wohl schon vom Übergang in die Eisenzeit. Wie fein dagegen die Arbeit des Goldschmieds! Die eleganten Ziselierungen des winzigen Kopfes erkennt man erst durch die darüber aufgebaute Lupe.

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Petrohori und Voidokoilia, Westküste Messiniens

Dοrt, an der fast kreisrunden Voidokoilia (Bauch der Kuh), war ich heute. Νach tagelangen Unwettern und weiteren angekündigten Regenfällen machten wir – drei Frauen – dennoch den geplanten Ausflug ins Dorf Petrohori bei Pylos. Die eine ist dort zu Hause.

Was wir von dort aus bei Bestwetter erwanderten und entdeckten, möchte ich euch morgen in aller Ruhe zeigen. Heute nur noch ein Panorama-Foto zum Einstimmen.  Am besten, du klickst die Fotos an, dann siehst du auch Einzelheiten. Gute Nacht!

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Abendmeer

Abendmeer, 13.1.2018, 17 Uhr

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Bei den Artisten zu Haus – und ein Bild an ihrer Wand

Heute zeigte Susanne Haun ihre eigene Legearbeit mit den Schnipseln, die sie mir anschließend schickte.  Auch sie stellte – wie konnte es anders sein – eine Zirkusnummer dar. Und so entschloss ich mich spontan, den Artisten einen Besuch abzustatten, um ihnen Susannes Bild – sozusagen ihr Ahnenfoto – zu zeigen.

Die meisten waren daheim. Die Kleinen saßen um einen runden Tisch, die große Schwester und die Mama schleppten Tabletts mit Leckereien herbei. Die Wohnung war erstaunlich gut aufgeräumt und das Einzige, was vielleicht ins Auge fiel, war, dass sich die Kids nicht von ihren Kopfbedeckungen trennen mochten und die Mama einen Indianerschmuck trug. Sonst waren sie eine ganz normale Familie. Dass der Papa sich von der Kindertafel fernhielt – nun, das soll ja auch in den normalsten Familien vorkommen.

Eine echte Überraschung wartete dann aber doch noch auf mich. Als ich nämlich (wie es meine Gewohnheit in fremden Wohnungen ist) das Bild hinten an der Wand genauer anschaute, wunderte ich mich nicht schlecht. Es zeigte spielende Kinder in altmodischen Kostümen, die aus der mir sehr bekannten Schneiderei gkazakou stammen. Wie ist es nur an die Wand der Artistenfamilie geraten?

Hier noch mal zum Vergleich, wie unterschiedlich sich Susannes und meine Schnipsel ausmachen. Die Schnipsel in der ersten Reihe stammen, abgesehen von den blauen, von Susanne. Die Schnipsel in der zweiten Reihe stammen von mir.)

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