
weißer Palast. Copyright Gerda Kazakou
Merkwürdiger Weise ist die Farbe Weiß, wenn sie auf dunklen Grund aufgetragen wird, nicht lichtvoll, sondern dumpf, so als sauge sie das Licht auf. Die Technik hier: Akryllpigmente, Kleister auf Leinwand. Die Linien sind mit dem Pinselstiel eingekratzt.
Ganz anders wirkt Weiß, wenn man es als Grundfarbe des Papiers oder der Leinwand stehen lässt. Da macht es leicht ein „Loch“ in der Fläche. Es ist schwierig zu handhaben. Daher haben nur wenige Maler das Weiß als Farbe eingesetzt. Wenn sie es taten, wie zB Henri Matisse, hielten sie die weißen Objekte durch Linien oder geringe Beimischungen von Blau oder Gelb in der Bildfläche.
Auch im folgenden Bild zeigt sich, dass Weiß keineswegs lichtvoll, sondern eher geisterhaft wirkt. Eine künstlich beleuchtete Welt. Kunstlicht, wie wir sie heute vom Neonlicht kennen, hebt das Gittergeflecht vom dunklen Hintergrund ab. Wie anders waren die Farbeindrücke, als die Maler bei Kerzenlicht, Ölfunzeln oder Gaslaternen malten! Die Technik: Akryllpigmente und Kleister, darüber weiße Plastikfarbe, gegossen und durch Bewegung der Leinwand verteilt.

Im dritten Bild habe ich den Bildraum durch Weiß fast ganz „verschlossen“, indem ich auf den bräunlichen, durch Klebestreifen und Lochstreifen gegliederten Hintergrund (Pappe) weiße Ölkreide breitflächig auftrug. Ich mag dieses Bild sehr, es beschäftigt mich. „Mit Brettern vernagelt“ scheint die Welt. Aber wenn ich mich einlasse und nicht ängstlich zurückweiche, wird sich ein Durchgang zeigen. Und ich schreite hindurch in eine Zauberwelt, wie Alice durch den Spiegel schritt. Oder täusche ich mich?
